{"id":2274,"date":"2024-03-13T14:16:27","date_gmt":"2024-03-13T12:16:27","guid":{"rendered":"https:\/\/on-art.news\/?p=4579"},"modified":"2026-08-14T22:00:03","modified_gmt":"2026-08-14T20:00:03","slug":"tragbare-kunst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/on-art.news\/en\/2024\/03\/13\/tragbare-kunst\/","title":{"rendered":"Tragbare Kunst"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Mode von Viktor&amp;Rolf in der Kunsthalle M\u00fcnchen, Schmuckobjekte von Sigurd Bronger in der Pinakothek der Moderne.<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ist Mode Kunst? Ist Schmuck Kunst? Oder: Wann ist Mode, wann ist Schmuck Kunst? Auch ohne darauf eine grunds\u00e4tzliche, also kunsttheoretische Antwort zu geben, l\u00e4sst sich doch feststellen, dass derzeit gleich zwei M\u00fcnchner Kunst-Ausstellungh\u00e4user diese Fragen buchst\u00e4blich in den Raum stellen: Die Kunsthalle, die den Namenszusatz &#8222;der Hypo-Kulturstiftung&#8220; seit einigen Jahren wegl\u00e4sst, widmet eine Ausstellung dem niederl\u00e4ndischen Modesch\u00f6pfer-Duo Viktor&amp;Rolf. Und die Pinakothek der Moderne zeigt die erste Einzelausstellung des norwegischen Schmuckdesigners Sigurd Bronger au\u00dferhalb seines Heimatlandes.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped w3 wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"678\" height=\"1024\" data-id=\"758\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/02_1994-678x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-758\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/02_1994-678x1024.jpg 678w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/02_1994-199x300.jpg 199w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/02_1994-768x1160.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/02_1994-1017x1536.jpg 1017w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/02_1994-1356x2048.jpg 1356w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/02_1994.jpg 1632w\" sizes=\"(max-width: 678px) 100vw, 678px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"678\" height=\"1024\" data-id=\"760\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/03_2001-scaled-1-678x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-760\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/03_2001-scaled-1-678x1024.jpg 678w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/03_2001-scaled-1-199x300.jpg 199w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/03_2001-scaled-1-768x1159.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/03_2001-scaled-1-1018x1536.jpg 1018w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/03_2001-scaled-1-1357x2048.jpg 1357w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/03_2001-scaled-1.jpg 1696w\" sizes=\"(max-width: 678px) 100vw, 678px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"678\" height=\"1024\" data-id=\"759\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/06_2016-1200x1812-1-678x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-759\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/06_2016-1200x1812-1-678x1024.jpg 678w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/06_2016-1200x1812-1-199x300.jpg 199w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/06_2016-1200x1812-1-768x1160.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/06_2016-1200x1812-1-1017x1536.jpg 1017w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/06_2016-1200x1812-1.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 678px) 100vw, 678px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\"><strong>Links<\/strong>: Sigurd Bronger, Ring, 1994. Hartschaum, Silber, Acryfarbe. 4,0 x 2,0 cm. Privatsammlung. <strong>Mitte<\/strong>: Sigurd Bronger, Brosche \u201eBalloon&#8220;, 2001. Luftballon, verchromtes Messing, Stahl. 15 x 5,1 x 24 cm [Luftballonma\u00dfe]. Privatsammlung. <strong>Rechts<\/strong>: Sirgurd Bronger, Halsschmuck, \u201eCarrying device for a goose egg&#8220;, 2016. G\u00e4nse-Ei, Filz, Wei\u00dfgold\u00ad Kordel. 11,0 x 4,0 cm. Privatsammlung.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als &#8222;wearable objects&#8220;, tragbare Objekte bezeichnet der 1957 geborene Bronger seine Arbeiten. W\u00e4hrend \u201etragbar\u201c im Deutschen noch andere Bedeutungen hat, meint &#8222;wearable&#8220; eindeutig, dass etwas am K\u00f6rper getragen werden kann: etwa an einem Fingerring, als Brosche, als Armreif oder um den Hals. In diesem Sinne ist jedes Schmuckst\u00fcck ein tragbares Objekt. Was Bronger sagen will, ist dass es sich eigentlich um Objektkunst handelt, die wie ein Schmuckst\u00fcck getragen werden kann. Objektkunst: das sind Readymades, also gefundene Gegenst\u00e4nde, die als Kunst wahrgenommen oder zur Kunst ernannt werden, oder Assemblagen aus heterogenen Bestandteilen. Genau das trifft auch auf Brongers Objekte zu, nur eben mit der Besonderheit, dass sie klein und leicht genug sind, um, mit einer Fassung versehen, als Schmuck getragen zu werden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die rote Keule am Fingerring<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nur sind es in der Regel keine Juwelen, die Bronger da mit der ganzen Kunst des Goldschmieds einfasst, sondern G\u00e4nseeier, Kaktusstacheln, Elektronenr\u00f6hren aus alten Radios, kleine Schraubenp\u00e4ckchen, Seifenst\u00fccke, poppig bunte Radiergummis, das Ausgusssieb einer Sp\u00fcle, eine Zimtstange, Herzschrittmacher, Blutdruckmessger\u00e4te, S\u00e4ckchen voll winziger K\u00fcgelchen mit einer Lupe davor, damit man sie besser erkennt, eine alte, mechanische Armbanduhr, bei der das Ziffernblatt gr\u00f6\u00dftenteils entfernt wurde, sodass man das R\u00e4derwerk sieht, ein Pinienzapfen, Kameldung, bis hin zu einem Nierenstein seiner Mutter. Einige der Objekte hat der K\u00fcnstler selbst aus Hartschaum geformt und in kr\u00e4ftigen Farben lackiert. Manchmal liegt die Besonderheit eher in der kunstvollen Fassung, wie bei einem H\u00fchnerei, das mit Hilfe von zwei \u00fcberkreuzten kleinen Spiralfedern in Position gehalten wird. Oder umgekehrt, wenn es doch mal ein wei\u00dfer Topas ist, wird er gehalten von einer groben, baggerartigen Zange.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large w2\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"774\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/04_2005-scaled-beschnitt-1024x774.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-761\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/04_2005-scaled-beschnitt-1024x774.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/04_2005-scaled-beschnitt-300x227.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/04_2005-scaled-beschnitt-768x580.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/04_2005-scaled-beschnitt.jpg 1474w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Sigurd Bronger, Halsschmuck &#8222;Camay&#8220;, 2005. Camay-Seife (Hotelgr\u00f6\u00dfe), verchromtes Silber, Baumwollkordel. 4,0 x 3,7 x 1,2 cm. Die neue Sammlung &#8211; The Design Museum.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man kann sie einfach als \u00e4sthetische Objekte ansehen oder warten, bis einem der Groschen f\u00e4llt und man begriffen hat, woraus sie hergestellt sind; oder ein gro\u00dfes Blatt Papier vom Stapel abrei\u00dfen und nach der Nummer suchen. Das kleine Format bedingt, dass es \u00fcber 150 Objekte braucht, um den Umgang im zweiten Geschoss der Pinakothek der Moderne zu f\u00fcllen: Was an Format fehlt, muss die Zahl wettmachen. Das ist vergn\u00fcglich, aber auch etwas erm\u00fcdend. Kaum ein\/e Besucher\/in sieht sich alle Objekte genau an. Normalerweise liegen Gold- und Silberschmiedearbeiten nur im Verkaufsraum in einer Vitrine. Eigentlich sind sie daf\u00fcr gemacht, getragen zu werden. In der Ausstellung muss hier die Fantasie nachhelfen. Ist ein Fahrradventil tats\u00e4chlich dazu da, einen Beutel, einen Luftballon aufzupumpen? Eine rot lackierte, etwas schr\u00e4ge Tropfenform auf einem Fingerring mag vielleicht im Gebrauch, am Finger getragen, etwas hinderlich sein, ist daf\u00fcr aber umso mehr ein Hingucker. Wenn ein solches Objekt dazuhin noch nicht nur mit einem Propeller versehen ist, sondern dar\u00fcber hinaus mit einem kleinen Elektromotor, ist die Sensation perfekt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Auf den Kopf gestellt<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch Mode ist dazu da, getragen zu werden. W\u00e4hrend gefasste Nautilusschnecken oder Strau\u00dfeneier bei Bronger an die Kunst- und Wunderkammern vergangener Zeiten erinnern, vermittelt der erste Eindruck bei Viktor&amp;Rolf in der Kunsthalle barocke Pracht: Reifr\u00f6cke, Korsette, Dekollet\u00e9s, sogar die Halskrause, wie sie von Spanien ausgehend um 1600 die H\u00f6fe eroberte, kommt vor, wenn auch etwas deformiert. Die Besucher dr\u00e4ngen sich in den R\u00e4umen, angezogen vom Glamour und Witz des niederl\u00e4ndischen Designerduos, dessen Entw\u00fcrfe Madonna, Lady Gaga und Jennifer Lopez getragen haben. Anfangs dominiert Wei\u00df, wie von Hochzeitskleidern. Und tats\u00e4chlich hat Mabel Wisse Smit 2003 ihr Hochzeitskleid f\u00fcr die Heirat mit Friso von Oranien-Nassau, dem Sohn von K\u00f6nigin Beatrix, bei ihnen in Auftrag gegeben. &#8222;Ich will nicht irgendetwas Gew\u00f6hnliches&#8220;, erkl\u00e4rte sie, als sie die ersten, noch konventionellen Entw\u00fcrfe sah, &#8222;ich will Viktor&amp;Rolf!&#8220; Das Kleid mit 264 Schleifen und einer langen Schleppe ist ausgestellt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large w3\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/ViktorRolf_Fashion-Statements_Kunsthalle-Muenchen_1-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-765\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/ViktorRolf_Fashion-Statements_Kunsthalle-Muenchen_1-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/ViktorRolf_Fashion-Statements_Kunsthalle-Muenchen_1-300x200.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/ViktorRolf_Fashion-Statements_Kunsthalle-Muenchen_1-768x512.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/ViktorRolf_Fashion-Statements_Kunsthalle-Muenchen_1-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/ViktorRolf_Fashion-Statements_Kunsthalle-Muenchen_1-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Ausstellungsansicht &#8222;Viktor &amp; Rolf &#8211; Fashion Statements&#8220; in der Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung in M\u00fcnchen. Foto: BrauerPhotos, S. Brauer f\u00fcr Kunsthalle M\u00fcnchen<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was erhoffte sich die Schwiegertochter der K\u00f6nigin? Viktor Horsting und Rolf Snoeren, beide 1969 geboren, haben sich von Anfang an den Ruf erarbeitet, alles etwas anders zu machen. Das illustrieren gleich im Eingangsbereich ihr hellblauer <em>Upside-Down Dress<\/em>, ein Ballkleid, bei dem der Rock \u00fcber den Kopf nach oben zu fallen scheint, und ein Foto aus ihrem kurzlebigen Mail\u00e4nder <em>Upside-Down Store<\/em> mit dem Parkett an der Decke und Sitzkissen in den umgekehrten Arkadenb\u00f6gen. An der Arnhemer Kunstakademie lernten sie sich kennen. 1993 nahmen sie in Hy\u00e8res am einzigen Mode-Wettbewerb teil, den es damals gab: mit wei\u00dfen T\u00fcllkleidern, die aussehen wie von Motten zerfressen oder als h\u00e4tte jemand gro\u00dfe L\u00f6cher hinein gefr\u00e4st. Sie machten sich keine gro\u00dfen Hoffnungen, wollten aber Kontakte in die Modewelt kn\u00fcpfen. Doch dann hie\u00df es: &#8222;Viktor und Rolf, bitte kommt auf die B\u00fchne!&#8220; So entstand ihr Markenname. Sie gewannen die drei ersten Preise.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Wearable Art<\/em> nennen Viktor&amp;Rolf nun tats\u00e4chlich eine 2015 entstandene Kollektion. Die Pointe ist allerdings nicht, dass sie ihre Mode zur Kunst aufwerten wollen, sondern dass sie ihre Models mit Kunst einkleiden, will sagen, mit gerahmten Gem\u00e4lden. Nun ist ein vergoldeter Bilderrahmen, am Leib getragen, eine etwas sperrige Angelegenheit, und genau das macht den Witz aus: Es kommt hier, im w\u00f6rtlichen wie im \u00fcbertragenen Sinne, mehr auf den Rahmen an, der den bemalten Stoff erst zur &#8222;Kunst&#8220; macht. Andernfalls k\u00f6nnte es sich schlicht um Stoffmuster handeln. Damit die Models die gerahmten Bilder nicht nur vor sich her tragen, sondern sie tragen k\u00f6nnen wie ein Kleidungsst\u00fcck, m\u00fcssen die Rahmen den K\u00f6rperformen angepasst werden \u2013 was nat\u00fcrlich nur begrenzt gelingt: Sie sehen aus wie auseinandergebogen und \u2013gebrochen. Das Projekt verschaffte dem Duo Zugang zum Metropolitan Museum of Modern Art in New York, wo die Kollektion nach der Pariser Herbst\/Winter-Modewoche zuerst gezeigt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Freilich handelt es sich eben weniger um den Versuch, die Modekollektion zu nobilitieren, als vielmehr um einen augenzwinkernden Kommentar. Und um eine Performance. Nachdem n\u00e4mlich das Model mit der Bilderrahmen-Bekleidung \u00fcber den Laufsteg gepilgert war, betraten die Designer selbst die B\u00fchne, nahmen ihr das Kleid ab und h\u00e4ngten es an die wei\u00dfe Wand, wie ein Kunstwerk in einem Museum. Hier zeigt sich die \u00fcbertragene Bedeutung des Rahmens: Ob die &#8222;tragbare Kunst&#8220; als Mode wahrgenommen wird oder als Kunst, ist eine Frage des Framing: Auf dem Laufsteg ist sie Mode, an der Wand Kunst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn man fragt, was an dieser Arbeit die Bezeichnung \u201eKunst\u201c verdient, so sind es gerade nicht die unauff\u00e4lligen Bilder in den aufgebrochenen Rahmen, sondern eher, dass Viktor&amp;Rolf den Modebetrieb kritisch beleuchten. Das zeigt auch ihre Folge-Kollektion <em>Performance of Sculptures<\/em>: wei\u00dfe Kleider, die an kubistische Skulpturen erinnern, per se aber im Kunstbetrieb niemals bestehen k\u00f6nnten. Viktor&amp;Rolf arbeiten mit Zitaten und Anspielungen. Eine wandgro\u00dfe, graue Videoprojektion mit umherirrenden Figuren, aufflatternden Raben, Blitz und Donner verweist auf den Stummfilm <em>Nosferatu<\/em> von Friedrich Wilhelm Murnau. Die Kollektion <em>Zen Garden<\/em> pr\u00e4sentierten sie auf einem Teppich, der dem Steingarten des japanischen Tempels Ry\u014dan-ji nachempfunden ist.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Jenseits des Laufstegs<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei der Pr\u00e4sentation ihrer Kollektionen gehen die beiden Couturiers gern \u00fcber das Format des Laufstegs hinaus. Im Fall der Kollektion <em>Russian Dolls<\/em> kleideten sie 1999, auch aus \u00f6konomischen Gr\u00fcnden, nur ein einziges Model ein, in neun Schichten \u00fcbereinander. Die Ausstellung zeigt davon nicht einfach ein Video, sondern sucht nach eigenen Formen: Neun Puppen mit Porzellank\u00f6pfen tragen die verkleinerten Kost\u00fcme, dazu steht weiter hinten im Raum ein Model als Hologramm. Ein betr\u00e4chtlicher Aufwand. Namhafte Fotografinnen und Fotografen, von Herb Ritts \u00fcber Ellen von Unwerth bis Andreas Gursky, setzen ihre Arbeiten in Szene. Wenn Videos zum Einsatz kommen, f\u00fcllen sie die ganze Wand.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped w3 wp-block-gallery-2 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"753\" height=\"1024\" data-id=\"762\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Tom-Munro_Lady-Gaga-wearing-Cutting-Edge-Couture_2009-753x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-762\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Tom-Munro_Lady-Gaga-wearing-Cutting-Edge-Couture_2009-753x1024.jpg 753w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Tom-Munro_Lady-Gaga-wearing-Cutting-Edge-Couture_2009-221x300.jpg 221w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Tom-Munro_Lady-Gaga-wearing-Cutting-Edge-Couture_2009-768x1044.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Tom-Munro_Lady-Gaga-wearing-Cutting-Edge-Couture_2009-1130x1536.jpg 1130w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Tom-Munro_Lady-Gaga-wearing-Cutting-Edge-Couture_2009-1507x2048.jpg 1507w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Tom-Munro_Lady-Gaga-wearing-Cutting-Edge-Couture_2009-scaled.jpg 1884w\" sizes=\"(max-width: 753px) 100vw, 753px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"683\" height=\"1024\" data-id=\"763\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Peter-Stigter_Late-Stage-Capitalism-Waltz_SS-2023-683x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-763\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Peter-Stigter_Late-Stage-Capitalism-Waltz_SS-2023-683x1024.jpg 683w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Peter-Stigter_Late-Stage-Capitalism-Waltz_SS-2023-200x300.jpg 200w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Peter-Stigter_Late-Stage-Capitalism-Waltz_SS-2023-768x1152.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Peter-Stigter_Late-Stage-Capitalism-Waltz_SS-2023-1024x1536.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Peter-Stigter_Late-Stage-Capitalism-Waltz_SS-2023-1365x2048.jpg 1365w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Peter-Stigter_Late-Stage-Capitalism-Waltz_SS-2023-scaled.jpg 1707w\" sizes=\"(max-width: 683px) 100vw, 683px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"683\" height=\"1024\" data-id=\"764\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Peter-Stigter_Fashion-Statements_Look-01_SS-2019-683x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-764\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Peter-Stigter_Fashion-Statements_Look-01_SS-2019-683x1024.jpg 683w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Peter-Stigter_Fashion-Statements_Look-01_SS-2019-200x300.jpg 200w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Peter-Stigter_Fashion-Statements_Look-01_SS-2019-768x1152.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Peter-Stigter_Fashion-Statements_Look-01_SS-2019-1024x1536.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Peter-Stigter_Fashion-Statements_Look-01_SS-2019-1365x2048.jpg 1365w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Peter-Stigter_Fashion-Statements_Look-01_SS-2019-scaled.jpg 1707w\" sizes=\"(max-width: 683px) 100vw, 683px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\"><strong>Links<\/strong>: Tom Munro, Lady Gaga wearing Cutting Edge Couture collection, 2009. <strong>Mitte<\/strong>: Peter Stigter, Late Stage Capitalism Waltz Haute Couture, S\/S 2023. <strong>Rechts<\/strong>: Peter Stigter, Fashion Statements Haute Couture, S\/S 2019.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Oder es wird gleich der ganze Raum zur B\u00fchne, am eindrucksvollsten in einem gro\u00dfen Saal, in dem vier gro\u00dfe Kronleuchter von der Decke h\u00e4ngen: Drei W\u00e4nde sind verspiegelt, eine Fototapete an der vierten zeigt den Spiegelsaal von Versailles. Im Raum stehen lebensgro\u00dfe Puppen, in deren Kleider, in markantem Kontrast zu diesem royalen Ambiente, <em>Fashion Statements<\/em> eingearbeitet sind wie &#8222;No photos please&#8220;, &#8222;Trust me, I\u2019m a liar&#8220;, &#8222;I\u2019m not shy, I just don\u2019t like you&#8220; oder einfach &#8222;Go to hell!&#8220; Hier zeigt sich am deutlichsten, wie Viktor&amp;Rolf arbeiten: Auf der einen Seite Glamour, h\u00f6chste Anspr\u00fcche, Adelswelt, gro\u00dfe Namen, aber konterkariert durch provokative Bilder und Aussagen. Von denen sich niemand angegriffen f\u00fchlt. Die Modewelt lechzt danach.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber ist das deshalb schon Kunst? Immerhin haben die beiden Modedesigner auch schon zweimal f\u00fcr Robert Wilson gearbeitet, zuletzt 2009 f\u00fcr den <em>Freisch\u00fctz<\/em> in Baden-Baden. F\u00fcr die Kunsthalle M\u00fcnchen d\u00fcrfte das nicht der entscheidende Punkt sein. Es hat dort zuvor schon drei Mode-Ausstellungen gegeben. Beim Publikum kommt das an, warum also nicht? Auch im Fall der Pinakothek der Moderne gibt es eine Vorgeschichte. Zum einen sammelt das Museum nicht nur moderne Kunst und Grafik, sondern es gibt, neben dem Architekturmuseum der Moderne, auch <em>Die Neue Sammlung \u2013 The Design Museum<\/em>, eine gro\u00dfe Sammlung mit heute 25.000 Objekten, die bereits seit 1925 besteht. In dieser befindet sich seit 2005 auch ein St\u00fcck von Sigurd Bronger, der zudem 2016 f\u00fcr das Objekt mit der Nautilusschnecke den Bayrischen Staatspreis erhielt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Frage, wo die Grenzen verlaufen zwischen Kunst und Design \u2013 in der \u00e4lteren Terminologie Kunsthandwerk \u2013 ist mindestens so alt wie die Arts&amp;Crafts-Bewegung und der Deutsche Werkbund, der bei der Entstehung der <em>Neuen Sammlung<\/em> Pate gestanden hat. Entscheidend ist letztlich der Zweck. Man kann sagen Viktor&amp;Rolf produzieren in aller Regel f\u00fcr die Modewelt, wenn auch vielleicht etwas ungew\u00f6hnlich, gelegentlich aber auch f\u00fcr k\u00fcnstlerische Formate wie Oper und Tanz. Bei Sigurd Bronger halten sich Schmuckdesign und Kunst die Waage: Er selbst betrachtet seine Fingerringe, Broschen und Ketten jedenfalls nicht als Schmuck, sondern als: tragbare Kunst.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Viktor &amp; Rolf Haute Couture Spring\/Summer 2023\" width=\"500\" height=\"281\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/LL_WoSN3bk4?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<hr style=\"--wb-separator-margin-top:0px;--wb-separator-margin-bottom:0px\" class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/www.pinakothek-der-moderne.de\/ausstellungen\/sigurd-bronger-tragbares-und-objekte\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Sigurd Bronger: Wearables<\/a>, Pinakothek der Moderne, Die Neue Sammlung \u2013 The Design Museum, bis 2. Juni<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/www.kunsthalle-muc.de\/viktor-rolf\/\">Viktor&amp;Rolf: Fashion Statments<\/a>, Kunsthalle M\u00fcnchen, bis 6. Oktober.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mode von Viktor&amp;Rolf in der Kunsthalle M\u00fcnchen, Schmuckobjekte von Sigurd Bronger in der Pinakothek der Moderne. Ist Mode Kunst? Ist Schmuck Kunst? Oder: Wann ist Mode, wann ist Schmuck Kunst? 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