{"id":2243,"date":"2023-03-30T14:26:20","date_gmt":"2023-03-30T12:26:20","guid":{"rendered":"https:\/\/on-art.news\/?p=2055"},"modified":"2026-08-14T22:00:02","modified_gmt":"2026-08-14T20:00:02","slug":"im-atelier-der-unbegrenzten-moeglichkeiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/on-art.news\/en\/2023\/03\/30\/im-atelier-der-unbegrenzten-moeglichkeiten\/","title":{"rendered":"Im Atelier der unbegrenzten M\u00f6glichkeiten"},"content":{"rendered":"<h3 class=\"wp-block-heading\">Das Kunstmuseum Ravensburg zeigt die erste s\u00fcddeutsche Einzelausstellung von Geta Br\u0103tescu.<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Bald nach der Revolution im Dezember 1989, waren in den Ausstellungen junger Leute in der Regel immer auch zwei oder drei reifere K\u00fcnstler:innen anwesend. Eine war Geta. Die Leute nannten sie einfach so: Geta. Sie war eine von uns. Sie war eine von mir \u2026 Jetzt, nach so vielen Jahren, w\u00fcrde ich sie lieber Frau Br\u0103tescu nennen. Und nur damals Geta. Sie ist eine von uns geblieben, die aber irgendwie alle anderen \u00fcberragt.&#8220;<sup>1<\/sup><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"778\" data-id=\"283\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/BRATE82066-hires-7-1024x778.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-283\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/BRATE82066-hires-7-1024x778.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/BRATE82066-hires-7-300x228.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/BRATE82066-hires-7-768x583.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/BRATE82066-hires-7-1536x1167.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/BRATE82066-hires-7-2048x1556.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"780\" data-id=\"284\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/BRATE82066-hires-9-1024x780.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-284\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/BRATE82066-hires-9-1024x780.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/BRATE82066-hires-9-300x229.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/BRATE82066-hires-9-768x585.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/BRATE82066-hires-9-1536x1170.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/BRATE82066-hires-9-2048x1560.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"783\" data-id=\"285\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Kunstmuseum-Ravensburg-Geta-Bratescu-04-1024x783.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-285\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Kunstmuseum-Ravensburg-Geta-Bratescu-04-1024x783.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Kunstmuseum-Ravensburg-Geta-Bratescu-04-300x230.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Kunstmuseum-Ravensburg-Geta-Bratescu-04-768x588.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Kunstmuseum-Ravensburg-Geta-Bratescu-04-1536x1175.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Kunstmuseum-Ravensburg-Geta-Bratescu-04-2048x1567.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\">Linia The Line, 2014, Collage auf Papier, Holzst\u00e4be, Filzstift, 7-teilig, je 25 x 32.5 cm, Sammlung Stadler, M\u00fcnchen, \u00a9 The Estate of Geta Br\u0103tescu, Foto: \u0218tefan Sava<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das schrieb kein anderer als Dan Perjovschi, heute vielleicht der bekannteste rum\u00e4nische K\u00fcnstler, vor nicht langer Zeit in der Zeitschrift <em>Secolul 21<\/em> (= 21. Jahrhundert), in der Geta (Abk\u00fcrzung von Georgeta) Br\u0103tescu, als sie noch <em>Secolul 20<\/em> hie\u00df, als Designerin und k\u00fcnstlerische Leiterin eine tragende Rolle gespielt hat. Perjovschi und seine Frau Lia hatten Br\u0103tescus Atelier an der Kunsthochschule \u00fcbernommen, als diese nach dem Tod ihrer Mutter in deren Haus umzog. Er hatte in der Wendezeit auf sich aufmerksam gemacht, als er alles in seiner Wohnung in Papier wickelte, \u00e4hnlich wie dies Br\u0103tescu in ihrer neunteiligen Fotoarbeit &#8222;In Richtung Wei\u00df&#8220; bereits 1976 getan hatte. Lia begann zur selben Zeit ein <em>Contemporary Art Archive<\/em> aufzubauen. Zu einer Zeit, als zeitgen\u00f6ssische Kunst neben der offiziellen Staatskunst bislang nur ein Schattendasein gef\u00fchrt hatte.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Erste Einzelausstellung in S\u00fcddeutschland<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dies muss hervorgehoben werden, um erkennbar zu machen, dass Br\u0103tescu, die nun im Kunstmuseum Ravensburg mit der ersten Einzelausstellung im s\u00fcddeutschen Raum geehrt wird, nicht nur eine lange Zeit vernachl\u00e4ssigte rum\u00e4nische Avantgardek\u00fcnstlerin war, sondern auf untergr\u00fcndige, vielleicht selbst vor Ort nicht immer wahrgenommene Weise, die Entwicklung in ihrem Land ma\u00dfgeblich gepr\u00e4gt hat. Wie eine Sphinx scheint sie auf dem Titelmotiv der Ausstellung, der Fotoarbeit &#8222;Frau Oliver im Reisekost\u00fcm&#8220;, in eine unbekannte Zukunft zu schauen, die Schreibmaschine Marke Oliver wie ein kostbares Collier vor der Brust, die Reisetasche als Haube auf dem Kopf. 1980, zum Zeitpunkt der Aufnahme, war sie 54 Jahre alt. F\u00fcr <em>Secolul 20<\/em> arbeitete sie bereits, als Perjovschi noch ein kleines Kind war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Ausstellung ist grob, wenn auch nicht strikt chronologisch aufgebaut. Die ersten Arbeiten stammen aus den 1960er-Jahren, als sie bereits um die 40 war. Aus der Familie eines Apothekers stammend, war sie zu Beginn der kommunistischen Herrschaft der Kunsthochschule verwiesen worden. Sie arbeitete als technische Zeichnerin und dann als Illustratorin. Die erste ausgestellte Arbeit von 1960 ist ein Stein: scheinbar eine Skulptur, in Wirklichkeit ein <em>Objet trouv\u00e9<\/em>: Aus einem Flusskiesel wird das Bild einer Schwangeren. Die Zensur auszutricksen: daf\u00fcr stand f\u00fcr sie der antike Fabeldichter \u00c4sop; und der Vogel f\u00fcr die Macht der Fantasie. Ihrer Fantasie lie\u00df sie freien Lauf, indem sie die Hand mit dem Stift \u00fcber, sp\u00e4ter mit der Schere durch das Papier bewegte.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Tanz der Linie<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Zeichnung ist Linie, ist Bewegung, f\u00fcr Br\u0103tescu ein Tanz, der auch den staatlich auferlegten Einschr\u00e4nkungen elegant aus dem Weg geht. Dem steht in einer elementaren Verbindung das Auge gegen\u00fcber, der Blick, der im Gewirr, der Vielfalt der Formen Motive wahrnimmt. In ihren eigenen Worten: &#8222;Es ist die Realit\u00e4t, die die Abstraktion bestimmt. Ich sehe die Dinge in abstrakter Weise.&#8220; Dieses Hin und Her der Formfindung bestimmt ihre Arbeit \u2013 wie immer in der Kunst, k\u00f6nnte man sagen, aber bei ihr auf den elementaren Prozess reduziert und damit auch Thema, wenn sie etwa einen Film \u00fcber ihre H\u00e4nde dreht. Ein Prozess, den sie auch auf die Probe stellt, indem sie mit geschlossenen Augen zeichnet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ihre Materialien sind denkbar unscheinbar. Sie verarbeitet Mal-Lumpen, auf denen sie den Pinsel abgetupft hat, Fetzen von Verpackungspapier oder die papiernen \u00dcberreste von Zigaretten der Marke <em>Carpati<\/em>: eine <em>Arte Povera<\/em>, die durch Italienreisen bedingt sein k\u00f6nnte, vielleicht aber auch nur durch die sozialistische Mangelwirtschaft. In der Beschr\u00e4nkung liegt die Kraft: In Material und Format unscheinbar, hat sie au\u00dferhalb oder unterhalb des offiziellen Kunstbetriebs ihres Landes ein Leben lang unabl\u00e4ssig produziert. Ihr Werk kann als Exempel dienen, wie Beweglichkeit und Fantasie letztlich alle Einschr\u00e4nkungen aushebeln. Die ihr eher ein Ansporn zur Kreativit\u00e4t sind: wie eine Aufforderung, sich dar\u00fcber hinwegzusetzen; noch aus den einfachsten Materialien etwas zu machen; die eigenen vier W\u00e4nde zu nutzen, immer aktiv zu bleiben \u2013 letztlich ist sie \u00fcberhaupt nicht zu bremsen. Wie Bertolt Brecht ausgehend vom <em>Tao te king<\/em> sagt, &#8222;dass das weiche Wasser in Bewegung mit der Zeit den m\u00e4chtigen Stein besiegt.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Atelier als Produktionsst\u00e4tte und Thema<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dabei gab es im kommunistischen Rum\u00e4nien verschiedene Phasen: 1968 kritisierte Nicolae Ceau\u015fescu den Einmarsch der Truppen des Warschauer Pakts in Prag. Es war f\u00fcr Rum\u00e4nien eine Art Tauwetter-Periode, in der Br\u0103tescu im Alter von vierzig Jahren ihr Kunststudium wieder aufnahm und so auch zu ihrem Atelier an der Kunstakademie kam. 1974 ging sie so weit, vorzuschlagen, den \u00f6ffentlichen Raum anders zu bev\u00f6lkern als mit staatstragenden Denkm\u00e4lern: In ihrer Arbeit &#8222;Magnete in der Stadt&#8220; imaginiert sie einen starken Magneten am Stadtrand, der, ohne den Verkehr durcheinander zu bringen, den Menschen metallene Objekte aus den Taschen zieht, w\u00e4hrend weniger potente Magneten im Stadtzentrum Uhren verstellen und noch kleinere Kindern Freude bereiten, indem sie unvorhergesehene Bewegungen hervorrufen. Dieser imagin\u00e4re Ausflug in den \u00f6ffentlichen Raum blieb freilich die Ausnahme. Der Mittelpunkt ihrer Arbeit war nun, wie bei allen K\u00fcnstlern, aber bei ihr in potenzierter Weise, ihr Atelier, das sie wiederholt thematisiert: In der Ausstellung zu sehen ist ein aus sechs Lithografien zusammengesetzten Bild und \u2013 besonders sch\u00f6n \u2013 ein 17-min\u00fctiger Schwarzwei\u00dffilm, den sie mit Ion Grigorescu gedreht hat.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-2 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"720\" height=\"576\" data-id=\"286\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/vlcsnap-2010-09-19-20h14m58s198.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-286\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/vlcsnap-2010-09-19-20h14m58s198.png 720w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/vlcsnap-2010-09-19-20h14m58s198-300x240.png 300w\" sizes=\"(max-width: 720px) 100vw, 720px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"720\" height=\"576\" data-id=\"287\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/vlcsnap-2010-09-19-20h15m55s15.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-287\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/vlcsnap-2010-09-19-20h15m55s15.png 720w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/vlcsnap-2010-09-19-20h15m55s15-300x240.png 300w\" sizes=\"(max-width: 720px) 100vw, 720px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"720\" height=\"576\" data-id=\"288\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/vlcsnap-2010-09-19-20h17m02s167.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-288\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/vlcsnap-2010-09-19-20h17m02s167.png 720w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/vlcsnap-2010-09-19-20h17m02s167-300x240.png 300w\" sizes=\"(max-width: 720px) 100vw, 720px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\">Atelierul (L\u2019Atelier) The Studio, 1978, 8mm-film transferred onto DVD, 4:3, b.\/w.,17:45 min, camera: Ion Grigorescu Courtesy The Estate of Geta Br\u0103tescu, Hauser &amp; Wirth und Ivan Gallery Bucharest, \u00a9 The Estate of Geta Br\u0103tescu<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Nahaufnahme ist ihr Kopf zu sehen, wie sie sich die Haare rauft. Die Kamera f\u00e4hrt zur\u00fcck, sie markiert wie bei einem Kind, das wieder ein St\u00fcck gewachsen ist, auf einem gro\u00dfen Bogen Papier ihre K\u00f6rpergr\u00f6\u00dfe. Von da aus zieht sie eine senkrechte Linie, die sich am Boden horizontal fortsetzt. Sie legt sich quer dazu hin und macht daraus ein Quadrat. Holzpl\u00e4ttchen, auf einen Faden gezogen, l\u00f6st sie, l\u00e4sst sie zu Boden fallen und spaziert darauf herum wie auf Steinen in einem Teich. Sie l\u00e4sst eine Papierschlange fallen, zieht sie waagrecht auseinander, sie rollt nach vorn. Sie klatscht in die H\u00e4nde und auf die Schenkel. Einen einfachen Klapphocker macht sie zu einer Figur, indem sie ihm ein Kopftuch aufsetzt und einen Rock umbindet. Sie zieht ihren schwarzen Kittel hoch und tastet dann kopflos durch das Atelier. Buchst\u00e4blich alles, was sie in ihrem t\u00e4glichen Arbeitsraum vor Augen hat, kann zu einem Bild, einem Objekt, Ausgangspunkt einer Handlung werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Bukarest war Br\u0103tescu seit den 1960er-Jahren eigentlich immer pr\u00e4sent. Doch in ihrer Bedeutung richtig erkannt wurde sie erst seit einer Einzelausstellung 1999 im Nationalmuseum. International fand die bisher wichtigste Ausstellung 2016 in der Hamburger Kunsthalle statt, als Teil einer Serie \u00fcber bedeutende K\u00fcnstlerinnen der Avantgarde. Seitdem hat sie den rum\u00e4nischen Pavillon der Biennale von Venedig 2017 gestaltet und war im selben Jahr auch auf der Documenta vertreten. Bei n\u00e4herer Betrachtung hat sie allerdings bereits 1960 an der Biennale von Venedig teilgenommen und seit den 1980er-Jahren vielfach auch international ausgestellt, unter anderem zweimal auf der Biennale von S\u0103o Paulo. Dass sie erst sp\u00e4t die verdiente Beachtung fand, lag zum einen an den widrigen Bedingungen im kommunistischen Rum\u00e4nien, noch dazu als Frau: K\u00fcnstlerinnen sind auch im Westen erst nach der Jahrtausendwende vermehrt in den Fokus ger\u00fcckt. Zugleich haben wohl auch genau die Strategien, die ihr halfen, die Zensur auszutricksen \u2013 kleine, schlichte Arbeiten aus einfachen Materialien \u2013 dazu beigetragen, dass sie \u00fcbersehen wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dies ist nun auch in S\u00fcddeutschland nicht l\u00e4nger der Fall. Das Kunstmuseum Ravensburg zeigt einige weitere sch\u00f6ne Arbeiten: ein paar sp\u00e4te Selbstportr\u00e4ts etwa, eine Serie von Fotos ihrer F\u00fc\u00dfe oder eine Reihe ihrer sp\u00e4teren Serien von bunten, geometrischen Collagen. In einem Film sitzt sie am Schreibtisch, zerschneidet den Karton, zeichnet mit dem Filzstift Linien auf das Papier und gibt, h\u00e4ufig achselzuckend, Auskunft, als wundere sie sich \u00fcber die Aufmerksamkeit, die ihr auf einmal in hohem Alter noch zuteil wird. Doch man t\u00e4usche sich nicht: Das ist nicht nur eine alte Dame, die Papierbogen zerschneidet. Darin steckt viel Lebensweisheit, wie man unter widrigen Bedingungen ein erf\u00fclltes Dasein fristet; und eine umfassende Kenntnis der Kunstgeschichte und neueren Kunsttheorie. Zu der sie auch selbst beigetragen hat: Eine Auswahl ihrer Schriften befindet sich noch in der \u00dcbersetzung und soll anl\u00e4sslich der Ausstellung voraussichtlich Ende Mai\/Anfang Juni erscheinen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Ausstellung l\u00e4uft bis 25. Juni. <a href=\"https:\/\/www.kunstmuseum-ravensburg.de\/\">https:\/\/www.kunstmuseum-ravensburg.de\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr style=\"--wb-separator-margin-top:0px;--wb-separator-margin-bottom:0px\" class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1 <a href=\"https:\/\/secolul21.ro\/arhive\/1909\">https:\/\/secolul21.ro\/arhive\/1909<\/a> (eigene \u00dcbersetzung)<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Kunstmuseum Ravensburg zeigt die erste s\u00fcddeutsche Einzelausstellung von Geta Br\u0103tescu. &#8222;Bald nach der Revolution im Dezember 1989, waren in den Ausstellungen junger Leute in der Regel immer auch zwei oder drei reifere K\u00fcnstler:innen anwesend. Eine war Geta. Die Leute nannten sie einfach so: Geta. Sie war eine von uns. 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