{"id":13038,"date":"2026-06-17T12:24:10","date_gmt":"2026-06-17T10:24:10","guid":{"rendered":"https:\/\/on-art.news\/?p=13038"},"modified":"2026-08-14T22:00:06","modified_gmt":"2026-08-14T20:00:06","slug":"kontaminierte-gaerten-renaturiert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/on-art.news\/en\/2026\/06\/17\/kontaminierte-gaerten-renaturiert\/","title":{"rendered":"Kontaminierte G\u00e4rten, renaturiert"},"content":{"rendered":"<h3 class=\"wp-block-heading\">Die <em>Biennale Gherd\u00ebina 10 \u2013 (Future) Paradise Gardens<\/em> im S\u00fcdtiroler Gr\u00f6dnertal verbindet \u00d6kologie mit Technologie und versucht eine gemeinschaftliche Verantwortung f\u00fcr beides in der Kunst zu finden.<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einen Teil der Biennale Gherd\u00ebina muss man sich f\u00f6rmlich erwandern, man wird aber durchaus belohnt. Vom Ort St. Ulrich im Tal geht es eine gute halbe Stunde auf steilen Pfaden durch einen dichten, k\u00fchlen Wald, bevor man an der Baumgrenze die lichten Weiden des Bergbauernhofs Maso Pilat erreicht. Wie \u00fcberdimensionierte Mikado-St\u00e4bchen sind in diesen saftigen Bergwiesen gelb-schwarze Marker installiert, die sich rhythmisch in das Gel\u00e4nde einf\u00fcgen. Was zun\u00e4chst wie eine technische Vermessung der Landschaft aussehen mag oder wie sommerliche Ski-Pisten, ist ein stilles Archiv klimatischer Verschiebungen. Die Positionen der St\u00e4be zeichnen die sich ver\u00e4ndernde Schneefallgrenze nach, die sich wegen des Klimawandels immer weiter in die H\u00f6he verschiebt. Bas Smets und Eliane Le Roux zeigen mit &#8222;Degrees of Elevation&#8220; eine Arbeit, in der abstrakte klimatische Ver\u00e4nderungen poetisch erfahrbar werden, der Berg selbst wird zu einem Diagramm seiner eigenen Ver\u00e4nderung. Die St\u00f6cke haben die beiden K\u00fcnstler*innen bei der lokalen Kommune ausgeliehen, im Winter werden sie normalerweise genutzt, um die R\u00e4nder von Stra\u00dfen zu markieren. Laut Wissenschaftlern ist es m\u00f6glich, dass bereits im n\u00e4chsten Jahrhundert kein nat\u00fcrlicher Schnee mehr in den Dolomiten liegen bleiben wird. Dann werden diese St\u00f6cke zu nutzlosen Artefakten einer l\u00e4ngst vergangenen Zeit. Die scheinbare Unverletzbarkeit der imposanten Dolomiten im Hintergrund steht hier im starken Kontrast zu den harten Realit\u00e4ten des Klimawandels.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Arbeit setzt bereits den Ton f\u00fcr die schon zehnte Ausgabe der Biennale Gherd\u00ebina, der regionalen und internationalen Biennale f\u00fcr zeitgen\u00f6ssische Kunst in den Dolomiten, bei der unter dem Titel &#8222;(Future) Paradise Gardens&#8220; die Erkundung von \u00d6kologie, Gemeinschaft und Imagination im Zentrum stehen soll. Diesen Sommer sind wieder zahlreiche Orte im gesamten Tal Teil der Ausstellung, bei der 24 Projekte von 28 lokalen und internationalen K\u00fcnstler:innen gezeigt werden. Die Biennale erstreckt sich dabei \u00fcber drei zentrale Ausstellungsorte, die Ortszentren der D\u00f6rfer St. Ulrich und St. Christina sowie den Hof Pilat. Die Landschaft der Dolomiten ist nicht lediglich spektakul\u00e4re Kulisse f\u00fcr Gegenwartskunst, sondern wird aktiv in die Arbeiten eingebunden. Viele Projekte reagieren sensibel auf lokale Geschichten, Materialien und soziale Strukturen des Tals.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped w3 wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" data-id=\"13047\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/3_HQ-BiennaleGherdeina10-2026\u00a9TiberioSorvilloB0050471-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-13047\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/3_HQ-BiennaleGherdeina10-2026\u00a9TiberioSorvilloB0050471-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/3_HQ-BiennaleGherdeina10-2026\u00a9TiberioSorvilloB0050471-300x225.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/3_HQ-BiennaleGherdeina10-2026\u00a9TiberioSorvilloB0050471-768x576.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/3_HQ-BiennaleGherdeina10-2026\u00a9TiberioSorvilloB0050471-1536x1151.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/3_HQ-BiennaleGherdeina10-2026\u00a9TiberioSorvilloB0050471-2048x1535.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\">Judith Neunh\u00e4userer, Mushroom clouds over ourgarden, 2026. Mit Unterst\u00fctzung der Stiftung Kunstfonds, des Beauftragten der Bundesregierung f\u00fcr Kultur und Medien und der VG Bild-Kunst. Dank an die Familie Prugger, Piz, Janek, Paola Govoni, Kirsten Zeitz, Neringa Vasiliauskaite und Matteo Pizzolante. Foto: Tiberio Sorvillo.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Alles ist mit Allem verbunden<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nur ein paar Gehminuten von den Klima-Markern von Bas Smets und Eliane Le Roux in Pilat entfernt geht es poetisch, ambivalent und minimalinvasiv weiter. Entlang eines Waldwegs, zun\u00e4chst ganz unscheinbar und leicht zu \u00fcbersehen, an B\u00e4umen und Str\u00e4uchern fixiert, sind fragile Glaselemente zu finden. Auf diesen Platten sind Textfragmente erkennbar und so offenbart sich in der Arbeit &#8222;Mushroom Clouds over our Garden&#8220; von Judith Neunh\u00e4userer allm\u00e4hlich ein Netz aus fragmentierten Erz\u00e4hlungen, historischen Verweisen und politischen Andeutungen. Ausgangspunkt ist ein historisch belegter Aufenthalt von Laura und Enrico Fermi im Gr\u00f6dnertal, einem Wissenschaftler, der ma\u00dfgeblich an der Entwicklung der Atomenergie und der Atombombe beteiligt war. Neunh\u00e4userer verbindet in ihrer Arbeit wissenschaftliche Archive mit subjektiver Erinnerung und erzeugt damit eine Landschaft, in der die globalen Auswirkungen von Wissenschaft und pers\u00f6nliche Erfahrungen miteinander verwoben sind. Aufgrund der Atomkatastrophe von Tschernobyl, auch ein Produkt Fermis Forschung, k\u00f6nnen in S\u00fcdtirol lokal gesammelte Pilze und Wildbret auch heute noch erh\u00f6hte, wenn auch meist tolerierbare Radioaktivit\u00e4tswerte aufweisen. Alles ist mit Allem verbunden. Beim Verlassen des Waldes klimpern die gl\u00e4sernen Texttafeln trotzdem leise im friedlichen Wind.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped w3 wp-block-gallery-2 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" data-id=\"13066\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/12_HQ-BiennaleGherdeina10-2026\u00a9TiberioSorvilloB0050907-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-13066\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/12_HQ-BiennaleGherdeina10-2026\u00a9TiberioSorvilloB0050907-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/12_HQ-BiennaleGherdeina10-2026\u00a9TiberioSorvilloB0050907-300x225.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/12_HQ-BiennaleGherdeina10-2026\u00a9TiberioSorvilloB0050907-768x576.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/12_HQ-BiennaleGherdeina10-2026\u00a9TiberioSorvilloB0050907-1536x1151.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/12_HQ-BiennaleGherdeina10-2026\u00a9TiberioSorvilloB0050907-2048x1535.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\">Augustas Serapinas, Barn from Saltria, 2026. Biennale Gherd\u00ebina 10. Mit Unterst\u00fctzung des Lithuanian Culture Institute und der Botschaft von Lettland in Italien. Dank an Chemun de Urtij\u00ebi, Monica und Hugo Moroder, Walter Wanker, Albert Lagede. Credits: Foto Sorvillo.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die zehnte Ausgabe der Biennale Gherd\u00ebina nutzt das Konzept des Gartens als zentrales Motiv, jenseits idyllischer Naturbilder oder rein illustrativer Kritik. Der Garten steht hier im Spannungsfeld zwischen der wilden Kraft der Natur und der vom Menschen gepr\u00e4gten Kultur. In der von Samuel Leuenberger kuratierten Biennale dient der Garten als umk\u00e4mpfter Ort, als Projektionsfl\u00e4che kultureller Ordnung und als Spiegel jener politischen und \u00f6kologischen Krisen, die sich im Anthropoz\u00e4n immer deutlicher und \u00f6fter materialisieren. Die Alpen, speziell im UNESCO-Welterbe der Dolomiten, gelten zwar noch immer als Sehnsuchtslandschaft einer vermeintlich intakten Natur. Doch gerade hier wird sichtbar, wie tiefgreifend die Landschaft bereits von Klimawandel, touristischer \u00dcberformung und \u00f6konomischen Dynamiken gepr\u00e4gt ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie kleine, artifizielle G\u00e4rten wirken die &#8222;homescapes&#8220; von Leonardo B\u00fcrgi Tenorios, die im musealen Raum Sala Trenker in St. Ulrich zu sehen sind. Er hat aus adaptierten Terrarien eine Serie von Mikroumgebungen geschaffen, die zugleich intim und k\u00fcnstlich sind. Die geschlossenen Systeme wirken wie Hybride wissenschaftlicher Versuchsanordnungen und dekorativer Wohnobjekte. Indem der K\u00fcnstler gefundene Objekte, Fotografien und pflanzliche Elemente integriert, entstehen fragile Parallelwelten zwischen Naturbild und Vort\u00e4uschung. Diese Terrarien verweisen auf eine Welt, in der die Natur nur noch in kontrollierten, technologisch regulierten R\u00e4umen erfahrbar wird, eingerahmt und konserviert. Gleich daneben ist die beeindruckende und best\u00fcrzende Videoinstallation &#8222;Green Grey Black Brown&#8220; von Yuyan Wang zu sehen. Sie nutzt eine aggressive Bildsprache und montiert Found Footage industrieller Produktionsprozesse in der Landwirtschaft zu einem dystopischen, assoziativen Lauf. Fl\u00fcssigkeiten, Oberfl\u00e4chen und synthetische Texturen verschmelzen zu einem unaufh\u00f6rlichen Strom visueller Reize. Der Kunstrasen, auf dem das Publikum Platz nimmt, illustriert nur den Gedanken einer simulierten Natur. Der verlangsamte Soundtrack des Lieds &#8222;Owner of a Lonely Heart&#8220;, tr\u00e4ge und in der monotonen Wiederholung zerm\u00fcrbend, verst\u00e4rkt den Eindruck einer \u00fcberforderten Melancholie. Man verl\u00e4sst den Ausstellungsraum mit der Bef\u00fcrchtung, dass unsere G\u00e4rten bereits unwiederbringlich kontaminiert sein k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-3 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2560\" height=\"1596\" data-id=\"13053\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/10_HQ-BiennaleGherdeina10-2026\u00a9TiberioSorvilloB0050802-edited-scaled.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-13053\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/10_HQ-BiennaleGherdeina10-2026\u00a9TiberioSorvilloB0050802-edited-scaled.jpg 2560w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/10_HQ-BiennaleGherdeina10-2026\u00a9TiberioSorvilloB0050802-edited-300x187.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/10_HQ-BiennaleGherdeina10-2026\u00a9TiberioSorvilloB0050802-edited-1024x638.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/10_HQ-BiennaleGherdeina10-2026\u00a9TiberioSorvilloB0050802-edited-768x479.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/10_HQ-BiennaleGherdeina10-2026\u00a9TiberioSorvilloB0050802-edited-1536x957.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/10_HQ-BiennaleGherdeina10-2026\u00a9TiberioSorvilloB0050802-edited-2048x1276.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 2560px) 100vw, 2560px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\">Ausschnitt aus Yuyan Wang, Green Grey Black Brown, 2024. Mit Unterst\u00fctzung von Nuovi Mecenati &#8211; Fondazione franco-italiana di sostegno allacreazione contemporanea. Foto: Tiberio Sorvillo.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">R\u00e4ume f\u00fcr Reflexion<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch Alice Bucknells Filmarbeit &#8222;Ground Truthing&#8220; zeigt die Dichotomie von Natur und Technologie als ein komplexes Geflecht gegenseitiger Abh\u00e4ngigkeiten. Ihr digitaler Film verbindet virtuelle Landschaften, Satellitendaten und \u00f6kologische Prognosen zu einer spekulativen, dichten filmischen Reise. In unterschiedliche Kapitel unterteilt, wird die Spannung zwischen digitaler Modellierung und evidenzbasiertem Wissen gezeigt. Der Begriff des &#8222;Ground Truthing&#8220; bezeichnet urspr\u00fcnglich die \u00dcberpr\u00fcfung von Satellitendaten durch physische Erfahrung vor Ort. Gezeigt wird der hoch-technologische Film in einer Zwischennutzung in St. Ulrich, die Zuseher:innen sitzen im dunklen Raum auf aus lokalen Baumst\u00e4mmen gefertigten Sitzobjekten, die in die organische Welt der Natur verweisen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Zuge der Corona-Pandemie, als viele Teile des \u00f6ffentlichen Lebens ruhten und die Natur Zeit hatte, sie zu regenerieren, \u00f6ffnete sich ein Fenster, in dem die Brisanz der Klimaver\u00e4nderung pl\u00f6tzlich zentral im Bewusstsein der Bev\u00f6lkerung angekommen schien. Nur ein paar Jahre sp\u00e4ter ist von dieser Dringlichkeit kaum mehr etwas zu sp\u00fcren. Die Menschen leben wieder wie zuvor, es wird wieder mehr geflogen und auch der Hype um vegane Ern\u00e4hrung scheint verlaufen. Nur die Klimaberichte bleiben konsequent: Forscher bef\u00fcrchten massive Temperaturver\u00e4nderungen und warnen, dass weitere Eskalationen bevorstehen. Leuenbergers kuratorischer Ansatz reagiert auf dieses Spannungsfeld mit einer offenen Struktur. Die Biennale entwickelt keine lineare Argumentation, sondern organisiert sich entlang thematischer Felder wie &#8222;Commoning&#8220;, &#8222;Violent Garden&#8220;, &#8222;Queer Ecology&#8220; oder &#8222;Gardens as Spaces for Reflection and Poetry&#8220;. Diese Kapitel sind dabei nicht starr, sondern verbinden unterschiedliche k\u00fcnstlerische Positionen lose miteinander. Die leitende Idee des Gartens soll unter diesen Bedingungen weniger als romantischer R\u00fcckzugsort, denn als Modell genutzt werden, wie sich Leben unter neuen und instabilen Voraussetzungen organisieren l\u00e4sst und welche Rolle die Kunst in diesem Gef\u00fcge haben kann.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-4 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2560\" height=\"1556\" data-id=\"13057\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/5_HQ-BiennaleGherdeina10-2026\u00a9TiberioSorvilloB0050644-edited-scaled.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-13057\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/5_HQ-BiennaleGherdeina10-2026\u00a9TiberioSorvilloB0050644-edited-scaled.jpg 2560w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/5_HQ-BiennaleGherdeina10-2026\u00a9TiberioSorvilloB0050644-edited-300x182.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/5_HQ-BiennaleGherdeina10-2026\u00a9TiberioSorvilloB0050644-edited-1024x622.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/5_HQ-BiennaleGherdeina10-2026\u00a9TiberioSorvilloB0050644-edited-768x467.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/5_HQ-BiennaleGherdeina10-2026\u00a9TiberioSorvilloB0050644-edited-1536x933.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/5_HQ-BiennaleGherdeina10-2026\u00a9TiberioSorvilloB0050644-edited-2048x1244.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 2560px) 100vw, 2560px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\">Gabriela Oberkofler, <em>Der letzte Acker &#8211; The Last Field<\/em>, 2026. Biennale Gherd\u00ebina 10. Dank an die Familie Moroder, Hotel Maria, Decor, Keim Colors. Foto: Tiberio Sorvillo.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Archive verschwindender Landschaften<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Installation der S\u00fcdtiroler K\u00fcnstlerin Gabriela Oberkofler changiert zwischen post-apokalyptischem Gew\u00e4chshaus, Labor und Erinnerungsraum. Sie hat mit &#8222;Der letzte Acker&#8220;, ebenfalls in einem leerstehenden Ladenlokal nahe der Fu\u00dfg\u00e4ngerzone von St. Ulrich, eine eindrucksvolle Installation ihrer Arbeit inszeniert, die sich direkt auf die lokale Geschichte bezieht. Sie zeigt ein provisorisches Archiv verschwindender Landschaften. Daf\u00fcr hat sie Pflanzen aus den letzten landwirtschaftlich genutzten Fl\u00e4chen des Tals unter k\u00fcnstlichem Licht in Glasbeh\u00e4ltern konserviert und zudem filigrane Zeichnungen von Pflanzen und Fr\u00fcchten \u00fcber W\u00e4nde und Decke ausgebreitet. Schon seit einiger Zeit gibt es im vom Tourismus und der Viehwirtschaft gepr\u00e4gten Gr\u00f6dnertal keine klassischen landwirtschaftlichen \u00c4cker mehr. Die Pflanzen, die im \u00f6konomischen und \u00f6kologischen System des Tals keinen Platz mehr haben, werden in dieser Arbeit k\u00fcnstlich am Leben gehalten, zwar bleiben sie bewahrt, sind aber unter st\u00e4ndiger technischer Kontrolle.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch Jacopo Belloni konserviert in seiner Arbeit Elemente der Natur, transformiert sie aber auch in einen anderen Aggregatzustand. Ein intensiver Geruch, frisch, minzig und s\u00fc\u00df, lockt die Besucher:innen in den Dachboden eines alten Schulgeb\u00e4udes im Dorf St. Christina. Hier zeigt Belloni zwei Werkgruppen. Die erste, &#8222;The Sleepers&#8220;, besteht aus milchigen Glasformen, in denen Samen aus dem Gr\u00f6dnertal eingefasst sind, die in Zusammenarbeit mit lokalen Gemeinschaften gesammelt wurden. Die \u00e4sthetischen und zerbrechlichen Gef\u00e4\u00dfe \u00e4hneln Alltagsbeh\u00e4ltern wie Taschen, Rucks\u00e4cken oder Geldb\u00f6rsen, die so in Zeitkapseln verwandelt wurden, in denen die genetischen Informationen der Samen f\u00fcr eine ungewisse Zukunft bewahrt werden. Auch hier wieder ein Archiv bedrohter Natur. Dominiert wird der Dachboden aber von historisch anmutenden Kupfermaschinen, die mit Schl\u00e4uchen verbunden sind. Es sind Destillierger\u00e4te, die langsam beruhigende Essenzen aus verschiedenen Alpenpflanzen extrahieren und so duftende Tr\u00f6pfchen in den Raum abgeben. Still und langsam komprimieren sie die Essenz der Natur in ein konsumierbares Extrakt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped w3 wp-block-gallery-5 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"767\" height=\"1024\" data-id=\"13060\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/15_HQ-BiennaleGherdeina10-2026\u00a9TiberioSorvilloB0050971-767x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-13060\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/15_HQ-BiennaleGherdeina10-2026\u00a9TiberioSorvilloB0050971-767x1024.jpg 767w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/15_HQ-BiennaleGherdeina10-2026\u00a9TiberioSorvilloB0050971-225x300.jpg 225w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/15_HQ-BiennaleGherdeina10-2026\u00a9TiberioSorvilloB0050971-768x1025.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/15_HQ-BiennaleGherdeina10-2026\u00a9TiberioSorvilloB0050971-1151x1536.jpg 1151w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/15_HQ-BiennaleGherdeina10-2026\u00a9TiberioSorvilloB0050971-1535x2048.jpg 1535w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/15_HQ-BiennaleGherdeina10-2026\u00a9TiberioSorvilloB0050971-scaled.jpg 1919w\" sizes=\"(max-width: 767px) 100vw, 767px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" data-id=\"13061\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/17_HQ-BiennaleGherdeina10-2026\u00a9TiberioSorvilloB0051006-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-13061\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/17_HQ-BiennaleGherdeina10-2026\u00a9TiberioSorvilloB0051006-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/17_HQ-BiennaleGherdeina10-2026\u00a9TiberioSorvilloB0051006-300x225.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/17_HQ-BiennaleGherdeina10-2026\u00a9TiberioSorvilloB0051006-768x576.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/17_HQ-BiennaleGherdeina10-2026\u00a9TiberioSorvilloB0051006-1536x1151.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/17_HQ-BiennaleGherdeina10-2026\u00a9TiberioSorvilloB0051006-2048x1535.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\"><strong>Links<\/strong>: Giulia Cenci,<em> <\/em>the hollow men #3, 2025. Giulia Cenci, Fondazione Palazzo Strozzi und Massimo de Carlo, Mailand. Dank an die Familie Krapf und Ernesto De Varda. <strong>Right<\/strong>: Gregor &amp; Leonora Prugger, <em>Adaptation as Form<\/em>, 2026. Biennale Gherd\u00ebina 10. Dank an die Familie Krapf und Ernesto De Varda. Beide Fotos: Tiberio Sorvillo.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Ausstellung &#8222;(Future) Paradise Gardens&#8220; zeigt, wie komplex die Fragen von Natur, Technologie und politischer Verantwortung miteinander verwoben sind und im Kontext der globalen klimatischen Ver\u00e4nderungen eingebettet sind. Zwischen abstrakten Felskegeln und touristisch \u00fcberformter Alpenlandschaft entwickelt &#8222;(Future) Paradise Gardens&#8220; keine Vision einer harmonischen R\u00fcckkehr zu einer Natur, die es nicht mehr gibt. Im Anthropoz\u00e4n ergeben sich neue Fragestellungen, die \u00fcber eine reine Kontrolle der Natur weit hinausreichen. Es geht um die Frage, welche Formen des Zusammenlebens unter Bedingungen zunehmender \u00f6kologischer Instabilit\u00e4t langfristig und nachhaltig m\u00f6glich sind. \u00d6kologie sollte dabei nicht als moralische oder politische Kategorie verstanden werden, sondern als Beziehungssystem, das gleicherma\u00dfen von Fragilit\u00e4t, Konflikt und Kooperation gepr\u00e4gt ist. Die pr\u00e4sentierten Postionen sind nicht auf didaktische Illustrationen politischer Thesen reduzierbar, vielmehr schaffen sie Momente der Kontemplation und Irritation. Die Kunst kann die wachsenden \u00f6kologischen Probleme nicht l\u00f6sen, sie kann aber Momente der Melancholie und des Versagens aufzeigen und vielleicht m\u00f6gliche Szenarien eines Zusammenlebens im Zustand permanenter Transformation andeuten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einem der wichtigsten Prozesse der Natur und den Protagonistinnen dieses Prozesses widmet Ana Prva\u010dki auf dem zentralen Platz von St. Christina ein Monument, halb ironisch, halb todernst. Die K\u00fcnstlerin, selbst in einer Familie von Imkern aufgewachsen, hat auf dem Platz vier Marmorskulpturen positioniert, die Bienenst\u00f6cke im Ma\u00dfstab 1:1 nachbilden und in der Form Grabsteine \u00e4hneln. Diese &#8222;Bee Memorials&#8220;, die dem klassischen Langstroth-Bienenstock nachempfunden sind, wirken wie stille Denkm\u00e4ler f\u00fcr die Honigbiene, eine f\u00fcr die Natur so essentiellen wie vom Aussterben bedrohten Art. In der N\u00e4he des Dorffriedhofs positioniert, erzeugen sie eine subtile Spannung zwischen Gedenken, Witz und einem wachsenden Bewusstsein f\u00fcr die Fragilit\u00e4t aller \u00f6kologischen Systeme. Vielleicht k\u00f6nnen auch kontaminierte G\u00e4rten renaturiert werden.<\/p>\n\n\n\n<hr style=\"--wb-separator-margin-top:0px;--wb-separator-margin-bottom:0px\" class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/www.biennalegherdeina.org\/de\/\">Biennale Gherd\u00ebina 10 \u2013 (Future) Paradise Gardens<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Biennale Gherd\u00ebina 10 \u2013 (Future) Paradise Gardens im S\u00fcdtiroler Gr\u00f6dnertal verbindet \u00d6kologie mit Technologie und versucht eine gemeinschaftliche Verantwortung f\u00fcr beides in der Kunst zu finden. Einen Teil der Biennale Gherd\u00ebina muss man sich f\u00f6rmlich erwandern, man wird aber durchaus belohnt. 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