{"id":13356,"date":"2026-07-16T16:40:57","date_gmt":"2026-07-16T14:40:57","guid":{"rendered":"https:\/\/on-art.news\/?p=13356"},"modified":"2026-08-14T22:00:06","modified_gmt":"2026-08-14T20:00:06","slug":"memory-loops","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/on-art.news\/en\/2026\/07\/16\/memory-loops\/","title":{"rendered":"Memory-Loops"},"content":{"rendered":"<h3 class=\"wp-block-heading\">Mit Sonsbeek 2026 kehrt eines der \u00e4ltesten periodisch wiederkehrenden Open-Air-Ausstellungsformate selbstbewusst und \u00fcberzeugend zur\u00fcck.<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Ik hoef geen tuin, ik deel een park&#8220;, zu deutsch etwa: &#8222;Ich brauche keinen Garten, ich teile mir einen Park&#8220;. Unter diesem Motto findet jetzt die 13. Ausgabe der Freiluft-Kunstausstellung Sonsbeek im niederl\u00e4ndischen Arnheim statt. Kuratiert wird das 1949 gegr\u00fcndete traditionsreiche Kunstformat erstmals von einem rein weiblichen Duo: der franz\u00f6sisch-\u00e4gyptischen Kuratorin Amira Gad, die am Rotterdamer Museum Boijmans Van Beuningen als Konservatorin f\u00fcr moderne und zeitgen\u00f6ssische Kunst t\u00e4tig ist, und Christina Li, einer unabh\u00e4ngigen Kuratorin mit Wohnsitzen in Hongkong und den Niederlanden. Obwohl sich die beiden schon l\u00e4nger kannten, ist es ihre erste berufliche Zusammenarbeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Warum sollte man sich als urbaner, weltoffener Mensch in die Abgeschlossenheit eines Privatgartens zur\u00fcckziehen, wenn man doch in einem \u00f6ffentlichen Park mit den unterschiedlichsten Menschen zusammen sein und auf Schritt und Tritt Kunstwerke entdecken kann? Dieser sympathische Gedanke bildet die Grundannahme eines Ausstellungsprojekts, das jetzt 18 niederl\u00e4ndische und internationale K\u00fcnstler:innen zusammenbringt, von denen zw\u00f6lf ganz neue Werke geschaffen haben. Das bereits zitierte Motto der Schau stammt \u00fcbrigens von Loesje, der fiktiven Protagonistin eines 1983 gegr\u00fcndeten legend\u00e4ren Schreibkollektivs, das einst aus der Hausbesetzerszene Arnheims hervorgegangen ist, mittlerweile aber zu einer international t\u00e4tigen Stiftung avanciert ist und seitdem den Stadtraum mit Hunderten von pr\u00e4gnanten Textbotschaften auf kleinformatigen Postern infiltriert hat. Zu finden ist der bereits aus dem Jahr 2010 stammende Spruch nicht nur auf Drucksachen und Jutebeuteln, sondern auch auf der Fassade des ehemaligen Rentmeisterhauses am Rande des Parks.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Der Park als Resonanzraum sozialer Begegnung<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Einen Park mit anderen zu teilen, das bedeutet auch, sich in einem Raum zu bewegen, der keinem und allen geh\u00f6rt&#8220;, sagt Amira Gad und f\u00fcgt hinzu: &#8222;\u00d6ffentlicher Raum entsteht durch das Zusammenspiel von Spazierg\u00e4ngern, Kindern, st\u00e4dtischen Bediensteten, Demonstranten, Nachbarn, kurzum allen, die sich in ihm aufhalten.&#8220; Ausgehend von dieser Pr\u00e4misse, betrachten die beiden Kuratorinnen den Park daher nicht nur als Austragungsort der Schau, sondern vielmehr auch als Untersuchungsgegenstand f\u00fcr die teilnehmenden K\u00fcnstler:innen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Erinnerung als permanenter Prozess<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der zweite zentrale Begriff der Kuratorinnen ist Erinnerung beziehungsweise die Produktion von Erinnerung als niemals abgeschlossener Prozess. Der heutige Park ist angef\u00fcllt mit den unterschiedlichsten Spuren fr\u00fcherer historischer Nutzungen, durch diverse Besitzerwechsel herbeigef\u00fchrte Ver\u00e4nderungen, Eingriffe in die Landschaft und sogar noch Hinterlassenschaften des Zweiten Weltkriegs. So finden sich in heute gef\u00e4llten B\u00e4umen immer noch Kugeln und Projektile aus der f\u00fcr beide Seiten verlustreichen Schlacht um Arnheim im September 1944.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped w3 wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large w3\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" data-id=\"13387\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Alvaro-Barrington_Django-van-Ardenne-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-13387\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Alvaro-Barrington_Django-van-Ardenne-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Alvaro-Barrington_Django-van-Ardenne-300x200.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Alvaro-Barrington_Django-van-Ardenne-768x512.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Alvaro-Barrington_Django-van-Ardenne-1536x1025.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Alvaro-Barrington_Django-van-Ardenne-2048x1366.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\">Alvaro Barrington, To Be Heard, 2026. Foto: Django van Ardenne.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Vision von Sonsbeek<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Daher an dieser Stelle ein kurzer historischer Exkurs. Die Stadtoberen von Arnheim wollten nur f\u00fcnf Jahre nach dem Krieg ihrer Gemeinde eine Vision f\u00fcr die Zukunft vermitteln und die B\u00fcrger die belastenden Kriegsereignisse ein St\u00fcck weit vergessen lassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die erste Ausgabe von Sonsbeek 1949 umfasste knapp 200 \u00fcber die gesamte Fl\u00e4che des 67 Hektar gro\u00dfen Parks inklusive seiner Geb\u00e4ude verteilte Arbeiten, darunter Werke so ber\u00fchmter K\u00fcnstler wie Henry Moore, Pablo Picasso and Auguste Rodin. Sie lockte 125.000 Besucher nach Arnheim. In sp\u00e4teren Ausgaben wurden dann beispielsweise Werke von Claes Oldenburg, Jenny Holzer oder Lucio Fontana gezeigt. 1971 hat die Ausstellung erstmals die Grenzen des Parks verlassen und sich sowohl in die Innenstadt von Arnheim als auch immer mal wieder auf das Areal des Kr\u00f6ller-M\u00fcller Museums im nahegelegenen Nationalpark Hoge Veluwe ausgedehnt. Bis 2026 fand das Event in unregelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden statt. F\u00fcr die Zukunft ist jedoch ein Drei-Jahres-Rhythmus geplant. Ein Prinzip gilt jedoch bis heute: egal ob einzelne Kurator:innen, Duos oder Teams: Die k\u00fcnstlerische Leitung wechselt mit jeder Ausgabe.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Transformation als kontinuierliche Praxis<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die beiden diesj\u00e4hrigen Kuratorinnen stellen die aktuelle Ausgabe zudem unter das Motto Erinnerung. Sie definieren den Begriff folgenderma\u00dfen: &#8222;F\u00fcr uns ist Erinnerung keine Frage der Bewahrung, sondern der Transformation: eine regenerative, kontinuierliche Praxis, die Weltbilder pr\u00e4gt, Zuk\u00fcnfte entwirft und sich dem Ausgel\u00f6schtwerden widersetzt. Wir verstehen unsere k\u00fcnstlerische Auseinandersetzung als bewusstes Ringen gegen nat\u00fcrliche und gesellschaftliche Prozesse des Vergessens.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schon beim Betrachten der ersten Arbeiten auf dem kilometerlangen Rundgang durch das im Stil eines Englischen Landschaftsparks angelegte Gel\u00e4nde gewinnt man den Eindruck, dass sich die beteiligten K\u00fcnstler:innen auf das kuratorische Grundger\u00fcst bereitwillig eingelassen und \u00fcberwiegend neue Arbeiten entwickelt haben, die sich auf unterschiedlichste Art und Weise mit den formulierten Fragestellungen auseinandersetzen. Mit dem braven Abarbeiten eines vorgegebenen Kanons jedoch hat das nichts zu tun. Entstanden sind teils sehr pers\u00f6nliche, teils politische und teils auch fantasievolle und metaphernreich aufgeladene Werke, die die Betrachter:innen in die unterschiedlichsten Weltgegenden und k\u00fcnstlerisch-intellektuellen Milieus entf\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Bilder aus den Live-Daten des Parks<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Amsterdamer K\u00fcnstlerin Femke Herregraven, Jahrgang 1982, etwa zeigt unter dem Titel &#8222;The Evacuated (Memory Machines of Sonsbeek)&#8220; eine komplexe vierteilige Arbeit, die mittels Sensoren Echtzeitdaten aus dem \u00d6kosystem des Parks erfasst und in eine LED-Videoprojektion einspeist, die auf einer idyllischen Wasserfl\u00e4che installiert ist. So hat sie beispielsweise einen abgestorbenen Baum mit Hilfe der uralten japanischen Yakisugi-Technik kontrolliert abgefl\u00e4mmt, so dass eine matt schwarz schimmernde Oberfl\u00e4che entstanden ist. Die dekorative Baumleiche dient jetzt als Tr\u00e4gerin f\u00fcr Licht- und Windmessger\u00e4te. Inspiriert zu dieser Arbeit wurde Herregraven durch die Treibh\u00e4user der Nationalen Genbank der Niederlande, in welchen unter anderem alle im Lande vertretenen Waldpflanzen archiviert werden. Aus dort gefilmten Bildern und weiteren Daten hat die K\u00fcnstlerin die Simulation eines synthetischen Waldes geschaffen, dessen Erscheinungsbild permanent durch Live-Informationen aus dem Park \u00fcberschrieben und ver\u00e4ndert wird. In Form dynamisch animierter Bilder von Pflanzen, Wetterereignissen und wechselnden Tageszeiten erleben die Betrachter:innen also Erinnerung als permanenten Prozess von Ausl\u00f6schung und Erneuerung.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped w3 wp-block-gallery-2 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large w3\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" data-id=\"13379\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Puppies-Puppies_Django-van-Ardenne-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-13379\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Puppies-Puppies_Django-van-Ardenne-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Puppies-Puppies_Django-van-Ardenne-300x200.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Puppies-Puppies_Django-van-Ardenne-768x512.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Puppies-Puppies_Django-van-Ardenne-1536x1025.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Puppies-Puppies_Django-van-Ardenne-2048x1366.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\">Puppies Puppies, Please do not abbreviate or shorten this title \/ it is just as important as the work itself \/ This work is evidence \/ a mark \/ that I fought \/ through my expression \/ through my voice \/ through my protests \/ for people to acknowledge \/ that I am a woman \/ my chromosomes \/ my genitalia \/ the sex I was assigned at birth do not determine my gender \/ they do not make me any less of a womanOUR EXISTENCE AS TRANS WOMEN \/ TRANS PEOPLE \/ IS NOT UP FOR DEBATE \/ WE SHOULD NOT BE TREATED AS LESS THAN \/ WE DESERVE RESPECT AND UNDERSTANDING \/ WE DESERVE TO HAVE HEALTHCARE \/ WE DESERVE TO HAVE HOUSING \/ WE DESERVE TO WALK OUT THE DOOR WITHOUT THE FEAR OF HARM OR DEATH \/ WE DESERVE TO BE OURSELVES \/ WE DESERVE TO LAVISH IN WHO WE ARE \/ and we deserve equity not just equality \/ I learned from my Trancestors \/ to not shrink in the face of violence \/ erasure \/ discrimination \/ for so many trans people \/ our starting line is not the same as our cis counterparts \/ this should be acknowledged and accounted for \/ there&#8217;s a reason we aren&#8217;t in many slightly older art history books \/ there&#8217;s a reason I never felt mirrored when studying art \/ we were never let into any of these spaces (not that long ago) \/ with Sylvia Rivera as my guiding light \/ I will demand what I deserve \/ I will be vocal \/ I won&#8217;t be stepped on \/ I am a Puerto Rican Japanes Indigenous Trans Woman \/ I am made in the image of a higher spirit\/entity \/ my body was shaped \/ molded \/ and my existence is art \/ (as are the other trans people on this planet) \/ it&#8217;s quite franly a miracle that I&#8217;m here today \/ a brain tumor survivor \/ a rape survivor \/ a survivor of all that went against me \/ and every obstacle \/ my presence \/ is in this sculpture \/ performing in my absence \/ I am a woman \/ and no one can ever take that from me \/ (this is my body being handed over to many people \/ to be used \/ to be sold \/ to be exhibited \/ to be exchanged \/ and this is not lost on me \/ it&#8217;s a part of the work), 2026. Bronzeguss, Messingsockel. Mit freundlicher Genehmigung der Collezione del Iorio, Verona. Foto: Django van Ardenne.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Trans-Identit\u00e4t in klassischer Bronze<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dass auch der eigene K\u00f6rper ein sehr wandelbares Beh\u00e4ltnis von Erinnerung ist, stellt die unter Pseudonym auftretende K\u00fcnstlerin Puppies Puppies (Geburtsname: Jade Guanaro Kuriki-Olivo) eindrucksvoll unter Beweis. Als Trans-Frau mit puertorikanisch-japanischer Abstammung und indigenen Wurzeln setzt sich die New Yorkerin mit der Ver\u00e4nderbarkeit des eigenen K\u00f6rpers jenseits genetischer Vorgaben auseinander. Im Park Sonsbeek zu sehen ist ein lebensgro\u00dfer Bronzeabguss ihres unbekleideten K\u00f6rpers, der auf einem 3D-Scan beruht, der im Anschluss an eine Mastektomie, also eine operative Anpassung der Br\u00fcste an die eigene K\u00f6rperwahrnehmung stattgefunden hat. Mit ihrer &#8222;Sculpture for Trans Women&#8230;&#8220; hatte die 1989 in Dallas geborene Puppies Puppies bereits auf der Biennale Venedig 2024 die weltweit erste \u00f6ffentlich zug\u00e4ngliche Skulptur einer nackten Trans-Frau vorgestellt. Mit der neuen Arbeit, deren ebenso poetischer wie aktivistischer Titel so lang ist, dass er die L\u00e4nge dieses Textes sprengen w\u00fcrde, wagt sich die K\u00fcnstlerin jetzt aus der Kunst-Blase in den weitgehend ungesch\u00fctzten \u00f6ffentlichen Raum. Sie wolle mit der Skulptur dahin gehen, wo sie selbst nicht hingehen kann, so Puppies Puppies. Es bleibt zu hoffen, dass die Arbeit nicht durch Vandalismus Schaden nimmt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Apokalyptischer Garten<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch der in New York und Bangkok lebende thail\u00e4ndische K\u00fcnstler Korakrit Arunanondchai, Jahrgang 1986, hat offenbar ein Faible f\u00fcr ausufernd lange Titel. Seine auf einer Grundfl\u00e4che von sechs mal sechs Metern installierte Arbeit &#8222;Will you find beauty in this sea of data? We left it behind just for you. A cloud that will rain down on your skin. And absorb into your body&#8220; besteht aus einem wilden Materialmix. Pflanzliche Bestandteile wie Kokosn\u00fcsse und getrocknete Bananenbl\u00e4tter amalgamiert er mit den Panzern und Beinen von Krabben und Krebsen, Nachbildungen menschlicher Extremit\u00e4ten, elektrischen Dr\u00e4hten und Applikationen, alten Motoren, LED-Lichtern und d\u00e4monischen Drachendarstellungen zu einer posthumanen Miniaturlandschaft, in der die Ratten die Herrschaft \u00fcber unseren Planeten \u00fcbernommen haben. Im Zentrum der Installation befindet sich eine betretbare pulsierende Stelle, die den Herzschlag seiner an Demenz verstorbenen Gro\u00dfmutter simuliert. Nichts f\u00fcr zarte Gem\u00fcter. Wer sich hier hinstellt, k\u00f6nnte den Eindruck bekommen, gleich hinab ins Erdreich gezogen zu werden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped w3 wp-block-gallery-3 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large w3\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" data-id=\"13371\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Korakrit-Arunanondchai_Django-van-Ardenne-1024x683.jpg\" alt=\"Korakrit Arunanondchai, Will you find beauty in this sea of data? We left it behind just for you. A cloud that will rain down on your skin. And absorb into your body, \" class=\"wp-image-13371\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Korakrit-Arunanondchai_Django-van-Ardenne-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Korakrit-Arunanondchai_Django-van-Ardenne-300x200.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Korakrit-Arunanondchai_Django-van-Ardenne-768x512.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Korakrit-Arunanondchai_Django-van-Ardenne-1536x1025.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Korakrit-Arunanondchai_Django-van-Ardenne-2048x1366.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\">Korakrit Arunanondchai. Foto: Django van Ardenne.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Mythenwelt seiner indischen Heimat wiederum hat den 1988 in Mumbai geborenen K\u00fcnstler Sahej Rahal dazu inspiriert, aus Fiberglas, Epoxidharz, Silikon und diversen anderen synthetischen Werkstoffen drei \u00fcbermenschengro\u00dfe hybride Wesen zu schaffen, die mit ihrer tiefschwarzen Pulverbeschichtung am Rande eines Waldweges f\u00fcr Irritationsmomente sorgen. Sind es zur\u00fcckgekehrte Ur-Viecher, wie es der Titel &#8222;The Return&#8220; nahelegt, oder k\u00fchne Visionen zuk\u00fcnftiger post-humaner Lebensformen?<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Koloniales Erbe der Niederlande<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eindeutig politisch aufgeladen sind dann die Arbeiten des 1984 in London geborenen K\u00fcnstlers Larry Achiampong. Achiampong, der ghanaische Wurzeln hat, hat sowohl im Park als auch vor der Polizeiwache in der Innenstadt \u00e4ltere Skulpturen Christo-m\u00e4\u00dfig verh\u00fcllt, indem er sie in eine von ihm selbst entworfene farbenfrohe pan-afrikanische Flagge einwickelt hat. Mit seiner kolionales Erbe und aktuelle Machtstrukturen hinterfragenden Videoarbeit &#8222;A Letter (Side B)&#8220;, die er im Niederl\u00e4ndischen Milit\u00e4r- und Veteranenmuseum Museum Bronbeek zeigt, legt er zus\u00e4tzlich den Finger in die noch immer offenen Wunden der niederl\u00e4ndischen Kolonialzeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gro\u00df, bunt, spektakul\u00e4r und zun\u00e4chst einmal vor allem sch\u00f6n anzuschauen ist dann das auf einer Grundfl\u00e4che von 26 mal 21 Metern ausgebreitete &#8222;Mystic Hexagram&#8220; der belgischen K\u00fcnstlerin Anne-Mie Van Kerckhoven, Jahrgang 1951. Aus exakt 32.940 Blumen, Gem\u00fcsepflanzen und Kr\u00e4utern in kleinen T\u00f6pfen hat die K\u00fcnstlerin eine Art Teppich aus lebenden Organismen geschaffen, den sie direkt vor dem modernen Rathausbau positioniert. Aber sie w\u00fcrde ihrem Ruf als &#8222;Feministische Futuristin&#8220;, wie sie das amerikanische Kunstmagazin &#8222;Artforum&#8220; einmal bezeichnet hat, nicht gerecht werden, w\u00fcrde sie nicht noch einen subversiv-antipatriarchalen Kommentar in ihre Bodenskulptur einweben. Die \u00fcberschie\u00dfende M\u00e4nnlichkeit der lustvoll grinsenden Satyre am benachbarten &#8222;Duivelshuis&#8220; (Teufelshaus) aus dem 16. Jahrhundert bannt sie, indem sie ihnen in Form eines gepflanzten Hexagramms ein Symbol f\u00fcr die Harmonie zwischen den Geschlechtern entgegensetzt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Kontemplative Momente inbegriffen<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit kein falscher Eindruck entsteht: Sonsbeek 2026 ist keineswegs eine Ausstellung, die nur zum Nachdenken \u00fcber Krieg und Zerst\u00f6rung, Klimawandel, K\u00f6rperpolitik, Antidiskriminierung, Artensterben, (Post-)Kolonialismus und andere dr\u00e4ngende Fragen der Gegenwart einl\u00e4dt. Auch denjenigen, die eher nach kontemplativen Momenten suchen, bietet die mit gro\u00dfer Sensibilit\u00e4t in den abwechslungsreichen Park eingebettete Schau jede Menge Gelegenheiten. So sei beispielsweise ein Besuch der Skulptur &#8222;To Be Heard&#8220; des 1985 in Caracas geborenen und heute in New York lebenden K\u00fcnstlers Alvaro Barrington empfohlen. Es handelt sich um eine intime kleine H\u00fctte aus recycelten Brettern, farbigen PVC-Vorh\u00e4ngen und einem alten Orientteppich, die dazu einl\u00e4dt, sich f\u00fcr einen Moment zur\u00fcckzuziehen und den Ger\u00e4uschen des Parks zu lauschen. Vielleicht dem Pl\u00e4tschern des nahegelegenen Bachs, den V\u00f6geln, den vorbei flanierenden Spazierg\u00e4ngern oder vielleicht auch der eigenen inneren Stimme.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">In einer Liga mit Venedig, Kassel und M\u00fcnster<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Fazit: Denjenigen, die es in diesem Jahr vielleicht doch nicht auf die Biennale Venedig schaffen oder es nicht mehr aushalten, noch ein Jahr auf die Documenta Kassel und die Skulptur Projekte M\u00fcnster zu warten, sei dringend empfohlen, in diesem Sommer einen Abstecher nach Arnheim zu machen. Mit Sonsbeek 2026 ist eine \u00e4u\u00dferst sorgsam kuratierte und ganz weit vorne im internationalen Diskurs verankerte Neu-Ausgabe eines der \u00e4ltesten periodisch wiederkehrenden Ausstellungsformate in Europa entstanden. Die Zugfahrt etwa von D\u00fcsseldorf nach Arnheim dauert gerade einmal 75 Minuten.<\/p>\n\n\n\n<hr style=\"--wb-separator-margin-top:0px;--wb-separator-margin-bottom:0px\" class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sonsbeek 2026 ist bis zum 11. Oktober 2026 ge\u00f6ffnet. Die \u00d6ffnungszeiten des Park: Di-So 10-18 Uhr.<br><a href=\"http:\/\/www.sonsbeek.org\/\">www.sonsbeek.org<\/a> <br><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit Sonsbeek 2026 kehrt eines der \u00e4ltesten periodisch wiederkehrenden Open-Air-Ausstellungsformate selbstbewusst und \u00fcberzeugend zur\u00fcck. &#8222;Ik hoef geen tuin, ik deel een park&#8220;, zu deutsch etwa: &#8222;Ich brauche keinen Garten, ich teile mir einen Park&#8220;. Unter diesem Motto findet jetzt die 13. Ausgabe der Freiluft-Kunstausstellung Sonsbeek im niederl\u00e4ndischen Arnheim statt. 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