{"id":2348,"date":"2025-03-13T16:23:45","date_gmt":"2025-03-13T15:23:45","guid":{"rendered":"https:\/\/on-art.news\/?p=7920"},"modified":"2026-08-14T22:00:04","modified_gmt":"2026-08-14T20:00:04","slug":"nicht-nur-zusammengehauen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/on-art.news\/en\/2025\/03\/13\/nicht-nur-zusammengehauen\/","title":{"rendered":"Nicht nur zusammengehauen"},"content":{"rendered":"<h3 class=\"wp-block-heading\">Der Skulpturenpark Waldfrieden zeigt neun Arbeiten des belgischen Bildhauers Peter Buggenhout.<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn man Gelegenheit hat, Peter Buggenhout zu beobachten, entsteht der Eindruck, dass er ein eher ruhiger Mensch ist. Und wer ihm eine Weile zuh\u00f6rt, erf\u00e4hrt schon bald, dass er Humor besitzt. \u00dcber die Beziehung des Betrachters zu seinem Tun sagt er: &#8222;You have to look at it like a car to a locomotive.&#8220; Das ist es, wozu seine Skulpturen ihre Betrachter bringen sollen. Und was das f\u00fcr ihn bedeutet, f\u00fchrt er seinem Publikum am Ende dieses Satzes vor: Sein K\u00f6rper erstarrt ruckartig, die Kinnlade f\u00e4llt, er mimt den Ausdruck bl\u00f6den Erstaunens. Nat\u00fcrlich \u00fcberschreitet er mit dieser Pantomime eine Grenze, die zwischen K\u00fcnstler und Publikum in solchen Situationen respektiert wird. Man sp\u00fcrt im Gel\u00e4chter des Publikums daher auch eine Spur von Verunsicherung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dabei ist seine Darstellung zutreffend. Wir starren, w\u00e4hrend wir ihm zuh\u00f6ren, immer wieder ein bisschen bl\u00f6d auf die in seinem R\u00fccken befindliche Arbeit in der oberen Ausstellungshalle des Skulpturenparks Waldfrieden. Dort beginnt der Presserundgang zu Peter Buggenhouts Ausstellung &#8222;<s>umleitung<\/s>&#8222;. Sobald sich die kognitiven Kr\u00e4fte erholt haben, regt sich spontaner Widerstand. Denn auf den ersten Blick ist erkennbar, dass Peter Buggenhout mit M\u00fcll arbeitet. Irgendwo, in einer dunklen Ecke unseres Unterbewusstsein lauert wohl immer noch jener legend\u00e4re Hausmeister, der seinerzeit der Beuyschen Fettecke den Garaus machte.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped w3 wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"769\" height=\"1024\" data-id=\"1326\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/peter-buggenhout-on-hold-4-2017-769x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1326\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/peter-buggenhout-on-hold-4-2017-769x1024.jpg 769w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/peter-buggenhout-on-hold-4-2017-225x300.jpg 225w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/peter-buggenhout-on-hold-4-2017-768x1022.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/peter-buggenhout-on-hold-4-2017-1154x1536.jpg 1154w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/peter-buggenhout-on-hold-4-2017-1539x2048.jpg 1539w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/peter-buggenhout-on-hold-4-2017-scaled.jpg 1924w\" sizes=\"(max-width: 769px) 100vw, 769px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"769\" height=\"1024\" data-id=\"1328\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/peter-buggenhout-on-hold-20-2021-769x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1328\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/peter-buggenhout-on-hold-20-2021-769x1024.jpg 769w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/peter-buggenhout-on-hold-20-2021-225x300.jpg 225w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/peter-buggenhout-on-hold-20-2021-768x1022.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/peter-buggenhout-on-hold-20-2021-1154x1536.jpg 1154w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/peter-buggenhout-on-hold-20-2021-1539x2048.jpg 1539w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/peter-buggenhout-on-hold-20-2021-scaled.jpg 1923w\" sizes=\"(max-width: 769px) 100vw, 769px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"769\" height=\"1024\" data-id=\"1327\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/peter-buggenhout-on-hold-9-2019-769x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1327\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/peter-buggenhout-on-hold-9-2019-769x1024.jpg 769w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/peter-buggenhout-on-hold-9-2019-225x300.jpg 225w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/peter-buggenhout-on-hold-9-2019-768x1022.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/peter-buggenhout-on-hold-9-2019-1154x1536.jpg 1154w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/peter-buggenhout-on-hold-9-2019-1539x2048.jpg 1539w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/peter-buggenhout-on-hold-9-2019-scaled.jpg 1923w\" sizes=\"(max-width: 769px) 100vw, 769px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\">Drei der vier Arbeiten Buggenhouts, die in der oberen Ausstellungshalle bzw. in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft gezeigt werden. Es handelt sich um Skulpturen aus der Reihe &#8222;On Hold&#8220;. <strong>Links<\/strong>, befestigt an der Wand, &#8222;On Hold #4&#8220; aus dem Jahr 2017, in der <strong>Middle<\/strong> &#8222;On Hold #20&#8220; und <strong>rechts<\/strong> auf einem Sockel aus Beton im Au\u00dfenbereich &#8222;On Hold #9&#8220; aus dem Jahr 2019. Die schwere Unterkonstruktion aus Beton und Stahl sorgt auch bei hohem Winddruck f\u00fcr den sicheren Stand der Skulptur. Alle Fotos: Michael Richter.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Fragen der Presse<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit dem n\u00e4chsten Blick versuchen wir, dem was wir sehen, eine wie auch immer geartete, wenigstens auf der begrifflichen Ebene funktionierende Ordnung zu verschaffen. Was zumindest mir auf Anhieb nicht gelingen will. Zwar kenne ich Abbildungen von Buggenhouts Arbeiten, aber wenn man sie unmittelbar vor Augen hat, wirkt nicht nur die schiere Gr\u00f6\u00dfe, sondern eben auch das Material.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Tony Cragg, unser Gastgeber, ahnt wohl die Schwierigkeiten, mit denen wir k\u00e4mpfen. &#8222;Die sind nicht nur zusammengehauen&#8220;, ist einer der ersten S\u00e4tze \u00fcber die Arbeiten Peter Buggenhouts, den wir heute von ihm h\u00f6ren. Was k\u00fcndigt sich hier an? Der Satz klingt so, als h\u00e4tte er eine Vermutung, welchen Ersteindruck Buggenhouts Arbeiten bei uns verursachen k\u00f6nnten. Es fallen nun die Namen von K\u00fcnstlern wie John Chamberlain, Arman und \u2013 hatten wir schon \u2013 Joseph Beuys. Unwillk\u00fcrlich frage ich mich, ob sie aufgerufen werden, gerade jetzt, um uns ins Ged\u00e4chtnis zu rufen, dass die Kunstgeschichte \u00e4hnlich gelagerte F\u00e4lle kennt? Wohl eher nicht. Denn als der K\u00fcnstler selbst beginnt, \u00fcber seine Arbeit zu sprechen, zeigt sich, dass er die Referenzialit\u00e4t seines Materials prinzipiell verneint.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Irgendwann werden die ersten Fragen gestellt. Sie lauten: Wo finden Sie ihr Material? Haben Sie einen Plan oder ein Konzept? Woher wissen Sie, wann Sie fertig sind? Und dann noch: Wer kauft Ihre Sachen eigentlich? Bis auf die letzte handelt es sich um Fragen, die wahrscheinlich alle anwesenden Pressevertreter besch\u00e4ftigen, die also jeder von uns fr\u00fcher oder sp\u00e4ter h\u00e4tte stellen m\u00fcssen. Wir k\u00f6nnen uns bei den Kolleginnen, die uns zuvor gekommen sind, bedanken.<br>Die letzte Frage, die nach den K\u00e4ufern, klingt allerdings tendenziell so, als m\u00fcsse es Zweifel daran geben, dass sich irgendjemand Buggenhouts M\u00fcllt\u00fcrme ins Wohnzimmer stellen wolle. Das ist &#8211; zur\u00fcckhaltend beurteilt &#8211; ein bisschen \u00fcbergriffig. Zwar steckt vielleicht echte Neugierde dahinter, impliziert wird aber auch irgendwie, dass es, wo keine K\u00e4ufer sind, auch keine Kunsth\u00e4ndler geben kann, die sich f\u00fcr Buggenhouts Arbeiten interessieren. Tony Cragg bem\u00fcht sich sofort, die Situation zu entsch\u00e4rfen. Er z\u00e4hlt ein paar der First-Class-Adressen auf, die Buggenhout ausgestellt haben. Was aber eigentlich nicht n\u00f6tig ist, denn der K\u00fcnstler scheut sich nicht, die Gelegenheit zu nutzen, um mitzuteilen, dass ihn die wirtschaftlichen Aspekte seiner T\u00e4tigkeit nicht wirklich interessieren. W\u00e4re ja auch ein Wunder, wenn er das in dieser Situation nicht sagen w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-2 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"819\" height=\"1024\" data-id=\"1338\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Minster_05_285x250x250_steel_1992_Michael-Richter-819x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1338\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Minster_05_285x250x250_steel_1992_Michael-Richter-819x1024.jpg 819w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Minster_05_285x250x250_steel_1992_Michael-Richter-240x300.jpg 240w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Minster_05_285x250x250_steel_1992_Michael-Richter-768x960.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Minster_05_285x250x250_steel_1992_Michael-Richter-1229x1536.jpg 1229w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Minster_05_285x250x250_steel_1992_Michael-Richter-1638x2048.jpg 1638w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Minster_05_285x250x250_steel_1992_Michael-Richter-scaled.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 819px) 100vw, 819px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"814\" data-id=\"1330\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/tony-cragg-Spectrum_02_250x500_plastic_1979_Taishi-Hiroskawa-1024x814.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1330\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/tony-cragg-Spectrum_02_250x500_plastic_1979_Taishi-Hiroskawa-1024x814.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/tony-cragg-Spectrum_02_250x500_plastic_1979_Taishi-Hiroskawa-300x238.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/tony-cragg-Spectrum_02_250x500_plastic_1979_Taishi-Hiroskawa-768x610.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/tony-cragg-Spectrum_02_250x500_plastic_1979_Taishi-Hiroskawa-1536x1221.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/tony-cragg-Spectrum_02_250x500_plastic_1979_Taishi-Hiroskawa-2048x1627.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"710\" data-id=\"1331\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/tony-cragg-Stack_08_190x200x110_mixed-materials_1973_Tony-Cragg-1024x710.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1331\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/tony-cragg-Stack_08_190x200x110_mixed-materials_1973_Tony-Cragg-1024x710.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/tony-cragg-Stack_08_190x200x110_mixed-materials_1973_Tony-Cragg-300x208.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/tony-cragg-Stack_08_190x200x110_mixed-materials_1973_Tony-Cragg-768x532.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/tony-cragg-Stack_08_190x200x110_mixed-materials_1973_Tony-Cragg-1536x1065.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/tony-cragg-Stack_08_190x200x110_mixed-materials_1973_Tony-Cragg-2048x1420.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\">Drei fr\u00fche Beispiele aus dem Werk Tony Craggs, in denen er sich, was sein Material betrifft, als Sammler entwerteter Gegenst\u00e4nde zeigt. <strong>Links<\/strong>: Minster, 1988. Foto: Michael Richter. <strong>Middle<\/strong>: Spectrum #02, 1979. Foto: Taishi Hiroskawa. <strong>Right<\/strong>: Stack #08, 1973. Foto: Tony Cragg.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Das Material &#8230;<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unter den Gr\u00fcnden, die Tony Cragg bewogen haben m\u00f6gen, Peter Buggenhout in diesem Fr\u00fchjahr in seinen Park einzuladen, wird das Material, mit dem Buggenhout arbeitet, vielleicht den Ausschlag gegeben haben. Das d\u00fcrfen wir aus gutem Grund annehmen. <br>Denn Tony Craggs eigene k\u00fcnstlerische Arbeit reflektiert in hohem Ma\u00df auf das bildhauerische Material, auf seine M\u00f6glichkeiten und auf seine Bedeutungen. Auf dieser Basis bezieht er selbst seine kritische Position zur alles normierenden Formensprache unserer postindustriellen Gesellschaften. Dass Buggenhout, den ebenfalls eine sehr ausgepr\u00e4gte, wenn auch ganz anders gelagerte Position zu seinem Material auszeichnet, sein besonderes Interesse genie\u00dft, kann man sich vor diesem Hintergrund ganz gut vorstellen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gibt aber in dieser Hinsicht nicht nur eine grunds\u00e4tzliche, sondern dazu noch eine konkrete \u00dcbereinstimmung. Auch Tony Cragg war einmal ein K\u00fcnstler, der in 1970er und 1980er Jahren weggeworfenen Gegenst\u00e4nden, beraubt ihrer urspr\u00fcnglichen Funktion, neues Leben einhauchte, indem er sie zum Material seiner bildnerischen Arbeit machte. Das Spektrum des Gesuchten\/Gefundenen war \u00e4hnlich breit wie bei Buggenhout, nur die Gruppierungen des Stofflichen sahen ganz anders aus. Aus einem bestimmten, heutigen Blickwinkel scheint es so, als w\u00e4re es ihm damals um eine neue, \u00e4sthetische Systematik des Materials gegangen, auch um ein gewisses Ma\u00df an Homogenit\u00e4t, um verborgene famili\u00e4re Verwandtschaften, seien sie die Farbe, die Form oder das Material betreffender Natur. Beide K\u00fcnstler besch\u00e4ftigt au\u00dferdem die Entfaltung ihrer Kunst in serieller Variation: Wenn bei Buggenhout alles unter bestimmten Bezeichnungen in Reihe gestellt wird \u2013 Beispiel &#8222;On Hold&#8220;, &#8222;Babel Variationen&#8220;, &#8222;Mont Ventoux&#8220; usw. \u2013 <em>kann<\/em> das zwar, muss aber bei Tony Cragg nicht in vergleichbarer Form zusammenfinden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped w3 wp-block-gallery-3 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"536\" height=\"1024\" data-id=\"1335\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Mont-Ventoux-55-SPW-536x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1335\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Mont-Ventoux-55-SPW-536x1024.jpg 536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Mont-Ventoux-55-SPW-157x300.jpg 157w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Mont-Ventoux-55-SPW-768x1466.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Mont-Ventoux-55-SPW-804x1536.jpg 804w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Mont-Ventoux-55-SPW-1073x2048.jpg 1073w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Mont-Ventoux-55-SPW-scaled.jpg 1341w\" sizes=\"(max-width: 536px) 100vw, 536px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"769\" height=\"1024\" data-id=\"1347\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/CF054530-769x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1347\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/CF054530-769x1024.jpg 769w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/CF054530-225x300.jpg 225w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/CF054530-768x1022.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/CF054530-1154x1536.jpg 1154w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/CF054530-1539x2048.jpg 1539w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/CF054530-scaled.jpg 1923w\" sizes=\"(max-width: 769px) 100vw, 769px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"497\" height=\"1024\" data-id=\"1337\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/022-bearb-497x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1337\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/022-bearb-497x1024.jpg 497w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/022-bearb-146x300.jpg 146w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/022-bearb-768x1581.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/022-bearb-746x1536.jpg 746w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/022-bearb-995x2048.jpg 995w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/022-bearb-scaled.jpg 1244w\" sizes=\"(max-width: 497px) 100vw, 497px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\"><strong>Links<\/strong> eine der kleineren Arbeiten Buggenhouts aus der Serie &#8222;Mont Ventoux&#8220; (#55, 2024), die im an die Villa angrenzenden Pavllion einen Platz gefunden hat und durch dessen gro\u00dffl\u00e4chige Fenster bewundert werden kann. In der <strong>Middle<\/strong> &#8222;Concrete #1&#8220;, 2024-25. Zu sehen au\u00dfen vor der mittleren Ausstellungshalle des Parks. Beide Fotos: Michael Richter. <strong>Right<\/strong> ein Portr\u00e4t Peter Buggenhouts. Foto: Atelier Peter Buggenhout.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">\u2026 und seine Formen<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Neun Arbeiten sind es, die Peter Buggenhout im Waldfrieden zeigt. Sie alle sind aus Teilen zusammengef\u00fcgt, die ihrem urspr\u00fcnglichen Kontext entrissen und der Funktion, f\u00fcr die sie eigentlich vorgesehen waren, beraubt wurden. Sie wurden zerschlagen, zerlegt oder in anderer Form fragmentiert. Wahrscheinlich nicht durch den K\u00fcnstler, sondern bevor sie in seinen Besitz gelangten. Wie sie dorthin gelangten, verraten sie uns nicht. Auch \u00fcber ihre urspr\u00fcngliche Herkunft geben sie uns keine Auskunft. Vertreten ist eine breite Palette von Stoffen: Holz, Textilien, Metalle, Plastik, Beton, Pappe, Bauschutt, Staub. Begrifflich sparen wir uns im Alltag diese Differenzierung: Es geht um M\u00fcll, Abfall oder Schrott.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am Ausgangspunkt des Presserundgangs, in der oberen Ausstellungshalle des Parks, sind drei Arbeiten Buggenhouts zu sehen. Eine von Ihnen, die kleinste, h\u00e4ngt an der Wand. Die beiden anderen stehen frei im Raum. Sie ragen bis zu sechs Meter in die H\u00f6he. Von hier aus sichtbar ist au\u00dferdem eine weitere Skulptur, die mit siebeneinhalb Metern noch etwas h\u00f6her ist. Sie steht drau\u00dfen, auf der Wiese an der nord\u00f6stlichen Seite der Halle. Diese vier Skulpturen geh\u00f6ren alle zu einer Reihe, die &#8222;On Hold&#8220; hei\u00dft, was so viel wie &#8222;In der Warteschleife&#8220; bedeutet. Die Materialien, die Buggenhout verwendet hat, winden sich bei den freistehenden Arbeiten um einen diagonal aufstrebenden Stahlmast. Darunter, am Boden, ein nackter Betonsockel, Befestigung und Gegengewicht f\u00fcr den Stahlmast zugleich, der unter Winddruck oder allein durch das Gewicht der Materialien wahrscheinlich eine gewaltige Hebelwirkung entfaltet. Und auch bei der an der Wand h\u00e4ngenden Arbeit gibt es eine Untergestell, das die Lasten tr\u00e4gt. Wie dieses Problem technisch gel\u00f6st ist, k\u00f6nnen wir nur ahnen: Wir sehen Bruchst\u00fccke und Fragmente von irgendetwas, kantig, schartig, flie\u00dfend, in Falten, glatt, stumpf oder leuchtend. Ob sie festgeklemmt, aufgeh\u00e4ngt, angeklebt oder angeschwei\u00dft wurden, ist nicht zu erkennen. Ein Gef\u00fchl von Sicherheit soll sich wohl gar nicht erst einstellen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped w3 wp-block-gallery-4 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"748\" height=\"1024\" data-id=\"1340\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Peter-Buggenhout_Babel-Variationen-II_2025-c-courtesy-the-artist_Foto-Michael-Richter-bearb-748x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1340\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Peter-Buggenhout_Babel-Variationen-II_2025-c-courtesy-the-artist_Foto-Michael-Richter-bearb-748x1024.jpg 748w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Peter-Buggenhout_Babel-Variationen-II_2025-c-courtesy-the-artist_Foto-Michael-Richter-bearb-219x300.jpg 219w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Peter-Buggenhout_Babel-Variationen-II_2025-c-courtesy-the-artist_Foto-Michael-Richter-bearb-768x1051.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Peter-Buggenhout_Babel-Variationen-II_2025-c-courtesy-the-artist_Foto-Michael-Richter-bearb-1122x1536.jpg 1122w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Peter-Buggenhout_Babel-Variationen-II_2025-c-courtesy-the-artist_Foto-Michael-Richter-bearb-1497x2048.jpg 1497w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Peter-Buggenhout_Babel-Variationen-II_2025-c-courtesy-the-artist_Foto-Michael-Richter-bearb-scaled.jpg 1871w\" sizes=\"(max-width: 748px) 100vw, 748px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"769\" height=\"1024\" data-id=\"1339\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/CF054593-bearb-769x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1339\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/CF054593-bearb-769x1024.jpg 769w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/CF054593-bearb-225x300.jpg 225w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/CF054593-bearb-768x1022.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/CF054593-bearb-1154x1536.jpg 1154w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/CF054593-bearb-1539x2048.jpg 1539w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/CF054593-bearb-scaled.jpg 1923w\" sizes=\"(max-width: 769px) 100vw, 769px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\">Zwei Ansichten von &#8222;Babel Variationen II&#8220; (2025). <strong>Links<\/strong> Blick auf die Skulptur aus westlicher, <strong>rechts<\/strong> aus entgegengesetzter Richtung. Beide Fotos: Michael Richter.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf den ersten Blick etwas klarer strukturiert pr\u00e4sentiert sich eine weitere Arbeit Buggenhouts auf dem Weg nach unten: Ungef\u00e4hr auf halber H\u00f6he erwartet uns &#8222;Babel Variationen II&#8220;. Das, was hier auf einer Lichtung vierzehn Meter in die H\u00f6he ragt, besteht im Wesentlichen aus den senkrecht aufgerichteten Holmen und R\u00e4dern mehrerer LKWs, die als solche immer noch erkennbar sind. Obwohl sich auch hier die Verbindung der LKW-Teile mit den \u00fcbrigen Komponenten der Skulptur dem Auge nicht ohne weiteres erschlie\u00dft, ist sie als Ganzes leichter erfassbar. Im Netz wurde schon ein paar Tage zuvor ein kurzes Reel gezeigt, das den Aufbau dieser Skulptur dokumentierte. Dazu waren mehrere Kr\u00e4ne n\u00f6tig, wodurch der vertraute Eindruck einer Baustelle geweckt wurde. Jetzt l\u00e4sst uns &#8222;Babel Variationen II&#8220; eher an ein eruptives, m\u00f6glicherweise gewaltsames Geschehen denken, bei dem sich ein LKW-Auflieger aufgerichtet hat, wobei Teile seiner Aufbauten oder seiner Ladung zerfetzt wurden. Wenn man sich die Richtung, die solche und \u00e4hnliche Assoziationen einschlagen, als nicht ungewollt, als intendiert vorstellt, dann soll hier etwas mehr als nur ein respektvoller Abstand, den wir zu dieser Arbeit unwillk\u00fcrlich wahren, erzeugt werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es geht nat\u00fcrlich noch krasser. Die auf der H\u00f6he der Villa liegende mittlere Ausstellungshalle ist einer einzigen Skulptur vorbehalten: &#8222;The Blind leading the Blind&#8220; ist ihr Titel, eine zu dunkler Monochromie tendierende, sich nicht nur in die H\u00f6he, sondern auch wuchtig in Breite entfaltende Installation. Dass die hier eingesetzten Materialien weder anhand ihrer F\u00e4rbung noch ihrer Textur identifiziert werden k\u00f6nnen, liegt an dem die Oberfl\u00e4chen vollkommen abdeckenden, in mehreren Schichten aufgetragenen und fixierten Staub, der als bildnerisches Material eingesetzt wird und der Skulptur ihr farblich kaum nuanciertes, d\u00fcsteres Erscheinungsbild verleiht.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-5 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large w3\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"774\" data-id=\"1346\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/CF054673-bearb-1024x774.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1346\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/CF054673-bearb-1024x774.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/CF054673-bearb-300x227.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/CF054673-bearb-768x581.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/CF054673-bearb-1536x1161.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/CF054673-bearb-2048x1549.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\">&#8222;The Blind Leading the Blind #67&#8220; aus dem Jahr 2024. Da diese Skulptur normalerweise an einer Wand befestigt werden muss, die mittlere Ausstellungshalle des Skulpturenparks Waldfrieden jedoch eine reine Glaskonstruktion ist, der gemauerte W\u00e4nde fehlen, wird die Skulptur von einer Behelfskonstruktion gehalten, die im Hintergrund zu erkennen ist. Foto: Michael Richter.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Trotz der Verschiedenheit dieser Arbeiten erschlie\u00dft sich in ihrer Betrachtung die Handschrift des K\u00fcnstlers. Bei den bereits erw\u00e4hnten Arbeiten Tony Craggs aus den 1970er und 1980er Jahre wird den Fundst\u00fccken durch ihre Gruppierung eine gewisse W\u00fcrde zur\u00fcckgegeben. Bei Buggenhout ist das Gegenteil der Fall. Sein Material bleibt entwertet. Und es zeigt sich, dass es, sofern es sich nun in diesem Zustand zusammenballt und hoch aufrichtet, auch \u00c4ngste ausl\u00f6sen kann. &#8222;A little bit scaring&#8220; seien seine Arbeiten, h\u00f6rt man aus der Runde der Pressevertreter. Was wohl a little bit euphemistical ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine der interessantesten Fragen, die anfangs, noch in der oberen Ausstellungshalle, gestellt wurde, war die, wie Buggenhouts Skulpturen entstehen. Die fragende Kollegin erg\u00e4nzt ihre Frage mit der Anmerkung, dass es zu Anfang wahrscheinlich noch keinen Stahlmast geben k\u00f6nne, an dem die Komponenten befestigt w\u00e4ren. Was der K\u00fcnstler sofort bejaht. Und dann erl\u00e4utert, dass er die einzelnen Teile zun\u00e4chst am Boden, also in der Horizontalen zusammenbringe, bevor sie mithilfe des Stahlmastes vertikal aufgerichtet w\u00fcrden. Und auch in Tony Craggs einleitenden Worten spielt das Stichwort &#8222;Vertikalit\u00e4t&#8220; ein besondere Rolle. Er bringt in diesem Zusammenhang die Schwerkraft ins Spiel, die im Normalfall daf\u00fcr sorgt, dass sich Dinge, die wir wegwerfen, in Richtung Boden bewegen (um schlie\u00dflich dort zu verschwinden). Will man verstehen, wie Buggenhouts Skulpturen funktionieren, ist das nicht nebens\u00e4chlich: Seine &#8222;abjekt things&#8220; pr\u00e4sentieren sich uns im Normalfall liegend. Mit Bodenkontakt. Eigentlich ist also die Horizontale ihre Dimension.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die verneinte Referenzialit\u00e4t<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Irgendwann wird eine Frage gestellt, in der der Name von Peter Buggenhouts Frau f\u00e4llt. Die Antwort des K\u00fcnstlers auf diese Frage klingt etwas malizi\u00f6s: Nat\u00fcrlich wisse er, wer das sei. Anschlie\u00dfend wird das Thema schnell erledigt: Berlinde de Bruyckeres Arbeiten seien referenzieller Natur, hingegen tr\u00e4fe dies auf seine Arbeiten nicht zu.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit sind wir &#8211; nicht zum ersten Mal an diesem Vormittag &#8211; bei einem entscheidenden Punkt angekommen: Der verneinten Referenzialit\u00e4t seines Werks. Mehrfach unterstreicht Buggenhout die vollkommene Autonomie seiner Skulpturen: Es fehle ihnen jede Form symbolhafter Bedeutung. Dass er anfangs erkl\u00e4rt hat, seine Skulpturen seien &#8222;a view of what the world really is&#8220;, seine Skulpturen also auf die Realit\u00e4t bezieht, hat zun\u00e4chst etwas andere Erwartungen geweckt: Die Bezugnahme auf Wirklichkeit ist ein referenzielles Feld, das in Kunstwissenscaft und -kritik als Realismus bezeichnet wird (wenn man schon von Arman spricht). Sofern dieser in besonders kompromissloser Form auftritt, spricht man auch gern von Verismus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch Tony Cragg scheint die Behauptung der totalen Autonomie nicht ganz zu \u00fcberzeugen. Denn irgendwann erkl\u00e4rt er, dass Referenzialit\u00e4t nat\u00fcrlich nicht komplett wegfallen k\u00f6nne, schlie\u00dflich sei der K\u00fcnstler als Bezugspunkt seines Werks ja gar nicht wegzudenken. Dass sich Buggenhouts Skulpturen der Schwerkraft widersetzen, indem sie ihr Material in der Vertikalen aufrichten, verweist m\u00f6glicherweise auf ein weiteres Referenzsystem \u2013 in der Kunstwissenschaft als &#8222;Denk-Mal&#8220; bekannt. Hinzu kommt, dass ich am Ende nicht anders kann, als mich daran zu erinnern, dass Verg\u00e4nglichkeit als Thema der Kunst in der fl\u00e4mischen Kunstgeschichte und nicht nur dort eine gewisse Rolle spielt. Und nat\u00fcrlich auch im Werk von Peter Buggenhouts Frau. Was seine Skulpturen nicht weniger gro\u00dfartig macht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Sonne scheint an diesem Vormittag und zeigt \u2013 zum ersten Mal in diesem Jahr \u2013 ihre w\u00e4rmende Kraft. Wenn das erst einmal so bleibt, aber ganz sicher nicht nur dann, lohnt sich in diesen vor\u00f6sterlichen Tagen des Fr\u00fchjahrs der Ausflug in Tony Craggs Skulpturenpark Waldfrieden zu Peter Buggenhouts &#8222;abject things&#8220;. Unbedingt.<\/p>\n\n\n\n<hr style=\"--wb-separator-margin-top:0px;--wb-separator-margin-bottom:0px\" class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Peter Buggenhout, <s>umleitung<\/s>, 8. M\u00e4rz &#8211; 10. August im <a href=\"https:\/\/skulpturenpark-waldfrieden.de\/\">Skulpturenpark Waldfrieden<\/a> in Wuppertal<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Skulpturenpark Waldfrieden zeigt neun Arbeiten des belgischen Bildhauers Peter Buggenhout. Wenn man Gelegenheit hat, Peter Buggenhout zu beobachten, entsteht der Eindruck, dass er ein eher ruhiger Mensch ist. 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