{"id":2318,"date":"2024-10-27T16:56:10","date_gmt":"2024-10-27T15:56:10","guid":{"rendered":"https:\/\/on-art.news\/?p=6765"},"modified":"2026-08-14T22:00:03","modified_gmt":"2026-08-14T20:00:03","slug":"auf-ruskins-spuren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/on-art.news\/en\/2024\/10\/27\/auf-ruskins-spuren\/","title":{"rendered":"Auf Ruskins Spuren"},"content":{"rendered":"<h3 class=\"wp-block-heading\">Fellow Travellers, ZKM, 21.9.2024 \u2013 8.6.2025<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seit anderthalb Jahren ist Alistair Hudson Direktor des ZKM. Nachdem das Programm seines Vorg\u00e4ngers abgearbeitet ist und er im Mai seine erste Ausstellung zum Thema K\u00fcnstliche Intelligenz er\u00f6ffnet hat, die noch bis 24. November l\u00e4uft, gibt er mit <em>Fellow Travellers<\/em> nun einen Einblick in seine Herangehensweise. Der Titel erinnert an die McCarthy-\u00c4ra, als linke Intellektuelle als Trittbrettfahrer Moskaus beschimpft wurden, worauf Hudson selbst schmunzelnd hinweist. Eigentlich ist aber gemeint: sich auf eine gemeinsame Reise begeben. Das will er mit den Besuchern des ZKM tun.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Mittelpunkt steht die <em>Arte \u00datil<\/em>, ein Begriff der kubanischen K\u00fcnstlerin Tania Bruguera. Charles Esche, erz\u00e4hlt Hudson, der Direktor des Van Abbemuseums in Eindhoven, habe ihn 2013 eingeladen, sein Haus mit Bruguera in ein <em>Museum of Arte \u00datil<\/em> zu verwandeln. Die daraus hervorgegangene <em>Asociaci\u00f3n de Arte \u00datil<\/em>, die er mit Bruguera betreibt, ist im Wesentlichen eine Internetplattform, die Projekte sammelt, die den acht Grunds\u00e4tzen der <em>Arte \u00datil<\/em> entsprechen, wie sie auf der Website definiert sind. In einem Bereich der Ausstellung werden beispielhaft eine Handvoll der mittlerweile fast 300 Projekte kurz vorgestellt: ein Guaran\u00e0-Softdrink etwa, den die d\u00e4nische Gruppe Superflex mit brasilianischen Bauern entwickelt hat, als Alternative zur globalen kapitalistischen Ausbeutung; oder das <em>Zapatista Tactical Floodnet<\/em> des Electronic Disturbance Theatre aus San Diego, eine Software, um Protest zu verbreiten. Mehr erz\u00e4hlt Hudson in einem Video im Gespr\u00e4ch mit Bruguera.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Projekte sind alle auf der Website zu finden. &#8222;Arte \u00datil ist mehr als &#8217;n\u00fctzliche Kunst'&#8220;, hei\u00dft es da, &#8222;es geht um Kunst als Werkzeug des gesellschaftlichen Wandels, das Kreativit\u00e4t nutzt, um Probleme der realen Welt anzupacken.&#8220; Der Untertitel der Ausstellung lautet denn auch: <em>Kunst als Werkzeug, die Welt zu ver\u00e4ndern<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Vom Lake District nach Karlsruhe<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Ich war immer interessiert an <em>useful art<\/em>&#8222;, erkl\u00e4rt Hudson und verweist auf John Ruskin. Das er\u00f6ffnet eine weite historische Perspektive. Ruskin war der f\u00fchrende Theoretiker der <em>Arts-and-Crafts<\/em>-Bewegung, die von einer elit\u00e4ren, damals klassizistischen Kunst weg wollte zur\u00fcck zum Handwerk, pr\u00e4gend auch f\u00fcr den Deutschen Werkbund und das Bauhaus. Mit Ruskin ist Hudson durch seine zehnj\u00e4hrige T\u00e4tigkeit als stellvertretender Direktor von <em>Grizedale Arts<\/em> verbunden. Adam Sutherland, der die K\u00fcnstlerresidenz im Naturpark Lake District, im Norden Englands an der Grenze zu Schottland, bis heute leitet, hat diese um die Jahrtausendwende eingerichtet: auf der Lawson Farm, die einmal Ruskin geh\u00f6rte, der ganz in der N\u00e4he seine letzten 35 Lebensjahre verbrachte. <em>Grizedale Arts<\/em> hat nicht nur mit dem Ruskin Museum im nahegelegenen Coniston zusammengearbeitet, sondern handelt nach Ruskins Grunds\u00e4tzen. Die K\u00fcnstler sollen nicht ihre eigenen Ideen realisieren, sondern etwas tun, was den Menschen vor Ort zugutekommt. Liam Gillick etwa, mit dem Hudson schon vorher zusammengearbeitet hatte, richtete in Coniston eine Leihb\u00fccherei ein.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"494\" height=\"676\" data-id=\"1117\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/john-ruskin-gezeichnet-1857-von-george-richmond-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1117\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/john-ruskin-gezeichnet-1857-von-george-richmond-1.jpg 494w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/john-ruskin-gezeichnet-1857-von-george-richmond-1-219x300.jpg 219w\" sizes=\"(max-width: 494px) 100vw, 494px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" data-id=\"1116\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/alistair-hudson-zentrum-fuer-kunst-und-medien-karlsruhe-foto-marvin-systermans-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1116\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/alistair-hudson-zentrum-fuer-kunst-und-medien-karlsruhe-foto-marvin-systermans-768x1024.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/alistair-hudson-zentrum-fuer-kunst-und-medien-karlsruhe-foto-marvin-systermans-225x300.jpg 225w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/alistair-hudson-zentrum-fuer-kunst-und-medien-karlsruhe-foto-marvin-systermans-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/alistair-hudson-zentrum-fuer-kunst-und-medien-karlsruhe-foto-marvin-systermans-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/alistair-hudson-zentrum-fuer-kunst-und-medien-karlsruhe-foto-marvin-systermans-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\"><strong>Links<\/strong>: George Richmond, Portr\u00e4t John Ruskin, 1857. <strong>Right<\/strong>: Alistair Hudson, wissenschaftlich-k\u00fcnstlerischer Vorstand des Zentrum f\u00fcr Kunst und Medien, Karlsruhe. Foto: Marvin Systermans.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Ausstellung im ZKM begr\u00fc\u00dft der Direktor die Eintretenden auf einer Videoleinwand mit einem Vortrag zu Ruskin. Er verweist auf dessen 1860 ver\u00f6ffentlichten Essay <em>Unto This Last<\/em>, deutsch <em>Diesem Letzten<\/em>: eine Grundsatzkritik an den Konzepten der politischen \u00d6konomie nach Adam Smith und John Stuart Mill, aber auch an Karl Marx. Der Titel bezieht sich auf das Gleichnis der Arbeiter im Weinberg aus dem Matth\u00e4us-Evangelium. Jesus spricht: &#8222;Ich will aber diesem letzten geben gleich wie dir.&#8220; In Manchester, wo Hudson von 2018 an die Whitworth und die Manchester Art Gallery leitete, kuratierte er eine Ausstellung zum 200. Geburtstag Ruskins. Der Titel, <em>Joy for ever: How to use art to change the world (and its price beyond the market)<\/em>, antwortet auf einen Vortrag, den Ruskin 1857 dort hielt: <em>A&nbsp;joy for ever (and its price in the market)<\/em>. Sechs Wochen vor der gro\u00dfen Finanzkrise, die Karl Marx veranlasste, <em>Das Kapital<\/em> zu schreiben, formulierte Ruskin hier erstmals seine Vorstellungen von einer Wirtschaft, die nicht auf der Anh\u00e4ufung von Kapital, sondern nach den Grunds\u00e4tzen der Kunst aufgebaut sein sollte, mit dem Ziel, Freude zu bereiten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mahatma Gandhi hat Ruskins <em>Unto This Last<\/em> ins Gujarati \u00fcbersetzt. Er propagierte handgefertigte Textilien, gegen die britische Importware. Daran erinnert im Eingangsbereich der Ausstellung ein Teppich aus Varanasi, hergestellt nach einem Design von Tim Otto Roth. Ein Video erz\u00e4hlt das Zustandekommen: Die Kn\u00fcpfer\/innen wechseln nach einer vom K\u00fcnstler vorgegebenen numerischen Regel zwischen zwei Farben. Der Teppich ist digital gefertigt im doppelten Sinn des englischen Worts <em>digit<\/em>: <em>Finger<\/em> und <em>Ziffer<\/em>. Ihm ist wiederum ein fr\u00fcher Zuse-Rechner gegen\u00fcbergestellt, der \u00fcberleitet zu einem Raum, in dem Catalina Ossa Holmgren und Enrique Rivera den Versuch des chilenischen Pr\u00e4sidenten Salvador Allende rekonstruieren, die Wirtschaft des Landes per Computer zentral zu verwalten.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Schl\u00fcsselpositionen<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese weit gespannten Zusammenh\u00e4nge, von Ruskin \u00fcber Gandhi und Allende bis zur <em>Arte \u00datil<\/em>, stellen aber nur eine Einf\u00fchrung dar, das <em>Framing<\/em>, innerhalb dessen der neue Direktor seine Arbeit verortet. Mehr Raum nehmen f\u00fcnf &#8222;k\u00fcnstlerische Schl\u00fcsselpositionen&#8220; ein. Dass sie von vier Kontinenten kommen, darf als ein Statement verstanden werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der brasilianische Architekt Paulo Tavares folgt den Spuren des Anthropologen William Bal\u00e9e, der in den 1980er-Jahren das Lebensumfeld der Ka&#8217;apor im Amazonasgebiet untersucht hat. In zahllosen Diapositiven hat er die Pflanzenwelt festgehalten und ist nach den Angaben seiner Informanten zu der Erkenntnis gelangt, dass es sich hier nicht um einen unber\u00fchrten Urwald, sondern um eine vom Menschen geformte Landschaft handelt. Nur stehen Natur und gebaute Umwelt hier anders als in Europa nicht im Gegensatz, sondern die Landschaft zeugt von einem bleibenden Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur. Tavares, der im Gebiet der Xavantes auch den Spuren zerst\u00f6rter Siedlungen nachgeht, will den Architekturbegriff dekolonisieren und bem\u00fcht sich mit ihnen, diese andere Art von Raumproduktion als Kulturlandschaft ins Unesco-Welterbe eintragen zu lassen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-2 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" data-id=\"1119\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/ZKM_FT_Zheng_Guogu_gesamt_frontal-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1119\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/ZKM_FT_Zheng_Guogu_gesamt_frontal-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/ZKM_FT_Zheng_Guogu_gesamt_frontal-300x200.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/ZKM_FT_Zheng_Guogu_gesamt_frontal-768x512.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/ZKM_FT_Zheng_Guogu_gesamt_frontal-1536x1025.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/ZKM_FT_Zheng_Guogu_gesamt_frontal-2048x1366.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" data-id=\"1120\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/ZKM_FT_Zheng_Guogu_gesamt_seitlich-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1120\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/ZKM_FT_Zheng_Guogu_gesamt_seitlich-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/ZKM_FT_Zheng_Guogu_gesamt_seitlich-300x200.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/ZKM_FT_Zheng_Guogu_gesamt_seitlich-768x512.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/ZKM_FT_Zheng_Guogu_gesamt_seitlich-1536x1025.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/ZKM_FT_Zheng_Guogu_gesamt_seitlich-2048x1366.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\"><strong>Links<\/strong>: Installation von Zheng Guogu im Rahmen der Ausstellung &#8222;Fellow Travellers&#8220;. ZKM \/ Zentrum f\u00fcr Kunst und Medien Karlsruhe. Foto: Felix Gr\u00fcnschlo\u00df. <strong>Right<\/strong>: Zheng Guogu, seitliche Ansicht. ZKM \/ Zentrum f\u00fcr Kunst und Medien Karlsruhe. Foto: Felix Gr\u00fcnschlo\u00df.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der 1970 geborene K\u00fcnstler Zheng Guogu hat, wie die Wandtexte erkl\u00e4ren, nach der \u00d6ffnung Chinas in den 1990er-Jahren gern Videospiele gespielt. Irgendwann reichte ihm das nicht mehr aus, und er begann nun, nach dem Vorbild des Spiels <em>Age of Empires<\/em> einen realen <em>Liao Garden<\/em> anzulegen, der als wandhohes Foto in den Ausstellungsraum tapeziert ist. Sehr bekannt wurde er durch ein Foto von 1993, auf dem er mit einem behinderten, wohnsitzlosen Mann lachend auf der Stra\u00dfe hockt. Titel: <em>My Teacher.<\/em> Ein <em>Dharma bum<\/em>, um den Buchtitel von Jack Kerouac zu zitieren: einer der Vollkommenheit erlangt, ohne sich um Besitz und Behausung zu k\u00fcmmern. Zheng baut einen fr\u00f6hlichen, bunten Kosmos aus traditioneller chinesischer Medizin und Weisheitslehren, mit Kupferpyramiden, die von der Decke h\u00e4ngen und Energie akkumulieren sollen, einem \u00d6lgem\u00e4lde, das die Chakra-Punkte visualisiert, digitalen Thangkas (tibetanische Rollbilder) und einer Vitrine voller Zedernholz-Objekte. Seine Ansichten erkl\u00e4rt er im Videointervies mit Alistair Hudson.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-3 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" data-id=\"1122\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/V5A2964-Kopie-1024x683.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1122\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/V5A2964-Kopie-1024x683.jpeg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/V5A2964-Kopie-300x200.jpeg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/V5A2964-Kopie-768x512.jpeg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/V5A2964-Kopie-1536x1025.jpeg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/V5A2964-Kopie-2048x1366.jpeg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" data-id=\"1123\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/V5A2996-1024x683.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1123\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/V5A2996-1024x683.jpeg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/V5A2996-300x200.jpeg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/V5A2996-768x512.jpeg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/V5A2996-1536x1025.jpeg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/V5A2996-2048x1366.jpeg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\"><strong>Links<\/strong> und <strong>rechts<\/strong>: Matters of Evidence. ZKM \/ Zentrum f\u00fcr Kunst und Medien Karlsruhe. Beide Fotos: Felix Gr\u00fcnschlo\u00df.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Abteilung <em>Matters of Evidence<\/em> ist aus einer Konferenz im Juni hervorgegangen, zu der die polnische K\u00fcnstlerin Natalia Romik und der Kurator Kuba Szreder weitere K\u00fcnstler ins ZKM eingeladen hatten. Im Mittelpunkt steht Romiks eigene Arbeit \u00fcber Verstecke verfolgter Juden in der NS-Zeit, vor allem das Innere einer alten Eiche, die es bis zum Europ\u00e4ischen Baum des Jahres 2017 und auf eine 100-Z\u0142oty-Banknote gebracht hat. Diese unglaubliche Geschichte, die nur funktionieren konnte, weil Menschen aus der Umgebung die versteckten Br\u00fcder versorgten, wird in allen Medien durchdekliniert, bis hin zu einem Abguss des Inneren der Eiche und einer 3-D-Animation. Interessanter sind die Beweismittel, die <em>Matters of Evidence<\/em>, die Fotos und Dokumente dieser und anderer Arbeiten, die in sch\u00f6nen, h\u00f6lzernen Vitrinen zusammengetragen sind, wie sie fr\u00fcher f\u00fcr M\u00fcnzsammlungen oder botanische Ausstellungen verwendet wurden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Triggerwarnung warnt vor drei lebensgro\u00dfen Plastiken des <em>Cercle d\u2019Art des Travailleurs de Planations Congolaise<\/em> (CATPC), die Vergewaltigungen zeigen. Irene Kanga will damit an die Kolonialzeit erinnern. Ihre Gro\u00dfmutter hat ihr vom Aufstand der Pende im Jahr 1931 erz\u00e4hlt, der von einer Vergewaltigung ausgel\u00f6st wurde. Eine kleine Holz-Skulptur des erschlagenen Kolonialbeamten Maximilien Balot steht im Zentrum des Beitrags. Sie befindet sich im Virginia Museum of Fine Arts, und die K\u00fcnstler\/innen wollen sie zur\u00fcck. Eine K\u00fcnstlergruppe kongolesischer Plantagenarbeiter? Der Film <em>White Cube<\/em> von Renzo Martens in der hinteren Ecke des Raums erkl\u00e4rt die Zusammenh\u00e4nge.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-4 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"681\" data-id=\"1121\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/20240920_ZKM_FellowTravellers_009-1024x681.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1121\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/20240920_ZKM_FellowTravellers_009-1024x681.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/20240920_ZKM_FellowTravellers_009-300x200.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/20240920_ZKM_FellowTravellers_009-768x511.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/20240920_ZKM_FellowTravellers_009-1536x1022.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/20240920_ZKM_FellowTravellers_009-2048x1363.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"738\" data-id=\"1118\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/balot-nft-140-catpc-2022-1024x738.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1118\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/balot-nft-140-catpc-2022-1024x738.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/balot-nft-140-catpc-2022-300x216.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/balot-nft-140-catpc-2022-768x553.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/balot-nft-140-catpc-2022-1536x1107.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/balot-nft-140-catpc-2022-2048x1476.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\"><strong>Links<\/strong>: CATPC. ZKM \/ Zentrum f\u00fcr Kunst und Medien Karlsruhe. Foto: Chiara Bellamoli. <strong>Right<\/strong>: Balot NFT #140; CATPC, 2022. Foto: CATPC<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Plantage in Lusanga, fr\u00fcher Leverville, um die es hier geht, geh\u00f6rte zum Unilever-Konzern, gegr\u00fcndet von William Lever. Lever war Kunstsammler, Unilever f\u00f6rdert mit dem Gewinn aus den Plantagen Kunst. Martens wollte den Spie\u00df umdrehen und die Arbeiter erm\u00e4chtigen, durch den Verkauf von Kunst Land zu erwerben. Was auf einer bis heute von Unilever betriebenen Plantage scheiterte, gelang auf einer anderen, die der Konzern aufgegeben hat. Kanga und Kolleg\/innen modellierten Werke aus Lehm, die gescannt, nach London und New York \u00fcbertragen und aus Schokolade 3-D-gedruckt wurden. Kunstsammler waren entz\u00fcckt, die Einnahmen flossen an das Kollektiv zur\u00fcck. Mit NFTs ging es weiter. Schlie\u00dflich gelang es im Zuge der Biennale von Venedig, den <em>Balot<\/em> tempor\u00e4r zur\u00fcck zu erhalten. Er wurde in einem <em>White Cube<\/em> auf der Plantage ausgestellt, den das von Rem Koolhaas gegr\u00fcndete Rotterdamer Architekturb\u00fcro OMA entworfen hatte. Die Er\u00f6ffnung wurde in den niederl\u00e4ndischen Pavillon \u00fcbertragen. Martens&#8216; Film, der kontroverse Diskussionen ausgel\u00f6st hat, zeigt in aller Sch\u00e4rfe die Widerspr\u00fcche der postkolonialen Welt und der globalisierten Kunstwelt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Ins Handeln kommen<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Keine dieser f\u00fcnf &#8222;Schl\u00fcsselpositionen&#8220; ist neu entstanden. Tavares&#8216; Arbeit war im vergangenen Jahr auf der Architekturbiennale von Venedig zu sehen, die von Romik und Szreder entstand f\u00fcr das J\u00fcdische Museum in Frankfurt, w\u00e4hrend die CATPC unter anderem 2016, am <em>Middlesbrough Institute of Modern Art<\/em> (MiMA) ausgestellt war, der Direktor hie\u00df damals Alistair Hudson. Zheng erfreut sich bei Privatsammlern gro\u00dfer Beliebtheit. <em>My Teacher<\/em> etwa stammt aus der Mercedes Benz Art Collection.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der f\u00fcnfte Bereich besteht dagegen aus zwei Karlsruher Projekten und passt zum Statement: &#8222;Das Useum entsteht, wenn wir das Useum tats\u00e4chlich nutzen&#8220;. Im <em>Bio Design Lab<\/em> der Hochschule f\u00fcr Gestaltung erproben die Teilnehmer\/innen neue Materialien: Bioleder aus Tiermehl, kleine Sch\u00fcsseln aus Muschelschalen-Granulat und Alginat, Kacheln aus Kl\u00e4rschlamm, Lampenschirme aus Bienenwaben. Seit 2019 hat wiederum das ZKM eine der letzten Karlsruher Streuobstwiesen, die Katzenwedelwiese gepachtet, die St\u00e9phane V. Bottero seither als Gemeinschaftsprojekt neu belebt. Einen Ableger will der K\u00fcnstler in einem Lichthof des ZKM einrichten. Es folgt ein <em>B\u00c4M<\/em>-Bereich: <em>Be a maker<\/em>! will die Abk\u00fcrzung besagen. Immer freitags gibt es Workshops, jeden Monat einen Aktivierungstag: Auf einen Chind\u014dgu-DIY-Workshop unter dem Titel <em>Die Kunst des (nicht) N\u00fctzlichen<\/em> folgen weitere Workshops, zu Kimchi, Bioplastics und so weiter.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hudson will, um zusammenzufassen, Kunst mit John Ruskin als Werkzeug verstehen, um die Welt zu ver\u00e4ndern, in einer globalen Perspektive, aber mit lokalen Ressourcen. Dazu geh\u00f6rt alles, was am ZKM bereits vorhanden ist wie das Projekt Katzenwedelwiese, das im Zuge der Ausstellung <em>Critical Zones<\/em>&nbsp;entstand, oder ein 1974 entstandener Film \u00fcber Kieselalgen von Jean Painlev\u00e9 und Genevi\u00e8ve Hamon, begleitet vom <em>Lied der Seer\u00e4uber-Jenny<\/em> aus der <em>Dreigroschenoper<\/em>, das aus der Kinobox in den Ausstellungsraum t\u00f6nt. Das ZKM ist ein gro\u00dfer Tanker, auf dem st\u00e4ndig verschiedene Dinge parallel laufen: Gerade noch Christina Kubischs <em>Soundwalks<\/em>, nun eine Ausstellung mit ukranischen Partnern. Hudsons n\u00e4chstes eigenes Projekt ist eine Einzelausstellung des koreanischen K\u00fcnstlers Sung Hwan Kim. Im April will er die eigene Sammlung vorstellen, die viele einzigartige Medienkunstwerke enth\u00e4lt, aber noch nie Thema einer Ausstellung war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Peter Weibel hat seinen Nachfolger noch mit ausgesucht. Hudson war in Manchester zum R\u00fccktritt gedr\u00e4ngt worden, weil er eine am ZKM entwickelte Arbeit der Gruppe <em>Forensic Architecture<\/em> gezeigt hatte, die soeben mit dem Right Livelihood Award, dem so genannten Alternativen Nobelpreis, ausgezeichnet worden ist. J\u00fcdische Anw\u00e4lte hatten gegen kritische Stellungnahmen zur israelischen Politik protestiert. Dabei ist der Gr\u00fcnder, der Architekt Eyal Weizman, selbst Israeli. Dies thematisiert Hudson im ZKM jetzt nicht. Daf\u00fcr aber Tania Bruguera in einer kleinen Ausstellung zum Thema Zensur im M\u00fcnchner Ausweichquartier der Villa Stuck. In einer Gespr\u00e4chsreihe von Januar bis M\u00e4rz 2025 soll es explizit auch um &#8222;Zensur, Absagen und Boykott&#8220; in Deutschland gehen. Sie habe hier Dinge erlebt, die sie aus fr\u00fcheren Erfahrungen von \u00dcberwachung und Intoleranz kenne, erkl\u00e4rt die Kubanerin.<\/p>\n\n\n\n<hr style=\"--wb-separator-margin-top:0px;--wb-separator-margin-bottom:0px\" class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/zkm.de\/de\/ausstellung\/2024\/09\/fellow-travellers\">https:\/\/zkm.de\/de\/ausstellung\/2024\/09\/fellow-travellers<\/a><br><a href=\"https:\/\/arte-util.org\/\">https:\/\/arte-util.org<\/a><br><a href=\"https:\/\/www.villastuck.de\/programm\/detail\/tania-bruguera-the-condition-of-no\">https:\/\/www.villastuck.de\/programm\/detail\/tania-bruguera-the-condition-of-no<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fellow Travellers, ZKM, 21.9.2024 \u2013 8.6.2025 Seit anderthalb Jahren ist Alistair Hudson Direktor des ZKM. 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