{"id":12856,"date":"2026-06-03T18:13:21","date_gmt":"2026-06-03T16:13:21","guid":{"rendered":"https:\/\/on-art.news\/?p=12856"},"modified":"2026-08-14T22:00:06","modified_gmt":"2026-08-14T20:00:06","slug":"maler-des-jetzt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/on-art.news\/en\/2026\/06\/03\/maler-des-jetzt\/","title":{"rendered":"Maler des Jetzt"},"content":{"rendered":"<h3 class=\"wp-block-heading\">Alex Katz in der T\u00fcbinger Kunsthalle<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Manche K\u00fcnstler passen nicht ganz in die Stilschubladen, in die sie trotzdem gesteckt werden, weil es keine besseren zu geben scheint. Wenn Alex Katz allerdings als &#8222;Vorl\u00e4ufer&#8220; oder &#8222;Wegbereiter&#8220; der Pop Art tituliert wird, so zeugt dies allenfalls vom zunehmenden Gebrauch des Copy-and-Paste-Verfahrens oder der K\u00fcnstlichen Intelligenz, die reproduziert, was im digitalen Raum zirkuliert, ohne zu einem eigenen Urteil f\u00e4hig zu sein. Als die amerikanische Pop Art sich um 1962 zu entfalten begann, hatte Katz zwar schon einige Galerieausstellungen hinter sich, die aber nur wenig Beachtung gefunden hatten. Seine fr\u00fchen Arbeiten haben noch nicht die kraftvollen Farben, die, ihn sp\u00e4ter in die N\u00e4he von K\u00fcnstlern wie Andy Warhol oder Roy Lichtenstein ger\u00fcckt haben. Ein Portr\u00e4t des Choreographen Paul Taylor von 1959, das nun in der T\u00fcbinger Kunsthalle zu sehen ist, zeigt diesen als schlichte, frontal stehende Figur in enganliegender, wei\u00dfer Kleidung vor einem monoton grauen Hintergrund. Man kann von Formvereinfachung sprechen, von Pop Art nicht.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"954\" data-id=\"12877\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/2009-1786_UAB205-ausschnitt-1024x954.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-12877\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/2009-1786_UAB205-ausschnitt-1024x954.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/2009-1786_UAB205-ausschnitt-300x280.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/2009-1786_UAB205-ausschnitt-768x716.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/2009-1786_UAB205-ausschnitt-1536x1432.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/2009-1786_UAB205-ausschnitt-2048x1909.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\"><br>Alex Katz, Paul Taylor, 1959. \u00d6l auf Leinwand, 170 x 187,5 cm. Udo und Anette Brandhorst Sammlung. \u00a9 Alex Katz \/ Artists Rights Society (ARS), New York \/ VG Bild-Kunst, Bonn 2026. Foto: Haydar Koyupinar, Bayerische Staatsgem\u00e4ldesammlungen.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kunsthalle zeigt das Portr\u00e4t nicht, um die stilistische Entwicklung des K\u00fcnstlers vor Augen zu f\u00fchren, sondern im Rahmen einer biographischen Einf\u00fchrung. Solange Katz von seiner Kunst nicht leben konnte, entwarf er Kost\u00fcme und B\u00fchnenbilder f\u00fcr eben jenen Paul Taylor. Katz stammt, wie so viele New Yorker, aus einer aus Osteuropa zugewanderten j\u00fcdischen Familie. Sein Vater hatte eine Fabrik besessen, die ihm in der Russischen Revolution abhanden gekommen war. Seine Mutter war Schauspielerin. In New York trat sie in jiddischen und hebr\u00e4ischen St\u00fccken auf, pausierte dann aber, bis die S\u00f6hne erwachsen waren. Die Familie geh\u00f6rt zum New Yorker Kulturb\u00fcrgertum. Katz ist mit Literatur, Theater und Kunst aufgewachsen. Er studierte an der Cooper Union in Manhattan, wie George Segal, der auch in Pop-Art-Ausstellungen gezeigt wurde, wenn plastische Arbeiten gesucht waren. Sein Sohn Vincent schreibt Gedichte und hat einmal eine gro\u00dfe Ausstellung am Museum Reina Sofia in Madrid zum Black Mountain College kuratiert, jener Brutst\u00e4tte moderner amerikanischer Kunst, an der Bauh\u00e4usler wie Josef und Anni Albers auf amerikanische K\u00fcnstler wie John Cage oder Robert Rauschenberg trafen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dem Portr\u00e4t von Paul Taylor gegen\u00fcber ist die ganze Wand tapeziert mit einem Foto des Times Square. \u201eWhere Did Our Love Go\u201c t\u00f6nt durch den Raum, der erste gro\u00dfe Hit der Supremes, Soundtrack zum Kurzfilm <em>Square Times<\/em> des mit Katz befreundeten Regisseurs Rudy Bucrckhardt, der das pulsierende Leben im Zentrum des Broadway dokumentiert. 1977 erhielt Katz den Auftrag, 23 sechs Meter hohe Frauenportr\u00e4ts zu malen, die von Billboards hoch oben auf den Platz hinabblickten.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped w3 wp-block-gallery-2 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"683\" height=\"1024\" data-id=\"12882\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/2026_KHT_Katz_installation-views_Foto-Ulrich-Metz-1-683x1024.jpg\" alt=\"Ausstellungsansicht Kunsthalle T\u00fcbingen, &quot;Alex Katz, Dancing with Reality&quot;. Foto: Ulrich Metz, Kunsthalle T\u00fcbingen.\" class=\"wp-image-12882\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/2026_KHT_Katz_installation-views_Foto-Ulrich-Metz-1-683x1024.jpg 683w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/2026_KHT_Katz_installation-views_Foto-Ulrich-Metz-1-200x300.jpg 200w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/2026_KHT_Katz_installation-views_Foto-Ulrich-Metz-1-768x1151.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/2026_KHT_Katz_installation-views_Foto-Ulrich-Metz-1-1025x1536.jpg 1025w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/2026_KHT_Katz_installation-views_Foto-Ulrich-Metz-1-1366x2048.jpg 1366w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/2026_KHT_Katz_installation-views_Foto-Ulrich-Metz-1-scaled.jpg 1708w\" sizes=\"(max-width: 683px) 100vw, 683px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"683\" height=\"1024\" data-id=\"12883\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/2026_KHT_Katz_installation-views_Foto-Ulrich-Metz-6-683x1024.jpg\" alt=\"Ausstellungsansicht Kunsthalle T\u00fcbingen, &quot;Alex Katz, Dancing with Reality&quot;. Foto: Ulrich Metz, Kunsthalle T\u00fcbingen.\" class=\"wp-image-12883\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/2026_KHT_Katz_installation-views_Foto-Ulrich-Metz-6-683x1024.jpg 683w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/2026_KHT_Katz_installation-views_Foto-Ulrich-Metz-6-200x300.jpg 200w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/2026_KHT_Katz_installation-views_Foto-Ulrich-Metz-6-768x1151.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/2026_KHT_Katz_installation-views_Foto-Ulrich-Metz-6-1025x1536.jpg 1025w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/2026_KHT_Katz_installation-views_Foto-Ulrich-Metz-6-1366x2048.jpg 1366w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/2026_KHT_Katz_installation-views_Foto-Ulrich-Metz-6-scaled.jpg 1708w\" sizes=\"(max-width: 683px) 100vw, 683px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\">Ausstellungsansichten Kunsthalle T\u00fcbingen, &#8222;Alex Katz, Dancing with Reality&#8220;. Links das Bild &#8222;The new Pink&#8220; aus dem Jahr 2005, rechts &#8222;Ocean 12&#8220; aus dem Jahr 2022. Beide Fotos: Ulrich Metz, Kunsthalle T\u00fcbingen.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Bewegung in der Malerei<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Mich hat bei der Betrachtung des Werkes von Alex Katz vor allem die Frage interessiert, wie die Bewegung in seine Bilder kam&#8220;, erkl\u00e4rt Nicole Fritz, die Direktorin der Kunsthalle, das Zustandekommen der Ausstellung. Mit einer Retrospektive im Whitney Museum of American Art 1987, f\u00fchrt sie aus, fing es an &#8222;dass Katz seine Malerei auf dem Boden des europ\u00e4ischen Impressionismus neu justiert und freier malt. Das hat mich interessiert.&#8220; Zwei Ausstellungen 2024 im Museum Brandhorst, M\u00fcnchen \u2013 von dem das Portr\u00e4t von Paul Taylor stammt \u2013 und in der Fondazione Giorgio Cini in Venedig, von der vier Werke nun in T\u00fcbingen zu sehen sind, boten Gelegenheit, auf ihn zuzugehen. &#8222;Ich wurde ihm vorgestellt&#8220;, erz\u00e4hlt Fritz, &#8222;und habe ein Konzept entwickelt, so dass er einwilligte, mich bei der ersten Pr\u00e4sentation seines Sp\u00e4twerkes in Deutschland zu unterst\u00fctzen.&#8220; Sie besuchte ihn in seinem Atelier in Downtown Manhattan, wo er seit 1968 arbeitet. Das war vor zwei Jahren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Bezug zu den Impressionisten zeigt sich ganz direkt in zwei Bildern, die den Titel <em>Hommage to Monet<\/em> tragen. &#8222;Monet nimmt Farben wahr, die andere normalerweise nicht sehen&#8220; sagt der K\u00fcnstler. &#8222;Er nimmt das Gesamtbild auf, w\u00e4hrend andere Maler sich in Einzelheiten verlieren&#8220; Dies kennzeichnet auch Katz selber, der allerdings eine allzu direkte Anlehnung bewusst vermeidet. Die beiden Werke arbeiten mit einer starken Vereinfachung und extremen Farbkontrasten. Leuchtend gelbe Ovalformen, ganz ohne Binnenstruktur, schweben vor einem einheitlich dunklen Grund, in dem sich erst bei n\u00e4herem Hinsehen noch dunklere Konturen abzeichnen: Schatten von B\u00e4umen, die sich im See spiegeln, aber wie H\u00e4nde ins Bild zu greifen scheinen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Bewegung, die Fritz anspricht, entsteht auf ganz \u00e4hnliche Weise wie in den japanischen Ukiyo-e-Farbholzschnitten, von denen bereits die Impressionisten ausgingen: Asymmetrien, angeschnittene Formen, Spiegelungen im Wasser; die r\u00e4umliche Tiefe suggerieren, obwohl objektiv alles ganz flach ist. &#8222;Aus der flie\u00dfend verg\u00e4nglichen Welt&#8220; wird <em>Ukiyo-e<\/em> \u00fcbersetzt, und genau das ist es, was Katz interessiert: Augenblicke, Momentaufnahmen, Sinneseindr\u00fccke, das Leben in seiner Verg\u00e4nglichkeit festhalten. Er malt Bl\u00fcten, die bald verwelken, fl\u00fcchtige Lichteindr\u00fccke in der Abendd\u00e4mmerung; den Wechsel der Jahreszeiten. Bewegung zeigt sich auch in K\u00f6rperdrehungen und Sequenzen angeschnittener Blicke auf ein und dieselbe Person. Die Hintergr\u00fcnde sind oft einfarbig, da hat sich gegen\u00fcber dem Portr\u00e4t von Paul Taylor wenig ge\u00e4ndert. Die Farbe spricht: <em>New Pink<\/em> hei\u00dft ein Portr\u00e4t einer Frau schr\u00e4g von hinten vor einem Hintergrund in kr\u00e4ftigem Rosa. Die <em>Coca-Cola Girls<\/em> einer Siebdruck-Serie pr\u00e4sentieren ihre wei\u00dfen Badeanz\u00fcge auf leuchtendem Rot.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped w3 wp-block-gallery-3 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large w3\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"509\" data-id=\"12889\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Alex-Katz-Homage-to-Monet-1-2009-1024x509.jpg\" alt=\"Alex Katz, Homage to Monet 1, 2009. \u00d6l auf Leinwand, 122 x 244,3 x 4 cm. Private Collection Paris, France. Courtesy Galerie Thaddaeus Ropac, London, Paris, Salzburg, Milan, Seoul. \u00a9 Alex Katz \/ Artists Rights Society (ARS), New York \/ VG Bild-Kunst, Bonn 2026. Foto: Paul Takeuchi.\" class=\"wp-image-12889\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Alex-Katz-Homage-to-Monet-1-2009-1024x509.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Alex-Katz-Homage-to-Monet-1-2009-300x149.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Alex-Katz-Homage-to-Monet-1-2009-768x381.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Alex-Katz-Homage-to-Monet-1-2009-1536x763.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Alex-Katz-Homage-to-Monet-1-2009-2048x1017.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\">Alex Katz, Homage to Monet 1, 2009. \u00d6l auf Leinwand, 122 x 244,3 x 4 cm. Private Collection Paris, France. Courtesy Galerie Thaddaeus Ropac, London, Paris, Salzburg, Milan, Seoul. \u00a9 Alex Katz \/ Artists Rights Society (ARS), New York \/ VG Bild-Kunst, Bonn 2026. Foto: Paul Takeuchi.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Aspekte des Sp\u00e4twerks<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Ausstellung zeigt 40 gro\u00dfformatige Gem\u00e4lde, Druckgrafiken und Zeichnungen, \u00fcberwiegend aus den letzten zwanzig Jahren. Katz arbeitet mit Kartons, \u00fcbertr\u00e4gt die perforierte Vorzeichnung mit Kohlestaub auf die Leinwand wie schon die Freskenmaler der Renaissance, um dann, \u00e4hnlich wie sie, schnell, nass in nass zu malen. Vier dieser Kartons in einem Raum waren Ausgangspunkt f\u00fcr Gem\u00e4lde der Ausstellung oder \u00e4hnliche Werke. Ein gro\u00dfer Raum ist der Mode gewidmet, auch dies eine fl\u00fcchtige Erscheinung. Die Figuren wirken wie Anziehpuppen, alles au\u00dfer der Kleidung ist nur in Konturen angedeutet. Die Designerin Claire McCardell, deren Kreationen Katz hier verewigt, ist bereits 1958 verstorben. Nach 70 Jahren, erkl\u00e4rt der K\u00fcnstler, kamen ihm diese auf einmal wie aus heiterem Himmel in den Sinn.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Ausstellung ist nach Themen gegliedert so banal wie die Titel der Werke: <em>Grass<\/em>, <em>Tree<\/em>, <em>Yellow Leaves<\/em>, <em>Spring<\/em>. Hintersinn ist nicht gewollt, nur der reine Sinneseindruck, allerdings nicht eine naturalistische Wiedergabe der Wirklichkeit. Der Eindruck des fl\u00fcchtigen Moments entsteht durch Formvereinfachung und Farbkontraste: Das tiefdunkle Blau des Seerosenteichs entspricht dem dunklen Blau des Himmels bei starker Sonnenstrahlung, die wiederum die Seerosenbl\u00e4tter hellgelb erscheinen l\u00e4sst. Die bis zu sechs Meter breiten Gem\u00e4lde zielen auf einen immersiven Effekt: Der Betrachter taucht ein in das Bild. Ein Besucher hat dies intuitiv erfasst und l\u00e4sst sich vor einer verschneiten Waldlandschaft mit dem Handy fotografieren. Er wird damit zu einem Teil des Bildes, steht sozusagen im Wald. Es f\u00e4llt auf, dass sich die ansteigenden, nicht sehr hohen, oberlichtbeleuchteten R\u00e4ume der Kunsthalle f\u00fcr diese Art der Ann\u00e4herung hervorragend eignen: Man kann gar nicht viel Abstand nehmen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped w3 wp-block-gallery-4 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"480\" height=\"440\" data-id=\"12897\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/A91pkfk70_g3qsym_iq8.jpg\" alt=\"Alex Katz, Tree 12, 2020. \u00d6l auf Leinwand, 213,36 x 228,6 cm. \u00a9 Alex Katz \/ Artists Rights Society (ARS), New York \/ VG Bild-Kunst, Bonn 2026. Foto: David Regen, courtesy Gladstone Gallery.\" class=\"wp-image-12897\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/A91pkfk70_g3qsym_iq8.jpg 480w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/A91pkfk70_g3qsym_iq8-300x275.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 480px) 100vw, 480px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"762\" height=\"1024\" data-id=\"12904\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/AK_012026-001-ausschnitt-762x1024.jpg\" alt=\"Alex Katz, Day's End 1, 1998. \u00d6l auf Leinwand, 243,84 x 182,88\u00a0cm. Collection of the artist, \u00a9 Alex Katz \/ Artists Rights Society (ARS), New York \/ VG Bild-Kunst, Bonn 2026. Foto: Daniel Greer.\" class=\"wp-image-12904\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/AK_012026-001-ausschnitt-762x1024.jpg 762w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/AK_012026-001-ausschnitt-223x300.jpg 223w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/AK_012026-001-ausschnitt-768x1032.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/AK_012026-001-ausschnitt-1143x1536.jpg 1143w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/AK_012026-001-ausschnitt-1524x2048.jpg 1524w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/AK_012026-001-ausschnitt-scaled.jpg 1905w\" sizes=\"(max-width: 762px) 100vw, 762px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large w3\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"622\" height=\"1024\" data-id=\"12906\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/AKZ_1969_300dpi-ausschnitt-622x1024.jpg\" alt=\"Alex Katz, Claire McCardell 7, 2022. \u00d6l auf Leinwand, 152,4 x 91,4 x 3 cm. Courtesy Galerie Thaddaeus Ropac, London, Paris, Salzburg, Milan, Seoul. \u00a9 Alex Katz \/ Artists Rights Society (ARS), New York \/ VG Bild-Kunst, Bonn 2026. Foto: Charles Duprat.\" class=\"wp-image-12906\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/AKZ_1969_300dpi-ausschnitt-622x1024.jpg 622w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/AKZ_1969_300dpi-ausschnitt-182x300.jpg 182w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/AKZ_1969_300dpi-ausschnitt-768x1265.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/AKZ_1969_300dpi-ausschnitt-933x1536.jpg 933w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/AKZ_1969_300dpi-ausschnitt-1244x2048.jpg 1244w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/AKZ_1969_300dpi-ausschnitt-scaled.jpg 1555w\" sizes=\"(max-width: 622px) 100vw, 622px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\"><strong>Links<\/strong>: Alex Katz, Tree 12, 2020. \u00d6l auf Leinwand, 213,36 x 228,6 cm. \u00a9 Alex Katz \/ Artists Rights Society (ARS), New York \/ VG Bild-Kunst, Bonn 2026. Foto: David Regen, courtesy Gladstone Gallery. <strong>Middle<\/strong>: Alex Katz, Day&#8217;s End 1, 1998. \u00d6l auf Leinwand, 243,84 x 182,88&nbsp;cm. Collection of the artist, \u00a9 Alex Katz \/ Artists Rights Society (ARS), New York \/ VG Bild-Kunst, Bonn 2026. Foto: Daniel Greer. <strong>Right<\/strong>: Alex Katz, Claire McCardell 7, 2022. \u00d6l auf Leinwand, 152,4 x 91,4 x 3 cm. Courtesy Galerie Thaddaeus Ropac, London, Paris, Salzburg, Milan, Seoul. \u00a9 Alex Katz \/ Artists Rights Society (ARS), New York \/ VG Bild-Kunst, Bonn 2026. Foto: Charles Duprat.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein \u00e4lterer Mann f\u00fchrt eine Gruppe von drei Kindern durch die Ausstellung; die nicht etwa rumalbern, sondern aufmerksam zuh\u00f6ren. Wie er das macht, ist nicht ohne weiteres erkennbar, doch fest steht, dass die Kunsthalle f\u00fcr den ZukunftsGut-Preis der Commerzbank-Stiftung nominiert ist, den h\u00f6chst dotierten Preis f\u00fcr Kulturvermittlung; die Entscheidung f\u00e4llt am 24. Juni. Die Ausstellung spricht ein breites, diverses Publikum an. Die Kunsthalle ist seit 2003 eine Stiftung. Gefragt, ob dies in Zeiten knapper Kassen Vorteile biete, antwortet die Direktorin: &#8222;Das Konzept eines sowohl aus st\u00e4dtischen wie auch aus privaten Geldern finanzierten Hauses hat sich gerade in der heutigen Zeit als tragf\u00e4hig erwiesen. Ich kann mein Ausstellungsbudget zu zwei Dritteln aus den Ertr\u00e4gen der Stiftung und zu einem Drittel aus den von mir j\u00e4hrlich zus\u00e4tzlich akquirierten Drittmitteln bestreiten.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit den 2024 in Venedig ausgestellten Werken der <em>Ocean<\/em>-Serie hat Katz sein Verfahren, Bewegung, wenn nicht die Zeit selbst festzuhalten, weiter radikalisiert. W\u00e4hrend andere, auch neuere Bilder hellgr\u00fcn oder zitrongelb leuchten, bestehen die Leinw\u00e4nde hier nur aus wei\u00dfen Pinselstrichen auf schwarzem Grund. Die Dunkelheit erweckt wie bei anderen Bildern den Eindruck von Tiefe. Mit den wei\u00dfen Punkten, Linien und Fl\u00e4chen versucht Katz sozusagen in Echtzeit die in Realit\u00e4t st\u00e4ndig wechselnden Schaumkronen und Lichtspiegelungen wiederzugeben. Das ist von der abstrakten Malerei des <em>Informel<\/em> nicht weit entfernt, lebt aber weiterhin von der Assoziation des Gegenstands Ozean, an der Grenze zwischen purer Anschauung und Sinnbild. &#8222;Die Ewigkeit existiert in Minuten absoluter Bewusstheit&#8220;, sagt der K\u00fcnstler. &#8222;Malerei erscheint, wenn sie gelingt, als synthetische Widerspiegelung dieses Zustands.&#8220; Am 24. Juli wird er 99 Jahre alt. Happy Birthday, Mr. Katz!<\/p>\n\n\n\n<hr style=\"--wb-separator-margin-top:0px;--wb-separator-margin-bottom:0px\" class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br>Die Ausstellung &#8222;Alex Katz, Dancing with Reality&#8220;, l\u00e4uft bis 13. September und ist dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr, donnerstags bis 19 Uhr ge\u00f6ffnet. <a href=\"https:\/\/kunsthalle-tuebingen.de\/\">https:\/\/kunsthalle-tuebingen.de<\/a><br><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alex Katz in der T\u00fcbinger Kunsthalle Manche K\u00fcnstler passen nicht ganz in die Stilschubladen, in die sie trotzdem gesteckt werden, weil es keine besseren zu geben scheint. 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