{"id":16111,"date":"2026-10-27T15:12:12","date_gmt":"2026-10-27T14:12:12","guid":{"rendered":"https:\/\/on-art.news\/?p=16111"},"modified":"2026-10-27T15:14:38","modified_gmt":"2026-10-27T14:14:38","slug":"der-solist-im-kollektiv","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/on-art.news\/en\/2026\/10\/27\/der-solist-im-kollektiv\/","title":{"rendered":"Der Solist im Kollektiv"},"content":{"rendered":"<h2 class=\"wp-block-heading\">Josef Kaiser war einer der wichtigsten Architekten der DDR. Die Berlinische Galerie widmet ihm eine aufschlussreiche archivbasierte Retrospektive.<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Spaziergang entlang der Karl-Marx-Allee und man hat, bewusst oder unbewusst, eine kleine Geschichte der Architektur der ehemaligen DDR durchwandert: vom Frankfurter Tor bis zum Alexanderplatz reihen sich die gebauten Zeitschichten und wechselnden Paradigmen wie an der Perlenschnur aneinander. Von den Prachtbauten des sozialistischen Klassizismus am Frankfurter Tor bis hin zur schlanken Moderne des Kino International kurz vor dem Alexanderplatz zeigt sich in verdichteter Form, wie nach dem Tode Stalins internationale Tendenzen Einzug hielten, der Plattenbau vorangetrieben wurde und Architekten kreative Freiheit gewannen. Einer dieser Architekten war Josef Kaiser, von dem der Entwurf f\u00fcr das Kino International stammt und der die Architektur der DDR bis zu ihrem Ende mitpr\u00e4gte. 2025 \u00fcbernahm die Berlinische Galerie den Nachlass Kaisers aus dem Besitz seines Sohnes und zeichnet dessen Karriere in der Ausstellung &quot;Josef Kaiser. Bauen f\u00fcr die DDR&quot; entlang der pr\u00e4gnantesten Bauten nach.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Zwischen heute und gestern<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Den Auftakt zur Ausstellung markiert mit Tracey Snellings fr\u00f6hlich blinkender Arbeit &quot;Gro\u00dfh\u00fcgelhaus&quot; (2026) eine zeitgen\u00f6ssische Auseinandersetzung mit Kaisers unrealisiert gebliebener Vision einer sozialistischen Musterstadt. Snellings Modell, bev\u00f6lkert von fiktiven Einwohner*innen und mit Kl\u00e4ngen des allt\u00e4glichen Lebens unterlegt, r\u00e4umt damit gleich zu Beginn mit der Vorstellung von der ausschlie\u00dflich grauen und tristen DDR auf. Betritt man im Anschluss den eigentlichen Ausstellungsraum, muss man sich aber zun\u00e4chst zeitlich neu orientieren, denn hier beginnt der Rundgang in der Fr\u00fchphase der DDR, kurz nach Gr\u00fcndung des sozialistischen Staats: noch ganz der Doktrin des sozialistischen Klassizismus entsprechend, entwarf Kaiser als Mitarbeiter in Hanns Hopps Meisterwerkstatt 1951 das Kulturhaus Maxh\u00fctte im th\u00fcringischen Unterwellenborn. Mit dem klassizistischen Bau, den die Ausstellung in Zeichnungen, Fotos und einem Modell dokumentiert, kn\u00fcpfte Kaiser nahtlos an seine Arbeit im NS-Regime an.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"731\" data-id=\"16131\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Schnepp-Renou_Kulturhaus-Maxhuette_2026_Berlinische-Galerie-1024x731.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-16131\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Schnepp-Renou_Kulturhaus-Maxhuette_2026_Berlinische-Galerie-1024x731.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Schnepp-Renou_Kulturhaus-Maxhuette_2026_Berlinische-Galerie-300x214.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Schnepp-Renou_Kulturhaus-Maxhuette_2026_Berlinische-Galerie-768x549.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Schnepp-Renou_Kulturhaus-Maxhuette_2026_Berlinische-Galerie-1536x1097.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Schnepp-Renou_Kulturhaus-Maxhuette_2026_Berlinische-Galerie-2048x1463.jpg 2048w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Schnepp-Renou_Kulturhaus-Maxhuette_2026_Berlinische-Galerie-18x12.jpg 18w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"682\" data-id=\"16130\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Schnepp-Renou_Eisenhuettenstadt_Wohnkomplex-II_2026_Berlinische-Galerie-1024x682.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-16130\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Schnepp-Renou_Eisenhuettenstadt_Wohnkomplex-II_2026_Berlinische-Galerie-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Schnepp-Renou_Eisenhuettenstadt_Wohnkomplex-II_2026_Berlinische-Galerie-300x200.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Schnepp-Renou_Eisenhuettenstadt_Wohnkomplex-II_2026_Berlinische-Galerie-768x512.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Schnepp-Renou_Eisenhuettenstadt_Wohnkomplex-II_2026_Berlinische-Galerie-1536x1023.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Schnepp-Renou_Eisenhuettenstadt_Wohnkomplex-II_2026_Berlinische-Galerie-2048x1364.jpg 2048w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Schnepp-Renou_Eisenhuettenstadt_Wohnkomplex-II_2026_Berlinische-Galerie-18x12.jpg 18w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\"><strong>Links<\/strong>: Schnepp Renou, Kulturhaus Maxh\u00fctte, 2026. Entwurf: Hanns Hopp und Josef Kaiser. \u00a9 Schnepp Renou. <strong>Right<\/strong>: Schnepp Renou, Wohnkomplex II in Eisenh\u00fcttenstadt, 2026. Entwurf: Josef Kaiser und Joachim Schrader. \u00a9 Schnepp Renou.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hierzu zun\u00e4chst ein kurzer biografischer Exkurs: Josef Kaiser wurde im heute slowenischen Celje geboren und studierte bis 1935 Architektur an der Deutschen Technischen Hochschule in Prag. Seine ersten Schritte als Architekt machte er somit zur Zeit des Nationalsozialismus und wusste sich dessen System ziemlich erfolgreich anzupassen: seit 1936 Mitglied der Reichskammer der bildenden K\u00fcnste, heuerte Kaiser im Weimarer B\u00fcro des konservativ-modernen Architekten Ernst Flemming an. Sein erstes Projekt war dort die Mitarbeit am Wettbewerb f\u00fcr das NSDAP-Kreishaus in Weimar, das die Ausstellung ebenfalls mittels Zeichnungen belegt. In den Folgejahren entwarf Kaiser dann, u.a. im Zentralen Architekturb\u00fcro der Deutschen Arbeitsfront, Wohnungs- und Repr\u00e4sentationsbauten, die sich dem vereinfachten Klassizismus der NS-Architektur anschlossen und dessen Ordnungssystem er auch in der fr\u00fchen DDR verwenden konnte.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">DDR-Moderne und der Blick gen Westen<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachdem Josef Stalin 1953 gestorben war, wandelten sich die Vorzeichen auch im Bereich der Architektur: sein Nachfolger Nikita Chruschtschow verbannte den Klassizismus und setzte ganz auf die Rationalisierung und Modernisierung des Bauens. Von diesen Vorgaben profitierten auch die Architekten in der DDR, die sich nun einer zeitgem\u00e4\u00dfen, modernen Formensprache bedienen durften. Aus dieser Zeit stammen Josef Kaisers pr\u00e4gnanteste Bauten, die heute das Bild von der DDR-Moderne pr\u00e4gen und den \u00dcbergang zu Leichtigkeit und Transparenz dokumentieren. Ausgehend vom Kino Kosmos (1956) pr\u00e4sentiert die Ausstellung u.a. die bis 1968 realisierten Schl\u00fcsselbauten auf der Karl-Marx-Allee. Doch w\u00e4hrend das Kino Kosmos noch von einer repr\u00e4sentativen Schwere gepr\u00e4gt ist, verlieh Kaiser dem Kino International und dem heutige Caf\u00e9 Moskau mit der angrenzenden Mokka-Milch-Eisbar eine transparente Leichtigkeit: mit ihren gro\u00dffl\u00e4chig verglasten Fassaden schlossen die Stahlskelettbauten an die internationalen Entwicklungen der Nachkriegsmoderne an und zeigten, dass die DDR mit der Bundesrepublik auf Augenh\u00f6he konkurrieren konnte. Dabei waren Kaisers Bauten keinesfalls isolierte Solit\u00e4re, sondern f\u00fcgten sich in als Teil einer umfassenden st\u00e4dtebaulichen Planung in das Gef\u00fcge Ost-Berlins ein. Als Teil des zweiten Bauabschnitts der damals noch Stalin-Allee hei\u00dfenden Karl-Marx-Allee repr\u00e4sentierten sie die Kultur innerhalb einer funktional gegliederten Ordnung, die Kaiser zusammen mit Werner Dutschke und Edmund Collein nach internationalem Vorbild entwickelt hatte.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-2 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"765\" height=\"1024\" data-id=\"16127\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Dieter-Urbach_Die-Plattenbauten-Alexanderstrasse_Collage_um-1965_Berlinische-Galerie-765x1024.jpg\" alt=\"Fotograf*in unbekannt, Restaurant Moskau mit Strausberger Platz, um 1965. Entwurf: Josef Kaiser und Horst Bauer, \u00a9 Berlinische Galerie. Digitalisat: A. E. 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Entwurf: Josef Kaiser und Horst Bauer, \u00a9 Berlinische Galerie, Digitalisat: A. E. 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Digitalisat: A. E. 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Digitalisat: A. E. Witte. <strong>Middle<\/strong>: Fotograf*in unbekannt, Restaurant Moskau mit Strausberger Platz, um 1965. Entwurf: Josef Kaiser und Horst Bauer. \u00a9 Berlinische Galerie. Digitalisat: A. E. Witte. <strong>Right<\/strong>: Dieter Urbach, Hotel Berolina und Kino International, 1966. \u00a9 Berlinische Galerie. Digitalisat: A. E. Witte.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In die Zeit der post-stalinistischen Lockerungen fallen auch Kaisers Bem\u00fchungen um eine freiberufliche T\u00e4tigkeit: zwar war er zwischen 1956 und 1968 eng mit einem festen Kollektiv verbunden, versuchte sich aber auch immer wieder als Solist. So fand sich im Nachlass sein Wettbewerbsentwurf f\u00fcr die Bonner Beethovenhalle, den er dank Genehmigung zum internationalen Wettbewerb 1954 einreichen durfte, sowie Wohnhausprojekte in Essen, Mannheim und West-Berlin.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dar\u00fcber hinaus arbeitete das sogenannte Kollektiv Kaiser ab 1959 an einem echten Prestigeprojekt der DDR, dem Ministerium f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Angelegenheit, einem der wichtigsten Regierungsgeb\u00e4ude im politischen Gef\u00fcge der DDR. 1964 erhalten Kaiser und Kollegen den Auftrag zur Realisierung an architekturhistorisch bedeutender Stelle: in direkter Nachbarschaft zu Karl Friedrich Schinkels Friedrichswerderscher Kirche und auf dem Grundst\u00fcck der eigens abgerissenen Schinkel&apos;schen Bauakademie, erhob sich ein streng gerasterter Block \u00fcber einem erh\u00f6hten Sockelgeschoss und formulierte baulich den Anspruch der DDR auf internationale Anerkennung. Im Ausstellungsraum dokumentiert eine gro\u00dfformatige Fotografie von Gerd Danigel neben einer Pr\u00e4sentationszeichnung die prominente r\u00e4umliche Beziehung zu Schinkels Kirche. 1967 fertiggestellt, war das Ministerium auch Kaisers letztes gro\u00dfes Projekt in Ost-Berlin. Man darf davon ausgehen, dass die Arbeit im Kollektiv f\u00fcr Kaiser nicht eben einfach gewesen ist, denn sein Hang zum Individualismus stie\u00df bei Kollegen, vor allem aber bei seinem Vorgesetzten Hermann Henselmann auf starke Kritik: dieser st\u00f6rte sich an dessen eigenst\u00e4ndiger Arbeitsweise und mangelnder Kooperationsbereitschaft. M\u00f6glicherweise waren dies auch Gr\u00fcnde f\u00fcr seine Entlassung als Chefarchitekt beim VEB Berlin-Projekt 1968 und seinen anschlie\u00dfenden Umzug nach Dresden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Endlich allein?<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach dem Ende seiner T\u00e4tigkeit in Berlin wird Kaiser 1969 Professor am Weiterbildungsinstitut f\u00fcr St\u00e4dtebau und Architektur in Naumburg und widmete sich vor allem theoretischen \u00dcberlegungen zur Architektur. Aus diesen entstand das Projekt &quot;Gro\u00dfh\u00fcgelhaus&quot;, das Tracey Snellings in ihrer gleichnamigen Arbeit thematisiert und das u.a. in zwei fantastischen bunten Illustrationen im Ausstellungsraum pr\u00e4sent ist. Mit diesem Projekt nahm Kaiser zeitgen\u00f6ssische Diskussionen rund um das Thema hochverdichtetes Wohnen in Megastrukturen auf. Ab 1973 kehrt er dann auch zumindest zeitweise nach Berlin zur\u00fcck und wirkt als Berater Erhardt Gi\u00dfkes, dem Direktor der Aufbauleitung f\u00fcr Sonderbauvorhaben Berlin, an gro\u00dfen Projekten wie dem Palast der Republik, dem Friedrichstadtpalast oder auch dem Chirurgischen Zentrum der Charit\u00e9 mit. Nachdem auch diese Aufgaben abgeschlossen sind, zieht Kaiser sich nach 1984 ins Private zur\u00fcck und \u00fcberlebt die Wiedervereinigung lediglich um rund ein Jahr: am 5. November stirbt er bei einem Autounfall nahe Altenburg in Th\u00fcringen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-3 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"788\" data-id=\"16134\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Rolf-Vetter_Karl-Marx-Allee_Alexanderplatz_1970-Berlinische-Galerie-1024x788.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-16134\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Rolf-Vetter_Karl-Marx-Allee_Alexanderplatz_1970-Berlinische-Galerie-1024x788.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Rolf-Vetter_Karl-Marx-Allee_Alexanderplatz_1970-Berlinische-Galerie-300x231.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Rolf-Vetter_Karl-Marx-Allee_Alexanderplatz_1970-Berlinische-Galerie-768x591.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Rolf-Vetter_Karl-Marx-Allee_Alexanderplatz_1970-Berlinische-Galerie-1536x1182.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Rolf-Vetter_Karl-Marx-Allee_Alexanderplatz_1970-Berlinische-Galerie-16x12.jpg 16w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Rolf-Vetter_Karl-Marx-Allee_Alexanderplatz_1970-Berlinische-Galerie.jpg 2000w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"784\" data-id=\"16133\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Lothar-Willmann_Ministerium-fuer-Auswaertige-Angelegenheiten_DDR_undatiert_Berlinische-Galerie-1024x784.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-16133\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Lothar-Willmann_Ministerium-fuer-Auswaertige-Angelegenheiten_DDR_undatiert_Berlinische-Galerie-1024x784.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Lothar-Willmann_Ministerium-fuer-Auswaertige-Angelegenheiten_DDR_undatiert_Berlinische-Galerie-300x230.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Lothar-Willmann_Ministerium-fuer-Auswaertige-Angelegenheiten_DDR_undatiert_Berlinische-Galerie-768x588.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Lothar-Willmann_Ministerium-fuer-Auswaertige-Angelegenheiten_DDR_undatiert_Berlinische-Galerie-1536x1176.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Lothar-Willmann_Ministerium-fuer-Auswaertige-Angelegenheiten_DDR_undatiert_Berlinische-Galerie-2048x1568.jpg 2048w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Lothar-Willmann_Ministerium-fuer-Auswaertige-Angelegenheiten_DDR_undatiert_Berlinische-Galerie-16x12.jpg 16w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\"><strong>Links<\/strong>: Rolf Vetter, Karl-Marx-Allee zwischen Alexanderplatz und Strausberger Platz, 1970. \u00a9 IRS Erkner. Foto: Rolf Vetter. <strong>Right<\/strong>: Lothar Willmann, Ministerium f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Angelegenheiten der DDR, undatiert. Entwurf: Kollektiv Josef Kaiser. \u00a9 IRS Erkner, Bestand Lothar Willmann.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Das bauliche Erbe der DDR<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Neben der verdienstvollen und wunderbar klar gegliederten Pr\u00e4sentation der Haupt- und Nebenwerke Josef Kaisers wirft die Ausstellung in der Berlinischen Galerie aber auch Fragen bez\u00fcglich des Umgangs mit der Architektur der DDR auf: Kaisers Hauptwerke auf der Karl-Marx-Allee zwar heute in frisch restauriertem Glanz, andere, wie das Ministerium f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Angelegenheiten, sind aber bereits seit den 1990er Jahren Geschichte. \u00dcberhastet machte das wiedervereinigte Deutschland kurzen Prozess mit den auf verschiedenen Ebenen als Belastung empfundenen Bauten der DDR: das Au\u00dfenministerium musste dem Wunsch nach Rekonstruktion des historischen Stadtgrundrisses weichen. An seiner Statt soll seit langem schon eine Rekonstruktion der Schinkel&apos;schen Bauakademie als Zirkelschluss der Geschichte entstehen. Dem gleichen Prinzip musste auch der Palast der Republik weichen, dessen Abriss mit Beschluss des Bundestags 2003 besiegelt wurde. Ihm hatte schon in der DDR die Ruine des barocken Berliner Schlosses weichen m\u00fcssen, das dann wiederum nach Abriss des Palastes der Republik durch eine Teilrekonstruktion eben dieses Schlosses ersetzt wurde. Diese Rekonstruktionskapriolen sind in der Retrospektive und im Angesicht der in der Ausstellung pr\u00e4sentierten architektonischen Qualit\u00e4t mehr als kritisch zu betrachten. Zu lange verstellten Vorurteile den Blick und dominierte der triste Plattenbau das Image der DDR-Architektur. Streift man nun durch den Ausstellungsraum, entlang der Pl\u00e4ne und Zeichnungen, den sich wandelnden stilistischen Paradigmen und gesellschaftlichen Vorstellungen, entsteht ein differenzierteres Bild der deutsch-deutschen Baugeschichte: Visionen und Tr\u00e4ume wurden beiderseits des Eisernen Vorhangs verfolgt und architektonische Qualit\u00e4t war kein Privileg des vermeintlich ideologiefreien Westens. Das zeigt exemplarisch Josef Kaisers Oeuvre und es ist zu hoffen, dass auch in Zukunft noch weitere Architekt*innen aus dem Dickicht der ostdeutschen Planungskollektive so gewinnbringend herausgel\u00f6st werden, wie derzeit in Berlin.<\/p>\n\n\n\n<hr style=\"--wb-separator-margin-top:0px;--wb-separator-margin-bottom:0px\" class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Berlinische Galerie, Josef Kaiser, <a href=\"https:\/\/berlinischegalerie.de\/ausstellungen\/aktuell\/josef-kaiser\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Bauen f\u00fcr die DDR<\/a>, 28. August 2026 \u2013 1. Februar 2027.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Josef Kaiser war einer der wichtigsten Architekten der DDR. Die Berlinische Galerie widmet ihm eine aufschlussreiche archivbasierte Retrospektive. 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