{"id":2310,"date":"2024-10-03T15:34:24","date_gmt":"2024-10-03T13:34:24","guid":{"rendered":"https:\/\/on-art.news\/?p=6430"},"modified":"2026-08-14T22:00:03","modified_gmt":"2026-08-14T20:00:03","slug":"wie-ich-mich-vom-zwang-befreite","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/on-art.news\/en\/2024\/10\/03\/wie-ich-mich-vom-zwang-befreite\/","title":{"rendered":"&#8222;Wie ich mich vom Zwang befreite&#8220;"},"content":{"rendered":"<h3 class=\"wp-block-heading\">Ein Interview mit der Malerin Christine Schlegel<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Seit dem 3. Oktober 2024 ist das von Sarah Alberti und Birgit Grimm kuratierte Interviewprojekt &#8222;Kunstszene\/Ost \u2013 Biografien im Umbruch&#8220; online. Um die Bekanntheit dieser neuen Plattform zu unterst\u00fctzen, ver\u00f6ffentlichen wir im Folgenden ein Interview mit der Malerin Christine Schlegel, das Birgit Grimm mit der K\u00fcnstlerin f\u00fchrte.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Birgit Grimm: Frau Schlegel, Sie lebten 1989 in Westberlin. Wie haben Sie die Mauer\u00f6ffnung erlebt?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Christine Schlegel: Am Tag vor der Mauer\u00f6ffnung war ich noch in New York. Als ich in Berlin ankam, war ich sehr m\u00fcde. Und ich hatte nichts zu essen im K\u00fchlschrank. In der Nacht riefen mich viele Freunde aus Ostberlin an und sagten: Wir stehen in Westberlin mit Sekt, komm doch rum! Aber ich k\u00e4mpfte noch mit meinem Jetlag. Nur mit einer wichtigen Freundin, Willfriede Maa\u00df, und unseren Kindern, feierten wir das gro\u00dfe Ereignis. Am n\u00e4chsten Morgen bin ich dann \u00fcber den Winterfeldplatz gelaufen. Da kam mir ein Ehepaar entgegen, und die Frau sagte zu ihrem Mann: &#8222;Gugge ma, das ist bestimmt ooch so eene Drogens\u00fcchtige!&#8220; Da wurde ich leicht panisch und dachte: Ohje, jetzt sind die, vor denen ich auch gefl\u00fcchtet bin, wieder da. Nicht nur den Bonzen, Stasi-Mitarbeitern, sondern auch den Biederm\u00e4nnern und -frauen war ich mit der Ausreise entkommen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"713\" height=\"503\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/christine-schlegel-gruendelteich-2021-foto-archiv-schlegel.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1061\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/christine-schlegel-gruendelteich-2021-foto-archiv-schlegel.jpg 713w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/christine-schlegel-gruendelteich-2021-foto-archiv-schlegel-300x212.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 713px) 100vw, 713px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Christine Schlegel, Gr\u00fcndelteich, 2021. Foto: Archiv Schlegel.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em><em>Birgit <em>Grimm<\/em><\/em>:<\/em> <em>Warum sind Sie in den Westen gegangen? Gab es einen Ausl\u00f6ser?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Christine Schlegel: Ich hatte in Dresden mit Freunden, also mit Schauspielern, Schriftstellern und Musikern, die Gruppe SUM gegr\u00fcndet.Wir haben absurdes Theater gemacht. Ich drehte Filme, es war alles frei und wild und verr\u00fcckt und hat mir viel Spa\u00df gemacht. Aber innerhalb eines halben Jahres sind alle verschwunden und waren weg \u2013 im Westen. Ich war traurig, dass ich die Freunde verloren hatte, mit denen ich gemeinsam denken und f\u00fchlen konnte. Der Gedanke wegzugehen war mir aber schon viel eher gekommen. Der Fasching, den wir in der Dresdner Kunsthochschule nach der Biermann-Ausweisung 1976 gefeiert haben, wurde uns als Konterrevolution ausgelegt. Ich hatte das Gef\u00fchl, das geht gar nicht. Wenn so ein bisschen Spa\u00df und Kritik als Konterrevolution angesehen werden, dann ist die Gefahr gro\u00df, dass ich im Knast lande wegen nichts.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em><em>Birgit <em>Grimm<\/em><\/em>:<\/em> <em>Was war an diesem Karneval konterrevolution\u00e4r?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Christine Schlegel: Gar nichts. Ein ganz \u00e4hnlicher Fasching fand in Leipzig statt, daf\u00fcr hat sich kein Mensch interessiert. Aber der Dresdner Rektor Fritz Eisel hatte Kritik an unseren Bildern ge\u00fcbt. Die Assistenten und die Professorenkinder bekamen Eimer mit wei\u00dfer Farbe und mussten unsere Bilder \u00fcbermalen. Und dann holte er auch die Staatssicherheit wegen eines &#8222;Angriffs auf eine sozialistische Leiterpers\u00f6nlichkeit&#8220;. Wir hatten ihn sehr klein auf einem Thron dargestellt, mit Fu\u00dfrasten. Nach seiner Kritik malten wir ihn weg und daf\u00fcr sein &#8222;Nuttent\u00e4schel&#8220;, also seine Handgelenktasche, h\u00e4ngend am Thron und ein Schild dazu: &#8222;Der Rektor ist in Indien&#8220;, weil er immer in den Westen fahren durfte. Das Geschehen eskalierte. Die Partei hat \u00fcberreagiert, und die Stasi wurde einbezogen. Das Kulturministerium meinte allerdings, wenn an dieser Schule Konterrevolution\u00e4re studieren, dann stimme etwas mit dem Lehrk\u00f6rper nicht. Wir wurden wochenlang mit Rotlicht bestrahlt, aber nicht geext. Sp\u00e4testens seitdem wurde ich von der Stasi \u00fcberwacht. Eine Nachbarin hat \u00fcber mich berichtet und auch mein damaliger Partner. Er war von der Stasi erpresst worden. Diese Zeit war f\u00fcr mich immer eine Mischung aus Angst und Verkrampfung. So wollte ich nicht leben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em><em>Birgit <em>Grimm<\/em><\/em>:<\/em> <em>Wie haben Sie die Ausreisegenehmigung bekommen?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Christine Schlegel: Ich wusste, dass man laut KSZE-Akte nach einer Heirat mit einem Ausl\u00e4nder geregelt in den Westen und danach besuchsweise wieder in die DDR einreisen durfte. Man war dadurch weniger Repressionen ausgesetzt als mit einem Ausreiseantrag. Leo Lippold, einer meiner Freunde, lebte in Amsterdam. Dort fand er einen K\u00fcnstler, der mich heiratete. So kam es zu dieser Eheschlie\u00dfung mit Fred van Otten in Ostberlin. Der K\u00fcnstler Sascha Anderson hat die Hochzeitsfeier organisiert mit Westgeld und Nahrungsmitteln aus dem Westen. Durch ihn war die Stasi von Anfang an dabei, es war absolut skurril. &#8222;Kiste&#8220;, einer der auch f\u00fcr die Stasi gearbeitet hat, wurde aus Dresden geholt und hat das Ganze bekocht. Die Ausreise war dann doch nicht so einfach. Auf dem Amt bekam ich einen zeitlich limitierten Pass und die Ansage: &#8222;Damit k\u00f6nnen Sie aus der DDR ausreisen, aber noch nicht in Holland einreisen. Sie brauchen daf\u00fcr eine extra Genehmigung, aber Sie d\u00fcrfen die holl\u00e4ndische Botschaft nicht betreten. Wenn der Pass abgelaufen ist, k\u00f6nnen Sie nicht mehr ausreisen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em><em>Birgit <em>Grimm<\/em><\/em>:<\/em> <em>Wie haben Sie das Problem gel\u00f6st?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Christine Schlegel: Ich kannte schon l\u00e4nger einen westdeutschen Diplomaten in der St\u00e4ndigen Vertretung der BRD in der DDR. Der wiederum kannte den holl\u00e4ndischen Botschafter und traf sich heimlich mit ihm, als er seinen Hund ausf\u00fchrte. Also ein Gespr\u00e4ch mit Hundefl\u00f6hen, aber ohne Wanzen. Der Botschafter hat f\u00fcr mich und meine 15-j\u00e4hrige Tochter \u00fcber Nacht die Einreise in die Niederlande besorgt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em><em>Birgit <em>Grimm<\/em><\/em>:<\/em> <em>Wie war die Ankunft in Amsterdam?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Christine Schlegel: Ganz schwierig. In Holland bekam zwar jeder K\u00fcnstler 1.000 Gulden im Monat, egal, ob er studiert hatte oder nicht. Aber van Otten hatte panische Angst vor der Verantwortung, die wir ihm aufgeb\u00fcrdet hatten. Er wollte sofort wieder geschieden werden. Daf\u00fcr musste ich nach Den Haag, um meinen DDR-Pass best\u00e4tigen zu lassen. Die BRD-Botschaft hat mir dann einen westdeutschen Pass ausgestellt. Damit galt ich in der DDR als Fl\u00fcchtling und durfte nicht wieder einreisen. Ich habe es trotzdem mehrmals riskiert, indem ich meine Meldebescheide f\u00e4lschte. Da stand lange Zeit noch: &#8222;Verheiratet, in Holland lebend.&#8220; Ich hatte mir Biermanns Textzeile zu eigen gemacht: &#8222;Wer sich nicht in Gefahr begibt, der kommt drin um!&#8220; Meine Tochter und ich sind dann bald nach Westberlin gezogen. Aber wir sind nie gemeinsam in den Osten gereist, damit wir immer wieder rausgelassen oder im Ernstfall als Familie zusammengef\u00fchrt werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em><em>Birgit <em>Grimm<\/em><\/em>:<\/em> <em>F\u00fchlten Sie sich in Westberlin freier?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Christine Schlegel: Ja! Das war so ein herrliches Durcheinander in Westberlin, richtig anarchistisch. Das politische Geschehen war tolerant, demokratisch, vielleicht sogar offener als in der BRD. Schwule, Lesben, Ausl\u00e4nder mit allem Positiven und Negativen \u2013 das war eine Form von Leben, die hat mich freigemacht von vielem, was ich an Krampfigem aus der DDR mit mir rumgeschleppt habe. Es war auch anstrengend. Wir wohnten in einem ehemals besetzten Haus, wo alles wackelte, wenn einer eine Party feierte. Im Hof ging man immer an einer T\u00fcrken- und einer Albaner-Gang vorbei. Man musste erreichen, dass die einem die Fenster putzten und nicht einschmissen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em><em>Birgit <em>Grimm<\/em><\/em>: Aber Sie waren doch in der DDR auch kein Kind von Traurigkeit &#8230;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Christine Schlegel: In der DDR hat man gelernt: Wie verarsche ich die Bonzen? Wie trickse ich die aus? Und wie lebe ich trotz allem noch so, dass sie mich nicht einsperren? Zum Beispiel so: Wenn ich eine Ausstellung mache, die verboten werden k\u00f6nnte, dann lade ich einen Diplomaten zur Er\u00f6ffnung ein. Wenn der in seinem Auto mit CD-Kennzeichen um die Ecke kam, verschwand die Polizei sofort. Wenn wir in der St\u00e4ndigen Vertretung der BRD in Ostberlin eine Ausstellung wie die von Joseph Beuys sehen wollten, sind wir mit einem Diplomaten reingefahren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em><em>Birgit <em>Grimm<\/em><\/em>: Und wenn man keinen westdeutschen Diplomaten kannte?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Christine Schlegel: Es gab noch andere M\u00f6glichkeiten f\u00fcr Unerlaubtes. Gemeinsame Malaktionen, Silvesterfeiern. Au\u00dferdem haben wir K\u00fcnstler wunderbare Kinderfeste in Dresden organisiert, weil wir dachten: Kinder sind frisch und frei und anders. Da kam die freie Theatergruppe Zinnober aus Berlin. Am Staffelstein haben wir eine Schaukel an einer riesigen Eiche angebaut, die war vielleicht 30 Meter lang. Da konnte man \u00fcber die Stra\u00dfe schaukeln. Der Maler Peter Herrmann hat Moritatenbilder gemalt und Drehorgel gespielt. Wir haben den Kindern viel geboten. Aber es ging uns vor allem darum, Freiheit zu zelebrieren und uns nicht einschr\u00e4nken zu lassen und gemeinsam etwas zu machen. Das habe ich dann in Westberlin sehr vermisst. Da war Konkurrenz um alles und zwischen allen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em><em>Birgit <em>Grimm<\/em><\/em>: Die Kinder boten Ihnen also den willkommenen Anlass und zugleich das Alibi f\u00fcr ungew\u00f6hnliche K\u00fcnstlerfeste?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Christine Schlegel: Ein Kinderfest konnte die Polizei nicht als Zusammenrottung diffamieren und beenden. Es wurde nat\u00fcrlich argw\u00f6hnisch beobachtet und uns verboten, ein Kinderfest an einem bestimmten Ort zu feiern, nachdem wir schon eins in Cossebaude auf einer Wiese und zwei am Staffelstein organisiert hatten. Also setzten wir uns in Bewegung. Ich kannte den Hohburgtunnel bei Moritzburg sehr gut. Das war quasi ein geheimer Ort, f\u00fcr Kinder etwas ganz Spektakul\u00e4res. Wir hatten ihnen Kost\u00fcme gen\u00e4ht, da konnten sie Prinzessin spielen und Ritter. Als wir am Boxdorfer Berg loswanderten, fuhren bald drei Stasi-Wartburgs hinter uns her, um uns zu beobachten. Nach diesem Kinderfest war die Luft raus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em><em>Birgit <em>Grimm<\/em><\/em>: War es f\u00fcr Sie schwierig Mutter und K\u00fcnstlerin zu sein?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Christine Schlegel: Als ich das Studium anfing, war meine Tochter schon zweieinhalb. Einen Krippenplatz habe ich nicht bekommen. Die Begr\u00fcndung: Wenn ich einen ordentlichen Beruf gehabt h\u00e4tte wie W\u00e4scherin oder Krankenschwester, dann k\u00f6nnte ich einen Krippenplatz bekommen. Also habe ich sie in die Hochschule mitgenommen. Sie sa\u00df oft auf dem Gang und hat gemalt. Mit ihren Bildern haben wir eine Ausstellung gemacht unter dem Titel &#8222;Was man malt, das malt man&#8220;. Das hat die Professoren wahnsinnig aufgeregt. Meine Tochter sollte ins Kinderheim! Der einzige SED-Genosse in unserem Studienjahr hat mir \u00fcber die Partei einen Krippenplatz besorgt. Aber auch die Kommilitonen haben sich gern aufgeregt, weil ich oft die Erste war, die das Atelier verlie\u00df und nicht mit sauber machte. H\u00e4ufig bekam ich Spr\u00fcche zu h\u00f6ren wie: &#8222;Aus dir wird nie ein K\u00fcnstler. K\u00fcnstler m\u00fcssen rumhuren, saufen und rauchen. Mit Mann und Kind kann man doch nicht K\u00fcnstler werden!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em><em>Birgit <em>Grimm<\/em><\/em>: Wie haben Sie sich in der DDR \u00fcber internationale Kunst informiert?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Christine Schlegel: Christoph Tannert hatte mir \u00fcber den Zentralvorstand des K\u00fcnstlerverbandes in Berlin einen Giftschein, wie man ihn als Legitimation zur Bearbeitung einer Dissertation brauchte, f\u00fcr die Landesbibliothek beschafft. Damit konnte ich alles im Westen Gedruckte einsehen. An der Ausleihe sa\u00df ein Bekannter von mir, der mir aus dem Fundus holte, wonach mir der Sinn stand: Von Picasso habe ich gelernt, dass man die Kunst aus seinem Innersten hervorholen muss. Das haben uns auch die alten K\u00fcnstler hier in Dresden vermittelt: Curt Querner, Theodor Rosenhauer, Hans J\u00fcchser &#8230;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"722\" data-id=\"1062\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/christine-schlegel-ar-penck-1993-foto-archiv-schlegel-1-1024x722.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1062\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/christine-schlegel-ar-penck-1993-foto-archiv-schlegel-1-1024x722.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/christine-schlegel-ar-penck-1993-foto-archiv-schlegel-1-300x211.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/christine-schlegel-ar-penck-1993-foto-archiv-schlegel-1-768x541.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/christine-schlegel-ar-penck-1993-foto-archiv-schlegel-1-1536x1083.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/christine-schlegel-ar-penck-1993-foto-archiv-schlegel-1.jpg 1599w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"690\" data-id=\"1063\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/christine-schlegel-ar-penck-1993-foto-archiv-schlegel-2-1024x690.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1063\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/christine-schlegel-ar-penck-1993-foto-archiv-schlegel-2-1024x690.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/christine-schlegel-ar-penck-1993-foto-archiv-schlegel-2-300x202.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/christine-schlegel-ar-penck-1993-foto-archiv-schlegel-2-768x517.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/christine-schlegel-ar-penck-1993-foto-archiv-schlegel-2-1536x1035.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/christine-schlegel-ar-penck-1993-foto-archiv-schlegel-2.jpg 1599w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"714\" data-id=\"1064\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/christine-schlegel-ar-penck-galerie-ozwei-berlin-1993-foto-archiv-schlegel-1024x714.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1064\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/christine-schlegel-ar-penck-galerie-ozwei-berlin-1993-foto-archiv-schlegel-1024x714.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/christine-schlegel-ar-penck-galerie-ozwei-berlin-1993-foto-archiv-schlegel-300x209.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/christine-schlegel-ar-penck-galerie-ozwei-berlin-1993-foto-archiv-schlegel-768x535.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/christine-schlegel-ar-penck-galerie-ozwei-berlin-1993-foto-archiv-schlegel-1536x1070.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/christine-schlegel-ar-penck-galerie-ozwei-berlin-1993-foto-archiv-schlegel.jpg 1600w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\"><strong>Links<\/strong>: Christine Schlegel (r.) und A.R. Penck arbeiten 1993 gemeinsam an einem Bild. Foto: Archiv Schlegel. <strong>Middle<\/strong>: Das Ergebnis einer gemeinsamen Malaktion mit A.R. Penck in der Galerie ozwei in Berlin 1993. Foto: Archiv Schlegel. <strong>Right<\/strong>: Christine Schlegel und A.R. Penck, im Hintergrund Helmut Recknagel, Galerie ozwei, Berlin, 1993. Foto: Archiv Schlegel<br>&nbsp;<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em><em>Birgit <em>Grimm<\/em><\/em>: Konnten Sie auch von A.R. Penck etwas lernen?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Christine Schlegel: Ohne Penck w\u00fcsste ich nicht, wo ich gelandet w\u00e4re. Ich kam aus einem protestantischen Elternhaus und aus der Begrenzung der Kunsthochschule. Er war v\u00f6llig frei, hat gemacht, was er will. Hat sich f\u00fcr nichts anderes interessiert. Dieser Umstand hat auch mich von dem Zwang befreit, der in der Kunsthochschule herrschte: Lebensgro\u00dfer Akt stehend, liegend, sitzend, in Schwarz-Wei\u00df und Bunt. Immer nur abmalen, abmalen, abmalen. Nein! Das Sch\u00f6pfen ist das Entscheidende. Penck ist mir ein ganz gro\u00dfes Vorbild, in jeder Form: Wenn man Lust hat, dreht man Filme. Und wenn man \u00fcbermalt, \u00fcbermalt man. Und wenn man das Zeug zerrei\u00dft, dann zerrei\u00dft man es und klebt es wieder zusammen. In Oberpoyritz haben wir ein Silvester gefeiert, auf dem ich mit Penck collagiert habe. Zerfetzt, wieder zusammengeklebt, und noch \u00fcbermalt. Das war ein Vergn\u00fcgen, da waren drei Stunden weg wie nix. Am Ende war etwas entstanden, das spiegelte, was wir f\u00fchlten. Das waren f\u00fcr mich einschneidende Momente.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em><em>Birgit <em>Grimm<\/em><\/em>: Machen wir einen Zeitsprung: 2011 waren Sie in Mannheim an einer Ausstellung beteiligt, die hie\u00df &#8222;Entdeckt! Rebellische K\u00fcnstlerinnen in der DDR&#8220;. Wie empfanden Sie das?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Christine Schlegel: Drei\u00dfig Jahre arbeite ich jetzt ohne DDR, und vorher hat sie mich auch nicht interessiert. Und immer werde ich als DDR-K\u00fcnstlerin verkauft. Weil die Kuratoren f\u00fcr solche Themen Geld von der Politik kriegen, finden die statt. Trotz allem ist es besser, als wenn wir gar nicht wahrgenommen werden w\u00fcrden. Die Werke vieler K\u00fcnstler aus der DDR-Zeit werden nicht gezeigt. Kunstwissenschaftlerinnen aus Amerika oder England stellen immer wieder fest, dass gerade die Frauen qualit\u00e4tvolle zeitgem\u00e4\u00dfe Kunst produziert haben in der DDR! Wieso wusste das niemand? Warum haben wir das nicht schon eher gesehen? Ich w\u00fcnsche mir, dass wir im gesamtdeutschen Rahmen einen besseren Platz bekommen als den der Frauen aus dem Abseits. Wir halten uns doch sehr gut neben den Westfrauen und auch neben den M\u00e4nnern!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em><em>Birgit <em>Grimm<\/em><\/em>: Hat sich das Verh\u00e4ltnis der westlichen Museumsdirektoren und Galeristen nach der Wende ver\u00e4ndert gegen\u00fcber den Ostk\u00fcnstlern im Vergleich zu 1986, als Sie nach Amsterdam gingen?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Christine Schlegel: Nach der &#8222;Malstrom&#8220;-Ausstellung 1986 im Haus am Waldsee in Westberlin stand in einem Zeitungsartikel: &#8222;Die K\u00fcnstler aus dem Osten, die Schleimes und Leibergs, sahnen hier alles ab.&#8220; Danach war &#8222;ausgereist&#8220; kein Bonus mehr. Dieter Brusberg, der zur DDR-Zeit in seiner Galerie K\u00fcnstler wie Hermann Gl\u00f6ckner und Gerhard Altenbourg ausstellte, erkl\u00e4rte mir in den 80er-Jahren, er habe einen super Vertrag mit dem DDR Kunsthandel. Um diesen Vertrag nicht infrage zu stellen, wollte er mit ausgereisten K\u00fcnstlern nichts zu tun haben. Ich landete in der Galerie Bodo Niemann, weil Niemann schon Clemens Gr\u00f6szer unter Vertrag hatte, der ihn darauf hinwies, dass es sich lohnen k\u00f6nnte, mich auszustellen. Sp\u00e4testens 1989 war die Begeisterung f\u00fcr aus der DDR ausgereiste K\u00fcnstler im Westen endg\u00fcltig vorbei. Einzige Ausnahme war A. R. Penck.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em><em>Birgit <em>Grimm<\/em><\/em>: Warum sind Sie nach Dresden zur\u00fcckgekommen?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Christine Schlegel: In Westberlin lebte ich in einem ehemals besetzten Haus mit niedriger Miete \u00fcber lange Zeit. Irgendwann ging der Besitzer pleite und die Hausbewohner beschlossen, ihre Wohnungen zu kaufen. Alle hatten das Geld, obwohl sie arbeitslos waren, nur ich nicht. Tausend Euro Miete mehr als vorher konnte ich auch nicht zahlen. Als man mir Geld bot, damit ich ausziehe, bin ich nach Dresden ins Gartenhaus meiner Eltern gefahren, in dem schon die Marder wohnten. Zehn Jahre hat es leer gestanden. Ich habe es repariert und ausgebaut. Geplant war das nicht. Ich hatte mich ja f\u00fcr das Berliner Atelierprogramm beworben. \u00dcber 200 meiner Bilder sind noch in Berlin eingelagert, und ich wei\u00df nicht, wie es damit weitergeht. Das zu kl\u00e4ren, ist mein ganz gro\u00dfer Wunsch.<\/p>\n\n\n\n<hr style=\"--wb-separator-margin-top:0px;--wb-separator-margin-bottom:0px\" class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zur Langfassung des Interviews: <a href=\"https:\/\/kunstszeneost.de\/christine-schlegel\">https:\/\/kunstszeneost.de\/christine-schlegel<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Christine Schlegel<em><strong> <\/strong><\/em>wurde 1950 in Crossen in Th\u00fcringen geboren. Sie absolvierte eine Lehre als Dekorateurin, Plakat- und -Schriftmalerin und studierte in den 70ern Malerei und Grafik an der Hochschule f\u00fcr Bildende K\u00fcnste in Dresden. 1984 zog sie nach Berlin, experimentierte mit Collagen, Montagen, \u00dcbermalungen, Fotografie, drehte Filme. 1986 Ausreise nach Amsterdam und West-Berlin. Ab 2000 bereitete sie ihre R\u00fcckkehr nach Dresden vor. Arbeiten von ihr besitzen so bedeutende Einrichtungen wie die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, die Staatlichen Museen zu Berlin und das Lindenau Museum Altenburg.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;<a href=\"https:\/\/www.blmk.de\/programm\/christine-schlegel\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Christine Schlegel&nbsp;L\u00e4rmende Stille<\/a>&#8222;. Die Einzelausstellung der aus Dresden stammenden K\u00fcnstlerin, die in den 1980er Jahren die DDR verlie\u00df und in den 1990er Jahren wieder in ihre Heimatstadt zur\u00fcckkehrte, schl\u00e4gt einen Bogen von den 1970er Jahren bis Anfang der 2000er Jahre. 30.11.24 \u2013 16.2.25, Cottbus, CB Dieselkraftwerk.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Interview mit der Malerin Christine Schlegel Seit dem 3. Oktober 2024 ist das von Sarah Alberti und Birgit Grimm kuratierte Interviewprojekt &#8222;Kunstszene\/Ost \u2013 Biografien im Umbruch&#8220; online. Um die Bekanntheit dieser neuen Plattform zu unterst\u00fctzen, ver\u00f6ffentlichen wir im Folgenden ein Interview mit der Malerin Christine Schlegel, das Birgit Grimm mit der K\u00fcnstlerin f\u00fchrte. 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