{"id":2272,"date":"2024-02-18T14:52:33","date_gmt":"2024-02-18T12:52:33","guid":{"rendered":"https:\/\/on-art.news\/?p=4416"},"modified":"2026-08-14T22:00:02","modified_gmt":"2026-08-14T20:00:02","slug":"abstraktion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/on-art.news\/en\/2024\/02\/18\/abstraktion\/","title":{"rendered":"Abstraktion?"},"content":{"rendered":"<h3 class=\"wp-block-heading\">Sarah Morris, All Systems Fail \u2013 bis zum 10. M\u00e4rz zu sehen in den Kunstmuseen Krefeld.<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn man die Krefelder Innenstadt durchstreift, beschleicht einen nach und nach das Gef\u00fchl, dass das Gesch\u00e4ftsleben zwischen West- und Ostwall schon bessere Tage gesehen hat. Insofern gleicht das Bild des Krefelder Stadtzentrums dem vieler anderer Gro\u00dfst\u00e4dte im Rhein-Ruhr-Gebiet. Sollte man dann in die s\u00fcdlich des Stadtwaldes gelegenen Viertel der Stadt weiterspazieren und schlie\u00dflich in die Wilhelmshofallee einbiegen, ist man hingegen versucht zu glauben, die hier seinerzeit bl\u00fchende Textilindustrie w\u00e4re niemals abgewandert. Die Stra\u00dfen sind breit, die Grundst\u00fccke weitl\u00e4ufig und die auf ihnen platzierten freistehenden H\u00e4user zeugen von Wohlstand wie auch von Kunstsinn, und das nicht erst, wenn man schlie\u00dflich die beiden geschwisterlichen Mies-van-der-Rohe-Bauten &#8222;Haus Lange&#8220; und &#8222;Haus Esters&#8220; erreicht hat.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Quadratmeter<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nur wenige Anzeichen verraten, worum es hier in diesen Februartagen geht. Unter dem Titel <em>All Systems Fail<\/em> werden Werke der englisch-amerikanischen K\u00fcnstlerin Sarah Morris gezeigt. Und zwar in beiden H\u00e4usern, denn die Ausstellung kommt aus den Hamburger Deichtorhallen \u2013 da ist viel Platz. Und auch in Bern und Stuttgart, wohin die Show im Anschluss an die Station in Krefeld weiterziehen wird, ist es sicher etwas ger\u00e4umiger als in den beiden urspr\u00fcnglich als &#8222;Landh\u00e4user&#8220; geplanten fr\u00fcheren Privatbauten der befreundeten Seidenindustriellen Hermann Lange und Josef Esters.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zwar lassen diese H\u00e4user an Gro\u00dfz\u00fcgigkeit nichts vermissen, doch listet der Katalog, allein was die &#8222;Paintings&#8220; betrifft, mehr als sechzig Positionen, die nun auch hier gezeigt werden wollen. Dass einige der Filme der K\u00fcnstlerin nicht in der Wilhelmshofallee, sondern im Kaiser-Wilhelm-Museum am Joseph-Beuys-Platz gezeigt werden, mag man als unbequeme F\u00fcgung, genauso gut aber auch als gl\u00fcckliche Gelegenheit betrachten, auch den Hauptsitz der Krefelder Kunstmuseen mal wieder zu betreten und in die Stippvisite einzubeziehen. Das lohnt sich allemal.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Netzwerke<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sarah Morris ist, wenn man sich ihren Ausbildungsweg anschaut, gelernte Semiotikerin. Sie kennt sich aus mit Zeichen und ihren Interdependenzen. Schon als Studentin zeigt sie Mut und Selbstbewusstsein: \u00dcber eine Publikation, die sie herausgibt, kn\u00fcpft sie Kontakte zu K\u00fcnstlern wie Jeff Koons und Kunsttheoretikern wie Hal Foster. Beide Kontakte erweisen sich als wichtig f\u00fcr Ihre weitere Entwicklung. Sie nimmt auf Anraten von Hal Foster am <em>Independent Study Program<\/em> des Whitney Museums teil, bei dem es unter Anderem um k\u00fcnstlerische Praxis geht. Noch im selben Jahr wird sie Jeff Koons Assistentin und lernt so ein St\u00fcck weit den New Yorker Kunstbetrieb kennen. Kurze Zeit sp\u00e4ter ist es so weit: Sie bezieht ihr erstes &#8222;richtiges&#8220; Atelier in der 42. Stra\u00dfe in Midtown, Manhattan (&#8222;the first proper studio I had &#8230;&#8220; hei\u00dft im Katalog zur Ausstellung in dem Gespr\u00e4ch, dass der Autor Christopher Bollen mit der K\u00fcnstlerin f\u00fchrte).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man k\u00f6nnte sagen, Sarah Morris ist nun mitten drin im Nervenzentrum des Kunstbetriebs der 1990er Jahre. Es geht aber nicht nur um Networking, die Verbindungen zu anderen K\u00fcnstlern, sondern zugleich auch um ihre unmittelbare, allt\u00e4gliche Umgebung, die ihr direkte Impulse liefert. Gro\u00dfformatige typografische Arbeiten (&#8222;text paintings&#8220; hei\u00dft in dem bereits erw\u00e4hnten Interview) entstehen nun. In ihrer Strenge und Klarheit markieren sie die Quintessenz dessen, was ihr auf Werbe- und Hinweistafeln in den Stra\u00dfen der Nachbarschaft begegnet. Direkt im Eingangsbereich der Ausstellung in Krefeld sind zwei dieser Bilder, &#8222;Nothing&#8220; (1995) und &#8222;Liar&#8220; (1995) zu sehen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large w3\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"668\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/sarah-morris-nothing-1995-foto-re-book-kommunikation-1024x668.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-732\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/sarah-morris-nothing-1995-foto-re-book-kommunikation-1024x668.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/sarah-morris-nothing-1995-foto-re-book-kommunikation-300x196.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/sarah-morris-nothing-1995-foto-re-book-kommunikation-768x501.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/sarah-morris-nothing-1995-foto-re-book-kommunikation-1536x1001.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/sarah-morris-nothing-1995-foto-re-book-kommunikation-2048x1335.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Sarah Morris, Nothing, 1995. Lackfarbe auf Leinwand, 152 x 254 cm. Foto: re-book kommunikation.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large w3\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"661\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/sarah-morris-liar-1995-foto-hehl-kunstmuseen-krefeld-1024x661.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-733\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/sarah-morris-liar-1995-foto-hehl-kunstmuseen-krefeld-1024x661.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/sarah-morris-liar-1995-foto-hehl-kunstmuseen-krefeld-300x194.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/sarah-morris-liar-1995-foto-hehl-kunstmuseen-krefeld-768x496.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/sarah-morris-liar-1995-foto-hehl-kunstmuseen-krefeld-1536x991.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/sarah-morris-liar-1995-foto-hehl-kunstmuseen-krefeld-2048x1322.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Sarah Morris, Liar, 1995. Lackfarbe auf Leinwand, 152,4 x 243,8 cm. Foto: Hehl, Krefelder Kunstmuseen.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber auch einfache figurative Bildmotive, die ihre Herkunft aus der Welt der Werbung nicht verleugnen, wandern befreit von ihrer werblichen Funktion auf ihre Leinwand und zeigen dort ihren zeichenhaften Wesenskern. F\u00fcr Sarah Morris\u2019 Farbgebung ist nicht der Pantone-, sondern eher der RAL-F\u00e4cher ma\u00dfgeblich, denn sie verwendet ausschlie\u00dflich Farben, wie sie f\u00fcr gewerbliche und industrielle Zwecke hergestellt werden und in jedem Baumarkt erworben werden k\u00f6nnen. Ihr Einsatz der Farbe wird gern als Verbindung zu minimalistischen K\u00fcnstlern wie zum Beispiel Donald Judd gesehen, doch sobald man Farbgebung und Motive zusammensieht und dann noch Zeichnungen aus dieser Zeit hinzunimmt, r\u00fcckt eher noch eine N\u00e4he zu den Protagonisten der Pop-Art in den Vordergrund.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"728\" height=\"1024\" data-id=\"734\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/zeichnung-1-728x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-734\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/zeichnung-1-728x1024.jpg 728w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/zeichnung-1-213x300.jpg 213w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/zeichnung-1-768x1080.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/zeichnung-1-1092x1536.jpg 1092w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/zeichnung-1.jpg 1422w\" sizes=\"(max-width: 728px) 100vw, 728px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"883\" height=\"1024\" data-id=\"736\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/zeichnung-4-883x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-736\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/zeichnung-4-883x1024.jpg 883w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/zeichnung-4-259x300.jpg 259w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/zeichnung-4-768x891.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/zeichnung-4-1324x1536.jpg 1324w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/zeichnung-4.jpg 1724w\" sizes=\"(max-width: 883px) 100vw, 883px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"763\" height=\"1024\" data-id=\"735\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/zeichnung-3-763x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-735\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/zeichnung-3-763x1024.jpg 763w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/zeichnung-3-224x300.jpg 224w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/zeichnung-3-768x1030.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/zeichnung-3-1145x1536.jpg 1145w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/zeichnung-3.jpg 1491w\" sizes=\"(max-width: 763px) 100vw, 763px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\"><strong>Links<\/strong>: Sarah Morris, Kiss and Sell, 1996, Farbstift auf Pergament. <strong>Middle<\/strong>: Sarah Morris, Untitled (Andress), 1996, Farbstift auf Pergament. <strong>Right<\/strong>: Sara Morris, Untitled (Ezom), 1996, Farbstift auf Pergament. Alle Fotos: re-book kommunikation.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn man in der Ausstellung die fr\u00fchen Werke mit ihren unmissverst\u00e4ndlich gegenst\u00e4ndlichen Bez\u00fcgen hinter sich gelassen hat, scheint es so, als gelange man anschlie\u00dfend in eine andere Galaxie, in der die Gesetze der Abstraktion G\u00fcltigkeit beanspruchen. Erste Orientierungsversuche umkreisen nun Begriffe wie &#8222;Hard Edge&#8220; oder &#8222;Op-Art&#8220;, unwillk\u00fcrlich denkt man an Ellsworth Kelly, Frank Stella oder Bridget Riley. Doch so einfach ist die Sache nicht. Denn immer noch ist es die unmittelbare Umgebung, die Sarah Morris\u2019 Bildwelt beeinflusst. Auch die streng geordneten, geometrischen Rasterungen, mit denen wir uns hier konfrontiert sehen, haben eine Entsprechung in der New Yorker Wirklichkeit. Es handelt sich um die Portr\u00e4ts von Hochhausfassaden in der Nachbarschaft des Times Square. Was sich in ihren &#8222;text paintings&#8220; ank\u00fcndigt, r\u00fcckt hier nun deutlich in den Vordergrund: Sarah Morris arbeitet gern seriell. Die Hochhausfassaden zum Beispiel ordnen sich, je nachdem, auf welchen Ort sie sich beziehen, zu urbanen Landschaften, die &#8222;Midtown&#8220;, &#8222;Miami&#8220; oder &#8222;Capital&#8220; hei\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch in den weiteren Reihen bleibt es bei der aus dem Alltag der K\u00fcnstlerin herr\u00fchrenden Motivik. Immer wieder ergibt sich dabei eins aus dem anderen: Im Zusammenhang mit der &#8222;Origami&#8220;-Reihe, f\u00fcr die sie als Vorlagen Baupl\u00e4ne f\u00fcr Origami-Figuren nutzte, wird sie in einen Rechtsstreit verwickelt. Die Papiere und Akten, die sich in diesem Zusammenhang auf ihrem Schreibtisch einfinden, werden wiederum von Klammern zusammengehalten. Deren Gestaltung liefert den Ansto\u00df zu ihrer Reihe &#8222;Clips and Knots&#8220;, in der nun neben waagerechten, senkrechten und diagonalen Linien auch runde Formen auftauchen. Und mit ihrer Formensprache entwickelt sich auch die Haltung der K\u00fcnstlerin weiter: Die Kunstwelt, die ihr am Anfang ihrer Karriere die M\u00f6glichkeiten f\u00fcr wichtige Weichenstellungen bot, offenbart nun als &#8222;Spiderweb&#8220; ein eher ambivalentes Bild \u2013 &#8222;\u2026 the structure that we are in is grotesque.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large w3\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/sarah-morris-midtown-paine-webber-building-1998-foto-re-book-1024x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4448\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Sarah Morris, Midtown &#8211; Paine Webber Building (with Neons), 1998, 214 x 214 cm. Foto: re-book kommunikation.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Bewegte Bilder<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr ihre erste Einzelausstellung geht Sarah Morris im Jahr 1996 nach London. In Jay Jopling, dem Gr\u00fcnder der White Cube Gallery, findet sie einen Galeristen, den ihre Arbeit \u00fcberzeugt und der sich f\u00fcr sie einsetzt. Diese Zusammenarbeit f\u00fchrt zu einem sechsj\u00e4hrigen Aufenthalt in Europa, ein Zeitraum, in dem Morris beginnt, gewisserma\u00dfen als Referenz zu ihrer Malerei, Filme zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Zusammenarbeit mit einem Kamerateam und dem Musiker Liam Gillick, der auch die Musik f\u00fcr ihre sp\u00e4teren Filme gemacht hat, entsteht &#8222;Midtown&#8220; \u2013 in Krefeld neben anderen filmischen Arbeiten zu sehen in der fr\u00fcheren K\u00fcche von Haus Lange.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man braucht einen Moment, um in Sarah Morris\u2019 Filmen mehr zu sehen als zuf\u00e4llig zusammengef\u00fcgtes Footage. (Und es ist sicher kein Zufall, dass sich Christopher Bollen ausdr\u00fccklich darum bem\u00fcht, Sarah Morris\u2019 filmische Arbeiten von &#8222;Aufnahmen&#8220; abzugrenzen, die der &#8222;Beigeschmack eines Reiseberichts&#8220; kennzeichnet.) Irgendwann wird allerdings klar, dass die Kamera von Profis gef\u00fchrt wird, und auch die Musik von Liam Gillick l\u00e4sst keinen Zweifel aufkommen, dass hier ein Profi am Werk war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Gespr\u00e4ch mit Isabelle Graw (<a href=\"https:\/\/www.deichtorhallen.de\/ausstellung\/sarah-morris\">https:\/\/www.deichtorhallen.de\/ausstellung\/sarah-morris<\/a>) erinnert sich Sarah Morris daran, dass in einer ihrer fr\u00fcheren Ausstellungen einer der Kuratoren davon sprach, ihre Filme wirkten wie &#8222;Outtakes&#8220;, also wie das Filmmaterial, das es nicht in den eigentlichen Film geschafft habe. Morris best\u00e4tigt ausdr\u00fccklich, dass dies so gesehen werden k\u00f6nne, und unterstreicht damit zugleich die Offenheit ihres filmischen Schaffens f\u00fcr dessen Interpretation. An dieser Stelle zeigt sich ein Problem, das nicht nur f\u00fcr die Filme, sondern zugleich auch f\u00fcr die Bilder gilt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large w3\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/sarah-morris-midtown-seagram-with-fluorescents-1999-foto-re-book-1024x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-739\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/sarah-morris-midtown-seagram-with-fluorescents-1999-foto-re-book-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/sarah-morris-midtown-seagram-with-fluorescents-1999-foto-re-book-300x300.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/sarah-morris-midtown-seagram-with-fluorescents-1999-foto-re-book-150x150.jpg 150w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/sarah-morris-midtown-seagram-with-fluorescents-1999-foto-re-book-768x768.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/sarah-morris-midtown-seagram-with-fluorescents-1999-foto-re-book-1536x1536.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/sarah-morris-midtown-seagram-with-fluorescents-1999-foto-re-book-100x100.jpg 100w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/sarah-morris-midtown-seagram-with-fluorescents-1999-foto-re-book.jpg 2000w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Sarah Morris, Midtown &#8211; Seagram with Fluorescents, 1999, 214 x 214 cm. Foto: re-book kommunikation.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Der kritische \u00dcberbau<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nat\u00fcrlich gibt es zur Ausstellung einen Katalog. In ihrem gemeinsamen Vorwort beleuchten Dirk Luckow, Katia Baudin, Nina Zimmer und Ulrike Groos das fr\u00fche Schaffen von Sarah Morris vor den Hintergrund des &#8222;ausufernden Geniekults&#8220; der vorausgegangenen 1980er-Jahre. Ihre wie auch die Werke anderer nachr\u00fcckender K\u00fcnstler:innen kennzeichne &#8222;das Bed\u00fcrfnis nach Realit\u00e4tsbez\u00fcgen und einer modernen, an Digitalit\u00e4t und Medienreflexion orientierten Kunst&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dem kann man sicher zustimmen, was in Hinblick auf die \u00fcbrigen Deutungs- und Einordnungsversuche, die der Katalog anbietet, etwas schwerer f\u00e4llt. Der bereits erw\u00e4hnte Christopher Bollen beginnt sein Gespr\u00e4ch mit der K\u00fcnstlerin mit der Behauptung, ihr Werk w\u00fcrde &#8222;als einsch\u00fcchternd wahrgenommen&#8220; (wobei die \u00dcbersetzung von &#8222;intimidating&#8220; mit &#8222;einsch\u00fcchternd&#8220; eine sehr moderate Wahl ist, man h\u00e4tte genauso gut &#8222;bedrohend&#8220; schreiben k\u00f6nnen).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00c4hnlich hei\u00dft es bei Bettina Funcke gleich zu Anfang ihres Katalogbeitrags: &#8222;Der Ausstellungstitel <em>All Systems Fail<\/em> trifft uns wie ein Schlag in die Magengrube.&#8220; Nun ja. Systemausf\u00e4lle sind, das wei\u00df jeder Bundesbahnnutzer, in unserer hochkomplexen Welt l\u00e4ngst Alltagserfahrung. Man kann also die Ausstellung betreten, ohne sich einem Akt der Gewalt ausgesetzt zu f\u00fchlen. An Bettina Funckes &#8222;Essay&#8220; f\u00e4llt au\u00dferdem auf, dass es die Biografie der K\u00fcnstlerin mit zeitgeschichtlichen Ereignissen verbindet, jedoch \u00fcber das, was die Bilder de facto zeigen, den Nachweis dieser Verbindung nicht liefern kann. Offenbar soll so der Eindruck entstehen, dass das Schaffen der K\u00fcnstlerin eine k\u00fcnstlerische Reaktion auf das Zeitgeschehen sei. Und obwohl sich Sarah Morris selbst in dieser Hinsicht nicht unbedingt eindeutig positioniert, steht Bettina Funcke mit der Deutung ihres Werkes als Systemkritik nicht allein da.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer zu solchen Mitteln greift, verlagert den Erwartungshorizont in Bereiche, die dem Werk der K\u00fcnstlerin eigentlich nicht gerecht werden k\u00f6nnen. Hingegen ist nicht zu bezweifeln, dass Sarah Morris mit ihrer Arbeit auf ihre Umgebung reagiert, sich dabei aber darauf konzentriert, sich mit deren Oberfl\u00e4chen auseinanderzusetzen. Wem dies gen\u00fcgt, der\/die kann den Systemausfall der kuratorischen Begleitung, so wie er sich im Katalog niederschl\u00e4gt, sehr gut verschmerzen. Den Besuch der Ausstellung in Krefeld kann man allemal uneingeschr\u00e4nkt empfehlen.<\/p>\n\n\n\n<hr style=\"--wb-separator-margin-top:0px;--wb-separator-margin-bottom:0px\" class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am Sonntag, den 10. M\u00e4rz, findet in Haus Esters und Haus Lange zwischen 14 und 15 Uhr eine <strong>F\u00fchrung<\/strong> mit der Kuratorin Juliane Duft statt.<br>Au\u00dferdem findet ebenfalls am Sonntag, den 10. M\u00e4rz, die <strong>Finissage<\/strong> der Ausstellung statt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Anschluss an die Pr\u00e4sentation in den Kunstmuseen Kreffeld wandert die Ausstellung zun\u00e4chst nach Bern und ist anschlie\u00dfend in Stuttgart zu sehen:<br><a href=\"https:\/\/www.zpk.org\/de\/ausstellung\/sarah-morris\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">S<\/a><a href=\"https:\/\/www.zpk.org\/de\/ausstellung\/sarah-morris\">arah Morris, All Systems Fail, <strong>Zentrum Paul Klee<\/strong><\/a>, Bern, 29.03.2024\u201304.08.2024<br><a href=\"https:\/\/www.kunstmuseum-stuttgart.de\/en\/ausstellungen\/sarah-morris\">Sarah Morris, All Systems Fail, <strong>Kunstmuseum Stuttgart<\/strong><\/a>, 21.09.2024\u201309.02.2025<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und hier k\u00f6nnen Sie sich das Gespr\u00e4ch zwischen Sarah Morris und Isabelle Graw ansehen:<br>All Systemns Go: Sarah Morris in conversation with Isabelle Graw (aufgezeichnet in den Deichtorhallen Hamburg, 11.07.2023).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"All Systems Go: Sarah Morris in conversation with Isabelle Graw\" width=\"500\" height=\"281\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/s8yTFVn6-Is?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sarah Morris, All Systems Fail \u2013 bis zum 10. M\u00e4rz zu sehen in den Kunstmuseen Krefeld. Wenn man die Krefelder Innenstadt durchstreift, beschleicht einen nach und nach das Gef\u00fchl, dass das Gesch\u00e4ftsleben zwischen West- und Ostwall schon bessere Tage gesehen hat. Insofern gleicht das Bild des Krefelder Stadtzentrums dem vieler anderer Gro\u00dfst\u00e4dte im Rhein-Ruhr-Gebiet. 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