{"id":15470,"date":"2026-07-30T16:14:02","date_gmt":"2026-07-30T14:14:02","guid":{"rendered":""},"modified":"2026-08-17T15:44:25","modified_gmt":"2026-08-17T13:44:25","slug":"alternative-wirklichkeiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/on-art.news\/en\/2026\/07\/30\/alternative-wirklichkeiten\/","title":{"rendered":"Alternative Wirklichkeiten"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Lothar Osterburgs Kosmos im Herzog Anton Ulrich-Museum in Braunschweig.<\/h3>\n\n\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br>12 Jahre hat es gedauert: von der ersten Idee bis zur Er\u00f6ffnung der Ausstellung. Und man sp\u00fcrt, wie sorgf\u00e4ltig sie f\u00fcr genau diesen Ort, das Herzog Anton Ulrich-Museum in Braunschweig, der Geburtsstadt des K\u00fcnstlers, vorbereitet wurde. F\u00fcr Lothar Osterburg, der bereits seit 39 Jahren in den USA lebt \u2013 die ersten sieben Jahre in San Francisco, ab 1994 in New York \u2013, schlie\u00dft sich hier ein Kreis. Unweit des HAUM in der Moltkestra\u00dfe aufgewachsen, war es das erste Museum, das er je besuchte und das ihn \u00fcberdies f\u00fcr Kunst begeisterte. Auch seine k\u00fcnstlerische Laufbahn startete mit dem Studium an der Hochschule f\u00fcr Bildende K\u00fcnste in Braunschweig. Heute, im HAUM ausgestellt und in dessen Sammlung vertreten, symbolisiert dieser Ort, so sagt er, seinen Erfolg als K\u00fcnstler. Ein beharrlich verfolgtes Ziel ist erreicht. Die Ausstellung <em>Cabinet<\/em> <em>of Wonders. Back from Brooklyn<\/em> erz\u00e4hlt vom langen Weg zum etablierten K\u00fcnstler und f\u00fchrt mit zentralen Arbeiten in Lothar Osterburgs beeindruckenden Kosmos ein.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Bridge over Brooklyn I<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Den Auftakt in die Ausstellung macht ein Schl\u00fcsselwerk: <em>Bridge over Brooklyn<\/em>. Es zeigt einen durch eine H\u00e4userschlucht vom Licht beschienen Stra\u00dfenzug, ges\u00e4umt von Brownstone-Reihenh\u00e4usern, wie sie typisch f\u00fcr viele Bezirke Brooklyns sind. Irritierend und zugleich entr\u00fcckt wirkt die Szenerie, liegt doch der Fluchtpunkt des Bildes in einer Ebene der Unsch\u00e4rfe. Was sich hinter diesem Schleier befindet, ist mehr zu erahnen denn zu erkennen, und mutet wie ein Relikt einer einst Zukunft und Fortschritt verhei\u00dfenden, nun jedoch eingeholten Epoche an: Eine rauchende Dampflock \u00fcberquert ein Viadukt. Tats\u00e4chlich f\u00fchrt seit 1939 die bei New Yorkern wenig beliebte und mittlerweile bauf\u00e4llig gewordene Hochstra\u00dfe des Gowanus Expressway durch Brooklyn. Was hat es also mit diesem Bild, das an die Episode eines Traums erinnert, in dem Ungleichzeitiges und Disparates verschmelzen und dessen Fluchtpunkt und Zentrum sich im Unklaren verlieren, auf sich?<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped w3 wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large w3\"><img data-image-copyright=\"Bridge over Brooklyn, 2007; Photogravure , 19 x 25 in.\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"677\" height=\"525\" data-id=\"14984\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Bridge_over_Brooklyn_after_Andre_Kertesz_Meudon_1928_2007.jpg\" alt=\"Lothar Osterburg, Bridge over Brooklyn, nach Andr\u00e9 Kert\u00e9sz, Meudon, 1928, 2007. \u00a9 Lothar Osterburg.\" class=\"wp-image-14984\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Bridge_over_Brooklyn_after_Andre_Kertesz_Meudon_1928_2007.jpg 677w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Bridge_over_Brooklyn_after_Andre_Kertesz_Meudon_1928_2007-300x233.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 677px) 100vw, 677px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\">Lothar Osterburg, Bridge over Brooklyn, nach Andr\u00e9 Kert\u00e9sz, Meudon, 1928, 2007. \u00a9 Lothar Osterburg.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Modellbauer, Fotograf und Meisterdrucker<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zun\u00e4chst: Es handelt sich bei dieser Arbeit wie bei allen Arbeiten von Lothar Osterburg nicht um die bearbeitete oder collagierte Fotografie eines real Vorgefundenen. Fotografie ist nur ein Schritt im Arbeitsprozess des K\u00fcnstlers; und der beginnt mit dem Bau eines Miniaturmodells, das zum Gegenstand und zur B\u00fchne einer Fotografie oder auch eines Films wird. Die Modelle erwachsen aus der Erinnerung, aus im Ged\u00e4chtnis eingeschriebenen Vor-Bildern, sei es Erlebtes, Getr\u00e4umtes, ein Bild, das im kollektiven Ged\u00e4chtnis verankert ist, eine Fotografie, die Szene eines Spielfilms oder ein beim Lesen hervorgerufenes Vorstellungsbild. Aufgelesene, entdeckte oder leicht verf\u00fcgbare Materialien \u2013 Fundholz, Seife, Styropor, Toilettenpapier, Gips, die Seiten eines Buchs, Grashalme u.v.m. \u2013 dienen als Baustoff. Lothar Osterburg reizt das Unperfekte dieser Materialien, die eine Vorgeschichte und damit ein Eigenleben besitzen. &#8222;If you build a model that is perfect, it looks like a model. Once it gets worn, then there is life in the piece&#8220;, so der K\u00fcnstler.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um seine Architekturen, R\u00e4ume, Objekte und Stadtlandschaften in einem n\u00e4chsten Schritt in fotografische Bildwelten zu \u00fcbersetzen, leuchtet Lothar Osterburg die Modelle aus, l\u00e4sst Rauch- und Nebelschwaden \u00fcber sie hinwegziehen, bef\u00fcllt sie mit Wasser, setzt Lichtakzente, nutzt Ausschnitt und Perspektive und fotografiert mit vergr\u00f6\u00dfernden oder verzerrenden Linsen. Schlie\u00dflich werden ausgew\u00e4hlte Fotografien mittels Diapositiven als Heliograv\u00fcren gedruckt. Die Heliograv\u00fcre ist Lothar Osterburgs meisterlich beherrschtes Leitmedium. Erste Erfahrungen mit dem Mitte des 19. Jahrhunderts von Henry Fox Talbot entwickelten fotografischen Edeldruckverfahren sammelte er als Angestellter der renommierten Druckwerkstatt <em>Crown Point Press<\/em> in San Francisco Anfang der 1990er Jahre. Es war ein Auftrag von Christian Boltanski zur Umsetzung von 24 Heliograv\u00fcren, der ihn dort mit der Technik, die Fotografie und Aquatinta-Radierung verbindet, in Kontakt brachte. Seither hat er sich als Meisterdrucker hervorgetan, mit namhaften K\u00fcnstler:innen wie Dawoud Bey, James Turrell, Kiki Smith, William Kentridge, Shirin Neshat, Ida Applebroog und vielen weiteren zusammengearbeitet, am Bard College, der Cooper Union und der Columbia University in New York unterrichtet und als Einzelunternehmer mit der Druckerei <em>Lothar Osterburg Photogravure<\/em> seinen Lebensunterhalt verdient.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heliograv\u00fcren zeichnen sich durch ein tiefes, sattes Schwarz in den Schattenbereichen und sehr d\u00fcnne Farbschichten in den Mittelt\u00f6nen und Lichtern aus. Dadurch, so Lothar Osterburg, entstehe ein viel dynamischeres und breiteres Feld von Hell zu Dunkel als es bei herk\u00f6mmlicheren fotografischen Verfahren der Fall sei. Die Fotografie erh\u00e4lt eine taktile Qualit\u00e4t, das Abgedruckte scheint physisch pr\u00e4sent. Diese Eigenschaft pr\u00e4destiniert die Technik f\u00fcr die Darstellung der surrealen Welten des K\u00fcnstlers. Das Unm\u00f6gliche d\u00fcnkt seltsam real. F\u00fcr den Dichter und Kunstkritiker John Yau besitzt Lothar Osterburg die au\u00dfergew\u00f6hnliche F\u00e4higkeit, eine \u00fcberzeugende fiktionale Realit\u00e4t zu erschaffen: &#8222;Despite the absurdity of these realities, there is also something deeply believable about their existence in a photogravure, and our innate belief that photographs tell the truth.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Bridge over Brooklyn II<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Zitat aus W. G. Sebalds <em>Schwindel. Gef\u00fchle.<\/em> begleitet die in die Ausstellung einf\u00fchrende Arbeit <em>Bridge over Brooklyn<\/em>: &#8222;Es sei [&#8230;], f\u00fcr ihn eine schwere Entt\u00e4uschung gewesen, als er vor einigen Jahren bei der Durchsicht alter Papiere auf eine [&#8230;] Gravure gesto\u00dfen sei und sich habe eingestehen m\u00fcssen, dass sein Erinnerungsbild von der im Abendlicht liegenden Stadt nichts anderes vorstellte als eine Kopie von eben dieser Gravure.&#8220; Wesentlich illustriert die Passage die Fragilit\u00e4t und Mediatisierung von Erinnerung, ihre mediale Vorformung, Durchdringung und \u00dcberschreibung, ihre Unbest\u00e4ndigkeit. Das vermeintlich mit allen Sinnen und am eigentlichen Ort Erlebte basiert in Wirklichkeit auf einer Abbildung. Ein desillusionierender Moment f\u00fcr den Protagonisten der Erz\u00e4hlung, ein Aha-Moment f\u00fcr Lothar Osterburg, dem erst sp\u00e4ter bewusst wurde, dass <em>Bridge over Brooklyn<\/em> von einer Fotografie des Avantgardisten Andr\u00e9 Kert\u00e9sz inspiriert war.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped w3 wp-block-gallery-2 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/St._Jerom\u00b4s_Dark_Chamber_2023-1024x1005.jpg\" alt=\"Lothar Osterburg, St. Jerom's Dark Chamber, 2023. \u00a9 Lothar Osterburg.\"\/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1813\" height=\"2482\" data-id=\"14990\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Piranesi_State_1_2008-edited.jpg\" alt=\"Lothar Osterburg, Piranesi, Zustand 1, 2008. \u00a9 Lothar Osterburg.\" class=\"wp-image-14990\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Piranesi_State_1_2008-edited.jpg 1813w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Piranesi_State_1_2008-edited-219x300.jpg 219w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Piranesi_State_1_2008-edited-748x1024.jpg 748w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Piranesi_State_1_2008-edited-768x1051.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Piranesi_State_1_2008-edited-1122x1536.jpg 1122w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Piranesi_State_1_2008-edited-1496x2048.jpg 1496w\" sizes=\"(max-width: 1813px) 100vw, 1813px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"862\" height=\"1024\" data-id=\"14988\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Lothar-Osterburg-Return-to-the-tower-Photogravure-2015-862x1024.jpg\" alt=\"Lothar Osterburg, Return to the Tower, 2015. \u00a9 Lothar Osterburg.\" class=\"wp-image-14988\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Lothar-Osterburg-Return-to-the-tower-Photogravure-2015-862x1024.jpg 862w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Lothar-Osterburg-Return-to-the-tower-Photogravure-2015-252x300.jpg 252w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Lothar-Osterburg-Return-to-the-tower-Photogravure-2015-768x913.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Lothar-Osterburg-Return-to-the-tower-Photogravure-2015-1293x1536.jpg 1293w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Lothar-Osterburg-Return-to-the-tower-Photogravure-2015-1724x2048.jpg 1724w\" sizes=\"(max-width: 862px) 100vw, 862px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\"><strong>Links<\/strong>: Lothar Osterburg, St. Jerom&#8217;s Dark Chamber, 2023. \u00a9 Lothar Osterburg. <strong>Mitte<\/strong>: Lothar Osterburg, Piranesi, Zustand 1, 2008. \u00a9 Lothar Osterburg. <strong>Rechts<\/strong>: <br>Lothar Osterburg, Return to the Tower, 2015. \u00a9 Lothar Osterburg.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Vertraut, aber uneindeutig<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Lothar Osterburgs Bilder leben von der Spannung zwischen Erfundenem und Vertrautem. Vielfach enthalten sie Referenzen auf Fotografien, Filme und Kunstwerke, denen man \u2013 kann man sie auch nicht eindeutig benennen oder zuordnen \u2013 schon einmal in der ein oder anderen Form begegnet ist. So spielt <em>Library Dreams<\/em> auf Ren\u00e9 Magrittes ikonisches Gem\u00e4lde <em>Die durchbohrte Zeit<\/em> von 1938 an. <em>The Living Room<\/em> hat in Andr\u00e9 Kert\u00e9sz\u2018 Aufnahme <em>Chez Mondrian<\/em> ein verwandtes Vorbild. <em>Grand Central Library<\/em> erinnert mit den Sonnenstrahlen, die durch die Oberlichter fallen, an Hal Moreys 1930 entstandene und weithin bekannte Fotografien der Grand Central Station. Und Pieter Bruegels Bildvarianten des <em>Turmbaus zu Babel<\/em> sind Vorlage f\u00fcr Lothar Osterburgs Modellversion, die in den Heliograv\u00fcren der Werkgruppe <em>The Great Tower<\/em> wieder auftaucht. <em>Metropolis<\/em> als Titel einer der Heliograv\u00fcren verweist auf Parallelen zu Fritz Langs monumentalem Stummfilm und der Bild\u00e4sthetik des Expressionismus. Luftschiffe, die sowohl die nebelverhangenen Stadtlandschaften der Bildserie <em>The Great Tower<\/em> durchziehen, als auch in einer alternativen Grand Central Station andocken, gemahnen an einen einst vision\u00e4ren Traum. Nicht ganz klar ist, ob diese Vision sich hier als Utopie oder Dystopie verwirklicht hat. &#8222;Each of my pieces has a personal background story that inspired them. But they don\u2019t have a fixed meaning, and I invite my audience to explore my world, find connections, and let their own imagination complete the implied stories&#8220;, fasst Lothar Osterburg seinen Ansatz zusammen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Piranesi<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Lothar Osterburgs Arbeiten sind nicht abgeschlossen. W\u00e4hrend des Werkprozesses, aber auch in sp\u00e4teren R\u00fcckgriffen laufen seine Miniaturmodelle und Druckplatten fortw\u00e4hrend Gefahr, ver\u00e4ndert, \u00fcber- und umgearbeitet zu werden. Insbesondere die <em>Piranesi<\/em>-Serie, eine Hommage an Giovanni Battista Piranesis 16 Radierungen der <em>Carceri d\u2019invenzione<\/em>, gibt von dieser Arbeitsweise einen guten Eindruck. Als Stop-Motion-Animation hat der K\u00fcnstler den Entstehungsprozess von der Skizze \u00fcber das Modell bis zu den Druckplatten und Heliograv\u00fcren festgehalten, mehr noch, er hat seine Idee des Kerkers zum Leben erweckt. Wie von Geisterhand wachsen im Film die Architekturen, \u00f6ffnen und schlie\u00dfen sich Zugbr\u00fccken, drehen sich Seilwinde und gleiten Schachfiguren die Treppen auf und ab. Begleitet wird das Geschehen von gespenstischen Kl\u00e4ngen, die Lothar Osterburgs Frau Elizabeth Brown komponierte. Eine klare Empfehlung, sich die Videoarbeiten anzuschauen! Neben dem Film sind in der Ausstellung verschiedene Zustandsdrucke pr\u00e4sentiert, d.h. Drucke einer wiederholt \u00fcberarbeiteten Kupferplatte. Eine Bildsch\u00f6pfung geht aus der n\u00e4chsten hervor.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped w3 wp-block-gallery-3 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large w3\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Mein_Traum_vom_HAUM_2021-1024x737.jpg\" alt=\"Lothar Osterburg, Mein Traum vom HAUM, 2021. \u00a9 Lothar Osterburg.\"\/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\">Lothar Osterburg, Mein Traum vom HAUM, 2021. \u00a9 Lothar Osterburg.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Mein Traum vom HAUM<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Highlight der Ausstellung ist zweifelsohne die Werkgruppe <em>Mein Traum vom HAUM<\/em> mit einem Modell des Museums aus Papiermach\u00e9, das auf der R\u00fcckseite in sein Inneres blicken l\u00e4sst. Dioramen im Sockel erweitern das Ganze \u2013 sozusagen die unterirdischen Geschosse des Museums. Auch diese Skulptur ist ein Konglomerat aus Erinnertem, Imaginiertem und Autobiografischem. Er habe all seine \u00c4ngste und Tr\u00e4ume mit in seine Vision des Museums hineingebaut, sagt der K\u00fcnstler. So referiert ein Interieur auf die Aufnahmepr\u00fcfung an der Kunsthochschule, ein anderes auf Ausstellungs- und Stipendienbewerbungen. Ebenso gibt es Verweise auf Werke in der Sammlung des HAUM. Ein ge\u00f6ffnetes Buntglasfenster gew\u00e4hrt Einsicht in ein Zimmer mit Obstteller, Kanne und Weinglas auf einem Tisch \u00ad\u2013 eine Anspielung auf Vermeers <em>M\u00e4dchen mit dem Weinglas<\/em>. Eine karge Studierstube ist Rembrandts Radierung <em>Der Hl. Hieronymus in einer dunklen Kammer<\/em> entlehnt. Im Verlauf der Ausstellung begegnet man einzelnen der Interieurs in Heliograv\u00fcren wieder, unter anderem in der Serie <em>Long Way In<\/em>, mit der Lothar Osterburg Erinnerungen an seine zahlreichen wechselnden K\u00fcnstlerateliers, vom Bastelkeller bis zu seinem aktuellen Studio in Red Hook, sowie an Schl\u00fcsselmomente seiner k\u00fcnstlerischen Laufbahn verarbeitet. Neben dem Modell aus Papiermach\u00e9 fertigte der K\u00fcnstler eine Negativform der Fassade des HAUM an und errichtete damit verg\u00e4ngliche Skulpturen aus Sand, Schnee und Eis. Diese wiederum verwandelte er per Heliograv\u00fcre in unheimliche Nachbilder des 1754 aus dem herzoglichen Kunst- und Naturalienkabinett hervorgegangenen Museums.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um <em>Mein Traum vom HAUM<\/em> und weitere Skulpturen f\u00fcr die Ausstellung zu realisieren, verbrachte der K\u00fcnstler drei Sommer in einem Scheunenatelier in Warmse, ca. 30 km n\u00f6rdlich von Braunschweig. Die investierte Zeit hat sich ausgezahlt. Eine absolut sehenswerte Schau ist entstanden. Es ist zudem das letzte von Thomas D\u00f6ring, dem langj\u00e4hrigen Leiter der Kupferstichsammlung des Museums, verantwortete und kuratierte Projekt.<\/p>\n\n\n\n<hr style=\"--wb-separator-margin-top:0px;--wb-separator-margin-bottom:0px\" class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em><a href=\"https:\/\/3landesmuseen-braunschweig.de\/herzog-anton-ulrich-museum\/ausstellungen\/cabinet-of-wonders\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Cabinet of Wonders. Lothar Osterburg back from Brooklyn<\/a><\/em>, Herzog Anton Ulrich-Museum, Braunschweig, verl\u00e4ngert bis 4. Oktober 2026.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lothar Osterburgs Kosmos im Herzog Anton Ulrich-Museum in Braunschweig. 12 Jahre hat es gedauert: von der ersten Idee bis zur Er\u00f6ffnung der Ausstellung. 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