David Gunderlach, Mom knows it better. 20x20, Acryl, Limited Edition. © The artist.

David Gunderlach – Tibet und die Frage nach guter Führung

Der Berliner Künstler zeigt in Frankfurt erstmals seine neue Werkserie Good Governance und stellt seine limitierte Sammleredition Mom Knows It Better vor.

Eine zerrissene Jacke, eine Flagge, ein Porträt: Mit drei neuen Arbeiten fragt David Gunderlach, was Leadership im 21. Jahrhundert bedeuten kann. Auf der Discovery Art Fair Frankfurt zeigt der 1957 in Neu-Ulm geborene und in Berlin lebende Künstler vom 30. Oktober bis 1. November 2026 erstmals seine dreiteilige Serie Good Governance. Zugleich startet er mit der limitierten Edition Mom Knows It Better seine neue Sammlerserie. Wer Gunderlachs Bilder kennt, weiß: Sie halten einen fest, ob man will oder nicht. Sie wirken wie die Rushhour einer Großstadt, dicht, überreizt, mitunter zärtlich. Seit vier Jahrzehnten malt er so das Chaos der Gegenwart.

Tibet als Brennglas

Dass Gunderlach sich nun Tibet zuwendet, hat eine lange Vorgeschichte. Seit vielen Jahren fühlt er sich dem tibetischen Volk und seiner Kultur verbunden und auch seine eigene Auseinandersetzung mit dem Buddhismus prägt den Blick auf das Thema. Eine historische Rückschau ist die neue Serie dennoch nicht. Tibet dient Gunderlach als Brennglas für Fragen, die weit über die Region hinausreichen: Was bedeutet verantwortungsvolle politische Führung in einer Zeit tiefgreifender geopolitischer Veränderungen? Was unterscheidet gute von schlechter Führung? Und welche Rolle kann eine Kultur, die auf Mitgefühl, Gewaltlosigkeit und innerer Entwicklung gründet, in Zeiten politischer Umbrüche spielen?

Im Zentrum steht für ihn das Thema Assimilation: was sie bedeutet, unter welchen Umständen sie geschieht und was passiert, wenn ein solcher Prozess einmal in Gang gesetzt ist und sich vermutlich nicht mehr umkehren lässt. Gunderlach ist überzeugt, dass die Bindung eines Volkes an seine Spiritualität so tief reichen kann, dass sie sich von außen nicht beeinflussen lässt, wie sehr man es auch versucht. Genau darin sieht er eine Chance. Ein System, das von außen auf eine so tief verwurzelte Kultur einzuwirken versucht, pflanzt sich damit im eigenen Inneren unweigerlich einen Trojaner ein.

Eine Jacke, eine Flagge, ein Porträt

Die Serie besteht aus einem großformatigen Werk im Format 90 × 120 cm und zwei Arbeiten im Format 50 × 50 cm. Herzstück ist das große Bild Buddhisneyworld (2026). In dieses hat Gunderlach mit großer Hingabe und Zartheit die zerrissene Jacke eines jungen Tibeters eingearbeitet, die er einst von einem Mönch geschenkt bekam. Für den Künstler symbolisiert sie die Zerrissenheit des tibetischen Volkes und zugleich das Spannungsfeld, in dem die Täter leben.

In den beiden kleineren Arbeiten nimmt Gunderlach die chinesische Flagge und eine künstlerische Interpretation des chinesischen Staats- und Parteichefs in den Blick. Als Anklage versteht er diese Bilder nicht, einfache Antworten liefern sie aber auch nicht. Sie laden dazu ein, über Macht, Verantwortung und die Bedeutung von Leadership im 21. Jahrhundert nachzudenken. "Kunst kann politische Konflikte nicht lösen", sagt Gunderlach. "Sie kann jedoch Fragen sichtbar machen, Perspektiven erweitern und Räume für einen respektvollen Dialog schaffen. Genau dazu möchte ich mit meinen Arbeiten auf der Discovery Art Fair Frankfurt einladen."

Malerei, Relief und Vitrine zugleich

Unverwechselbar macht Gunderlachs Werk auch sein Material. Er arbeitet fast ausschließlich auf dicken, widerstandsfähigen Kunststofffolien. Zwei transparente Schichten, etwa fünf Zentimeter voneinander entfernt, bilden eine flache Bühne. Die Farbe trägt er auf beide Oberflächen auf, sodass sie ineinander verläuft und sich gegenseitig bricht. Im Zwischenraum fixiert er Alltagsgegenstände wie Fundstücke des zeitgenössischen Lebens. Das Ergebnis ist Malerei, Relief und Vitrine in einem.

Auf diesen Schichten entfaltet sich die Spannung, die seine Arbeiten sofort erkennbar macht: die Spannung zwischen Figuration und expressivem Chaos. Karikaturhafte, comicartige Gesichter und Körper, mit selbstbewussten schwarzen Linien umrissen, tauchen aus Feldern beinahe gewaltsamer Farben auf. Wo Worte erscheinen, sind sie kein Schmuck, sondern der Kern der Arbeit. Dichte, teils poetische Passagen, stellenweise von Farbe überdeckt, verlangen, dass man näher herantritt und zwischen den Pinselstrichen liest.

Von New York nach Berlin

Die Wurzeln dieser Bildsprache reichen weit zurück. Gunderlachs künstlerischer Weg führte von früher realistischer Malerei über die Schauspielschule in München und ein Filminstitut in Berkeley bis zu Performances und Happenings. 1986/87 verbrachte er entscheidende Monate in New York, in einer Kunstszene, die von Positionen wie Andy Warhol und Jean-Michel Basquiat geprägt war. Gunderlach trat dort in den Galerien von Leo Castelli und Ileana Sonnabend auf und sog die pulsierende Energie von Pop Art, Street Art, Graffiti und Performance auf.

In dieser Zeit entstanden auch seine ersten Aktionen mit transparenter Folie, die er bereits zuvor in Deutschland als Arbeitsmaterial entdeckt hatte. Die Malerei verlagerte sich in eine Situation direkter Begegnung. Menschen wurden nicht länger nur abgebildet, sondern standen hinter der Folie, wurden Teil des Bildprozesses und traten in einen nonverbalen Dialog mit dem Künstler. Die Folie wurde zur Grenze, Bühne und Kontaktfläche zugleich und ist bis heute Gunderlachs zentrales Bildträgermaterial.

Diese New-York-Erfahrung prägt sein Werk bis heute: in der schnellen Linie, der comicnahen Figur, im Einsatz von Text, in politischer Direktheit und in der Gleichzeitigkeit von Witz, Härte und Zartheit. So werden in seinen aktuellen Arbeiten Macht, Medienbilder, soziale Unruhe, Sprache und Verletzlichkeit sichtbar. David Gunderlachs Arbeiten wirken wie visuelle Antworten auf eine überreizte, widersprüchliche Gegenwart: direkt, farbintensiv, politisch hellwach und materiell unverwechselbar.

Den ruhelosen Zustand, aus dem seine Bilder entstehen, beschreibt der Künstler selbst mit dem buddhistischen Begriff des Monkey Mind – ein Geist, der in alle Richtungen zugleich denkt und genau das auf der Leinwand sichtbar macht.

It's smart to collect art!

Kunst, die Haltung zeigt und trotzdem erschwinglich bleibt: Mit diesem Anspruch und dem Motto It's smart to collect art! ist Gunderlachs neue Sammlerserie Good Governance als fortlaufendes Projekt angelegt, in dem er sich mit Macht, Verantwortung und gesellschaftlichen Fragen auseinandersetzt. Den Auftakt bildet Mom Knows It Better.

Die Edition ist auf 50 Exemplare limitiert, jedes signiert und nummeriert, und kostet 180 Euro. Erhältlich ist sie ab sofort direkt beim Künstler über seine Website. Die Idee dahinter: Kunst sammeln oder verschenken und damit zugleich ein Statement für gute Regierungsführung setzen. Weitere Arbeiten der Serie sind bereits in Planung.

So spannt Gunderlachs Auftritt in Frankfurt einen Bogen vom großformatigen Werk bis zur kleinen Edition für die eigene Wand. Beides verbindet dieselbe Frage, die sich durch sein Schaffen zieht: Wie zeigt Kunst Haltung in einer überreizten, widersprüchlichen Gegenwart?


David Gunderlach / Discovery Art Fair Frankfurt, 30. Oktober bis 1. November 2026, Messe Frankfurt, 60327 Frankfurt am Main.

Edition "Mom Knows It Better", Good Governance No. 1, Acryl, 20 × 20 cm, limitiert auf 50 Exemplare, signiert und nummeriert, 180 €
Erhältlich über www.davidgunderlach.art.


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