Hal Busse, o. T., Öl auf Rupfen und Holz, Spiegelfolie und Nägel, um 1959, 50,5 x 50,5 x 5,5 cm, Foto: Marcus Scheider, courtesy of Archiv Hal Busse, Berlin

Hal Busse: Frühe Werke 1957–59. Eine Wiederentdeckung.

21. Januar – 11. März 2023

Die Galerie Beck & Eggeling freut sich, mit dieser Ausstellung früher Arbeiten von Hal Busse (1926-2018) eine Künstlerin vorzustellen, deren Werk und dessen Bedeutung im Kontext der deutschen Nachkriegskunst eine breitere Aufmerksamkeit innerhalb kunsthistorischer Betrachtung erst seit wenigen Jahren zuteil wird. Der zeitliche Fokus auf die späten 1950er Jahre hebt nicht nur eine sehr produktive und für die künstlerische Entwicklung entscheidende Schaffensperiode Busses hervor. Es ist auch die Zeit, in der Busse im engeren Kontakt mit der ZERO-Gruppe stand und im Jahr 1958 an der legendären 7. Abendausstellung – Das rote Bild im Atelier von Mack und Piene in der Gladbacher Straße in Düsseldorf teilnahm.

Busse schickte zwei rote Bilder in die Ausstellung, eines davon ein Nagelrelief, so viel lässt sich belegen. Ob diese Bilder nun in unserer Ausstellung zu sehen sind, lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen. Was die Künstlerin jedoch mit ZERO verband, offenbart sich fast von selbst: Macks dynamische Strukturen, Pienes Raster, Ueckers Nägel – auf formal-ästhetische Fragen fand Busse ganz ähnliche Antworten. Diese Gleichzeitigkeit in der Entwicklung künstlerischer Strategien belegt Busses Anschluss an die damals aktuellen Diskurse. In Stuttgart, wo sie mit ihrem Mann, dem Maler Klaus Bendixen lebte, war sie Teil eines Netzwerkes aus bildenden Künstlern und Intellektuellen anderer Disziplinen, in dem Tendenzen in Kunst, Literatur und Philosophie diskutiert wurden und über den letztlich auch der Kontakt zu ZERO hergestellt wurde. In den 1950er Jahren konnte sie während mehrerer Aufenthalte in Paris die europäische Moderne hautnah studieren. Besonders Fernand Légers Formgebung beeindruckte die junge Künstlerin. So entstehen in den 1950er Jahren Bilder mit Figurengruppen, deren Form sie, zunächst noch stark von Léger beeinflusst, im Laufe der Zeit immer weiter aufzulösen begann. Ihr Interesse verschob sich dabei weg von den Figuren selbst hin zu deren Gruppierungen, weg vom Einzelnen hin zur Masse. In diesem Prozess lösten sich die Figuren schließlich in Punkte, Raster, Striche oder eben Nägel auf. Im Gegensatz zu den ZERO Künstlern, die die Abstraktion eher von einem technisch-formalen Standpunkt aus entwickelten, leitete Busse die Ungegenständlichkeit von der Figur ab und verlor nie ganz den Bezug zur Repräsentation (wenngleich viele Bilder unbetitelt blieben, belegen dies gerade frühe abstrakte Arbeiten mit eindeutigen Titeln wie 'Badende', 'Arena' oder 'Markusplatz'). Das gemeinsame Interesse galt aber eindeutig der Reduktion der Figuration zugunsten von Farbe und Struktur und den damit entwickelten neuen Möglichkeiten von Wahrnehmung bestimmter Phänomene.

Im erweiterten Kontext von ZERO wurde das Werk von Busse in Gruppenausstellungen in den späten 1950er und frühen 1960er Jahren in Galerien und Institutionen präsentiert. Darüber hinaus war sie in diesen Jahren aber auch in zahlreichen anderen wichtigen Ausstellungen zeitgenössischerKunst in ganz Deutschland zu sehen. Zum einen auch deshalb, weil sie ihr künstlerisches Interesse und ihre Neugier gleichzeitig auch anderen Tendenzen widmete, zum Beispiel der konkret-kronstruktiven, wie einige der ausgestellten Arbeiten auch zeigen. Zum anderen war Hal Busse eine im Kontext der gesamten deutschen Avantgarde auf Augenhöhe wahrgenommene, respektierte und viel gezeigte Künstlerin.

Unter welchen Umständen und Bedingungen eine solche Karriere plötzlich stagniert, schließlich abebbt und in Vergessenheit gerät, dafür kann Hal Busses Biografie als exemplarisch für viele Geschichten von Künstlerinnen ihrer Generation gelesen werden. Soziale und ökonomische Strukturen, die Frauen und vor allem Müttern das verfolgen eigener Karrieren (neben der des Ehemannes) ungleich erschwerten. Ein sich entwickelnder Kunstmarkt, der einen etablierten Personalstil einem breitgefächerten und in ständiger Bewegung befindlichen künstlerischen Output vorzog. Eine insgesamt in hierarchisch-patriarchalen Denkstrukturen organisierter Kunstbetrieb, der vor allem dem Königsweg des Erfolgs huldigte. Die Gründe sind vielfältig. Dass diese Umstände und Voraussetzung für künstlerische Produktion heute in die Betrachtung und Bewertung eines Oeuvres miteinbezogen werden, ermöglicht nicht nur Wiederentdeckungen und damit die Anerkennung künstlerischer Leistung, sie ermöglichen auch ein vollständigeres Bild der eigenen Kunst- und Kulturgeschichte.

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