{"id":13080,"date":"2026-06-24T16:34:40","date_gmt":"2026-06-24T14:34:40","guid":{"rendered":"https:\/\/on-art.news\/?p=13080"},"modified":"2026-08-14T22:00:06","modified_gmt":"2026-08-14T20:00:06","slug":"fuer-seine-bilder-parkte-avedon-in-zweiter-reihe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/on-art.news\/en\/2026\/06\/24\/fuer-seine-bilder-parkte-avedon-in-zweiter-reihe\/","title":{"rendered":"F\u00fcr seine Bilder parkte Avedon in zweiter Reihe"},"content":{"rendered":"<h3 class=\"wp-block-heading\">Peter Hujar, Eyes Open in the Dark, Bundeskunsthalle in Bonn.<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">New York: Der Fotograf Peter Hujar (1934\u20131987) stellt Bilder f\u00fcr seine Einzelausstellung zusammen, die Anfang Januar 1986 in der Gracie Manison Gallery er\u00f6ffnet. Er w\u00e4hlt 70 Fotografien aus seinem umfangreichen Archiv aus. Sie zeigen Tiere, gefundene Objekte, Landschaften, vor allem Portr\u00e4ts: Bildnisse von Freund:innen, Liebhabern, von K\u00fcnstler:innen der New Yorker Downtown-Szene, von sich selbst. Die Fotografien ordnet er an den W\u00e4nden in zwei Reihen \u00fcbereinander als Raster. Jedes Motiv formt einen Kontrast zur folgenden Fotografie, da Hujar die Bildgattungen durchmischt und die Einzelbilder zu einem Dialog verwebt. <em>Peter Hujar: Recent Photographs<\/em> sollte die letzte Schau vor seiner AIDS-Diagnose sein, die er nur ein Jahr sp\u00e4ter erhielt. Er verstarb im November 1987.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das fotografische Werk von Peter Hujar war seither oftmals Teil internationaler Gruppenausstellungen und wurde in Retrospektiven gezeigt: darunter 1994 im Fotomuseum Winterthur und im Stedelijk Museum Amsterdam oder im Rahmen der 2017 vom New Yorker The Morgan &amp; Library Museum und der Fundaci\u00f3n MAPFRE Barcelona ausgerichteten Wanderausstellung <em>Peter Hujar:<\/em> <em>Speed of Life<\/em>. Die aktuell in der Bundeskunsthalle in Bonn gezeigte Schau <em>Peter Hujar:<\/em> <em>Eyes Open in the Dark<\/em> f\u00fchrt den Blick nun zur\u00fcck zu jenem Moment, in dem Peter Hujar noch selbst seine Bilder zusammenstellte und durch seine H\u00e4ngung visuelle Beziehungen zwischen den Fotografien herstellte. Hujars Ausstellungskonzept diente seinem langj\u00e4hrigen Freund, dem Fotografen Gary Schneider, und dem Hujar-Biografen John Douglas Millar als Referenz bei der Konzeption ihrer Schau <em>Eyes Open in the Dark<\/em>, die in Zusammenarbeit mit der Peter Hujar Foundation, die den Nachlass des K\u00fcnstlers verwaltet, erstmals 2025 bei Raven Row in London pr\u00e4sentiert wurde. Sie setzt sich zusammen aus quadratischen Silbergelatineabz\u00fcgen, die Hujar zu Lebzeiten selbst anfertigte, sowie aus Drucken, die Schneider, dem Hujar als einzigem die Reproduktion seiner Fotografien nach seinem Tod zusprach, umgesetzt hat. Gegen\u00fcber der Ausstellung bei Raven Row \u00e4ndert sich die Kombination der Bilder in der Bundeskunsthalle in leichten Nuancen. Dabei entsteht die Frage: In welchem Ma\u00dfe l\u00e4sst sich \u2013 neben dem Vervielf\u00e4ltigen seiner Fotografien \u2013 Peter Hujars Blick rekonstruieren?<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped w3 wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large w3\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"1024\" data-id=\"13097\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Peter-Hujar-SusanSontag1975-1024x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-13097\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Peter-Hujar-SusanSontag1975-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Peter-Hujar-SusanSontag1975-300x300.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Peter-Hujar-SusanSontag1975-150x150.jpg 150w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Peter-Hujar-SusanSontag1975-768x768.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Peter-Hujar-SusanSontag1975-1536x1536.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Peter-Hujar-SusanSontag1975-100x100.jpg 100w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Peter-Hujar-SusanSontag1975-120x120.jpg 120w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Peter-Hujar-SusanSontag1975.jpg 1870w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"1024\" data-id=\"13096\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Peter-Hujar-GarySchneider-ContortionII-1024x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-13096\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Peter-Hujar-GarySchneider-ContortionII-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Peter-Hujar-GarySchneider-ContortionII-300x300.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Peter-Hujar-GarySchneider-ContortionII-150x150.jpg 150w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Peter-Hujar-GarySchneider-ContortionII-768x768.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Peter-Hujar-GarySchneider-ContortionII-1536x1536.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Peter-Hujar-GarySchneider-ContortionII-100x100.jpg 100w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Peter-Hujar-GarySchneider-ContortionII-120x120.jpg 120w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Peter-Hujar-GarySchneider-ContortionII.jpg 1870w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"1024\" data-id=\"13095\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Peter-Hujar-WilliamSBurroughs-1024x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-13095\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Peter-Hujar-WilliamSBurroughs-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Peter-Hujar-WilliamSBurroughs-300x300.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Peter-Hujar-WilliamSBurroughs-150x150.jpg 150w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Peter-Hujar-WilliamSBurroughs-768x768.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Peter-Hujar-WilliamSBurroughs-1536x1536.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Peter-Hujar-WilliamSBurroughs-100x100.jpg 100w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Peter-Hujar-WilliamSBurroughs-120x120.jpg 120w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Peter-Hujar-WilliamSBurroughs.jpg 1870w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\"><strong>Links<\/strong>: Peter Hujar, Susan Sontag, 1975. <strong>Middle<\/strong>: Peter Hujar, Gary Schneider Contortion (II), 1979. <strong>Right<\/strong>: Peter Hujar, William Burroughs (I), 1975. Alle drei Bilder: \u00a9 The Peter Hujar Archive \/ VG Bild-Kunst, Bonn 2026. Courtesy of The Peter Hujar Archive \/ ARS, New York, and Pace Gallery, Fraenkel Gallery, Maureen Paley, and Mai36. <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Zentrale Figur der New Yorker Downtown-Szene<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In einem Gespr\u00e4ch, das Peter Hujar um 1983 mit seinem Freund David Wojnarowicz f\u00fchrte, erinnert er sich an eine Fotografie, die er als Kind machte und in ein Album klebte: Auf ihr seien drei schwarze Punkte zu erkennen gewesen \u2013 drei K\u00fche im Feld, die er aus gr\u00f6\u00dferer Entfernung aufnahm. Dort, in New Jersey in den 1940er-Jahren, wo er Tiere und Landschaften im Lebensumfeld seiner ukrainischen Gro\u00dfeltern fotografierte und wo er aufwuchs, nimmt das Bildermachen von Peter Hujar seinen Anfang. Nachdem seine Mutter ihn als Heranwachsenden bei sich in New York aufnahm, ist Hujar vor allem von seiner Englischlehrerin Daisy Aldan unterst\u00fctzt und dazu ermutigt worden, das Fotografieren weiterzuverfolgen. Hujar absolvierte die <em>School of Industrial Art<\/em> in Manhattan mit einer Spezialisierung in Fotografie und nahm 1955 eine Assistenz bei den Werbefotografen Otto Maya und Jess Brown auf. Mitte der 1960er-Jahre wurde er zum Chefassistenten des Mode- und Werbefotografen Harold Krieger, in dessen Studio er nach getaner Arbeit zuweilen eigene Projekte wie Gruppenportr\u00e4ts mit befreundeten K\u00fcnstler:innen umsetzte. Zwischen 1968 und 1972 arbeitete er freiberuflich in den Bereichen Mode, Musik und Werbung \u2013 und ver\u00f6ffentlichte seine Bilder unter anderem in den Magazinen <em>Art in America<\/em>, <em>ARTnews<\/em>, <em>BOMB<\/em>, <em>Elle<\/em>, <em>GQ<\/em>, <em>Harper\u2019s Bazaar<\/em>, Warhol\u2019s <em>Interview<\/em> und in der <em>New York Times<\/em>. Die Teilnahme an der Meisterklasse von Richard Avedon und Marvin Israel im Jahr 1967 ermutigte Hujar, den Schwerpunkt seiner Arbeit auf die k\u00fcnstlerische Fotografie zu richten. Und mit dem Umzug in ein Loft in der Second Avenue der New Yorker East Side im Jahr 1973 setzte er diesen Plan um und fertigte in seiner Wohnung mit Studio und eigener Dunkelkammer zahlreiche Portr\u00e4ts von Menschen aus seinem Umfeld. Die homosexuelle und queere New Yorker Gemeinschaft, deren Teil er war, verbildlichte er in zahlreichen Fotografien \u2013 in einer Zeit, in der Homosexualit\u00e4t noch unter gesetzlicher Bestrafung stand. Doch nicht nur vor dem Hintergrund der Stonewall-Unruhen, der Gay Liberation Front und der AIDS-Krise wurde Peter Hujar f\u00fcr die New Yorker Downtown-Szene in den 1970er- und 1980er-Jahren zu einer zentralen Figur. Die Bilder des Fotografen fingen in tausenden Sequenzen Momente des Lebens im East Village und dar\u00fcber hinaus ein. Sein filmisches Denken wurde gef\u00f6rdert durch ein Fulbright-Stipendium, mit dem Hujar 1962 f\u00fcr ein Jahr in Rom Filmregie am <em>Centro Sperimentale di Cinematografia<\/em> studierte. Die rund 5700 erhaltenen Kontaktb\u00f6gen seiner Fotografien in der <em>Morgan Library &amp; Museum\u2019s Peter Hujar Collection<\/em> dokumentieren das Szenische seiner Bilder eindr\u00fccklich.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Bilderh\u00e4ngen und parken in zwei Reihen<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Vielzahl der Fotografien, die in der Ausstellung <em>Eyes Open in the Dark<\/em> versammelt sind, geben eine Ahnung von Peter Hujars bewegtem und \u2013 durch sein Interesse an Tanz und Theater \u2013 von Bewegung gepr\u00e4gtem Leben im New Yorker East Village. Insbesondere Hujars k\u00fcnstlerische, intellektuelle und sexuelle Beziehungen finden in den aus den 1970er- und 1980er-Jahren versammelten Bildern in der Bonner Bundeskunsthalle ein Echo. Die Schau beginnt zun\u00e4chst mit einzeln geh\u00e4ngten Bildern, die in gleichbleibend gro\u00dfem Abstand in einer Reihung arrangiert sind. Aus der r\u00e4umlichen Distanz wirken sie in ihrer Summe surreal, wie eine Collage, aus der einem nach jedem Lidschlag ein neuer Bildmoment entgegentritt: ein(e) aufgebahrte(r) Tote(r) (Jackie Curtis), eine Drag Queen auf einer Toilette (John Flowers), ein im Studioraum urinierender Mann, eine \u00fcberfahrene Katze, ein Damenschuh. Peter Hujars Bilder muss man aushalten \u2013 ihre Direktheit setzt sich fest, wandert mit, w\u00e4chst und macht deutlich, dass Vergehen und Tod ein wesentlicher Bestandteil seiner Arbeit gewesen sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das zeigte Hujar 1976 selbst mit dem einzigen von ihm ver\u00f6ffentlichten K\u00fcnstlerbuch <em>Portraits in Life and Death<\/em>, in dem er Bilder von den Mumien der Kapuzinergruft in Palermo mit Aufnahmen von K\u00fcnstler:innen und Schriftsteller:innen wie William S. Burroughs, Bill Elliott, Fran Lebowitz, Linda Moses, Susan Sontag, Paul Thek, Ann Wilson oder Robert Wilson vereinte und zu dem Sontag ein Vorwort beisteuerte. Das Buch liegt in der Schau aus. In Bonn sind einige der Portr\u00e4ts aus diesem Buch neben denen weiterer befreundeter Protagonist:innen der New Yorker Kunstszene wie Ethyl Eichelberger, John Erdman, Greer Lankton, Larry Ree, Gary Schneider \u2013 oder Candy Darling auf dem Sterbebett \u2013 zu sehen. Nun in dichter Folge oder in Doppelreihen geh\u00e4ngt, wie Hujar selbst 1986 noch sein Raster arrangierte, verbinden sie sich untereinander oder mit Aufnahmen des Hudson Rivers, st\u00e4dtischer Bauten oder den ehemaligen Cruising Spots in New York, wie zum Beispiel dem Pier 34, dem heutigen Christopher Street Pier. So wie die Wellen des Wassers aufschlagen oder der Putz von Geb\u00e4uden br\u00f6ckelt, werden in Hujars Fotografien auch Spuren an den K\u00f6rpern der oft nackt Fotografierten sichtbar. Narben an einem Bauch, verletzte Hautstellen am Ges\u00e4\u00df oder hervortretende Adern an der Wade eines Mannes zeigen, wie genau Peter Hujar die Ausschnitte seiner Bilder in der Vergr\u00f6\u00dferung w\u00e4hlte. Und wie nah beieinander f\u00fcr ihn der innere und \u00e4u\u00dfere Raum von Menschen lag, das Sein und Vergehen von Lebendem. Diese Beobachtung setzt sich in einer darauffolgenden, dreireihigen H\u00e4ngung fort, in der etwa eine tote M\u00f6we drapiert am Strand neben einem Neugeborenen zu sehen ist, gefolgt vom Bild eines verbluteten Hundes. Die S\u00e4ngerin Peggy Lee, die Hujar im Waldorf Astoria aufnahm, ist in einer Linie mit Stahlm\u00fcllruinen und einer Mumie aus Palermo zu sehen. An diesen Beispielen wird deutlich, dass nicht alle Bildkombinationen und Lesarten von Hujars Fotografien in der Bonner Ausstellung \u00fcberzeugend umgesetzt wurden. In solchen Momenten taucht wieder die Frage auf: Handelt es sich um eine Rekonstruktion von Hujars Blick, oder eine Setzung der Kuratoren?<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped w3 wp-block-gallery-2 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"1024\" data-id=\"13091\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Peter-Hujar-cow-chewing-1978-1024x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-13091\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Peter-Hujar-cow-chewing-1978-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Peter-Hujar-cow-chewing-1978-300x300.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Peter-Hujar-cow-chewing-1978-150x150.jpg 150w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Peter-Hujar-cow-chewing-1978-768x768.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Peter-Hujar-cow-chewing-1978-1536x1536.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Peter-Hujar-cow-chewing-1978-100x100.jpg 100w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Peter-Hujar-cow-chewing-1978-120x120.jpg 120w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Peter-Hujar-cow-chewing-1978.jpg 1870w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"1024\" data-id=\"13093\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Peter-Hujar-HudsonRiver-II-1024x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-13093\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Peter-Hujar-HudsonRiver-II-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Peter-Hujar-HudsonRiver-II-300x300.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Peter-Hujar-HudsonRiver-II-150x150.jpg 150w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Peter-Hujar-HudsonRiver-II-768x768.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Peter-Hujar-HudsonRiver-II-1536x1536.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Peter-Hujar-HudsonRiver-II-100x100.jpg 100w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Peter-Hujar-HudsonRiver-II-120x120.jpg 120w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Peter-Hujar-HudsonRiver-II.jpg 1870w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"1024\" data-id=\"13092\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Peter-Hujar-NightDowntown-1024x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-13092\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Peter-Hujar-NightDowntown-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Peter-Hujar-NightDowntown-300x300.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Peter-Hujar-NightDowntown-150x150.jpg 150w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Peter-Hujar-NightDowntown-768x768.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Peter-Hujar-NightDowntown-1536x1536.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Peter-Hujar-NightDowntown-100x100.jpg 100w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Peter-Hujar-NightDowntown-120x120.jpg 120w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Peter-Hujar-NightDowntown.jpg 1870w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\"><strong>Links<\/strong>: Peter Hujar, Cow (Barbed Wire), Hyrkin Farm, Westtown, New York, 1978. <strong>Middle<\/strong>: Peter Hujar, Hudson River (II), 1975. <strong>Right<\/strong>: Peter Hujar, Downtown Night, 1976. Alle drei Bilder: \u00a9 The Peter Hujar Archive \/ VG Bild-Kunst, Bonn 2026. Courtesy of The Peter Hujar Archive \/ ARS, New York, and Pace Gallery, Fraenkel Gallery, Maureen Paley, and Mai36. <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Bildreihe, die zum Zeitpunkt ihres Entstehens f\u00fcr Aufruhr sorgte und f\u00fcr die Peter Hujars Mentor und Bewunderer Richard Avedon mit seinem Auto in New York in zweiter Reihe vor der Robert Samuels Gallery parkte, um einen der Abz\u00fcge zu kaufen, ist auch in der Bonner Ausstellung zu sehen. Die Arbeit <em>Bruce de Sainte Croix (I\u2013III)<\/em> (1976), die 1979 im Rahmen der Ausstellung <em>The Male Nude<\/em> nur auf Anfrage in den B\u00fcror\u00e4umen der Galerie hervorgeholt wurde, ist eine Aktstudie des T\u00e4nzers Bruce de Sainte Croix. Die Reihe zeigt den T\u00e4nzer zun\u00e4chst als stehenden Akt und in der weiteren Abfolge der Bilder mit der Erektion seines Penis\u2019, den er auf einem Stuhl sitzend h\u00e4lt und kontemplativ betrachtet. Hujars Intention sei gewesen, die m\u00e4nnliche Erektion als Bildgegenstand zur\u00fcck in die Kunstgeschichte zu holen \u2013 aber auch, bewusst Barrieren zu durchbrechen und ein offenes sowie \u00f6ffentliches Statement f\u00fcr (seine) Homosexualit\u00e4t zu setzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einen besonderen Fokus richtet die Ausstellung so schlie\u00dflich auf Peter Hujars Partner, Liebhaber und engste Vertraute. Dazu z\u00e4hlen insbesondere Paul Thek und David Wojnarowicz, deren intime und allt\u00e4gliche Bildnisse von zahlreichen Selbstportr\u00e4ts Hujars begleitet werden. Wojnarowicz war es dann, der unmittelbar nach dem Tod von Peter Hujar am 26. November 1987 eine 23-teilige Fotoreihe von dessen Leichnam anfertigte, woraus in <em>Eyes Open in the Dark <\/em>drei Aufnahmen gezeigt werden: Auf ihnen zu sehen sind Hujars F\u00fc\u00dfe, seine rechte Hand und sein Gesicht, mit (noch) leicht ge\u00f6ffneten Augen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Ein Bild, das irritiert<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Neben Peter Hujars zuvor genanntem K\u00fcnstlerbuch liegen in der Ausstellung weitere ausgew\u00e4hlte Publikationen aus, die es erm\u00f6glichen, Hujars Werk, Wirken und Beziehungsgeflecht zu rekonstruieren. Denn dieses einzig durch die ausgestellten Fotografien zu erfassen, f\u00e4llt aus heutiger Perspektive schwer. Unter den ausgelegten B\u00fcchern findet sich der 2023 erschienene, kommentierte Nachdruck des Magazins <em>Newspaper<\/em>, das Hujars damaliger Freund Steve Lawrence von 1969 bis 1971 herausgab. Das Undergroundmagazin, das etwa in dem Nachtklub <em>Max\u2019s Kansas City<\/em> verkauft wurde, in dem Hujar auch fotografierte, war urspr\u00fcnglich im Zeitungsformat angelegt und basiert ausschlie\u00dflich auf Abbildungen. <em>Newspaper<\/em> diente K\u00fcnstler:innen wie Diane Arbus, Richard Avedon, Sheyla Baykal, Yayoi Kusama, Joseph Raphael, Lucas Samaras oder Andy Warhol f\u00fcr Ver\u00f6ffentlichungen ihrer eigenen Arbeiten. Gezeigt wurden aber auch gefundene Bilder oder Werbebilder, die durch Steve Lawrence als sogenannte &#8222;Environments&#8220; arrangiert wurden. Peter Hujar steuerte insgesamt 44 Abbildungen bei, darunter Portr\u00e4ts von Iggy Pop, Jim Fouratt oder Aufnahmen aus den Katakomben von Palermo.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unter Hujars Beitr\u00e4gen ist jedoch ein Bild, das irritiert: das Portr\u00e4t eines heranwachsenden, nackten M\u00e4dchens, das in einer Ausgabe des Jahres 1969 zu sehen ist. Das Bild wirft Fragen auf. Durch weiterf\u00fchrende Recherchen wird ersichtlich: Es zeigt Natasha Lima, die Tochter des Dichters Frank Lima, die Peter Hujar 1966 oder 1967 fotografierte. Wie aus Hujars &#8222;Job Books&#8220; hervorgeht, in denen er seine Auftr\u00e4ge und pers\u00f6nlichen Fotositzungen vermerkte (insgesamt weit \u00fcber Eintausend), portr\u00e4tierte er zuvor Sheyla Baykal und ihren damaligen Ehemann, Frank Lima. Sp\u00e4ter erinnerte sich Baykal daran, dass Hujar den Akt von Natasha Lima zu jener Zeit in sein professionelles Portfolio integrierte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dass dieses Bild beim Durchbl\u00e4ttern des <em>Newspaper<\/em>-Neudrucks eher zuf\u00e4llig ins Auge f\u00e4llt, der Autor Hujar zwar im Index der Publikation genannt wird, doch die Aufnahme ansonsten unkommentiert bleibt sowie in dem die Bonner Schau begleitenden Katalog <em>Peter Hujar: Eyes Open in the Dark<\/em> au\u00dferdem keinerlei Erw\u00e4hnung findet, ist ein Vers\u00e4umnis.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Recherche um das Foto von Natasha Lima zeigt, dass die Existenz des Bildes zwar nicht verschwiegen wird, doch dass es noch viel Raum gibt, offenen Fragen dazu zu begegnen. Etwa mithilfe der Archivalien der Peter Hujar Collection, die seit 2013 Teil der fotografischen Sammlung im The Morgan Library &amp; Museum ist. Das Bild von Natasha Lima zeigt dar\u00fcber hinaus, dass die Darstellung von Nacktheit und die Frage nach Verantwortung, wie sie zuletzt am Beispiel von Nastassja Kinski als 13-J\u00e4hrige im Film <em>Falsche Bewegung<\/em> von Wim Wenders (1975) diskutiert wurde, kein Einzelfall ist, ja dass wir uns derartige Fragen im Kontext k\u00fcnstlerischer Werke noch h\u00e4ufiger werden stellen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Hujars Lesarten<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr wenige Wochen sind derzeit mehrere Ausstellungen zu Peter Hujars Fotografien gleichzeitig zu sehen: <em>Peter Hujar: Eyes Open in the Dark <\/em>in der Bundeskunsthalle in Bonn (27. Februar bis 23. August 2026), <em>Peter Hujar\/Liz Deschenes: Persistence of Vision<\/em> im Gropius Bau in Berlin (19. M\u00e4rz bis 28. Juni 2026) sowie <em>Peter Hujar:Contact<\/em> in The Morgan Library &amp; Museum in New York (22. Mai bis 25. Oktober 2026). In der Summe der parallel gezeigten Schauen \u00f6ffnen sich M\u00f6glichkeiten f\u00fcr verschiedene Lesarten seines Werks: diese beziehen sich unter anderem auf das Einzelbild, die fotografische Sequenz in Bildfolgen und auf Kontaktb\u00f6gen, die nachtr\u00e4glich arrangierten Raster und Bildgruppen sowie die Gegen\u00fcberstellung seiner Arbeit mit weiteren k\u00fcnstlerischen Positionen. Die Situation verdeutlicht, dass es aktuell einen starken kunst- und fotohistorischen Bedarf gibt, das vielschichtige Werk von Peter Hujar zug\u00e4nglich zu machen, zu greifen und \u00fcber seine sichtbaren Bildr\u00e4nder hinaus zu verstehen. 1974 bemerkte Peter Hujar in einem Gespr\u00e4ch mit Linda Rosenkrantz, das Ira Sachs 2025 in dem Film <em>Peter Hujar\u2019s Day<\/em> aufgreift, zu seiner Fotografie: &#8222;It really takes time to get to know it.&#8220;<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Peter Hujar, Eyes Open in the Dark, Bundeskunsthalle in Bonn. 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