{"id":2257,"date":"2023-08-13T21:46:19","date_gmt":"2023-08-13T19:46:19","guid":{"rendered":"https:\/\/on-art.news\/?p=3066"},"modified":"2026-08-14T22:00:02","modified_gmt":"2026-08-14T20:00:02","slug":"kuenstlerinnenkolonie-auf-zeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/on-art.news\/en\/2023\/08\/13\/kuenstlerinnenkolonie-auf-zeit\/","title":{"rendered":"K\u00fcnstler:innenkolonie auf Zeit"},"content":{"rendered":"<h3 class=\"wp-block-heading\">Zu Besuch im <em>Mecklenburgischen K\u00fcnstlerhaus Schloss Pl\u00fcschow<\/em>.<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es war einige Jahre vor der Wende, als der K\u00fcnstler Udo Rathke das Gutshaus <em>Schloss Pl\u00fcschow<\/em> im gleichnamigen Ort in Mecklenburg entdeckte und bald darauf dort zu leben und zu arbeiten begann. Miro Zahra, die wie Rathke in den 1980er-Jahren an der <em>Kunsthochschule Berlin-Wei\u00dfensee<\/em> studierte, erfuhr von diesem Gutshaus und auch, dass dort eine funktionierende Lithografie-Presse stand \u2013 inmitten der Deutschen Demokratischen Republik nicht nur ein Werkzeug f\u00fcr Kunstdrucke, sondern auch, um etwa systemkritische Texte zu reproduzieren. Zusammen mit weiteren Berliner Kommiliton:innen fuhr Zahra mit dem Zug nach Pl\u00fcschow, begab sich auf den Fu\u00dfweg durch den Wald zum Schloss \u2013 und blieb.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" data-id=\"476\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/DSCF7680-1_2048px-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-476\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/DSCF7680-1_2048px-768x1024.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/DSCF7680-1_2048px-225x300.jpg 225w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/DSCF7680-1_2048px-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/DSCF7680-1_2048px.jpg 1536w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" data-id=\"477\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/DSCF7969-1_2048px-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-477\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/DSCF7969-1_2048px-768x1024.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/DSCF7969-1_2048px-225x300.jpg 225w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/DSCF7969-1_2048px-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/DSCF7969-1_2048px.jpg 1536w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" data-id=\"475\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/DSCF8510-1_2048px-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-475\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/DSCF8510-1_2048px-768x1024.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/DSCF8510-1_2048px-225x300.jpg 225w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/DSCF8510-1_2048px-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/DSCF8510-1_2048px.jpg 1536w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\"><strong>Links<\/strong>: Julia Pietschmann beim Zeichnen. <strong>Middle<\/strong>: Friederike Haug, Ausstellungsansicht. <strong>Right<\/strong>: Lucila Pacheco Dehne beim Ausstellungsaufbau. Alle Fotos: Stephan Lucius Lemke<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Erste K\u00fcnstlerateliers entstanden nun nach und nach in dem Geb\u00e4ude, das 1763 durch den Hamburger Kaufmann Phillip Heinrich von Stenglin erbaut worden war und das dann \u00fcber ein Jahrhundert in den Besitz der gro\u00dfherzoglichen Familie des mecklenburgischen Erbprinzen Friedrich Ludwig \u00fcberging. Wie so viele Herrenh\u00e4user wurde auch dieses Haus nach 1945 \u2013 nach der als Bodenreform bezeichneten Enteignung von Grundbesitzern in der sowjetischen Besatzungszone \u2013 f\u00fcr andere Funktionen genutzt (etwa als Unterkunftsst\u00e4tte oder zu Zwecken des allt\u00e4glichen und kommunalen Bedarfs), und mit ihnen unterlag auch Schloss Pl\u00fcschow in seiner Substanz sukzessiven Zerst\u00f6rungsprozessen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Entscheidung, von Ost-Berlin aufs mecklenburgische Land \u00fcberzusiedeln, bedeutete f\u00fcr Udo Rathke und Miro Zahra und weitere befreundete K\u00fcnstler:innen in der Zeit der DDR einen Schritt in die Freiheit. 1988 richteten Rathke und Zahra mit <em>Nordwest<\/em> die erste Ausstellung auf Schloss Pl\u00fcschow aus. Es sollte ein Auftakt sein f\u00fcr die Gr\u00fcndung eines K\u00fcnstlerhauses, das seit 1990 die einzig freie Institution f\u00fcr K\u00fcnstlerf\u00f6rderung in Mecklenburg-Vorpommern darstellt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit der Vereinsgr\u00fcndung des <em>F\u00f6rderkreises Schloss Pl\u00fcschow <\/em>im deutsch-deutschen Wiedervereinigungsjahr nahm auch der Sanierungsprozess des Hauses seinen Anfang, aber von Beginn an war das K\u00fcnstlerhaus &#8222;ein weltoffener Ort zum Arbeiten mit dem Ziel, Arbeitsr\u00e4ume f\u00fcr K\u00fcnstler:innen zu schaffen&#8220;, wie Miro Zahra berichtet. So wurden gleichzeitig die Bausubstanz des Gutshauses erhalten oder wiederhergestellt sowie einfach ausgestattete Atelierr\u00e4ume zum tempor\u00e4ren Einmieten angeboten und Residenzstipendien f\u00fcr K\u00fcnstler:innen aus der ganzen Welt ausgeschrieben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;F\u00fcr uns ist es von Anfang an wichtig gewesen, alles offen zu halten: das Haus mit seinen f\u00fcnf gro\u00dfen Wohnateliers und der Ausstellungsfl\u00e4che im Erdgeschoss, aber auch die M\u00f6glichkeit, einen Ort f\u00fcr Gespr\u00e4che der hier im Haus arbeitenden K\u00fcnstler:innen untereinander sowie mit den Menschen dieser Region zu schaffen. Auch international sind wir von Beginn an mit weiteren K\u00fcnstlerh\u00e4usern vernetzt, bieten Austauschprogramme in Form von Reisestipendien an. Seit einigen Jahren richten wir sogar den <em>Nachwuchskunstpreis f\u00fcr Bildende Kunst in Mecklenburg-Vorpommern<\/em> aus. Kunst bietet eine M\u00f6glichkeit zur Kommunikation zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft, Sprache und Kultur. Wir haben uns deshalb der zeitgen\u00f6ssischen Bildenden Kunst verschrieben, und da gibt es keine Kompromisse. Wir m\u00f6chten Raum zum Denken geben&#8220;, erz\u00e4hlt die Leiterin des K\u00fcnstlerhauses, Miro Zahra. J\u00e4hrlich werden seit der Gr\u00fcndungszeit des K\u00fcnstlerhauses so bis zu f\u00fcnf Aufenthaltsstipendien vergeben, die in der stillen Winterzeit zwischen Oktober und Dezember auf Schloss Pl\u00fcschow verbracht werden k\u00f6nnen. Alle zwei Jahre im Sommer findet eine Ausstellung statt, die dann die Arbeiten der K\u00fcnstler:innen zweier Stipendienjahrg\u00e4nge vorstellt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Deine Spuren sind der Weg \u2013 Kunst als Prozess<\/em> lautet der Titel jener Pr\u00e4sentation, die zurzeit Werke der Stipendiatinnen der Jahre 2021 und 2022 vereint. In diesem Sommer sind Arbeiten von Karina Kueffner, Sasha Koura, Javkhlan Ariunbold, Lucrezia Zanardi, Taeeun Kim, Hee Seo, Julia Pietschmann, Friederike Haug, Lucila Pacheco Dehne und Cecilia Cissi Hultman zu sehen, die im Rahmen der Ausstellungser\u00f6ffnung Anlass f\u00fcr Gespr\u00e4che mit den K\u00fcnstlerinnen boten. In diesen Gespr\u00e4chen ging ich der Frage nach, wie die K\u00fcnstler:innen die drei Monate in dem Gutshaus und der l\u00e4ndlichen Region erlebten und welche Erfahrungswerte sich dadurch f\u00fcr sie und f\u00fcr ihre Arbeit zwischen Stadt und Land ergaben.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Gro\u00dfz\u00fcgige Ateliers, weitl\u00e4ufige Natur<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Landschaft ist weitl\u00e4ufig; der Weg zum K\u00fcnstlerhaus f\u00fchrt mit dem Auto durch Felder \u00fcber verwinkelte Abzweigungen auf die Allee zum Gutshaus \u2013 oder aber vom eingleisigen Bahnhof Pl\u00fcschow aus zu Fu\u00df durch einen verwunschenen Wald mit m\u00e4chtigen und uralten B\u00e4umen \u00fcber eine Br\u00fccke zum Schloss, von wo aus man auch schon bald die r\u00fcckseitig ans Geb\u00e4ude anschlie\u00dfende Veranda erblickt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-2 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"753\" height=\"1024\" data-id=\"479\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/DSCF8140-1_2048px-ausschnitt-753x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-479\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/DSCF8140-1_2048px-ausschnitt-753x1024.jpg 753w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/DSCF8140-1_2048px-ausschnitt-221x300.jpg 221w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/DSCF8140-1_2048px-ausschnitt-768x1044.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/DSCF8140-1_2048px-ausschnitt.jpg 1004w\" sizes=\"(max-width: 753px) 100vw, 753px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" data-id=\"478\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/DSCF7515-1_2048px-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-478\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/DSCF7515-1_2048px-768x1024.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/DSCF7515-1_2048px-225x300.jpg 225w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/DSCF7515-1_2048px-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/DSCF7515-1_2048px.jpg 1536w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" data-id=\"480\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/DSCF7893-1_2048px-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-480\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/DSCF7893-1_2048px-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/DSCF7893-1_2048px-300x225.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/DSCF7893-1_2048px-768x576.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/DSCF7893-1_2048px-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/DSCF7893-1_2048px.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\">Links: Hee Seo. Mitte: Karin Kueffner, Blue Wave, 2023, Ausstellungsansicht. Rechts: Sasha Koura im Gespr\u00e4ch: Fotos: Stephan Lucius Lemke<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dass sich Schloss Pl\u00fcschow in einem repr\u00e4sentativen und vor allem nutzbaren Zustand befindet, ist dem Engagement von Udo Rathke und Miro Zahra zu verdanken. &#8222;Viel ist in diesem Gutshaus schon passiert, es hat eine enorme Geschichte&#8220;, sagt Friederike Haug (1987 geboren in Dieburg). &#8222;Deshalb stelle ich meine Arbeiten bewusst in jenen R\u00e4umlichkeiten im Erdgeschoss aus, die von dieser Geschichte erz\u00e4hlen. Das Haus ist ein soziales Gebilde: Nach dem Zweiten Weltkrieg lebten hier Geflohene, es war eine Poststation, eine Kneipe \u2013 eine Frau lebte gar bis vor wenigen Jahren, also parallel zum Aufbau des K\u00fcnstlerhauses, noch genau in diesen R\u00e4umen, wo jetzt die permanent gezeigte Ausstellung zur Historie von Schloss Pl\u00fcschow zu sehen ist.&#8220; Die in D\u00fcsseldorf lebende K\u00fcnstlerin sitzt direkt neben dem historischen Ziffernblatt der ehemaligen Schlossuhr, w\u00e4hrend wir miteinander sprechen. Sie sagt: &#8222;Meine Holzschnitte und Soundarbeiten setze ich in einen Dialog zu Objekten wie diesen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">An den historischen Ausstellungsraum, in dem zum Beispiel eine der noch erhaltenen Stofftapeten aus der Zeit des Friedrich Ludwigs und seiner Gemahlin Helena zu sehen ist, schlie\u00dft sich die Ausstellungsfl\u00e4che f\u00fcr die zeitgen\u00f6ssische Kunst an. Doch erschlie\u00dft sich dieses Mal die Kunst der Stipendiatinnen auch \u00fcber das beeindruckende Treppenhaus mit Rokokostuck an den Decken, hinauf bis unters Dach in eines der Ateliers. Die Wohnateliers sind einfach eingerichtet und gro\u00dfz\u00fcgig geschnitten. Sie liegen gr\u00f6\u00dftenteils in der repr\u00e4sentativen mittleren Etage des Hauses. Je zwei sind durch ein gemeinsames Badezimmer miteinander verbunden, aber jeweils mit einer eigenen K\u00fcche ausgestattet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Derart viel Platz zum Arbeiten zu haben hat mich total ermutigt, das Gro\u00dfformat in meinen Kohlezeichnungen anzugehen \u2013 ein echter Quantensprung f\u00fcr meine Arbeit&#8220;, erz\u00e4hlt die in Berlin lebende Julia Pietschmann(1987 geboren in Neubrandenburg). &#8222;Mittlerweile habe ich ein gr\u00f6\u00dferes Atelier in Berlin gefunden, was ja bekanntlich nicht sehr leicht ist. Den Entschluss, gro\u00dfformatig zu arbeiten, habe ich auf Schloss Pl\u00fcschow gefasst. Viel war ich auch in der umherliegenden Landschaft mit dem Auto unterwegs, am See, an der Ostsee, habe das Gesehene in meine Zeichnungen, die sich mit dem Sujet Landschaft befassen, einflie\u00dfen lassen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die 1988 in Seoul geborene Hee Seo, die das Stipendium zwischen einem Studienortswechsel von Braunschweig nach Berlin erhielt, f\u00fchrten die Gr\u00f6\u00dfe und Freiz\u00fcgigkeit der Ateliers auch zu einer inhaltlichen Auseinandersetzung mit Raum: &#8222;Ich habe sehr viel \u00fcber Raum als solchen, \u00fcber das Tempor\u00e4re nachgedacht. Hier erweiterte ich meine Arbeitsweise vom Objekt zum Raum, zur Installation. Auch war der Naturraum f\u00fcr mich entscheidend. In Korea, wo ich geboren bin, war ich ein Stadtmensch. Die Ruhe hier auf dem Land habe ich sehr genossen, vor allem, um unmittelbar und konzentriert Ideen umzusetzen, um tief zu denken.&#8220; Pietschmann stimmt ihr zu: &#8222;Auch ich mag die Ruhe, diese Konzentration in der Abgeschiedenheit. Orte oder Residenzen wie diese suche ich deshalb gezielt.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die in Hannover lebende Lucila Pacheco Dehne(1994 geboren in Berlin) erg\u00e4nzt: &#8222;Das nahe gelegene Meer zu erleben oder Felder, wo Leben entsteht und w\u00e4chst \u2013 das sind wirkliche Vorteile f\u00fcr meine Skulpturen und Videoinstallationen. Sehr wertvoll war f\u00fcr mich, dass dieses Stipendium erm\u00f6glicht, Neues ausprobieren. Es gibt Raum zum Forschen. Das sind die wertvollsten Momente, die man als K\u00fcnstler*in hat.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-3 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" data-id=\"483\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/DSCF8643-1_2048px-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-483\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/DSCF8643-1_2048px-768x1024.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/DSCF8643-1_2048px-225x300.jpg 225w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/DSCF8643-1_2048px-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/DSCF8643-1_2048px.jpg 1536w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" data-id=\"484\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/DSCF8593-1_2048px-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-484\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/DSCF8593-1_2048px-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/DSCF8593-1_2048px-300x225.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/DSCF8593-1_2048px-768x576.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/DSCF8593-1_2048px-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/DSCF8593-1_2048px.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" data-id=\"485\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/DSCF7950-1_2048px-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-485\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/DSCF7950-1_2048px-768x1024.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/DSCF7950-1_2048px-225x300.jpg 225w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/DSCF7950-1_2048px-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/DSCF7950-1_2048px.jpg 1536w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\"><strong>Links<\/strong>: Cecilia Cissi Hultman, die klarheit, 2023, Ausstellungsansicht. <strong>Middle<\/strong>: R\u00fcckfront des Schlosses. <strong>Right<\/strong>: Innenansicht Schloss Pl\u00fcschow. Fotos: Stephan Lucius Lemke<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Formen des Miteinanders<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In meinen Gespr\u00e4chen mit den K\u00fcnstlerinnen wird zunehmend deutlich, dass es nicht nur die Erfahrung des Atelierraumes zum individuellen Arbeiten ist, die sie sch\u00e4tzen, sondern auch den gemeinschaftlich erfahrbaren wie auch geschaffenen Raum. Denn dadurch, dass pro Jahr nur wenige Stipendien vergeben werden, sind die Gruppen klein, und so ergeben sich leichter M\u00f6glichkeiten, miteinander in die Auseinandersetzung \u00fcber die jeweilige k\u00fcnstlerische Arbeit zu gehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Sasha, Taeeun, Javkhlan, Karina und ich haben das Residenzstipendium w\u00e4hrend der Pandemie absolviert&#8220;, erz\u00e4hlt Lucrezia Zanardi (1994 geboren in Bologna). &#8222;Seit Sommer 2020 besch\u00e4ftige ich mich in meiner k\u00fcnstlerischen und wissenschaftlichen Arbeit mit dem Edith-Stein-Archiv in K\u00f6ln. W\u00e4hrend der Pandemie und dem Lockdown war es f\u00fcr mich \u2013 wie f\u00fcr viele andere \u2013 sehr schwer, im Archiv oder \u00fcberhaupt in \u00f6ffentlichen R\u00e4umen arbeiten zu k\u00f6nnen. Dieses Residenzstipendium bot mir zu dieser Zeit deshalb die M\u00f6glichkeit, mit den von mir zusammengetragenen Materialien in einem wirklichen Freiraum arbeiten zu k\u00f6nnen, zu forschen, Ideen weiterzuentwickeln, vor allem auch mit den anderen Stipendiatinnen in Austausch zu gehen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sasha Koura (1970 geboren in London) bekr\u00e4ftigt: &#8222;Ich habe es sehr gesch\u00e4tzt, Teil dieser K\u00fcnstlerinnenkolonie auf Zeit zu sein. Aus dem Austausch untereinander habe ich viel gelernt. Doch habe ich an diesem Ort auch Widerspr\u00fcche gesp\u00fcrt: Alles geht langsam und schnell, alles ist tempor\u00e4r und permanent. Genau das hat mich in der Umsetzung meiner Projektidee best\u00e4rkt, mit der ich nach Pl\u00fcschow gekommen war. Ich verwende Materialien, die Teil eines Kreislaufes sind, haupts\u00e4chlich Papier und B\u00fccher. Die hier entstandene Edition <em>&#8230;of silence and slow time<\/em> (2021\u20132023) soll durch verschiedene Bildkarten die sie Betrachtenden inspirieren, selbst eine \u00e4hnliche Praxis des nachhaltigen Verwertens zu entwickeln.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">An einem der Fenster im Ausstellungsbereich ist die Schriftbildarbeit <em>die klarheit <\/em>(2023) von Cecilia Cissi Hultman (1985 geboren in Sundsvall) in Relation zur Architektur angebracht. Erst durch den Lichteinfall der fr\u00fchabendlichen Sonne scheint die spiegelverkehrte Schrift auf dem Fensterbrett von Schloss Pl\u00fcschow lesbar auf. Fragil im Entstehen, doch pr\u00e4gnant in der Ausformulierung vergegenw\u00e4rtigt sie sinnbildlich, was auch aus dem Austausch der Residenzk\u00fcnstlerinnen hervorgegangen und entstanden ist.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1365\" height=\"854\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/DSCF8463-1_2048px-edited.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-488\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/DSCF8463-1_2048px-edited.jpg 1365w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/DSCF8463-1_2048px-edited-300x188.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/DSCF8463-1_2048px-edited-1024x641.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/DSCF8463-1_2048px-edited-768x480.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1365px) 100vw, 1365px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Lucila Pacheco Dehne, Companion 31, 2023, Silikon. Foto: Stephan Lucius Lemke<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Eine andere Verbindlichkeit<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Gespr\u00e4che f\u00fchren wir auch nach der Ausstellungser\u00f6ffnung fort. Etwa dar\u00fcber, welche Spannungsfelder entstehen, wenn man als Stadtmensch in Pl\u00fcschow erf\u00e4hrt, dass nur einmal in der Stunde ein Zug in den n\u00e4chsten Ort f\u00e4hrt, wo man Lebensmittel einkaufen kann. Dass man sich im Alltag anders, ja verbindlicher organisieren muss. &#8222;Das hat viel mit einer Haltung zu tun&#8220;, bemerkt Lucila Pacheco Dehne.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Udo Rathke, den geb\u00fcrtigen Mecklenburger, und Miro Zahra, die aus Prag stammt, aber ihre Kindheit auf dem Land in B\u00f6hmen verbrachte, stellte sich als K\u00fcnstlerin und K\u00fcnstler, die seit nunmehr Jahrzehnten grenz\u00fcberschreitend agieren, nicht die dichotomische Frage, ob sie in der Stadt oder auf dem Land leben wollten. Sie beabsichtigten \u2013 und haben \u2013 einen weltoffenen Ort f\u00fcr die Kunst geschaffen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir sitzen bis sp\u00e4t in den Abend im weitl\u00e4ufigen Garten des K\u00fcnstlerhauses. In den Gespr\u00e4chspausen bemerke ich, wie still es hier im Freien ist, und man versteht intuitiv, was sich Miro Zahra und Udo Rathke unter diesem Raum zum Denken vorstellen. Es verwundert daher auch keineswegs, dass das Mecklenburgische K\u00fcnstlerhaus Schloss Pl\u00fcschow k\u00fcrzlich f\u00fcr den <em>ADKV-ART COLOGNE Preis f\u00fcr Kunstvereine<\/em> nominiert worden ist.<\/p>\n\n\n\n<hr style=\"--wb-separator-margin-top:0px;--wb-separator-margin-bottom:0px\" class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Deine Spuren sind der Weg \u2013 Kunst als Prozess<\/em>, Stipendiatinnen der Jahre 2021 und 2022, Mecklenburgisches K\u00fcnstlerhaus Schloss Pl\u00fcschow, Pl\u00fcschow, 9. Juli bis 20. August 2023.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Weitere Beitr\u00e4ge aus der Reihe &#8222;Provinz oder Metropole&#8220;:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/on-art.news\/en\/2023\/02\/09\/was-ich-hier-schon-immer-und-von-anfang-an-mache-ist-fotografieren\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">&#8222;Was ich hier schon immer und von Anfang an mache, ist Fotografieren!&#8220;<\/a>: Anne Schwalbe in Werben an der Elbe. Die in Berlin geborene K\u00fcnstlerin Anne Schwalbe f\u00e4hrt seit 20 Jahren nach Werben und fotografiert Landschaften, die Elbe, die sie umgebende Natur, G\u00e4rten. Vor einigen Jahren kaufte sie sich in der kleinsten Hansestadt an der Elbe ein etwa 200 Jahre altes Pfarrwitwenhaus, das sie saniert und von dem\u2026<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/on-art.news\/en\/2023\/07\/06\/restare-in-movimento\/\">Restare in movimento<\/a>: Christiane L\u00f6hr lebt in einem Weiler in der n\u00f6rdlichen Toskana. Dass Christiane L\u00f6hr in Prato lebt, war meine feste \u00dcberzeugung, seit wir uns kennen. Prato, Gro\u00dfstadt im Nordwesten von Florenz, war fr\u00fcher eines der Zentren der italienischen Textilindustrie. Deren Reste werden heute von mehr als zwanzigtausend Exilchinesen, die hier nach Paris und Mailand die drittgr\u00f6\u00dfte\u2026<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/on-art.news\/en\/2023\/10\/29\/ich-kann-nicht-in-grenzen-denken-sondern-in-moeglichkeiten\/\">&#8222;Ich kann nicht in Grenzen denken, sondern in M\u00f6glichkeiten&#8220;<\/a>: Zu Besuch bei Tilo Schulz in der Uckermark Es war im Jahr 2015, als der K\u00fcnstler Tilo Schulz und seine Frau Sarah Johann, die Taschendesignerin ist und ihr eigenes Label f\u00fchrt, erstmals von Berlin in das Dorf Sch\u00f6nermark in der Uckermark fuhren. Ein Freund von ihnen hatte dort gerade ein Haus gekauft, ein Bekannter, ein\u2026<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zu Besuch im Mecklenburgischen K\u00fcnstlerhaus Schloss Pl\u00fcschow. Es war einige Jahre vor der Wende, als der K\u00fcnstler Udo Rathke das Gutshaus Schloss Pl\u00fcschow im gleichnamigen Ort in Mecklenburg entdeckte und bald darauf dort zu leben und zu arbeiten begann. Miro Zahra, die wie Rathke in den 1980er-Jahren an der Kunsthochschule Berlin-Wei\u00dfensee studierte, erfuhr von diesem [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":482,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"inline_featured_image":false,"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[251,271,508,621,691,726,743,767,897,898,1171,1264,1273,1359],"autor":[1631],"class_list":["post-2257","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-features","tag-cecilia-cissi-hultman","tag-christina-irrgang","tag-friederike-haug","tag-hee-seo","tag-javkhlan-ariunbold","tag-julia-pietschmann","tag-karina-kueffner","tag-kuenstlerhaus","tag-lucila-pacheco-dehne","tag-lucrezia-zanardi","tag-provinz-oder-metropole-2","tag-sasha-koura","tag-schloss-plueschow","tag-taeeun-kim","autor-christina-irrgang"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.6 - 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