{"id":2229,"date":"2023-01-08T17:16:14","date_gmt":"2023-01-08T15:16:14","guid":{"rendered":"https:\/\/on-art.news\/?p=1060"},"modified":"2026-08-14T22:00:02","modified_gmt":"2026-08-14T20:00:02","slug":"erscheinen-ohne-sich-zu-zeigen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/on-art.news\/en\/2023\/01\/08\/erscheinen-ohne-sich-zu-zeigen\/","title":{"rendered":"Erscheinen, ohne sich zu zeigen"},"content":{"rendered":"<h3 class=\"wp-block-heading\">Rosemarie Trockels Werkschau im Museum f\u00fcr Moderne Kunst in Frankfurt.<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Ausstellung, die das Museum f\u00fcr Moderne Kunst in Frankfurt zurzeit zeigt, gibt es ein kleines, etwas abgedunkeltes Kabinett, in dem Affenk\u00f6pfe gezeigt werden, in frontaler Ansicht und in kleinem Format mit Tusche oder schwarzer Dispersion auf Papier gebannt. Wahrscheinlich sind es Schimpansen, die hier mit unterschiedlicher Mimik von Rosemarie Trockel konterfeit wurden. Sie ist die K\u00fcnstlerin, deren siebzigster Geburtstag Susanne Pfeffer, Direktorin des Museums, veranlasst hat, ihr Haus f\u00fcr eine gro\u00dfe, wenn nicht die gr\u00f6\u00dfte retrospektive Werkschau der K\u00fcnstlerin zu r\u00e4umen: Drei Stockwerke hat Rosemarie Trockel hier ganz f\u00fcr sich allein.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"725\" height=\"1024\" data-id=\"884\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/vg-bildkunst-grau-725x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-884\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/vg-bildkunst-grau-725x1024.jpg 725w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/vg-bildkunst-grau-212x300.jpg 212w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/vg-bildkunst-grau-768x1085.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/vg-bildkunst-grau-1087x1536.jpg 1087w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/vg-bildkunst-grau.jpg 1241w\" sizes=\"(max-width: 725px) 100vw, 725px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"725\" height=\"1024\" data-id=\"884\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/vg-bildkunst-grau-725x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-884\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/vg-bildkunst-grau-725x1024.jpg 725w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/vg-bildkunst-grau-212x300.jpg 212w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/vg-bildkunst-grau-768x1085.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/vg-bildkunst-grau-1087x1536.jpg 1087w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/vg-bildkunst-grau.jpg 1241w\" sizes=\"(max-width: 725px) 100vw, 725px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"725\" height=\"1024\" data-id=\"884\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/vg-bildkunst-grau-725x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-884\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/vg-bildkunst-grau-725x1024.jpg 725w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/vg-bildkunst-grau-212x300.jpg 212w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/vg-bildkunst-grau-768x1085.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/vg-bildkunst-grau-1087x1536.jpg 1087w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/vg-bildkunst-grau.jpg 1241w\" sizes=\"(max-width: 725px) 100vw, 725px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\"><strong>Links<\/strong>: Rosemarie Trockel, Shutter, 2006, Privatsammlung, \u00a9 The artist &amp; VG Bild-Kunst, Bonn 2022. <strong>Middle<\/strong>: Rosemarie Trockel, Wasser (Ausschnitt), 2004, Museum Ludwig, K\u00f6ln; Dauerleihgabe Gesellschaft f\u00fcr Moderne Kunst am Museum Ludwig K\u00f6ln e.V., Wolfgang Hahn Preis 2004, \u00a9 The artist &amp; VG Bild-Kunst, Bonn 2022, Foto: Axel Schneider. <strong>Right<\/strong>: Rosemarie Trockel, Ma Fen\u00eatre, 2018, Privatsammlung, \u00a9 The artist &amp; VG Bild-Kunst, Bonn 2022<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Hoffnung&#8220; ist der Titel der Reihe mit den Affenportr\u00e4ts. Was sich nicht unbedingt mit dem, was man sieht, in Einklang bringen l\u00e4sst, denn die Mimik der Tiere ist sehr unterschiedlich und l\u00e4sst auf sehr verschiedene affektive Zust\u00e4nde schlie\u00dfen. Den Affen behandelt die europ\u00e4ische Kunst von je her als Abbild des Menschen. Im b\u00fcrgerlichen Zeitalter verbreitet sich seine Darstellung in der beliebten Form der &#8222;Singerie&#8220; als grotesk-komische Spiegelung menschlichen Strebens und menschlicher Eitelkeit. Man ist versucht, Trockels Arbeiten in diese Tradition einzugliedern und damit abzutun, w\u00e4re da nicht ein Blatt, das aus der Reihe tanzt. Auch diese Arbeit zeigt einen Affenkopf, der nun allerdings den Titel &#8222;Gretchenfrage&#8220; tr\u00e4gt. Warum sich Gretchens an Faust gerichtete Frage nach seinem Glauben, auf den Vertrauen gr\u00fcnden k\u00f6nnte, auch f\u00fcr einen Affen stellt, erschlie\u00dft sich erst, wenn man, w\u00e4hrend man sein Abbild betrachtet, mitdenkt, wie sehr der Affe in seinem Lebensraum durch uns, seine Betrachter, gef\u00e4hrdet ist.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Erkenntnisgewinn inklusive<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcberhaupt macht die Frankfurter Schau sehr deutlich, dass das Schicksal unserer Mitgesch\u00f6pfe Rosemarie Trockel immer wieder besch\u00e4ftigt hat. Was sich in einer ganzen Reihe der hier gezeigten Arbeiten manifestiert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So baumelt eine in Bronze gegossene Robbe vor unseren Augen an einer Kette. Sie ist genauso am Schwanz aufgeh\u00e4ngt, wie wir es von den Bildern arktischer Robbenj\u00e4ger kennen. Dass Naturfrevel und unsere Alltagswelt sehr nah beieinander liegen, zeigen uns die blonden Haarstr\u00e4hnen, die wie ein aufgeweichter Strahlenkranz vom kurzen, wulstigen Nacken der Robbe herabbaumeln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Trockels Film &#8222;Napoli&#8220; aus dem Jahr 1994 zeigt, wie sich \u00fcber Neapel Stare zu einem riesigen Schwarm formen. Diese, eher dem Zufall zu verdankende Beobachtung ist ein Ph\u00e4nomen, das im Zuge seiner Erforschung den Begriff der Schwarmintelligenz hervorbrachte, der in der Systemtheorie und ihren Grundlagen, aber auch in der Soziologie und Informatik eine gewisse Rolle spielt. Dass sich aus genauer Beobachtung Erkenntnis gewinnen l\u00e4sst, ist ein Prozess, der nicht nur bedeutsam f\u00fcr die Wissenschaft ist, sondern auch einen wichtigen Bestandteil der Kunst Rosemarie Trockels ausmacht: Erst die mehr als fl\u00fcchtige Betrachtung ihrer Werke erschlie\u00dft Bedeutungsebenen, die sich nicht auf Anhieb entschl\u00fcsseln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nur wenige Schritte entfernt sto\u00dfen wir auf drei reliefartige Arbeiten, die, in sattes Rot getaucht, nebeneinander an der Wand h\u00e4ngen. &#8222;Shutter&#8220; ist der Titel, der sie begrifflich zu einer Einheit verbindet, und tats\u00e4chlich haben sie alle etwa das Format eines Fensterladens. Es sind Keramiken, durch deren zerkl\u00fcftete Oberfl\u00e4chen sich geradlinig kantige Gr\u00e4ben ziehen. Wenn man nahe herantritt, erkennt man, dass es noch einmal um das Thema Tier geht, denn es handelt sich um Abformungen von Fleischst\u00fccken, die zu Reliefs zusammengef\u00fcgt wurden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-2 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"725\" height=\"1024\" data-id=\"884\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/vg-bildkunst-grau-725x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-884\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/vg-bildkunst-grau-725x1024.jpg 725w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/vg-bildkunst-grau-212x300.jpg 212w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/vg-bildkunst-grau-768x1085.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/vg-bildkunst-grau-1087x1536.jpg 1087w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/vg-bildkunst-grau.jpg 1241w\" sizes=\"(max-width: 725px) 100vw, 725px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"725\" height=\"1024\" data-id=\"884\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/vg-bildkunst-grau-725x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-884\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/vg-bildkunst-grau-725x1024.jpg 725w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/vg-bildkunst-grau-212x300.jpg 212w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/vg-bildkunst-grau-768x1085.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/vg-bildkunst-grau-1087x1536.jpg 1087w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/vg-bildkunst-grau.jpg 1241w\" sizes=\"(max-width: 725px) 100vw, 725px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\"><strong>Links<\/strong>: Rosemarie Trockel, Ohne Titel (Es gibt kein ungl\u00fccklicheres Wesen unter der Sonne als einen Fetischisten der sich nach einem Frauenschuh sehnt und mit einem ganzen Weib vorlieb nehmen muss K.K.:F), 1991, Emanuel Hoffmann-Stiftung, Depositum in der \u00d6ffentlichen Kunstsammlung Basel, \u00a9 The artist &amp; VG Bild-Kunst, Bonn 2022. <strong>Right<\/strong>: Rosemarie Trockel, Prisoner of Yourself (Ausschnitt), 1998, \u00a9 VG Bild-Kunst, Bonn 2022, Foto: Tony Westwood<br><br><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man kann anhand dieses Themas gut erkennen, dass Rosemarie Trockel sich sehr verschiedener Mittel bedient, um ihre Positionen zu formulieren. Kennzeichnend ist aber auch, dass sich die Vielzahl der Mittel \u2013 Zeichnung, Fotografie, Film, Skulptur und Installation \u2013 mit einer noch gr\u00f6\u00dferen Zahl von Themen verbindet. In den vier Jahrzehnten ihres Schaffens, auf die die Ausstellung zur\u00fcckschaut, ist es eine betr\u00e4chtliche Zahl von gesellschaftlichen Diskursen, in denen die K\u00fcnstlerin Stellung bezieht. Das war bereits in ihren K\u00f6lner Anf\u00e4ngen in den fr\u00fchen Achtzigern so: W\u00e4hrend die m\u00e4nnlichen Kollegen der M\u00fclheimer Freiheit mit gro\u00dfer Geste die R\u00fcckkehr der Malerei feiern, liefert Rosemarie Trockel zur gleichen Zeit, quasi als Auftakt ihrer Laufbahn, mit ihren sogenannten &#8222;Strickbildern&#8220; subtile Kritik an \u00fcberlieferten Rollenklischees. Ein zweites Motiv, das ebenfalls bereits in ihren Anf\u00e4ngen auftaucht und auch in Frankfurt gezeigt wird, sind elektrische Herdplatten. Auch sie verk\u00f6rpern symbolhaft die weibliche Sph\u00e4re des H\u00e4uslichen, nur um diese Zuschreibung sogleich wieder infrage zu stellen. Um diese Kritik als solche zu erkennen, bedarf es einer gewissen Vertrautheit mit den Strategien der K\u00fcnstlerin: Die Titel ihrer Arbeiten geb\u00e4rden sich nicht als nachtr\u00e4gliche Hinzugaben, sondern als essenzieller Bestandteil und liefern Hinweise, die dabei helfen k\u00f6nnen, Trockels Fragestellungen zu verstehen. Allerdings muss man sich bereitwillig auf ihre Methoden der Dekonstruktion einlassen, um ihre Botschaften entschl\u00fcsseln zu k\u00f6nnen. Die h\u00e4ngende Robbe zum Beispiel wird zwar als Werk ohne Titel gezeigt, auf das &#8222;Ohne Titel&#8220; folgt aber sogleich in Parenthese ein Karl Kraus-Zitat als Zusatz: &#8222;(Es gibt kein ungl\u00fccklicheres Wesen unter der Sonne als einen Fetischisten der sich nach einem Frauenschuh sehnt und mit einem ganzen Weib vorlieb nehmen muss K.K.:F)&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Frankfurter Schau zeigt auch, dass zu den Mitteln, die Rosemarie Trockel einsetzt, die Auseinandersetzung mit der Kunst ihrer Zeit geh\u00f6rt. Zu den K\u00fcnstlern, mit denen sie sich erkennbar besch\u00e4ftigt hat, geh\u00f6ren Joseph Beuys, Andy Warhol und Gerhard Richter. &#8222;Rush Hour&#8220; und &#8222;White Hope&#8220; zum Beispiel suchen die Auseinandersetzung mit den fr\u00fchen &#8222;grauen&#8220; Bildern Richters, wobei sich die Nachahmerin nicht dazu versteigt, dieselbe malerische Qualit\u00e4t wie ihr Vorbild zu entfalten. Stattdessen wird dieses Bem\u00fchen genau auf der H\u00f6he der Qualit\u00e4t eines Kopisten eingebremst. So viel Distanz muss offenbar sein. Und insofern spielt auch das klassisch akademische Handwerk eine Rolle, allerdings nur insoweit es ben\u00f6tigt wird, um deutlich zu machen, dass Handwerk nicht interessiert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im \u00dcbrigen muss der Einsatz verschiedenster Mittel nicht unbedingt eine strategische Haltung sein. Es kann auch einfach Gleichg\u00fcltigkeit gegen\u00fcber dem sein, das wir gelegentlich als individuelle Ausdruckskraft bezeichnen, womit wir eine Kraft meinen, die wir gern zum Wesenskern der Kunst rechnen. Was aber ist das f\u00fcr eine Kunst, die sich nicht zu diesem Kernbestand der k\u00fcnstlerischen Individualit\u00e4t bekennen mag, zu Ausdruck nicht gelangt und stattdessen in Kunst die &#8222;Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln&#8220; sieht?<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">&#8222;Prisoner of yourself&#8220;<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Kunstkritik und -handel geh\u00f6rt Rosemarie Trockel zu den Gro\u00dfen ihrer Generation. Was nicht hei\u00dft, dass sie als K\u00fcnstlerin, wenn schon nicht in Interviews, so doch durch konkludentes Verhalten ihre Mitgliedschaft in diesem exklusiven Club zur Schau stellt oder gar darauf pocht. Feminismus hei\u00dft f\u00fcr Trockel anscheinend auch, den Anschein von Ehrgeiz oder gar von Streberhaftigkeit m\u00f6glichst zu vermeiden. Im Eingangsbereich der Ausstellung h\u00e4ngt an drei W\u00e4nden eine zusammenh\u00e4ngende Installation. Sie zeigt die luftigen Maschen eines textilen Gebildes, das in blauer Farbe auf wei\u00dfem Grund gro\u00dffl\u00e4chig als Siebdruck auf die Wand aufgebracht wurde. Es tr\u00e4gt den Titel &#8222;Prisoner of Yourself&#8220; und markiert den Gefahrenraum, in dem man als K\u00fcnstlerin von Weltrang lebt: Man kann sehr schnell in einer Schublade landen, w\u00e4hrend es eine ganze Weile dauern d\u00fcrfte und gro\u00dfe M\u00fchen erfordert, sich aus dieser Schublade zu befreien. Wem die K\u00fcnstlerpers\u00f6nlichkeit Rosemarie Trockel zu weit hinter den gezeigten Arbeiten verschwindet, der kann hier eines der Motive sehen, warum das so ist.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rosemarie Trockels Werkschau im Museum f\u00fcr Moderne Kunst in Frankfurt. 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