{"id":12644,"date":"2026-05-22T10:56:14","date_gmt":"2026-05-22T08:56:14","guid":{"rendered":"https:\/\/on-art.news\/?p=12644"},"modified":"2026-08-14T22:00:06","modified_gmt":"2026-08-14T20:00:06","slug":"rietvelds-rheinische-bauten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/on-art.news\/en\/2026\/05\/22\/rietvelds-rheinische-bauten\/","title":{"rendered":"Rietvelds rheinische Bauten"},"content":{"rendered":"<h3 class=\"wp-block-heading\">In den sp\u00e4ten 1920er Jahren realisierte Gerrit Rietveld in Kleve und Wesel wegweisende Projekte. Sie wurden w\u00e4hrend des Nationalsozialismus zerst\u00f6rt.<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Bewohner:innen der rheinisch-westf\u00e4lischen Grenzregion kennen ihn nur zu gut: den direkt feststellbaren Unterschied zwischen der deutschen und niederl\u00e4ndischen Seite der Grenze. Stra\u00dfenmarkierungen, Fahrradwege, die Architektur, sie alle lassen den Grenz\u00fcbertritt sofort sp\u00fcren. Viele Deutsche blicken sehns\u00fcchtig auf die Niederlande, denken an Strandurlaube, die fahrradfreundliche Infrastruktur oder die vielgestaltige Architektur. Interessanterweise ist gerade letztere trotz der geografischen N\u00e4he diesseits der Grenze selten vorbildgebend geworden: mit Blick auf die Architektur des 20. Jahrhunderts f\u00e4llt auf, dass nur ganz wenige niederl\u00e4ndische Architekten auf deutschem Boden gebaut haben, umgekehrt sogar noch seltener. Pr\u00e4gnante Ausnahmen sind das Rathaus in Marl von Van den Broek &amp; Bakema (1960-67), Aldo van Eycks Schmela-Haus (1967-71) in D\u00fcsseldorf oder die von Onno Greiner entworfene Stadthalle (1971-77) in Biberach an der Ri\u00df.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Bauhaus und De Stijl<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dabei war der architektonische Grenzverkehr zu Beginn des 20. Jahrhunderts bis in die sp\u00e4ten 1920er Jahr durchaus flie\u00dfend auf beiden Seiten: nicht nur setzte sich Mies van der Rohe intensiv mit dem niederl\u00e4ndischen Baumeister Hendrik Petrus Berlage, dem gro\u00dfen Vermittler zwischen Tradition und Moderne, auseinander, auch am Bauhaus blickten Gropius und Co. mit Argusaugen in die Niederlande. Dort gr\u00fcndeten Theo van Doesburg und Piet Mondrian im Oktober 1917 die Gruppe <em>De Stijl<\/em>. Deren gleichnamige Zeitschrift trug in den Niederlanden entscheidend zur Verbreitung abstrakter Formensprachen bei. 1920 traf Van Doesburg u. a. Walter Gropius in Berlin und kam in den beiden Folgejahren zu l\u00e4ngeren Aufenthalten nach Weimar. Studierende des Bauhauses zeigten starkes Interesse an Van Doesburgs Lehren und besuchten seine Lehrveranstaltungen au\u00dferhalb der Kunstschule, die Gropius zunehmend argw\u00f6hnisch betrachtete. Diese offene Konkurrenz verhinderte letztlich auch, dass Van Doesburg Meister am Bauhaus wurde.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"724\" height=\"1024\" data-id=\"12649\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Rietveld_chair_1b-724x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-12649\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Rietveld_chair_1b-724x1024.jpg 724w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Rietveld_chair_1b-212x300.jpg 212w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Rietveld_chair_1b-768x1086.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Rietveld_chair_1b.jpg 819w\" sizes=\"(max-width: 724px) 100vw, 724px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"681\" height=\"1024\" data-id=\"12659\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/2Y1CXR5-681x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-12659\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/2Y1CXR5-681x1024.jpg 681w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/2Y1CXR5-200x300.jpg 200w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/2Y1CXR5-768x1154.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/2Y1CXR5-1022x1536.jpg 1022w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/2Y1CXR5-1363x2048.jpg 1363w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/2Y1CXR5-scaled.jpg 1703w\" sizes=\"(max-width: 681px) 100vw, 681px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\"><strong>Links<\/strong>: Gerrit Rietvelds rot-blauer Stuhl, entworfen bereits 1917, erstmals in der rot-blauen Form hergestellt im Jahr 1923. Foto: Wikipedia. <strong>Right<\/strong>: Das Rietveld-Schr\u00f6der-Haus in Utrecht wurde 1923 entworfen. Foto: alamy.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zu den Mitgliedern der De Stijl-Gruppe geh\u00f6rte seit 1918 auch der gelernte Schreiner und aufstrebende Architekt Gerrit Rietveld. In seiner Utrechter Werkstatt entstand mit dem Rot-Blauen-Stuhl 1917 eine Inkunabel des modernen Designs und eine De Stijl-Ikone, die bis heute stellvertretend f\u00fcr die Formensprache der Gruppe steht. F\u00fcr und mit seiner Partnerin Truus Schr\u00f6der-Schr\u00e4der entwarf er 1923 auch das Rietveld-Schr\u00f6der-Haus in Utrecht, eines der radikalsten Wohnh\u00e4user der fr\u00fchen Moderne. Als ganzheitlicher Gestalter verband Rietveld Architektur und Design, eine Herangehensweise, die sich in seinen H\u00e4usern ebenso wie in seinen Ladengestaltungen widerspiegelte.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Rietveld am Niederrhein<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Rund 130 Kilometer von Utrecht entfernt liegt die niederrheinische Stadt Wesel, in deren Innenstadt die j\u00fcdische Familie Zaudy seit 1815 ein Schmiede-Gesch\u00e4ft betrieb. Ihr entstammte die 1881 geborene Margarete Zaudy, die in Anschluss an ihre Hochzeit mit dem Kaufmann Hugo Brandenstein 1904 die F\u00fchrung des Gesch\u00e4fts \u00fcbernahm. Zaudy war eine k\u00fcnstlerisch \u00e4u\u00dferst interessierte Frau, die das Gesch\u00e4ft St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck in eines der f\u00fchrenden Einrichtungsgesch\u00e4fte im Rheinland verwandelte. Durch ihr Interesse an moderner Gestaltung baute sie ein gro\u00dfes Netzwerk auch in die \u00fcberregionale Kunst- und Kulturszene auf. Zu diesem geh\u00f6rte u. a. Hinnerk Scheper, der seit 1925 in der Nachfolge von Wassily Kandinsky die Werkstatt f\u00fcr Wandmalerei am Bauhaus in Dessau leitete. 1927 trug Zaudy sich mit dem Wunsch nach der Erweiterung und dem modernen Umbau ihres Gesch\u00e4fts. Scheper empfahl ihr Gerrit Rietveld, der zu dieser Zeit bereits einige Ladenumbauten in Utrecht und Amsterdam realisiert hatte. Margarete Zaudy kontaktierte und beauftragte ihn schlie\u00dflich 1928 mit der Modernisierung und Erweiterung ihres Gesch\u00e4fts. Rietveld ging selbstbewusst zu Werke und verpasste dem Gesch\u00e4ft einen distinktiven &#8222;Look&#8220;: er lie\u00df den alten Gibel abrei\u00dfen und ersetzte ihn durch eine vor- und zur\u00fcckspringende Glas-Stahlfassade, die dem Einrichtungshaus den Spitznamen &#8222;Haus mit der Nase&#8220; einbrachte. Auch im Erdgeschoss hielt Rietveld sich nicht zur\u00fcck und stellte u. a. einen freistehenden Schaufensterkubus in den Eingangsbereich. Man kann sich bildlich vorstellen, wie neuartig und geradezu revolution\u00e4r Rietvelds Entwurf auf die Bewohner:innen einer mittelgro\u00dfen Stadt am Niederrhein gewirkt haben muss: zwischen den stuckverzierten Giebeln und historistischen Fassaden der Weseler Altstadt tauchte pl\u00f6tzlich eine Fassade aus Glas, Stahl und ohne jeden Zierrat auf. Eine Herausforderung f\u00fcr die Sehgewohnheiten der B\u00fcrger:innen.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-7387b849 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:100%\">\n<div class=\"wp-block-group is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained\">\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-7387b849 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<div class=\"wp-block-group is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-4 is-style-rectangular wp-block-gallery-2 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"374\" height=\"968\" data-id=\"12673\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/OBJECTEN_RSA_127F001_FOT-ausschnitt.jpg\" alt=\"Fassadenansicht des Einrichtungshauses Zaudy in Wesel, ganz rechts heutige Fassade.\" class=\"wp-image-12673\" style=\"aspect-ratio:9\/16\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/OBJECTEN_RSA_127F001_FOT-ausschnitt.jpg 374w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/OBJECTEN_RSA_127F001_FOT-ausschnitt-116x300.jpg 116w\" sizes=\"(max-width: 374px) 100vw, 374px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"713\" height=\"949\" data-id=\"12674\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/OBJECTEN_RSA_127F005_FOT-ausschnitt.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-12674\" style=\"aspect-ratio:9\/16\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/OBJECTEN_RSA_127F005_FOT-ausschnitt.jpg 713w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/OBJECTEN_RSA_127F005_FOT-ausschnitt-225x300.jpg 225w\" sizes=\"(max-width: 713px) 100vw, 713px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"546\" height=\"816\" data-id=\"12675\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/OBJECTEN_RSA_127F010_FOT-ausschnitt.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-12675\" style=\"aspect-ratio:9\/16\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/OBJECTEN_RSA_127F010_FOT-ausschnitt.jpg 546w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/OBJECTEN_RSA_127F010_FOT-ausschnitt-201x300.jpg 201w\" sizes=\"(max-width: 546px) 100vw, 546px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"526\" height=\"1024\" data-id=\"12671\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Zaudy-526x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-12671\" style=\"aspect-ratio:9\/16\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Zaudy-526x1024.jpg 526w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Zaudy-154x300.jpg 154w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Zaudy-768x1496.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Zaudy-788x1536.jpg 788w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Zaudy-1051x2048.jpg 1051w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Zaudy-scaled.jpg 1314w\" sizes=\"(max-width: 526px) 100vw, 526px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\"><strong>Links<\/strong>, <strong>Mitte links<\/strong> und <strong>Mitte rechts<\/strong>: Verschiedene Ansichten der historischen Fassade des von Rietveld gestalteten Einrichtungshauses Zaudy in Wesel. Die n\u00e4chtliche Aufnahme links zeigt, dass sich die Gesch\u00e4ftsr\u00e4ume \u00fcber mehrere Etagen ausdehnten. Alle drei Fotos: Sammlung Centraal Museum Utrecht \/ Rietveld Schr\u00f6der Archiv. <strong>Right<\/strong>: Heutige Fassade des Geb\u00e4udes. Foto: Phillip Ost.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dem Vorbild Zaudys folgten kurz darauf zwei weitere Kaufleute vom Niederrhein und beauftragten ebenfalls Gerrit Rietveld mit der Neugestaltung ihrer Gesch\u00e4fte. Die im rund 50 Kilometer von Wesel entfernten Kleve ans\u00e4ssigen, und wie die Zaudy-Brandsteins j\u00fcdischen Familien Gonsenheimer und Nathan betrieben ein Textilkaufhaus bzw. den Bazar Mildenberg, ein Gesch\u00e4ft f\u00fcr &#8222;Haushalt-, Luxus-, Galanterie- und Spielwaren&#8220;. Beide traten 1929 an Rietveld heran und erhielten von ihm jeweils durchweg moderne und insbesondere im Fall der Gonsenheimers geradezu atemberaubende Entw\u00fcrfe: Rietveld transformierte das Kaufhaus in einen gro\u00dffl\u00e4chig verglasten Showroom, in dem die Waren schon von Weitem sichtbar waren. Lediglich begrenzt von den Deckenplatten aus Beton und den metallenen Fensterkreuzen, entsprach das Kaufhaus den modernsten Standards f\u00fcr Kauf- und Warenh\u00e4user.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped is-style-rectangular wp-block-gallery-3 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"877\" height=\"657\" data-id=\"12700\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/OBJECTEN_RSA_010A004-ausschnitt.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-12700\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/OBJECTEN_RSA_010A004-ausschnitt.jpg 877w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/OBJECTEN_RSA_010A004-ausschnitt-300x225.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/OBJECTEN_RSA_010A004-ausschnitt-768x575.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 877px) 100vw, 877px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"784\" height=\"1024\" data-id=\"12694\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Gonsenheimer-784x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-12694\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Gonsenheimer-784x1024.jpg 784w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Gonsenheimer-230x300.jpg 230w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Gonsenheimer-768x1003.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Gonsenheimer-1176x1536.jpg 1176w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Gonsenheimer-1568x2048.jpg 1568w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Gonsenheimer-scaled.jpg 1960w\" sizes=\"(max-width: 784px) 100vw, 784px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\"><strong>Links<\/strong>: Eine Skizze Rietvelds f\u00fcr das j\u00fcdische Textilkaufhaus Gonsenheimer in Kleve. Foto: Sammlung Centraal Museum Utrecht \/ Rietveld Schr\u00f6der Archiv. <strong>Right<\/strong>: Die heutige Bebaung. Foto: Phillip Ost.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von kleinerem Ma\u00dfstab war die Umgestaltung des von den Nathans betriebenen Gesch\u00e4fts Mildenberger: hier \u00f6ffnete Rietveld wiederum das Erdgeschoss eines Bestandsgeb\u00e4udes, verglaste den Gesch\u00e4ftsbereich gro\u00dfz\u00fcgig und verlegte den Eingang weiter ins Geb\u00e4udeinnere. Durch die so entstandene Schaufensterzone konnten Kund:innen auch au\u00dferhalb der Gesch\u00e4ftszeiten einen Blick auf die Waren werfen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Das tragische Ende der Avantgarde und ihrer F\u00f6rderer<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Traurigerweise war das Intermezzo Rietvelds, und damit der architektonischen Avantgarde, am Niederrhein nur von kurzer Dauer. Infolge der Macht\u00fcbertragung im Januar 1933 und der 1935 verabschiedeten Rassegesetze gerieten auch in Wesel und Kleve j\u00fcdische B\u00fcrger:innen ins Visier der Nationalsozialisten. Aufgrund der daraus resultierenden Boykottma\u00dfnamen gegen\u00fcber j\u00fcdischen Kaufleuten verkauften Friedrich und Olga Nathan ihr Gesch\u00e4ft bereits im April 1933 an die langj\u00e4hrige Mitarbeiterin Maria Koken, die es unter ihrem Namen weiterf\u00fchrte. Dass die Nathans das Grauen des Holocausts nicht miterleben mussten, verdankten sie ihrem Sohn Paul: er war als Mediziner schon 1934 nach Pal\u00e4stina ausgewandert und konnte seine Eltern vermutlich noch 1939 durch seine guten Kontakte zu britischen Soldaten nachholen. Rietvelds Gesch\u00e4ftsumbau d\u00fcrfte sp\u00e4testens in den Wirren des Zweiten Weltkriegs zerst\u00f6rt worden sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Weniger gl\u00fccklich verlief die Geschichte der Familien Zaudy und Gonsenheimer: zwar war Margarete Zaudy-Brandenstein 1930 im Alter von nur 49 Jahren in Wesel gestorben, doch das Gesch\u00e4ft wurde von ihren Mitarbeiter*innen und ihrem Ehemann fortgef\u00fchrt. Zwar gelang ihnen aufgrund der \u00fcber\u00f6rtlichen Bedeutung des Gesch\u00e4ftes die Aufrechterhaltung des Betriebs noch einige Jahre, doch die Novemberpogrome 1938 setzten ihnen auf brutale Weise ein Ende. Lokale Schergen der SA zerst\u00f6rten alle Glasfronten, demolierten die Inneinrichtung und drangsalierten die anwesenden Familienmitglieder. Monate sp\u00e4ter wurde Rietvelds Fassade abgerissen und durch eine historisierende Putzfassade ersetzt. Das Schicksal der weitl\u00e4ufigen Familie verliert sich in den Wirren des aufziehenden Zweiten Weltkriegs.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Kaufhaus der Familie Gonsenheimer wurde 1939 &#8222;arisiert&#8220;, die Inhaberin Sophie Gonsenheimer und ihre Tochter Henny starben im Lodzer Ghetto bzw. wurden im Vernichtungslager Chelmno ermordet. Allein Sophies j\u00fcngstem Sohn Max gelang die Flucht nach Pal\u00e4stina, wo er 1994 starb.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Angesichts des Schicksals der j\u00fcdischen Kaufmannsfamilien in Wesel und Kleve und der wegweisenden (Um)Bauten Gerrit Rietvelds ist es doch ein wenig verwunderlich, dass heute an den fr\u00fcheren Standorten der Gesch\u00e4fte nichts an deren Geschichte erinnert. Rietveld hat nie wieder in Deutschland gebaut, daher wiegt der Verlust seiner Projekte am Niederrhein umso schwerer. Heute wei\u00df kaum jemand au\u00dferhalb von Wesel und Kleve, welche architektonischen Sch\u00e4tze die Orte einst zierten. W\u00fcnschenswert w\u00e4re deshalb zumindest die Anbringung von Gedenktafeln auf denen die spannende und tragische Geschichte der Geb\u00e4ude und ihrer vormaligen Besitzer erz\u00e4hlt w\u00fcrde.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den sp\u00e4ten 1920er Jahren realisierte Gerrit Rietveld in Kleve und Wesel wegweisende Projekte. Sie wurden w\u00e4hrend des Nationalsozialismus zerst\u00f6rt. Die Bewohner:innen der rheinisch-westf\u00e4lischen Grenzregion kennen ihn nur zu gut: den direkt feststellbaren Unterschied zwischen der deutschen und niederl\u00e4ndischen Seite der Grenze. Stra\u00dfenmarkierungen, Fahrradwege, die Architektur, sie alle lassen den Grenz\u00fcbertritt sofort sp\u00fcren. 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