{"id":15900,"date":"2026-10-13T13:16:17","date_gmt":"2026-10-13T11:16:17","guid":{"rendered":"https:\/\/on-art.news\/?p=15900"},"modified":"2026-10-15T11:12:44","modified_gmt":"2026-10-15T09:12:44","slug":"wenn-statuen-sprechen-koennten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/on-art.news\/en\/2026\/10\/13\/wenn-statuen-sprechen-koennten\/","title":{"rendered":"Wenn Statuen sprechen k\u00f6nnten"},"content":{"rendered":"<h3 class=\"wp-block-heading\">In ihrer ersten deutschen Einzelausstellung durchleuchtet Sara Sallam die \u00e4gyptischen Sammlungen des Hamburger Museums f\u00fcr Kunst und Gewerbe.<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als Sara Sallam, 1991 in Giza (Gizeh), in Sichtweite der Pyramiden geboren, 2016 nach ihrem Studium in Kairo und London in die Niederlande zog, f\u00fchlte sie sich einsam. &quot;Die erste \u00e4gyptische Mumie, die in die Niederlande verbracht wurde&quot;, schreibt sie zu ihrer Serie <em>Home Outside of Home<\/em>, die nun den Auftakt ihrer Ausstellung im Hamburger Museum f\u00fcr Kunst und Gewerbe (MK&amp;G) bildet, &quot;traf im fr\u00fchen 16. Jahrhundert dort ein. Rund f\u00fcnfhundert Jahre sp\u00e4ter zog ich dorthin. Von Heimweh geplagt, fing ich in meiner neuen, westlichen Heimat an, nach \u00c4gypten Ausschau zu halten. Erstaunlicherweise brauchte ich nicht lange zu suchen.&quot; Statuen, Mumien, Sarkophage, Obelisken fanden sich an vielen Orten, selbst im \u00f6ffentlichen Raum. &quot;Ich begann die Politik dieses Sammelns zu hinterfragen und die Auswirkungen darauf, wie wir, die \u00c4gypter, uns zu unserem Erbe verhalten. Ich \u00fcberlegte: Wenn diese Artefakte sprechen k\u00f6nnten, was w\u00fcrde sie sagen?&quot;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seither hat die K\u00fcnstlerin nicht aufgeh\u00f6rt, das Thema unter wechselnden Blickwinkeln, in verschiedenen Medien immer wieder neu zu befragen. Das MK&amp;G zeigt einen Querschnitt durch ihre Arbeiten, erg\u00e4nzt durch neue Arbeiten zu seiner eigenen Sammlung. &quot;Die G\u00f6ttin, der ich als n\u00e4chstes begegnete, weinte, ohne Augen und ohne Kopf&quot;, schreibt sie zu einer Isis-Fortuna aus der r\u00f6mischen Kaiserzeit in der Sammlung des MK&amp;G, die nun die genannte Serie <em>Home Outside of Home<\/em> erg\u00e4nzt: Die gro\u00dfformatigen digitalen Collagen zeigen die Statuen, auf ihren Sockeln, aber in eine Umgebung \u00e4gyptischer Ruinen versetzt. Handgeschriebene Kommentare an den Pilastern, die den Korridor im zweiten Obergeschoss des Museums gliedern, bringen die Statuen zum Sprechen. &quot;Ohne ihren Arm, der einst das Ruder hielt, mit dem sie den Lauf des Lebens lenkte&quot;, hei\u00dft es da, &quot;konnte keiner ihrer Zauber wirken, kein Schutz und kein Segen von ihr ausgehen.&quot;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die fehlenden Einheimischen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sallam hat an der Deutschen Universit\u00e4t Kairo Media Design, in London Fotojournalismus und Dokumentarfotografie und danach, in einem zweiten Masterstudiengang, Film- und Fotowissenschaften in Leiden studiert. Die Ausstellung, zustande gekommen im Kontext der 9. Triennale der Photographie, die in diesem Sommer das Ausstellungsgeschehen in Hamburg bestimmt hat, wirft nicht zuletzt auch einen kritischen Blick auf das fotografische Bild des alten \u00c4gypten. Denn auch in der Foto-Sammlung des Museums ist \u00c4gypten vertreten. Aufnahmen aus der Kolonialzeit zeigen die Pyramiden, die Sphinx und die Tempel in der Regel ganz ohne menschliche Akteure, so als sei das Land nach dem Ende der Pharaonenzeit unbewohnt zur\u00fcckgeblieben.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"682\" data-id=\"15904\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/MKG_SaraSallam_ABrokenCircleOfSisters_2024_CourtesyOfTheArtist_744788-JPG-3000-px-_-72-dpi-1024x682.jpg\" alt=\"Sara Sallam, A Broken Circle of Sisters, 2024.\" class=\"wp-image-15904\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/MKG_SaraSallam_ABrokenCircleOfSisters_2024_CourtesyOfTheArtist_744788-JPG-3000-px-_-72-dpi-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/MKG_SaraSallam_ABrokenCircleOfSisters_2024_CourtesyOfTheArtist_744788-JPG-3000-px-_-72-dpi-300x200.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/MKG_SaraSallam_ABrokenCircleOfSisters_2024_CourtesyOfTheArtist_744788-JPG-3000-px-_-72-dpi-768x512.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/MKG_SaraSallam_ABrokenCircleOfSisters_2024_CourtesyOfTheArtist_744788-JPG-3000-px-_-72-dpi-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/MKG_SaraSallam_ABrokenCircleOfSisters_2024_CourtesyOfTheArtist_744788-JPG-3000-px-_-72-dpi.jpg 1772w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"709\" data-id=\"15906\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/MKG_SaraSallam_Sphinx_und_die_Pyramide_von_Gizeh_1882\u20131890_744798-JPG3000px_72dpi-edited-1024x709.jpg\" alt=\"Sphynx und die Pyramiden von Gizeh, 1882\u20131890.\" class=\"wp-image-15906\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/MKG_SaraSallam_Sphinx_und_die_Pyramide_von_Gizeh_1882\u20131890_744798-JPG3000px_72dpi-edited-1024x709.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/MKG_SaraSallam_Sphinx_und_die_Pyramide_von_Gizeh_1882\u20131890_744798-JPG3000px_72dpi-edited-300x208.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/MKG_SaraSallam_Sphinx_und_die_Pyramide_von_Gizeh_1882\u20131890_744798-JPG3000px_72dpi-edited-768x532.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/MKG_SaraSallam_Sphinx_und_die_Pyramide_von_Gizeh_1882\u20131890_744798-JPG3000px_72dpi-edited-1536x1063.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/MKG_SaraSallam_Sphinx_und_die_Pyramide_von_Gizeh_1882\u20131890_744798-JPG3000px_72dpi-edited-2048x1418.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\"><strong>Links<\/strong>: Sara Sallam, A Broken Circle of Sisters, 2024. Standbild aus einem Zweikanal-Video. Museo Egizio, Turin. Mit freundlicher Genehmigung der K\u00fcnstlerin. <strong>Right<\/strong>: Sphynx und die Pyramiden von Gizeh, 1882\u20131890. Sammlung MK&amp;G Hamburg.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die K\u00fcnstlerin begegnet dem auf verschiedene Weise. Sie hat Bilder ausgesucht, auf denen auch Menschen zu sehen sind: Frauen in viktorianischen Kleidern etwa, die mit Hilfe einheimischer M\u00e4nner die mehr als meterhohen unteren Stufen der gro\u00dfen Pyramide erklimmen. In den meisten F\u00e4llen handelt es sich jedoch um britische Soldaten. Was auf den ersten Blick nach einem harmlosen touristischen Vergn\u00fcgen aussieht, offenbart bei n\u00e4herem Hinsehen ein Machtverh\u00e4ltnis: so im Fall der Sphinx, aber auch der Mohammed-Ali-Moschee, aufgenommen von den Br\u00fcdern Zangaki, oder einer Aufnahme vom Grab der Kalifen von Pascal S\u00e9bah. Denn auch die Fotografen, die im 19. Jahrhundert in \u00c4gypten t\u00e4tig waren, hat Sallam recherchiert. In der Serie <em>Piercing the Architectural Frame<\/em>, entstanden 2024 im Auftrag des Victoria and Albert Museum, collagiert sie dagegen Aufnahmen des Ingenieurs Keppel Archibald Cameron Creswell, der zur Zeit des Ersten Weltkriegs die Baudenkm\u00e4ler islamischer Zeit inventarisierte, mit historischen Aufnahmen der Massen, die gegen die britische Kolonialherrschaft rebellierten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Trauer und Rituale<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sallam sucht nach der menschlichen Perspektive, nicht nur in den Fotos. Sie fragt nach der Geschichte hinter den Museumsst\u00fccken und was diese den Menschen in ihrem urspr\u00fcnglichen Kontext bedeuteten. Eine unscheinbare Haarlocke, ausgestellt in einer Vitrine, hat eine abenteuerliche Reise hinter sich. Der preu\u00dfische Generalleutnant Heinrich Menu von Minutoli hatte sie mit weiteren Ausgrabungen aus dem Pyramiden von Sakkara an Bord seines Frachters <em>Gottfried<\/em> nach Deutschland bringen wollen, der aber in der Elbm\u00fcndung versank. Einiges wurde an Land gesp\u00fclt und dann versteigert, darunter besagte Haarlocke. Sallam fragt sich nun: Was, wenn das eine Locke meiner verstorbenen Gro\u00dfmutter w\u00e4re? &quot;She could have never been made into property, never been sold at auction to the highest bidder, never been given a price, never been weighed in coin and greed&quot;, steht unter einer der dreidimensionalen Papier-Arbeiten in der Art von Pop-Up-B\u00fcchern, unten das Bild einer Auktion, oben eine heutige Stadtlandschaft, aus der die Silhouette der K\u00fcnstlerin ausgestanzt ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Tod der Gro\u00dfmutter wird auch in anderen Arbeiten zum Vehikel, um der unpers\u00f6nlichen, besitzgierigen Aneignung eine andere Perspektive entgegenzusetzen. &quot;Um das Fehlen einer kollektiven Trauer um die alten \u00c4gypter hervorzuheben&quot;, schreibt sie zu einer Fotocollage, in der sie ihren eigenen K\u00f6rper im sommerlichen Kleid auf eine alt\u00e4gyptische Statue ohne Kopf projiziert, &quot;stelle ich meine Gro\u00dfmutter in einer Reihe von Collage-Portr\u00e4ts als eine der Pharaoninnen dar und projiziere dabei meine pers\u00f6nliche Trauer um sie auf diese historischen Figuren.&quot; Ein Leporello stellt Aufnahmen aus dem Zimmer der Gro\u00dfmutter, das f\u00fcr die Familie nach und nach zu einem Erinnerungsort geworden ist, solchen gegen\u00fcber, die sie im \u00c4gyptischen Museum in Kairo angefertigt hat, wo die Statuen, in Folie geh\u00fcllt auf Paletten auf eine neue Aufstellung warten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einen anderen Fall hat sie im <em>Museo Egizio<\/em> in Turin recherchiert. 730 Statuen der G\u00f6ttin Sachmet soll es gegeben haben, hunderte von ihnen wurden im 19. Jahrhundert nach Europa verschleppt. Die erste brachte der Botaniker Vitaliano Donati 1759 nach Italien, 21 weitere gelangten 1824 durch den franz\u00f6sischen Konsul Bernardino Drovetti nach Turin, wo sie sich heute im Museum befinden. Die K\u00fcnstlerin zeigt, wie die Statuen \u2013 in Blau \u2013 von den Kolonisatoren \u2013 in Rot \u2013 aus ihren Gr\u00e4bern gezogen werden. In einem Zweikanal-Video vollzieht sie im Museum eine Reinigungszeremonie nach alt\u00e4gyptischem Vorbild, w\u00e4hrend ein dritter Akt einen Trauerzug zeigt: Die Statuen, die sie nicht beerdigen kann, hat sie fotografiert und begr\u00e4bt nun symbolisch die Fotos.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Lost in Translation<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&quot;F\u00fcrsorge&quot; lautet ein zentraler Begriff der Ausstellung, im Titel wie im Katalog. Aber was ist damit gesagt? Offenbar handelt es sich um eine \u00dcbersetzung des englischen &quot;care&quot;, das gerade aus Frauen-Perspektive auch eingedeutscht in Begriffen wie Care-Arbeit h\u00e4ufig dem egoistischen, materialistischen Wirtschaften entgegengesetzt wird. Dass es darum geht, zeigt eine der eindringlichsten Arbeiten der Ausstellung, <em>I Prayed for the Resin Not to Melt<\/em>, ein Video \u00fcber Tutanchamun, in dem aber nur kurzzeitig das Bild des Sch\u00e4dels der Mumie eingeblendet wird, w\u00e4hrend die meiste Zeit nur eine Stimme zu h\u00f6ren ist. Es ist der junge Pharao, dem Sallam hier ihre Stimme leiht. Er beschreibt, wie ihm die Arch\u00e4ologen in ihrer Goldgier mit Gewalt die Maske vom Gesicht rei\u00dfen, nachdem sie den Kopf vom Leib getrennt haben. Folgerichtig zeigt Sallam dazu eine Collage, in der sich acht H\u00e4nde nach einer goldenen Statuette ausstrecken und diese vermessen, w\u00e4hrend auf einem Archivfoto aus dem Jahr 1981 lange Menschenschlangen vor dem Museum f\u00fcr Kunst und Gewerbe auf Einlass in die Tutanchamun-Ausstellung warten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer sorgt hier f\u00fcr wen? Vielleicht w\u00e4re <em>to care = k\u00fcmmern<\/em> die treffendere \u00dcbersetzung, steckt darin doch der Kummer, eine Dimension, die Sallam in ihren Arbeiten hervorhebt und der kalten Besitzgier entgegensetzt. Sicher ist, dass sie nach einem anderen Umgang mit den menschlichen \u00dcberresten sucht, die im Museum zu blo\u00dfen Gegenst\u00e4nden herabgew\u00fcrdigt werden. So bedeckt sie etwa im Video zu Tutanchamun den Kopf der Mumie teilweise mit Gold, w\u00e4hrend sie in der Arbeit <em>At Last, I Hold Your Gaze<\/em> Fotos von Mumien mit Leinen bedeckt und sie stellvertretend im Sand vergr\u00e4bt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-2 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"683\" height=\"1024\" data-id=\"15910\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/MKG_SaraSallam_SuturingWounds_2026_SMALL_744446-JPG-3000-px-_-72-dpi-683x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-15910\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/MKG_SaraSallam_SuturingWounds_2026_SMALL_744446-JPG-3000-px-_-72-dpi-683x1024.jpg 683w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/MKG_SaraSallam_SuturingWounds_2026_SMALL_744446-JPG-3000-px-_-72-dpi-200x300.jpg 200w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/MKG_SaraSallam_SuturingWounds_2026_SMALL_744446-JPG-3000-px-_-72-dpi-768x1152.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/MKG_SaraSallam_SuturingWounds_2026_SMALL_744446-JPG-3000-px-_-72-dpi.jpg 1000w\" sizes=\"(max-width: 683px) 100vw, 683px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\">Sara Sallam, Suturing Wounds, 2026. Mit freundlicher Genehmigung der K\u00fcnstlerin.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sallams Arbeiten greifen die Diskussion um die koloniale Raubkunst auf, gehen aber noch einen Schritt weiter. Statt die Restitution nach \u00c4gypten zu fordern, wo sie dann auch nicht anders behandelt w\u00fcrden als in europ\u00e4ischen Museen, macht sie die Unmenschlichkeit der Aneignung sichtbar, die sich wiederum mit Blicken, mit der Subjekt-Objekt-Beziehung und einer fehlenden Empathie verbindet. Aus den Mumien, den Grabbeigaben, dem Totenkult spricht, wie Sallam in ihrer Arbeit hervorhebt, der Wunsch, das Andenken des oder der Verstorbenen f\u00fcr alle Zeiten zu bewahren. Indem sie der Trauer Raum gibt, versucht sie die durch die koloniale Aneignung erzeugten Ungleichgewichte zu korrigieren: W\u00e4hrend die antiken Relikte im Fall einer Restitution weiterhin den Status von Objekt und Besitz behalten, reagiert sie auf der emotionalen Ebene.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nichts illustriert dies besser als die Arbeit, die zum Titelmotiv der Ausstellung geworden ist. Das Foto zeigt die K\u00fcnstlerin von hinten in Farbe, mit ausgebreiteten Armen in einer Art Patchwork-Tunika, vor einem historischen Bild vom Eingang des MK&amp;G in Schwarzwei\u00df. Die ornamentalen Muster der Tunika stammen von Totenhemden nachchristlicher Zeit, die den b\u00f6sen Blick abhalten sollten. Zerschnitten und an europ\u00e4ische Sammler verkauft, sind sie nun ironischer Weise den Blicken ausgesetzt. Sallam hat die Fragmente in der Sammlung des Museums fotografiert, auf Seide \u00fcbertragen und auf das Leinengewand gen\u00e4ht. Der Titel sagt alles: <em>Suturing the Wounds<\/em> \u2013 die Wunden vern\u00e4hen.<\/p>\n\n\n\n<hr style=\"--wb-separator-margin-top:0px;--wb-separator-margin-bottom:0px\" class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das MK&amp;G zeigt die Ausstellung bis zum 10. Januar 2027, <a href=\"https:\/\/www.mkg-hamburg.de\/\">https:\/\/www.mkg-hamburg.de<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In ihrer ersten deutschen Einzelausstellung durchleuchtet Sara Sallam die \u00e4gyptischen Sammlungen des Hamburger Museums f\u00fcr Kunst und Gewerbe. 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