{"id":2296,"date":"2024-08-04T22:00:00","date_gmt":"2024-08-04T20:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/on-art.news\/?p=5899"},"modified":"2026-08-14T22:00:03","modified_gmt":"2026-08-14T20:00:03","slug":"kunst-als-treiber-nachhaltigen-wandels","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/on-art.news\/en\/2024\/08\/04\/kunst-als-treiber-nachhaltigen-wandels\/","title":{"rendered":"Kunst als Treiber nachhaltigen Wandels?"},"content":{"rendered":"<h3 class=\"wp-block-heading\">Das <em>Socle du Monde Art Festival<\/em>, die <em>Triennale Beaufort<\/em> und die<em> Triennale Br\u00fcgge<\/em> unter ver\u00e4nderten Vorzeichen<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Beinah zehn Jahre ist es her, dass die Vereinten Nationen 2015 das Ergebnisdokument &#8222;Transformation unserer Welt: die Agenda 2030 f\u00fcr nachhaltige Entwicklung&#8220; verabschiedeten. Ein Dokument mit 17 Nachhaltigkeitszielen, f\u00fcr deren Erreichung zwangsl\u00e4ufig ein Umdenken auf nationaler wie internationaler, auf pers\u00f6nlicher wie institutioneller Ebene gefordert ist. Im Grunde bedeutet die Agenda 2030 den Abschied von unaufh\u00f6rlichem Wirtschaftswachstum. Seitdem sind alle gesellschaftlichen Bereiche gleicherma\u00dfen sowohl angesprochen als auch herausgefordert. Das schlie\u00dft auch die Kulturbranche ein. Aber kann Kunst tats\u00e4chlich als Treiber eines solch nachhaltigen Wandels fungieren?<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">DO IT yourself<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit dieser Frage besch\u00e4ftigen sich momentan gleich mehrere Kunst-Events. Da ist zum Beispiel das <em>Socle du Monde Art Festival<\/em>, das alle zwei Jahre an verschiedenen Orten in der d\u00e4nischen Stadt Herning ausgetragen wird. Anl\u00e4sslich der neunten Ausgabe kamen in diesem Jahr circa 70 Kunstschaffende, Architekt:innen, Designer:innen und Kurator:innen unter dem Leitthema &#8222;DO IT&#8220; zusammen. Das Grundkonzept ist inspiriert von einer Ausstellungsreihe des Kurators Hans-Ulrich Obrist, die dem vor allem in sozialen Medien beliebten DIY-Trend entspricht. Obrist entwickelte das Format allerdings bereits 1993 im Gespr\u00e4ch mit den K\u00fcnstlern Christian Boltanski und Bertrand Lavier. Zun\u00e4chst als Experiment angelegt, testete Obrist, ob eine Ausstellung allein mit niedergeschriebenen Instruktionen m\u00f6glich \u2013 und sogar flexibler sowie offener \u2013 sei. Anschlie\u00dfend entwickelte er eine fortlaufende Ausstellungsreihe, die bisher an mehr als f\u00fcnfzig Orten \u00fcberall auf der Welt stattfand. Die f\u00fcr Herning konzipierte Schau &#8222;DO IT yourself&#8220; umfasst nun Texte von 21 Kunstschaffenden. Handlungsanweisungen wie &#8222;Whatever you do, do something else&#8220; oder &#8222;DYT HVIS DU ER DANSKER&#8220; finden sich im st\u00e4dtischen Au\u00dfenraum sowie auf dem Gel\u00e4nde der Outdoor-Ausstellungsfl\u00e4che <em>Deep Forest Art Land<\/em> und richten sich sowohl an Besuchende der Biennale als auch an die Einheimischen von Herning.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Upcycling<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die von Obrist kuratierte Ausstellung ist aber nur eine von vielen in der Stadt verteilten Pr\u00e4sentationen, die sich neben &#8222;DIY&#8220; in die Sektionen &#8222;Upcycling&#8220;, &#8222;Travel&#8220; und &#8222;Rewilding&#8220; einordnen lassen. Fragile Skulpturen der in Korea geborenen K\u00fcnstlerin Sui Park ziehen sich beispielsweise wie ein neonfarbenes Korallenriff \u00fcber den wei\u00dfen Untergrund im HEART (kurz f\u00fcr <em>Herning Museum of Contemporary Art<\/em>) und ballen sich zu biomorphen Formationen zusammen. Sie liegen auf dem Boden, schweben in der Luft oder wachsen von den W\u00e4nden in den Raum hinein \u2013 bilden gem\u00e4\u00df dem Ausstellungstitel gemeinsam einen &#8222;Microcosm&#8220;. Fast sph\u00e4risch wirken die flexiblen Gebilde der in New York lebenden K\u00fcnstlerin, muten wie vergr\u00f6\u00dferte Zellk\u00f6rper oder Atome an. Bei genauerem Hinsehen entpuppen sich die anmutigen Skulpturen jedoch als aus Kunststoff gefertigt, vornehmlich aus Kabelbindern, die als billiges und wenig langlebiges Material im kollektiven Denken verankert sind. Es ist nicht das erste Mal, dass Park massenproduzierte Industriematerialien verwendet, die sie zu organischen Strukturen umfunktioniert.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped w3 wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"1024\" data-id=\"980\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/11._Socle-du-Monde-1024x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-980\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/11._Socle-du-Monde-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/11._Socle-du-Monde-300x300.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/11._Socle-du-Monde-150x150.jpg 150w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/11._Socle-du-Monde-768x768.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/11._Socle-du-Monde-1536x1536.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/11._Socle-du-Monde-2048x2048.jpg 2048w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/11._Socle-du-Monde-100x100.jpg 100w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"682\" data-id=\"979\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/13._Socle-du-Monde-1024x682.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-979\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/13._Socle-du-Monde-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/13._Socle-du-Monde-300x200.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/13._Socle-du-Monde-768x512.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/13._Socle-du-Monde-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/13._Socle-du-Monde-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\"><strong>Links<\/strong>: Sui Park, Microcosm, 2023. Foto: Sui Park. <strong>Right<\/strong>: Basurama, Abierto x Obras. Madrid, Septiembre 2016. basurama.org CCBY-NC-SA 4.0.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Au\u00dfenseite des Museums schm\u00fcckt zudem eine Arbeit des spanischen Kollektivs Basurama. &#8222;Consumption Linee_a tribute to Piero Manzoni&#8220; ist als Hommage an den italienischen Konzeptk\u00fcnstler gedacht, der gerne \u00fcber unendliche Linien sinnierte und selbst zeitweise in Herning residierte. Das Kollektiv erkennt im ungez\u00fcgelten Konsum ebenfalls eine unendliche Linie, die weder Zeit noch Distanzen zu messen vermag. Bezugnehmend auf die zivilisatorische virtuelle sowie physische Massenproduktion von M\u00fcll verwendet Basurama hier Styropor aus dem globalen Warentransport: Ein Material, das wertvollste G\u00fcter sch\u00fctzt, nach Erf\u00fcllung dieses Zwecks aber zumeist weggeworfen wird und vom lokalen <em>RessourceCenter Vejle<\/em> bezogen wurde. Auf und ab scheinen sich die Beh\u00e4ltnisse zu bewegen, wenn man die wei\u00dfe Linie an der Wand abschreitet. Sie k\u00f6nnten auch aufgereihte Architekturmodelle sein und entwickeln eine ganz eigene \u00c4sthetik.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/2.1_Socle-du-Monde-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-983\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/2.1_Socle-du-Monde-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/2.1_Socle-du-Monde-300x200.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/2.1_Socle-du-Monde-768x512.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/2.1_Socle-du-Monde-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/2.1_Socle-du-Monde-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Ida Schrader, Deadlock, ACAD. Aus einer Gruppenausstellung \u2013 MFA Afgang. (Auf dem Foto sieht man auch eine Arbeit von Kaja Lahoda.) Foto: David Stjernholm.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Neue M\u00f6glichkeitsr\u00e4ume<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Abseits der Metropolen lockt die Biennale ins mittlere J\u00fctland. Auch wenn das international wenig bekannte Herning mit seiner Naturkulisse begeistern kann, weist die mittelgro\u00dfe Stadt zus\u00e4tzlich eine bewegte Geschichte auf. Denn sie wurde nach 1950 zu einem Zentrum der Textilindustrie. Zu dieser Zeit lud der Textilunternehmer Aage Damgaard (1917\u20131991) erstmalig verschiedene Kunstschaffende in seine Hemden-Fabrik am Stadtrand von Herning ein und begann, eine eigene Kunstsammlung aufzubauen. Mit der Schlie\u00dfung der Fabrik wandelte Damgaard diese in ein privates Museum um, das zwischen 2005 und 2009 nach Entw\u00fcrfen des US-amerikanischen Architekten Steven Holl zu neuer Form gelangte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit Kunst f\u00fcr die lokale Historie sensibilisieren, Menschen an weniger bekannte Orte f\u00fchren \u2013 das ist auch das Anliegen gleich zweier zeitgleich stattfindender Triennalen in Belgien. W\u00e4hrend fr\u00fcher Badeorte mit mond\u00e4ner Architektur aufwarten konnten, finden sich an der belgischen K\u00fcste heute oftmals blockhafte Hotels und Ferienwohnungen. Sie werden im Sommer touristisch \u00fcberlaufen, gleichen im Winter jedoch Geisterst\u00e4dten. Au\u00dferdem m\u00fcssen sich die Bewohner:innen der K\u00fcste auch hier auf die Folgen des Klimawandels einstellen. Die <em>Triennale Beaufort<\/em> f\u00fchrt unter dem Titel &#8222;Fabric of Life&#8220; mit tempor\u00e4r sowie permanent installierten Skulpturen entlang der K\u00fcste durch gleich mehrere dieser Orte und kn\u00fcpft dabei an deren spezifische Historie an. So erinnert beispielsweise Johan Cretens Bronzestatue &#8222;The Herring&#8220; am Strand von Sint-Andr\u00e9 in Koksijde an den legend\u00e4ren Heringswinter 1942\/43. Damals wurden so viele Fische an die belgische K\u00fcste gesp\u00fclt, dass sie sich mit blo\u00dfen H\u00e4nden fangen lie\u00dfen. Zugleich macht die Skulptur auf das Meer als ersch\u00f6pfliche Ressourcenquelle aufmerksam.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seit April lockt zudem die vierte Ausgabe der <em>Triennale Br\u00fcgge<\/em> in die UNESCO-Weltkulturerbe-Stadt. Wie l\u00e4sst sich trotz strenger Regularien nachhaltiger Wandel umsetzen? &#8222;Spaces of Possibility&#8220; setzt bekannte sowie unbekannte Orte im Stadtgebiet neu in Szene. &#8222;Under the Carpet&#8220;<br>von Adrien Tirtiaux f\u00f6rdert zum Beispiel mittels gr\u00fcnem Rasenteppich und Spiegeln eine in Vergessenheit geratene Stra\u00dfe zutage, die einst das Sankt-Jans-Hospital mit der Minnewaterklinik verband. Die mehrheitlich begr\u00fcnten Skulpturen und Architekturen machen versteckte G\u00e4rten zum ersten Mal f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich, schaffen neue Gemeinschaftsr\u00e4ume sowie R\u00fcckzugsorte, die teils auch nach der Triennale f\u00fcr die Bewohner:innen nutzbar bleiben sollen. Die Arbeiten liefern zwar keine endg\u00fcltigen L\u00f6sungen, aber sie f\u00fchren vor, wie selbst mittels behutsamer Eingriffe ein Stadtbild nachhaltig ver\u00e4ndert werden kann.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large w3\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/18._Socle-du-Monde-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-984\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/18._Socle-du-Monde-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/18._Socle-du-Monde-300x200.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/18._Socle-du-Monde-768x512.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/18._Socle-du-Monde-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/18._Socle-du-Monde-2048x1366.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Parscale Marthine-Tayou, Dreams in Giza, ACAA. 200 x 200 x 3,2 cm. Mit freundlicher Genehmigung des K\u00fcnstlers und Galleria Continua. Foto: Lorenzo Fiaschi.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Nachhaltigkeit im Kunstbetrieb<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Besch\u00e4ftigung mit Kunst als Treiber nachhaltigen Wandels in Inhalt wie Form ist aber nicht unbedingt ein neues Ph\u00e4nomen. Bereits K\u00fcnstler wie Jean Tinguely, Arman oder Christo haben in den 1960er-Jahren gebrauchte Materialien in ihre Arbeiten inkludiert und somit aufgewertet. \u00d6kologische Fragen waren zu dieser Zeit \u00e4hnlich pr\u00e4sent wie heute und f\u00fchrten zu bekannten Aktionen wie zum Beispiel zu dem 7000-Eichen-Projekt von Joseph Beuys bei der Kasseler documenta 1982. Die Biennale von Venedig im Jahr 1978 stand sogar unter dem Motto &#8222;Von der Natur zur Kunst, von der Kunst zur Natur&#8220;. Mit dem Neoliberalismus in den 1990er-Jahren und dem durch ihn verursachten massiven Aufschwung auch im Kunstmarkt gerieten Umweltfragen jedoch zun\u00e4chst wieder in den Hintergrund. Heute besch\u00e4ftigen sich mehr K\u00fcnstler:innen denn je mit \u00f6kologischen Themen. An der Kieler Muthesius Kunsthochschule wird sogar an Materialien f\u00fcr nachhaltiges Arbeiten in der Kunst geforscht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Umdenken findet zudem institutionell statt. War der Begriff &#8222;klimagerechtes Museum&#8220; vor zehn Jahren noch weitgehend unbekannt, ist er heute aus dem Museumsalltag kaum noch wegzudenken. Mittlerweile gibt es Kurator:innen f\u00fcr \u00d6kologie wie zum Beispiel im K\u00f6lner Museum Ludwig und Museen schl\u00fcsseln ihre CO\u2082-Bilanzen \u00f6ffentlichkeitswirksam auf. Immer mehr Museen beziehen Strom aus erneuerbaren Energien, reduzieren Kunsttransporte und M\u00fcll. Obwohl das &#8222;Gr\u00fcne Museum&#8220; noch nicht genau definiert ist, nimmt das Thema Nachhaltigkeit in allen Bereichen des Kunstbetriebs an Relevanz zu. So auch bei der Bonner Privatsammlerin Carolin Scharpff-Striebich, die seit 2004 die elterliche Sammlung von Rudolf und Ute Scharpff sowie ihre eigene Kollektion von Gegenwartskunst leitet. Inspiriert von Haley Mellin, Gr\u00fcnderin der lnitiative &#8222;Art to Acres&#8220;, versucht sie, die CO\u2082-Bilanz der beiden Sammlungen massiv zu verbessern. Die Ma\u00dfnahmen zur Reduzierung des CO\u2082-Aussto\u00dfes lassen sich dabei in vier gro\u00dfe Bereiche aufteilen: Reiset\u00e4tigkeit, Lagerung, Transport und Verpackung. So reist sie vornehmlich mit dem Zug, hat ihre Lager auf LED-Licht mit Bewegungsmeldern umger\u00fcstet, setzt auf Sammelcontainer oder LKW-Beiladung zwecks Versand. Dazu bevorzugt sie langfristige Leihanfragen und setzt wiederverwendbare Transportkisten ein.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/4.1._Socle-du-Monde-1-1024x576.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-982\" style=\"width:1100px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/4.1._Socle-du-Monde-1-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/4.1._Socle-du-Monde-1-300x169.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/4.1._Socle-du-Monde-1-768x432.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/4.1._Socle-du-Monde-1-1536x864.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/4.1._Socle-du-Monde-1-2048x1152.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Sonja Strange, Still photo from the video artwork: Blodsten &#8211; (Bl\u00f3tet \/ The Ritual). Foto: Ulrik Dinesen.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">&#8222;Socle du Monde&#8220;<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch macht all das wirklich einen Unterschied? Noch immer zeichnet sich der Kunstbetrieb angesichts zahlreicher Biennalen, Triennalen und Messen rund um den Globus durch CO\u2082-intensive Transport- und Reiset\u00e4tigkeit aus. Obwohl unmittelbar die Klimaanlage als besonders gro\u00dfer CO\u2082-Faktor bei Museen in den Sinn kommt, zeigt sich beispielsweise beim Blick in die Bilanz des K\u00f6lner Wallraf-Richartz-Museums, dass entgegen dieser Annahme die An- und Abreise der Besucher:innen den Hauptfaktor darstellt. Auch die Realisation von Kunstwerken selbst kann sehr CO\u2082-intensiv ausfallen. So hat Olafur Eliassons anl\u00e4sslich der Pariser Weltklimakonferenz 2015 platzierte &#8222;Ice Watch&#8220; aus schmelzenden Eisbl\u00f6cken mit insgesamt 30 Tonnen so viel CO\u2082 verbraucht wie der Hin- und R\u00fcckflug von 30 Menschen, die sich vor Ort in Gr\u00f6nland ein Bild von der Lage h\u00e4tten machen k\u00f6nnen. Kann Kunst trotzdem als Treiber nachhaltigen Wandels funktionieren?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Herzst\u00fcck der d\u00e4nischen Biennale, dem HEART, findet sich auch der namensgebende Bronzekubus &#8222;Socle du Monde&#8220; des K\u00fcnstlers Piero Manzoni. Die Inschrift ist allerdings um 180 Grad gedreht, l\u00e4sst sich also am besten auf dem Kopf stehend entziffern. Im Kopfstand aber scheint die ganze Welt pl\u00f6tzlich auf dem Sockel zu ruhen: ein Appell, die Dinge aus einer neuen Perspektive zu betrachten \u2013 und genau das ist die gro\u00dfe Qualit\u00e4t von Kunst. Sie erz\u00e4hlt Geschichten, vermittelt Emotionen und kann wissenschaftliche Erkenntnisse in intuitiv verst\u00e4ndliche Bildsprache \u00fcbersetzen. Kunst ist bef\u00e4higt, wichtige Impulse zu setzen, eine Multiplikator-Funktion innezuhaben und so zur Erhaltung der \u00d6kosysteme beizutragen.<\/p>\n\n\n\n<hr style=\"--wb-separator-margin-top:0px;--wb-separator-margin-bottom:0px\" class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Socle du Monde Art Festival 2024, &#8222;DO IT!&#8220;, Gesamtkonzept von Tijs Visser<br>Herning, D\u00e4nemark<br>24. Mai bis 24. November 2024<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Socle du Monde Art Festival, die Triennale Beaufort und die Triennale Br\u00fcgge unter ver\u00e4nderten Vorzeichen Beinah zehn Jahre ist es her, dass die Vereinten Nationen 2015 das Ergebnisdokument &#8222;Transformation unserer Welt: die Agenda 2030 f\u00fcr nachhaltige Entwicklung&#8220; verabschiedeten. 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