{"id":2289,"date":"2024-06-27T10:47:35","date_gmt":"2024-06-27T08:47:35","guid":{"rendered":"https:\/\/on-art.news\/?p=5541"},"modified":"2026-08-14T22:00:03","modified_gmt":"2026-08-14T20:00:03","slug":"wiesbadens-weisser-wuerfel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/on-art.news\/en\/2024\/06\/27\/wiesbadens-weisser-wuerfel\/","title":{"rendered":"Wiesbadens wei\u00dfer W\u00fcrfel"},"content":{"rendered":"<h3 class=\"wp-block-heading\">Das Museum Reinhard Ernst in Wiesbaden setzt Ma\u00dfst\u00e4be in Architektur und Kunst.<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Zuckerw\u00fcrfel&#8220; sagen die Wiesbadener. Das Museum Reinhard Ernst kleidet sich in wei\u00dfen Granit. Ja, Granit ist nicht immer schwarz; allerdings musste der Stein aus Vermont \u00fcber den Atlantik geschippert werden. Ein wei\u00dfer W\u00fcrfel, ein White Cube, wenn es je einen gab. &#8222;Wei\u00df eignet sich am besten, um Farben hervorzuheben&#8220;, bemerkt der Museumsgr\u00fcnder Reinhard Ernst. White Cube, Sugar Cube.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Reinhard Ernst hat den Weg zur Kunst von allein gefunden. In Paris auf einer Gesch\u00e4ftsreise, hatte er Zeit zu \u00fcberbr\u00fccken und ging ins Mus\u00e9e Picasso: Der Beginn einer Leidenschaft. Anders als andere Sammler machte er sich jedoch nicht von Beratern oder Galeristen abh\u00e4ngig. Und konzentrierte sich ganz auf die abstrakte Kunst: &#8222;Die Kunst von Kindern&#8220;, meint er. Vielleicht weil sie keine Vorbildung erfordert und unmittelbar zug\u00e4nglich ist, frei von kulturellem Ballast. Doch ihm liegt auch etwas an Kindern. Die Stiftung, die das Museum tr\u00e4gt, hat bereits eine Musikschule ins Leben gerufen und erkl\u00e4rt auf ihrer Homepage: &#8222;Abstrakte Kunst Kindern und Erwachsenen n\u00e4her zu bringen \u2013 das ist eines der Ziele, die Reinhard Ernst mit dem Bau eines Museums verfolgt.&#8220; Ein Kreativraum, das Farblabor, wartet gleich hinter der Rezeption, hinter einer bunten Glaswand von Katharina Grosse, auf Kinder und Jugendliche.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hinter Reinhard Ernst liegt ein Leben als erfolgreicher Unternehmer. Andernfalls h\u00e4tte er weder vor zwanzig Jahren mit seiner Frau die Reinhard &amp; Sonja Ernst-Stiftung gr\u00fcnden, noch nach dem Verkauf seiner Anteile ein Museum f\u00fcr 80 Millionen Euro aus eigener Tasche bezahlen k\u00f6nnen. Die Geschichte seines Unternehmens <em>Harmonic Drive<\/em> beginnt 1968: Ernst lud seine zuk\u00fcnftige Frau anl\u00e4sslich ihrer Verlobung ins Drehrestaurant des Henninger-Turms ein, das markante, senfglas\u00e4hnliche Lokal \u00fcber dem Gerstensilo der Brauerei in Frankfurt-Sachsenhausen. Ein Asiate und ein Amerikaner warteten auf einen Tisch. Ernst und seine Verlobte luden sie ein, sich zu ihnen zu setzen. Sie kamen ins Gespr\u00e4ch. Die beiden wollten in Deutschland eine europ\u00e4ische Niederlassung eines Spezialgetriebe-Herstellers gr\u00fcnden, das dann im Mondauto des Apollo-Raumprogramms seinen ersten spektakul\u00e4ren Einsatz hatte. Ernst war von Anfang an dabei und erwarb 1981 das Unternehmen: 2017, als er seine Anteile verkaufte, ein Global Player mit einem j\u00e4hrlichen Umsatz von 92 Millionen Euro.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Kunst dreier Kontinente<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch was Ernst gesammelt hat, h\u00e4ngt mit seinem Unternehmen zusammen, das nicht nur in Deutschland, sondern ebenso in den USA und Japan aktiv war. In allen drei L\u00e4ndern erwarb Ernst Kunst. Genau dies macht nach Christoph Zuschlag, Professor f\u00fcr neuere Kunstgeschichte der Universit\u00e4t Bonn, die Besonderheit seiner Sammlung aus. Zun\u00e4chst hatte er nur f\u00fcr sich selbst gesammelt. Erst als er feststellen musste, dass die eigenen R\u00e4ume nicht mehr ausreichten, dachte er dar\u00fcber nach, wie er seine Sammlung der \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich machen k\u00f6nnte. Zuerst beabsichtigte er, sie einem bestehenden Museum zu stiften. Doch die Depots der \u00f6ffentlichen H\u00e4user sind voll, f\u00fcr gro\u00dfformatige Werke fehlt Platz, auch in den Ausstellungsr\u00e4umen. So reifte der Gedanke an ein eigenes Museum. Ernst fragte in Limburg an, wo <em>Harmonic Drive<\/em> seinen Sitz hat. Doch die Stadt lehnte ab. Wiesbaden zeigte sich zug\u00e4nglicher, wollte sich jedoch vergewissern, ob die Kollektion wirklich museumsreif sei. Zuschlag bejahte, zumindest f\u00fcr die H\u00e4lfte der insgesamt 2000 Werke. In Alexander Klar, heute Direktor der Hamburger Kunsthalle, damals des Museums Wiesbaden gleich gegen\u00fcber, fand Ernst einen F\u00fcrsprecher. In einer B\u00fcrgerbeteiligung sprach sich die Mehrheit f\u00fcr das Museum aus, ebenso der Magistrat und die Stadtverordnetenversammlung. Das st\u00e4dtische Grundst\u00fcck erh\u00e4lt Ernst nun in Erbpacht f\u00fcr 99 Jahre zum symbolischen Preis von einem Euro. Die Betriebskosten \u00fcbernimmt seine Stiftung.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped w3 wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"842\" data-id=\"916\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/240624-mre-frankenthaler-zarathustra-1024x842.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-916\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/240624-mre-frankenthaler-zarathustra-1024x842.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/240624-mre-frankenthaler-zarathustra-300x247.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/240624-mre-frankenthaler-zarathustra-768x631.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/240624-mre-frankenthaler-zarathustra-1536x1263.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/240624-mre-frankenthaler-zarathustra-2048x1684.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"881\" height=\"1024\" data-id=\"915\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/240624-mre-tanaka-work-881x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-915\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/240624-mre-tanaka-work-881x1024.jpg 881w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/240624-mre-tanaka-work-258x300.jpg 258w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/240624-mre-tanaka-work-768x893.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/240624-mre-tanaka-work-1321x1536.jpg 1321w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/240624-mre-tanaka-work-1762x2048.jpg 1762w\" sizes=\"(max-width: 881px) 100vw, 881px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"1021\" data-id=\"917\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/240624-mre-tony-cragg-1024x1021.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-917\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/240624-mre-tony-cragg-1024x1021.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/240624-mre-tony-cragg-300x300.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/240624-mre-tony-cragg-150x150.jpg 150w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/240624-mre-tony-cragg-768x765.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/240624-mre-tony-cragg-1536x1531.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/240624-mre-tony-cragg-2048x2041.jpg 2048w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/240624-mre-tony-cragg-100x100.jpg 100w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/240624-mre-tony-cragg-120x120.jpg 120w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\"><strong>Links<\/strong>: Helen Frankenthaler, Zarathustra, 1988. Acryl auf Leinwand, 205,7 x 249,6 cm. VG Bild-Kunst, Museum Reinhard Ernst 2024. Foto: Courtesy of Christie\u2019s. <strong>Middle<\/strong>: Atsuko Tanaka, Work, 1965. Vinyl auf Leinwand, 53 x 45,8 cm. Museum Reinhard Ernst, Estate of the artist. Foto: Est-Ouest Auction, Hongkong. <strong>Right<\/strong>: Blick auf die Skulptur Pair von Tony Cragg im ersten Obergeschoss. VG Bild-Kunst, Museum Reinhard Ernst 2024. Foto: Helbig Marburger.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Rund 60 Werke sind in der ersten H\u00e4ngung ab 23. Juni zu sehen: zumeist gro\u00dfformatige Arbeiten von hoher Qualit\u00e4t, zu denen es einiges zu erz\u00e4hlen gibt. Das gr\u00f6\u00dfte Format, einen 20\u00a0Meter langen Fries von Toshimitsu Ima\u00ef, hat der K\u00fcnstler urspr\u00fcnglich f\u00fcr ein Restaurant in Nagoya angefertigt. Als das Haus abgerissen werden sollte, war Ernst der erste, der davon erfuhr. Und wohl der einzige, der willens und in der Lage war, das Werk zu retten. Ima\u00ef, 1928 in Kyoto geboren, war 1952 nach Paris gezogen, wo er sich den Tachisten anschloss. Georges Mathieu und Sam Francis lud er in sein Heimatland ein und brachte die gestisch-abstrakte Malerei so auch nach Japan. Hier liegt der Schwerpunkt von Ernsts Sammlung: gro\u00dfe, bedeutende Werke von K\u00fcnstlern wie Mathieu, Francis oder Ernst Wilhelm Nay, um nur einige der bekanntesten Namen zu nennen. Wobei sich die weniger bekannten nicht zu verstecken brauchen: Judit Reigl etwa, Friedel Dzubas, Simon Hanta\u00ef oder unter den Japaner:innen T\u014dk\u014d Shinoda und Yuko Nasaka. Besonders sch\u00e4tzt Ernst Helen Frankenthaler, die wie die meisten K\u00fcnstler der New York School bei Hans Hofmann gelernt hat. Ein zweigeschossiger Raum des Museums, genannt die Kathedrale, ist ihnen gewidmet. Mit Hans Albers kommt aber auch die geometrische Abstraktion zum Zug. Ganz nach dem Motto der Er\u00f6ffnungsausstellung, zugleich Ernsts Credo: <em>Farbe ist alles!<\/em><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Ma\u00dfarbeit<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kunsthistorisch von erstrangiger Bedeutung, wenn sich dies auch erst sp\u00e4t herumgesprochen hat, war die Gutai-Gruppe: Jiro Yoshihara, der Gr\u00fcnder, sch\u00e4rfte seinen Anh\u00e4ngern ein, etwas zu tun, was die Welt noch nicht gesehen habe. In zwei spektakul\u00e4ren Freilichtausstellungen verteilte Kazuo Shiraga Farbe mit H\u00e4nden und F\u00fc\u00dfen auf einen gro\u00dfen, auf dem Boden liegenden Papierbogen. Atsuko Tanaka trug ein Kleid aus brennenden Gl\u00fchbirnen und Neonr\u00f6hren. Sh\u014dz\u014d Shimamoto schleuderte mit Farbe gef\u00fcllte Flaschen auf eine Leinwand. Die Aktionen wurden zum Ausgangspunkt handlungsbasierter Kunst auch in den USA, nachdem Alan Kaprow durch einen Bericht des Magazins Time-Life auf sie aufmerksam geworden war. Nun l\u00e4sst sich Aktionskunst zwar nicht sammeln und ausstellen. Doch Shiraga und Tanaka haben auch Arbeiten auf Papier und Leinwand hinterlassen, die nun im Museum Ernst der Gruppe Zero gegen\u00fcbergestellt sind, die auf andere Weise \u00fcber die herk\u00f6mmliche Kunst hinausging und, wie der Name besagt, wieder bei Null anfangen wollte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf Malerei liegt der Schwerpunkt der Sammlung. Einzelne plastische Arbeiten setzen deutliche Akzente. Eine dreiteilige, tonnenschwere Skulptur aus rostigem Cortenstahl von Eduardo Chillida steht im offenen Innenhof. Ernst hat sie 2020 schon f\u00fcr das Museum erworben. Eine der Nischen, die im zweiten Obergeschoss in die glatte Au\u00dfenhaut des Geb\u00e4udes einschneidet, schien dagegen wie geschaffen f\u00fcr einen bronzenen <em>Kraken-Migof<\/em> von Bernhard Schultze, der sich bereits in der Sammlung befand. Eine besondere Herausforderung stellte das Bronzestelen-Paar von Tony Cragg dar. Eigens f\u00fcr das Museum angefertigt, mussten die \u00fcber sechs Meter hohen Skulpturen in eine daf\u00fcr vorgesehene, zweigeschossige Nische eingebracht werden, noch bevor die Glasfront zur Wilhelmstra\u00dfe geschlossen war. R\u00f6tlich-golden schimmernd, stehen sie auf schlankem Fu\u00df: eine nicht ganz einfache Aufgabe f\u00fcr den Statiker.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"703\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/240624-mre-frank-stella-the-chase-1024x703.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-919\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/240624-mre-frank-stella-the-chase-1024x703.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/240624-mre-frank-stella-the-chase-300x206.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/240624-mre-frank-stella-the-chase-768x527.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/240624-mre-frank-stella-the-chase-1536x1054.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/240624-mre-frank-stella-the-chase-2048x1405.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Frank Stella, The Chase \u2013 Second Day (Moby Dick Series), 1989. Lackfarbe auf Metall, Mischtechnik, 290 x 555 x 135 cm. Museum Reinhard Ernst, VG Bild-Kunst, Bonn 2024. Foto: Van Ham Kunstauktionen, Sa\u0161a Fuis Photographie, K\u00f6ln.<br><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einen eigenen Raum, doch mit einer Glaswand zum Treppenhausflur, haben drei gro\u00dfformatige Wandarbeiten von Frank Stella. Plastisch und bunt, wollte der K\u00fcnstler mit ihnen die Unterscheidung von Malerei und Skulptur aufheben. Und damit das Thema <em>Moby Dick <\/em>anders als abbildend bearbeiten. Vom Lichthof erhalten die drei Arbeiten viel Tageslicht. Und gegen\u00fcber, \u00fcber dem Treppenaufgang, h\u00e4ngt eine weitere Arbeit von Stella. Der Raum war bereits eingerichtet, als Stella am 4. Mai im Alter von fast 88 Jahren verstarb. In der Decke befindet sich ein Oberlicht. Es dient, wie Ernst festh\u00e4lt, ausschlie\u00dflich dazu, dass man bei klarem Himmel im Winterhalbjahr die Sterne sehen kann.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Ein Bau des Pritzker-Preistr\u00e4gers Fumihiko Maki<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br>Er w\u00fcrde in seinem Leben gern zehn Museen bauen, erkl\u00e4rte Fumihiko Maki, der Architekt des Museums, als er vor 40 Jahren das Nationalmuseum f\u00fcr moderne Kunst in Kyoto plante. Mit dem Wiesbadener Bau ist ihm dieser Wunsch in Erf\u00fcllung gegangen. Ernst kennt den Architekten schon lange, der 1993 als zweiter von bisher acht Japanern \u2013 und einer Japanerin \u2013 den Pritzker-Preis erhielt, den &#8222;Nobelpreis der Architektur&#8220;. Mitsumasa Ito, Ernsts Partner bei <em>Harmonic Drive<\/em>, hat ihn mit dem Architekten bekannt gemacht. Und mit dem Bildhauer Iida Yoshikuni, f\u00fcr den das Unternehmen in dem von Maki entworfenen Geb\u00e4udekomplex <em>Triad<\/em> in Nagano neben einem Entwicklungszentrums ein Museum einrichtete. Zu einer erneuten Zusammenarbeit kam es, als die Reinhard und Sonja Ernst-Stiftung 2012 in Natori, einer vom Tsunami hart getroffenen Stadt n\u00f6rdlich des Katastrophenreaktors von Fukushima, ein <em>Haus der Hoffnung<\/em> als Begegnungsst\u00e4tte f\u00fcr Kinder und alte Menschen erbaute, das Maki <em>pro bono<\/em> entwarf. F\u00fcr das Museum Reinhard Ernst war Maki die erste Wahl.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Wertsch\u00e4tzung beruhte auf Gegenseitigkeit. Wie Maki hervorhebt, &#8222;f\u00e4llt dieses besondere Bauvorhaben durch die au\u00dfergew\u00f6hnliche Rolle auf, die der Bauherr im architektonischen Entwurfsprozess eingenommen hat \u2013 eine Seltenheit.&#8220; Ernst beschreibt die Zusammenarbeit so: &#8222;Alle zwei, drei Monate haben wir uns getroffen und jedes Detail durchgesprochen.&#8220; Warum ist der Raum mit dem <em>Moby-Dick<\/em>-Zyklus von Frank Stella mit einer Glaswand geschlossen?, fragt der Museumsgr\u00fcnder. Er h\u00e4tte auch offen bleiben k\u00f6nnen. Die Antwort: Hier befindet sich ein Brandabschnitt. Das Glas ist feuerfest, die Werke erhalten trotzdem Tageslicht. &#8222;Fassen Sie mal hier hin&#8220;: Ernst weist auf die wei\u00dfe Wand. Sie f\u00fchlt sich an wie Samt. &#8222;Ein Faser- oder Akustikputz&#8220;, erkl\u00e4rt er. Und tats\u00e4chlich: es hallt nicht in den hohen R\u00e4umen mit ihren glatten W\u00e4nden. Ein heller Terrazzoboden ist von einer Firma im Erzgebirge hergestellt. Ein gebeiztes Parkett in anderen R\u00e4umen besteht aus bis zu 7 Meter langen, 28 cm breiten Eichenbohlen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Museum Reinhard Ernst setzt einen klaren Kontrast zu seiner Umgebung: Wei\u00dfe, kubische Fl\u00e4chen statt Sandstein-Ornamentik. Doch zugleich reagiert der Bau \u00e4u\u00dferst sensibel auf seine Nachbarschaft. H\u00f6he und Ausma\u00dfe entsprechen anderen Bauten wie dem Museum Wiesbaden gegen\u00fcber. Die gro\u00dfe Glaswand zur Wilhelmstra\u00dfe ist genau auf die zwei gegen\u00fcber gelegenen Altbauten ausgerichtet. Auf den ersten Blick wirken die glatten wei\u00dfen W\u00e4nde sehr geschlossen, in sich gekehrt. Doch bei n\u00e4herer Betrachtung sind Innen und Au\u00dfen keine Gegens\u00e4tze, sie erg\u00e4nzen sich wechselseitig. Eine sehr japanische, relationale \u00c4sthetik, die im Lichthof, mit einem 65 Jahre alten japanischen Zierahorn, der aussieht, als st\u00fcnde er schon immer da, die Landschaft ins Haus hinein holt und zugleich von den Fluren und Innenr\u00e4umen aus den Blick nach au\u00dfen richtet. Bis in die Sterne.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Bau ist nun zum Verm\u00e4chtnis von Fumihiko Maki geworden, der am 6. Juni im Alter von 95 Jahren verstarb. Da stand schon l\u00e4ngst fest, dass ihm auch die erste Sonderausstellung gewidmet sein sollte. Sie zeigt Modelle seiner Museen und weiterer wichtiger Bauten wie die <em>Towers 4<\/em> an der Stelle des <em>World Trade Center <\/em>in New York, aber auch das <em>Haus der Hoffnung<\/em> in Natori.<\/p>\n\n\n\n<hr style=\"--wb-separator-margin-top:0px;--wb-separator-margin-bottom:0px\" class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/www.museum-re.de\/de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">www.museum-re.de<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Museum Reinhard Ernst in Wiesbaden setzt Ma\u00dfst\u00e4be in Architektur und Kunst. &#8222;Zuckerw\u00fcrfel&#8220; sagen die Wiesbadener. Das Museum Reinhard Ernst kleidet sich in wei\u00dfen Granit. Ja, Granit ist nicht immer schwarz; allerdings musste der Stein aus Vermont \u00fcber den Atlantik geschippert werden. 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