{"id":14057,"date":"2026-09-09T13:58:39","date_gmt":"2026-09-09T11:58:39","guid":{"rendered":"https:\/\/on-art.news\/?p=14057"},"modified":"2026-09-20T13:01:13","modified_gmt":"2026-09-20T11:01:13","slug":"crossing-currents","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/on-art.news\/en\/2026\/09\/09\/crossing-currents\/","title":{"rendered":"Crossing Currents"},"content":{"rendered":"<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Hamburg Art Week feierte Premiere und brillierte.<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist der Er\u00f6ffnungstag von <em>Crossing Currents<\/em>, der Gr\u00fcndungsausgabe der Hamburg Art Week. B\u00e4nke und Tische werden nahe des Galerien- und Atelierhauses in der Admiralit\u00e4tsstra\u00dfe aufgeregt hin und her getragen, auseinandergeklappt und zu einer langen Tafel aufgestellt. Einer der Food-Trucks platziert einen Aufsteller mit Speisekarte auf dem Kopfsteinpflaster. Im Hinterhof werden beim Naturweinstand die Weink\u00fchler mit Eisw\u00fcrfeln bef\u00fcllt und die ersten Flaschen kalt gelegt. Um 18 Uhr beginnen die Ausstellungser\u00f6ffnungen auf der zwischen Binnenalster und Elbe gelegenen Fleetinsel, die von zahlreichen Kan\u00e4len umgeben wird. Mit der &#8222;Fleetinsel-Night&#8220; startet nun offiziell die Hamburg Art Week, f\u00fcr die sich vom&nbsp;3. bis 6. September 2026 an die einhundert Beteiligte aus Institutionen und Off-Spaces, Privatsammlungen und gemeinn\u00fctzigen Vereinen, Galerien und st\u00e4dtischen Initiativen zu einem stadtweiten Programm f\u00fcr zeitgen\u00f6ssische Kunst zusammengeschlossen haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Idee einer Art Week ist in der Freien und Hansestadt Hamburg rund zehn Jahre alt. Zu einer Realisierung kam es nie. Nun wurde sie durch ein zehnk\u00f6pfiges Team, das einzig aus Frauen besteht, in weniger als einem halben Jahr auf die Beine gestellt. Die erste Finanzierungszusage kam im Mai dieses Jahres, die Entwicklung des gesamten Formats erfolgte innerhalb von nur drei Monaten. &#8222;Wir haben einen absoluten Marathon hingelegt&#8220;, sagt Luise Nagel, die mit Anna Nowak zu den Initiatorinnen z\u00e4hlt. Gemeinsam mit Jessica Nupen und Fanny Roy, die als Direktorinnen der Hamburg Art Week fungieren, bilden sie zu viert das Gr\u00fcndungsteam. Nupen erl\u00e4utert: &#8222;Wir haben uns gefragt: Wie k\u00f6nnen wir in Hamburg die Ressourcen besser b\u00fcndeln? Mit der Gr\u00fcndungsausgabe <em>Crossing Currents<\/em> versuchen wir, Wege f\u00fcr nachhaltige Verbindungen zu schaffen.&#8220; Das Bild der Gew\u00e4sser, die Hamburg durchziehen, wird dabei zur Metapher, um die verschiedenen Akteur:innen und Str\u00f6mungen der Hamburger Kunstwelten miteinander in Kontakt zu bringen und einander begegnen zu lassen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Nachholbedarf in der Hansestadt?<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht in Hamburg, sondern auf internationalen Messen seien sich manche in Hamburg t\u00e4tigen Galerist:innen und Sammler:innen teils erstmals begegnet, erz\u00e4hlt Luise Nagel, die zusammen mit Gideon Modersohn die Produzentengalerie Hamburg leitet. Sie ist neben Lucia Kaufmann auch als Vorstandssprecherin des Landesverbands Hamburger Galerien e.V. t\u00e4tig. Nagel erg\u00e4nzt, dass im Rahmen des Verbandes schon seit Langem der Wunsch nach einer Art Week ge\u00e4u\u00dfert worden sei. &#8222;Uns war es bei dem Gr\u00fcndungsgedanken von <em>Crossing Currents<\/em> aber wichtig, nicht nur f\u00fcr Galerien diesen Impuls zu setzen, sondern auch die Off-Szene und Institutionen einzubeziehen.&#8220; Daraus sind f\u00fcr die Hamburg Art Week verschiedene Kunstrouten entstanden, die quer durch die Stadt unterschiedliche Viertel und Kunstorte miteinander verbinden: zum Beispiel von der Museumsmeile rund um den Hauptbahnhof und Deichtorplatz zum Oberhafenquartier (&#8222;Yellow Current&#8220;) oder von der Hochschule f\u00fcr bildende K\u00fcnste Hamburg (HFBK) hin zu Timm Ulrichs&#8216; Kunst im \u00f6ffentlichen Raum im Alsterpark (&#8222;Orange Current&#8220;) oder aber von den Galerien und Ateliers in der Admiralit\u00e4tsstra\u00dfe hin zum Hammaburg-Platz und den <em>Sunflower-Fields<\/em> von Agnes Denes, einem Projekt der Stadtkuratorin Hamburg (&#8222;Blue Current&#8220;).<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" data-id=\"14092\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/SDT_5268-1-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-14092\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/SDT_5268-1-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/SDT_5268-1-300x225.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/SDT_5268-1-768x576.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/SDT_5268-1-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/SDT_5268-1-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" data-id=\"15564\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/DSCF6281-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-15564\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/DSCF6281-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/DSCF6281-300x225.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/DSCF6281-768x576.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/DSCF6281-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/DSCF6281-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\"><strong>Links<\/strong>: Das Team der Hamburg Art Week (vlnr) Luise Nagel (Co-Initiatorin), Ana Salcido (Programmkoordination Pulse), Paloma Dupaty (Assistenz), Caroline Huzel (Marketing, Presse und Social Media), Jessica Nupen (Co-Direktorin), Anna Nowak (Co-Initiatorin), Fanny Roy (Co-Direktorin), Anne Simone Kiesiel (Texte und Kuration), Pia Pospischil (Programm und Kuration). Foto: Steve Thomas Photography. <strong>Right<\/strong>: Gustav Mechlenburg, Verleger des Textem-Verlages. Foto: Stephan Lucius Lemke.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-2 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" data-id=\"14096\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/DSCF6379-1-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-14096\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/DSCF6379-1-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/DSCF6379-1-300x225.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/DSCF6379-1-768x576.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/DSCF6379-1-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/DSCF6379-1-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" data-id=\"14095\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/DSCF6489-1-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-14095\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/DSCF6489-1-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/DSCF6489-1-300x225.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/DSCF6489-1-768x576.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/DSCF6489-1-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/DSCF6489-1-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\"> <strong>Links<\/strong>: Anna Nowak, Caroline Huzel und Anne Simone Kiesiel auf der Fleetinsel. <strong>Right<\/strong>: Galerie Gruppe Motto, die Kuratorinnen der Ausstellung &#8222;Zeit&#8220; &#8211; Paula Hummer, Estefania Morales, Pia Pospischil. Beide Fotos: Stephan Lucius Lemke.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Auf der Fleetinsel<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die in der Admiralit\u00e4tsstra\u00dfe 71 im Galerien- und Atelierhaus gelegene, 1973 gegr\u00fcndete Produzentengalerie Hamburg, er\u00f6ffnet zeitgleich mit der Hamburg Art Week eine Soloschau von Nicole Wermers (geboren 1971 in Emsdetten). Wermes, die in London lebt und an der Akademie der Bildenden K\u00fcnste M\u00fcnchen eine Professur innehat, studierte in den 1990er-Jahren an der HFBK und stellte 1998 erstmals in der Produzentengalerie Hamburg aus. Nun zeigt sie in ihrer Ausstellung <em>Support Act or Minor Character<\/em> bis zum 30. Oktober 2026 unter anderem ein Relief aus Ton, dessen Bilderz\u00e4hlung sich an den historischen Tanzmarathons orientiert, die in den USA w\u00e4hrend der Gro\u00dfen Depression abgehaltenen wurden. Paare st\u00fctzen darin einander, um nicht zu kollabieren, wobei zumeist Frauen die M\u00e4nner halten. Das aus f\u00fcnfzehn Tafeln bestehende Relief wird an einer Reihe nach oben geklappter Bistro-Tische als Rauminstallation pr\u00e4sentiert und thematisiert allgemeine gesellschaftliche Ersch\u00f6pfungszust\u00e4nde \u2013 ein Aspekt, der sich in mehreren, auf der Art Week ausgestellten Werken wiederfinden l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Den Treppen des alten Fabrikgeb\u00e4udes weiter nach oben folgend, findet sich auf einer der Etagen in einem verwinkelten Raum der Textem Verlag. Vor nicht allzu langer Zeit ist der Verlag in das Galerien- und Atelierhaus gezogen. &#8222;Viele Jahre waren wir in Hamburg-Eimsb\u00fcttel. Nun sind wir sozusagen ins Wespennest zur\u00fcckgekehrt&#8220;, bemerkt Gustav Mechlenburg, der den Verlag 2004 zusammen mit Nora Sdun gegr\u00fcndet hat. Denn Textem befindet sich wie auch die Galerie Conradi nun dort, wo ehemals der Fotograf Hans Hansen, dessen Bilder derzeit im Hamburger Museum f\u00fcr Kunst und Gewerbe ausgestellt sind, sein Studio f\u00fchrte. &#8222;Es gibt \u00dcberschneidungen zwischen unserem Verlagsprogramm und den hier in den Galerien ausgestellten K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstlern&#8220;, erz\u00e4hlt Mechlenburg. So hat Textem etwa B\u00fccher wie eines von Suse Bauer im Programm, deren Keramiken im angrenzenden Raum der Galerie Conradi ausgestellt sind; oder jenes von Thorsten Brinkmann, dessen Bilder und Objekte eine Etage weiter oben in der Galerie Mathias G\u00fcntner pr\u00e4sentiert werden. Dass der Grafikdesigner und Typograf Christoph Steinegger, der eine Vielzahl der Publikationen von Textem gestaltet, sein B\u00fcro auf derselben Etage wie der Verlag hat, macht die Arbeit am Standort Admiralit\u00e4tsstra\u00dfe 71 gleich noch angenehmer.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped w3 wp-block-gallery-3 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" data-id=\"14073\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/DSCF6419-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-14073\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/DSCF6419-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/DSCF6419-300x225.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/DSCF6419-768x576.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/DSCF6419-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/DSCF6419-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\">Ausstellungsansicht, Andrey Klassens Rauminstallation in der Ausstellung <em>Keiner rannte<\/em> im Projektraum des Kunsthauses Hamburg. Foto: Stephan Lucius Lemke. <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nur einen Hinterhof weiter, in der Admiralit\u00e4tsstra\u00dfe 75, hat das von Anna Nowak geleitete Kunsthaus Hamburg einen Projektraum eingerichtet, in dem die Ausstellung <em>Keiner rannte<\/em> des in Hamburg lebenden K\u00fcnstlers Andrey Klassen (geboren 1984 in Irkutsk) gezeigt wird (bis 20. September 2026). Klassens Rauminstallation besteht aus scherenschnittartigen, schwarzen Papierfiguren, die an sich drehenden, verbrannten Sonnenschirmen h\u00e4ngen und durch Lichtprojektionen Schattenrisse an die W\u00e4nde werfen. Der K\u00fcnstler bezieht sich in dieser von Nowak kuratierten Ausstellung, die auch Skulpturen und Zeichnungen umfasst, auf das Element Feuer \u2013 als zerst\u00f6rerische Kraft in Hinblick auf die Folgen des Klimawandels, wie auch als verschw\u00f6rerisch-transformative Kraft in Bezug auf einen Feuerbeschw\u00f6rer, der beim Hamburger Stadtbrand von 1842 durch die Zahlung eines L\u00f6segelds an ihn die Flammen zu b\u00e4ndigen versprach.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">An diesen Beispielen deutet sich an, dass auf der Hamburg Art Week bewusst Bez\u00fcge zur Stadt hergestellt werden: so durch thematische oder biografische Referenzen, etwa durch Kontaktmomente zu Hamburg aufgrund eines dort absolvierten Studiums oder einer anhaltenden Zusammenarbeit, wie bei Wermers und der Produzentengalerie, oder die Entscheidung, in Hamburg zu leben und zu arbeiten, wie bei Klassen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">&#8222;Komm in die G\u00e4nge&#8220;<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von der Fleetinsel aus liegt die &#8222;Purple Current&#8220;-Route nicht weit, die durch die Hamburger Neustadt f\u00fchrt. Das Stadtbild ist dort heute von Hotels, Hochh\u00e4usern und Einkaufszentren gepr\u00e4gt. Bis ins fr\u00fche 20. Jahrhundert hinein befanden sich hier aber die G\u00e4ngeviertel: dicht besiedelte Quartiere, die sich seit dem 17. Jahrhundert in einer labyrinthischen Struktur herausbildeten, mit Wohnh\u00e4usern, dir nur durch schmale Gassen und Hinterh\u00f6fe zug\u00e4nglich waren. Das Leben in den G\u00e4ngevierteln wurde von Armut, Kriminalit\u00e4t, Prostitution und politischer Radikalit\u00e4t begleitet, der Bezirk galt als &#8222;das gr\u00f6\u00dfte Slum Europas&#8220;. Nur wenige historische Geb\u00e4ude sind nach dem Abriss des Viertels erhalten geblieben. Um diese vor dem weiteren Verfall oder gleichfalls einem Abriss zu bewahren, begann im Jahr 2009 eine Gruppe von K\u00fcnstler:innen rund um Christine Ebeling, die Geb\u00e4ude zu besetzten: nachts richteten sie in ihnen Ausstellungen und Veranstaltungen aus, wie Ebeling bei einer Begegnung im Viertel erz\u00e4hlt. Durch eine Genossenschaftsgr\u00fcndung schufen so Ebeling und weitere Engagierte eine Struktur f\u00fcr die kulturelle Nutzung dieser verbliebenen R\u00e4ume rund um den Valentinskamp: das &#8222;G\u00e4ngeviertel&#8220;. Zahlreiche Off-Spaces haben hier \u00fcber die Jahre hinweg ein Refugium gefunden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In zwei ehemaligen, zusammengelegten Wohnungen auf der Speckstra\u00dfe 85\u201387 befindet sich so zum Beispiel die Galerie Gruppe Motto, die diesen zuvor schon f\u00fcr Ausstellungen genutzten Raum im Jahr 2023 als unabh\u00e4ngige Galerie f\u00fcr zeitgen\u00f6ssische Kunst gegr\u00fcndet hat. Das Team ist mehrk\u00f6pfig, die Ausstellungen werden in wechselnder Besetzung stets unter einem Motto, das aus einem Wort besteht, im Kollektiv kuratiert. <em>Zeit<\/em> ist so der Titel der aktuellen Schau, die Paula Hummer, Estefania Morales und Pia Pospischil verantwortet haben (bis 20. September 2026). Der Ansatz, Arbeiten von lokalen und aufstrebenden K\u00fcnstler:inenn mit solchen von international renommierten zu vereinen, l\u00f6st sich auch mit der im Rahmen der Hamburg Art Week gezeigten Ausstellung ein, die an jenem Abend um 19 Uhr er\u00f6ffnet. Anna Grath (geboren 1983 in Immenstadt), die ehemals an der HFBK studierte, wie Pospischil erz\u00e4hlt, ist mit einer konzeptuellen Arbeit vertreten, die aus nacheinander an Schn\u00fcren gebundenen Ballons besteht, denen die Luft ausgegangen ist. Von Alfredo Jaar (geboren 1956 in Santiago de Chile) sind drei Uhren zu sehen, deren Zeigerst\u00e4nde auf den jeweiligen Zeitpunkt der Nuklearkatastrophen in Hiroshima und Nagasaki sowie dem Nuklearunfall in Fukushima verweisen. Simon Denny (geboren 1982 in Auckland) ist mit einem seiner <em>Machine Paintings<\/em> vertreten und von Lorenz Wanker (geboren 2000 in Wien) wird eine Bank mit Bushaltestellenschild gezeigt, dessen Abfahrtszeiten durch ein Milchglas unkenntlich bleiben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein zentraler Bestandteil der Galerie Gruppe Motto ist der Tresen im Eingangsbereich: die Bar. Dort gibt es warmen K\u00e4setoast und Getr\u00e4nke mit hausgemachtem Pfefferschnaps. Es ist der Ort, an dem man sich trifft, verweilt und austauscht \u2013 w\u00e4hrend drau\u00dfen nahezu unbemerkt ein Hamburger Regenschauer niederf\u00e4llt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped w3 wp-block-gallery-4 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" data-id=\"14075\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/DSCF6699-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-14075\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/DSCF6699-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/DSCF6699-300x225.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/DSCF6699-768x576.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/DSCF6699-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/DSCF6699-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" data-id=\"14077\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/DSCF6661-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-14077\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/DSCF6661-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/DSCF6661-300x225.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/DSCF6661-768x576.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/DSCF6661-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/DSCF6661-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\"><strong>Links<\/strong>: Publikumsandrang bei Feinkunst Kr\u00fcger. Foto: Stephan Lucius Lemke. <strong>Right<\/strong>: Bei Feinkunst Kr\u00fcger zeigt Simon Hehemann seine Installation <em>Wie die Teile fallen<\/em>. Foto: Stephan Lucius Lemke<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Zwanzig Meter Warteschlange<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der weitere Weg auf der &#8222;Purple Current&#8220;-Route und Programmpunkt des Er\u00f6ffnungsabends der Hamburg Art Week f\u00fchrt um 20 Uhr zur Galerie Feinkunst Kr\u00fcger in die Stra\u00dfe Kohlh\u00f6fen 8, wo Simon Hehemann (geboren 1982 in Mettingen) die Ausstellung <em>Wie die Teile fallen<\/em> zeigt (bis 20. September 2026). Schon von Weitem wird sichtbar, dass sich zahlreiche Besucher:innen um den Eingang der Galerie dr\u00e4ngen \u2013 die Warteschlange vor der T\u00fcr ist rund zwanzig Meter lang. Das Warten aber lohnt sich, denn der K\u00fcnstler hat den gesamtem Galerieraum in ein Environment verwandelt, das aus filigranen T\u00fcrmen, schwarzem Schlackengranulat, schwarzer Tinte, Lichtprojektionen, kinetischen Objekten und (Objekt-)Collagen besteht. Hehemann, der in Hamburg lebt und arbeitet und der ebenfalls an der HFBK studierte, goss im Verlauf eines Jahres eine Vielzahl schmaler Betonkl\u00f6tzchen, aus denen er bei Feinkunst Kr\u00fcger T\u00fcrme arrangierte; der gesamte Ausstellungsaufbau dauerte rund zwei Wochen. Die T\u00fcrme sind mitunter best\u00fcckt mit Schirmfliegern \u2013 Pusteblumen, die an den feingliedrigen Architekturen befestigt sind sowie als Teil einer kinetischen Apparatur durch den Raum schweben und an einen Kosmos erinnern. Diaprojektionen und r\u00fcckw\u00e4rts abgespielte Videos von einst\u00fcrzenden T\u00fcrmen erhellen schlaglichtartig den Raum. Sie spiegeln sich in den dunklen Tintenfl\u00e4chen, die kleine Seen inmitten des Granulats bilden, durch das man knirschend hindurchwatet. F\u00fcr Hehemann bilden die T\u00fcrme in ihrer Konstruktion und Dekonstruktion ein Sinnbild auf das &#8222;marode System&#8220;, in dem wir leben, vergegenw\u00e4rtigen die fragilen Objekte f\u00fcr ihn doch ein &#8222;Gef\u00fchl der Destabilisierung&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Gekonnt &#8222;nach vorne stolpern&#8220;<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Reflexionen \u00fcber das gegenw\u00e4rtige gesellschaftliche Miteinander finden sich vielmals in Werken, die im Rahmen der Hamburg Art Week gezeigt werden. Und darin verdeutlicht sich die Dringlichkeit, mit ihrer Gr\u00fcndungsausgabe genau jetzt zu starten: um nicht nur in Hamburg endlich mehr Kommunikation und ein &#8222;Einander-Sehen&#8220; innerhalb der Kunstszene und zwischen den Gesellschaftsschichten zu f\u00f6rdern, sondern mit diesem Beispiel auch in die Welt auszustrahlen. Wenngleich es nur wenige Monate Vorbereitungszeit gab: Begegnungen zu f\u00f6rdern und Austausch zu festigen, so betonen es die Co-Initiatorinnen Luise Nagel und Anna Nowak, sei ihr Ziel mit dieser Hamburg Art Week. Jessica Nupen erg\u00e4nzt: &#8222;Ich sage immer, dass wir nach vorne stolpern.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser lange, doch sehr kurzweilige Abend endet mit einem DJ-Set von yung_womb und Phuong-Dan im Golden Pudel Club im Hafenviertel. So viele G\u00e4ste sind in der Zeit, in der die beiden in Hamburg ans\u00e4ssigen, international renommierten DJs auflegen, aber gar nicht da. Vermutlich befanden sich die zahlreichen Besucher:innen der Hamburg Art Week noch auf der Fleetinsel \u2013 vertieft in gute Gespr\u00e4che, die an diesem Abend wom\u00f6glich gerade erst aufgenommen worden sind.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Hamburg Art Week feierte Premiere und brillierte. Es ist der Er\u00f6ffnungstag von Crossing Currents, der Gr\u00fcndungsausgabe der Hamburg Art Week. B\u00e4nke und Tische werden nahe des Galerien- und Atelierhauses in der Admiralit\u00e4tsstra\u00dfe aufgeregt hin und her getragen, auseinandergeklappt und zu einer langen Tafel aufgestellt. 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