{"id":2316,"date":"2024-10-21T21:43:31","date_gmt":"2024-10-21T19:43:31","guid":{"rendered":"https:\/\/on-art.news\/?p=6639"},"modified":"2026-10-05T10:44:07","modified_gmt":"2026-10-05T08:44:07","slug":"topographie-einer-stadt-der-kuenste","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/on-art.news\/en\/2024\/10\/21\/topographie-einer-stadt-der-kuenste\/","title":{"rendered":"Topographie einer Stadt der K\u00fcnste"},"content":{"rendered":"<h3 class=\"wp-block-heading\">4 \u2013 3 \u2013 2 \u2013 1 Darmstadt, Ausstellungsgeb\u00e4ude Mathildenh\u00f6he, 21.9.2024 \u2013 27.4.2025<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zw\u00f6lf Jahre lang war das Ausstellungsgeb\u00e4ude auf der Darmst\u00e4dter Mathildenh\u00f6he wegen Renovierung geschlossen. Mit dem Hochzeitsturm, dem Darmst\u00e4dter Wahrzeichen, hat Joseph Maria Olbrich den Bau 1908 errichtet: auf einem Wasserspeicher, der schon seit 1880 die Stadt versorgte. Zwei nicht ganz identische Pavillons aus verputztem Stahlbeton und ein Verbindungstrakt an der Ostseite legten sich urspr\u00fcnglich um einen offenen Hof: ein f\u00fcr damalige Verh\u00e4ltnisse moderner, n\u00fcchterner Bau. Dieser Rosenhof wurde in der Nachkriegszeit geschlossen und dem Bau als Halle 4 hinzugef\u00fcgt, eine Fensterreihe nach Osten in den 1970er-Jahren vermauert, der Wasserspeicher blieb noch bis 1994 in Betrieb. Das B\u00fcro Schneider + Schumacher hat nun im vorderen Bereich ein Caf\u00e9 eingerichtet, die Fenster an der Ostseite wieder ge\u00f6ffnet und mit einem neuartigen Konzept, das den Speicher zur Beheizung und K\u00fchlung nutzt, den Prim\u00e4renergiebedarf um zwei Drittel reduziert.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped w3 wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2560\" height=\"1707\" data-id=\"1095\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/JH2817-650-scaled.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1095\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/JH2817-650-scaled.jpg 2560w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/JH2817-650-300x200.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/JH2817-650-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/JH2817-650-768x512.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/JH2817-650-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/JH2817-650-2048x1366.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 2560px) 100vw, 2560px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" data-id=\"1096\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/JH2817-479-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1096\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/JH2817-479-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/JH2817-479-300x200.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/JH2817-479-768x512.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/JH2817-479-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/JH2817-479-2048x1366.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" data-id=\"15825\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/JH2817-035-1024x683.jpg\" alt=\"Baustelle Mathildenh\u00f6he, Darmstadt\" class=\"wp-image-15825\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/JH2817-035-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/JH2817-035-300x200.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/JH2817-035-768x512.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/JH2817-035-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/JH2817-035-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\"><strong>Links<\/strong> und <strong>Middle<\/strong>: Innenansichten des sanierten Ausstellungsgeb\u00e4ude, Schneider + Schumacher Architekten, Aachen. Beide Fotos: J\u00f6rg Hempel, Aachen. <strong>Right<\/strong>: Der fr\u00fchere Wasserspeicher unter dem Geb\u00e4ude. Foto: J\u00f6rg Hempel, Aachen.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Ausstellungsgeb\u00e4ude hat in j\u00fcngerer Zeit einige wegweisende Ausstellungen gesehen: unter anderem zu Christian Boltanski; <em>Serious Games<\/em> von Harun Farocki und Antje Ehmann; oder zuletzt zum 100. Geburtstag von John Cage. Zur Wiederer\u00f6ffnung hat sich das Institut Mathildenh\u00f6he entschieden, auf die eigenen Best\u00e4nde der st\u00e4dtischen Kunstsammlung zur\u00fcckzugreifen, weil, wie die stellvertretende Leiterin Sandra Bornemann-Quecke sagt, bis zuletzt nicht ganz klar war, wie lange sich die Sanierung noch hinziehen w\u00fcrde. Die Sammlung besteht aus rund 30.000 Werken und wird wie die Kunst im \u00f6ffentlichen Raum vom Institut Mathildenh\u00f6he mit verwaltet. Gegenstand einer Ausstellung war sie zuletzt vor 40 Jahren. Die Er\u00f6ffnung war zugleich Welterbefest, denn seit drei Jahren geh\u00f6rt die Mathildenh\u00f6he zum Unesco-Weltkulturerbe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Sammlung einer Stadt mit rund 150.000 Einwohnern ist nicht zwangsl\u00e4ufig von \u00fcberregionalem Interesse. Aber Darmstadt ist doch keine Stadt wie jede andere. Die Mathildenh\u00f6he: das ist die K\u00fcnstlerkolonie, ab 1901 eines der Zentren des Jugendstils und der <em>Arts and Crafts<\/em>-Bewegung, der sich ein eigenes Museum widmet, gleich nebenan, ebenfalls betreut vom Institut Mathildenh\u00f6he. Peter Behrens wurde hier mit seinem eigenen Wohnhaus zum Architekten. Aber es gab auch die <em>Darmst\u00e4dter Gespr\u00e4che<\/em>. Deren erstes, 1950, verbunden mit einer Ausstellung zum <em>Menschenbild unserer Zeit<\/em>, wurde durch den Streit zwischen Willi Baumeister und dem Kunsthistoriker Hans Sedlmayr zum richtungweisenden Fanal f\u00fcr die bildende Kunst der Nachkriegszeit. Tonangebend wurden die <em>Darmst\u00e4dter Ferienkurse<\/em> <em>f\u00fcr Neue Musik<\/em> auf Schloss Kranichstein. Auf der Mathildenh\u00f6he, in n\u00e4chster N\u00e4he zu Museum und Ausstellungsgeb\u00e4ude, befinden sich das Institut f\u00fcr Neue Musik und Musikerziehung (INMM) und die Deutsche Akademie f\u00fcr Sprache und Dichtung, die seit 1923 den h\u00f6chsten deutschen Literaturpreis, den Georg-B\u00fcchner-Preis verleiht.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">S\u00e4le und Stadtviertel<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>4 \u2013 3 \u2013 2 \u2013 1<\/em>, der Ausstellungstitel, suggeriert den Countdown zur Wiederer\u00f6ffnung. Er bezieht sich aber auch auf die vier S\u00e4le des Ausstellungsgeb\u00e4udes und auf die in den vier Himmelsrichtungen gelegenen Stadtteile. Besonders sinnf\u00e4llig wird dies, wenn der Blick aus dem Ostfenster auf die Rosenh\u00f6he f\u00e4llt, die im entsprechenden Ausstellungsteil auch thematisiert ist. Stra\u00dfennamen auf dem Boden und vergr\u00f6\u00dferte Stadtplanausschnitte an den W\u00e4nden bilden die Topographie ab. Die Ausstellung bietet eine exzellente Gelegenheit, die Stadt Darmstadt kennenzulernen, auch f\u00fcr Menschen aus Darmstadt selbst, die lange auf die Wiederer\u00f6ffnung haben warten m\u00fcssen. Bis hin zu popul\u00e4r-historischen Aspekten wie dem Mundartst\u00fcck und Ausflugslokal <em>Datterich<\/em>. Die topographische Anordnung bedingt aber auch, dass die gewohnten Zeitraster der Stilepochen und Kunstrichtungen ein wenig durcheinander gew\u00fcrfelt werden. Romantische Ansichten von Schloss Kranichstein stehen den Ferienkursen gegen\u00fcber.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gleichwohl steht schon am Anfang auch die K\u00fcnstlerkolonie, in Person des Verlegers Alexander Koch, der 1898 mit einer Denkschrift Gro\u00dfherzog Ernst Ludwig zur Gr\u00fcndung anregte und mit seinen Publikationen viel zu ihrem Erfolg beitrug. Im Original zu sehen sind ein von Patriz Huber entworfener Fl\u00fcgel und eine Bronzefigur der T\u00e4nzerin Lo\u00efe Fuller von Bernhard Hoetger aus Kochs Besitz. Von dort aus f\u00fchrt eine Linie zu einer von Elizabeth, der Schwester von Isadora Duncan, 1911 gegr\u00fcndeten M\u00e4dchen- und Tanzschule, die nur bis zum Ersten Weltkrieg bestand, und zu einer Performance von Annegret Soltau in den 1980er-Jahren im Felsenmeer, etwa 20 Kilometer s\u00fcdlich, fotografisch festgehalten in 40 Bildkacheln von Baldur Greiner.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-2 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"807\" data-id=\"1092\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/01_IM-231-PL_1-1024x807.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1092\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/01_IM-231-PL_1-1024x807.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/01_IM-231-PL_1-300x236.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/01_IM-231-PL_1-768x605.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/01_IM-231-PL_1-1536x1210.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/01_IM-231-PL_1.jpg 1772w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\">Bernhard Hoetger, Lo\u00efe Fuller, 1900\u201302. Institut Mathildenh\u00f6he, St\u00e4dtische Kunstsammlung Darmstadt. Foto: Gregor Schuster.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit dem Ersten Weltkrieg endet auch die Geschichte der K\u00fcnstlerkolonie. Doch schon 1915 beginnt mit der K\u00fcnstlergemeinschaft <em>Die Dachstube<\/em> um den Autor Kasimir Edschmid, den Maler Carl Gunschmann und den SPD-Politiker Carlo Mierendorff der Darmst\u00e4dter Expressionismus. Und die Vorgeschichte der Darmst\u00e4dter Sezession: F\u00fcr die Zeitschrift <em>Das Tribunal<\/em> gelang es Mierendorff, K\u00fcnstler wie Max Beckmann, Karl Schmidt-Rottluff und Ludwig Meidner zu gewinnen. Meidner wurde Sezessionsmitglied und stellte in Darmstadt aus. In der NS-Zeit als j\u00fcdischer K\u00fcnstler mit seiner Frau Else nach London emigriert, verbrachte er, ohne sie, seine letzten Jahre in Darmstadt, das auch seinen Nachlass verwahrt. Seine Werke, ein gro\u00dfes, gemaltes Portr\u00e4t des Schriftstellers Max Hermann-Neisse, ein kleines, gezeichnetes von Jakob von Hoddis sowie die Blicke von Else auf Ludwig und umgekehrt bilden einen ersten H\u00f6hepunkt der Ausstellung.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Interdisziplin\u00e4res Miteinander<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im zweiten, an der Ostseite gelegenen Saal kommt die Nachkriegsgeschichte in den Blick. Zum einen, weil hier 1950 gleich neben dem Ausstellungsgeb\u00e4ude anstelle einer zerst\u00f6rten Mietshausgruppe die Werkkunstschule entstand; vor allem aber wegen der Neuen K\u00fcnstlerkolonie. Nachdem Darmstadt seine Funktion als Hauptstadt, zuletzt des Volksstaats Hessen, an Wiesbaden abtreten musste, wollte Prinz Ludwig, der j\u00fcngere Sohn des K\u00fcnstlerkolonie-Gr\u00fcnders Ernst Ludwig, an die fr\u00fchere Bedeutung als Kunststadt ankn\u00fcpfen. In den sieben Atelierh\u00e4usern lebten unter anderem die Schriftsteller Karl Krolow und Gabriele Wohmann, der Theaterintendant Gustav Rudolf Sellner, der Theaterkritiker Georg Hensel, der Komponist Hans Ulrich Engelmann, Sohn eines Holocaust-Opfers und schon 1946 Teilnehmer der ersten Ferienkurse, und der Bildhauer Wilhelm Loth. Krolow und Wohmann sind in beachtlichen, gro\u00dfformatigen Portr\u00e4ts von Eberhard Schlotter festgehalten, Engelmann gemalt von Karl-Heinz Schnabel. Engelmanns Frau Rosemarie, genannt Roma, war eine eigenwillige K\u00fcnstlerin, die auf der Mathildenh\u00f6he 1952 eine Ausstellung mit Kinderzeichnungen aus aller Welt organisierte, in Reykjavik unterrichtete und in der Ausstellung mit einem beeindruckenden Batik-Wandbehang vertreten ist.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-3 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"855\" data-id=\"1097\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/06_IM-751-MA-bearb-1024x855.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1097\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/06_IM-751-MA-bearb-1024x855.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/06_IM-751-MA-bearb-300x250.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/06_IM-751-MA-bearb-768x641.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/06_IM-751-MA-bearb-1536x1283.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/06_IM-751-MA-bearb-2048x1710.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\">Willi Baumeister, Sieg der blauen Mitte, 1950. Institut Mathildenh\u00f6he, St\u00e4dtische Kunstsammlung Darmstadt. Foto: Gregor Schuster.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Portr\u00e4ts gibt es so viele wie Landschaften und Stadtansichten, sind es doch immer Pers\u00f6nlichkeiten, die eine Kunststadt pr\u00e4gen. Dokumentarisches erg\u00e4nzt die Kunstbest\u00e4nde. Interdisziplin\u00e4re Bez\u00fcge finden sich schon im ersten Saal, wo Literatur, Musik, Tanz und bildende Kunst zusammenkommen. Mit der Neuen K\u00fcnstlerkolonie werden sie zum Prinzip. Schnabel hat auch den Fotografen Pit Ludwig portr\u00e4tiert, der wiederum bei den Darmst\u00e4dter Ferienkursen Pierre Boulez, Bruno Maderna und den Fl\u00f6tisten Severino Gazzelloni aufgenommen hat. Die Wege kreuzten sich in der Neuen Sezession, unter dieser Bezeichnung gleich 1945 wiedergegr\u00fcndet. Wilhelm Loth, von 1953 an Pr\u00e4sident, hat das erste Darmst\u00e4dter Gespr\u00e4ch angeregt. Baumeister bedankte sich mit dem ausgestellten Gem\u00e4lde <em>Sieg der blauen Mitte<\/em>. Sp\u00e4tere Vorsitzende waren Eberhard Schlotter, Carl Gunschmann und Pit Ludwig. Aber auch Wolfram Steinecke, der Gr\u00fcnder der Ferienkurse, war Mitglied der Sezession.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Bis heute<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Darmstadt ist keine Insel. In den verbleibenden beiden S\u00e4len auf der Nord- und Westseite spiegelt sich die Entwicklung der Kunst in verschiedenen Epochen, in der Stadt und dar\u00fcber hinaus. Ernst Vogel, seit 1919 Mitglied der Sezession, fand von Baumeister ausgehend zu eigenen Formen. In Stuttgart, bei Baumeister selbst, studierte Charlotte Prinz, die ihr Atelierhaus 1993 der Stadt vermachte mit der Auflage, ein Stipendium f\u00fcr Akademieabsolventen einzurichten. Ausgestellt sind Tagebuch-Bl\u00e4tter der Koreanerin Ankabuta und eine gro\u00dfformatige Arbeit von Genaro Strobel zur Grube Messel in einer eigenst\u00e4ndigen Mischform aus Fotografie und Holzschnitt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-4 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large w3\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"446\" data-id=\"1098\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Gesamtansicht_Weit_small-bearb-1024x446.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1098\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Gesamtansicht_Weit_small-bearb-1024x446.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Gesamtansicht_Weit_small-bearb-300x131.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Gesamtansicht_Weit_small-bearb-768x335.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Gesamtansicht_Weit_small-bearb-1536x670.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Gesamtansicht_Weit_small-bearb-2048x893.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\">UNESCO-Weltkulturerbe Mathildenh\u00f6he Darmstadt, Gesamtansicht des sanierten Ausstellungsgeb\u00e4ude mit dem Hochzeitsturm. Foto: Gregor Schuster.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aufmerksamkeit verdienen die vielen Werke von K\u00fcnstlerinnen, angefangen mit Hermione von Preuschen, die bereits 1869 im Alter von 15 Jahren in Karlsruhe studierte. Zur selben Zeit gr\u00fcndeten Luise B\u00fcchner, die Schwester des Schriftstellers, und Gro\u00dfherzogin Alice, Tochter von Queen Victoria, einen Verein und eine Schule zur Berufsausbildung von Frauen, die ab 1875 auch Zeichenunterricht anbot. Zur st\u00e4dtischen Sammlung geh\u00f6rt ferner der mit 14 Gem\u00e4lden gr\u00f6\u00dfte Bestand von Werken Arnold B\u00f6cklins, eine Stiftung des Sammlers Maximilian von Heyl. Sie ist wie ein Werkkomplex von JosephBeuysdauerhaft im Landesmuseum Darmstadt ausgestellt, beide sind in der Ausstellung mit je einer Arbeit vertreten. 1963 gr\u00fcndete Laura (Polly) Williams, die Schwester des Fluxus-K\u00fcnstlers Emmett Williams, mit dem K\u00fcnstler Etzel Klomsdorff die Galerie Ordo. Letztlich fehlte daf\u00fcr in Darmstadt das Publikum, die Galerie musste nach einem Jahr wieder schlie\u00dfen. Doch der Stadt bleibt der Nachlass.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im letzten, nach Westen, zur Innenstadt hin gelegenen Saal dominieren zwei Themen: die Zerst\u00f6rung Darmstadts im Zweiten Weltkrieg und der Kunstpreis der Stadt Darmstadt. In einer einzigen Bombennacht im September 1944 wurde die Stadt zu 80 Prozent zerst\u00f6rt, von der Innenstadt blieben nur Ruinen. Mehr als 11.000 Menschen kamen ums Leben. Mehrere K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler haben die zerst\u00f6rte Stadt gemalt, unter anderem Karl Deppert, dessen Sohn in einem Video dazu Auskunft gibt. Den Kunstpreis vergibt die Stadt seit 1955. Seit 1995 hei\u00dft er nach dem Initiator und \u2013 mit Helmuth Lortz \u2013 ersten Preistr\u00e4ger Wilhelm-Loth-Preis. Ungef\u00e4hr jede\/n dritte\/n der Preistr\u00e4ger\/in stellt die Ausstellung vor, die letzten waren Harun Farocki, Gregor Schneider sowie 2018 Olaf Nicolai. Als letzter Ankauf der st\u00e4dtischen Sammlung ist schlie\u00dflich ein Video von Mila Hundertmark zu sehen mit dem ironischen Titel:<em> Was man die absolute Realit\u00e4t nennen k\u00f6nnte<\/em>. Eine innerst\u00e4dtische Stra\u00dfe entpuppt sich als Foto-Ausdruck. Eine Zunge bohrt sich ein Loch durch das Papier, ein lippenstiftroter Mund verspeist nach und nach das gesamte Bild.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf die eigenen Best\u00e4nde greifen Museen angesichts der horrenden Versicherungssummen f\u00fcr Leihgaben und knapper Kassen immer h\u00e4ufiger zur\u00fcck Und zumindest vor Ort st\u00f6\u00dft dies in der Regel auf gro\u00dfes Interesse. Darmstadt ist nicht M\u00fcnchen oder Berlin, hat aber eine interessante Geschichte und die Sammlung dementsprechend einiges zu bieten.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>4 \u2013 3 \u2013 2 \u2013 1 Darmstadt, Ausstellungsgeb\u00e4ude Mathildenh\u00f6he, 21.9.2024 \u2013 27.4.2025 Zw\u00f6lf Jahre lang war das Ausstellungsgeb\u00e4ude auf der Darmst\u00e4dter Mathildenh\u00f6he wegen Renovierung geschlossen. Mit dem Hochzeitsturm, dem Darmst\u00e4dter Wahrzeichen, hat Joseph Maria Olbrich den Bau 1908 errichtet: auf einem Wasserspeicher, der schon seit 1880 die Stadt versorgte. 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