{"id":2346,"date":"2025-02-28T22:20:06","date_gmt":"2025-02-28T21:20:06","guid":{"rendered":"https:\/\/on-art.news\/?p=7825"},"modified":"2026-08-14T22:00:03","modified_gmt":"2026-08-14T20:00:03","slug":"der-fall-thoma","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/on-art.news\/en\/2025\/02\/28\/der-fall-thoma\/","title":{"rendered":"Der Fall Thoma"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">100 Jahre nach seinem Tod h\u00e4ufen sich die Ausstellungen zu Hans Thoma. War Thoma Antisemit?<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Doch ich bin gar kein Antisemit und muss ruhig zusehen, wenn sie [die Juden] dem deutschen Volke jetzt auch was vormalen&#8220;, schreibt Hans Thoma 1905 an Cosima Wagner, die Witwe des Komponisten, eine gl\u00fchende Antisemitin. Hatte das Land Baden-W\u00fcrttemberg den Namen nicht gerade erst aus seinem Kunstpreis gestrichen, weil Thoma Antisemit war? Er verk\u00f6rpere &#8222;ein v\u00f6lkisch, antimodernes Weltbild, vertrat [\u2026] zeitweise Positionen zugunsten reaktion\u00e4rer Kreise, die sich gegen franz\u00f6sische Einfl\u00fcsse in der deutschen Kunst aussprachen, und er \u00e4u\u00dferte sich auch antisemitisch&#8220;, so die Begr\u00fcndung des Wissenschaftsministeriums.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1950 wurde der Preis vom Land Baden erstmals vergeben, seit 1952 als Landespreis Baden-W\u00fcrttembergs. Auf einer Feier zum 110. Geburtstag Thomas 1949 hatte der badische Staatspr\u00e4sident Leo Wohlleb die Initiative ergriffen, um der strukturschwachen Region um Thomas Geburtsort Bernau im Hochschwarzwald, am Fu\u00df des Feldbergs, Auftrieb zu geben. Gleichzeitig richtete Ludwig Baur, der B\u00fcrgermeister der Kommune, im Rathaus eine Gedenkst\u00e4tte ein, aus der das Hans Thoma Museum hervorging. Dort wird der Preis seitdem verliehen, verbunden mit einer Ausstellung des oder der Geehrten. Zur Sammlung des Museums geh\u00f6ren 600 Werke von Thoma selbst sowie Arbeiten s\u00e4mtlicher Preistr\u00e4ger. Dies waren zun\u00e4chst badische K\u00fcnstler, doch l\u00e4ngst ist der Preis mit Namen wie Otto Dix, Anselm Kiefer, Karin Sander oder Ulrike Ottinger zu einem <em>Who\u2019s who<\/em> der neueren, zunehmend aktuellen Kunst geworden. Die diesj\u00e4hrige Preistr\u00e4gerin ist Nevin Alada\u011f.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Zuge einer Untersuchung zur Rolle der Ministerien in der NS-Zeit, die der Heidelberger Historiker Frank Engehausen ab 2014 im Auftrag des Landes durchf\u00fchrte, stie\u00df dieser auch auf die Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag Thomas im Jahr 1939. Theresia Bauer, die Wissenschaftsministerin, wollte wissen, ob es da einen Zusammenhang mit dem Landespreis g\u00e4be. So kam es, dass unter Engehausens Regie nun auch die Thoma-Verehrung im Nationalsozialismus und der Preis durchleuchtet wurden. Allerdings wollte der Historiker, wie er im Vorwort der 2022 erschienen Publikation ausdr\u00fccklich hervorhebt, keine Handlungsempfehlungen geben, &#8222;weil er meint, dass Historiker nur dazu berufen sind, einen Orientierungsrahmen f\u00fcr die zivilgesellschaftlichen Diskussionen&#8220; zu geben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie Rober Neissen in seinem Beitrag zum Thoma-Preis feststellt, vertrat Wohlleben einen Heimatbegriff &#8222;in impliziter Abgrenzung zum Nationalsozialismus&#8220;, &#8222;seiner v\u00f6lkisch-rassistischen Konnotationen entkleidet und demokratisiert&#8220;. Thomas eigene politische Einstellungen bewerten Simon Metz und Isabelle L\u00f6ffler dagegen anhand des eingangs zitierten Briefs als &#8222;\u00e4u\u00dferst widerspr\u00fcchlich&#8220;. Trotz dubioser \u00c4u\u00dferungen und Freundschaften des K\u00fcnstlers kam es aber zun\u00e4chst nicht zu einer Umbenennung. Erst als <a href=\"https:\/\/on-art.news\/2024\/07\/14\/passt-er-zum-konzept-haus-in-bewegung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Marcel van Eeden<\/a>, Preistr\u00e4ger 2023 und Rektor der Karlsruher Kunstakademie, nach Recherchen zu einer Reise Thomas nach Amsterdam in Bernau seinen Zyklus <em>1898<\/em> vorstellte, hatte Bauers Nachfolgerin Petra Olschowski genug. Thoma stand in engem Kontakt mit Julius Langbehn, mit seinem Buch <em>Rembrandt als Erzieher<\/em> seinerzeit ein Bestsellerautor und Wegbereiter der Kunsterziehung, aber eben auch ein w\u00fcster Antisemit. Heute hei\u00dft der Preis nur noch ganz neutral Landespreis f\u00fcr Bildende Kunst.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped w3 wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"799\" height=\"1024\" data-id=\"1303\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/AM_Hans-Thoma_Sommermorgen-im-Bernauer-Tal_1863_Foto-Axel-Killian-Kopie-799x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1303\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/AM_Hans-Thoma_Sommermorgen-im-Bernauer-Tal_1863_Foto-Axel-Killian-Kopie-799x1024.jpg 799w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/AM_Hans-Thoma_Sommermorgen-im-Bernauer-Tal_1863_Foto-Axel-Killian-Kopie-234x300.jpg 234w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/AM_Hans-Thoma_Sommermorgen-im-Bernauer-Tal_1863_Foto-Axel-Killian-Kopie-768x984.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/AM_Hans-Thoma_Sommermorgen-im-Bernauer-Tal_1863_Foto-Axel-Killian-Kopie-1198x1536.jpg 1198w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/AM_Hans-Thoma_Sommermorgen-im-Bernauer-Tal_1863_Foto-Axel-Killian-Kopie-1598x2048.jpg 1598w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/AM_Hans-Thoma_Sommermorgen-im-Bernauer-Tal_1863_Foto-Axel-Killian-Kopie-scaled.jpg 1997w\" sizes=\"(max-width: 799px) 100vw, 799px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"871\" height=\"1024\" data-id=\"1304\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/kunsthallekarlsruhe-hans-thoma-raufende-buben-1029.medium-871x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1304\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/kunsthallekarlsruhe-hans-thoma-raufende-buben-1029.medium-871x1024.jpg 871w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/kunsthallekarlsruhe-hans-thoma-raufende-buben-1029.medium-255x300.jpg 255w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/kunsthallekarlsruhe-hans-thoma-raufende-buben-1029.medium-768x903.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/kunsthallekarlsruhe-hans-thoma-raufende-buben-1029.medium-1306x1536.jpg 1306w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/kunsthallekarlsruhe-hans-thoma-raufende-buben-1029.medium-1742x2048.jpg 1742w\" sizes=\"(max-width: 871px) 100vw, 871px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"897\" height=\"1024\" data-id=\"1302\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/kunsthallekarlsruhe-newsroom-hans-thoma-kopfstudie-eines-jungen-schwarzen-mannes-897x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1302\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/kunsthallekarlsruhe-newsroom-hans-thoma-kopfstudie-eines-jungen-schwarzen-mannes-897x1024.jpg 897w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/kunsthallekarlsruhe-newsroom-hans-thoma-kopfstudie-eines-jungen-schwarzen-mannes-263x300.jpg 263w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/kunsthallekarlsruhe-newsroom-hans-thoma-kopfstudie-eines-jungen-schwarzen-mannes-768x876.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/kunsthallekarlsruhe-newsroom-hans-thoma-kopfstudie-eines-jungen-schwarzen-mannes-1346x1536.jpg 1346w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/kunsthallekarlsruhe-newsroom-hans-thoma-kopfstudie-eines-jungen-schwarzen-mannes.jpg 1772w\" sizes=\"(max-width: 897px) 100vw, 897px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\"><strong>Links<\/strong>: Hans Thoma, Sommermorgen im Bernauer Tal, 1863. Augistiner Museum Freiburg. Foto: Axel Killian. <strong>Mitte<\/strong>: Hans Thoma, Raufende Buben, 1872. Staatliche Kunsthalle Karlsruhe. <strong>Rechts<\/strong>: Hans Thoma, Kopfstudie eines jungen schwarzen Mannes, 1880. Staatliche Kunsthalle Karlsruhe.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Der Fall B\u00f6cklin \/ Der Fall Thode<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Thomas Brief an Cosima Wagner steht im Kontext eines Schlagabtauschs zwischen den Kunsthistorikern Julius Meier-Graefe und Henry Thode, der als &#8222;Impressionismusstreit&#8220; in die Geschichte eingegangen ist. In seinem Buch <em>Der Fall B\u00f6cklin<\/em> hatte Meier-Graefe, Anh\u00e4nger des franz\u00f6sischen Impressionismus, Arnold B\u00f6cklin und die deutsche Kunst f\u00fcr beschr\u00e4nkt erkl\u00e4rt. &#8222;Als die Deutschen nicht mehr wussten, was Kunst war, nannten sie dieses Theater &#8218;Deutsche Kunst'&#8220;, spottete er und: &#8222;Was B\u00f6cklin abging, was diesem Deutschtum fehlt, ist in letzter Hinsicht dasselbe. Der Fall B\u00f6cklin ist der Fall Deutschland.&#8220; Er schrieb auch: &#8222;Der Fall B\u00f6cklin ist der Fall Thoma.&#8220; Aber nicht deshalb griff Thoma in die Debatte ein, sondern weil er gebeten worden war, Thode beizuspringen, der Meier-Graefe in seiner Heidelberger Vorlesung zu B\u00f6cklin und Thoma diametral widersprochen hatte. Als Wissenschaftler umstritten, seit ihm in einem Aufsatz \u00fcber Albrecht D\u00fcrer schwere Fehler unterlaufen waren, wollte der Schwiegersohn Cosima Wagners in der deutschen Kunst einen &#8222;starken Gef\u00fchlsausdruck&#8220; bemerkt haben. Die franz\u00f6sische Kunstauffassung, so glaubte er, werde Deutschland von einem kleinen Berliner Kreis aufgezwungen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Daraufhin meldete sich nun Max Liebermann zu Wort. Auf der Titelseite der <em>Frankfurter Zeitung<\/em> warf er dem Kunsthistoriker vor, mit Argumenten aus der &#8222;R\u00fcstkammer des Antisemitismus&#8220; daherzukommen. Liebermanns Schlagzeile: <em>Der Fall Thode.<\/em> Im Wortsinn antisemitisch hatte sich Thode zwar nicht ge\u00e4u\u00dfert, doch mit dem kleinen Berliner Kreis war die Secession gemeint, also die j\u00fcdischen Vettern Bruno und Paul Cassirer und Liebermann selbst. Aufgefordert, Thode beizuspringen, der die direkte Auseinandersetzung scheute, antwortete Thoma ebenfalls in der <em>Frankfurter Zeitung<\/em> mit einem &#8222;fast schon inflation\u00e4ren Gebrauch des Wortes &#8218;deutsch'&#8220;, wie es Metz und L\u00f6ffler noch h\u00f6flich umschreiben. Auf Liebermanns Antisemitismus-Vorwurf \u00e4u\u00dfert sich Thoma indes so: &#8222;Es w\u00fcrde mir herzlich leid tun, wenn diese Frage sich in das k\u00fcnstlerische hineinmischen sollte.&#8220; Zu Begr\u00fcndung f\u00fchrt er an: &#8222;Denn der Kunstsinn vieler Juden ist doch zu fein und ihr Verst\u00e4ndnis f\u00fcr deutsches Wesen in der Kunst ist doch zu gro\u00df, als dass er sich bestechen lie\u00dfe und eine Frage, die Unheil in sich schlie\u00dfen k\u00f6nnte, an eine Kunstfrage anschlie\u00dfen wollte.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Thomas Nachsatz, er m\u00fcsse &#8222;ruhig zusehen, wenn sie&#8220; \u2013 die Juden \u2013 &#8222;dem deutschen Volke jetzt auch was vormalen&#8220;, bezieht sich auf Richard Wagners Aufsatz <em>Das Judenthum in der Musik<\/em>, mit dem der Komponist, &#8222;dessen Antisemitismus schon fast zwanghafte Z\u00fcge aufwies&#8220;, wie Metz und L\u00f6ffler schreiben, &#8222;ma\u00dfgeblich die antisemitische Stimmung in Deutschland an[heizte].&#8220; Wagner schwadronierte von einer beherrschenden Stellung der Juden in der Musik. Thomas gleichm\u00fctiges &#8222;und muss ruhig zusehen&#8220; zeugt nun aber gerade nicht von paranoiden Wahnvorstellungen, sondern eher von einer gewissen Altersmilde. Er hatte gar nichts gegen Liebermann, er war selbst Ehrenmitglied der Berliner Secession, wo er mehrfach ausgestellt hatte.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped w3 wp-block-gallery-2 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"765\" height=\"1024\" data-id=\"1310\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Hans-Thoma_Der-Wanderer-Meisterblatt_1906_Farbalgraphie_Augustinermuseum_Foto-Axel-Killian-Kopie-765x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1310\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Hans-Thoma_Der-Wanderer-Meisterblatt_1906_Farbalgraphie_Augustinermuseum_Foto-Axel-Killian-Kopie-765x1024.jpg 765w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Hans-Thoma_Der-Wanderer-Meisterblatt_1906_Farbalgraphie_Augustinermuseum_Foto-Axel-Killian-Kopie-224x300.jpg 224w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Hans-Thoma_Der-Wanderer-Meisterblatt_1906_Farbalgraphie_Augustinermuseum_Foto-Axel-Killian-Kopie-768x1028.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Hans-Thoma_Der-Wanderer-Meisterblatt_1906_Farbalgraphie_Augustinermuseum_Foto-Axel-Killian-Kopie-1148x1536.jpg 1148w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Hans-Thoma_Der-Wanderer-Meisterblatt_1906_Farbalgraphie_Augustinermuseum_Foto-Axel-Killian-Kopie-1530x2048.jpg 1530w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Hans-Thoma_Der-Wanderer-Meisterblatt_1906_Farbalgraphie_Augustinermuseum_Foto-Axel-Killian-Kopie-scaled.jpg 1913w\" sizes=\"(max-width: 765px) 100vw, 765px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"792\" height=\"1024\" data-id=\"1311\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/AM_Hans-Thoma_Brettstuhl_Gut-Nacht_Bernauer-Schnitzereischule_nach-1900_Foto-Axel-Killian-Kopie-792x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1311\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/AM_Hans-Thoma_Brettstuhl_Gut-Nacht_Bernauer-Schnitzereischule_nach-1900_Foto-Axel-Killian-Kopie-792x1024.jpg 792w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/AM_Hans-Thoma_Brettstuhl_Gut-Nacht_Bernauer-Schnitzereischule_nach-1900_Foto-Axel-Killian-Kopie-232x300.jpg 232w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/AM_Hans-Thoma_Brettstuhl_Gut-Nacht_Bernauer-Schnitzereischule_nach-1900_Foto-Axel-Killian-Kopie-768x993.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/AM_Hans-Thoma_Brettstuhl_Gut-Nacht_Bernauer-Schnitzereischule_nach-1900_Foto-Axel-Killian-Kopie-1188x1536.jpg 1188w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/AM_Hans-Thoma_Brettstuhl_Gut-Nacht_Bernauer-Schnitzereischule_nach-1900_Foto-Axel-Killian-Kopie-1584x2048.jpg 1584w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/AM_Hans-Thoma_Brettstuhl_Gut-Nacht_Bernauer-Schnitzereischule_nach-1900_Foto-Axel-Killian-Kopie-scaled.jpg 1980w\" sizes=\"(max-width: 792px) 100vw, 792px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"840\" data-id=\"1312\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/AM_Hans-Thoma_Meerweib_-1897_Leihgabe-BRD_Foto_Axel-Killian-1024x840.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1312\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/AM_Hans-Thoma_Meerweib_-1897_Leihgabe-BRD_Foto_Axel-Killian-1024x840.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/AM_Hans-Thoma_Meerweib_-1897_Leihgabe-BRD_Foto_Axel-Killian-300x246.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/AM_Hans-Thoma_Meerweib_-1897_Leihgabe-BRD_Foto_Axel-Killian-768x630.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/AM_Hans-Thoma_Meerweib_-1897_Leihgabe-BRD_Foto_Axel-Killian-1536x1260.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/AM_Hans-Thoma_Meerweib_-1897_Leihgabe-BRD_Foto_Axel-Killian-2048x1680.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\"><strong>Links<\/strong>: Hans Thoma. Der Wanderer (Meisterblatt), 1906. Farbalgraphie. Augustinermuseum. Foto: Axel Killian. <strong>Mitte<\/strong>: Hans Thoma, Brettstuhl, Gut Nacht. Bernauer Schnitzereischule, nach 1900. Foto: Axel Killian. <strong>Rechts<\/strong>: Hans Thoma, Meerweib, 1897. Foto: Axel Killian.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man versteht Thoma wohl nur, wenn man Herkunft und Werdegang ber\u00fccksichtigt. Er stammte aus einem Dorf. Dort regelt man die Dinge im Konsens. Vier Jahre nach dem Streit bekennt er in einem Brief an Thode, &#8222;ich bin ein Jasager aus Bequemlichkeit&#8220;. Er wollte es allen recht machen. So schrieb er Cosima Wagner, was sie h\u00f6ren wollte, und bediente antisemitische Klischees, die er im selben Atemzug schon wieder abschw\u00e4chte. Zu bedenken ist, dass sich der Erfolg f\u00fcr Thoma erst sp\u00e4t eingestellt hatte. Seine Malerei ist \u2013 wie die Wilhelm Leibls \u2013 wesentlich gepr\u00e4gt von Gustave Courbet. Das war aber bei den &#8222;Philistern&#8220; nicht angekommen, den Anh\u00e4ngern der akademischen Malerei, die f\u00fcr ihn ein viel gr\u00f6\u00dferes Problem darstellten. Einen Durchbruch erlebte er erst 1890, im Alter von \u00fcber f\u00fcnfzig Jahren, mit einer Einzelausstellung im M\u00fcnchner Kunstverein.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Der Elefant im Raum<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Thoma war sechzig Jahre alt, als er 1899 Direktor der heutigen Karlsruher Kunsthalle und gleichzeitig Professor der Akademie wurde. &#8222;Als wir seine Sch\u00fcler wurden&#8220;, so Karl Hofer, der zwei Jahre zuvor in Karlsruhe sein Studium aufgenommen hatte, in seinen 1953 erschienenen Lebenserinnerungen, &#8222;war er bereits im Fahrwasser des falschen Altmeisterlichen, des deutscht\u00fcmelnden, im Schlepptau des Hauses Wahnfried. [\u2026] Die Atmosph\u00e4re Wahnfried d\u00fcrfte wohl die fatalste gewesen sein. R\u00fcckschauend sehen wir die Geistesverwandtschaft mit dem Tausendj\u00e4hrigen Reich.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-3 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"698\" height=\"1024\" data-id=\"1313\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/kunsthallekarlsruhe-carlos-grethe-lotsen-auf-dem-landungssteg-1184.medium-698x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1313\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/kunsthallekarlsruhe-carlos-grethe-lotsen-auf-dem-landungssteg-1184.medium-698x1024.jpg 698w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/kunsthallekarlsruhe-carlos-grethe-lotsen-auf-dem-landungssteg-1184.medium-204x300.jpg 204w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/kunsthallekarlsruhe-carlos-grethe-lotsen-auf-dem-landungssteg-1184.medium-768x1127.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/kunsthallekarlsruhe-carlos-grethe-lotsen-auf-dem-landungssteg-1184.medium-1046x1536.jpg 1046w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/kunsthallekarlsruhe-carlos-grethe-lotsen-auf-dem-landungssteg-1184.medium-1395x2048.jpg 1395w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/kunsthallekarlsruhe-carlos-grethe-lotsen-auf-dem-landungssteg-1184.medium-scaled.jpg 1744w\" sizes=\"(max-width: 698px) 100vw, 698px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"816\" data-id=\"1314\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/kunsthallekarlsruhe-wilhelm-gustav-friedrich-hasemann-schwarzwaelder-spinnstube-969.medium-1024x816.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1314\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/kunsthallekarlsruhe-wilhelm-gustav-friedrich-hasemann-schwarzwaelder-spinnstube-969.medium-1024x816.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/kunsthallekarlsruhe-wilhelm-gustav-friedrich-hasemann-schwarzwaelder-spinnstube-969.medium-300x239.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/kunsthallekarlsruhe-wilhelm-gustav-friedrich-hasemann-schwarzwaelder-spinnstube-969.medium-768x612.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/kunsthallekarlsruhe-wilhelm-gustav-friedrich-hasemann-schwarzwaelder-spinnstube-969.medium-1536x1224.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/kunsthallekarlsruhe-wilhelm-gustav-friedrich-hasemann-schwarzwaelder-spinnstube-969.medium-2048x1632.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\"><strong>Links<\/strong>: Carlos Grethe, Lotsen auf dem Landungssteg, 1911. Staatliche Kunsthalle Karlsruhe. <strong>Rechts<\/strong>: Wilhelm Gustav Friedrich Hasemann, Schwarzw\u00e4lder Spinnstube, 1901. Staatliche Kunsthalle Karlsruhe.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Ausstellungen zum 100. Todesjahr befinden sich nun alle in der Verlegenheit, einen Maler zu ehren, der in Verruf geraten ist. Bernau hat seine Dauerausstellung neu gestaltet und verschweigt ebenso wenig die Problematik wie die Wessenberg-Galerie in Konstanz, die bereits im vergangenen Jahr anl\u00e4sslich einer Schenkung eine Thoma-Ausstellung veranstaltet hat. Die Karlsruher Kunsthalle, derzeit im ZKM, hat dort zwei kleinere Bereiche zu Thoma eingerichtet, zu seiner Sammelt\u00e4tigkeit und mit eigenen Werken. Das Ergebnis ist nicht gerade \u00fcberraschend, aber es sind sch\u00f6ne Arbeiten dabei: Es beginnt mit einer <em>Schwarzw\u00e4lder Spinnstube<\/em> von Wilhelm Hasemann, gewisserma\u00dfen ein Leibl im Schwarzwald. Aber Thoma sch\u00e4tzte auch Carlos Grethe, den in Uruguay geborenen, in Hamburg aufgewachsenen, damals in Stuttgart lehrenden K\u00fcnstler, der mit drei <em>Lotsen auf Landgang<\/em> vertreten ist. Thomas <em>Raufende Buben<\/em> aus dem Jahr 1872, eine Studie von f\u00fcnf bewegten K\u00f6rpern in wechselnden Perspektiven, zeigen den Schwarzwald einmal nicht als pures Idyll. Ein beeindruckender <em>Blick vom Pilatus<\/em> entstand 1904 auf einer Reise mit dem badischen Gro\u00dfherzogpaar in die Schweiz.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Umfassender behandelt das Freiburger Augustinermuseum den Maler in einer Ausstellung, die sich, ausgehend von den eigenen Best\u00e4nden, auf Druckgrafik konzentriert. Es beginnt durchaus unproblematisch mit Landschaften, Genre- und Tierdarstellungen, Portr\u00e4ts und Selbstportr\u00e4ts. Wie sich zeigt, hat Thoma die Themen seiner Gem\u00e4lde in der Grafik immer wieder recycelt. Er bet\u00e4tigte sich auch als Entwerfer f\u00fcr das Kunsthandwerk, durchaus mit Humor, wenn sich etwa auf einer geschnitzten Stuhllehne Hase und Fuchs zum Gutenachtsagen die Hand reichen. Thoma popularisierte seine eigene Kunst, die er in Lichtdrucken \u2013 also Massenware, keine Originalgrafik \u2013 mit Rahmen in Brandmalerei nach eigenem Entw\u00fcrfen verbreitete. M\u00e4rchen und religi\u00f6se Themen sind freilich von Kitsch manchmal nicht mehr weit entfernt. Hier wird erkennbar, was Meier-Graefe st\u00f6rte, wenn etwa ein <em>Meerweib<\/em> B\u00f6cklinscher Art, die Konturen vom Gold der aufgehenden Sonne gefasst, seinen verlockenden Busen dem m\u00e4nnlichen Blick darbietet. Ein Kapitel zu mythologischen Themen verortet Thoma zwischen Italiensehnsucht und der Lebensreformbewegung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dem Kurator Felix Reu\u00dfe war es jedoch nach eigenen Angaben auch wichtig, &#8222;Thomas politische und weltanschauliche Haltung kritisch zu beleuchten&#8220;, und zwar nicht nur in Form von Ausstellungstexten, sondern auch &#8222;als \u00e4sthetische Position in Konfrontation zu Thomas Bildwelt&#8220;. Da ihn van Eedens Zyklus <em>1898<\/em> sehr beeindruckt hatte, wandte er sich an den K\u00fcnstler, zun\u00e4chst mit der Idee, einen Freiburg-Bezug herzustellen. Als sich dazu wenig einschl\u00e4giges Material fand, kam van Eeden auf den Gedanken, sich Bayreuth und Wagner vorzukn\u00f6pfen. Der K\u00fcnstler arbeitet mit Schwarzwei\u00dffotos, von denen er Gummidrucke anfertigt, die alt wirken, auch wenn es sich um heutige Aufnahmen handelt. Er fotografierte den Weg von Wagners Haus Wahnfried zum Festspielhaus, wie schon in Bernau durchsetzt mit ausgew\u00e4hlten Zitaten: von Thoma und Thode, aber auch Houston Stewart Chamberlain, einem weiteren Schwiegersohn Cosima Wagners, der mit seinem Buch <em>Grundlagen des neunzehnten Jahrhunderts<\/em> ein Hauptwerk des rassistischen Antisemitismus verfasst hatte.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped w3 wp-block-gallery-4 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" data-id=\"1316\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/DSC6291-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1316\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/DSC6291-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/DSC6291-300x200.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/DSC6291-768x512.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/DSC6291-1536x1025.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/DSC6291-2048x1366.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" data-id=\"1315\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/DSC6257-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1315\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/DSC6257-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/DSC6257-300x200.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/DSC6257-768x512.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/DSC6257-1536x1025.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/DSC6257-2048x1366.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" data-id=\"1317\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/DSC6300-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1317\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/DSC6300-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/DSC6300-300x200.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/DSC6300-768x512.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/DSC6300-1536x1025.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/DSC6300-2048x1366.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\">Wir zeigen hier mit der freundlichen Genehmigung des Augustinermuseums in Freiburg und des K\u00fcnstlers drei Arbeiten Marcel van Eedens aus dem Zyklus &#8222;Bayreuth&#8220; (2024). Die einzelnen Blatter des Zyklus tragen keine Titel, hingegen erz\u00e4hlt uns der Untertitel des Zyklus, dass es sich um die Bilder eines imaginierten Spaziergangs handelt, der Hans Thoma vom Haus Wahnfried zum Festspielhaus in Bayreuth gef\u00fchrt haben k\u00f6nnte. Es handelt sich um sogenannte <em>Gummidrucke<\/em>, auch <em>Gummibichromatverfahren<\/em>.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Thoma entwarf auch die Kost\u00fcme f\u00fcr die Auff\u00fchrung des <em>Ring des Nibelungen<\/em> im Jahr 1896. &#8222;Der Ring erfuhr durch Thoma jetzt die Angliederung an die offizielle imperialistische und militant rassistische Nibelungenpropaganda&#8220;, schreibt dazu 1980 der Kunsthistoriker Ulrich Schulte-W\u00fclwer: ein Zitat, das van Eeden aufgreift, Reu\u00dfe aber nicht in den Katalog aufnimmt. Eine &#8222;plakative Grobschl\u00e4chtigkeit&#8220;, wie sie Schulte-W\u00fclwer bemerkt, vermag der Kurator nicht zu erkennen. Er weist vielmehr nach, dass Thomas Vorbilder durchweg in der Antike oder in der Renaissance zu finden sind. Reu\u00dfe h\u00e4lt fest: &#8222;Radikale antisemitische oder rassistische Einstellungen, wie sie Cosima Wagner und vor allem Chamberlain vertraten, finden sich weder im k\u00fcnstlerischen Werk Thomas (etwa in Form von Karikaturen oder Hetzbildern), noch lassen sie sich in \u00f6ffentlichen \u00c4u\u00dferungen des K\u00fcnstlers bislang belegen.&#8220; Er spricht aber von einer &#8222;Vereinnahmung Thomas durch die v\u00f6lkische Bewegung&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn der Fall Thoma eines zeigt, so zu allererst, dass es falsch ist, in dieser Diskussion den Blick allein auf den K\u00fcnstler zu richten. Kaiser Wilhelm II. h\u00f6chstpers\u00f6nlich, ein begeisterter Anh\u00e4nger Chamberlains, dekretierte 1899 nach einem Ankauf impressionistischer Werke durch die Berliner Nationalgalerie, alle Neuerwerbungen m\u00fcssten fortan von ihm genehmigt werden. Zwei Jahre sp\u00e4ter verk\u00fcndete er: &#8222;Eine Kunst, die sich \u00fcber die von Mir bezeichneten Gesetze und Schranken hinwegsetzt, ist keine Kunst mehr.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn man den Blick nur auf Thoma richtet und sich nicht an das Haus Wahnfried herantraut, entsteht ein schiefes Bild: Richard Wagner ist der Elefant im Raum, neben seiner Witwe Cosima und Chamberlain. Von ihnen ging der Antisemitismus aus, dem Thoma nur halbherzig widersprach. Seine Tragik besteht darin, dass sein Erfolg so lange auf sich warten lie\u00df, bis ihn die V\u00f6lkischen f\u00fcr sich entdeckten. Dagegen konnte er sich schlecht wehren. Und nicht wissen, wohin dies f\u00fchren w\u00fcrde, auch wenn er \u2013 als Argument gegen Liebermann \u2013 den Antisemitismus als &#8222;eine Frage, die Unheil in sich schlie\u00dfen k\u00f6nnte&#8220; bezeichnet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Thoma war nicht nur der &#8222;Lieblingsmaler des deutschen Volkes&#8220;, wie ihn Meyers Konversations-Lexikon aus dem Jahr 1909 bezeichnet. Er war auch, neben Leibl, der Lieblingsmaler Adolf Hitlers. Dass Thoma durch den Wagner-Kreis in ein dubioses Umfeld geriet, wurde schon fr\u00fch wahrgenommen: &#8222;Nichts ist Thoma gef\u00e4hrlicher geworden als die Deklamationen seiner kunstfremden Bewunderer&#8220;, schrieb schon 1919 der renommierte Kunstkritiker Karl Scheffler, auf den Wagner-Kreis anspielend. &#8222;Eine entscheidende Rolle bei der Vereinnahmung von Hans Thoma im &#8218;Dritten Reich&#8216; spielten seine Freunde&#8220;, stellen auch Metz und L\u00f6ffler fest. Thomas Nachlassverwalter Josef August Beringer organisierte im April 1933 in Mannheim unter dem Titel <em>Kulturbolschewistische Bilder<\/em> die allererste &#8222;Schandausstellung&#8220; der NS-Zeit. Auch Sophie Bergmann-K\u00fcchler, Tochter eines der ersten F\u00f6rderer Thomas und mit Beringer 1922 Gr\u00fcnderin der Hans-Thoma-Gesellschaft, war eine begeisterte Nationalsozialistin. Dass das Land Baden-W\u00fcrttemberg jeden Anschein vermeiden will, sich in diese Tradition zu stellen, ist nachvollziehbar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Geschichte ist damit immer noch nicht zu Ende. Als die Verantwortung f\u00fcr den Hans-Thoma-Preis vom Land Baden an das Bundesland Baden-W\u00fcrttemberg \u00fcberging, schaffte es Bergmann-K\u00fcchler, 1952 einen Preistr\u00e4ger durchzusetzen, der sich weniger durch k\u00fcnstlerische Qualit\u00e4t als durch stramme Linientreue ausgezeichnet hatte. Als dies im n\u00e4chsten Jahr nicht wieder gelang, nahm die Hans-Thoma-Gesellschaft dies mit &#8222;\u00e4u\u00dferstem Befremden&#8220; wahr. In einem Schreiben an den zust\u00e4ndigen Ministerialbeamten Wolf Donndorf hielt das s\u00fcdbadische Regierungspr\u00e4sidium fest, dass bei dieser Gesellschaft &#8222;nur noch das Hakenkreuz fehle, um dort das dritte Reich voll aufleben zu lassen&#8220;. Damit immer noch nicht genug, holte der ehemalige Stuttgarter Gestapo-Beamte Alfred Hagenlocher, der sich, um der Verfolgung zu entgehen, nach dem Krieg eine neue Identit\u00e4t als K\u00fcnstler und Kunstmanager zurecht fabriziert hatte, die Hans-Thoma-Gesellschaft 1953 nach Reutlingen. Der Kunstverein Reutlingen, der daraus hervorgegangen ist, und das von Hagenlocher gegr\u00fcndete Kunstmuseum Albstadt sind erst jetzt dabei, dies aufzuarbeiten.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Appendix: Der Fall Hugo Ball<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Museen sind keine Spruchkammern. Aber gerade das Augustinermuseum zeigt, was eine Ausstellung in einem Fall wie Thoma leisten kann. Sie erreicht ein breiteres Publikum als die Historiker, die den Grund f\u00fcr die Aufarbeitung seiner v\u00f6lkischen Positionen gelegt haben. Aber indem sie Arbeiten aus allen Lebensphasen zeigt, f\u00fchrt sie auch sinnlich vor Augen, dass dies nur ein Aspekt vor allem der sp\u00e4teren Jahre des K\u00fcnstlers war. Marcel van Eeden f\u00fcgt dem etwas hinzu, was mit Thomas Werken allein nicht gezeigt werden kann: eine heutige, zeitgen\u00f6ssische Sicht. Diese kann aber die historische und kunsthistorische Arbeit nicht ersetzen, die in Teilen wiederum zu anderen Schl\u00fcssen gelangt. Wo die Historiker Widerspr\u00fcche entdecken, die sie nicht aufzul\u00f6sen verm\u00f6gen, bietet das Zusammenspiel von Ausstellung, zeitgen\u00f6ssischem Blick und Katalog so einen Orientierungsrahmen, der dem Betrachter oder der Betrachterin erlaubt, eigene Schl\u00fcsse zu ziehen. Denn es geht nicht darum, einen Maler wie Thoma zu verurteilen oder freizusprechen. Es geht darum, aufzukl\u00e4ren: die Zusammenh\u00e4nge zu verstehen, zu durchleuchten. Erkennbar wird dabei auch, dass der Fall Thoma kein Einzelfall war, sondern einem dominierenden Trend in der deutschen Gesellschaft des Kaiserreichs entspricht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">2023 kam es in Pirmasens zu einem Eklat, als die K\u00fcnstlerin Hito Steyerl den Hugo-Ball-Preis ablehnte, mit Verweis auf antisemitische Passagen im Werk des ber\u00fchmten Sohnes der Stadt. Der Dada-Begr\u00fcnder hatte im Januar 1919 unter dem Titel <em>Zur Kritik der deutschen Intelligenz<\/em> eine w\u00fctende, anti-protestantische pazifistische Kampfschrift ver\u00f6ffentlicht, die auch einige antisemitische Passagen enthielt, diese aber in der Zweitauflage 1924 gestrichen. Da sie auch in der Neuauflage 1970 nicht auftauchten, blieben sie unbemerkt, bis 2005 eine historisch-kritische Ausgabe erschien. Die Stadt Pirmasens setzte den Preis aus und veranstaltete eine Podiumsdiskussion, die auch Steyerls Beifall fand, sowie eine Tagung mit Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern zum <em>Umgang mit Stereotypen \/ Vorurteilen in der Kunst<\/em>. Der Hugo-Ball-Preis hei\u00dft weiter so, wird nun aber erg\u00e4nzt nun um einen F\u00f6rderpreis, mit dem die Stadt &#8222;ein Zeichen gegen jede Form der Ausgrenzung und Diskriminierung setzen&#8220; will.<\/p>\n\n\n\n<hr style=\"--wb-separator-margin-top:0px;--wb-separator-margin-bottom:0px\" class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Hans Thoma. Ein Maler als Museumsdirektor<\/em>, Studioausstellung der Kunsthalle Karlsruhe im ZKM, bis 2. M\u00e4rz. <a href=\"https:\/\/www.kunsthalle-karlsruhe.de\/ausstellung\/hans-thoma-ein-maler-als-museumsdirektor\/\">https:\/\/www.kunsthalle-karlsruhe.de\/ausstellung\/hans-thoma-ein-maler-als-museumsdirektor\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Hans Thoma \u2013 Zwischen Poesie und Wirklichkeit<\/em>, Augustinermuseum Freiburg, bis 30. M\u00e4rz. Katalog 256 Seiten, im Museum 26,90 Euro. <a href=\"http:\/\/www.freiburg.de\/hans-thoma\">www.freiburg.de\/hans-thoma<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Hans Thoma (1839.1924). Zur Rezeption des badischen K\u00fcnstlers im Nationalsozialismus und in der Nachkriegszeit<\/em>, hrsg. von Frank Engehausen, Ostfildern 2022.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>100 Jahre nach seinem Tod h\u00e4ufen sich die Ausstellungen zu Hans Thoma. War Thoma Antisemit? &#8222;Doch ich bin gar kein Antisemit und muss ruhig zusehen, wenn sie [die Juden] dem deutschen Volke jetzt auch was vormalen&#8220;, schreibt Hans Thoma 1905 an Cosima Wagner, die Witwe des Komponisten, eine gl\u00fchende Antisemitin. 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