{"id":2250,"date":"2023-06-01T07:54:52","date_gmt":"2023-06-01T05:54:52","guid":{"rendered":"https:\/\/on-art.news\/?p=2443"},"modified":"2026-08-14T22:00:02","modified_gmt":"2026-08-14T20:00:02","slug":"die-spruecheklopferin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/on-art.news\/en\/2023\/06\/01\/die-spruecheklopferin\/","title":{"rendered":"Die Spr\u00fccheklopferin"},"content":{"rendered":"<h3 class=\"wp-block-heading\">Jenny Holzer im K21, D\u00fcsseldorf, 11.03. bis 06.08.2023.<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jenny Holzer hat sich seit dem Beginn ihrer Laufbahn in New York, zwischen 1977 und 1979, mit sprachlichen Botschaften besch\u00e4ftigt, die sie in knappe textliche Form fasst und als &#8222;Truisms&#8220; bezeichnet. Binsenweisheiten oder Gemeinpl\u00e4tze also. Darunter finden sich \u00c4u\u00dferungen, die nachdenklich stimmen k\u00f6nnen, aber auch solche wie &#8222;Humor ist ein Ventil&#8220; oder &#8222;Automatisierung ist t\u00f6dlich&#8220;. Jeweils f\u00fcr sich betrachtet, ist ein Schulterzucken f\u00fcr Botschaften dieser Art wahrscheinlich schon zu viel, wenn man ehrlich ist. Doch durch die selbstgew\u00e4hlte Kategorisierung schafft die K\u00fcnstlerin zwischen sich und ihren &#8222;Truisms&#8220; eine Distanz. Denn Gemeinpl\u00e4tze kann man sich zwar zu eigen machen. Aber man kann f\u00fcr sie kein Urheberrecht in Anspruch nehmen. Wichtiger noch als k\u00fcnstlerische Autorschaft ist Holzer offenbar die Ver\u00e4nderung des Kontextes, in dem ihr Material erscheint.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die K\u00fcnstlerin schl\u00e4gt dazu besondere Wege der Verbreitung ein. Ihre Botschaften werden mithilfe leicht zug\u00e4nglicher Kopiertechnik vervielf\u00e4ltigt und als &#8222;wilde&#8220; Plakatanschl\u00e4ge am Kunstpublikum vorbei auf der Stra\u00dfe zur Schau gestellt. So nutzt sie die Kommunikationswege der gro\u00dfst\u00e4dtischen Subkultur. Vielleicht fehlt ihr zu dieser Zeit das Selbstvertrauen, ihr Gl\u00fcck in einer der New Yorker Galerien zu suchen. Genauso gut ist es m\u00f6glich, dass sie nicht die Kontrolle \u00fcber die Verbreitung ihrer Botschaften verlieren will. Denn auch in den nun folgenden Phasen ihrer Laufbahn sucht sie \u00d6ffentlichkeit immer wieder auf Wegen, wie sie typisch f\u00fcr die Werbewirtschaft, nicht jedoch f\u00fcr den Kunstbetrieb sind. Fotos aus dieser Zeit zeigen, wie ihre &#8222;Anschl\u00e4ge&#8220; funktionieren: Relativ kleinformatige, auf farbigen Papieren gedruckte Plakate werden in Serien geklebt, f\u00fcllen nebeneinander gro\u00dfe Fl\u00e4chen und setzen sich in der seriellen Wiederholung der strengen Typografien auff\u00e4llig von der \u00c4sthetik plakatierter Werbung ab. Die Pr\u00e4sentation im Souterrain des K21 kommt dieser Situation relativ nahe.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"725\" height=\"1024\" data-id=\"884\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/vg-bildkunst-grau-725x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-884\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/vg-bildkunst-grau-725x1024.jpg 725w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/vg-bildkunst-grau-212x300.jpg 212w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/vg-bildkunst-grau-768x1085.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/vg-bildkunst-grau-1087x1536.jpg 1087w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/vg-bildkunst-grau.jpg 1241w\" sizes=\"(max-width: 725px) 100vw, 725px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"725\" height=\"1024\" data-id=\"884\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/vg-bildkunst-grau-725x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-884\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/vg-bildkunst-grau-725x1024.jpg 725w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/vg-bildkunst-grau-212x300.jpg 212w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/vg-bildkunst-grau-768x1085.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/vg-bildkunst-grau-1087x1536.jpg 1087w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/vg-bildkunst-grau.jpg 1241w\" sizes=\"(max-width: 725px) 100vw, 725px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"725\" height=\"1024\" data-id=\"884\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/vg-bildkunst-grau-725x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-884\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/vg-bildkunst-grau-725x1024.jpg 725w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/vg-bildkunst-grau-212x300.jpg 212w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/vg-bildkunst-grau-768x1085.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/vg-bildkunst-grau-1087x1536.jpg 1087w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/vg-bildkunst-grau.jpg 1241w\" sizes=\"(max-width: 725px) 100vw, 725px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\">Lins und Mitte: Die beiden Fotos vermitteln eine Vorstellung davon, wie man sich die Arbeit der Stra\u00dfenk\u00fcnstlerin Jenny Holzer in ihren Anf\u00e4ngen vorstellen muss. <strong>Links<\/strong>: Poster Project, Seattle, Washington, USA, 1984, \u00a9 1984 Jenny Holzer, member Artists Rights Society (ARS), NY. https:\/\/samblog.seattleartmuseum.org\/2019\/04\/inflammatory-essays\/. <strong>Middle<\/strong>: http:\/\/artistsbooksandmultiples.blogspot.com\/2012\/07\/jenny-holzer-inflammatory-essays.html. <strong>Right<\/strong>: Ansicht der Ausstellung im K21, D\u00fcsseldorf. Foto: on art.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die K\u00fcnstlerin selbst berichtet in einem Interview, dass ihr die Plakatierung der Truisms die M\u00f6glichkeit bot, quasi im Schutz des Schattens verharrend, Passanten, die ihre Arbeiten betrachten, unentdeckt zu beobachten. Auch hierin kann man ein Moment der Distanzierung, vielleicht sogar des Selbstschutzes sehen, das ihre Arbeit in den ersten Schaffensjahren begleitet. Dem widerspricht nicht unbedingt, dass Holzer zugleich den Kontakt zu ihrem Publikum sucht, und zwar abseits der Begegnungsm\u00f6glichkeiten, die der Kunstbetrieb bieten k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Kunst als Sozialkritik?<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit ihren &#8222;Inflammatory Essays&#8220; (1979 \u2013 1982) geht Jenny Holzer einen Schritt weiter. In jeweils 100 Worten thematisiert sie Intoleranz, Gewalt, Konsum, Aktivismus, Machtmissbrauch, die Rolle der Frau und vieles mehr. Auch die &#8222;Inflammatory Essays&#8220; werden plakatiert. Das Verfahren, mit dem Holzer f\u00fcr ihre Werke eine \u00d6ffentlichkeit sucht, \u00e4ndert sich also noch nicht. Hingegen werden ihre Botschaften pers\u00f6nlicher.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dann kommt die Phase, in der die K\u00fcnstlerin die Gutenberg Galaxie hinter sich l\u00e4sst und ihren k\u00fcnstlerischen Kosmos ausdehnt: Es wird nicht mehr gedruckt, es kommen nun h\u00e4ufiger zeitgem\u00e4\u00dfere technische M\u00f6glichkeiten zur Anwendung, um ihre Botschaften zu verbreiten. Anfang der 80er-Jahre erscheint am Times Square auf einem riesengro\u00dfen Billboard eine ihrer bekanntesten Botschaften: &#8222;Protect me from what I Want.&#8220; Holzer kommt in diesem Zusammenhang auf ihre Erfahrungen mit den &#8222;Truisms&#8220; zur\u00fcck: Die Botschaften werden wieder knapper. Au\u00dferdem werden sie buchst\u00e4blich zum Leuchten gebracht und auf monumentale Dimensionen vergr\u00f6\u00dfert. So erschlie\u00dft sich Jenny Holzer einen ganz neuen Weg, ihr Publikum zu finden. Allerdings wird \u00d6ffentlichkeit nach wie vor abseits des Kunstbetriebs hergestellt. Noch zeigt Jenny Holzer sich als reine Stra\u00dfenk\u00fcnstlerin. Doch dabei bleibt es nicht, zumindest nicht ausschlie\u00dflich, denn bereits im Vorfeld ihrer ersten gro\u00dfen Ausstellung, 1989 im Guggenheim-Museum, wechselt sie erneut das Tr\u00e4germedium. Ihre Botschaften werden nun auch in Stein gemei\u00dfelt, als Inschriften auf den Sitzfl\u00e4chen von Marmorb\u00e4nken, die sie zu Installationen verbindet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1990 ist das Jahr ihres internationalen Durchbruchs. Jenny Holzer vertritt die USA auf der Biennale in Venedig. Als erste Frau bespielt sie den amerikanischen Pavillon. Auch hier wird nun Marmor verwendet, die W\u00e4nde und B\u00f6den des Geb\u00e4udes werden komplett mit diesem Material verkleidet und k\u00f6nnen ihre Botschaften aufnehmen. Und hier zeigt sich zum ersten Mal eine Kontroverse, die rund um ihr Werk entsteht und bis heute anh\u00e4lt. Denn schon 1990 gibt es Besucher der Biennale, die infrage stellen, ob man aus Redewendungen, die ihre gew\u00f6hnliche Herkunft nicht verleugnen k\u00f6nnen, Kunst machen kann, indem man sie in Marmor mei\u00dfelt. Andere Besucher wiederum sehen gerade darin eine gewollte &#8222;Unangemessenheit&#8220;, die als Kritik an der amerikanischen Gesellschaft verstanden werden sollte. Das klingt \u00fcberzeugend, zumal sich vergleichbare Beispiele daf\u00fcr, wie sich Zeugnisse banaler Alltagskultur veredeln lassen, bei K\u00fcnstlern wie Jeff Koons, Claes Oldenburg, Wolf Vostell, Daniel Spoerri und vielen anderen finden. Aus dieser Perspektive w\u00e4ren die Arbeiten Holzers kein &#8222;Gr\u00f6\u00dfenwahn&#8220;, sondern Sozialkritik.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/vg-bildkunst-grau-quer-1024x725.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5238\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf diese Formel hat sich die Kunstkritik inzwischen verst\u00e4ndigt. Man darf allerdings Zweifel hegen, ob die biedere Gesinnung, die die Bef\u00fcrworter von Jenny Holzers Kunst damit an den Tag legen, nicht ebenso an den Gegebenheiten vorbeigeht wie die ihrer Kritiker. So l\u00e4sst uns beispielsweise Vivien Trommer, die Kuratorin der Ausstellung im K21, wissen: &#8222;Sie hat ganz viele Generationen seit den siebziger Jahren ber\u00fchrt und immer wieder bewegt und zum Nachdenken angeregt. Zuletzt ist einer ihrer Truisms, f\u00fcr den sie eigentlich am bekanntesten ist, &#8218;Abuse of power comes as no surprise&#8216;, von der Me-Too-Bewegung wiederentdeckt worden. Das hei\u00dft, das, was sie in den siebziger Jahren geschaffen hat, ist eigentlich relevant bis heute.&#8220; Nicht besser wird es, wenn dieser Standpunkt verk\u00fcrzt wird: &#8222;Gesellschaftskritik als Hingucker&#8220; oder &#8222;Schicker Look, harter Inhalt&#8220; hei\u00dft es zum Beispiel bei &#8222;Titel Thesen Temperamente&#8220; am 19. M\u00e4rz.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In diesen Zuschreibungen ist das Bewusstsein, dass Holzer zumindest in ihren kurzen Botschaften ja eigentlich nur zitiert, v\u00f6llig abhanden gekommen. Andernorts, da, wo dieses Bewusstsein greifbar ist, wird behauptet, Holzer zitiere die Sprache der breaking news, der Werbung und der Massenmedien. Aber gerade die bekanntesten ihrer Spr\u00fcche kommen eben nicht aus einer dieser Quellen, sondern k\u00f6nnten aus einem Poesiealbum oder Haussegen stammen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Noch schwieriger wird die Zuordnung, wenn man sich mit den &#8222;Inflammatory Essays&#8220; befasst. Sie bestehen aus jeweils 100 W\u00f6rtern, die in jeweils 20 Zeilen arrangiert sind und auf farbige Papiere gedruckt werden. Auch die Typografie der Essays folgt einem klaren Programm: Verwendet wird die Univers von Adam Frutiger, wodurch den Botschaften eine Pr\u00e4gung strenger Klarheit verliehen wird. In <em>Art in America<\/em> schreibt Leah Pires dazu: &#8222;The concision and conviction of the language invites easy agreement\u2014a feeling that is quickly complicated by the contradictions that become apparent when the statements are read together.&#8220; Wieder werden Zitate verwendet, aber nun werden diese den Schriften von Revolution\u00e4ren, Anarchisten oder Diktatoren entnommen. Widerspr\u00fcche und Ungereimtheiten nimmt Holzer dabei billigend in Kauf.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default wp-block-gallery-2 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"725\" height=\"1024\" data-id=\"884\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/vg-bildkunst-grau-725x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-884\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/vg-bildkunst-grau-725x1024.jpg 725w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/vg-bildkunst-grau-212x300.jpg 212w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/vg-bildkunst-grau-768x1085.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/vg-bildkunst-grau-1087x1536.jpg 1087w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/vg-bildkunst-grau.jpg 1241w\" sizes=\"(max-width: 725px) 100vw, 725px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"725\" height=\"1024\" data-id=\"884\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/vg-bildkunst-grau-725x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-884\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/vg-bildkunst-grau-725x1024.jpg 725w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/vg-bildkunst-grau-212x300.jpg 212w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/vg-bildkunst-grau-768x1085.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/vg-bildkunst-grau-1087x1536.jpg 1087w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/vg-bildkunst-grau.jpg 1241w\" sizes=\"(max-width: 725px) 100vw, 725px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"725\" height=\"1024\" data-id=\"884\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/vg-bildkunst-grau-725x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-884\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/vg-bildkunst-grau-725x1024.jpg 725w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/vg-bildkunst-grau-212x300.jpg 212w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/vg-bildkunst-grau-768x1085.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/vg-bildkunst-grau-1087x1536.jpg 1087w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/vg-bildkunst-grau.jpg 1241w\" sizes=\"(max-width: 725px) 100vw, 725px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\">Die Ausstellung im K21 zeigt auch, integriert in die Plakatinstallation, mehrere Bilder der Graffiti-K\u00fcnstlerin Lady Pink, mit der Holzer zusammenarbeitet. Die Bilder entstanden teilweise auf der Basis von Fotos der Dokumentarfotografin Susan Meiselas.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Ausstellung im K21 gew\u00e4hrt einen weiteren Einblick in das Schaffen Holzers: In der Bel Etage des Hauses werden zwanzig der gro\u00dfformatigen &#8222;Redaction Paintings&#8220; gezeigt, einer Werkgruppe, die Holzer im Jahr 2005 begann und bis zum heutigen Tag fortsetzt. &#8222;Redaction&#8220; weist hier nicht so sehr auf die Bearbeitung des Materials durch die K\u00fcnstlerin hin, sondern vielmehr auf die Tatsache, dass es sich um die Wiedergabe von Dokumenten der Regierung der Vereinigten Staaten handelt, die vor ihrer Freigabe teilweise eingeschw\u00e4rzt wurden, um diese Teile unkenntlich bzw. unleserlich zu machen. Auch hier arbeitet Holzer mit reduzierten Mitteln \u2013 einerseits zeigt die starke Vergr\u00f6\u00dferung Wirkung, andererseits appliziert Holzer die Dokumente und Grafiken auf metallische Untergr\u00fcnde, was die groteske Wirkung der Arbeiten verst\u00e4rkt: Kaum jemand, der diese Werkgruppe beschreibt, verzichtet auf den Hinweis, dass sich einige der genutzten Grafiken, wahrscheinlich ursp\u00fcnglich Teil einer Powerpoint-Pr\u00e4sentation, durch eine ausgepr\u00e4gte Vereinfachung der dargestellten Sachverhalte auszeichnen. Dies erkl\u00e4rt sich durch die ihnen urspr\u00fcnglich zugedachte Verwendung: Es hei\u00dft, sie dienten der Information des amerikanischen Pr\u00e4sidenten George W. Bush \u00fcber die amerikanischen Kriegsziele im Irak.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und dann noch dies: In der Mitte der Ausstellungsr\u00e4ume der Bel Etage findet sich eine Installation mit dem Titel &#8222;Lustmord&#8220;. Sie besteht aus angeh\u00e4uften echten (sic!) menschlichen Knochen. Einige der Knochen sind mit Silberringen verziert, auf die wiederum Botschaften eingraviert wurden. Die Installation entstand als Reaktion auf Gewalttaten im Bosnien-Krieg.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">&#8222;The Medium is the message&#8220;<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In einem Beitrag des Kunstforums mit dem auf Holzer Bezug nehmenden Titel &#8222;Protect me from what I want&#8220;, in dem es um &#8222;Bild-Text-Strategien in Plakat, Collage und Meme&#8220; geht, erkennt man in der Gegen\u00fcberstellung, zum Beispiel mit Arbeiten von Rauschenberg, Kippenberger und Dahn, dass Holzer in ihren Arbeiten genau das vermeidet, was die Autorin Rosa Windt als &#8222;Charakter des Improvisatorischen und Individuellen&#8220; betrachtet. Windt stellt damit klar, dass es nicht um die Herausstellung einer wie auch immer sich gestaltenden Autorit\u00e4t durch Autorschaft geht. Das scheint sich, auf den ersten Blick, ganz gut in das Bild einzuf\u00fcgen, das die K\u00fcnstlerin von sich selbst entwirft. \u00dcber ihre k\u00fcnstlerischen Absichten hat Jenny Holzer selbst einmal gesagt: &#8222;When people come by I want them to think about the content. I don&#8217;t want them to wonder wether it&#8217;s art, much less good or bad art. I want them to think about the subject matter.&#8220; Ganz in diesem Sinne meint ihre D\u00fcsseldorfer Kuratorin: &#8222;Die Ausstellung wird zu einem politischen Ort.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man darf sich dennoch fragen, ob sich Holzers Absicht, ihr Publikum dazu zu bewegen, Abstand von \u00e4sthetischen Fragestellungen zu nehmen und sich stattdessen vom Inhalt ihrer Botschaften ansprechen, ja vielleicht sogar zu Kritik oder Widerstand bewegen zu lassen, mehr als nur frommes Wunschdenken ist. Der Bosnien-Krieg liegt, zum Zeitpunkt der Anh\u00e4ufung der Knochen im K21, bereits Jahre zur\u00fcck. Und nat\u00fcrlich ist es unwahrscheinlich, dass sich Bef\u00fcrworter von Kriegshandlungen (sofern es \u00fcberhaupt einen Grund f\u00fcr die Annahme gibt, dass sie Ausstellungen zeitgen\u00f6ssischer Kunst besuchen), von den Werken Jenny Holzers inspirieren lassen, ihre Position zu revidieren. Wer dennoch die inhaltlichen Aspekte der Botschaften Holzers in den Vordergrund r\u00fcckt, l\u00e4uft in Gefahr, andere Aspekte zu vernachl\u00e4ssigen. So hat Saskia Trebing bereits anl\u00e4sslich des 70. Geburtstags der K\u00fcnstlerin davor gewarnt, dass die Versuchung, Holzers Arbeiten auf ihre textliche Ebene zu reduzieren, die Gefahr mit sich bringe, die &#8222;formale Komplexit\u00e4t ihres riesigen Werkes&#8220; zu \u00fcbersehen. Dabei kann eigentlich nicht bezweifelt werden, dass Holzers k\u00fcnstlerisches Interesse eben nicht nur dem Inhalt ihrer Botschaften, sondern auch ihrer Verbreitung gilt. Denn dadurch, dass sie die Kan\u00e4le kommerzieller Kommunikation in ihren technischen Spielarten isolierend freilegt, entsteht eine k\u00fcnstlerische Anatomie der Massenkommunikation. Die wiederum kann man ganz sicher auch politisch interpretieren. Und man kann darin die eigentliche k\u00fcnstlerische Leistung Jenny Holzers sehen. Abgesehen davon, dass sie der Stra\u00dfenk\u00fcnstlerin, einer K\u00fcnstlerin also, die nach wie vor die Stra\u00dfe als Distributionsweg f\u00fcr ihre Kunst nutzt, bis zum heutigen Tag treu geblieben ist.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jenny Holzer im K21, D\u00fcsseldorf, 11.03. bis 06.08.2023. Jenny Holzer hat sich seit dem Beginn ihrer Laufbahn in New York, zwischen 1977 und 1979, mit sprachlichen Botschaften besch\u00e4ftigt, die sie in knappe textliche Form fasst und als &#8222;Truisms&#8220; bezeichnet. Binsenweisheiten oder Gemeinpl\u00e4tze also. 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