{"id":2404,"date":"2025-07-25T17:43:36","date_gmt":"2025-07-25T15:43:36","guid":{"rendered":"https:\/\/on-art.news\/?p=9508"},"modified":"2026-08-14T22:00:04","modified_gmt":"2026-08-14T20:00:04","slug":"weit-mehr-als-licht-klang-und-raum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/on-art.news\/en\/2025\/07\/25\/weit-mehr-als-licht-klang-und-raum\/","title":{"rendered":"Weit mehr als Licht, Klang und Raum"},"content":{"rendered":"<h3 class=\"wp-block-heading\">Steve McQueens immersive Installation &#8222;Bass&#8220; \u00fcberw\u00e4ltigt das Publikum im Schaulager Basel. Ihr ber\u00fchrender Subtext erschlie\u00dft sich dabei erst nach und nach.<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Schaulager der Laurenz-Stiftung im schweizerischen Basel-M\u00fcnchenstein ist ein weltweit einmaliger Ort f\u00fcr das Erleben besonders aufw\u00e4ndiger oder extravaganter Pr\u00e4sentationen zeitgen\u00f6ssischer Kunst. Der im Jahr 2003 er\u00f6ffnete, gro\u00dfr\u00e4umige und nahezu fensterlose Bau des Basler Architektenduos Herzog &amp; de Meuron ist dabei weder Museum noch Kunsthalle sondern ein hybrider Ort, der eigentlich der optimalen Aufbewahrung empfindlicher Kunstwerke dient und nur auf Anmeldung einem interessierten Fachpublikum zug\u00e4nglich gemacht wird. Kunsthistoriker:innen, Kurator:innen, aber auch Lehrende und Studierende sowie Schulklassen sind eingeladen, sich hier eingehend mit ausgesuchten Werken zu besch\u00e4ftigen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den Anfangsjahren j\u00e4hrlich, mittlerweile aber in unregelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden finden in dem Bauwerk mit seiner an Lehmbauten erinnernden Fassade aus braungef\u00e4rbtem, geh\u00e4mmerten Beton aber auch spektakul\u00e4re Ausstellungen statt, die andernorts aus Geld- und Platzmangel kaum eine Chance auf Realisierung h\u00e4tten. Ob Jeff Wall, Tacita Dean oder Bruce Nauman: Sie alle hatten hier gro\u00dfe Auftritte, die sich ins Ged\u00e4chtnis derjenigen eingeschrieben haben, die sie gesehen haben.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"575\" data-id=\"1619\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/IMG_5168-ausschnitt-1024x575.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1619\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/IMG_5168-ausschnitt-1024x575.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/IMG_5168-ausschnitt-300x168.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/IMG_5168-ausschnitt-768x431.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/IMG_5168-ausschnitt-1536x862.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/IMG_5168-ausschnitt-2048x1150.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\">Das Schaulager der Laurenz-Stiftung in Basel. Foto: Nicole B\u00fcsing uind Heiko Klaas.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Zweite Einzelausstellung f\u00fcr Steve McQueen im Schaulager<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenige Tage vor der diesj\u00e4hrigen Art Basel wurde im Juni mit &#8222;Bass&#8220; eine Ausstellung des britischen K\u00fcnstlers Steve McQueen er\u00f6ffnet, die wieder einmal zeigt, was im Schaulager m\u00f6glich ist. Nach einem ersten Aufschlag im Jahr 2013 kommt ihm nun die Ehre zuteil, hier als erster K\u00fcnstler eine zweite Einzelausstellung einzurichten. Auf den durch ein Atrium miteinander verbundenen f\u00fcnf Ebenen des Hauses schafft der 1969 in London geborene K\u00fcnstler ein immersives Environment sondergleichen. Die Besucher:innen betreten auf den ihnen zug\u00e4nglichen zwei Ebenen im Erd- und im Untergeschoss einen insgesamt 4.300 Quadratmeter gro\u00dfen Raum, der mittels minimaler, aber effektvoller Eingriffe in eine Kathedrale des Lichts und der wummernden Bass-Sounds verwandelt wurde. Der wom\u00f6glich erste Eindruck, dass es sich hier um eine prim\u00e4r sinnlichen Genuss verstr\u00f6mende Installation handelt, die auch in einem Berliner Club h\u00e4tte realisiert werden k\u00f6nnen, t\u00e4uscht jedoch enorm. &#8222;Bass&#8220; liegt eine intensive Auseinandersetzung des K\u00fcnstlers mit der Geschichte des transatlantischen Sklavenhandels zugrunde. Doch dazu sp\u00e4ter mehr.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Abgesehen von einigen Sitzb\u00e4nken an den W\u00e4nden, ist der Ausstellungsraum vollkommen leer und unm\u00f6bliert. W\u00e4hrend man zusammen mit anderen Besucher:innen durch die leeren Hallen schreitet, sp\u00fcrt man, dass die audiovisuelle Offerte, die Steve McQueen seinem Publikum anbietet, offenbar einen ganz unmittelbaren Effekt hat.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Im Wechselbad von Licht und Sound<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcber 1.000 LED-R\u00f6hren sind in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden unter die Decke montiert. Sie ersetzen f\u00fcr die Dauer der Ausstellung das regul\u00e4re Lichtsystem des Schaulagers. Fast unmerklich \u00e4ndert sich nach und nach die Lichtfarbe. Langsame, nur graduell wahrnehmbare Lichtwechsel tauchen die Hallen im Laufe eines rund 30-min\u00fctigen Zyklus\u2019 nach und nach in alle Farben, die durch das menschliche Auge wahrgenommen werden k\u00f6nnen: von dunklem Rot \u00fcber Gelb- und Gr\u00fcnt\u00f6ne bis hin zu aufdringlich wirkendem Ultraviolett. Dazu ert\u00f6nt ein an- und abschwellender Klangteppich aus tiefen Bassfrequenzen, groovigen und sph\u00e4rischen Passagen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie in einer Kathedrale oder einem anderen religi\u00f6s genutzten Ort vermeidet man unwillk\u00fcrlich schnelle Bewegungen, lautes Sprechen oder sonstiges st\u00f6rendes Verhalten. Manche Besucher:innen flanieren permanent umher, andere setzen sich, angelehnt an eine der wenigen Betons\u00e4ulen, auf den Boden oder nehmen auf den unscheinbaren Sitzb\u00e4nken entlang der W\u00e4nde Platz.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Das Environment als dematerialisierte Skulptur<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Was ich an Licht und Klang liebe, ist, dass sie beide durch Bewegung und Fluidit\u00e4t entstehen. Sie lassen sich in jede Form bringen, wie Dampf oder Duft; sie schleichen sich in jede Ecke und jedes Versteck. Ich liebe auch den Anfangspunkt, an dem etwas noch keine konkrete Form annimmt, sondern vielmehr alles umfasst&#8220;, sagt Steve McQueen im Hinblick auf die ephemere Qualit\u00e4t seiner Intervention, die, so gelesen, praktisch einer dematerialisierten Skulptur gleichkommt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped w3 wp-block-gallery-2 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" data-id=\"1620\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/PRINT_022_Schaulager_Steve_McQueen_Bass-installview-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1620\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/PRINT_022_Schaulager_Steve_McQueen_Bass-installview-768x1024.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/PRINT_022_Schaulager_Steve_McQueen_Bass-installview-225x300.jpg 225w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/PRINT_022_Schaulager_Steve_McQueen_Bass-installview-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/PRINT_022_Schaulager_Steve_McQueen_Bass-installview-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/PRINT_022_Schaulager_Steve_McQueen_Bass-installview-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" data-id=\"1623\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/PRINT_030_Schaulager_Steve_McQueen_Bass-installview-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1623\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/PRINT_030_Schaulager_Steve_McQueen_Bass-installview-768x1024.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/PRINT_030_Schaulager_Steve_McQueen_Bass-installview-225x300.jpg 225w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/PRINT_030_Schaulager_Steve_McQueen_Bass-installview-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/PRINT_030_Schaulager_Steve_McQueen_Bass-installview-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/PRINT_030_Schaulager_Steve_McQueen_Bass-installview-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" data-id=\"1622\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/PRINT_046_Schaulager_Steve_McQueen_Bass-installview-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1622\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/PRINT_046_Schaulager_Steve_McQueen_Bass-installview-768x1024.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/PRINT_046_Schaulager_Steve_McQueen_Bass-installview-225x300.jpg 225w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/PRINT_046_Schaulager_Steve_McQueen_Bass-installview-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/PRINT_046_Schaulager_Steve_McQueen_Bass-installview-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/PRINT_046_Schaulager_Steve_McQueen_Bass-installview-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\">Alle drei Installationsansichten zeigen: Steve McQueen, Bass, 2024. LED-Licht und Ton. Gemeinsame Auftragsarbeit der Laurenz-Stiftung, Schaulager Basel und der Dia Art Foundation, 15. Juni \u2013 16. November 2025. Schaulager<sup>\u00ae<\/sup> M\u00fcnchenstein\/Basel. Fotos: Pati Grabowicz.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">&#8222;Giardini&#8220; im Britischen Pavillon<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Steve McQueen ist bildender K\u00fcnstler, Film- und Videoregisseur, Drehbuchautor und Produzent. Am Londoner Chelsea College of Art and Design hat er zun\u00e4chst ein Studium der Malerei absolviert. Danach studierte er Film am Londoner Goldsmiths College und f\u00fcr kurze Zeit auch an der New York University. Anfangs entstanden, beeinflusst von Vorbildern wie Andy Warhol, Jean-Luc Godard oder Fran\u00e7ois Truffaut, eher abstrakte Experimentalfilme, die ihm schon 1999 den renommierten Turner Prize f\u00fcr die &#8222;emotionale Intensit\u00e4t&#8220; seiner Arbeit einbrachten. Im Jahr 2009 durfte McQueen dann anl\u00e4sslich der Biennale Venedig den prestigetr\u00e4chtigen Britischen Pavillon, einen der prachtvollsten auf dem Biennale-Gel\u00e4nde, bespielen. Auch damals schon entschied er sich f\u00fcr ein minimales Setting mit umso effektvollerer Gesamtwirkung. Seine Split-Screen-Projektion mit dem simplen Titel &#8222;Giardini&#8220; zeigte das im Winter vollkommen verlassene Biennale-Gel\u00e4nde in ungewohnt unfeierlicher Atmosph\u00e4re. W\u00e4hrend sich hier, gerade w\u00e4hrend der Er\u00f6ffnungstage, das internationale Kunst-Establishment bei Spumante und luxuri\u00f6s belegten H\u00e4ppchen gegenseitig in seiner Wichtigkeit best\u00e4tigt, schickte McQueen lediglich zwei schwarze streunende Greyhounds auf Entdeckungstour durch das regennasse, winterlich verlassene Gel\u00e4nde. Nahaufnahmen von K\u00e4fern und W\u00fcrmern erg\u00e4nzten das mit dem Ger\u00e4usch von Regentropfen, dumpfen Kirchenglocken und in der Ferne jubelnden Fussballfans unterlegte Stimmungsbild.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Filmischer Durchbruch mit &#8222;Twelve Years a Slave&#8220;<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Parallel dazu entstanden Spielfilme, deren bekanntester sicherlich das 2014 mit drei Oscars preisgekr\u00f6nte Meisterwerk &#8222;Twelve Years a Slave&#8220; (2013) ist. Der Film erz\u00e4hlt, basierend auf den autobiografischen Aufzeichnungen seines Protagonisten, die wahre Geschichte eines Geigers aus dem Staat New York, der von Menschenh\u00e4ndlern in die S\u00fcdstaaten verschleppt wird und sich erst nach zw\u00f6lf bitteren Jahren aus der Sklaverei befreien kann. Weitere Spielfilme, Dokumentationen, aber auch Miniserien und sogar Werbeclips folgten. Der zweifache Documenta-Teilnehmer und enge Freund des 2019 verstorbenen Documenta-11-Leiters Okwui Enwezor gilt damit als eher seltene k\u00fcnstlerische Doppelbegabung. 2020 wurde er denn auch von Queen Elizabeth II f\u00fcr seine Verdienste in Kunst <em>und<\/em> Film zum Ritter geschlagen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-3 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" data-id=\"1624\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/12-6-2025_Schaulager_SMCQ_Portrait_BASS_Pati-Grabowicz_HIGHRES-15-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1624\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/12-6-2025_Schaulager_SMCQ_Portrait_BASS_Pati-Grabowicz_HIGHRES-15-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/12-6-2025_Schaulager_SMCQ_Portrait_BASS_Pati-Grabowicz_HIGHRES-15-300x225.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/12-6-2025_Schaulager_SMCQ_Portrait_BASS_Pati-Grabowicz_HIGHRES-15-768x576.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/12-6-2025_Schaulager_SMCQ_Portrait_BASS_Pati-Grabowicz_HIGHRES-15-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/12-6-2025_Schaulager_SMCQ_Portrait_BASS_Pati-Grabowicz_HIGHRES-15-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\">Portr\u00e4t Steve McQueen. Foto: Pati Grabowicz.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Koproduktion von New York und Basel<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Basel ist \u00fcbrigens bereits die zweite Station, an der &#8222;Bass&#8220; pr\u00e4sentiert wird. Denn entstanden ist die Arbeit urspr\u00fcnglich f\u00fcr das Dia:Beacon, das in Upstate New York gelegene Ausstellungszentrum der Dia Art Foundation, einer 1974 von dem in Deutschland geborenen Galeristen Heiner Friedrich zusammen mit anderen Partnern gegr\u00fcndeten Kunststiftung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Dia Art Foundation und das Schaulager hatten Steve McQueen bereits 2022 gemeinsam eingeladen, ein Projekt zu entwickeln, das nacheinander an beiden Orten gezeigt werden sollte. Urspr\u00fcnglich war eine filmische Arbeit geplant. Doch McQueen war von den dunklen, kellerartigen R\u00e4umen der ehemaligen Ritz-Cracker-Fabrik rund 90 Kilometer n\u00f6rdlich von New York so angetan, dass er diese nur mit Licht und Sound bespielen wollte. Ein \u00fcberzeugendes Konzept, das sich gl\u00fccklicherweise, ohne Kompromisse machen zu m\u00fcssen, auch ins Basler Schaulager \u00fcbertragen lie\u00df.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Kooperation mit Jazz-Bassist Marcus Miller<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Soundzyklus, der nun auch die Basler Hallen erf\u00fcllt, ist aber immer noch der, der im Januar 2024 sowohl mit elektronischen als auch akustischen Instrumenten live vor Ort in Beacon aufgenommen wurde. Rund drei Stunden dauert das jetzt in Basel von einer frei im Raum h\u00e4ngenden S\u00e4ule aus zahlreichen Lautsprechern und Subwoofern in die Tiefe des Raums ausgesandte Klangkunstwerk. Steve McQueen, in allem, was er realisiert, ein kompromissloser Perfektionist, hat sich f\u00fcr die Komposition mit dem renommierten Jazz-Bassisten Marcus Miller zusammengetan. Der 1959 geborene New Yorker, der ganz am Anfang seiner Karriere Mitglied der Miles-Davis-Band war, ist bekannt f\u00fcr seinen kraftvoll-perkussiven, stets aber auch melodischen Sound. Weitere Mitglieder des Improvisations-Projekts aus ganz unterschiedlichen Jahrg\u00e4ngen der Schwarzen Community komplettierten das Vorhaben: Aston Barrett Jr. und Meshell Ndegeocello, beide am E-Bass, Mamadou Kouyat\u00e9 am Bass-Ngoni, einem traditionellen westafrikanischen Saiteninstrument, und Laura-Simone Martin am akustischen Kontrabass.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Der Bass als identit\u00e4tsstiftendes Instrument<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Fokussierung auf diese Instrumentengruppe resultiert dabei ganz offenbar aus der Tatsache, dass diese innerhalb der Geschichte der schwarzen Musik so etwas wie eine identit\u00e4tsstiftende Konstante darstellt. Als treibende Kraft f\u00fcr Rhythmus und Groove bringt der Bass schwer in Worte zu fassende Gef\u00fchle zum Ausdruck. Er verleiht der Musik Tiefe und W\u00e4rme und ist dabei nicht nur h\u00f6rbar, sondern auch k\u00f6rperlich wahrnehmbar. Das ist auch f\u00fcr die Tanzbarkeit vieler schwarzer Musikgenres essentiell und bereichert diese bisweilen um eine kathartische Wirkung.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die \u201eMiddle Passage\u201c als transgenerationales Trauma<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Zusammensetzung des Ensembles ausschlie\u00dflich aus Angeh\u00f6rigen der Schwarzen Diaspora deutet es bereits an: Steve McQueens &#8222;Bass&#8220; gleicht einer vielschichtigen und mehrere Jahrhunderte zur\u00fcckreichenden Recherche. In deren Zentrum steht die sogenannte &#8222;Middle Passage&#8220;, ein entscheidendes Element des transatlantischen Sklavenhandels. Europ\u00e4ische Reeder und Kaufleute betrieben \u00fcber Jahrhunderte hinweg ein besonders perfides, ausschlie\u00dflich auf Gewinnmaximierung ausgerichtetes Gesch\u00e4ftsmodell. Dieser &#8222;Dreieckshandel&#8220; funktionierte so: Europ\u00e4ische Schiffe belieferten die afrikanische Westk\u00fcste mit Stoffen, Waffen und Alkohol. Im Gegenzug nahmen sie Sklaven an Bord, die sie nach Nord- und S\u00fcdamerika und in die Karibik transportierten, um von dort, vollbeladen mit Baumwolle, Rohrzucker und Tabak, wieder Richtung Europa abzulegen. Steve McQueen hat selbst afro-karibische Vorfahren. Sein Vater stammt aus Grenada, die Mutter aus Trinidad. &#8222;Schwarze Menschen sind in gewisser Weise post-apokalyptische Menschen&#8220;, fasst McQueen die auch Menschen seiner Generation immer noch eingeschriebene Ersch\u00fctterung durch die erzwungene Verschleppung zusammen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Das Rollen der Atlantikwellen als wiederkehrende Erinnerung<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit &#8222;Bass&#8220; ruft er nun das Schicksal all jener zu einer Handelsware degradierten Menschen eindrucksvoll in Erinnerung, die, eingepfercht in den dunklen und stickigen Bauch von Sklavenschiffen, \u00fcber die rollenden Wellen des Atlantik transportiert wurden. Nicht von ungef\u00e4hr erinnert der Sound von &#8222;Bass&#8220; daher streckenweise auch an das laute, rhythmisch wiederkehrende Klopfen, Knacken und Schlagen, das bei rauer See von den Wassermassen und der Schiffsstruktur eines in die Jahre gekommenen Segelschiffs verursacht wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die genaue Anzahl ist nicht erfasst. Man sch\u00e4tzt aber, dass bis zum endg\u00fcltigen Verbot der Sklaverei bis zu 12,5 Millionen Menschen, oftmals angekettet auf Holzpritschen, gegen ihren Willen in die Neue Welt deportiert wurden. Die unfreiwilligen Passagiere waren auf den stickigen Ladedecks unmenschlichen Bedingungen wie Enge, Durst, Hunger, fehlenden Sanit\u00e4ranlagen und st\u00e4ndigen Misshandlungen durch die Besatzung preisgegeben. Sehr viele \u00fcberstanden das nicht. Ihre Leichen wurden einfach \u00fcber Bord geworfen. Die \u00dcberlebenden waren nach der Ankunft der Willk\u00fcr ihrer neuen &#8222;Herren&#8220; ausgesetzt. Das alles sind intergenerationale Traumata und Ersch\u00fctterungen, die bis heute gesellschaftliche Narben hinterlassen und die kulturelle Identit\u00e4t und das Selbstwertgef\u00fchl der Nachfahren ehemaliger Sklaven beeinflussen. &#8222;Bass ist ein Raum zur Reflexion&#8220;, sagt McQueen, &#8222;kein Spiegel, sondern ein Raum, in dem Dinge auf dich einwirken und du diese zu etwas anderem umformen kannst, weil so vieles in deinem Kopf zusammenkommt; du wirst in diesem Moment angesprochen und bringst dabei Geschichte, die Vergangenheit mit in den Raum.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Postkoloniale Kunst ohne postkoloniale Formeln<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Steve McQueen gelingt es, mit &#8222;Bass&#8220; auf subtile Art und Weise eines der dunkelsten Kapitel der Menschheitsgeschichte in gro\u00dfe Kunst umzusetzen \u2013 und zwar in einer ganz eigenen Bild- und Tonsprache und ohne sich in ebenso g\u00e4ngigen wie vielfach abgegriffenen, postkolonialen Formeln und Narrativen zu verheddern. Wer den historischen Subtext ausblenden will, kann &#8222;Bass&#8220; jedoch auch als pur \u00fcberw\u00e4ltigendes Erlebnis von Licht, Klang und Raum wahrnehmen. Die unabh\u00e4ngig voneinander programmierten und lang bemessenen Zyklen von Sound und Licht garantieren, dass das Publikum deren Zusammenspiel praktisch in jeder Besuchsperiode auf etwas andere Art und Weise wahrnimmt. Und genau das spielt f\u00fcr McQueen letztendlich auch eine bedeutende Rolle. Die Arbeit hat ihre Wurzeln zwar in der Geschichte der Sklaverei. &#8222;Ich m\u00f6chte das aber nicht \u00fcberbetonen&#8220;, so McQueen. Es gehe bei &#8222;Bass&#8220; auch um die Entdeckung von etwas Neuem und Unbekannten, um die Freude am Experiment und die Frage, wie alles weitergeht.<\/p>\n\n\n\n<hr style=\"--wb-separator-margin-top:0px;--wb-separator-margin-bottom:0px\" class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Steve McQueen, Bass, Schaulager Basel, Ruchfeldstrasse 19, CH-4142 M\u00fcnchenstein\/Basel, <a href=\"http:\/\/www.schaulager.org\/\">www.schaulager.org<\/a>.<br>bis 16. November 2025, Do 12-18 Uhr, Sa\/So 11-17 Uhr, an allen anderen Wochentagen geschlossen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kataloge:<br>Steve McQueen: Bass, in englischer Sprache, 200 S., zahlreiche Abbildungen.<br>Steve McQueen: Bass Volume, in deutscher und englischer Sprache, 160 S., 50 Installationsaufnahmen plus 50 Referenzabbildungen, erscheint im Sommer 2025<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Steve McQueens immersive Installation &#8222;Bass&#8220; \u00fcberw\u00e4ltigt das Publikum im Schaulager Basel. Ihr ber\u00fchrender Subtext erschlie\u00dft sich dabei erst nach und nach. Das Schaulager der Laurenz-Stiftung im schweizerischen Basel-M\u00fcnchenstein ist ein weltweit einmaliger Ort f\u00fcr das Erleben besonders aufw\u00e4ndiger oder extravaganter Pr\u00e4sentationen zeitgen\u00f6ssischer Kunst. 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