Helen Frankenthaler, Grotto Azura, 1963, Öl auf Papier, Collection Helen Frankenthaler Foundation, New York, © Helen Frankenthaler Foundation / VG Bild-Kunst, Bonn 2022

Malerische Konstellationen

Museum Folkwang würdigt US-amerikanische Malerin Helen Frankenthaler mit umfangreicher Einzelausstellung.

Das Museum Folkwang widmet Helen Frankenthaler (1928–2011), einer der Pionierinnen des amerikanischen Abstrakten Expressionismus und der Farbfeldmalerei, eine umfangreiche Retrospektive. Die Präsentation umfasst insgesamt 84 Werke aus der Zeit zwischen 1949 und 2002. Im Fokus der Schau Malerische Konstellationen (2. Dezember 2022 – 5. März 2023) steht Frankenthalers Werk auf Papier.

Helen Frankenthaler etabliert sich bereits mit 23 Jahren in der männlich dominierten Kunstszene New Yorks im Umkreis von Jackson Pollock und Willem de Kooning. Mit der von ihr entwickelten Soak-Stain-Technik wird Frankenthaler zur Vorläuferin der Farbfeldmalerei und beeinflusst Künstler:innen wie Kenneth Noland oder Morris Louis nachhaltig. Die Ausstellung Helen Frankenthaler. Malerische Konstellationen zeichnet in 10 Räumen retrospektiv die künstlerische Entwicklung Helen Frankenthalers vom Abstrakten Expressionismus über die Farbfeldmalerei bis hin zu landschaftlich anmutenden Werken nach.

Der erste Raum der Ausstellung ist den 1950er-Jahren gewidmet und zeigt, dass das Medium Papier schon früh eine wichtige Bedeutung für Frankenthaler hat. Sie probierte neue Techniken auf Papier aus und hinterließ kubistische Vorbilder, aber auch Einflüsse der Künstler des Abstrakten Expressionismus wie Willem de Kooning. 1952 findet Frankenthaler mit Papierarbeiten wie Great Meadows (1951), eine der herausragenden Leihgaben der Ausstellung aus dem Museum of Modern Art in New York, zu ihrer eigenen Technik und Bildsprache. Ausgehend von Jackson Pollocks Drip Paintings entwickelt die Künstlerin das sogenannte Soak Staining, wobei sie verdünnte Farbe direkt auf die ungrundierte Leinwand schüttet. Die starkfarbigen Arbeiten aus den 1960er-Jahren mit transluzenten, fließenden Feldern bestimmen die folgenden zwei Räume der Ausstellung. In Werken wie der großformatigen Leinwand mit dem Titel Noon (1966, 296,5 x 222,5 cm), einer Leihgabe aus dem Sprengel Museum Hannover, hat Frankenthaler die Ölfarbe bereits durch Acryl ersetzt. Diese Technik bestimmt ihre Malerei bis zum Ende ihres Schaffens.

Im Zentrum der Ausstellung findet sich der Saal mit Werken der 1970er-Jahre. In dieser Phase steht das Papier im Vordergrund von Frankenthalers Arbeit. Durch Schichtung und Überlagerung von Farbe werden in diesem Jahrzehnt die Kompositionen geschlossener. Form, Format und Titel verweisen häufig auf Landschaften, ohne die Natur aber direkt abzubilden. Die abschließende Folge von vier Räumen macht Frankenthalers Entwicklung von den 1980er- bis in die 2000er-Jahre nachvollziehbar. Im Gegensatz zu vielen anderen Maler:innen, die sich der gegenstandslosen Kunst widmen, arbeitet sie bis zu ihrem Lebensende abstrakt und schafft bis ins Alter Papierarbeiten, zum Teil in einer Größe von bis zu 2 x 2 m. Der letzte Raum in der Ausstellung versammelt sechs dieser eindrucksvollen Werke und lässt die Präsentation mit auratischen Farbfeldern ausklingen.

Frankenthalers Werk spannt sich über insgesamt sechs Jahrzehnte. Ein Teil des Ausstellungsrundgangs widmet sich wichtigen Stationen im Leben der Künstlerin; ausgewählte Soundbeispiele ermöglichen eine zeitliche Verortung von Frankenthalers Schaffen. Ergänzt wird die Präsentation durch eine Filmbox, in der Perry Miller Adatos filmisches Porträt Frankenthaler. Toward a New Climate aus dem Jahr 1978 den Besucher:innen die Künstlerin unter anderem beim Arbeiten und der Ausstellungsvorbereitung näher bringt. Der Dokumentarfilm entstand im Rahmen von Adatos Serie The Originals: Women in Art für den Sender WNET.

Möglich geworden ist die Ausstellung durch großzügige Leihgaben aus der Sammlung der Helen Frankenthaler Foundation, New York. Weitere bedeutende Werke stammen aus dem Museum of Modern Art New York, dem Museum Reinhard Ernst in Wiesbaden, dem Museum Ludwig in
Köln, dem Sprengel Museum Hannover sowie von privaten Leihgeber:innen.

In Kooperation mit der Kunsthalle Krems und der Helen Frankenthaler Foundation.

Unterstützt durch das Bankhaus Metzler.