{"id":2362,"date":"2025-04-02T21:13:36","date_gmt":"2025-04-02T19:13:36","guid":{"rendered":"https:\/\/on-art.news\/?p=8298"},"modified":"2026-08-14T22:00:04","modified_gmt":"2026-08-14T20:00:04","slug":"idee-konkret-neu-gedacht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/on-art.news\/en\/2025\/04\/02\/idee-konkret-neu-gedacht\/","title":{"rendered":"Idee Konkret neu gedacht"},"content":{"rendered":"<h3 class=\"wp-block-heading\">20 internationale weibliche Positionen zeigen im Kunstmuseum Ahlen die Bandbreite zeitgen\u00f6ssischer Konkreter Kunst<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Beinah exakt 100 Jahre ist es her, dass Theo van Doesburg erstmalig seine Kunst als konkret beschrieb. Ein wenig sp\u00e4ter im Jahr 1930 legte er folgend sein Manifest anl\u00e4sslich der Gr\u00fcndung der K\u00fcnstlergruppe &#8222;Art concrete&#8220; nieder. In seinem Versuch, die Entwicklungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts begrifflich zu fassen, schrieb er die vermeintlichen Parameter Konkreter Kunst fest. So solle diese frei von Bez\u00fcgen zur &#8222;Formenwelt der sichtbaren Erscheinungen&#8220; sein, eine geometrisch-mathematisch fundierte Bildsprache aufweisen und ohne sichtbare k\u00fcnstlerische Handschrift auskommen. Ihren Anfang nahm die gegenstandsfreie Kunst bereits zuvor in Bewegungen wie Suprematismus, Bauhaus oder De Stijl. Darauf aufbauend entwickelte sich abseits der damals gro\u00dfen k\u00fcnstlerischen Zentren die Konkrete Kunst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seitdem ist viel passiert. Das Kunstmuseum Ahlen wagt nun derzeit mit 20 internationalen weiblichen Positionen anhand der Ausstellung &#8222;Konkrete Frauen. Neue R\u00e4ume&#8220; eine Bestandsaufnahme. Das Museum argumentiert im Vorwort des begleitend erschienenen Katalogs, dass zeitgen\u00f6ssische K\u00fcnstlerinnen im Vergleich zu ihren m\u00e4nnlichen Kollegen in Ausstellungen und Sammlungen noch immer unterrepr\u00e4sentiert sind, auch in der eigenen Sammlung. Besonders h\u00e4tte sich dies innerhalb der vergangenen Ausgaben des Zusammenschlusses &#8222;Hellweg Konkret&#8220; gezeigt. Museumsdirektorin Martina Padberg erz\u00e4hlt: &#8222;Wir haben uns die alten Hellweg-Ausstellungen angeschaut und festgestellt, dass diese aus mindestens 80 Prozent m\u00e4nnlichen Positionen bestanden. Frauen spielten so gut wie keine Rolle&#8220;. So konnte der falsche Eindruck entstehen, dass Konkrete Kunst ein m\u00e4nnliches Metier sei. Folglich entschied das Museum, den &#8222;Konkreten Frauen&#8220; ihren l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4lligen Raum zu verschaffen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Neue R\u00e4ume bei Hellweg Konkret<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die von Anna Luise von Campe kuratierte Ausstellung ist Teil von &#8222;Hellweg Konkret III&#8220;, ein Zusammenschluss von zehn Institutionen zwischen Unna und Arnsberg. \u00dcberall am Hellweg lassen sich Sammlungsbest\u00e4nde Konkreter Kunst finden. So entschied man, sich f\u00fcr mehr \u00d6ffentlichkeitswirksamkeit zusammenzutun, die Kr\u00e4fte zu b\u00fcndeln und den Blick auch in die Gebiete abseits der gro\u00dfen St\u00e4dte in NRW zu lenken. Konkrete Kunst hat sich auch in Ahlen in die Sammlungsbest\u00e4nde eingeschrieben berichtet Padberg: &#8222;Wir haben 2023 zus\u00e4tzlich die Sammlung Speth-Lage mit 180 Arbeiten zur Konkreten Kunst als gro\u00dfz\u00fcgige Schenkung erhalten&#8220;. Nach regionalen und historischen Positionen richtet sich der Blick am Hellweg nun auf das leitende Thema &#8222;Raum&#8220;, unter welchem vom Land gef\u00f6rdert zwischen Fr\u00fchjahr 2024 und Herbst 2025 zahlreiche Ausstellungen stattfinden. Im Kunstmuseum Ahlen ist der Raum nicht unbedingt physisch zu verstehen, obwohl in jedem kabinettartigen Ausstellungsraum ein ganz anderer Eindruck entsteht, die K\u00fcnstlerinnen teils ortsspezifisch arbeiten. Neben der Erzeugung von bestimmter Raumwirkung versteht die Schau Raum mehr im sozialen Sinne, l\u00e4sst Frauen neue R\u00e4ume im Kunstbetrieb erobern.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"721\" height=\"1024\" data-id=\"1397\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/KMA_Speth-Lage_Nemours_Aurelie-721x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1397\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/KMA_Speth-Lage_Nemours_Aurelie-721x1024.jpg 721w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/KMA_Speth-Lage_Nemours_Aurelie-211x300.jpg 211w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/KMA_Speth-Lage_Nemours_Aurelie-768x1091.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/KMA_Speth-Lage_Nemours_Aurelie-1081x1536.jpg 1081w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/KMA_Speth-Lage_Nemours_Aurelie-1442x2048.jpg 1442w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/KMA_Speth-Lage_Nemours_Aurelie-scaled.jpg 1802w\" sizes=\"(max-width: 721px) 100vw, 721px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"1024\" data-id=\"1398\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/KMA_Speth-Lage_Prantl_Miriam-1024x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1398\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/KMA_Speth-Lage_Prantl_Miriam-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/KMA_Speth-Lage_Prantl_Miriam-300x300.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/KMA_Speth-Lage_Prantl_Miriam-150x150.jpg 150w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/KMA_Speth-Lage_Prantl_Miriam-768x768.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/KMA_Speth-Lage_Prantl_Miriam-1536x1536.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/KMA_Speth-Lage_Prantl_Miriam-2048x2048.jpg 2048w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/KMA_Speth-Lage_Prantl_Miriam-100x100.jpg 100w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\">Zwei Arbeiten aus der Sammlung Speth-Lage, die das Kunstmuseum Ahlen als Schenkung erhalten hat. <strong>Links<\/strong>: Aur\u00e9lie Nemours, o. T., 1981\/87. Aquatinta auf B\u00fctten, 76 \u00d7 56,5 cm. <strong>Right<\/strong>: Miriam Prantl, Lichtfeld S 1, 2015. Aluminium, Plexiglas, 4 LED-Linienleuchten, Steuerung, 38 \u00d7 38 \u00d7 6 cm.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei jeder Ausgabe von &#8222;Hellweg Konkret&#8220; schwingt immerzu eine Frage mit: Ist Konkrete Kunst heute noch zeitgem\u00e4\u00df? Zumindest hat sie zahlreiche Todsagungen \u00fcberlebt und dient trotz allerlei verschiedener Begrifflichkeiten in der zeitgen\u00f6ssischen Kunst wiederkehrend als Bezugspunkt. Denn Konkrete Kunst kann beispielsweise auch als &#8222;konstruktiv&#8220; oder &#8222;geometrische Abstraktion&#8220; daherkommen. Wie aktuell Konkrete Kunst heute noch ist, zeigte sich nicht zuletzt anhand eines ganzen Raumes in der Hauptausstellung der 60. Biennale von Venedig \u2013 trotz Verzicht auf feste Begrifflichkeiten. Tobias Hoffmann schlug 2012 &#8222;Idee Konkret&#8220; als Oberbegriff im Sinne einer ideengeschichtlichen Entwicklung vor. Eine Begrifflichkeit, die sich in der aktuellen Ausstellung in Ahlen als besonders treffend erweist.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Der Gegenstand gegenstandsfreier Kunst<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser ideengeschichtliche Ansatz wird bei der in Italien geborenen K\u00fcnstlerin Esther Stocker besonders konkret. Eigent\u00fcmliche Strukturen wachsen auf Boden, an W\u00e4nden und Decke. Sie muten wie Schw\u00e4mme oder Pilze an, k\u00f6nnten gleichsam an gekn\u00fclltes Papier erinnern. Solches, das nach dem Verwerfen einer Idee im Papierkorb landet. Geometrische Muster sind auf den verdichteten Strukturen aus PVC-Folie auf Holz zu erkennen. Das vermeintlich Fehlerhafte wird hier in eine neue Ordnung versetzt. Stehen die verworfenen, aber noch sichtbaren Muster stellvertretend f\u00fcr die Idee Konkret? Stocker beschreibt Ordnung selbst als Vehikel, um sich der Unordnung anzun\u00e4hern. Ihre r\u00e4umliche Auseinandersetzung bildet den bewusst gew\u00e4hlten Auftakt der Ausstellung.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-2 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large w3\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"966\" height=\"1024\" data-id=\"1399\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/KMA_KonkreteFrauen_Stocker_Esther-966x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1399\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/KMA_KonkreteFrauen_Stocker_Esther-966x1024.jpg 966w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/KMA_KonkreteFrauen_Stocker_Esther-283x300.jpg 283w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/KMA_KonkreteFrauen_Stocker_Esther-768x814.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/KMA_KonkreteFrauen_Stocker_Esther-1449x1536.jpg 1449w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/KMA_KonkreteFrauen_Stocker_Esther-1932x2048.jpg 1932w\" sizes=\"(max-width: 966px) 100vw, 966px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\">Esther Stocker, Planeten und Gedanken, 2025. Skulptur, bedruckte PVC-Folie, Holzunterkonstruktion. Foto: Markus Gradwohl. \u00a9 VG Bild-Kunst, Bonn 2025.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wo bei Stocker formal Bez\u00fcge zur gegenst\u00e4ndlichen Welt auszumachen sind, ergeben sich bei der in Schweden geborenen Ann Edholm inhaltliche Verweise. Rot und schwarz greifen scharfe Spitzen ineinander, sind farblich exakt voneinander abgegrenzt und drohen doch an manchen Stellen vor dem Auge zu verschwimmen. Es scheint, als w\u00fcrde rote Farbe dickfl\u00fcssig wie Blut \u00fcber schwarzen Grund laufen und seltsam regelm\u00e4\u00dfige Spitzen ausbilden. Die Arbeit ist Teil einer 2011 begonnenen Werkreihe, die nicht zuf\u00e4llig die Farbigkeit der NS-Zeit aufgreift. Denn die Serie entstand in der Besch\u00e4ftigung mit der Publikation &#8222;Bilder trotz allem&#8220; von Georges Didi-Huberman aus dem Jahr 2007, welche die Undarstellbarkeit des Holocaust hinterfragte. Edholm fand in gegenstandsloser Kunst eine Antwort auf die Debatte rund um nicht darstellbares Grauen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die in Ahlen gezeigte Arbeit nimmt trotz ihrer vordergr\u00fcndigen Gegenstandslosigkeit ganz explizit Bezug auf ein Gedicht von Paul Celan. Das Unfassbare, die bedr\u00fcckende Atmosph\u00e4re des Gedichts \u00fcbertr\u00e4gt sich nur anhand der dargestellten Spitzen. Scharf wie Klingen durchschneiden sie den Bildgrund, erinnern an eine im Gedicht beschriebene Armee aus B\u00e4umen, veranschaulichen welch Bedrohung der scheinbaren Perfektion innewohnen kann. Schwerlich Ahnbares schw\u00e4rt unter der Oberfl\u00e4che und verbleibt gleichsam in der Schwebe. Der Anschein von Perfektion bricht, sobald von der Seite betrachtet unkontrollierte Farbspritzer ins Blickfeld r\u00fccken.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped w3 wp-block-gallery-3 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"1024\" data-id=\"1400\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/KMA_KonkreteFrauen_Hassani_Toulu-800x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1400\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/KMA_KonkreteFrauen_Hassani_Toulu-800x1024.jpg 800w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/KMA_KonkreteFrauen_Hassani_Toulu-234x300.jpg 234w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/KMA_KonkreteFrauen_Hassani_Toulu-768x983.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/KMA_KonkreteFrauen_Hassani_Toulu-1201x1536.jpg 1201w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/KMA_KonkreteFrauen_Hassani_Toulu-1601x2048.jpg 1601w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/KMA_KonkreteFrauen_Hassani_Toulu.jpg 1689w\" sizes=\"(max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"879\" height=\"1024\" data-id=\"1401\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/KMA_KonkreteFrauen_Werres_Birgit-879x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1401\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/KMA_KonkreteFrauen_Werres_Birgit-879x1024.jpg 879w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/KMA_KonkreteFrauen_Werres_Birgit-258x300.jpg 258w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/KMA_KonkreteFrauen_Werres_Birgit-768x895.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/KMA_KonkreteFrauen_Werres_Birgit-1318x1536.jpg 1318w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/KMA_KonkreteFrauen_Werres_Birgit-1758x2048.jpg 1758w\" sizes=\"(max-width: 879px) 100vw, 879px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\"><strong>Links<\/strong>: Toulu Hassani, o. T., 2018. Feinminenstift und \u00d6l auf Leinwand, 50 x 39 cm. Courtesy: Petra Rinck Galerie, D\u00fcsseldorf, Courtesy: Galerie R\u00fcdiger Sch\u00f6ttle, M\u00fcnchen. Foto: Volker Crone, K\u00f6ln. <strong>Right<\/strong>: Birgit Werres, o. T., #2\/24, 2024. Kunststoff, 49 \u00d7 38 \u00d7 33 cm. Courtesy: Galerie Wilma Tolksdorf, Frankfurt und Courtesy Galerie Anke Schmidt, K\u00f6ln. VG Bild-Kunst, Bonn, 2025.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Minimalismus<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kuratorin Von Campe fasst pro Raum zumeist zwei Positionen unter je einem Oberbegriff zusammen. So werden die organischen Formen von Elisa Alberti mit Karin Radoy kombiniert, die beide in ihrer reduzierten Bildsprache dem Minimalismus nahestehen. Radoys Objekte erregen in der genauen Betrachtung besondere Aufmerksamkeit. Stets als Doppelformen angelegte monochrome Wandobjekte dehnen sich mittels lasierend geschichteter Farbe plastisch in den Raum aus. Obwohl unter selbiger Pr\u00e4misse geschaffen \u2013 zwei spiegel- oder punktsymmetrisch zueinander geh\u00e4ngte K\u00f6rper \u2013 entwickeln sich beide Objekte aufgrund unterschiedlicher Ausrichtung der Oberfl\u00e4chen unabh\u00e4ngig voneinander. Von der Seite aus betrachtet lassen sich die heterogen angelegten Schr\u00e4gen und die unterschiedlichen Kippmomente am besten wahrnehmen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Licht als Werkstoff<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht immer sind die Positionen als Duo angelegt, sondern zuweilen auch als Trio oder einzeln wie bei Stocker. \u00c4hnlich raumgreifend wie letztere arbeitet Antje Blumenstein. Sie nimmt sich der Besonderheit des spezifischen Ortes an, kommt ihr doch im polygonalen, sogenannten &#8222;Kapellchen&#8220; mit Mosaikboden ein besonderer Platz zu. Blumenstein nimmt eine minimal anmutende, aber weitreichende \u00c4nderung des Raumgef\u00fcges vor: Die verglaste Eingangst\u00fcr wurde von der K\u00fcnstlerin durch farbiges Acrylglas ersetzt, welches das Au\u00dfen ins Innen dringen l\u00e4sst. In der Mitte des fr\u00fcheren Eingangsbereichs finden sich zudem weitere Acrylglasplatten in luminiszenter Farbgebung. Das einfallende Licht l\u00e4sst sie wie von innen heraus strahlen und bringt ihre Kanten zum Gl\u00fchen, sodass sie gleich Linien den Raum durchschneiden. Das durch Tageszeit und Wetter alternierende Licht wird spielerischer Bestandteil der Arbeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Licht spielt weniger direkt, aber implizit auch in den Arbeiten der Schweizerin Anne Blanchet eine entscheidende Rolle. Der Titel der plastischen Wandobjekte &#8222;Light Drawings&#8220; gibt bereits Aufschluss \u00fcber ihre k\u00fcnstlerische Praxis. Mittels skulpturaler Ausformungen erzeugt sie gezielt Licht- und Schattenlinien, die wie zeichnerische Interventionen wirken. Ihr gelingt es, mit h\u00f6chst m\u00f6glicher Reduktion und anhand einfacher physikalischer Ph\u00e4nomene \u00fcberraschende Bildstrukturen hervorzubringen. Weniger offensichtlich operiert ebenfalls K\u00fcnstlerin Julia Schewalie aus Kasachstan mit dem Faktor Licht. So bricht das einfallende Tageslicht mit der seriellen Ordnung vermeintlich banaler Alltagsmaterialien. Exakt vermessene St\u00fccke Seife, Solarpaneele oder Graphitfolie auf Holz wirken aus der Ferne wie Metall oder Keramik, entpuppen sich erst bei genauerem Hinsehen und Studium des Titels als profane Gegenst\u00e4nde. Unterschiede zwischen den einzelnen Bestandteilen lassen sich anhand des einfallenden Lichts auf der polierten Oberfl\u00e4che ausmachen, indem die scheinbar monochromen Fl\u00e4chen in allen Farben zu schimmern beginnen. Die strenge Ordnung dient Schewalie zur Sichtbarmachung feiner Unterschiede.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Grenzbereiche der Konkreten Kunst<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Ausstellung beleuchtet neben der Arbeit mit Licht weitere Grenzbereiche der Konkreten Kunst. \u00dcberschneidungen mit Design finden sich zum Beispiel bei Claudia Wieser. \u00c4hnlich einer Bar ist mittig im Raum eine mit handbemalten Fliesen bedeckte h\u00f6lzerne Unterkonstruktion platziert. Diese wird von wie Vasen anmutenden Skulpturen bev\u00f6lkert. Die schlanken, klaren, geometrischen Formen aus leuchtenden Farben auf Holz erinnern an die Formsprache des Art d\u00e9co. Die \u00fcberl\u00e4ngten Skulpturen k\u00f6nnten aber auch Figuren aus Oskar Schlemmers triadischem Ballett sein. Wieser hat keine Ber\u00fchrungs\u00e4ngste mit angewandter Kunst, stellte 2023\/24 mit Yves Saint Laurent aus. Vielleicht liegt ihre Offenheit darin begr\u00fcndet, dass sie ausgebildete Kunstschmiedin ist und im Kulissenbau f\u00fcr den Film arbeitete. Erg\u00e4nzend bedecken schwarz-wei\u00dfe Jacquardtapisserien die W\u00e4nde, aus denen zuweilen figurative Motive, sinnliche Gesichter, aufblitzen. Der von ihr gestaltete Raum ist fast b\u00fchnenhaft inszeniert. Damit kn\u00fcpft sie an die Historie der Konkreten Kunst insofern an, als dass auch Van Doesburg als Mitbegr\u00fcnder von De Stijl und Lehrer am Bauhaus dem Design nicht abgewandt war.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-4 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large w3\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"682\" data-id=\"1402\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/KMA_KonkreteFrauen_Valde\u00b4s_Amalia-1024x682.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1402\" title=\"\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/KMA_KonkreteFrauen_Valde\u00b4s_Amalia-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/KMA_KonkreteFrauen_Valde\u00b4s_Amalia-300x200.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/KMA_KonkreteFrauen_Valde\u00b4s_Amalia-768x512.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/KMA_KonkreteFrauen_Valde\u00b4s_Amalia-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/KMA_KonkreteFrauen_Valde\u00b4s_Amalia-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\">Amalia Vald\u00e9s, Fantasy, 2024. Papier, Acrylfarbe und \u00d6l auf Leinwand, 230 x 510 cm. Foto: Nicol\u00e1s Rupcich, Berlin.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Drei der pr\u00e4sentierten Positionen arbeiten zudem mit Textil als Werkstoff. Haleh Redjaian zeigt handgearbeitete kleine Wandteppiche, gefertigt im S\u00fcdiran. Sie verbindet persische Ornamentik und iranisches Kunsthandwerk mit westlichen Einfl\u00fcssen. Susan Morris aus England \u00fcberf\u00fchrt komplexe Datens\u00e4tze wie Schlaf-Wach-Muster in den automatisierten Prozess der Weberei, schafft gro\u00dfformatige Jacquardteppiche. Sie hinterfragt, ob Technologien uns tats\u00e4chlich mehr Zeit verschaffen oder doch eher Zeitfresser sind. Des Weiteren bespielen &#8222;Stoffskizzen&#8220; der K\u00fcnstlerin Alke Reeh die W\u00e4nde des Treppenhauses. Als Variationen von Kreisen weisen sie anhand herunterh\u00e4ngender F\u00e4den Spuren der k\u00fcnstlerischen Hand auf. Gleich einem Gewebe sind dagegen die Arbeiten der iranischen K\u00fcnstlerin Toulu Hassani gemalt und gezeichnet. Neugierige m\u00f6gen kaum glauben, dass die vor dem Auge flimmernden Muster mit der Hand entstanden sind. Schnell l\u00e4sst es sich in der Betrachtung verlieren, ergeben sich faszinierende optische Effekte, innerhalb derer die innerbildliche R\u00e4umlichkeit st\u00e4ndig variiert. Die britische K\u00fcnstlerin Belinda Cadbury arbeitet mit \u00e4hnlicher Pr\u00e4zision, indem sie eine wandf\u00fcllende Zeichnung mit einem Graphitstift im letzten Raum erschafft. Mittels Stichen in unterschiedlicher St\u00e4rke ergibt sich ein dichtes Liniengewebe, das drei mal sechs Meter misst und aus variantenreichen Graustufen konstruiert ist.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Konkrete Kunst als globales Ph\u00e4nomen<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Autorin und Kuratorin Luisa Heese legt in ihrem f\u00fcr die Publikation der Ausstellung entstandenen Text schl\u00fcssig nieder, welches Potenzial abseits kanonisierter Erz\u00e4hlungen in der Konkreten Kunst schlummert. Bisher wenig betrachtet wurde Konkrete Kunst als globales Ph\u00e4nomen, das sich an unterschiedlichen Orten der Welt parallel entwickelte. Aus historischer Perspektive ist Joaquin Torres-Garc\u00eda ein Beispiel f\u00fcr die wenig reproduzierte Geschichte Konkreter Kunst in S\u00fcdamerika. Dieser lehnte die formale Orthodoxie Van Doesburgs ab, entwickelte einen konstruktivistischen Universalismus und gr\u00fcndete eine Schule in Uruguay. S\u00fcdamerika ist auch aus heutiger Perspektive in der Ausstellung relevant. Redjaian orientiert sich beispielsweise nach eigener Aussage an der konkreten und neo-konkreten Bewegung in S\u00fcdamerika, welche die Wahrnehmung des Raumes mehr als die strikte geometrische Form in den Fokus r\u00fcckt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Amalia Vald\u00e9s stammt selbst aus Chile und zeigt eine f\u00fcnf Meter lange Wandinstallation aus Holzgittern. Aus verschachtelten Dreiecken ergibt sich ein h\u00f6lzernes Gitter, das einer Netzstruktur gleicht. Die unterschiedlich gro\u00dfen Leinw\u00e4nde k\u00f6nnen modular angeordnet werden und bilden ein variables Bildtableau. Vald\u00e9s nimmt zudem direkt Bezug auf ihre Heimat, indem sie Papierreste einer chilenischen Fabrik in ihre Arbeiten integriert. Padberg ist die globale Perspektive besonders wichtig: &#8222;Wir stellen K\u00fcnstlerinnen aus dem Iran, aus Chile, Brasilien, der Schweiz und Gro\u00dfbritannien aus. Es war uns ein Anliegen, mit der Ausstellung aus anderer Perspektive auf die Konkrete Kunst zu blicken, welche sonst stark auf die Schweiz und Deutschland fokussiert ist&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-5 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"852\" height=\"1024\" data-id=\"1392\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/20250213-martina-padberg-anna-luise-von-campe-852x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1392\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/20250213-martina-padberg-anna-luise-von-campe-852x1024.jpg 852w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/20250213-martina-padberg-anna-luise-von-campe-250x300.jpg 250w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/20250213-martina-padberg-anna-luise-von-campe-768x923.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/20250213-martina-padberg-anna-luise-von-campe-1278x1536.jpg 1278w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/20250213-martina-padberg-anna-luise-von-campe-1705x2048.jpg 1705w\" sizes=\"(max-width: 852px) 100vw, 852px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1002\" height=\"1024\" data-id=\"1393\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/KMA_KonkreteFrauen_Henn_Vanessa-1002x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1393\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/KMA_KonkreteFrauen_Henn_Vanessa-1002x1024.jpg 1002w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/KMA_KonkreteFrauen_Henn_Vanessa-294x300.jpg 294w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/KMA_KonkreteFrauen_Henn_Vanessa-768x785.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/KMA_KonkreteFrauen_Henn_Vanessa-1503x1536.jpg 1503w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/KMA_KonkreteFrauen_Henn_Vanessa-2005x2048.jpg 2005w\" sizes=\"(max-width: 1002px) 100vw, 1002px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\"><strong>Links<\/strong>: Die Kuratorin Anna Luise von Campe und Direktorin Martina Padberg. F\u00fcr Martina Padberg ist Konkrete Kunst nach wie vor &#8222;stark am Material, an Formfindung und Farbwirkung interessiert&#8220;. Wobei man f\u00fcr die Ausstellung in Ahlen K\u00fcnstlerinnen ausgesucht habe, &#8222;die mit dem Regelwerk des Konkreten durch \u00dcbertretung des Kanons neu operieren&#8220;. <strong>Right<\/strong>: Vanessa Henn, Parts of the game, 2024. Installation, HfBK Dresden, Stahl, PVC, ca. 200 \u00d7 300 \u00d7 400 cm. \u00a9 VG Bild-Kunst, Bonn 2025.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Lebendige Idee Konkret<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was also meint Konkrete Kunst heute? Danach gefragt antwortet Padberg: &#8222;F\u00fcr mich ist Konkrete Kunst eine noch immer ungegenst\u00e4ndliche und eine nicht im vordergr\u00fcndigen Sinne erz\u00e4hlerische Kunst. Eine Kunst, die stark am Material, an Formfindung und Farbwirkung interessiert ist&#8220;. Obwohl sich alle ausgestellten Positionen durch gesteigerte Genauigkeit \u2013 von Messungen bis zur Erfassung des Raumes \u2013 auszeichnen, Reduktion, Raster und Geometrie sowie die Abwendung vom Gegenst\u00e4ndlichen noch immer die Basis bilden, suchen sie die strengen Vorgaben Konkreter Kunst bewusst zu unterlaufen. Zumeist verstehen sie Van Doesburgs Forderungen eher als losen Rahmen und weniger als dogmatisches Regelwerk. Ausgehend von Linie, Farbe und Fl\u00e4che l\u00e4sst sich ihre Kunst zwar explizit von abstrakter Kunst unterscheiden, doch wird die geforderte strenge Ordnung mittels gezielter Regelverst\u00f6\u00dfe in spielerischer Manier gebrochen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So verwirft zum Beispiel Alke Reeh Van Doesburgs Forderung, dass konkrete Kunst vor Ausf\u00fchrung bereits im Geist ausgestaltet sein muss. Ihre Arbeiten weisen in Form von vermeintlich \u00fcbersch\u00fcssigen F\u00e4den auf ihren Entstehungsprozess hin, sind als Skizzen im Raum Zeugnisse der Fl\u00fcchtigkeit eines Zustands. Gef\u00fchl, Lyrik und Dramatik haben zudem laut Van Doesburg keinen Platz in konkreter Kunst. Die lichten Architekturen von Antje Blumenstein oder die sinnlichen Skulpturen von Claudia Wieser beweisen das Gegenteil. Es sind zudem nicht mehr nur rein bildnerische Elemente, deren sich die K\u00fcnstlerinnen bedienen, wenn sie mit Licht und Textil experimentieren. Dar\u00fcber hinaus m\u00f6ge die Konstruktion einfach und visuell \u00fcberpr\u00fcfbar sein, wogegen die feingliedrigen Muster von Toulu Hassani opponieren. Es wird des Weiteren nicht mehr vollst\u00e4ndig auf Inspiration aus realer Welt verzichtet, indem beispielsweise Ann Edholm auf das Unfassbare des Holocausts Bezug nimmt und eine dichte emotionsgeladene Atmosph\u00e4re zu erzeugen wei\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Grenzen Konkreter Kunst werden zunehmend permeabel. Wie spielerisch Konkrete Kunst sein kann, l\u00e4sst sich besonders anschaulich an Vanessa Henns verformten Handl\u00e4ufen ablesen. Diese haben in der Ausstellung scheinbar ein Eigenleben entwickelt, rollen sich als Voluten zusammen oder winden sich ihrer eigentlichen Funktion enthoben auf dem Boden. Zugleich sind es spielerische Varianten eines Grundelements Konkreter Kunst \u2013 der Linie. Nur, dass bei Henn nicht die gerade, sondern vielmehr die schwungvolle Linie im Zentrum steht. Padberg best\u00e4tigt, dass f\u00fcr die Ausstellung nicht nach Sch\u00fcler:innen gesucht wurde, welche die historische Auffassung von Konkreter Kunst unhinterfragt weiterf\u00fchren, sondern &#8222;die mit dem Regelwerk des Konkreten durch \u00dcbertretung des Kanons neu operieren&#8220;. Die Schau veranschaulicht wie lebendig die Konkrete Kunst heute noch ist, l\u00e4sst uns diese ganz anders erleben, regt zu neuerlichen Definitionen an. Insgesamt eine gelungene und abwechslungsreiche Gegenwartsbeschreibung zum Stand Konkreter Kunst in verschiedenster Spielart.<\/p>\n\n\n\n<hr style=\"--wb-separator-margin-top:0px;--wb-separator-margin-bottom:0px\" class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/kunstmuseum-ahlen.de\/ausstellungen\/aktuell\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Konkrete Frauen. Neue R\u00e4ume, Kunstmuseum Ahlen<\/a>. Bis 15.6.2025. Mi. &#8211; Sa. 15\u201318 Uhr. So. und feiertags 11\u201318 Uhr. Mo. und Di. geschlossen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Katalog: Zur Ausstellung ist ein 144-seitiger Katalog mit Texten von Martina Padberg, Anna Luise von Campe und Friederike Landau-Donelly im Kettler Verlag erschienen, 24 Euro.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>20 internationale weibliche Positionen zeigen im Kunstmuseum Ahlen die Bandbreite zeitgen\u00f6ssischer Konkreter Kunst Beinah exakt 100 Jahre ist es her, dass Theo van Doesburg erstmalig seine Kunst als konkret beschrieb. Ein wenig sp\u00e4ter im Jahr 1930 legte er folgend sein Manifest anl\u00e4sslich der Gr\u00fcndung der K\u00fcnstlergruppe &#8222;Art concrete&#8220; nieder. 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