{"id":2338,"date":"2025-01-31T16:03:19","date_gmt":"2025-01-31T15:03:19","guid":{"rendered":"https:\/\/on-art.news\/?p=7491"},"modified":"2026-08-17T15:44:25","modified_gmt":"2026-08-17T13:44:25","slug":"trailblazing-yoko-ono-als-pionierin-der-performance-art","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/on-art.news\/en\/2025\/01\/31\/trailblazing-yoko-ono-als-pionierin-der-performance-art\/","title":{"rendered":"Trailblazing \u2013 Yoko Ono als Pionierin der Performance Art"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen und der Neue Berliner Kunstverein zeigen zurzeit die multidisziplin\u00e4re Praxis von Yoko Ono.<\/h3>\n\n\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine junge Frau sitzt auf einer B\u00fchne. Nacheinander treten M\u00e4nner und Frauen aus dem Publikum an die Akteurin heran und schneiden ihr nach eigenem Ermessen mit einer Schere die Kleidung vom Leib. Haupts\u00e4chlich sind es M\u00e4nner, die forsch nach vorne treten und teils gro\u00dfe St\u00fccke aus ihrer Kleidung herausschneiden. Die textilen Fetzen d\u00fcrfen die Freiwilligen aus dem Publikum behalten und mit nach Hause nehmen. Geraune dringt aus der Menge, jemand lacht und vereinzelt ist Applaus zu h\u00f6ren. Die Mimik der K\u00fcnstlerin bleibt dagegen unbewegt. Obwohl sie dem Willen des Publikums v\u00f6llig ausgeliefert ist, r\u00fchrt sie sich kaum. Die Performance dauert fort und die Freiwilligen legen immer mehr blanke Haut frei. Irgendwann rutscht der jungen Frau das Oberteil von der Schulter, sodass ihre Unterw\u00e4sche sichtbar wird. Das Publikum aber macht weiter, bis die entbl\u00f6\u00dfte Frau nur noch Fragmente ihrer Unterw\u00e4sche in den H\u00e4nden h\u00e4lt. Daraufhin bricht die Akteurin das Geschehen ab und beendet somit die Auff\u00fchrung.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">&#8222;Cut Piece&#8220; ist bis heute ein eindringliches Erlebnis<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die junge Frau ist die heute 91-j\u00e4hrige Yoko Ono. Filmisch festgehalten l\u00e4sst sich ihre Performance &#8222;Cut Piece&#8220; derzeit in der D\u00fcsseldorfer Kunstsammlung NRW erleben und hat bis heute nichts von ihrer Intensit\u00e4t eingeb\u00fc\u00dft. Erstmals 1964 in Kyoto aufgef\u00fchrt, wiederholte die Performerin &#8222;Cut Piece&#8220; 2003 mit mittlerweile 70 Jahren in Paris anl\u00e4sslich des Irak-Krieges. Nach eigener Aussage f\u00fchrte sie die Performance dieses Mal f\u00fcr die Liebe und nicht wie noch 1964 aus Wut auf. Einer Wut, welche sich gegen das damalige Frauenbild richtete, auch wenn die Anweisung zur Performance nicht unbedingt eine weibliche Performerin vorsah.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vergleicht man die Stimmung im Publikum 1964 mit jener w\u00e4hrend eines nicht von Ono selbst durchgef\u00fchrten Reenactments in der Neuen Nationalgalerie in Berlin im Jahr 2023, dann f\u00e4llt auf, dass die Freiwilligen 2023 deutlich z\u00f6gerlicher waren, sensibler vorgingen, teils nur winzige St\u00fccke aus der Kleidung der Performerin herausschnitten. Besonders M\u00e4nner trauen sich weniger auf die B\u00fchne, einer schnitt ein St\u00fcck aus seiner eigenen Kleidung heraus und bedeckte damit die Performerin. Das Publikum scheint sich heute der verschiedenen Ebenen der Performance durchaus bewusst zu sein. Denn wer ist hier eigentlich Objekt? Und wird die Performerin blo\u00dfgestellt? Oder entbl\u00f6\u00dft sich das Publikum \u00f6ffentlich selbst?<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Yoko Ono als Teil der Fluxus-Bewegung<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer Ono haupts\u00e4chlich aufgrund ihrer Ehe mit Beatles-S\u00e4nger John Lennon (1940\u20131980) oder als Friedens- und Umweltaktivistin kennt, wird von der aktuellen Ausstellung im K20 \u00fcberrascht sein. Denn hier steht Ono als Vorreiterin f\u00fcr performative und partizipative Kunst im Fokus \u2013 auch wenn Musik gem\u00e4\u00df dem Titel &#8222;YOKO ONO. MUSIC OF THE MIND&#8220; in der chronologisch konzipierten Schau ebenfalls eingehende Betrachtung findet. Yoko Ono wurde 1933 in Tokio in eine wohlhabende Familie geboren, musste 1945 vor dem Zweiten Weltkrieg aus der Stadt fliehen und wurde sp\u00e4ter zur\u00fcck in Tokio als erste Frau zum Philosophiestudium an der Gakush\u016bin-Universit\u00e4t zugelassen. Im Jahr 1960 zog sie nach New York und veranstaltete gemeinsam mit dem Komponisten La Monte Young Events und Konzerte, welche sie zum Teil der New Yorker-Avantgarde werden lie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"724\" data-id=\"1255\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/3-1024x724.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1255\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/3-1024x724.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/3-300x212.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/3-768x543.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/3.jpg 1519w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\">Yoko Ono, FLY, 1970\/71. Regie: Yoko Ono &amp; John Lennon, Partitur und Konzept: Yoko Ono, Soundtrack: Yoko Ono &amp; John Lennon, 16-mm-Film, Farbe, Ton (Mono), 25 Min.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ihre erste Einzelausstellung hatte Ono 1961 in der AG Gallery von George Maciunas, dem Vordenker der Fluxus-Bewegung. Fluxus, von lateinisch &#8222;das Flie\u00dfen&#8220;, versammelte interdisziplin\u00e4r arbeitende Kunstschaffende aus allen kulturellen Bereichen auf der Suche nach neuen provozierenden Auff\u00fchrungsformen. Mit einer von den Avantgarden \u00fcbernommenen Forderung nach der Verschmelzung von Kunst und Leben strebten die Nachkriegsk\u00fcnstler:innen nach einer Entgrenzung der traditionellen Kunstgattungen. Vom Begr\u00fcnder der Moderne, Marcel Duchamp, bereits vorgepr\u00e4gt, \u00e4u\u00dferte sich zunehmend Kritik am erstarrten Gattungsbegriff, dem geschlossenen Werk als solchem und an den Institutionen der Kunst. Ankn\u00fcpfend an die Errungenschaften von Futurismus, Dadaismus und Surrealismus entstanden folgend verschiedene neue Kunststr\u00f6mungen wie Body Art, Performance und Fluxus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die K\u00fcnstler:innen betraten pl\u00f6tzlich eigens die B\u00fchne, sodass sich der K\u00f6rper als k\u00fcnstlerisches Mittel zum Gestaltungswerkzeug wandelte. Des Weiteren wurde in Ankn\u00fcpfung an das Theater auch in der Kunst die vierte Wand als unsichtbare Grenze zwischen B\u00fchne und Zuschauenden durchbrochen, indem sich die Rolle der Rezipierenden von der passiven Betrachtung zur aktiven Partizipation als fester Bestandteil des Kunstwerks ver\u00e4nderte. Auch wenn die betrachtende Position immer schon im Werk vorgesehen war, fand sich das Publikum mit Allan Kaprows &#8222;New Yorker Happenings&#8220; Ende der 1950er-Jahren erstmals in einer aktiv handelnden Rolle wieder.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Anf\u00e4nge der Konzeptkunst<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei Maciunas pr\u00e4sentierte Yoko Ono ihre sogenannten &#8222;Instruction Paintings&#8220;, in denen das Publikum zum Beispiel zum Betreten einer auf dem Boden liegenden Leinwand aufgefordert wurde. Diese Arbeiten entwickelte die K\u00fcnstlerin im Anschluss weiter und reduzierte sie zu schriftlichen Instruktionen, die sie nach ihrer R\u00fcckkehr nach Tokio 1962 der \u00d6ffentlichkeit vorstellte. Zwei Jahre sp\u00e4ter erschien ihr Buch &#8222;Grapefruit&#8220; im Selbstverlag, eine Sammlung von zwischen 1953 und 1964 verfassten schriftlichen Instruktionen, welche die Leser:innen zum aktiven Handeln ermutigen sollten. Darin finden sich beispielsweise Anweisungen wie &#8222;Listen to a Heartbeat (H\u00f6re einen Herzschlag)&#8220; oder &#8222;Step in all the puddles in the city (Trete in alle Pf\u00fctzen der Stadt)&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Anweisungen muten wie poetische Partituren an, um den eigenen K\u00f6rper und Verstand zum Klingen zu bringen, in Schwingung zu versetzen. In der D\u00fcsseldorfer Retrospektive sind solche vom Publikum zu aktivierenden Bereiche mit gelben Markierungen versehen. So d\u00fcrfen sich in &#8222;Bag Piece&#8220; (1964) Ausstellungsbesucher:innen einen schwarzen Sack \u00fcbergest\u00fclpen und frei von Vorurteilen dem jeweiligen Gegen\u00fcber begegnen. An anderer Stelle sind in &#8222;Painting to Shake Hands (Gem\u00e4lde zum Sch\u00fctteln von H\u00e4nden)&#8220; (1961) Freiwillige dazu aufgefordert, einer fremden Person durch eine Wand hindurch die Hand zu reichen oder in &#8222;Shadow Piece (Schatten-St\u00fcck)&#8220; (1963) den jeweils anderen Schatten zu zeichnen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-2 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"721\" data-id=\"1254\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/8-1024x721.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1254\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/8-1024x721.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/8-300x211.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/8-768x540.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/8-1536x1081.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/8-2048x1441.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\">Yoko Ono, Freedom, 1970. Performance: Yoko Ono, Regie: Yoko Ono, Soundtrack: John Lennon, 16-mm-Film, Farbe, Ton (Mono), 1:05 Min.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Ono als transnationale K\u00fcnstlerin<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der fortlaufenden Reduktion, Klarheit und Sensibilit\u00e4t von Onos Arbeiten spiegeln sich neben der Anbindung an die westliche Moderne aber auch ihre japanischen Wurzeln wider. Entsprechend erw\u00e4chst unmittelbar in der Eingangshalle der Kunstsammlung ein sogenannter &#8222;Wish Tree&#8220; aus dem steinernen Boden, von denen Ono bereits an unterschiedlichsten Orten Exemplare aufstellen lie\u00df. Er f\u00fchrt eine japanische Tradition fort, in welcher W\u00fcnsche auf kleine Zettel geschrieben und an B\u00e4ume rund um buddhistische Tempel geh\u00e4ngt werden. Das Platzieren der W\u00fcnsche wird so lange fortgesetzt, bis jeder Zweig mit einem St\u00fcck Papier ausgestattet ist. Andere Beispiele f\u00fcr den Einbezug japanischer Traditionen sind das rituelle Abschneiden der Haare als Witwe, welches Ono nach dem Tod von Lennon vollzog, oder ihre Arbeit mit dem Titel &#8222;Mend Piece&#8220; aus dem Jahr 1966. In letzterer betreiben Teilnehmer:innen die alte japanische Technik des &#8222;Kintsugi&#8220;, um gebrochenes Porzellan zu reparieren. Statt die Bruchstellen so unauff\u00e4llig wie m\u00f6glich zu verstecken, wird beim Kintsugi mit einem mit Gold versehenen Lack gearbeitet. Die Risse werden nicht verdeckt, sondern gegenteilig sogar hervorgehoben. Die Geschichte des jeweiligen Objektes bleibt somit erhalten. Das entspricht einer Philosophie, die Br\u00fcche und Unregelm\u00e4\u00dfigkeiten als elementaren Bestandteil von Wachstum versteht, Sch\u00f6nheit in der Unvollkommenheit erkennt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Philosophie durchdringt Onos Werk, welches Aufmerksamkeit auf die unscheinbar anmutenden Dinge richtet und auf dem Leitgedanken &#8222;mind over matter&#8220; basiert. Die Gemeinschaft nimmt dabei stets eine wichtigere Rolle ein als die Einzelperson, was der teils gemeinschaftlichen Durchf\u00fchrung von schriftlichen Instruktionen bei Ono entspricht. Das zeigt sich besonders in der Arbeit &#8222;Promise Piece&#8220;, in welcher Teilnehmer:innen eine Vase zerbrechen und sich folgend gegenseitig das Versprechen abnehmen, diese in zehn Jahren im Verbund zu reparieren. Diese Zusammenkunft l\u00e4sst sich auf &#8222;Ichi-go ichi-e&#8220;, das Verst\u00e4ndnis der Besonderheit eines Treffens, zur\u00fcckf\u00fchren. Immer wieder tauchen Metaphern der Heilung und Wiederherstellung in Onos Werk auf. Traditionelle Techniken wie Kintsugi finden zudem wiederholt Verwendung. Nicht zuletzt gab Ono zeitweise Unterricht in Origami und japanischer Kalligrafie. Mit ihrem herkunftsgepr\u00e4gten Erfahrungsraum traf Ono in der Nachkriegszeit einen Nerv, herrschte doch ohnehin gro\u00dfes Interesse am Zen-Buddhismus, was sich beispielsweise an der Bewegung &#8222;Zen 49&#8220; erkennen l\u00e4sst. Es scheint, als w\u00fcrden sich westliche Moderne und japanische Tradition perfekt erg\u00e4nzen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped w3 wp-block-gallery-3 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"676\" height=\"1024\" data-id=\"1252\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/1-676x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1252\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/1-676x1024.jpg 676w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/1-198x300.jpg 198w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/1-768x1164.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/1-1014x1536.jpg 1014w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/1-1352x2048.jpg 1352w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/1-scaled.jpg 1690w\" sizes=\"(max-width: 676px) 100vw, 676px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"787\" height=\"1024\" data-id=\"1251\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/17-787x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1251\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/17-787x1024.jpg 787w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/17-231x300.jpg 231w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/17-768x999.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/17-1181x1536.jpg 1181w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/17-1574x2048.jpg 1574w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/17.jpg 1890w\" sizes=\"(max-width: 787px) 100vw, 787px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"598\" height=\"598\" data-id=\"1253\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/Yoko-Ono-in-der-Kunstsammlung-NRW.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1253\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/Yoko-Ono-in-der-Kunstsammlung-NRW.jpg 598w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/Yoko-Ono-in-der-Kunstsammlung-NRW-300x300.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/Yoko-Ono-in-der-Kunstsammlung-NRW-150x150.jpg 150w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/Yoko-Ono-in-der-Kunstsammlung-NRW-100x100.jpg 100w\" sizes=\"(max-width: 598px) 100vw, 598px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\"><strong>Links<\/strong>: Yoko Ono mit &#8222;Glass Hammer&#8220;, 1967. HALF-A-WIND SHOW, Lisson Gallery, London, 1967. Foto: Clay Perry. <strong>Mitte<\/strong>: Yoko Ono, FLY, 1963\/2024. Installationsansicht an der Stra\u00dfenkreuzung Friedrichstra\u00dfe\/Torstra\u00dfe, in Laufweite des Neuen Berliner Kunstvereins (n.b.k.), 2024. Foto: n.b.k. \/ Jens Ziehe. <strong>Rechts<\/strong>: Yoko Ono, White Chess Set, 1966. Foto: re-book. <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Frieden f\u00fcr die Welt<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders aktuell erscheint aber das &#8222;White Chess Set (Wei\u00dfes Schachspiel)&#8220; (1966) mit ausschlie\u00dflich wei\u00dfen Figuren. Es l\u00e4sst sich kaum vermeiden, dass die Spieler:innen \u00fcber die Dauer des Duells sukzessive den \u00dcberblick \u00fcber die eigenen und gegnerischen Figuren verlieren. Entsprechend steht am Ende einer Partie weder ein Sieg noch eine Niederlage. Das Schachspiel l\u00e4sst sich als eindeutiger Appell f\u00fcr den Frieden lesen. Yoko Onos Antikriegshaltung zieht sich best\u00e4ndig durch ihr Werk und stellt auch das Grundmotiv der gemeinsam mit Lennon realisierten Performance &#8222;Give Piece a Chance&#8220; dar. Lennon und Ono lernten sich infolge von Onos Umzug nach London 1966 und im Kontext ihrer Ausstellung in der Indica&nbsp;Gallery kennen. Der im K20 pr\u00e4sentierte Film &#8222;BED PEACE (Bettfrieden)&#8220; (1969) dokumentiert nach Amsterdam ihr zweites gemeinsames sogenanntes &#8222;Bed-In&#8220; in Montreal. W\u00e4hrend des Vietnam-Kriegs setzte das Paar auf diese Weise ein gewaltfreies Zeichen f\u00fcr den Frieden und empfing vom Bett aus sogar Pressevertreter:innen sowie andere Prominente.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Billboard-Aktionen im \u00f6ffentlichen Raum<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Ringen um Weltfrieden war und ist angesichts aktueller Kriege damals wie heute von trauriger Aktualit\u00e4t. Passend dazu liest sich der Satz &#8222;PEACE is POWER (FRIEDEN ist ST\u00c4RKE)&#8220; (2017) gro\u00dfformatig auf der Fassade der Kunstsammlung NRW. Parallel l\u00e4sst der Neue Berliner Kunstverein (n.b.k.) auf einer Plakatwand Onos Anweisung &#8222;FLY&#8220; an der Kreuzung Friedrichstra\u00dfe\/ Torstra\u00dfe verlauten. Es ist die erste von insgesamt zwei Plakatw\u00e4nden, die im Rahmen der Billboard-Reihe des n.b.k. zeitversetzte Interventionen im \u00f6ffentlichen Raum Berlins bilden. Diese sollen in enger Kooperation mit dem Studio Yoko Ono als Aufruf zur Befreiung und Erm\u00e4chtigung dienen. Die zweite Plakatwand wird von M\u00e4rz 2025 an f\u00fcr weitere sechs Monate den \u00f6ffentlichen Raum bespielen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Yoko Ono setzte ihre Medienmacht sowie Mittel der Werbesprache bereits in der Vergangenheit ganz bewusst ein, indem sie beispielsweise im Rahmen ihrer Billboard-Aktionen gemeinsam mit Lennon den Times Square mit &#8222;War is over! \u2013 if you want it (Krieg ist vorbei! \u2013 wenn du es willst)&#8220; plakatieren lie\u00df. Nicht weniger zeitgen\u00f6ssisch erscheint zudem der Aspekt der Partizipation in Onos \u0152uvre. F\u00fcr Ono realisiert sich Kunst in der Imagination, kann \u00e4hnlich zu Joseph Beuys jeder Mensch zur k\u00fcnstlerisch t\u00e4tigen Person werden. Onos konzeptionelle Instruktionen verlieren jedoch eingebettet in den musealen Raum an subtiler Poesie, sodass sich die mit den gelben Markierungen gekennzeichneten Bereiche zur geforderten Partizipation weniger spielerisch als vielmehr didaktisch anf\u00fchlen. Trotzdem stimuliert der Ausstellungsbesuch den Geist, wird die Imagination allein durch die schriftlich rezipierten Anweisungen im Nachgang kr\u00e4ftig angekurbelt. Fast ist man verlockt, eigene Instruktionen zu entwerfen oder die Welt vielleicht sogar ganz neu zu denken.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Von ungebrochener Aktualit\u00e4t<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Yoko Ono machte konzeptionelle und partizipative Kunst, als es in den fr\u00fchen 60er-Jahren noch keinerlei Theorie zur Performance Art gab. Feministisch konnotierte Performances wie &#8222;Cut Piece&#8220;, aber auch &#8222;FLY (FLIEGE[N])&#8220; (1970\u201371), in der eine Fliege \u00fcber den K\u00f6rper einer nackten Frau wanderte, oder &#8222;Freedom (Freiheit)&#8220; (1970), in welcher sich Ono vergeblich von ihrem BH zu befreien versuchte, inspirierten nachfolgende Generationen an Performance-K\u00fcnstler:innen. &#8222;Rythm 0&#8220; von Marina Abramovi\u0107 aus dem Jahr 1974 ging basierend auf &#8222;Cut Piece&#8220; noch einen Schritt weiter.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der wie ein soziales Experiment anmutenden Performance von Abramovi\u0107 waren dem Publikum nunmehr keinerlei Grenzen gesetzt, sodass dieses die K\u00fcnstlerin bis auf den nackten K\u00f6rper entbl\u00f6\u00dfte oder sie sogar mit einem Revolver bedrohte. In einer Raumsituation ohne B\u00fchne existierte keine Trennung zwischen Performerin und Publikum, kam es physisch wie psychisch zur v\u00f6lligen Entgrenzung. &#8222;Rythm 0&#8220; w\u00e4re ohne Onos Performance als Vorl\u00e4uferin wohl kaum denkbar gewesen. Gemeinsam mit Carolee Schneemann setzte Ono in ihren gleicherma\u00dfen pers\u00f6nlichen, allt\u00e4glichen und entmaterialisierten Performances Ma\u00dfst\u00e4be, die bis heute in der zeitgen\u00f6ssischen Kunst fortwirken. Die in Zusammenarbeit mit der Tate Modern in London organisierte Retrospektive wird in diesem Jahr von D\u00fcsseldorf aus in den Berliner Gropius Bau weiterwandern \u2013 Yoko Ono scheint endlich ihren verdienten Platz in der Kunstgeschichte zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n<hr style=\"--wb-separator-margin-top:0px;--wb-separator-margin-bottom:0px\" class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Yoko Ono. Music of the Mind&#8220; in der Kunstsammlung NRW, K20, bis 16. M\u00e4rz 2025. Anschlie\u00dfend, vom 11. April bis 31. August 2025, ist die Ausstellung im Berliner Gropius Bau zu sehen.<br>Katalog: Yoko Ono. Music of the Mind, 304 Seiten, deutsch, 42 Euro.<br><a href=\"https:\/\/www.kunstsammlung.de\/de\/exhibitions\/yoko-ono\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">www.kunstsammlung.de<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Yoko Ono. Fly&#8220; an der Kreuzung Friedrichstra\u00dfe \/ Torstra\u00dfe, Neuer Berliner Kunstverein n.b.k., bis 23. Februar 2025. Zweiter Teil ab M\u00e4rz 2025.<br><a href=\"http:\/\/www.nbk.org\/\">www.nbk.org<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen und der Neue Berliner Kunstverein zeigen zurzeit die multidisziplin\u00e4re Praxis von Yoko Ono. Eine junge Frau sitzt auf einer B\u00fchne. 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