{"id":2317,"date":"2024-10-31T09:00:00","date_gmt":"2024-10-31T08:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/on-art.news\/?p=6687"},"modified":"2026-08-14T22:00:03","modified_gmt":"2026-08-14T20:00:03","slug":"hueben-wie-drueben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/on-art.news\/en\/2024\/10\/31\/hueben-wie-drueben\/","title":{"rendered":"H\u00fcben wie dr\u00fcben"},"content":{"rendered":"<h3 class=\"wp-block-heading\">\u00dcber den Maler und Bildhauer Terk.<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir haben uns lange nicht gesehen, es sind auf jeden Fall mehr als zehn Jahre. Als ich ihn anrufe und ihm sage, dass ich \u00fcber ihn schreiben m\u00f6chte, erwidert er, dass wir uns nicht in seinem Atelier treffen k\u00f6nnen. &#8222;Da kommt keiner mehr rein, der &#8218;was mit Kunst zu tun hat.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das erste Gespr\u00e4ch zwischen Terk und mir findet daher in einem kleinen Bistro statt. Es kommt \u00fcberraschend schnell in Gang, wir wechseln die Themen wie im Flug, wobei sich eher beil\u00e4ufig kl\u00e4rt, dass wir tats\u00e4chlich etwas gemeinsam machen werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von Anfang an ist mir klar, dass das Ergebnis unserer Zusammenarbeit kein klassisches K\u00fcnstlerportr\u00e4t werden kann. Was hier anders ist? Seit 1989 ist immer wieder behauptet worden, dass in der Kunst die Teilung zwischen Ost- und Westdeutschland nicht aufgehoben ist, sondern fortbesteht. Beklagt wird das fehlende Interesse der jeweils anderen Seite. H\u00fcben und Dr\u00fcben geraten gelegentlich sogar feindselig aneinander. Thomas Brasch hat seinerzeit in einer Rede festgehalten, dass der Konflikt zwischen Ost und West wie ein Riss mitten durch die K\u00fcnstler hindurchgeht, die aus der DDR in den Westen emigrieren mussten. Zu diesen Emigranten geh\u00f6rt auch Terk. Mich interessiert vor allem, wie sich sein Werdegang auf seine Arbeit ausgewirkt hat. Ich schlage ihm daher vor, dass wir uns an &#8222;Werkphasen&#8220; orientiert durch sein Leben bewegen k\u00f6nnen. Schon bald wird sich herausstellen, dass dies eher Wunschdenken ist. Denn das ist das Besondere: Die Begleitumst\u00e4nde der Kunstproduktion dr\u00e4ngen sich immer wieder in den Vordergrund.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die lexikalische Periode<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Terks Mutter war Chemielehrerin, ihr Ehemann Mathematiker und Physiker. Erst als dieser Mann \u2013 wahrscheinlich als Folge seiner beruflichen T\u00e4tigkeit \u2013 an Leuk\u00e4mie erkrankt und verstirbt, erf\u00e4hrt Terk, dass er nicht sein Vater ist. Zun\u00e4chst jedoch pr\u00e4sentiert sich der jungen Familie das Leben von seinen besseren Seiten: Urlaubsreisen an die Ostsee, eine Adresse am Altmarkt in der Dresdener Innenstadt, sp\u00e4ter auch ein Automobil und ein Fernseher zeigen einen Wohlstand, der \u00fcber dem realsozialistischen Durchschnitt liegt. Gut m\u00f6glich, dass sich bei Terk in diesem nach au\u00dfen systemkonformen, zugleich aber b\u00fcrgerlich akademischen Elternhaus, in dem er bereits als Kind die Position eines Au\u00dfenseiters bekleidet, das Gesp\u00fcr f\u00fcr die Unterschiede zwischen gesellschaftlichem Anschein und der dahinter verborgenen Realit\u00e4t entwickelt: In der gleichesten aller deutschen Gesellschaften sind eben doch nicht alle gleich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wahrscheinlich ist es gerade die von Naturwissenschaften gepr\u00e4gte Atmosph\u00e4re seines Elternhauses, zu der auch die Verf\u00fcgbarkeit einer Bibliothek mit einem mehrb\u00e4ndigen Konversationslexikon geh\u00f6rt, die Terk veranlasst, aus Zeitungen und Illustrierten eigene lexikalische Nachschlagewerke und Collagen herzustellen. Aus seiner heutigen Sicht waren dies die ersten Signale, mit denen sich seine sp\u00e4tere Laufbahn ank\u00fcndigt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Firestones<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den fr\u00fchen 70er-Jahren beginnt Terks Mitwirkung als Gitarrist in einer Dresdener Band, die sich &#8222;Firestones&#8220; nennt. Durch die anderen Bandmitglieder und durch das Publikum kommt er in Ber\u00fchrung mit einer Szene, die man damals als &#8222;Gammler&#8220; bezeichnete. Ich registriere, dass unser Gespr\u00e4ch, w\u00e4hrend sich nun in seiner Erz\u00e4hlung Ausbildung, Musik und Subkultur verbinden, f\u00fcr mich allm\u00e4hlich in eine Schieflage ger\u00e4t. Nicht zum ersten Mal: Auch fr\u00fcher schon wirkte der Anschein, dass sich in unseren Biografien Parallelen auftun k\u00f6nnten, auf mich, wenn sie zur Sprache kamen, nie \u00fcberzeugend. (Bedeutsam ist dieser Dissenz nur, weil er beispielhaft dasteht f\u00fcr die vielen anderen Differenzen, die ausgesprochen oder stillschweigend unseren deutsch-deutschen Dialog durchziehen.) Terk hatte mir mehrfach zu verstehen gegeben, dass es in der DDR sehr lebendige Parallelen zu dem gab, was man in Westdeutschland als &#8222;Popkultur&#8220; bezeichnet. Ich hingegen war eigentlich der Meinung, dass der Westen darauf einen Exklusivanspruch bes\u00e4\u00dfe. Es muss sich um ein Missverst\u00e4ndnis handeln. Schlie\u00dflich gab es ja in der DDR keine Schallplatten und Jeans, es gab kein AFN oder BFBS, es gab keine Uschie Nehrke, es gab keine Popfestivals. Und interessante K\u00fcnstler schon gar nicht. Die hatten ja nicht mal Bananen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Untergrund oder &#8222;Underground&#8220;?<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In die nun folgenden Jahre fallen Terks erste Gehversuche als Maler. Bald schon beginnt auch die Freundschaft mit A. R. Penck, der im Dresden dieser Jahre mit seinem eigentlichen Vornamen &#8222;Ralf&#8220; angesprochen wird. Auch Terk nennt ihn Ralf, wenn er \u00fcber ihn spricht. Erst wenn er merkt, dass sein Gegen\u00fcber nicht wei\u00df, wer gemeint ist, geht er \u00fcber zu &#8222;Penck&#8220;. Penck hatte mehrere Holzschnitte Terks in der Wohnung des Restaurators und Malers Klaus Liebscher h\u00e4ngen sehen. &#8222;Auf den m\u00fcssen wir aufpassen&#8220;, soll er bei dieser Gelegenheit gesagt haben.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped w3 wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"829\" height=\"1024\" data-id=\"1100\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/steffen-terk-bei-klaus-liebscher-ausgestellt-1-829x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1100\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/steffen-terk-bei-klaus-liebscher-ausgestellt-1-829x1024.jpg 829w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/steffen-terk-bei-klaus-liebscher-ausgestellt-1-243x300.jpg 243w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/steffen-terk-bei-klaus-liebscher-ausgestellt-1-768x948.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/steffen-terk-bei-klaus-liebscher-ausgestellt-1-1244x1536.jpg 1244w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/steffen-terk-bei-klaus-liebscher-ausgestellt-1-1659x2048.jpg 1659w\" sizes=\"(max-width: 829px) 100vw, 829px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"707\" height=\"1024\" data-id=\"1101\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/steffen-terk-bei-klaus-liebscher-ausgestellt-2-707x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1101\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/steffen-terk-bei-klaus-liebscher-ausgestellt-2-707x1024.jpg 707w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/steffen-terk-bei-klaus-liebscher-ausgestellt-2-207x300.jpg 207w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/steffen-terk-bei-klaus-liebscher-ausgestellt-2-768x1112.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/steffen-terk-bei-klaus-liebscher-ausgestellt-2-1061x1536.jpg 1061w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/steffen-terk-bei-klaus-liebscher-ausgestellt-2-1414x2048.jpg 1414w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/steffen-terk-bei-klaus-liebscher-ausgestellt-2-scaled.jpg 1768w\" sizes=\"(max-width: 707px) 100vw, 707px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"753\" height=\"1024\" data-id=\"1102\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/steffen-terk-bei-klaus-liebscher-ausgestellt-3-753x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1102\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/steffen-terk-bei-klaus-liebscher-ausgestellt-3-753x1024.jpg 753w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/steffen-terk-bei-klaus-liebscher-ausgestellt-3-221x300.jpg 221w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/steffen-terk-bei-klaus-liebscher-ausgestellt-3-768x1045.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/steffen-terk-bei-klaus-liebscher-ausgestellt-3.jpg 972w\" sizes=\"(max-width: 753px) 100vw, 753px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\">Arbeiten aus Terks Anfangsjahren. So oder so \u00e4hnlich d\u00fcrfte das Interesse Pencks an der Zusammenarbeit mit Terk geweckt worden sein. <strong>Links<\/strong>: Terk, Holzschnitt, 1970. Kupferstichkabinett Dresden. <strong>Middle<\/strong>: Terk, B\u00fcste, 1970. Sandstein. Die B\u00fcste geh\u00f6rte zu den Arbeiten, die in den Privatr\u00e4umen des Dresdener Malers und Restaurators Klaus Liebscher ausgestellt worden waren und ist Teil seiner Sammlung. <strong>Right<\/strong>: Terk, Soul, o. J. Sammlung Kathrin Liebscher. Es handelt sich um ein \u00e4lteres privates Foto, Grafik hinter reflektierendem Glas.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im September 1971 fand unter dem Titel &#8222;Untergrund&#8220; in Dresden Terks erste Einzelausstellung statt. Ein weiteres Mal wiederholt sich an dieser Stelle seiner Erz\u00e4hlung unser Konflikt: Ich frage ihn, warum er sich damals f\u00fcr diesen Titel entschieden h\u00e4tte. Dabei geht mir ein Satz Else Gabriels durch den Kopf, die zu den Autoperforationsartisten geh\u00f6rte und in einem Interview sagte: &#8222;Die DDR-Kunst war doch immer sehr bedeutungsschwanger. Da war doch immer sehr viel Inhalt drin. Deutlich mehr als gut war.&#8220; In diesem Sinne st\u00f6rt mich die Selbst-Apostrophierung. Auf mich wirkt sie etwas attit\u00fcdenhaft, doch als ich nachhake, muss ich mir eingestehen, dass dies an meiner westlich gepr\u00e4gten Lesart liegt: Untergrund ist nicht &#8222;Underground&#8220;. Gemeint war damals ganz buchst\u00e4blich eine k\u00fcnstlerische Arbeitsweise oder Haltung, die das zum Vorschein bringt, was unter der Oberfl\u00e4che liegt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Kunst und Freiheit<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Begegnung mit Penck markiert einen Z\u00e4sur in Terks Werdegang. Es gibt f\u00fcr ihn nun ein Gegen\u00fcber, mit dem der Austausch \u00fcber k\u00fcnstlerische Fragen in den Mittelpunkt des Alltags r\u00fcckt. Dabei geht es um konkrete Arbeiten und ihr Fortschreiten, um grunds\u00e4tzliche Fragen aus dem Feld der Kunsttheorie und nat\u00fcrlich auch um die Umgebungsfaktoren: \u00dcberall im \u00f6ffentlichen Raum, also auch im Alltag des Dresdener Kunstbetriebs, stellt sich die Frage, wie man als Individuum zu Staat und Gesellschaft steht. Dem kann man nicht aus dem Wege gehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Denn: Eigentlich ist die regul\u00e4re Mitgliedschaft in den Organisationen des Kunstbetriebs unabdingbar. Die Berufsaus\u00fcbung au\u00dferhalb des &#8222;Verbandes der bildenden K\u00fcnstler der DDR&#8220; ist zwar nicht illegal, aber faktisch nur unter stark erschwerten Bedingungen m\u00f6glich: Keine Auftr\u00e4ge, keine Ausstellungsm\u00f6glichkeiten, keine soziale Absicherung, erschwerte Materialbeschaffung.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped w3 wp-block-gallery-2 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"1022\" data-id=\"1108\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/steffen-terk-ot-1975-1-1024x1022.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1108\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/steffen-terk-ot-1975-1-1024x1022.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/steffen-terk-ot-1975-1-300x300.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/steffen-terk-ot-1975-1-150x150.jpg 150w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/steffen-terk-ot-1975-1-768x767.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/steffen-terk-ot-1975-1-1536x1533.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/steffen-terk-ot-1975-1-100x100.jpg 100w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/steffen-terk-ot-1975-1.jpg 1571w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1017\" height=\"1024\" data-id=\"1109\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/steffen-terk-die-luecke-1976-1-1017x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1109\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/steffen-terk-die-luecke-1976-1-1017x1024.jpg 1017w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/steffen-terk-die-luecke-1976-1-298x300.jpg 298w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/steffen-terk-die-luecke-1976-1-150x150.jpg 150w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/steffen-terk-die-luecke-1976-1-768x773.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/steffen-terk-die-luecke-1976-1-1526x1536.jpg 1526w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/steffen-terk-die-luecke-1976-1-100x100.jpg 100w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/steffen-terk-die-luecke-1976-1.jpg 1874w\" sizes=\"(max-width: 1017px) 100vw, 1017px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\"><strong>Links<\/strong>: Terk, Musik mit Ralf im Keller, 1975. Latex auf Baumwollnessel. Foto: Terk. <strong>Right<\/strong>: Terk, Die L\u00fccke, 1976. Latex auf Baumwollnessel. Foto: Terk. Die Titel der beiden Bilder lassen die systematische Auseinandersetzung ahnen, die Terks Mitwirkung in der Gruppe reflektiert.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">L\u00fccke schlie\u00dfen oder herstellen?<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Terks erste Einzelausstellung und die beginnende Zusammenarbeit mit Penck, die sich schlie\u00dflich auch auf Harald Gallasch und Wolfgang Opitz ausdehnt und dann 1971 zur Gr\u00fcndung der Gruppe L\u00fccke TPT f\u00fchrt, veranlasst die Staatssicherheit vom beobachtenden in den operativen Modus \u00fcberzugehen. Dass dies damals nicht nur eine auf gewissen Indizien beruhende Mutma\u00dfung war, kann heute unbezweifelbar aus den entsprechenden Akten (heute im Bundesarchiv) nachvollzogen werden. L\u00fccke TPT sieht sich zu einer Reaktion veranlasst, die trotz ihrer akuten Gef\u00e4hrdung anders ausf\u00e4llt, als man erwarten konnte: Ein Gespr\u00e4ch zwischen Penck und Terk \u00fcber die Ziele der Gruppe wird aufgezeichnet und im M\u00e4rz 1973 direkt an die Stasi weitergegeben. Man kann das als Provokation verstehen, man kann darin auch einen Versuch sehen, der Gegenseite den Wind aus den Segeln zu nehmen. Aus Terks Sicht ist dies allerdings naiv.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber die Gruppe hat sich nicht zusammengeschlossen, um die Stasi zu foppen, sondern um neue Wege zu gehen. Gemeinsamer Ausgangspunkt sind zun\u00e4chst Pencks &#8222;Standarts&#8220; (die Schreibweise ist korrekt, weil das Wort als Kompositum aus &#8222;Stand&#8220; und &#8222;Art&#8220; verstanden wird), eine aus einfachen lesbaren Zeichen, Piktogrammen und Symbolen bestehende Sprache, die jeder K\u00fcnstler f\u00fcr sich erarbeiten m\u00fcsse. So sollen die Voraussetzungen geschaffen werden, um \u00fcber die \u00e4sthetische Funktion von Kunst hinausgehend einen epochen\u00fcbergreifenden, schlie\u00dflich auch das Publikum einbeziehenden Kommunikationsprozess zwischen den Kunstwerken zu erm\u00f6glichen. L\u00fccke TPT beginnt nun, die Standarttheorie im praktischen Versuch weiterzuentwickeln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es entstehen ab 1971, zun\u00e4chst im Dialog zwischen Penck und Terk, dann auch unter Beteiligung von Opitz und Gallasch die ersten Gruppenbilder, &#8222;Malspiele&#8220; genannt. Anfangs bemalt jeder einen Teil der Bildfl\u00e4che, ohne dass die anderen eingreifen d\u00fcrfen, nach und nach wird es jedoch \u00fcblich, in fremde Bereiche einzugreifen. Was nat\u00fcrlich zu Diskussionen f\u00fchrt, weil durch das Mit- und Gegeneinander echte und eingebildete Schw\u00e4chen offenbart und auch thematisiert werden. Gewisserma\u00dfen ist das, was hier nun stattfindet, eine Psychologisierung des Geschehens, die als programmatisch verstanden wird: &#8222;TPT&#8220;&nbsp;ist die Abk\u00fcrzung f\u00fcr &#8222;Techno-Psycho-Tronik&#8220;. Aus seiner heutigen Sicht erkl\u00e4rt mir Terk, dass das gemeinschaftliche Malen im Lauf der Zeit die Verbundenheit der Gruppe zerst\u00f6rt habe: &#8222;Wenn man alle Farben des Spektrums miteinder vermischt, kommt am Ende Grau heraus.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped w3 wp-block-gallery-3 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"1019\" data-id=\"1112\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/a-r-penck-terk-futura-1971-1024x1019.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1112\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/a-r-penck-terk-futura-1971-1024x1019.png 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/a-r-penck-terk-futura-1971-300x300.png 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/a-r-penck-terk-futura-1971-150x150.png 150w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/a-r-penck-terk-futura-1971-768x765.png 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/a-r-penck-terk-futura-1971-1536x1529.png 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/a-r-penck-terk-futura-1971-100x100.png 100w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/a-r-penck-terk-futura-1971.png 1772w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"828\" height=\"680\" data-id=\"1113\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/luecke-tpt-das-letzte-lueckebild-ende-1976.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1113\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/luecke-tpt-das-letzte-lueckebild-ende-1976.png 828w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/luecke-tpt-das-letzte-lueckebild-ende-1976-300x246.png 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/luecke-tpt-das-letzte-lueckebild-ende-1976-768x631.png 768w\" sizes=\"(max-width: 828px) 100vw, 828px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\">Zwei Bilder der Gruppe L\u00fccke TPT. <strong>Links<\/strong>: Das erste Bild, dass Terk und A. R. Penck gemeinsam malten. A. R. Penck, Terk, Futura, 1971. <strong>Right<\/strong>: Das letzte gemeinsame &#8222;Malspiel&#8220; der Gruppe. L\u00fccke TPT, Das letzte L\u00fcckebild, 1976.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die &#8222;Malspiele&#8220; werden von Anfang an begleitet von Diskussionen \u00fcber das politische Koordinatensystem, in dem sie stattfinden. Naiv oder nicht, es gibt Gr\u00fcnde, die daf\u00fcr sprechen, die Aktivit\u00e4ten der Gruppe wenn schon nicht f\u00fcr integrierbar so doch f\u00fcr tolerabel zu halten. Denn wenn die offizielle staatliche Kunstdoktrin Individualismus als b\u00fcrgerlich verwirft, sind die L\u00fccke-Aktivit\u00e4ten aberwitziger Weise systemkonform. Doch die gleichzeitig immer wieder aufs Neue kursierenden Ger\u00fcchte signalisieren, dass die Stasi Ma\u00dfnahmen plant. F\u00fcr die Beteiligten steht einiges auf dem Spiel: Penck und Terk zum Beispiel pflegen Kontakte zum westdeutschen Kunsthandel. Beide verf\u00fcgen \u00fcber ausl\u00e4ndische W\u00e4hrung und w\u00e4ren wegen Devisenvergehen, die nach DDR-Recht mit Gef\u00e4ngnis zu bestrafen sind, belangbar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch der Stasi-Zugriff bleibt aus. 1973 werden Penck und Terk stattdessen im Rahmen einer als &#8222;Banner&#8220; bezeichneten Aktion zur Nationalen Volksarmee (NVA) einberufen, wodurch weitere Gruppenaktivit\u00e4ten unterbunden werden sollen. Was nicht dauerhaft gelingt. Denn nach der Entlassung aus der NVA wird die Arbeit der Gruppe fortgesetzt. Erst 1976 werden die &#8222;Malspiele&#8220; beendet. Dennoch verdichten sich erneut Anzeichen, dass sich die Stasi nach wie vor f\u00fcr die Gruppe interessiert. Das L\u00fccke-Atelier wird daher aufgel\u00f6st, die gemeinsam hergestellten Bilder verbleiben schlie\u00dflich in der Obhut von Wolfgang Opitz.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Obwohl Terk nach seiner Zeit bei der NVA Dresden verl\u00e4sst und in Berlin und Rostock lebt, bleibt der Kontakt zu Penck bestehen. Terk beobachtet, das Penck mit Akoholproblemen k\u00e4mpft. Unter diesem Vorzeichen f\u00fchren Pencks Lebensumst\u00e4nde dazu, dass sein Atelier ein Treffpunkt wird, \u00fcber den er die Kontrolle verloren hat. Bei ihm entsteht immer dr\u00e4ngender der Wunsch, das Atelier aufzul\u00f6sen, um die damit verbundene Umgebung hinter sich lassen zu k\u00f6nnen. 1977 bittet er Terk, dies f\u00fcr ihn zu tun, worauf Terk sich einl\u00e4sst. In Dresden verbreitet sich unterdessen das Ger\u00fccht, die Stasi h\u00e4tte Pencks Atelier ger\u00e4umt. Dass mit der angeblichen R\u00e4umung auch Dutzende seiner Zeichnungen und Gem\u00e4lde verschwinden, sorgt nicht nur im Dresdener Kunstbetrieb, sondern auch bei der Stasi, die ja f\u00fcr das nun leerstehende Atelier nicht verantwortlich ist, f\u00fcr Spekulationen, die auch Jahre sp\u00e4ter noch \u2013 auf der anderen Seite der innerdeutschen Grenze \u2013 eine Rolle spielen werden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Westkunst<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Terk, der nach seiner Zeit bei der NVA f\u00fcr die Treffen der Gruppe jeweils nach Dresden reist, hat bereits 1976 f\u00fcr sich und seine Familie einen Ausreiseantrag gestellt. In Berlin lernt er westdeutsche Diplomaten aus dem Stab von G\u00fcnther Gaus kennen. Und obwohl man versucht, ihn daran zu hindern, gelingt es ihm 1980, gemeinsam mit seiner Familie in die St\u00e4ndige Vertretung der Bundesregierung zu gelangen. Dort weigert er sich, obwohl er mit Nachdruck dazu aufgefordert wird, das Geb\u00e4ude zu verlassen, und zwar unter Berufung auf das durch das westdeutsche Grundgesetz gesicherte Recht jedes Deutschen auf einen Pass der Bundesrepublik Deutschland. Die westdeutschen Diplomaten befinden sich nun in einem Dilemma. Was schlie\u00dflich dazu f\u00fchrt, dass Terk und seine Angeh\u00f6rigen ihre Ausreise in den Westen erzwingen k\u00f6nnen. Von nun an lebt Terk mit seiner Familie in Bonn.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-4 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\" id=\"w3\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"1024\" data-id=\"1103\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/steffen-terk-die-abschaffung-des-witzes-durch-den-chef-1976-1024x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1103\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/steffen-terk-die-abschaffung-des-witzes-durch-den-chef-1976-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/steffen-terk-die-abschaffung-des-witzes-durch-den-chef-1976-300x300.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/steffen-terk-die-abschaffung-des-witzes-durch-den-chef-1976-150x150.jpg 150w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/steffen-terk-die-abschaffung-des-witzes-durch-den-chef-1976-768x768.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/steffen-terk-die-abschaffung-des-witzes-durch-den-chef-1976-1536x1536.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/steffen-terk-die-abschaffung-des-witzes-durch-den-chef-1976-100x100.jpg 100w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/steffen-terk-die-abschaffung-des-witzes-durch-den-chef-1976.jpg 1772w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\">Terk, Die Abschaffung des Witzes durch den Chef, 1976. Latex auf Nessel, 213x 212cm. Sammlung Horst Freude, Aachen. Foto: Terk.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als ich ihn frage, was er f\u00fcr sich vom Westen erhofft habe, kann man an seiner Reaktion ablesen, dass ich die falsche Frage gestellt habe. Der Westen war f\u00fcr ihn nicht das ersehnte &#8222;Geschenk&#8220;, auf das er lange, zu lange warten musste. Er erkl\u00e4rt mir, dass er trotz der \u00dcbergriffigkeit und des Drucks staatlicher Organe seinen Wunsch, die DDR zu verlassen, nicht als Akt des Widerstands gegen die Diktatur der SED versteht. Sorgf\u00e4ltig unterscheidet er noch einmal die \u00e4u\u00dferen Anl\u00e4sse und deren Hintergr\u00fcnde: Das Ende von L\u00fccke TPT, das nicht nur einseitig durch Penck verk\u00fcndet wurde, sondern von ihm im Nachhinein so interpretiert wurde, als sei der sich \u00fcber Jahre erstreckende Arbeitsprozess in der Gruppe allein sein geistiges Eigentum und daher seinem Werk zuzurechnen. Das ging aus Terks Sicht nicht nur an den Realit\u00e4ten vorbei, sondern war \u00fcberdies ein Verrat Pencks an seinen eigenen Grunds\u00e4tzen als K\u00fcnstler. Hinzu kommt die Abschiebung Biermanns. Terk malt in diesem Zusammenhang ein Bild mit dem Titel &#8222;Die Abschaffung des Witzes durch den Chef&#8220;. Dahinter steht die \u00dcberlegung, dass die Stasi selbst systemkritische Witze in Umlauf bringt, um deren Verbreiter als Systemkritiker identifizieren zu k\u00f6nnen. Dadurch dass sich nun viele Intellektuelle mit Biermann solidarisieren, geben sie sich als Oppositionelle zu erkennen. Dieses, aus Terks Sicht naive Verhalten ver\u00e4ndert die Atmosph\u00e4re des Zusammenlebens: &#8222;Jede Gesellschaft tr\u00e4gt auf irgendeine Art und Weise ihren Staat. Ich konnte die Menschen in dieser Gesellschaft einfach nicht mehr ertragen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Das Rheinland<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bonn ist heute eine Stadt wie viele andere auch. Damals war Bonn Hauptstadt der Bundesrepublik, ein Provisorium zwar, aber dennoch \u2013 nach jahrelangem Z\u00f6gern \u2013 seit Beginn der 80er-Jahre gewillt, sich mit dieser Rolle anzufreunden. Zwischen den K\u00f6lner und Bonner K\u00fcnstlern gab es gute Verbindungen. Es gab mit Dierk Stemmler einen Leiter des st\u00e4dtischen Kunstmuseums mit einer weit in die Zukunft reichenden Vision. Es gab Pers\u00f6nlichkeiten wie Karla Fohrbeck, die die Pl\u00e4ne f\u00fcr die Bundeskunsthalle vorantrieb. Es gab Margarethe Jochimsen, unter deren F\u00fchrung sich der Kunstverein weit f\u00fcr Tendenzen der Gegenwart \u00f6ffnete. Und es gab Galeristen wie Erhard Klein und Margarethe Magers.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-5 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large w3\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"571\" data-id=\"1104\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/steffen-terk-mb-16-1024x571.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1104\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/steffen-terk-mb-16-1024x571.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/steffen-terk-mb-16-300x167.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/steffen-terk-mb-16-768x428.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/steffen-terk-mb-16-1536x856.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/steffen-terk-mb-16-2048x1142.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\">Nach der Ankunft im Rheinland entstanden: Terk, MB 16, 1984. Akryl auf Leinwand. Foto: Raum 41.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Terk st\u00f6\u00dft also auf eine lebendige Atmosph\u00e4re, in der er, mit erh\u00f6hter Intensit\u00e4t sogar, einfach weitermachen kann. 1982 bereits gibt es eine erste Ausstellung im Bonner Kunstmuseum. Die Fortsetzung der Arbeit wird also von ersten Erfolgen gekr\u00f6nt. Es f\u00e4llt auf, dass die figurative Gegenst\u00e4ndlichkeit fr\u00fcherer Jahre einer neuen Sprache weicht: Es entstehen Bilder, die sich durch ihre geometrische Strenge und ihre vielf\u00e4ltige, aber klar geordnete Farbigkeit auszeichnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seine Antwort auf meine Frage, wie sich der Westen f\u00fcr ihn in den ersten Jahren im Rheinland pr\u00e4sentiert habe, umkreist in erster Linie atmosph\u00e4rische Unterschiede. Der Dialog mit anderen K\u00fcnstlerinnen dreht sich nicht l\u00e4nger um k\u00fcnstlerische Fragen, sondern um den wirtschaftlichen Erfolg. Er sei von anderen K\u00fcnstlern immer wieder nur danach gefragt worden, wie er verkaufe. Aber die Ankunft im Kapitalismus hat auch positive Seiten: Kaspar K\u00f6nigs &#8222;Westkunst&#8220; zum Beispiel ist ein besonders eindrucksvolles Ereignis, weil dort f\u00fcr Terk die Dialoge der Protagonisten der europ\u00e4ischen und amerikanischen Moderne und Avantgarde greifbar werden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Der OibE<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber irgendwann holt Terk die Vergangenheit ein. Sie erscheint in der Gestalt des Galeristen Frank H\u00e4nel, der 1988 Kontakt zu ihm aufnimmt und ihn schon bald darauf in seinem Atelier besucht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man muss wissen, dass Frank H\u00e4nel Mitte der 80er-Jahre der DDR den R\u00fccken gekehrt hatte. Er geh\u00f6rte zum Universum Alexander Schalck-Golodkowskis, der als Oberst im Ministerium f\u00fcr Staatssicherheit (MfS) den geheimen Bereich Kommerzielle Koordinierung des Au\u00dfenhandelsministeriums der DDR leitete. Frank H\u00e4nel arbeitet als &#8222;Offizier im besonderen Einsatz&#8220; (OibE) f\u00fcr das MfS und verl\u00e4\u00dft die DDR also nicht als Oppositioneller, sondern mit dem Auftrag, im Kunstbetrieb der Bundesrepublik verdeckt Informationen zu sammeln. Diesen Sachverhalt belegen Dokumente im Bundesarchiv, Abteilung Stasi-Unterlagen (fr\u00fcher: Stasi-Unterlagenbeh\u00f6rde), und Zeitzeugenberichte. 1988, als er Terk in dessen Atelier besucht, ist \u00fcber seine verdeckte T\u00e4tigkeit noch nichts bekannt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dass Frank H\u00e4nel schon in der DDR verschiedene Werke Pencks erworben hatte, l\u00e4sst sich allerdings nicht verheimlichen. Au\u00dferdem hatte er dort den Kontakt zu den fr\u00fcheren Mitgliedern von L\u00fccke TPT gesucht und war in den Besitz von Bildern der Gruppe gelangt. Wahrscheinlich geht es f\u00fcr ihn nun auch darum aufzukl\u00e4ren, was es mit der Aufl\u00f6sung von Pencks Artelier auf sich hatte, an der die Stasi ja nicht beteiligt war.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-6 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"838\" data-id=\"1105\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/opitz-gallasch-terk-penck-kunstmuseum-basel-1992-1024x838.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1105\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/opitz-gallasch-terk-penck-kunstmuseum-basel-1992-1024x838.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/opitz-gallasch-terk-penck-kunstmuseum-basel-1992-300x246.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/opitz-gallasch-terk-penck-kunstmuseum-basel-1992-768x629.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/opitz-gallasch-terk-penck-kunstmuseum-basel-1992.jpg 1240w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\">Die Mitglieder von L\u00fccke TPT, noch einmal vereint im Kunstmuseum Basel, 1992: Wolfgang Opitz, Harald Gallasch, Steffen Terk und A. R. Penck.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dem inzwischen von Frankfurt aus agierenden H\u00e4nel wird nicht entgangen sein, dass die verschwundenen Arbeiten Pencks im westlichen Kunstmarkt einen erheblichen Wert h\u00e4tten, wenn sie denn verf\u00fcgbar w\u00e4ren. Sehr wahrscheinlich, mindestens aber m\u00f6glich ist es daher, dass H\u00e4nel zwar einerseits als Stasi-Agent agierte, aber andererseits als inzwischen gut etablierter Kunsth\u00e4ndler ein pers\u00f6nliches, eher gesch\u00e4ftliches Interesse an diesen Arbeiten hat. Den Kontakt zu Terk nimmt er mutma\u00dflich nur deshalb auf, weil er mehr \u00fcber den Verbleib der verschwundenen Werke Pencks zu erfahren hofft. Doch dieses Ziel l\u00e4sst sich nicht \u00fcber Nacht realisieren. So finden nun in der Galerie H\u00e4nel Einzelausstellungen der an L\u00fccke TPT beteiligten K\u00fcnstler und unter Beteiligung von A.R. Penck auch Gruppenausstellungen statt. Wahrscheinlich verursacht durch Pencks Mitwirkung zeigen nun auch Museen Interesse: L\u00fccke-Ausstellungen finden in Basel, Frankfurt und Dresden statt. Und: Verhindert werden die Versuche des Galeristen, Gemeinschaftsarbeiten der Gruppe von Penck signieren zu lassen, um sie dann als Pencks ver\u00e4u\u00dfern zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Auf den Leib geschrieben<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sicher kann man zu diesen Ereignissen auf sehr verschiedene Art Stellung nehmen. Zum Beispiel kann man sagen: Sehr bedauerlich, aber das ist doch alles Geschichte. Das ist zwar wahr. Aber im Kern enth\u00e4lt das Geschehen etwas, dass immer schon da war und dass sich bis in die Gegenwart fortsetzt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei diesem Etwas handelt es sich um eine Rollenzuschreibung, die eigentlich in keinem unmittelbaren Zusammenhang zu Terks T\u00e4tigkeit als K\u00fcnstler steht und trotzdem mit dieser Form der Existenz eine quasi parasit\u00e4re Verbindung eingehen konnte. F\u00fcr die staatlichen Organe der DDR war Terk schon als Sch\u00fcler ein Oppositioneller. Ihr Interesse an seiner T\u00e4tigkeit als K\u00fcnstler, der Druck, der auf ihn ausge\u00fcbt wurde, st\u00fctzte sich auf diese Annahme. An diesem Dilemma, dass seine k\u00fcnstlerische Arbeit als Akt des Widerstandes betrachtet wurde, \u00e4nderte die Ausreise nach Westdeutschland wenig bis gar nichts: Auch hier war er jemand, dessen Relevanz in erster Linie durch Opposition gegen die Diktatur der SED bestimmt war. Auch hier erkl\u00e4rt sich also das Interesse an Terks T\u00e4tigkeit als K\u00fcnstler vielfach erst vor diesem Hintergrund.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als Frank H\u00e4nel die B\u00fchne betritt, wird dieses Moment durch den Umstand verst\u00e4rkt, dass Terk erneut in eine Beziehung zu Penck gesetzt wird, die Relevanz seiner Arbeit also mindestens teilweise \u00fcber eine Verbindung definiert wird, die eigentlich bereits in der DDR ein Ende gefunden hatte. Und jetzt ist an diesem Punkt Geld im Spiel, viel Geld sogar, wenn man vom Marktwert ausgeht, den Pencks Werke Ende der 80er-Jahre noch hatten.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped w3 wp-block-gallery-7 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"650\" height=\"650\" data-id=\"1110\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/119-9.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1110\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/119-9.png 650w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/119-9-300x300.png 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/119-9-150x150.png 150w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/119-9-100x100.png 100w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/119-9-120x120.png 120w\" sizes=\"(max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"831\" height=\"1024\" data-id=\"1111\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/KT-023png-831x1024.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1111\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/KT-023png-831x1024.png 831w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/KT-023png-243x300.png 243w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/KT-023png-768x947.png 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/KT-023png-1246x1536.png 1246w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/KT-023png-1661x2048.png 1661w\" sizes=\"(max-width: 831px) 100vw, 831px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\"><strong>Links<\/strong>: Terk, Verbr\u00fcderung, 2017. \u00d6l auf Aluminium. Teil 1 von 12 aus der Reihe &#8222;Die hundertj\u00e4hrige Depression 1916 bis 2016&#8220;. Foto: Terk. <strong>Right<\/strong>: Terk, Kerstins Tochter, 2019. \u00d6l auf Aluminium. Foto: Terk. Zwei Beispiele, die zeigen wie sich in Terks Werk ein Kreis schlie\u00dft.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schl\u00fcssig ist vor diesem Hintergund Terks Versuch, sich auf sich selbst und die eigenen Kr\u00e4fte zu besinnen. In Bonn entsteht Anfang der 90er-Jahre ein Atelierhaus, an dessen Gr\u00fcndung sich Terk nun beteiligt. Er wird Mitglied im Vorstand des Tr\u00e4gervereins.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber &#8211; fast ohne dass es irgendwie registriert wird, sinkt nach der Mauer\u00f6ffnung das akute Interesse an den Oppositionellen der DDR, ganz egal, ob sie so \u00fcberhaupt gesehen werden wollen und ob sie im Westen oder Osten leben. So kann auch das Atelierhaus mit seinen M\u00f6glichkeiten den schleichenden Prozess des sinkenden Interesses nicht aufhalten: Nur noch punktuell zeigen Galeristen Interesse an Terks Arbeit und auch die Sammler verschwinden nach und nach.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heute blickt Terk auf ein umfangreiches Oeuvre. In einer Kunstwelt, in der K\u00fcnstler wie Kuratoren kaum noch um etwas anderes ringen als den Nachweis ihrer Relevanz in den Diskursen des Tages, folgt er unbeirrt seiner eigenen Spur, die in seinen eigenen Worten von seinem Interesse am Menschenbild bestimmt wird. Dabei ist eines nicht bestreitbar: Als ein seit \u00fcber f\u00fcnfzig Jahren t\u00e4tiger K\u00fcnstler besitzt er das unbedingte Recht darauf, dass sein Werk als solches, also endlich unabh\u00e4ngig von seiner in seinen eigenen Worten &#8222;hybriden Existenz&#8220; in beiden Teilen Deutschlands wahrgenommen wird.<\/p>\n\n\n\n<hr style=\"--wb-separator-margin-top:0px;--wb-separator-margin-bottom:0px\" class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"http:\/\/steffenterk.com\/\">Zu Terks Website<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber den Maler und Bildhauer Terk. Wir haben uns lange nicht gesehen, es sind auf jeden Fall mehr als zehn Jahre. 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