Francisco de Goya, Los desastres de la guerra, Madrid, 1923.
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Auktion 159 bei Jeschke Jádi

Aus Adelsnachlässen und bürgerlichem Besitz. Wertvolle Bücher, Graphik und Klassische Kunst.

Mit einer qualitätvollen und starken Offerte startet das Berliner Auktionshaus Jeschke Jádi in die Auktionssaison 2026: Die 159. Auktion präsentiert eine sorgfältig zusammengestellte Auswahl aus Adelsnachlässen und bürgerlichem Besitz – wertvolle Bücher, bedeutende Druckgraphik und klassische Kunst aus mehreren Jahrhunderten. Unter den Highlights finden sich gleich zwei bedeutende Graphikfolgen von Francisco de Goya, ein Schlüsselwerk der historischen Avantgarde, eine bibliophile Prachtausgabe mit Arbeiten von Henry Moore, zwei bedeutende Bronzeskulpturen, ein herausragendes Zeugnis der Berliner Photographiegeschichte sowie feine Gemälde des 17. bis 19. Jahrhunderts.

Highlights aus der Jahrhundertwende bilden zwei außergewöhnliche Goya-Exponate. Die französische Kunstzeitschrift L’Art. Revue hebdomadaire illustrée (Paris/London, A. Ballue, 1877) enthält vier Original-Aquatintaradierungen von Francisco de Goya auf Bütten aus der Serie „Los Proverbios“ (Los 593) – für genau diese vier Kompositionen gilt die Veröffentlichung in L’Art als die erste nachweisbare Auflage überhaupt, da die Serie zu Goyas Lebzeiten nie erschienen war und die Platten bis ins 19. Jahrhundert im Familienbesitz blieben. Dazu kommen 17 Original-Radierungen und 3 Photogravuren; der Band gebunden in zeitgenössischem Halblleder mit Kopfgoldschnitt, signiert von Buchbinder Georges Canape-Belz. (Schätzpreis: 7.500 €)

Als zweites und noch gewichtigeres Goya-Highlight bietet Jeschke Jádi die fünfte Ausgabe von „Los desastres de la guerra“ (Los 594) an – Goyas monumentale Radierungsfolge, entstanden zwischen 1810 und 1820, die die Schrecken des Spanischen Unabhängigkeitskrieges gegen Napoleon mit schonungsloser Unmittelbarkeit dokumentiert. Die vorliegende Ausgabe von 1923 (Real Academia de Bellas Artes de San Fernando, Madrid) umfasst alle 80 veröffentlichten Radierungen mit Aquatinta und Lavismanier auf chamoisfarbenem Bütten (Wz. Joseph Guarro), gedruckt in einer limitierten Auflage von nur 100 Exemplaren. Der fünfte Zustand (von sieben) zeichnet sich durch weiche, malerisch-atmosphärische Übergänge und samthaften Plattenton aus: Die Figuren treten plastisch nach vorn, die Hintergründe lösen sich auf. Gegliedert in Krieg (Tafeln 1–47), Hungersnot (Tafeln 48–64) und Allegorien der Unterdrückung und Zensur (Tafeln 65–80), gilt die Folge als Goyas politisches Meisterwerk und Anti-Kriegs-Manifest avant la lettre – bei ihrer Entstehung verhinderte politische Zensur unter Ferdinand VII. die Publikation zu Lebzeiten des Künstlers. Das Exemplar ist professionell aufgefalzt, hervorragend gereinigt und mit breitem Rand wohlerhalten. (Schätzpreis 9.000€)

Aus dem Bereich der klassischen Moderne stammt ein Exemplar des MA-Buches von Lajos Kassák (Los 495), des wegweisenden Gedichtbandes, erschienen 1923 im Berliner Verlag „Der Sturm“. Eines von lediglich 450 signierten und handnummerierten Exemplaren (Gesamtauflage 550), versehen mit einem farbigen Linolschnitt als Umschlagillustration sowie vier ganzseitigen Linolschnitten in Schwarz – ein Meilenstein der ungarischen und deutschen Avantgarde in außergewöhnlich guter Erhaltung. (Schätzpreis: 3.000 €)

Eine bibliophile Rarität der Extraklasse ist die Prachtausgabe von Shakespeares „Hamlet“ (Los 712) mit zehn großformatigen Offsetlithographien nach Zeichnungen von Henry Moore (Rom, Delfino, 1985). Der abgekürzte englische Text, herausgegeben von Stanley Wells, erscheint im Imperial-Folio-Format auf festem Bütten, gebunden in braunes Maroquinleder im Schmuckschuber. Die eigentliche Besonderheit ist das auf dem Vorderdeckel montierte rechteckige Bronze-Bas-Relief „Hamlet’s Dilemma“ von Moore – eine eigenständige Variante eines bereits existierenden Reliefs. Die nummerierte Edition war auf 1.200 Exemplare angelegt, doch ist davon auszugehen, dass weit weniger Werke im Umlauf sind, da die Produktion aus Kostengründen vorzeitig eingestellt wurde. (Schätzpreis: 1.500 €)

Die Skulpturenabteilung bietet gleich zwei herausragende Bronzen. „Herkules und der erymanthische Eber“ von Louis Tuaillon (Los 1639), entstanden 1899/1900, zeigt in schwarz patinierter Bronze (48 × 40 × 20 cm) die vierte der zwölf Arbeiten des Herkules und gehört zu den bedeutendsten Tier- und Heroendarstellungen der deutschen Bildhauerei um 1900. Die Skulptur trägt den Signaturstempel sowie den Stempel der Gießerei und stammt aus einer Berliner Privatsammlung. (Schätzpreis: 4.500 €) Aus Belgien stammt „La Folle Chanson“ von Jef Lambeaux (Los 1636), entstanden um 1900 – eine detailgetreue Reduktion der monumentalen Skulpturengruppe, die 1902 am Square Ambiorix in Brüssel aufgestellt wurde. Auf einer runden Marmorplatte (Gesamthöhe 57 cm) zeigt der ausgezeichnete Guss einen Satyr, der dem Gesang einer Kastagnetten spielenden Nymphe lauscht, mit wirkungsvoller Patina und fein strukturierter Oberflächenmodellierung – charakteristisch für Lambeaux als einen der bedeutendsten Vertreter des belgischen Realismus und der europäischen Bildhauerkunst des Fin de Siècle. (Schätzpreis: 1.800 €)

Das absolute Highlight der Auktion in Hinblick auf historische Bedeutung und Seltenheit ist Martin Höhligs „Berlin im Licht“ (Los 1378): eine vollständige Sammlung von 100 großformatigen Vintage-Ferrotypie-Silbergelatineabzügen (je ca. 22,5 × 16,5 cm), aufgenommen 1928 im Rahmen der legendären Werbekampagne, die vom 13. bis 16. Oktober 1928 unter Beteiligung von AEG, Siemens & Halske, Osram und Telefunken Berlin als moderne Weltstadt präsentierte – und für die Kurt Weill eigens ein Lied komponierte. Höhlig (1882–1948) hielt dabei das nächtliche Berlin in seiner ganzen Leuchtkraft fest: hell illuminierte Kaufhäuser wie das KaDeWe und Hermann Tietz, Werbefassaden am Kurfürstendamm, die Kinopaläste Ufo-Pavillon, Ufa-Palast und Titania-Palast sowie das Excelsior Hotel und der Anhalter Bahnhof. Die Serie bewahrt zugleich ein bedeutendes Kapitel der Berliner Wirtschaftsgeschichte: Die Aufnahmen von Kaufhäusern und Geschäften jüdischer Eigentümer – darunter Michels & Cie., C.A. Herpich & Söhne und Albert Rosenhain – dokumentieren eine unternehmerische Blütezeit, die wenige Jahre später durch den nationalsozialistischen Terror vernichtet werden sollte. Die Photographien stecken im originalen grünen Leinenalbum mit goldgeprägtem Deckeltitel und befinden sich in insgesamt sehr gutem Zustand. (Schätzpreis: 25.000 €)

Ein Glanzstück der Gemäldeabteilung ist die „Waldlandschaft mit Puttenreigen“ (Los 1526) aus dem Umkreis von Jan van Balen und Jan II. Brueghel, 17. Jahrhundert, Öl auf Kupfer (36 × 28,5 cm). Die Komposition vereint eine üppig gestaffelte Waldlandschaft mit einem Reigen graziös modellierter Putten im Bildzentrum; die lasierende Malweise auf Kupfer erlaubt jenes juwelenhafte Farbspiel, das für Antwerpener Maler dieser Tradition so charakteristisch ist, und erzeugt den typischen „Samt-Brueghel“-Effekt. Vergleichbare Werke wurden zuletzt mit begleitenden Gutachten von Dr. Klaus Ertz auf bedeutenden Auktionen gehandelt, darunter das Pendant „Tanzende Putten im Wald“ (Auktionshaus im Kinsky, Oktober 2019). (Schätzpreis: 5.000 €)

Aus norddeutschem Privatbesitz stammt ein seltenes Werk des Landschafts- und Vedutenmalers Bernhard Peters (Los 1570): „Gebirgslandschaft mit Ruderern“, Öl auf Leinwand (65 × 54 cm), signiert und datiert 1866 – dem letzten Lebensjahr des Künstlers. Peters, in seiner Ausbildung an der Berliner Malakademie unter Otto Völckel geschult und durch Studienreisen in die Nordalpen, das Salzkammergut und den Hallstätter See geprägt, entfaltet in diesem Werk sein gesamtes landschaftliches Einfühlungsvermögen: Eine idealisierte, lyrisch gestimmte Gebirgsidylle im Stil Claude Lorrains, deren warmes Licht und stimmungsvolle Komposition von höchster malerischer Reife zeugen. Werke von Bernhard Peters sind auf dem Auktionsmarkt äußerst selten anzutreffen; das vorliegende Gemälde befindet sich in sehr gutem Zustand mit frischen Farben. (Schätzpreis: 4.000 €)

Einen weiteren Akzent in der Gemäldeabteilung setzt „Drehorgelspieler“ von Nicolaas Reyers (Los 1532), ein signiertes und datiertes Öl auf Eichenholz (41 × 32 cm) aus dem Jahr 1780. In einem gewölbten Raum mit großer Fensteröffnung bietet eine junge Frau im klassizistischen gelben Kleid Gemüse feil und weist auf eine messingfarbene Waage als Symbol der Ausgewogenheit, während links ein Musikant mit Drehleier und rechts ein elegantes Kind in Rosa die Komposition beleben. Die fein lasierende Malweise belegt Reyers‘ Ausbildung bei van der My und den Einfluss der „Fijnschilderkunst“; das Werk war zuletzt bei Lempertz (2008) und Dorotheum (2012) versteigert worden und befindet sich in sehr gutem Erhaltungszustand mit frischen Farben. (Schätzpreis: 3.500 €)

Aus dem Bereich der asiatischen Kunst überzeugt eine Sammlung von acht Gouachen der Canton School (Los 1158) mit dem Motiv Flowers and Birds, entstanden um 1840. Die Werke auf Markpapier (je ca. 35,5 × 28 cm) verbinden präzise Konturzeichnung mit reicher Schattierung in der Tradition der chinesischen Gongbi-Technik und entstammen der chinesischen Exportmalerei des 19. Jahrhunderts, die sich in Guangzhou für den europäischen und amerikanischen Markt etablierte. Vergleichbare Arbeiten befinden sich im Victoria and Albert Museum in London. (Schätzpreis: 3.000 €)

Die Auktion 159 bei Jeschke Jádi bietet ein breites Spektrum für anspruchsvolle Sammlerinnen und Sammler: von flämischer Malerei des 17. Jahrhunderts und europäischer Druckgraphik über Schlüsselwerke der klassischen Moderne bis hin zu bedeutender Vintage-Photographie und asiatischer Exportmalerei. Ergänzt wird das Angebot durch eine außergewöhnliche Reihe bibliophiler Raritäten – darunter eine Sammlung von 76 eigenhändigen Briefen des Naturforschers Ernst Haeckel (Schätzpreis: 28.000 €), ein Mercator-Atlas in einem zeitgenössischen Prachteinband (Schätzpreis: 18.000 €) sowie das vollständige druckgraphische Album von Cornelis Ploos van Amstel mit allen 46 sogenannten „hoofdprenten“ nach Gemälden und Zeichnungen holländischer und flämischer Meister in Aquatinta, Mezzotinto und Roulettetechnik (Schätzpreis: 10.000 €).


Alle Lose können vorab auf www.jvv-berlin.de und vor Ort in der Vorbesichtigung ab Samstag den 18.4.2026 besichtigt werden.


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