{"id":2349,"date":"2025-03-11T17:16:40","date_gmt":"2025-03-11T16:16:40","guid":{"rendered":"https:\/\/on-art.news\/?p=7963"},"modified":"2026-08-14T22:00:01","modified_gmt":"2026-08-14T20:00:01","slug":"tata-ronkholz-gestaltete-welt-eine-retrospektive","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/on-art.news\/en\/2025\/03\/11\/tata-ronkholz-gestaltete-welt-eine-retrospektive\/","title":{"rendered":"Tata Ronkholz \u2013 Gestaltete Welt. Eine Retrospektive."},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Eine Ausstellung der Photographischen Sammlung\/SK Stiftung Kultur in Zusammenarbeit mit VAN HAM Art Estate und dem Stadtmuseum D\u00fcsseldorf.<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit einer ersten Retrospektive ehren wir das Werkschaffen der Photographin, Produktdesignerin und Innenarchitektin Tata Ronkholz (*1940 in Krefeld, \u20201997 H\u00fcrth-Kendenich), geb. Maria Juliana Roswitha T\u00f6lle. Sie z\u00e4hlt zu den fr\u00fchen Studierenden der Klasse von Bernd Becher an der Kunstakademie D\u00fcsseldorf. Zu ihren Mitstudierenden z\u00e4hlten u. a. so renommierte K\u00fcnstlerInnen wie Candida H\u00f6fer, Axel H\u00fctte, Thomas Ruff, Thomas Struth und Petra Wunderlich. Ronkholz&#8216; Nachlass, der 2011 von VAN HAM Art Estate, K\u00f6ln, erworben wurde, bildet neben den Best\u00e4nden des Stadtmuseum D\u00fcsseldorf die Basis der Ausstellung. Auch aus den hauseigenen Best\u00e4nden der Photographischen Sammlung\/SK Stiftung Kultur sowie von weiteren LeihgeberInnen ist Bemerkenswertes beigesteuert worden. Die Retrospektive findet in der Photographischen Sammlung mit dem hier verorteten Bernd und Hilla Becher Archiv ihren stilistisch passenden Bezugsrahmen. Methodisch, so l\u00e4sst sich gut nachvollziehen, stehen die Arbeiten von Tata Ronkholz in Tradition der sachlich dokumentarischen Photographie. Mit ihrer Gro\u00dfbildkamera hat sie klar durchgezeichnete und wirklichkeitsgetreue Photographien geschaffen, deren Motive, weniger aber die Handschrift der Bildautorin, zentral im Mittelpunkt stehen. Die Umsetzung ihrer Arbeiten in Schwarz-Wei\u00df \u00fcberwiegt, obwohl auch Ansichten in Farbe vorkommen, die ihre Ambitionen belegen, Anschluss an die in Deutschland in den 1970er\/80er Jahren aufkommende k\u00fcnstlerische Farbphotographie zu finden. Ein Vorhaben, das aus finanziellen Gr\u00fcnden nicht in Erf\u00fcllung ging.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"774\" data-id=\"1332\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/PS-2024-BB-006-1024x774.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1332\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/PS-2024-BB-006-1024x774.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/PS-2024-BB-006-300x227.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/PS-2024-BB-006-768x581.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/PS-2024-BB-006-1536x1161.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/PS-2024-BB-006-2048x1549.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"774\" data-id=\"1333\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/PSL-2003-TR-5-Presse-1024x774.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1333\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/PSL-2003-TR-5-Presse-1024x774.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/PSL-2003-TR-5-Presse-300x227.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/PSL-2003-TR-5-Presse-768x580.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/PSL-2003-TR-5-Presse-1536x1160.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/PSL-2003-TR-5-Presse-2048x1547.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\"><strong>Links<\/strong>: Tata Ronkholz, Imbissstube K\u00f6ln-M\u00fclheim, Berliner Stra\u00dfe 120, 1979. \u00a9 VAN HAM Art Estate: Tata Ronkholz, 2025. <strong>Rechts<\/strong>: Tata Ronkholz: Trinkhalle, D\u00fcsseldorf, Sankt-Franziskus-Stra\u00dfe 107, 1977. \u00a9 VAN HAM Art Estate: Tata Ronkholz, 2025.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bekannt wurde Tata Ronkholz durch ihre ansprechende Serie von Kiosken und Trinkhallen sowie kleineren Gesch\u00e4ften als typische Momente einer urbanen Alltagskultur. Aufgenommen wurden diese zwischen 1977 und 1985 insbesondere in Stadtteilen von K\u00f6ln und D\u00fcsseldorf, im Ruhrgebiet, ebenso wie in Leverkusen und Krefeld. Dabei ist etwa die Trinkhalle in K\u00f6ln-Nippes mit Eis- und Zeitungsreklame, mit Kaugummi- und Zigarettenautomaten bei aller schn\u00f6rkellos n\u00fcchtern ins Bild gesetzten Darstellungsweise genauso am\u00fcsant und einnehmend anzuschauen wie die Boutique in K\u00f6ln-M\u00fclheim, Berliner Stra\u00dfe 120, wo es neben Kleidern laut Ladenschild auch ein Angebot an &#8222;Dritte Welt-Schallplatten&#8220; gab. Viele Details sind in den Ansichten ablesbar, die das eigene Lebensumfeld oder eigene Vorlieben ins Ged\u00e4chtnis rufen, so vielleicht den Einkauf im t\u00fcrkischen Lebensmittelgesch\u00e4ft oder den Eisbecher im Eiscaf\u00e9 Fortuna.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Durchaus nehmen uns die von Ronkholz festgehaltenen Ansichten kleiner Gesch\u00e4fte mit auf eine Zeitreise in die f\u00fcr viele nicht allzu ferne Vergangenheit und lassen anschaulich erfahren, dass sich nicht allein die Warenangebote und die Dimension der Betriebe ver\u00e4ndert haben, sondern auch die Art der Dekoration, der Auslagen und der Bewerbung samt den verwendeten Schriften und Emblemen. Allerdings treffen wir auch auf Orte, die nach \u00fcber 40 Jahren sich selbst treu geblieben sind. Es lohnt sich, den Titelangaben, in denen Tata Ronkholz auch Stra\u00dfennamen notierte, nachzugehen, um den baulichen und betrieblichen Ver\u00e4nderungen im Vergleich zu heute nachzusp\u00fcren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dennoch, es war kein sentimentaler Gedanke, der die Photographin zu diesen Aufnahmen antrieb, wie sie 1991 erkl\u00e4rte: &#8222;Ausgangspunkt war f\u00fcr mich nicht die Nostalgie, sondern die Gegenw\u00e4rtigkeit von Dingen, die sich in der unteren Zone der Kaninchenstall-Architektur abspielt. [&#8230;] ich f\u00fchlte mich zum Alltag hingezogen. Ich wollte das B\u00fcdchen um die Ecke in seiner ganzen Liebensw\u00fcrdigkeit zeigen.&#8220;<sup data-fn=\"1258d29d-f87d-43b9-ab3e-f2e7cce8edb4\" class=\"fn\"><a href=\"#1258d29d-f87d-43b9-ab3e-f2e7cce8edb4\" id=\"1258d29d-f87d-43b9-ab3e-f2e7cce8edb4-link\">1<\/a><\/sup> Es war also gewisserma\u00dfen eher die Auseinandersetzung damit, dass sich in der Ausgestaltung der Kioske und Gesch\u00e4fte immer auch das pers\u00f6nliche Interesse und Geschmacksempfinden der Besitzer spiegelt und so in den st\u00e4dtischen Raum weist. Einerseits sind es also die Anspr\u00fcche der Kundschaft, die das Warenangebot bestimmen, andererseits obliegt deren Pr\u00e4sentation \u00fcber die Zweckm\u00e4\u00dfigkeit hinaus der individuellen Auffassung der Ladenbesitzer. So gesehen begegnen wir in den Bildern von Tata Ronkholz einer anschaulichen Grundlage f\u00fcr eine soziologische Untersuchung der eigenen Spezies, die auf gesellschaftlich wichtige Fragen zur\u00fcckgeht: Welche Bed\u00fcrfnisse hatten und haben wir? Was brauchten und brauchen wir zum Leben? Wie gestalten wir unser Umfeld? Welche Funktion \u00fcbernehmen Bilder?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine weitere eingangs der Ausstellung gezeigte Serie befasst sich mit unterschiedlichen Industrietoren in ihrem gewerblichen Umfeld \u2013 ein Motivkreis, der ebenso 1977 begonnen und von 1982 bis 1985 fortgesetzt wurde. Auch die Tore bedeuten im Arbeitsalltag vieler Menschen Normalit\u00e4t, im Bild gefasst, verm\u00f6gen sie zudem oft \u00fcbersehene Besonderheiten zur Wirkung zu bringen. Wie verschieden strukturierte Vorh\u00e4nge h\u00e4ngen sich die Tore gewisserma\u00dfen zwischen zwei Lebenswirklichkeiten, zwischen das Drinnen und Drau\u00dfen und separieren das Dazugeh\u00f6rige und das Ausgeschlossene. Sie sch\u00fctzen und wehren ab. Sie dienen als klare Signale f\u00fcr eine territoriale Abgrenzung, doch zugleich gew\u00e4hren sie durch ihr Gest\u00e4nge, ihre Gitter oder st\u00e4hlernen Netzwerke meist den Blick hindurch und lassen den Betrachtenden \u00fcber das dahinterliegende Areal Mutma\u00dfungen anstellen. Dass Tata Ronkholz f\u00fcr diese Art von Photographien Schwarz-Wei\u00df-Material nutzte, kommt der graphischen Bildwirkung bis fast zur Abstraktion zugute.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein weiteres photographisches Projekt gilt dem Rheinhafen D\u00fcsseldorf. Im Jahr 1979 begann Ronkholz gemeinsam mit dem K\u00fcnstler und damaligen Kommilitonen Thomas Struth eine Dokumentation \u00fcber den historischen Rheinhafen D\u00fcsseldorf. Zu ihren Pl\u00e4nen schrieben beide: &#8222;Aus Anlass der bevorstehenden Ver\u00e4nderung im Gebiet des D\u00fcsseldorfer Hafens entstand Anfang des Jahres der Plan, eine ausf\u00fchrliche photographische Dokumentation dieses Stadtteils anzulegen. Aus stadtgeschichtlichen Gr\u00fcnden erscheint uns diese Arbeit als \u00fcberaus wichtig. Der Hafen ist in seiner formal und funktional homogenen Situation eines der sch\u00f6nsten Beispiele D\u00fcsseldorfer Industriearchitektur. Au\u00dferdem liegt nach unserer Kenntnis kein ausf\u00fchrliches Bildmaterial \u00fcber diese Anlage vor, das in sp\u00e4teren Jahren f\u00fcr eine angemessene Aufarbeitung verwendet werden k\u00f6nnte. In systematischer Weise soll eine umfassende Darstellung der gesamten Hafenanlage, ihrer einzelnen Geb\u00e4ude in Innen- und Au\u00dfenansichten und die Vielzahl technischer Ger\u00e4te und Details gegeben werden.&#8220;<a id=\"sdfootnote2anc\" href=\"#sdfootnote2sym\"><sup>2<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die bevorstehende Umgestaltung des Hafengebiets, die Thomas Struth ausgehend von seinem nah gelegenen Atelier durch beginnende Bauarbeiten t\u00e4glich zu sp\u00fcren bekam, gab damals den Impuls zu dieser Werkreihe. Es entstanden einmalige Aufnahmen von historischen Geb\u00e4uden, Silos, B\u00fcrobauten, M\u00fchlenbetrieben, von im Inneren gelegenen technischen Anlagen oder auch Krankonstruktionen. Insgesamt steht von beiden mit kritischer Haltung erarbeitete Dokumentation \u00fcber den D\u00fcsseldorfer Rheinhafen beispielhaft f\u00fcr die komplexe Thematik st\u00e4dtischer Umgestaltungen auch an anderen Orten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine \u00dcberraschung werden zudem Einblicke in fr\u00fche Arbeiten von Ronkholz als freischaffende Produktdesignerin sein. Zwischen 1961 und 1965 hatte sie ein Studium an der Werkkunstschule Krefeld mit dem Schwerpunkt Ausbau und M\u00f6belentwurf absolviert und zwischen 1966 und 1977 arbeitete sie als freischaffende Produktdesignerin. Als solche entwarf sie f\u00fcr das Leverkusener Einrichtungshaus <em>habit<\/em> strenge geometrisch geformte M\u00f6bel, seien es Sitzelemente oder B\u00fcroausstattungen oder etwa besondere Designer-Leuchten. 1971 entstand beispielsweise in Zusammenarbeit mit dem K\u00fcnstler Adolf Luther (1912\u20131990) eine sogenannte <em>Sph\u00e4rische Leuchte<\/em> mit konvexem Glaselement. Auch eine pr\u00e4zise Architekturzeichnung f\u00fcr ein Haus f\u00fcr eine Photographin ist erhalten \u2013 vermutlich ein Wunschhaus f\u00fcr Tata Ronkholz selbst. Schlie\u00dflich zeigt die Retrospektive erstmals fr\u00fche Photographien von Bauformen, entstanden 1975\/76 in Italien und Frankreich. Auch in diesen zeigt sich ihre starke Affinit\u00e4t zu Aspekten der gestalteten Welt in unterschiedlichen Lebensbereichen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zur Ausstellung erscheint das Katalogbuch: &#8222;Tata Ronkholz: <em>Gestaltete Welt. Eine Retrospektive<\/em>&#8220; im Schirmer\/Mosel Verlag (d\/e) mit Texten von Gabriele Conrath-Scholl\/Christoph Danelzik-Br\u00fcggemann\/Renate Goldmann, Stefan Gronert, Barbara Hofmann-Johnson, Cennet Maggiarosa, Julia Reich und Clemens Scheuermann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Ausstellung wird gef\u00f6rdert von der Landeshauptstadt D\u00fcsseldorf und von VAN HAM, K\u00f6ln.<\/p>\n\n\n\n<hr style=\"--wb-separator-margin-top:0px;--wb-separator-margin-bottom:0px\" class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a id=\"sdfootnote1sym\" href=\"#sdfootnote1anc\">1<\/a> Zit. nach Helga Meister: <em>Fotografie in D\u00fcsseldorf: Die Szene im Profil<\/em>, D\u00fcsseldorf 1991, S. 193.<br><a id=\"sdfootnote2sym\" href=\"#sdfootnote2anc\">2<\/a> Dokument VAN HAM Art Estate, K\u00f6ln<\/p>\n\n\n\n<hr style=\"--wb-separator-margin-top:0px;--wb-separator-margin-bottom:0px\" class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br><strong>Die SK Stiftung Kultur zeigt die Ausstellung &#8222;Tata Ronkholz&#8220; vom 14. M\u00e4rz bis 13. Juli 2025 (Er\u00f6ffnung 13. M\u00e4rz, 19.00 Uhr)<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Ausstellung der Photographischen Sammlung\/SK Stiftung Kultur in Zusammenarbeit mit VAN HAM Art Estate und dem Stadtmuseum D\u00fcsseldorf. Mit einer ersten Retrospektive ehren wir das Werkschaffen der Photographin, Produktdesignerin und Innenarchitektin Tata Ronkholz (*1940 in Krefeld, \u20201997 H\u00fcrth-Kendenich), geb. Maria Juliana Roswitha T\u00f6lle. 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