{"id":2276,"date":"2024-03-28T07:30:12","date_gmt":"2024-03-28T06:30:12","guid":{"rendered":"https:\/\/on-art.news\/?p=4682"},"modified":"2026-08-14T22:00:03","modified_gmt":"2026-08-14T20:00:03","slug":"der-osten-im-westen-im-osten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/on-art.news\/en\/2024\/03\/28\/der-osten-im-westen-im-osten\/","title":{"rendered":"Der Osten im Westen im Osten"},"content":{"rendered":"<h3 class=\"wp-block-heading\">Eine niederl\u00e4ndische Ausstellung zur Kunst Ostdeutschlands vor und nach 1989<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wahrlich eine \u00dcberraschung ist die Ausstellung &#8222;Die \u00dcberraschung&#8220;. Der Untertitel k\u00fcndigt &#8222;Ostdeutsche K\u00fcnstler vor und nach der Wende&#8220; an, ein abseits der \u00fcblichen Jubil\u00e4en erstaunliches Projekt. Und dass eine solche Pr\u00e4sentation auch noch weit westlich jenes Ostdeutschlands stattfindet, im tiefen Osten der Niederlande n\u00e4mlich und zudem in einem Privatmuseum mit einer nicht eben kleinen Sammlung zum Thema, vergr\u00f6\u00dfert die Verbl\u00fcffung noch einmal. Eine Mischung aus Eigenwille und Unabh\u00e4ngigkeit, zudem einiges Sendungsbewusstsein ist vorauszusetzen, wenn ein Sammler sein Museum diesem in den Niederlanden geradezu exotischen Sujet widmet. In den Best\u00e4nden der Institutionen in der westlichen Bundesrepublik jedenfalls wird man allenfalls vereinzelt das eine oder andere, tief in den Magazinen vergrabene Werk aus jenem \u00f6stlich-fernen Landesteil finden k\u00f6nnen \u2013 und zu sehen ist davon zuverl\u00e4ssig (fast) nichts. Die einst rigide Ablehnung der DDR-Kunst w\u00e4hrend der Nachwendejahre mit ihren pauschalisierenden Vorw\u00fcrfen, der w\u00fctenden Polemik (&#8222;r\u00fcckw\u00e4rtsgewandte Figuration&#8220;, &#8222;unfreie, geg\u00e4ngelte Staatskunst&#8220; usw.) ist \u2013 in den alten Bundesl\u00e4ndern \u2013 in den Jahrzehnten seit der Wiedervereinigung zu einer gepflegten, ahnungslosen Gleichg\u00fcltigkeit abgeklungen; Ostkunst wurde ein randst\u00e4ndiges Spezialgebiet der j\u00fcngeren Kunstgeschichte und blieb lange Zeit eine Nische des Kunstmarktes.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped w3 wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"641\" height=\"1024\" data-id=\"781\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/20240322_135117-641x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-781\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/20240322_135117-641x1024.jpg 641w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/20240322_135117-188x300.jpg 188w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/20240322_135117-768x1227.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/20240322_135117-961x1536.jpg 961w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/20240322_135117-1282x2048.jpg 1282w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/20240322_135117-scaled.jpg 1602w\" sizes=\"(max-width: 641px) 100vw, 641px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"735\" height=\"1024\" data-id=\"783\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Der-letzte-Walzer-1988-735x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-783\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Der-letzte-Walzer-1988-735x1024.jpg 735w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Der-letzte-Walzer-1988-215x300.jpg 215w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Der-letzte-Walzer-1988-768x1070.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Der-letzte-Walzer-1988.jpg 984w\" sizes=\"(max-width: 735px) 100vw, 735px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\"><strong>Links<\/strong>: Walter Libuda, Werbung 13, 1986. <strong>Right<\/strong>: Angela Hampel, Der Letzte Walzer, 1988.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Der Sammler und sein Nichtheldenmuseum<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die M\u00f6glichkeit, einen frischen Blick auf die durch die tiefe Z\u00e4sur 1989 vermeintlich in zwei ordentliche Zeitabschnitte geteilte Produktion der Kunstlandschaften Ostdeutschlands zu werfen, bietet das <em>Museum<\/em> <em>No Hero<\/em> in Delden bei Hengelo auf gewisserma\u00dfen neutralem niederl\u00e4ndischem Boden. Dessen Ausstellung &#8222;Die \u00dcberraschung&#8220; besteht ausschlie\u00dflich \u2013 auch dies ist erstaunlich \u2013 aus eigenen Sammlungsbest\u00e4nden. Zusammengetragen hat sie Geert Steinmeijer, ein aus der Region stammender Unternehmer. Die ungew\u00f6hnliche Benennung der 2018 er\u00f6ffneten privaten Einrichtung ist eine Absage an \u00fcbliche Sammlernamens-Eitelkeiten: Im Mittelpunkt sollen die Kunstwerke stehen. Seine \u00e4u\u00dferst vielf\u00e4ltige Kollektion, die eher an neugieriger Schaulust als an kargen Konzepten orientiert ist, umfasst mehr als tausend St\u00fccke diverser Kulturen und Zeiten \u2013 &#8222;wilde Sammlung&#8220; lautet die zutreffende Selbstbeschreibung. Sie wird in dosierten Ausschnitten im eigenen Museum pr\u00e4sentiert. Untergebracht ist es in einem schmucken Geb\u00e4ude, das in seiner knapp dreihundertj\u00e4hrigen Geschichte unter anderem schon Rathaus, Gericht, Gutsverwaltung und Hotel war. Heute, aufwendig zum Privatmuseum mit Caf\u00e9 und Skulpturengarten hergerichtet, bietet es j\u00e4hrlich wechselnde Ausstellungen. Die aktuelle ist &#8222;Die \u00dcberraschung&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Was zuvor geschah: Begeisterung und Motive<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In mancher Hinsicht ist sie Gegenst\u00fcck und Fortf\u00fchrung der Er\u00f6ffnungsschau &#8222;Ich bin ein Berliner&#8220;. Sie widmete sich der wilden und heftigen Malerei im Ost- wie im Westteil Berlins in den 1980er Jahren. Geert Steinmeijer lebte damals eine Weile in der geteilten Stadt und lernte den Kunstbetrieb kennen. Als Sammler, der er erst sp\u00e4ter wurde, begegnete er auch Werken, die zu DDR-Zeiten entstanden waren. Er suchte den Kontakt zu den K\u00fcnstlern, f\u00fchrte Gespr\u00e4che und erweiterte seine Kollektion um diesen Aspekt deutscher Kunst. Vier Jahre lie\u00df er sich Zeit, so erz\u00e4hlt er, um die Werke zu finden, \u00fcber die er sagt: &#8222;Wow! Diese Arbeit geht mir ans Herz. Das hat nichts mit DDR-Kunst zu tun, sondern mit purer Emotion.&#8220; Auch begeistern ihn deren handwerkliche Qualit\u00e4ten. Den inhaltlichen roten Faden dieser Werke aber macht f\u00fcr ihn das Miteinander von Traum und Realit\u00e4t aus. Zum f\u00fcnfj\u00e4hrigen kleinen Jubil\u00e4um des Hauses \u00fcberrascht er nun mit &#8222;Die \u00dcberraschung&#8220; zun\u00e4chst seine Landsleute, f\u00fcr die dieser Kunst-Osten noch ferner sein d\u00fcrfte als f\u00fcr Besucher aus dem westlichen Nachbarland.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped w3 wp-block-gallery-2 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large w3\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"659\" data-id=\"785\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/ralf-kerbach-nachtzug-germania-2-1-1024x659.jpg\" alt=\"Ralf Kerbach, Nachtzug Germania, 2012\" class=\"wp-image-785\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/ralf-kerbach-nachtzug-germania-2-1-1024x659.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/ralf-kerbach-nachtzug-germania-2-1-300x193.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/ralf-kerbach-nachtzug-germania-2-1-768x494.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/ralf-kerbach-nachtzug-germania-2-1-1536x988.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/ralf-kerbach-nachtzug-germania-2-1-2048x1317.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\">Ralf Kerbach, Nachtzug Germania, 2012.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Expressiv bis sachlich. Weltbilder, Privatbilder und manches dazwischen<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die aktuelle Ausstellung wurden aus dem noch umfangreicheren eigenen Bestand gut sechzig Arbeiten, vor allem Malerei, aber auch grafische Werke und Skulpturen, von 37 K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstlern ausgew\u00e4hlt. Sie alle lebten und arbeiteten in der DDR, zu und mit den Bedingungen dieses Staates; manche verlie\u00dfen vor 1989 das Land, freiwillig oder unter Zwang. Geboten wird damit ein keineswegs auf Vollst\u00e4ndigkeit zielender Einblick in das im Osten Deutschlands Entstandene. Sozialistischer Realismus und Plakativ-Eindeutiges sind nicht zu sehen, wohl aber Werke, die die vorhandenen Spielr\u00e4ume auf je eigene Weise nutzten. Es sind die fr\u00fch in Ost und West ber\u00fchmten, hofierten Weltbilderb\u00fchnenmaler wie T\u00fcbke, Sitte und Bernhard Heisig dabei. Ebenso die zun\u00e4chst verfemten, sp\u00e4ter misstrauisch geduldeten stillen, beharrlichen Forscher in eigener Sache wie Hermann Gl\u00f6ckner, Carlfriedrich Claus und Gerhard Altenbourg. Mit Wasja G\u00f6tze und Hans Ticha sind auch die Renitenten, Sp\u00f6ttischen dabei, die sich mit dieser Haltung geradeso durchlavieren konnten. Zu sehen sind Vertreter einer gesteigerten, die Attraktivit\u00e4t des Schroffen, H\u00e4sslichen auslotenden Expressivit\u00e4t wie etwa Hartwig Ebersbach und Walter Libuda. Auf Privates, Individuelles zur\u00fcckgezogen muten die r\u00e4tselhaften, melancholisch grundierten Bilder von Trak Wendisch und Angela Hampel an. 1958 bzw. 1956 geboren sind sie die j\u00fcngsten der hier Ausgestellten. Figurativ, gegenst\u00e4ndlich sind nahezu alle Arbeiten. Das Spektrum reicht vom klassischen Portr\u00e4t bis hin zu bedeutungsgeladenen, personenreichen allegorischen Szenarien; neusachlich genaue Darstellungen und expressive Bildfindungen (in allen m\u00f6glichen Varianten der Temperierung, Malwut und Farbenfreude) dominieren.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-3 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"873\" height=\"1024\" data-id=\"778\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/konfusion-detail-873x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-778\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/konfusion-detail-873x1024.jpg 873w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/konfusion-detail-256x300.jpg 256w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/konfusion-detail-768x900.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/konfusion-detail-1310x1536.jpg 1310w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/konfusion-detail.jpg 1438w\" sizes=\"(max-width: 873px) 100vw, 873px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\">Wolfgang Mattheuer, Konfusion, 1972.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Frage nach den Spuren der Zeit<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch wenn &#8222;Die \u00dcberraschung&#8220; einen eher geschichtsfernen, unpolitischen Blick auf ihre Exponate nahelegt \u2013 in einem Katalogbeitrag ist von einem &#8222;farbenfrohen Malfest&#8220; die Rede \u2013 so kommen einem in der alten Bundesrepublik sozialisierten Besucher, der mit den zum Kontext der Werke geh\u00f6renden Details wenig vertraut ist, beim Blick auf manche Werke doch die Geschichte und biografische Einzelheiten in die Quere. Sie erzeugen ein von den Entstehungsdaten und Titeln der Werke angesto\u00dfenes, nicht ignorierbares Hintergrundrauschen: Welche Ereignisse des Entstehungsjahres 1990 finden ein Echo in Johannes Heisigs eindrucksvollem &#8222;Selbst im Atelier&#8220;? Zeigt sich im furios-nerv\u00f6sen Malgestus dieser pr\u00fcfenden Selbstbetrachtung etwas von der Spannung, der Unsicherheit, vielleicht dem Zerfallsgef\u00fchl der Phase zwischen Mauer\u00f6ffnung und Wiedervereinigung, in der Heisig zudem Rektor der Hochschule der K\u00fcnste in Dresden war? Oder ist es die Routine des Virtuosen, dem alle Finessen einer Intensit\u00e4t verhei\u00dfenden Ausdrucksmalerei zu Gebote stehen? Und ist es eine plumpe Unterstellung in Willi Sittes 1991\/92 gemalter &#8222;Bedr\u00e4ngnis&#8220; \u2013 es zeigt eine phantastisch vielarmige, Sitte-typische Nackte, die sich verzweiflungsmutig gegen ein dunkles, beutegieriges Monstrum verteidigt \u2013 eine bedrohte Wahrheit zu erkennen? Oder ist sie eine Allegorie auf die von manchen als Aneignung empfundene Wiedervereinigung, die den umtriebigen Kulturfunktion\u00e4r, der Sitte auch war, endg\u00fcltig um \u00c4mter und Einfluss brachte?<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped w3 wp-block-gallery-4 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"752\" height=\"1024\" data-id=\"780\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Bedrangnis-752x1024.jpg\" alt=\"Willi Sitte, Bedr\u00e4ngnis, 1991\/92\" class=\"wp-image-780\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Bedrangnis-752x1024.jpg 752w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Bedrangnis-220x300.jpg 220w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Bedrangnis-768x1046.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Bedrangnis-1128x1536.jpg 1128w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Bedrangnis-1504x2048.jpg 1504w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Bedrangnis-scaled.jpg 1880w\" sizes=\"(max-width: 752px) 100vw, 752px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"723\" height=\"1024\" data-id=\"777\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Selbst-im-Atelier-1990-Johannes-Heisig-723x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-777\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Selbst-im-Atelier-1990-Johannes-Heisig-723x1024.jpg 723w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Selbst-im-Atelier-1990-Johannes-Heisig-212x300.jpg 212w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Selbst-im-Atelier-1990-Johannes-Heisig-768x1087.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Selbst-im-Atelier-1990-Johannes-Heisig-1085x1536.jpg 1085w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Selbst-im-Atelier-1990-Johannes-Heisig-1447x2048.jpg 1447w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Selbst-im-Atelier-1990-Johannes-Heisig-scaled.jpg 1808w\" sizes=\"(max-width: 723px) 100vw, 723px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\"><strong>Links<\/strong>: Willi Sitte, Bedr\u00e4ngnis, 1991,92. <strong>Right<\/strong>: Johannes Heisig, Selbst im Atelier, 1990.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Flugfreiheitsversuche, fortgesetzte Maskierungen<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auffallend und unmittelbar mit Bedeutung aufgeladen sind zwei Motivkomplexe, die sowohl in den Werken vor wie auch nach 1989 auftauchen: Maskierung und Demaskierung in Wolfgang Mattheuers Holzschnitt &#8222;Konfusion&#8220; von 1972 bieten ein markantes Bild f\u00fcr Konformit\u00e4t, T\u00e4uschung und das verborgen bleibende Eigene. In den Bildern Ralf Kerbachs aus den 2000er-Jahren wird die Maske zum Schutz vor zudringlichen Blicken. Und in einem Sp\u00e4twerk von Harald Metzkes aus der gleichen Zeit sind Maskierungen (und Posen) wesentliche Aspekte einer gezwungen heiteren &#8222;Premierenfeier&#8220;. Ein anderes Motiv ist das der Fl\u00fcgel, des (gescheiterten) Fluges, der den Ikarus zeitweilig zu einem Wappenwesen der DDR-Kunst machte. Eindrucksvoll nutzt Rolf H\u00e4ndler in seinem Bild &#8222;Beschneidung der Engel&#8220; die Kraft dieser Symbolik. Im Vordergrund wird einem trauernden Engel vor best\u00fcrzt wirkenden Zeugen von einer ebenfalls gefl\u00fcgelten Figur der Fl\u00fcgel gestutzt, w\u00e4hrend am grauen Himmel einige Engel die Mauer \u00fcberfliegen. Das Ende der Illusionen und Hoffungen, des Idealismus, verbunden mit unl\u00f6sbaren Widerspr\u00fcchen in der Sp\u00e4tzeit der DDR finden hier wohl ihren Ausdruck. Was aber hat es mit dem Vogel auf sich, der in einem angedeuteten K\u00e4fig zusammen mit einer liegenden Figur zu sehen ist? Eine \u00d6ffnung im K\u00f6rper des Tieres gibt den Blick frei auf einen Himmel und einen dahinziehenden Papierflieger. Wasja G\u00f6tze, einer der eindeutig dissidenten K\u00fcnstler dieser Ausstellung, malte &#8222;Lust zum Fliegen oder eigentlich Ikarus&#8220; 1983, ein Jahr nachdem ihm die Ausb\u00fcrgerung angedroht worden war, der er sich jedoch erfolgreich widersetzte.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped w3 wp-block-gallery-5 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"808\" height=\"706\" data-id=\"784\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Dolf-Haendler-Beschneidung-der-Engel-1987-1990.jpg\" alt=\"Rolf H\u00e4ndler, Beschneidung der Engel, 1987-1990\" class=\"wp-image-784\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Dolf-Haendler-Beschneidung-der-Engel-1987-1990.jpg 808w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Dolf-Haendler-Beschneidung-der-Engel-1987-1990-300x262.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Dolf-Haendler-Beschneidung-der-Engel-1987-1990-768x671.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 808px) 100vw, 808px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\">Rolf H\u00e4ndler, Beschneidung der Engel, 1987-1990.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es sind die Ambivalenzen, mitunter auch die Uneindeutigkeiten, die etliche der gezeigten Werke zu spannungsvollen, \u00fcber ihre Entstehungszeit hinaus bedeutsamen, sehenswerten Arbeiten machen. Leider verzichtet die Ausstellung wie auch der Katalog auf notwendige Informationen und Hintergr\u00fcnde zu Biografien und Zeitl\u00e4uften, die ein tieferes inhaltliches Verst\u00e4ndnis erst m\u00f6glich machen w\u00fcrden. Auch wenn &#8222;Die \u00dcberraschung&#8220; einseitig die Sch\u00f6nheit, die (handwerkliche) Qualit\u00e4t des Gezeigten betont, so bleibt es doch ein dankenswertes Verdienst des Museum <em>No Hero<\/em> \u2013 in einer zumindest teilrepr\u00e4sentativen Auswahl \u2013 die Kunst Ostdeutschlands sichtbar zu machen.<\/p>\n\n\n\n<hr style=\"--wb-separator-margin-top:0px;--wb-separator-margin-bottom:0px\" class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die \u00dcberraschung. Oost-Duitse kunstenaars van v\u00f3\u00f3r en na &#8218;die Wende&#8216;<br>Museum No Hero<br>Hengelosestraat 2\/4<br>7491BR Delden<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"http:\/\/www.museumnohero.nl\/\">www.museumnohero.nl<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Weitere Beitr\u00e4ge aus unserer Reihe &#8222;West-Ost-Begegnungen&#8220; finden Sie hier:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Teil 2: <a href=\"https:\/\/on-art.news\/en\/2024\/05\/26\/zeit-war-reichlich-vorhanden\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Christoph Tannert: Zeit war reichlich vorhanden. Die Br\u00fcder Lippok und die Subkultur der 1980er Jahre in der DDR<\/a><br>Teil 3: <a href=\"https:\/\/on-art.news\/en\/2024\/06\/06\/ueberraschende-verwandtschaften\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Wolfgang Ullrich: \u00dcberraschende Verwandtschaften. Der deutsch-deutsche Bilderstreit in der R\u00fcckschau<\/a><br>Teil 4: <a href=\"https:\/\/on-art.news\/en\/2024\/06\/21\/freistaat-der-kunst\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Freya Dieckmann: Freistaat der Kunst &#8211; Das Leonhardi Museum in Dresden und seine Rolle f\u00fcr die ostdeutsche Kunst<\/a><br>Teil 5: <a href=\"https:\/\/on-art.news\/en\/2024\/07\/19\/ich-lehne-es-ab-positiv-in-die-ddr-zurueckzuschauen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Luise Wolf: &#8222;Ich lehne es ab, positiv in die DDR zur\u00fcckzuschauen&#8220; &#8211; Andrea Pichl zeigt ab Herbst im Hamburger Bahnhof in Berlin eine Einzelausstellung \u2013 als erste K\u00fcnstlerin aus der ehemaligen DDR<\/a><br>Teil 6: <a href=\"https:\/\/on-art.news\/en\/2024\/08\/18\/endlager-oder-fundgrube\/\">Ingeborg Ruthe: Endlager oder Fundgrube. Das Kunstarchiv Beeskow im Museum f\u00fcr Utopie und Alltag bewahrt Kunst der fr\u00fcheren DDR<\/a><\/p>\n\n\n\n<style>\n.post-template-single-features .wp-block-group .wp-block-post-date {\n    margin-bottom: -1.5rem;\n}\n.post-template-single-features .wp-block-group .post-over-image {\n    margin-bottom: 3rem;\n}\n<\/style>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine niederl\u00e4ndische Ausstellung zur Kunst Ostdeutschlands vor und nach 1989 Wahrlich eine \u00dcberraschung ist die Ausstellung &#8222;Die \u00dcberraschung&#8220;. Der Untertitel k\u00fcndigt &#8222;Ostdeutsche K\u00fcnstler vor und nach der Wende&#8220; an, ein abseits der \u00fcblichen Jubil\u00e4en erstaunliches Projekt. 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