{"id":2374,"date":"2025-05-13T16:08:13","date_gmt":"2025-05-13T14:08:13","guid":{"rendered":"https:\/\/on-art.news\/?p=8665"},"modified":"2026-08-14T22:00:04","modified_gmt":"2026-08-14T20:00:04","slug":"ein-ausstellungsort-als-verstaerker-oder-karl-marx-auf-dem-fensterbrett","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/on-art.news\/en\/2025\/05\/13\/ein-ausstellungsort-als-verstaerker-oder-karl-marx-auf-dem-fensterbrett\/","title":{"rendered":"Ein Ausstellungsort als Verst\u00e4rker oder Karl Marx auf dem Fensterbrett"},"content":{"rendered":"<h3 class=\"wp-block-heading\">Walter Dahns letzte Ausstellung, Haus M\u00f6drath, 20. Oktober 2024 bis 31. August 2025<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Sonntagmorgen im Mai. Der Himmel ist klar und unversch\u00e4mt blau. Im Park von Haus M\u00f6drath liefern sich Zaunk\u00f6nig und Zilpzalp ein ger\u00e4uschvolles Duell. Dass so ein Ort ausgerechnet hier liegt \u2013 s\u00fcdwestlich von K\u00f6ln, nahe Kerpen, mitten in einer vom Braunkohleabbau gepr\u00e4gten Landschaft \u2013 \u00fcberrascht. Rundherum riesige Gruben, Entw\u00e4sserungskan\u00e4le, industrielle Spuren \u2013 und dann pl\u00f6tzlich dieses wei\u00dfe Haus am Rand eines gesch\u00fctzten Parks. &#8222;R\u00e4ume f\u00fcr Kunst&#8220; nennt sich das Haus M\u00f6drath. Ohne Sammlerpose, ohne Selbstdarstellung. Der Mann, der diesen Ort m\u00f6glich macht, will anonym bleiben. Er hat Haus M\u00f6drath 2014 gekauft, er\u00f6ffnet hier seit 2017 einmal im Jahr eine Ausstellung \u2013 und bleibt dabei gern im Hintergrund. &#8222;Es geht doch nicht um mich&#8220;, sagt er, w\u00e4hrend er das alarmgesicherte Eisentor eine halbe Stunde fr\u00fcher als sonst \u00f6ffnet, &#8222;es geht um die Kunst und die K\u00fcnstler*innen \u2013 nicht um den Sammler&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Kunst soll f\u00fcr sich stehen<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dass er Haus M\u00f6drath gekauft hat, war eine gl\u00fcckliche F\u00fcgung. Alles begann mit einer Besichtigung \u2013 &#8222;mehr aus Neugier als aus Kaufabsicht&#8220;. Das Geb\u00e4ude war in keinem guten Zustand. &#8222;Und doch: Ich war sofort fasziniert. Es war, als w\u00fcrde der Ort mir sagen: Hier geht etwas.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Geschichte des Hauses spiegelt die Br\u00fcche des 20. Jahrhunderts: Einst ein W\u00f6chnerinnenheim, in dem 1928 Karlheinz Stockhausen geboren wurde, dann in der NS-Zeit beschlagnahmt, sp\u00e4ter von einem rheinischen Bau- und Immobilienunternehmer erworben \u2013 dem sogenannten &#8222;Burgenk\u00f6nig&#8220;, der seine Kinder mit Burgen beschenkte. Als das Geld ausging, musste er verkaufen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Anwesen stand leer. Der Kauf sei &#8222;ein fast absurder Entschluss&#8220; gewesen \u2013 urspr\u00fcnglich suchte er nur ein neues B\u00fcro f\u00fcr seine Firma. &#8222;Als ich dann von M\u00f6drath erfuhr, dem verschwundenen Ort, der dem Braunkohletagebau weichen musste, von der nahegelegenen M\u00fchle, von Stockhausen \u2013 da wusste ich, das ist der richtige Ort f\u00fcr Kunst.&#8220; Entstanden ist ein besonderer Ort, in dem sich Kunst, Geschichte und Natur begegnen k\u00f6nnen. &#8222;Manche Dinge entstehen nur, weil man sich der Konsequenzen nicht bewusst ist.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"686\" data-id=\"1458\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/h_10018921-1024x686.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1458\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/h_10018921-1024x686.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/h_10018921-300x201.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/h_10018921-768x515.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/h_10018921-1536x1030.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/h_10018921-2048x1373.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\">Portr\u00e4t Walter Dahn, Frankfurt, 2000. Foto: Angelika Platen \/ bpk-Bildagentur.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"> Zwischen Weltflucht und Welthunger<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seit September 2024 ist Haus M\u00f6drath dem Werk von Walter Dahn gewidmet \u2013 einem der pr\u00e4genden K\u00fcnstler der &#8222;Neuen Wilden&#8220;, die in den 1980ern mit expressiver Geste, politischer Energie und kultureller Referenzlust die deutsche Malerei neu belebten. Der Mann hinter Haus M\u00f6drath kannte Dahn seit den 80ern, mit ihm begann er Kunst zu sammeln. Schon lange wollte er ihn ausstellen \u2013 nun wurde genau diese Ausstellung mit dem Zitat des Sonics-Hits &#8222;Have Love. Will Travel&#8220; als Titel zu Dahns Verm\u00e4chtnis: Der K\u00fcnstler starb am 7. November 2024 \u00fcberraschend, nur drei Wochen nach der Vernissage, im Alter von 70 Jahren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dahns Werk l\u00e4sst sich nicht auf die Zeit der &#8222;M\u00fclheimer Freiheit&#8220; reduzieren, jener Gruppe von befreundeten K\u00fcnstlern, die Anfang der 1980er ein Atelier in K\u00f6ln teilte. Die Ausstellung setzt 1986 ein \u2013 als diese Zeit bereits Vergangenheit war. Dahn hatte 1984 in New York eine Begegnung mit einer Sammlerin, die ihm sagte, wie &#8222;sch\u00f6n&#8220; er male. Doch das war genau das, was er gar nicht wollte. Er wollte in Opposition gegen vergeistigte Konzepte, gegen \u00e4sthetische Konventionen anmalen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">&#8222;Have Love Will Travel&#8220; \u2013Ausstellung als Verm\u00e4chtnis<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf drei Etagen entfaltet sich in &#8222;Have Love Will Travel&#8220; ein Werk, das Eindeutigkeit unterl\u00e4uft. W\u00e4hrend andere seiner Generation in Vergessenheit gerieten oder stagnierten, erfand sich Dahn neu \u2013 das zeigt die Ausstellung eindrucksvoll.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In &#8222;Warum&#8220; (1986), einem gro\u00dfen Werk im Eingangsbereich, begegnet einem der existentielle Ton, der trotz aller Ironie durch sein Werk zieht. Gro\u00df prangt das Wort &#8222;Warum&#8220; \u00fcber einer Szenerie zwischen Traum und Comic. Diese Geste \u2013 ein einzelnes Wort als Titel, Motiv, Frage \u2013 ist typisch f\u00fcr Dahn. Sie verbindet Sprachkritik mit Bildkritik.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped w3 wp-block-gallery-2 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"790\" height=\"1024\" data-id=\"1459\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/WDA_15453_Die_Tiroler_sind_lustig_1987-790x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1459\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/WDA_15453_Die_Tiroler_sind_lustig_1987-790x1024.jpg 790w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/WDA_15453_Die_Tiroler_sind_lustig_1987-231x300.jpg 231w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/WDA_15453_Die_Tiroler_sind_lustig_1987-768x996.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/WDA_15453_Die_Tiroler_sind_lustig_1987-1185x1536.jpg 1185w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/WDA_15453_Die_Tiroler_sind_lustig_1987-1580x2048.jpg 1580w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/WDA_15453_Die_Tiroler_sind_lustig_1987-scaled.jpg 1975w\" sizes=\"(max-width: 790px) 100vw, 790px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"826\" height=\"1024\" data-id=\"1460\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/WDA_14863_Warum-826x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1460\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/WDA_14863_Warum-826x1024.jpg 826w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/WDA_14863_Warum-242x300.jpg 242w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/WDA_14863_Warum-768x952.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/WDA_14863_Warum-1239x1536.jpg 1239w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/WDA_14863_Warum-1652x2048.jpg 1652w\" sizes=\"(max-width: 826px) 100vw, 826px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"674\" height=\"1024\" data-id=\"1461\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/WDA_21138_Statement_freigestellt-674x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1461\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/WDA_21138_Statement_freigestellt-674x1024.jpg 674w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/WDA_21138_Statement_freigestellt-197x300.jpg 197w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/WDA_21138_Statement_freigestellt-768x1167.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/WDA_21138_Statement_freigestellt-1011x1536.jpg 1011w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/WDA_21138_Statement_freigestellt-1348x2048.jpg 1348w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/WDA_21138_Statement_freigestellt-scaled.jpg 1685w\" sizes=\"(max-width: 674px) 100vw, 674px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\"><strong>Links<\/strong>: Walter Dahn, Die Tiroler sind lustig, 1987. Acryl auf Leinwand, 250\u2009\u00d7\u2009190,5 cm. Privatsammlung. Mit freundlicher Genehmigung der Galerie Courtesy Spr\u00fcth Magers. Foto: Timo Ohler. <strong>Middle<\/strong>: Walter Dahn, Warum, 1986. Acryl auf Leinwand, 133\u2009\u00d7\u2009100 cm. Privatsammlung. Mit freundlicher Genehmigung der Galerie Spr\u00fcth Magers. Foto: Mareike Tocha. <strong>Right<\/strong>: Walter Dahn, Statement, 2007. Sprayfarbe, Tempera, Siebdruck auf Seide 107,5\u2009\u00d7\u200970 cm. Mit freundlicher Genehmigung der Galerie Spr\u00fcth Magers. <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schr\u00e4g gegen\u00fcber h\u00e4ngt ein Bild in Braunt\u00f6nen: es zeigt zeichenhaft ein Tier \u2013 vielleicht geht es auf Beuys zur\u00fcck, denn es erinnert an einen Hirsch. Dahn war 1971 als j\u00fcngster Sch\u00fcler in die Beuys-Klasse aufgenommen worden \u2013 f\u00fcr ihn eine pr\u00e4gende Zeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im ersten Stock, hoch in der Ecke, h\u00e4ngt so etwas wie das Manifestbild von Dahns Kunst. &#8222;Mein Malewitsch&#8220; (1994): ein schwarzer Kreis mit wei\u00dfem Punkt in der Mitte \u2013 eine Hommage an Malewitschs schwarzes Quadrat, und zugleich eine Ikonisierung der Vinylplatte als Symbol seines k\u00fcnstlerischen Referenzsystems.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diedrich Diederichsen schreibt im Katalogbeitrag, dass Dahn mit Mitteln der Erg\u00e4nzungsbed\u00fcrftigkeit arbeite. Die Schallplatte sei nicht monumental, sondern auf Erg\u00e4nzung durch Betrachtung, Aneignung, Erinnerung angewiesen. Genau das macht Dahns Kunst aus: ein Sammeln von Zeichen, ein Arch\u00e4ologisieren der Gegenwart und ein Aktivieren der Vergangenheit.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-3 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"737\" data-id=\"1462\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/WDA_60450_Untitled-n.-D_-1024x737.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1462\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/WDA_60450_Untitled-n.-D_-1024x737.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/WDA_60450_Untitled-n.-D_-300x216.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/WDA_60450_Untitled-n.-D_-768x553.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/WDA_60450_Untitled-n.-D_-1536x1105.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/WDA_60450_Untitled-n.-D_-2048x1474.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\">Walter Dahn, Ohne Titel, o. J. Siebdruck, Spr\u00fchfarbe auf Leinwand, 53\u2009\u00d7\u200975 cm. Privatsammlung, Hamburg. Mit freundlicher Genehmigung der Galerie Spr\u00fcth Magers. Foto: Raimund Zakowski, Kestner Gesellschaft.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Musik als Haltung<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dahn war ein leidenschaftlicher Musikkenner. &#8222;Cash&#8220; steht auf einem Bild von 1997, das &#8222;Johnny&#8220; hei\u00dft. Auch &#8222;House of Blues&#8220;, ein 70 Zentimeter breites Haus aus Holz, Blei, Glas und Papier, entstand nach dem Cover eines Albums von John Lee Hooker \u2013 gebaut gemeinsam mit  einem Sch\u00fcler. Viele Motive tauchen immer wieder auf: Gitarren, kurze Schriftz\u00fcge, die an Mantras, Diederichsen nennt sie Aphorismen, erinnern, und nicht mehr und nicht weniger als Songzeilen sind: &#8222;Work hard, play hard&#8220; oder &#8222;Let the Boy Become a Man&#8220;, aber auch Kinder, die Elefanten f\u00fchren, Pilze, Kreuze, Totenk\u00f6pfe. Ein anderes Werk, &#8222;I Forgot to Remember to Forget&#8220;, das mit Erinnerung und Nostalgie spielt, ist eine Leinwandarbeit, in der Dahn die gleichnamige Elvis-Songzeile mit verschiedenen Schriftz\u00fcgen \u00fcberkrakelt und kombiniert. Ein kleines Hufeisen-Symbol in einem Gem\u00e4lde nimmt Bezug auf ein Album von Madonna. Die Verbindung von spirituellem Gl\u00fcckszeichen und popkulturellem Star ist typisch f\u00fcr Dahns Arbeitsweise: Er verschr\u00e4nkt Mythos und Medienwirklichkeit, Hochkultur und Alltagsikonografie.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Popkultur trifft Symbolik<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kinder f\u00fchren oder reiten Elefanten, auch diese m\u00f6glicherweise als Kolonialismuskritik deutbare Darstellungen kombiniert Dahn mit der Siebdrucktechnik Sigmar Polkes oder dekliniert sie in anderen Techniken durch. Varianten zeigen die Tiere, gezeichnet, gedruckt oder auch verwischt fotografiert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schon als junger Mann spielte Dahn in Bands, war mit Musikern befreundet. Dieser f\u00fcr ihn so wichtige Kontext ist nicht nur Thema, sondern Haltung, Material, Kosmos.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dahns Kunst ist nie gef\u00e4llig. Sie folgt keinem klassischen Kompositionsprinzip. Fotografien verfremdete er bewusst \u2013 doppelt belichtet, mit abgelaufenem Entwickler. Der Fehler wird zur Chance. Kein Hochglanz, kein dekoratives Bild. &#8222;Sein Credo war: keine Handschrift, keine Malerei \u2013 sich selbst zur\u00fccknehmen&#8220;, sagt der Mann hinter dem Projekt, dessen Idee es auch war, nach dem pl\u00f6tzlichen Tod Dahns seinen engsten Kreis von Sch\u00fcler*innen einzuladen, je einen Monat eine kleine Ausstellung im Untergeschoss in Erinnerung an ihren Lehrer auszurichten. &#8222;Den Raum hat Dahn nicht bespielt&#8220;, sagt er, &#8222;so als h\u00e4tte er ihn f\u00fcr diesen Zweck aufbewahrt&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-4 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" data-id=\"1454\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/IMG_5732-1024x768.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1454\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/IMG_5732-1024x768.jpeg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/IMG_5732-300x225.jpeg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/IMG_5732-768x576.jpeg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/IMG_5732-1536x1152.jpeg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/IMG_5732-2048x1536.jpeg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" data-id=\"13564\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/IMG_5718-768x1024.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-13564\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/IMG_5718-768x1024.jpeg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/IMG_5718-225x300.jpeg 225w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/IMG_5718-1152x1536.jpeg 1152w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/IMG_5718-1536x2048.jpeg 1536w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\"><strong>Links<\/strong>: Haus M\u00f6drath. <strong>Right<\/strong>: Aussicht auf den Park des Hauses. Beide Fotos: Sabine Oelze.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Erinnerung ohne Pathos<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Skizzen, Collagen, bemalte Plattencover, Siebdrucke. Dahn denkt in Serien, aber jede Arbeit steht f\u00fcr sich. Man wandelt wie durch seine Plattensammlung oder sein Musikged\u00e4chtnis \u2013 jeder Raum ein neues Album. Dietrich Diederichsen nennt diese Arbeiten so treffend &#8222;Schnappsch\u00fcsse des Erwischtwerdens&#8220;, die versuchen &#8222;den Strom der Lebendigkeit anzuhalten&#8220;. Es seien keine Monumente f\u00fcr die Songs und ihre Aufnahmen, sondern ein Versuch &#8222;dem Fl\u00fcchtigen wie Gewaltigen gerecht zu werden&#8220;. Irgendetwas verf\u00e4ngt davon beim Betrachten, auch wenn sich der wirkliche semantische Kosmos dahinter nur erahnen l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf dem Fensterbrett im Treppenhaus ganz oben steht ein kleines Gem\u00e4lde, das Karl Marx zeigt, oder zitiert, oder ihm einfach nur einen sch\u00f6nen Ausblick beschert in diesen unfasslich sch\u00f6nen Park, der sich bei jedem neuen Blick aus dem Fenster von Haus M\u00f6drath ergibt. Die &#8222;R\u00e4ume f\u00fcr Kunst&#8220; in dieser eigentlich kulturfeindlichen Umgebung einer vom Braunkohletagebau geschundenen Landschaft funktioniert wie ein Verst\u00e4rker. &#8222;Wir versuchen nicht zu erkl\u00e4ren, sondern einen Zustand zu erm\u00f6glichen&#8220;, sagt dazu bescheiden der Initiator, dessen Name keine Rolle spielen soll.<\/p>\n\n\n\n<hr style=\"--wb-separator-margin-top:0px;--wb-separator-margin-bottom:0px\" class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/www.haus-moedrath.de\/de\/ausstellung_walter-dahn_have-love-will-travel.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Walter Dahn, Have Love Will Travel<\/a>, Haus M\u00f6drath, Kerpen, 20. Oktober 2024 bis 31. 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