{"id":2331,"date":"2024-12-05T12:16:53","date_gmt":"2024-12-05T11:16:53","guid":{"rendered":"https:\/\/on-art.news\/?p=7174"},"modified":"2026-08-14T22:00:03","modified_gmt":"2026-08-14T20:00:03","slug":"moon-boots","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/on-art.news\/en\/2024\/12\/05\/moon-boots\/","title":{"rendered":"Moon Boots"},"content":{"rendered":"<h3 class=\"wp-block-heading\">War da was? Wo jetzt Fotografiska Berlin ist, gab&#8217;s fr\u00fcher das Tacheles.<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Berlins Geschichte atmet aus dem Asphalt heraus, denke ich, w\u00e4hrend ich \u00fcber den aus Platten zusammengef\u00fcgten Gehweg entlang der Oranienburger Stra\u00dfe gehe. Auf dem Weg zum <em>Kunsthaus Tacheles<\/em> begegneten mir hier im Jahr 2006 Frauen, die kurze Kleider und Moon Boots trugen. Den Markenschriftzug der Bestseller f\u00fcr warme F\u00fc\u00dfe verbinde ich seither mit diesen in der K\u00e4lte wartenden Prostituierten auf dem Plattenb\u00fcrgersteig, der in Ostberliner Tagen (oder fr\u00fcher schon) vor dem Eingang zum Tacheles verlegt worden war. Dort, an den W\u00e4nden hinter der Eingangst\u00fcr, \u00fcberlagerten sich Graffitis in schummrigem Licht, das entlang des Stahlgel\u00e4nders \u00fcber eine endlos wirkende Betontreppe in eine K\u00fcnstler:innenfabrik hineinf\u00fchrte. Die n\u00e4chtliche Musik im typischen Sound autonomer Projekte, die K\u00f6rper dicht gedr\u00e4ngt und es wurde geraucht.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"575\" data-id=\"1199\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/2WK787B-1024x575.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1199\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/2WK787B-1024x575.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/2WK787B-300x168.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/2WK787B-768x431.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/2WK787B-1536x862.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/2WK787B-2048x1150.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\">Das Tacheles in der Oranienburger Stra\u00dfe in Berlin Mitte im Jahr 1997, also etwa zu der Zeit, als die Immobilie durch eine Investorengruppe aufgekauft wurde. Foto: imageBROKER.com GmbH &amp; Co. KG \/ Alamy Stock Foto.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Tacheles lebte als Kunst- und Veranstaltungszentrum zwischen 1990 und 2012 in einem ehemaligen Kaufhaus in der Oranienburger Stra\u00dfe, das 1909 als Friedrichstra\u00dfenpassage er\u00f6ffnet worden war. In den 1920er-Jahren wurde das Geb\u00e4ude von der AEG genutzt, in der Zeit des Nationalsozialismus diente es der politischen Verwaltung. In der sowjetischen Besatzungszone, dann auch in der DDR beherbergte der Komplex unter anderem den Freien Deutschen Gewerkschaftsbund und \u00fcber viele Jahre hinweg auch ein Kino, das den Namen <em>Camera<\/em> trug. Nach Teilabrissen des Geb\u00e4udes ab 1980 und einer planm\u00e4\u00dfigen Sprengung der verbliebenen Bauruine besetzte zu Beginn des Jahres 1990 die <em>K\u00fcnstlerinitiative<\/em> <em>Tacheles<\/em> die noch erhaltenen Fl\u00e4chen des Hauses und erwirkte durch ein erneuertes Gutachten zur Bausubstanz, diesen Ort unter Denkmalschutz zu stellen und zu bewahren. Durch den <em>Tacheles e.&nbsp;V.<\/em> entwickelte sich das Haus in Berlin-Mitte in der Folge mit zahlreichen K\u00fcnstler:innenateliers, Werkst\u00e4tten, einem Spielort f\u00fcr die freie Theaterszene und durch Gastronomie zu einem Zentrum f\u00fcr Kunst, Veranstaltungen und Austausch, worauf auch der Name selbst hinweist: <em>Tacheles reden<\/em> ist die jiddische Bezeichnung daf\u00fcr, sich offen und klar auszudr\u00fccken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch bereits nachdem eine Investorengruppe das Grundst\u00fcck Ende der 1990er-Jahre erworben hatte, musste ein Mietvertrag mit dem neuen Eigent\u00fcmer ausgehandelt werden, dessen Auslaufen 2009 zur Insolvenz des Vereins und zur sukzessiven R\u00e4umung f\u00fchrte \u2013 bis das Kunsthaus Tacheles im Herbst 2012 in der Oranienburger Stra\u00dfe ein Ende fand. Das Gel\u00e4nde wurde 2014 an einen New Yorker Investor ver\u00e4u\u00dfert, der Geb\u00e4udekomplex einer Kernsanierung unterzogen. In den Trakt des ehemaligen K\u00fcnstlerhauses zog <em>Fotografiska<\/em>, die in Schweden gegr\u00fcndete Museumskette f\u00fcr internationale Fotografie, deren Berlin-Dependance im Herbst 2023 w\u00e4hrend der <em>Berlin Art Week<\/em> er\u00f6ffnete.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-2 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"682\" height=\"1024\" data-id=\"1193\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Le_bal_infernal_Marketing-4-682x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1193\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Le_bal_infernal_Marketing-4-682x1024.jpg 682w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Le_bal_infernal_Marketing-4-200x300.jpg 200w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Le_bal_infernal_Marketing-4-768x1152.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Le_bal_infernal_Marketing-4-1024x1536.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Le_bal_infernal_Marketing-4.jpg 1333w\" sizes=\"(max-width: 682px) 100vw, 682px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"682\" height=\"1024\" data-id=\"1195\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Le_bal_infernal_Marketing-14-682x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1195\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Le_bal_infernal_Marketing-14-682x1024.jpg 682w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Le_bal_infernal_Marketing-14-200x300.jpg 200w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Le_bal_infernal_Marketing-14-768x1152.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Le_bal_infernal_Marketing-14-1024x1536.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Le_bal_infernal_Marketing-14.jpg 1333w\" sizes=\"(max-width: 682px) 100vw, 682px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"682\" height=\"1024\" data-id=\"1194\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Le_bal_infernal_Marketing-11-682x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1194\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Le_bal_infernal_Marketing-11-682x1024.jpg 682w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Le_bal_infernal_Marketing-11-200x300.jpg 200w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Le_bal_infernal_Marketing-11-768x1152.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Le_bal_infernal_Marketing-11-1024x1536.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Le_bal_infernal_Marketing-11.jpg 1333w\" sizes=\"(max-width: 682px) 100vw, 682px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\">In der Ausstellung <em>Le bal infernal<\/em> zeigt Fotografiska Berlin bis zum 26. Januar 2025 Fotografien der in Berlin lebenden Benita Suchodrev. Ihre Bilder zeigen die Berliner Clubkultur. Bekannt wurde Suchodrev durch ihre Serie <em>48 Hours Blackpool<\/em>. Die Ausstellung wurde von Marina Paulenka (Director of Exhibitions) und Marie-Luise Mayer (Exhibitions Associate und Project Lead for Emerging Berlin) kuratiert. Sie entstand in Zusammenarbeit mit unserem Partner WhiteWall.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Erlebnisr\u00e4ume<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Jahr sp\u00e4ter stehe ich nun an einem grauen Tag im Berliner November vor den hell erleuchteten, gro\u00dfen Fensterfronten, die auf der linken Seite ein ger\u00e4umiges Caf\u00e9 erkennen lassen und rechts den weitfl\u00e4chigen Museumsshop <em>Fotografiska Store<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um es direkt zu sagen: Wer sich in Hotelketten wie <em>25hours Hotels<\/em> wohlf\u00fchlt, ist im <em>Fotografiska Berlin \u2013 The Contemporary Museum of Photography, Art &amp; Culture<\/em> genau richtig. Denn das Versprechen des Hauses, das auf einem Plakat neben der Eingangst\u00fcr angeschlagen ist und damit wirbt, dass dies (m)eine Destination f\u00fcr &#8222;Art, Dining, History, Community, Photography, Creativity, Shopping, Dinks, Music&#8220; sei, wird in der Empfangshalle der Institution greifbar. Ein kleiner Tresen, an dem die Notwendigkeiten des Eintritts erledigt werden, r\u00fcckt neben dem gro\u00dfz\u00fcgig angelegten Store in den Hintergrund und wirkt durch die atmosph\u00e4rische Ger\u00e4uschkulisse des Caf\u00e9s fast unbedeutend. Dass man sich im Haus Kunst anschauen kann, erscheint im Entr\u00e9e zun\u00e4chst zweitrangig. Der Weg hinauf in die f\u00fcnf Etagen des Hauses, von denen drei als Ausstellungsfl\u00e4che dienen, ist dann vertraut, denn er f\u00fchrt durch das erhaltene Treppenhaus des ehemaligen K\u00fcnstlerhauses Tacheles. Hier sieht man noch immer die Graffitis an den W\u00e4nden und Farbspuren auf den Betonfl\u00e4chen \u2013 nun durchzogen von einer Lichts\u00e4ule, die vom Boden bis zur Decke des Treppenhauses reicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Geb\u00e4udekomplex wurde nach Pl\u00e4nen des Schweizer Architektenb\u00fcros <em>Herzog &amp; de Meuron<\/em> saniert. Die Assoziation mit einem Hotel, die langen dunklen Raumfluchten, vereinzelt gesetzte Spotlights, wiederkehrende raumgliedernde Elemente wie T\u00fcren oder die N\u00e4he zwischen Ausstellungsfl\u00e4che und Restaurant, Bar oder Konferenzraum deutet aber auf die Verbindung mit dem Vorsitzenden der Fotografiska-Museumsgruppe, Yoram Roth. Der geb\u00fcrtige Berliner Kulturunternehmer, der 1990 in New York bei Larry Fink Fotografie studierte und danach ein Techno-Label in Berlin gr\u00fcndete, entstammt einer Familie, die in Immobilien investierte, wozu auch das F\u00fchren von Hotels z\u00e4hlte. Roth, der seit 2007 nach l\u00e4ngerem Aufenthalt in den USA wieder in Berlin lebt, hat in der Stadt selbst einige Investitionen im Kunst- und Kultursektor get\u00e4tigt, zu denen auch das in der Nachbarschaft gelegene <em>Cl\u00e4rchens Ballhaus<\/em> z\u00e4hlt. Kreativbranche, Nachtleben, Medien, Musik und Fotografie: Roths Biografie liest sich wie ein Spiegel jener Worte, die mich auf dem Poster im Schaukasten im Au\u00dfenraum empfingen, und es ergibt Sinn, dass Roth \u2013 den die Berliner Morgenpost letztes Jahr als &#8222;Steve Jobs der Kultur&#8220; bezeichnete \u2013 seit 2017 die Fotografiska-Museumsgruppe leitet. Gegr\u00fcndet wurde Fotografiska in Stockholm von Jan und Per Broman zusammen mit dem Financier Sven Hagstr\u00f6mer und ist dort 2010 mit einer Ausstellung er\u00f6ffnet worden, die Arbeiten von Annie Leibovitz, Lennart Nilsson, Vee Speers, Joel-Peter Witkin und anderen zeigte. Beg\u00fcnstigt durch Roths Mitwirken, hat das Unternehmen mittlerweile Standorte in Tallinn, New York City (beide seit 2019) sowie in Berlin und Shanghai (beide seit 2023), und Roth bewirbt das internationale Ausstellungshaus damit, dass es als gr\u00f6\u00dftes Museum f\u00fcr Fotografie auf der Welt in den vergangenen Jahren jede gro\u00dfe Fotografin und jeden gro\u00dfen Fotografen gezeigt hat.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped w3 wp-block-gallery-3 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"1024\" data-id=\"1196\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Civilization_Square_Heaven-1024x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1196\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Civilization_Square_Heaven-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Civilization_Square_Heaven-300x300.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Civilization_Square_Heaven-150x150.jpg 150w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Civilization_Square_Heaven-768x768.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Civilization_Square_Heaven-1536x1536.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Civilization_Square_Heaven-2048x2048.jpg 2048w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Civilization_Square_Heaven-100x100.jpg 100w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"1024\" data-id=\"1197\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Civilization_Square_Hell_-1024x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1197\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Civilization_Square_Hell_-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Civilization_Square_Hell_-300x300.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Civilization_Square_Hell_-150x150.jpg 150w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Civilization_Square_Hell_-768x768.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Civilization_Square_Hell_-1536x1536.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Civilization_Square_Hell_-2048x2048.jpg 2048w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Civilization_Square_Hell_-100x100.jpg 100w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\">Eine der weiteren Ausstellungen, die zurzeit bei Fotografiska Berlin gezeigt wird, ist Marco Brambilla gewidmet. Unter dem Titel <em>Double Feature<\/em> werden u. a. zwei &#8222;Videocollagen&#8220; gezeigt, in denen der K\u00fcnstler den &#8222;Hollywood-Kult von Glamour und Ber\u00fchmtheit&#8220; persifliert. Diese Ausstellung haben Johan Vikner (Global Director of Exhibitions bei Fotografiska) und Thomas Sch\u00e4fer (Exhibitions Manager im Fotografiska Berlin) organisiert.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Gesellschaft des Spektakels<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Berlin zwingt sich mir beim Erkunden des Hauses aber der Eindruck auf, dass eingehende Kunstbetrachtung Nebensache ist. Die Ausstellungsr\u00e4ume, die Bewegtbild und fotografische Bilder zeigen, sind so sehr abgedunkelt, dass es mir grunds\u00e4tzlich schwerf\u00e4llt, mich darin sicher zu bewegen. So ragt am Ende einer l\u00e4ngeren fotografischen Reihe ein Flachbildschirm derart unvermittelt in den Raum hinein, dass ich \u2013 nur wenige Zentimeter vom Geh\u00e4use des Bildschirms entfernt \u2013 froh bin, eine Haftpflichtversicherung zu haben. In einem weiteren Ausstellungsraum sind historische Videos kaum bis gar nicht zu betrachten respektive akustisch zu verstehen, da sich aus zwei unterschiedlichen Richtungen die in der Ausstellung gesetzte Sound-Art derart miteinander vermengt, dass jeglicher Klang in einer Art <em>White Noise<\/em> verschwimmt. Ich denke an Guy Debord und sein 1967 verfasstes Hauptwerk <em>Die<\/em> <em>Gesellschaft des Spektakels<\/em>: Das Spektakel ist das Kapital, das zu einem (begehrenswerten) Bild wird. Weit entfernt liege ich mit meiner Wahrnehmung nicht, wenn der f\u00fcr das Berliner Fotografiska als Executive Director ernannte Yousef Hammoudah im vergangenen Jahr dem GQ-Magazin in einem Interview erkl\u00e4rte, dass dies ein Ort sei, &#8222;an dem das ganze Leben mit ins Museum darf&#8220;. So werden gesellschaftliche Events einschlie\u00dflich der notwendigen Logistik, die umherlaufendes Personal und zufallende T\u00fcren direkt neben den offenen Ausstellungsr\u00e4umen mit sich bringt, Teil der hier angebotenen Kunsterfahrung, an der sich t\u00e4glich zwischen 10 und 23&nbsp;Uhr teilhaben l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Fotografiska werden Kunstwerke nicht konserviert oder erforscht, wie in staatlich gef\u00f6rderten Museen. Dieses Haus agiert aus seiner privaten Finanzierung und dementsprechend aus seiner Unabh\u00e4ngigkeit heraus \u2013 doch will es in der Gemengelage von Ausstellung, Lifestyle, Gastronomie mit S\u00e4len f\u00fcr Private Dinner und Party sehr viel auf einmal sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich lasse meine Eindr\u00fccke bei einem veganen Essen mit hausgemachter Limonade in dem Caf\u00e9 im Erdgeschoss zur Ruhe kommen. Die M\u00f6bel sind Ma\u00dfanfertigungen von <em>Studio Aisslinger<\/em>, die Ger\u00e4te in der offenen K\u00fcche von hoher Qualit\u00e4t. Personal und Publikum sind international. Nach nur wenigen Momenten verfliegt das Gef\u00fchl, in Berlin zu sein. Das Kartenleseger\u00e4t fragt bez\u00fcglich des Trinkgeldes zun\u00e4chst 20 Prozent ab, dann 50 Prozent, und es kommt mir so vor, als s\u00e4\u00dfe ich in New York City \u2013 und agiere gem\u00e4\u00df amerikanischer Steuerordnung und <em>goodwill<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf dem Weg zum Ausgang verweile ich im <em>Fotografiska Store<\/em>. Weil es hier um ein &#8222;immersives Einkaufserlebnis&#8220; geht, wie die Pressemitteilung zum Shop kundtut, entscheide ich mich f\u00fcr die Immersion, das reine Erlebnis \u2013 und \u00fcberlasse den Einkauf den n\u00e4chsten. Vor dem Haus begegnet mir eine Frau in Moon Boots, die sich das Schaufenster des Stores f\u00fcr eine l\u00e4ngere Zeit anschaut. <em>Some things will never change.<\/em><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>War da was? Wo jetzt Fotografiska Berlin ist, gab&#8217;s fr\u00fcher das Tacheles. 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