{"id":2241,"date":"2023-03-14T17:18:45","date_gmt":"2023-03-14T15:18:45","guid":{"rendered":"https:\/\/on-art.news\/?p=1931"},"modified":"2026-08-14T22:00:02","modified_gmt":"2026-08-14T20:00:02","slug":"die-kinder-und-die-alten-die-verliebten-und-die-einsamen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/on-art.news\/en\/2023\/03\/14\/die-kinder-und-die-alten-die-verliebten-und-die-einsamen\/","title":{"rendered":"&#8222;Die Kinder und die Alten, die Verliebten und die Einsamen&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">&#8222;Chargesheimer The Great&#8220;, Galerie Julian Sander, K\u00f6ln, 10.2. bis 6.4.2023.<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kurz gesagt: Der Ausstellung &#8222;Chargesheimer The Great&#8220; in der K\u00f6lner Galerie Julian Sander wohnt etwas sehr Pers\u00f6nliches inne. Dies h\u00e4ngt auf den ersten Blick damit zusammen, dass die ausgestellten Werke fast wie beil\u00e4ufig in den Galerier\u00e4umen arrangiert wirken. Ein in starken Schwarz-Wei\u00df-Kontrasten entwickeltes fotografisches Portr\u00e4t von Louis Armstrong (1961) flankiert eine Sitzgruppe mit Blumenstrau\u00df im Eingangsbereich, von wo aus mein Augenpaar auf ein in sich rotierendes kinetisches Objekt f\u00e4llt. Neben einem Fl\u00fcgel h\u00e4ngen in luftiger Folge fotografische Bildnisse in starker Nahsicht von Chet Baker (1961), Jean Paul Belmondo (1956) und Konrad Adenauer (1956), als geh\u00f6rten sie zum engeren Bekanntenkreis. Die Hauptwand des Raumes pr\u00e4sentiert Lichtgrafiken und Chemogramme des K\u00fcnstlers, die g\u00e4nzlich ohne Kamera entstanden sind und die malerische Kompositionen und Kristallisationen von Chemikalien auf Fotopapier entdecken lassen. Eine davon erstrahlt vielfarbig auf einem Glastr\u00e4ger, ist mit einer sanft leuchtenden Lichtplatte hinterlegt, um den Kosmos des Bildes zu vertiefen. Es ist in dieser Stille der Situation, w\u00e4hrend im Hintergrund gleichf\u00f6rmig die Rotationsmotoren der sogenannten &#8222;Meditationsm\u00fchle&#8220; (1968) erklingen, ein wenig so, als warteten die Galeriebesucher:innen einschlie\u00dflich mir auf eine Gesellschaft \u2013 die sich sodann in einer Folge von sozialreportagehaften Fotografien entfaltet, \u00fcber die mir Chargesheimers Werk bislang vor allem bekannt gewesen ist.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"760\" data-id=\"264\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/3.0123.CHAR_-1024x760.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-264\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/3.0123.CHAR_-1024x760.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/3.0123.CHAR_-300x223.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/3.0123.CHAR_-768x570.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/3.0123.CHAR_-1536x1140.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/3.0123.CHAR_-2048x1519.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"625\" height=\"1024\" data-id=\"266\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/690.1106.CHAR_-625x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-266\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/690.1106.CHAR_-625x1024.jpg 625w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/690.1106.CHAR_-183x300.jpg 183w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/690.1106.CHAR_-768x1259.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/690.1106.CHAR_-937x1536.jpg 937w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/690.1106.CHAR_-1249x2048.jpg 1249w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/690.1106.CHAR_.jpg 1281w\" sizes=\"(max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"761\" height=\"1024\" data-id=\"265\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/1.1018.CHAR_-761x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-265\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/1.1018.CHAR_-761x1024.jpg 761w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/1.1018.CHAR_-223x300.jpg 223w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/1.1018.CHAR_-768x1033.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/1.1018.CHAR_-1142x1536.jpg 1142w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/1.1018.CHAR_-1523x2048.jpg 1523w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/1.1018.CHAR_.jpg 1673w\" sizes=\"(max-width: 761px) 100vw, 761px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\">Alle Abbildungen: (Hargesheimer, Karl-Heinz) Chargesheimer. <strong>Links<\/strong>: Heinrich B\u00f6ll (Ausschnitt), 29.2 x 38.9 cm, Vintage Gelatin silver print. <strong>Mitte<\/strong>: Marzellen Stra\u00dfe, 40 x 26 cm, Vintage Gelatin silver print. <strong>Rechts<\/strong>: Undurchsichtiges Paar, K\u00f6ln-Eigelstein, 1956, 30.2 x 39.8 cm, Vintage ferrotyped gelatin silver print on Agfa-Portriga-Rapid paper.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Bilder aus dem Austausch mit Gerd Sander<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Chargesheimer, 1924 unter dem Namen Karl Heinz Hargesheimer in K\u00f6ln geboren, gestaltete ein vielseitig k\u00fcnstlerisches Leben als Fotograf, B\u00fchnenbildner, Regisseur, Schauspieler, Bildhauer, Maler und Lichtkinetiker. Diese mediale Vielseitigkeit des K\u00fcnstlers zu vergegenw\u00e4rtigen ist ein Anliegen der Galerie Julian Sander, wie es auch bereits ein Anliegen f\u00fcr den Vater Gerd Sander gewesen sein mag, aus dessen Nachlassbest\u00e4nden die hier gezeigten Werke hervorgehen. Es sind die interessierten Augen des Fotografen und werdenden Kunsth\u00e4ndlers Gerhard Sander mit ihrem freundschaftlich wertsch\u00e4tzenden Blick, die hinter einem seiner kinetischen Objekte hervorschauen, als Chargesheimer das Portr\u00e4t 1966\/68 aufnahm. Das fotografische Bild h\u00e4ngt im Ausstellungsraum an der schmalen Fl\u00e4che eines Wandvorsprungs, der gerade mal so breit ist wie das Bild selbst. Es markiert den \u00dcbergang zu Chargesheimers sozialdokumentarischem fotografischen \u0152uvre, mit dem er in K\u00f6ln und weit dar\u00fcber hinaus bekannt geworden ist. So sind in der Galerie infolgedessen solche Schwarz-Wei\u00df-Fotografien in einer auf Augenh\u00f6he geh\u00e4ngten Reihe zu sehen, die mitunter aus Chargesheimers Publikationen bekannt sind und das alte K\u00f6ln der 1950er-Jahre zeigen: trinkende und tanzende Paare, verkleidete und zuprostende Menschen, Jecken zu Karneval, Bierschaum am Glas, ein durch Gl\u00fchbirnen erleuchtetes K\u00f6ln bei Nacht, ein situatives Bildnis von Heinrich B\u00f6ll an einem gemauerten Hausvorsprung beim Trinken, gefolgt von Stra\u00dfenz\u00fcgen mit Kneipen des K\u00f6ln aus dem Jahr 1970. Die gerahmten fotografischen Abz\u00fcge wie auch einige sehr fr\u00fche Lichtgrafiken aus den Jahren 1949 und 1950 weisen durch Notizspuren, die von der Bildr\u00fcckseite durchscheinen, oder durch die Patina auf der Bildoberfl\u00e4che darauf hin, dass diese Bilder schon eine l\u00e4ngere Geschichte in sich tragen \u2013 durch Handreichung in H\u00e4nde gingen, die sich vermutlich durch den Austausch \u00fcber Kunst und Fotografie miteinander verbunden haben.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Von Menschen, St\u00e4dten und Mysterien<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach seinem Studium der Grafik und Fotografie an den K\u00f6lner Werkschulen war Chargesheimer in den sp\u00e4ten 1940er-Jahren zun\u00e4chst als B\u00fchnenfotograf t\u00e4tig, dokumentierte die K\u00f6lner Ruinen der Nachkriegszeit und ging in den 1950er-Jahren zur Werbefotografie in D\u00fcsseldorf \u00fcber, wo er an der &#8222;Bild und Klang Schule&#8220; (BiKla) als Dozent f\u00fcr Fotografie unterrichtete. Vor diesem Hintergrund sind seine zahlreichen Ver\u00f6ffentlichungen von Fotobildb\u00e4nden zwischen 1957 und 1970 zu sehen, darunter &#8222;Cologne intime&#8220; (1957), &#8222;Unter Krahnenb\u00e4umen&#8220; (1958), &#8222;Im Ruhrgebiet&#8220; (1958) oder &#8222;Menschen am Rhein&#8220; (1960) \u2013 die letzten drei mit begleitenden Worten von Heinrich B\u00f6ll, der Wertesysteme einer kaum mehr greifbaren Zeit, von denen diese fotografischen Genreansichten zu erz\u00e4hlen suchten, in Sprache kleidete. Chargesheimer fotografierte Menschen in ihrem allt\u00e4glichen Lebensumfeld in K\u00f6ln, so auf der &#8222;UKB&#8220; (Unter Krahnenb\u00e4umen), einer der \u00e4ltesten Stra\u00dfen der Stadt: &#8222;die Kinder und die Alten, die Verliebten und die Einsamen.&#8220;<sup>1<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er bewegte sich zu den Zechen im nahegelegenen Ruhrgebiet, fotografierte Kohle in Gelsenkirchen oder Stahl in Essen. Ein &#8222;Herumschauer&#8220;<sup>2<\/sup>, wie ihn Karl Pawek bezeichnete, der sich auch fotografisch k\u00fcnstlerischen Entwicklungen widmete, wie seine Publikationen &#8222;Beispiele moderner Plastiken aus dem Kunstbesitz der Stadt Marl&#8220; (1960), &#8222;Wuppertal. Bilder. Botschaften. Bemerkungen&#8220; (1969) oder &#8222;Theater, Theater&#8220; (1967) mit einem Text von Martin Walser zeigen. &#8222;[E]r interessiert sich f\u00fcr das Theater, das die Welt spielt, und f\u00fcr die bildhaften Werte auf dieser Weltb\u00fchne&#8220;, konstatiert Pawek 1961.<sup>3<\/sup> Chargesheimer wurde so in den 1960er-Jahren selbst als B\u00fchnenbildner und Regisseur am Theater t\u00e4tig, unter anderem in K\u00f6ln, Hamburg, Kassel und Braunschweig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Er war einer der vielseitigsten und bemerkenswertesten deutschen Fotografen der 1950er- bis Ende der 1960er-Jahre&#8220;<sup>4<\/sup>, bemerkt Stefanie Grebe r\u00fcckblickend im Zusammenhang von Chargesheimers Ruhrgebietsfotografien und der Aufarbeitung der Bedeutung seines fotografischen Werkes. 1968 erhielt Chargesheimer den &#8222;Kulturpreis der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Photographie&#8220;. 1978 erwarb das Museum Ludwig K\u00f6ln umfangreiche fotografische Best\u00e4nde einschlie\u00dflich Chargesheimers Negativarchiv, das zum Rheinischen Bildarchiv K\u00f6ln<sup>5<\/sup> z\u00e4hlt und in Anbetracht der Facettenhaftigkeit seines Werkes viel Raum f\u00fcr weitere Forschungen er\u00f6ffnet und nahelegt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-2 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"577\" height=\"765\" data-id=\"267\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/742.1106.CHAR_.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-267\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/742.1106.CHAR_.jpg 577w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/742.1106.CHAR_-226x300.jpg 226w\" sizes=\"(max-width: 577px) 100vw, 577px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"736\" data-id=\"268\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/729.1106.CHAR_-1024x736.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-268\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/729.1106.CHAR_-1024x736.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/729.1106.CHAR_-300x216.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/729.1106.CHAR_-768x552.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/729.1106.CHAR_-1536x1104.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/729.1106.CHAR_-2048x1472.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"743\" height=\"1024\" data-id=\"269\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/734.1106.CHAR_-743x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-269\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/734.1106.CHAR_-743x1024.jpg 743w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/734.1106.CHAR_-218x300.jpg 218w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/734.1106.CHAR_-768x1058.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/734.1106.CHAR_-1115x1536.jpg 1115w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/734.1106.CHAR_-1487x2048.jpg 1487w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/734.1106.CHAR_.jpg 1704w\" sizes=\"(max-width: 743px) 100vw, 743px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\">Alle Abbildungen: (Hargesheimer, Karl-Heinz) Chargesheimer. <strong>Links<\/strong>: Lichtgrafik, 1949, 60 x 50 cm, CHAR Photogram. <strong>Mitte<\/strong>: Scenarium (Lichtgrafik,&#8216;), 29.7 x 39.7 cm, Lightgraphic. <strong>Rechts<\/strong>: K\u00e4lte (Lichtgrafik,&#8216;), 1949, 39 x 72 cm, Photogram.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Mediation und Meditation<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Galerie Julian Sander konzentriert sich schon seit einigen Jahren auf die Bekanntmachung der Vielseitigkeit des Werkes von Chargesheimer. So gab die Galerie anl\u00e4sslich der Messe Paris Photo 2018 eine Zeitung mit dem provokanten Titel &#8222;Chargesheimer Not A Photographer&#8220;<sup>6<\/sup> heraus, die den Charakter eines multimedial interessierten K\u00fcnstlers nachzuzeichnen sucht und die nun auch in der aktuellen Ausstellung ausliegt. Dabei gibt ein zwischen Gerd und Julian Sander gef\u00fchrtes Interview zu dem fotografischen Werk des K\u00fcnstlers Einblicke, wie Chargesheimer sich der Technik der Lichtgrafik ann\u00e4herte, gespeist von Anekdoten ihrer Zusammenarbeit, Freundschaft und Begeisterung f\u00fcr das Medium Fotografie in einem K\u00f6ln, das sie in den 1950er- und 1960er-Jahren gemeinsam erlebten. Die Zeitung legt einen weiteren Schwerpunkt auf Chargesheimers kinetische Objekte, die er in den 1960er-Jahren unter dem Titel &#8222;Meditationsm\u00fchlen&#8220; anfertigte \u2013 so wie jenes Objekt, das in der Ausstellung pr\u00e4sentiert wird: ein aus Acrlyglas gefertigter Kugelk\u00f6rper, der wie ein gl\u00e4serner Planet wirkt, in dem sich durch Motoren betriebene, reflektierende Stahl- und Acryl-Scheiben bewegen, die wiederum durch \u00e4u\u00dfere Lichteinstrahlung (oder durch eingesetztes Licht) \u00fcber prismatische Spiegelungen apokalyptische Landschaften herausbilden. Nach einer Pr\u00e4sentation im Kunstpavillon Soest 1969 waren sie 1970 im Wuppertaler Von der Heydt-Museum gezeigt worden, bevor sie 1971 im K\u00f6lnischen Kunstverein zu sehen waren und Chargesheimer f\u00fcr seine Objekte den &#8222;Karl Ernst Osthaus-Preis&#8220; erhielt. Ein neues Kapitel seiner Arbeit schien zu beginnen. Noch im selben Jahr nahm Chargesheimer sich im Alter von 46 Jahren das Leben.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Sich die Welt zeigen lassen<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Je mehr Bilder und Facetten von Chargesheimer sichtbar werden, so bekr\u00e4ftigt diese Ausstellung, desto faszinierender ist die Auseinandersetzung mit seinem Werk. &#8222;Aus allem, was \u00fcber ihn bekannt ist&#8220;, bilanzierte Stefanie Grebe im Jahr 2014 im Kontext seiner letzten gro\u00dfen institutionellen Ausstellung (&#8222;Chargesheimer. Die Entdeckung des Ruhrgebiets&#8220;), &#8222;l\u00e4sst sich vermuten, dass er eher manisch und rauschhaft, unbeeinflusst von anderen, seinen eigenen Stil entwickelt hat.&#8220;<sup>7<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Chargesheimer wechselte die k\u00fcnstlerischen Instrumente, komponierte in einer Sph\u00e4re, in der Gesichter als Landschaften erz\u00e4hlen und von Menschen geschaffene Landschaften von Pers\u00f6nlichem berichten. Er schaffte (foto-grafische) R\u00e4ume, in denen &#8222;ein reines Wei\u00df aufgl\u00e4nzt, das in einer Unzahl von Zwischenstufen ins tiefste Nachtschwarz hin\u00fcberf\u00fchrt.&#8220;<sup>8<\/sup> Franz Roh bezeichnete ihn 1961 als einen mit &#8222;unb\u00e4ndiger Phantasie, erstaunlicher Beobachtungsgabe und technischer Erfindungslust.&#8220;<sup>9<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Ausstellung in der Galerie Julian Sander l\u00e4dt ein, sich in den Bildern und der Schaffensvielfalt von Chargesheimer zu verlieren und sich von ihm eine vergangene Welt \u2013 die, die er sah, und die, die er selbst mitgestaltete \u2013 als M\u00f6glichkeit der Vorstellung zeigen zu lassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<hr style=\"--wb-separator-margin-top:0px;--wb-separator-margin-bottom:0px\" class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:0.75rem\"><sup>1<\/sup> Chargesheimer: &#8222;Unter Krahnenb\u00e4umen. Bilder aus einer Stra\u00dfe&#8220;, mit einem Text von Heinrich B\u00f6ll, Greven Verlag, K\u00f6ln 1958, o.S.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:0.75rem\"><sup>2<\/sup> Chargesheimer: &#8222;Zwischenbilanz&#8220;, Greven Verlag, K\u00f6ln 1961, S. V.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:0.75rem\"><sup>3<\/sup> Ebd., S. VI.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:0.75rem\"><sup>4<\/sup> Stefanie Grebe: &#8222;&#8218;Dabei habe ich die h\u00e4rtesten Photos gar nicht ver\u00f6ffentlicht!&#8216;. Neue Fotografien Chargesheimers aus dem Ruhrgebiet 1957&#8220;, in: &#8222;Chargesheimer. Die Entdeckung des Ruhrgebiets&#8220;, hrsg. v. Heinrich Theodor Gr\u00fctter u. Stefanie Grebe, Auss.-Kat., Verlag der Buchhandlung Walther K\u00f6nig, K\u00f6ln 2014, S. 15\u201328, hier S. 16.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:0.75rem\"><sup>5<\/sup> <a href=\"https:\/\/www.stadt-koeln.de\/leben-in-koeln\/kultur\/rheinisches-bildarchiv\/chargesheimer-karl-heinz-hargesheimer\">https:\/\/www.stadt-koeln.de\/leben-in-koeln\/kultur\/rheinisches-bildarchiv\/chargesheimer-karl-heinz-hargesheimer<\/a>, zuletzt aufgerufen am 8.3.2023.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:0.75rem\"><sup>6<\/sup> The Feroz Paper, Nr. 3, &#8222;Chargesheimer Not A Photographer&#8220;, Special Edition Paris Photo 2018, Galerie Julian Sander, K\u00f6ln 2018.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:0.75rem\"><sup>7<\/sup> Grebe in: &#8222;Chargesheimer. Die Entdeckung des Ruhrgebiets&#8220;, 2014, S. 21.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:0.75rem\"><sup>8<\/sup> Franz Roh in: Chargesheimer: &#8222;Zwischenbilanz&#8220;, 1961, S. XIX.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:0.75rem\"><sup>9<\/sup> Ebd., S. XXIII.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Chargesheimer The Great&#8220;, Galerie Julian Sander, K\u00f6ln, 10.2. bis 6.4.2023. Kurz gesagt: Der Ausstellung &#8222;Chargesheimer The Great&#8220; in der K\u00f6lner Galerie Julian Sander wohnt etwas sehr Pers\u00f6nliches inne. Dies h\u00e4ngt auf den ersten Blick damit zusammen, dass die ausgestellten Werke fast wie beil\u00e4ufig in den Galerier\u00e4umen arrangiert wirken. 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Mit seinem Fotobuch \u201eUnter Krahnenb\u00e4umen\u201c, das 1958 mit einem Vorwort von Heinrich B\u00f6ll erschien, erzielte er weitreichende Bekanntheit. 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