{"id":2245,"date":"2023-04-20T15:20:51","date_gmt":"2023-04-20T13:20:51","guid":{"rendered":"https:\/\/on-art.news\/?p=2156"},"modified":"2026-08-14T22:00:02","modified_gmt":"2026-08-14T20:00:02","slug":"zu-ihrer-bildhauerei-gehoert-ein-durchdachtes-atelier","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/on-art.news\/en\/2023\/04\/20\/zu-ihrer-bildhauerei-gehoert-ein-durchdachtes-atelier\/","title":{"rendered":"Zu ihrer Bildhauerei geh\u00f6rt ein durchdachtes Atelier"},"content":{"rendered":"<h3 class=\"wp-block-heading\">Ein Tag mit Jaana Caspary in Wuppertal.<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Arbeiten der Bildhauerin Jaana Caspary erwecken bereits seit einigen Jahren mein Interesse: Caspary erzeugt anhand plastischer K\u00f6rper Perspektiven, die sich \u00fcber die rein k\u00fcnstlerische Wahrnehmung hinausbewegen und die Lebensr\u00e4ume sowie -wirklichkeiten reflektieren. Kennengelernt haben wir uns bei einer Autofahrt von Wuppertal nach Bielefeld, gemeinsam auf dem Weg zu einer Ausstellung einer befreundeten K\u00fcnstlerin. Jetzt zeigt Jaana Caspary im <em>Skulpturenpark Waldfrieden<\/em> in Wuppertal eine Einzelausstellung mit dem Titel <em>ebenda<\/em>. Diese Ausstellung ist Anlass f\u00fcr ein Gespr\u00e4ch, f\u00fcr das ich die K\u00fcnstlerin zusammen mit der Fotografin Anna Schwartz einen Tag lang in Wuppertal begleitet habe. In Casparys Atelier sprachen wir \u00fcber ihre Skulpturen, Zeichnungen sowie fotografischen Arbeiten und die infrastrukturellen und individuellen Notwendigkeiten, die ihrem Arbeiten als Bildhauerin zugrunde liegen. In Folge eines Spaziergangs durch den <em>Skulpturenpark Waldfrieden<\/em> besuchten wir ihre Ausstellung und unterhielten uns \u00fcber das Herstellen, Zeigen und Erleben von Skulptur und dar\u00fcber, weshalb das Arbeiten mit den H\u00e4nden und dreidimensionalen Objekten f\u00fcr Jaana Caspary von Bedeutung ist.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-jetpack-slideshow aligncenter\" data-effect=\"slide\"><div class=\"wp-block-jetpack-slideshow_container swiper-container\"><ul class=\"wp-block-jetpack-slideshow_swiper-wrapper swiper-wrapper\"><li class=\"wp-block-jetpack-slideshow_slide swiper-slide\"><figure><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" alt=\"\" class=\"wp-block-jetpack-slideshow_image wp-image-313\" data-id=\"313\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/3807-1024x683.jpg\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/3807-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/3807-300x200.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/3807-768x512.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/3807-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/3807-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure><\/li><li class=\"wp-block-jetpack-slideshow_slide swiper-slide\"><figure><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"725\" alt=\"\" class=\"wp-block-jetpack-slideshow_image wp-image-885\" data-id=\"885\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/vg-bildkunst-grau-quer-2-1024x725.jpg\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/vg-bildkunst-grau-quer-2-1024x725.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/vg-bildkunst-grau-quer-2-300x212.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/vg-bildkunst-grau-quer-2-768x543.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/vg-bildkunst-grau-quer-2-1536x1087.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/vg-bildkunst-grau-quer-2.jpg 1754w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure><\/li><li class=\"wp-block-jetpack-slideshow_slide swiper-slide\"><figure><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"725\" alt=\"\" class=\"wp-block-jetpack-slideshow_image wp-image-885\" data-id=\"885\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/vg-bildkunst-grau-quer-2-1024x725.jpg\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/vg-bildkunst-grau-quer-2-1024x725.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/vg-bildkunst-grau-quer-2-300x212.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/vg-bildkunst-grau-quer-2-768x543.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/vg-bildkunst-grau-quer-2-1536x1087.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/vg-bildkunst-grau-quer-2.jpg 1754w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure><\/li><\/ul><a class=\"wp-block-jetpack-slideshow_button-prev swiper-button-prev swiper-button-white\" role=\"button\"><\/a><a class=\"wp-block-jetpack-slideshow_button-next swiper-button-next swiper-button-white\" role=\"button\"><\/a><a aria-label=\"Pause Slideshow\" class=\"wp-block-jetpack-slideshow_button-pause\" role=\"button\"><\/a><div class=\"wp-block-jetpack-slideshow_pagination swiper-pagination swiper-pagination-white\"><\/div><\/div><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Raumsituationen<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jaana Caspary sitzt auf dem Sofa in ihrem Atelier nahe der Wupper. Die hallenartigen R\u00e4ume mit vier Meter hohen Decken sind hell erleuchtet: Tageslicht f\u00e4llt durch eine lange Fensterreihe, die sich zur Flussseite hin \u00f6ffnet und durch die in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden die vorbeiziehende Schwebebahn sichtbar wird. &#8222;Bevor ich dieses Atelier entdeckt habe, arbeitete ich ein Jahr lang in einem Atelier, das in der vierten Etage lag und das nur \u00fcber einen schmalen Flur zug\u00e4nglich war. F\u00fcr die Arbeit im Medium Skulptur nicht unbedingt gut geeignet&#8220;, bemerkt die Bildhauerin Caspary, die zunehmend Skulpturen im Gro\u00dfformat umsetzt, und f\u00e4hrt fort: &#8222;Da kommt man schnell an r\u00e4umliche Grenzen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr ihr jetziges Atelier hat ihr Vermieter die Eingangst\u00fcr verbreitert, Caspary selbst hat die R\u00e4ume in verschiedene Arbeitsbereiche unterteilt, die ihre Arbeitsprozesse auch r\u00e4umlich gliedern: In einem Bereich etwa baut sie Formen, erforscht deren Wirkung als Objekt \u2013 hier fertigt sie Modelle an, die dann zur weiteren Ausf\u00fchrung in beispielsweise die Gie\u00dferei gehen. In einem durch Einbauten abgetrennten Bereich f\u00fchrt sie Lackierarbeiten aus oder bearbeitet kleinere Bronzeskulpturen nach, poliert sie. Schlie\u00dflich umgibt sie sich nahe der Sitzgruppe, wo wir Platz genommen haben und miteinander sprechen, auch mit jenen Skulpturen, die sie bereits fertiggestellt hat: &#8222;Mir ist wichtig, dass es Raum gibt, in dem ich meinen Skulpturen begegnen kann, denn auch der Anschauungsprozess ist Teil meiner k\u00fcnstlerischen Arbeit. In diesem Zusammenhang baue ich immer wieder um oder lagere Objekte in mein Lager aus, wenn ich mehr Platz f\u00fcr eine neue Arbeit ben\u00f6tige.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Raum zum Arbeiten ist essenziell f\u00fcr die Bildhauerin. Aus diesem Grund hat sie ihr Atelier gezielt in Wuppertal gesucht. Viel Freiraum, zentrale Lage, weniger hohe Mieten. &#8222;Vielfalt finde ich wichtig&#8220;, sagt Jaana Caspary, &#8222;doch ein Atelier in gr\u00f6\u00dferen oder angesagteren St\u00e4dten kann ich mir weniger vorstellen. Ich sch\u00e4tze den Austausch zwischen K\u00fcnstler:innen und Akteur:innen im Kunstbereich auf kurzen und direkten Wegen. Und insbesondere als Bildhauerin gibt es Aspekte, die es bei meiner Arbeit zu ber\u00fccksichtigen gilt, Gewichte und Volumen etwa. Eine Skulptur, die 1,7 Tonnen wiegt, muss zun\u00e4chst einmal durch die Ateliert\u00fcr passen und von dort aus auch mit einem Kran bewegt werden k\u00f6nnen. Bestenfalls findet sie Platz in einem Lkw, ansonsten muss ich mit einem Schwerlastentransport kalkulieren. Viele organisatorische Faktoren sind bei der Arbeit im Gro\u00dfformat zu ber\u00fccksichtigen, Skulptur beansprucht auf eine gewisse Art Raum, sie erfordert je nach Ausf\u00fchrung neue L\u00f6sungen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie kommen Material und Halterung bei einer Wandarbeit zusammen? Steht eine freistehende Skulptur in sich oder ben\u00f6tigt sie ein besonderes Fundament oder eine stabilisierende Platte? &#8222;F\u00fcr die Skulptur <em>upside-down <\/em>(2022), die gerade im <em>Skulpturenpark Waldfrieden<\/em> in meiner Ausstellung <em>ebenda<\/em> zu sehen ist und die dort nach der Ausstellung permanent im Sammlungsbestand verbleiben wird, war mein Atelier trotz vier Meter Deckenh\u00f6he zu klein. Denn die Skulptur ist insgesamt vier Meter hoch, doch um die zwei Teile, aus der sie besteht, aufeinanderzubauen, brauchte ich eine Raumh\u00f6he von sechs Metern. Um das 1:1-Gussmodell zu bauen, bin ich in den Hinterhof der von hier aus nahe gelegenen <em>Galerie Gr\u00f6lle<\/em> ausgewichen: Dort gibt es eine gro\u00dfe Halle, in der ich die Skulptur im Zeitraum 2020\/21 als Modell umgesetzt habe. Zur weiteren Ausf\u00fchrung in Bronze ging sie dann in die Gie\u00dferei.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-jetpack-slideshow aligncenter\" data-effect=\"slide\"><div class=\"wp-block-jetpack-slideshow_container swiper-container\"><ul class=\"wp-block-jetpack-slideshow_swiper-wrapper swiper-wrapper\"><li class=\"wp-block-jetpack-slideshow_slide swiper-slide\"><figure><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"725\" alt=\"\" class=\"wp-block-jetpack-slideshow_image wp-image-885\" data-id=\"885\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/vg-bildkunst-grau-quer-2-1024x725.jpg\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/vg-bildkunst-grau-quer-2-1024x725.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/vg-bildkunst-grau-quer-2-300x212.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/vg-bildkunst-grau-quer-2-768x543.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/vg-bildkunst-grau-quer-2-1536x1087.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/vg-bildkunst-grau-quer-2.jpg 1754w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure><\/li><li class=\"wp-block-jetpack-slideshow_slide swiper-slide\"><figure><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"725\" alt=\"\" class=\"wp-block-jetpack-slideshow_image wp-image-885\" data-id=\"885\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/vg-bildkunst-grau-quer-2-1024x725.jpg\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/vg-bildkunst-grau-quer-2-1024x725.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/vg-bildkunst-grau-quer-2-300x212.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/vg-bildkunst-grau-quer-2-768x543.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/vg-bildkunst-grau-quer-2-1536x1087.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/vg-bildkunst-grau-quer-2.jpg 1754w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure><\/li><li class=\"wp-block-jetpack-slideshow_slide swiper-slide\"><figure><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"725\" alt=\"\" class=\"wp-block-jetpack-slideshow_image wp-image-885\" data-id=\"885\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/vg-bildkunst-grau-quer-2-1024x725.jpg\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/vg-bildkunst-grau-quer-2-1024x725.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/vg-bildkunst-grau-quer-2-300x212.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/vg-bildkunst-grau-quer-2-768x543.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/vg-bildkunst-grau-quer-2-1536x1087.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/vg-bildkunst-grau-quer-2.jpg 1754w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure><\/li><\/ul><a class=\"wp-block-jetpack-slideshow_button-prev swiper-button-prev swiper-button-white\" role=\"button\"><\/a><a class=\"wp-block-jetpack-slideshow_button-next swiper-button-next swiper-button-white\" role=\"button\"><\/a><a aria-label=\"Pause Slideshow\" class=\"wp-block-jetpack-slideshow_button-pause\" role=\"button\"><\/a><div class=\"wp-block-jetpack-slideshow_pagination swiper-pagination swiper-pagination-white\"><\/div><\/div><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Fundst\u00fccke und Alltagsobjekte<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unterschiedliche Produktionstechniken und Formprozesse umspannen Jaana Casparys bildhauerisches Werk. Oft geht eine Zeichnung einer Skulptur voraus, eine in Keramik oder Ton modellierte Form, als auch Abformungen in Acryl, Gie\u00dfharz oder Gips. &#8222;Im Modellbau \u00fcberlege ich, welche materiale Ausf\u00fchrung der Skulptur zukommt&#8220;, bemerkt die K\u00fcnstlerin, &#8222;vieles entsteht aber auch im Prozess. Die Bronze <em>Swirl<\/em> (2023) beispielsweise, die im Au\u00dfenraum des <em>Skulpturenparks Waldfrieden<\/em> vor der unteren Ausstellungshalle zu sehen ist, wollte ich zun\u00e4chst gr\u00fcn patinieren. Im Produktionsprozess habe ich mich dann aber dazu entschieden, ihre geschliffene schimmernde Oberfl\u00e4che beizubehalten.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach dem Besuch ihres Ateliers fahren wir in den Skulpturenpark, sitzen unter freiem Himmel auf einer Bank vor dieser Bronze und blicken an ihr vor\u00fcber in die Ausstellungshalle hinein, die inmitten des Waldes steht. \u201eDie Steine f\u00fcr <em>Rondablikk <\/em>(2023), wei\u00dfer Opal, und <em>Bubbles <\/em>(2022), der schwarze Marmor Nero Marquina mit feiner leichter Maserung, sind beide aus Italien, aus den Carrara-Werkst\u00e4tten. Bei diesen Arbeiten habe ich mit Steinbildhauern zusammengearbeitet&#8220;, berichtet Caspary. &#8222;Vom Steinblock hinein in die Feinheiten, bis die Oberfl\u00e4che gespannt und gegl\u00e4ttet ist.&#8220; Es ist eine feinsinnige Sprache bildplastischer \u00c4sthetik, der ich in Jaana Casparys Worten folge und die sich im Angesicht ihrer Skulpturen \u2013 ihrer mitunter surrealen Formenwelt und der pr\u00e4zis ausgew\u00e4hlten Materialien \u2013 verwirklicht. Caspary wiederholt und verdoppelt dabei aus dem allt\u00e4glichen Gebrauch \u00fcberlieferte Formen, f\u00fchrt von Verfremdungsprozessen des Gegenst\u00e4ndlichen hinein in abstrakt-\u00e4sthetische Eigenwelten. \u201eDie Form des Planschbeckens wie bei dem in Gips gefertigten Wandrelief <em>Oktogon<\/em> (2021) ist eine solcher Formen, die ich aktiv suche. Es ist ein Beispiel f\u00fcr Formen, die f\u00fcr mich in ihrer Allt\u00e4glichkeit bereits eine skulpturale Qualit\u00e4t haben. Diese forme ich in meinen k\u00fcnstlerischen Prozessen ab \u2013 von der Negativform ins Positiv \u2013, transformiere Fundst\u00fccke, wie ich sie nenne, auch durch ihre Vervielf\u00e4ltigung zu eigenst\u00e4ndigen Skulpturen.\u201c Dabei unterzieht Caspary die als Vorbild herangezogenen Objekte einer materialen Dekonstruktion: Durch die Reproduktion oder auch quantitative Vervielf\u00e4ltigung und Neuzusammenstellung von Formen entbindet die K\u00fcnstlerin sie ihrer Nutzbarkeit und ihrer Narrative. Jaana Casparys k\u00fcnstlerische Setzung wirkt als Replik eines Readymades.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Casparys Wege zur Bildhauerei<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Ich habe mich nicht bewusst f\u00fcr Skulptur entschieden \u2013 es kam eins zum n\u00e4chsten&#8220;, antwortet die 1988 in Wuppertal geborene Jaana Caspary auf meine Frage, was sie dazu veranlasst habe, als Bildhauerin t\u00e4tig zu werden. Dabei erz\u00e4hlt sie, dass sie schon immer gerne mit ihren H\u00e4nden gearbeitet habe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Sommermonate ihrer Kindheit verbrachte sie mit ihrer Familie auf einer Insel in Finnland: Ihr Vater, der Maler ist, hat dort eine ehemalige Sauna zu einem Atelier umgebaut, vor dem ein gro\u00dfer Tisch stand, an dem drau\u00dfen gearbeitet wurde. Auch Jaana Casparys Mutter ist K\u00fcnstlerin, Fotografin. Mit ihrem Bruder ist Caspary dort durch die W\u00e4lder gezogen, hat Wurzeln und \u00c4ste gesammelt, ihre Rinde abgeschliffen, das Gefundene zu Objekten zusammengesteckt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend eines Praktikums bei den <em>Wuppertaler B\u00fchnen<\/em> im Bereich B\u00fchnenplastik hat sie dann durch die Anregung des Werkstattleiters Tiere in Ton modelliert, die als Relief abgegossen wurden. &#8222;Dabei ist mir aufgefallen, dass mir die dreidimensionale Arbeit liegt&#8220;, bemerkt Caspary. Ausgehend hiervon absolvierte sie in der Schulzeit ein l\u00e4ngeres Praktikum im Atelier des Bildhauers Tony Cragg in Wuppertal, wo sie infolgedessen hin und wieder arbeitete und viel \u00fcber den Umgang mit Holz und Styropor lernte: &#8222;Materialien, Werkzeuge, die Bildsprache der Skulpturen \u2013 das hat mich alles fasziniert&#8220;, so Caspary.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Essenziell f\u00fcr ihre Arbeit waren nicht zuletzt ihr Studium in der Klasse des belgischen Bildhauers Didier Vermeiren an der Kunstakademie D\u00fcsseldorf und die durch ihn angeregte Auseinandersetzung mit den Beziehungen zwischen Skulptur und Sockel beziehungsweise mit dem Volumen des Podests und Raum: &#8222;Dabei bin ich geblieben&#8220;, sagt Caspary und f\u00e4hrt fort: &#8222;Ich denke bei der Anfertigung einer Skulptur immer auch ihre Pr\u00e4sentationsweise mit, ihren Bezug zum menschlichen K\u00f6rper, zum umliegenden Raum. Manchmal fertige ich den Sockel in gleicher oder \u00e4hnlicher Materialit\u00e4t wie die Skulptur selbst, manchmal konzipiere ich eine Bodenskulptur so, dass sie ganz und gar ohne Podest in sich am Boden ruht: Je nachdem, was die Skulptur \u2013 auch in dem, was \u00fcber sie hinausgeht \u2013 braucht.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In ihrer aktuellen Ausstellung im Skulpturenpark Waldfrieden zeigt Jaana Caspary neben ihrem bildhauerischen Werk erstmals Zeichnungen. &#8222;Ich habe immer viel gezeichnet, prim\u00e4r Skizzen, doch vor drei bis vier Jahren habe ich das Zeichnen als solches wieder aufgenommen.&#8220; Auch in Paris, wo sie 2016 einen Stipendienaufenthalt an der <em>Cit\u00e9 Internationale des Arts<\/em> absolvierte, habe sie viel gezeichnet \u2013 mitunter deshalb, weil der Ort f\u00fcr ihr bildhauerisches Arbeiten weniger geeignet gewesen ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Zeichnung als Medium hat f\u00fcr die K\u00fcnstlerin verschiedene Funktionen: Zum einen entwickelt sie \u00fcber das Zeichnen Formen f\u00fcr ihre skulpturale Arbeit. Doch auch Aspekte des Bildhauerischen \u00fcbertragen sich, wenn Caspary mit einem Stift Formen auf einem Blatt Papier modelliert, in bildnerische Tiefen und H\u00f6hen geht und k\u00f6rperhafte R\u00e4ume hierbei entstehen: so zum Beispiel ineinander verwobene Schn\u00fcre, in groben Maschen geflochtene Seile oder als Blasen kumulierte Gewebe, die Caspary durch in sich kreisende Bewegungen hervorgebracht hat und die dadurch ihrerseits dreidimensional wirken, nahezu auf dem Blatt schweben. &#8222;Deshalb nenne ich sie Bildhauerzeichnungen&#8220;, so die K\u00fcnstlerin.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ihre Auseinandersetzung mit der Genese von bildplastischen Formen ist vielf\u00e4ltig, etwa auch in Form von fotografischen Arbeiten oder Fotocollagen, bei denen sie entweder gefundene (organische) Objekte ablichtet oder bereits fotografisch reproduzierte Produktformen extrahiert und neu zusammensetzt \u2013 mit der Frage, wie solch eine Form vielleicht auch als K\u00f6rper im Raum funktionieren k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">\u00dcber das eigene Arbeiten hinaus<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Zeigen von Kunst anderer K\u00fcnstler:innen, die Jaana Caspary inspirieren, ist ihr wichtig. Ausgehend von einem kleinen Ausstellungsraum in Wuppertal-Arrenberg, den Caspary unterhielt, lud die <em>Galerie Gr\u00f6lle<\/em> sie 2016 ein, ein gemeinschaftliches Ausstellungsformat zu verwirklichen: Im <em>Raum2INTERVENTIONS<\/em> stellt Caspary so seit einigen Jahren Werke von K\u00fcnster:innen aus, um st\u00e4dte\u00fcbergreifende Begegnungsr\u00e4ume zu schaffen \u2013 zum Beispiel mit K\u00fcnstler:innen aus Berlin und Bielefeld. Eine ihrer besonderen Initiativen ist das 2018 von ihr gegr\u00fcndete <em>Skulpturenprojekt Hardt<\/em>, mit dem sie als Kuratorin und K\u00fcnstlerin plastische Werke in den \u00f6ffentlichen Raum Wuppertals brachte: &#8222;Skulptur ist ein dreidimensionaler K\u00f6rper, den man aus verschiedenen Perspektiven im Raum erfassen kann, auch im Au\u00dfenraum, unter freiem Himmel. Das war meine Intention, als ich das <em>Skulpturenprojekt Hardt<\/em> im <em>Botanischen Garten Wuppertal<\/em> begonnen habe. Skulptur in der Natur zu erfahren, in Wechselwirkung mit ihr, mit B\u00e4umen, Gew\u00e4chsen. Skulptur muss nicht zwingend im Museum ausgestellt werden. Dass Skulpturen Menschen im \u00f6ffentlichen Raum erreichen k\u00f6nnen, empfinde ich als einen gro\u00dfen Gewinn bez\u00fcglich ihrer Rezeption.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jaana Casparys Ausstellung <em>ebenda<\/em> im Skulpturenpark Waldfrieden, Wuppertal, ist dort noch bis zum 6. August 2023 zu sehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Fotos im Atelier: Anna Schwartz, Wuppertal, <a href=\"http:\/\/www.annaschwartz.de\/\">annaschwartz.de<\/a><br>Fotos der Skulpturen: Michael Richter, Wuppertal<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Tag mit Jaana Caspary in Wuppertal. Die Arbeiten der Bildhauerin Jaana Caspary erwecken bereits seit einigen Jahren mein Interesse: Caspary erzeugt anhand plastischer K\u00f6rper Perspektiven, die sich \u00fcber die rein k\u00fcnstlerische Wahrnehmung hinausbewegen und die Lebensr\u00e4ume sowie -wirklichkeiten reflektieren. Kennengelernt haben wir uns bei einer Autofahrt von Wuppertal nach Bielefeld, gemeinsam auf dem Weg [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":311,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"inline_featured_image":false,"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[271,351,379,684,1308,1309,1398,1508],"autor":[1631],"class_list":["post-2245","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-features","tag-christina-irrgang","tag-didier-vermeiren","tag-ebenda","tag-jaana-caspary","tag-skulpturenpark-waldfrieden","tag-skulpturenprojekt-hardt","tag-tony-cragg","tag-wuppertal","autor-christina-irrgang"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.6 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Zu ihrer Bildhauerei geh\u00f6rt ein durchdachtes Atelier - on art Magazine<\/title>\n<meta name=\"description\" content=\"Ein Tag mit der Bildhauerin Jaana Caspary in Wuppertal.\" \/>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/on-art.news\/en\/2023\/04\/20\/zu-ihrer-bildhauerei-gehoert-ein-durchdachtes-atelier\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"en_GB\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Zu ihrer Bildhauerei geh\u00f6rt ein durchdachtes Atelier - 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