{"id":2409,"date":"2025-08-28T16:46:06","date_gmt":"2025-08-28T14:46:06","guid":{"rendered":"https:\/\/on-art.news\/?p=9770"},"modified":"2026-08-14T22:00:04","modified_gmt":"2026-08-14T20:00:04","slug":"alleinstellungsmerkmal-linol","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/on-art.news\/en\/2025\/08\/28\/alleinstellungsmerkmal-linol\/","title":{"rendered":"Alleinstellungsmerkmal Linol"},"content":{"rendered":"<h3 class=\"wp-block-heading\">Der Grafikpreis &#8222;Linolschnitt heute&#8220; der Stadt Bietigheim-Bissingen, 25. Juli 2025 bis 26. Oktober 2025.<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit <em>Linolschnittchen<\/em> empf\u00e4ngt die St\u00e4dtische Galerie Bietigheim-Bissingen derzeit ihre Besucher:innen: ein humorvoller Beitrag von Claudia Anders zum Wettbewerb <em>Linolschnitt heute<\/em>. Auf einer mit Alufolie \u00fcberzogenen Servierplatte liegt eine scheinbar durchbrochene papierne Unterlage, auf die in Linolschnitt-Technik belegte Baguettescheiben und K\u00e4sew\u00fcrfel gedruckt sind. Zum 13. Mal hat die Stadt dieses Jahr den Wettbewerb ausgeschrieben, den wichtigsten auf seinem Gebiet. Die Ergebnisse sind wie immer in der St\u00e4dtischen Galerie ausgestellt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bietigheim und das Linoleum: das war lange Zeit so etwas wie zwei Seiten ein- und derselben Medaille. Mit der Gr\u00fcndung einer Linoleumfabrik 1899 begann in der Stadt, etwas mehr als 20 Kilometer n\u00f6rdlich von Stuttgart, die Industrialisierung. In den n\u00e4chsten 40 Jahren wuchs Bietigheim von 4.000 auf 9.000 Einwohner. Die Deutschen Linoleumwerke (DLW), zu denen sich der Hersteller 1926 mit mehreren anderen zusammenschloss, waren lange Zeit der gr\u00f6\u00dfte Arbeitgeber der Stadt. So fiel es bei der Gr\u00fcndung der St\u00e4dtischen Galerie nicht schwer, ein Alleinstellungsmerkmal zu finden: Alle drei Jahre schreibt die Stadt, seit der Gemeindereform 1975 Bietigheim-Bissingen, den Wettbewerb aus.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped w3 wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"734\" height=\"1024\" data-id=\"1665\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Dittrich_Benjamin_Zentrale-Symbiose_2024_\u00a9-VG-Bild-Kunst-Bonn-2025-734x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1665\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Dittrich_Benjamin_Zentrale-Symbiose_2024_\u00a9-VG-Bild-Kunst-Bonn-2025-734x1024.jpg 734w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Dittrich_Benjamin_Zentrale-Symbiose_2024_\u00a9-VG-Bild-Kunst-Bonn-2025-215x300.jpg 215w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Dittrich_Benjamin_Zentrale-Symbiose_2024_\u00a9-VG-Bild-Kunst-Bonn-2025-768x1071.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Dittrich_Benjamin_Zentrale-Symbiose_2024_\u00a9-VG-Bild-Kunst-Bonn-2025-1101x1536.jpg 1101w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Dittrich_Benjamin_Zentrale-Symbiose_2024_\u00a9-VG-Bild-Kunst-Bonn-2025.jpg 1127w\" sizes=\"(max-width: 734px) 100vw, 734px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"715\" height=\"1024\" data-id=\"1664\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Shin_EunJoo_Herr-Romantschenko_2023-715x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1664\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Shin_EunJoo_Herr-Romantschenko_2023-715x1024.jpg 715w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Shin_EunJoo_Herr-Romantschenko_2023-210x300.jpg 210w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Shin_EunJoo_Herr-Romantschenko_2023.jpg 749w\" sizes=\"(max-width: 715px) 100vw, 715px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" data-id=\"1666\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Poenisch_Moors_Streifen_IV_2024-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1666\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Poenisch_Moors_Streifen_IV_2024-768x1024.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Poenisch_Moors_Streifen_IV_2024-225x300.jpg 225w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Poenisch_Moors_Streifen_IV_2024.jpg 932w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\"><strong>Links<\/strong>: Benjamin Dittrich, Zentrale Symbiose, 2024. 43,5 x 31,2 \/ 42,3 x 29,7 cm, Auflagen 3. VG Bild-Kunst, Bonn 2025.  <strong>Middle<\/strong>: Eun-Joo Shin, Herr Romantschenko 2023. <strong>Right<\/strong>: Susann P\u00f6nisch und Timo Moors, Streifen IV, 2024. Farblinolschnitt, 80 x 60 cm, Unikat.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die St\u00e4dtische Galerie Bietigheim-Bissingen<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die St\u00e4dtische Galerie Bietigheim-Bissingen entstand 1989, im selben Jahr wie das ZKM in Karlsruhe und die Akademie Schloss Solitude in Stuttgart. Es war die \u00c4ra des kunstsinnigen Ministerpr\u00e4sidenten Lothar Sp\u00e4th, der aus Bietigheim-Bissingen stammte. Er hatte erkannt, dass die Industriegesellschaft dabei war, sich in eine Informationsgesellschaft zu verwandeln, in der das kulturelle Kapital eine wichtige Rolle spielt. In Sp\u00e4ths Regierungszeit, 1978 bis 1991, fielen der Neubau der Stuttgarter Staatsgalerie von James Stirling und die Gr\u00fcndung der Mehrzahl der St\u00e4dtischen Galerien in Baden-W\u00fcrttemberg. 31 sind es, mehr als in jedem anderen Bundesland, wie der Arbeitskreis <em>Bildende Kunst an St\u00e4dtischen Galerien und Museen<\/em> im Museumsverband Baden-W\u00fcrttemberg festh\u00e4lt, dessen Sprecherin Isabell Schenk-Weininger die Leiterin der St\u00e4dtischen Galerie Bietigheim-Bissingen ist. Treibende Kraft bei der Gr\u00fcndung des Museums war der langj\u00e4hrige Oberb\u00fcrgermeister Manfred List, ein alter Freund Sp\u00e4ths, an dessen Stelle er 1991 auch in den Landtag einzog. Bietigheim-Bissingen sollte nicht nur eine Bahnstation auf dem Weg nach Stuttgart sein, war seine Devise. Sondern ein eigenst\u00e4ndiges Kulturzentrum.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die St\u00e4dtische Galerie befindet sich in einer historischen Getreidescheune, erg\u00e4nzt durch einem Erweiterungsbau aus dem Jahr 2000. Wer mit \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln anreist, kann die Galerie vom Bahnhof aus statt mit dem Bus auch in einem halbst\u00fcndigen Spaziergang erreichen, der durch Gr\u00fcnanlagen am Enzufer, an einer Felswand mit einem geologischen Lehrpfad vorbei, unter einem Viadukt aus der Fr\u00fchzeit der Eisenbahn hindurch, \u00fcber ein Gartenschaugel\u00e4nde und schlie\u00dflich durch die historische Altstadt f\u00fchrt. Es ist zugleich ein Skulpturenpfad mit zahlreichen Werken von Gerhard Marcks bis J\u00fcrgen Goertz und dar\u00fcber hinaus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schenk-Weininger stammt aus Bietigheim. Sie hat nach dem Studium in T\u00fcbingen in der Kunsthalle G\u00f6ppingen angefangen und arbeitet seit1999 in der Stadtischen Galerie. Mit einer Ausstellung zum Thema ihrer Doktorarbeit, <em>Krieg \u2013 Medien \u2013 Kunst<\/em>, gelang ihr 2004, im Jahr des amerikanischen Angriffskriegs auf den Irak, ein Coup. Die Ausstellung wanderte an drei Orte weiter. Seitdem leitet sie die St\u00e4dtische Galerie.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Sammlung und Ausstellungen<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Linolschnitt ist nicht nur Thema des Wettbewerbs, sondern auch Schwerpunkt der Sammlung. Linoleum wurde um 1860 erfunden, der Linolschnitt kam um die Jahrhundertwende auf. Einer der ersten, der von der neuen Technik Gebrauch machte, war Henri Matisse, weil sich in Linoleum leichter runde, geschwungene Linien schneiden lie\u00dfen als in Holz. Picasso folgte auf seinen Spuren. Auch August Macke, Gabriele M\u00fcnter und Christian Rohlfs fertigten Linolschnitte an. Alle sind in der Sammlung vertreten, die Linolschnitte von mehr als 300 K\u00fcnstler:innen umfasst, alle waren auch schon in der St\u00e4dtischen Galerie ausgestellt. Von Anfang an findet einmal im Jahr eine Ausstellung zur klassischen Moderne statt, eben weil es seit dieser Zeit Linolschnitte gibt. Es gab auch schon Einzelausstellungen von Emil Nolde, Lyonel Feininger und Ernst-Ludwig Kirchner.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eines der Highlights war 2014 eine gro\u00dfe Retrospektive zu Marianne Werefkin. Die 1860 geborene K\u00fcnstlerin pr\u00e4gte wesentlich die K\u00fcnstlergruppe <em>Der<\/em> <em>Blaue Reiter<\/em>. Erst durch sie wurde Alexej Jawlensky zum K\u00fcnstler. Gefragt, wie sie ein solches Gro\u00dfprojekt stemmen konnte, antwortet Schenk-Weininger, nur wenige Museen bes\u00e4\u00dfen eine nennenswerte Anzahl von Werken Werefkins, darunter das Lenbachhaus in M\u00fcnchen und das Museum Wiesbaden, die allerdings schon lange keine Ausstellungen zu ihr mehr gemacht hatten. Viele Arbeiten befanden sich dagegen in Privatbesitz. Sie kontaktierte die Sammler, und als sie gen\u00fcgend Leihgeber gefunden hatte, war auch die Stiftung in Ascona, die den Nachlass der K\u00fcnstlerin bewahrt, mit an Bord. Die anf\u00e4ngliche Bef\u00fcrchtung, nicht gen\u00fcgend Werke zusammenzubekommen, erwies sich als unbegr\u00fcndet.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped w3 wp-block-gallery-2 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"608\" data-id=\"1667\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Moser_Sergei_1976_2024-1024x608.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1667\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Moser_Sergei_1976_2024-1024x608.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Moser_Sergei_1976_2024-300x178.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Moser_Sergei_1976_2024-768x456.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Moser_Sergei_1976_2024-1536x912.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Moser_Sergei_1976_2024-2048x1216.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\">Sergei Moser, 1976, 2024. Farblinolschnitt, Mischtechnik auf Leinwand (Wandkarte), 116,1 x 193,2 cm, Unikat.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ausstellungen zur klassischen Moderne, vor allem aber der Linolschnittpreis bieten Gelegenheit, die Sammlung st\u00e4ndig zu erweitern. Ein zweiter Schwerpunkt sind regionale K\u00fcnstler:innen. Wobei das eine vom anderen nicht immer zu trennen ist. Der zuletzt ausgestellte Paul Reichle etwa hat zwar den \u00fcberwiegenden Teil seines Lebens in Bietigheim gelebt, wo er als Grafiker bei den DLW angestellt war: auf Empfehlung Willi Baumeisters, von dem das Signet des Unternehmens stammte. Sein Ausgangspunkt war jedoch ein Semester am Bauhaus aus, wo bei L\u00e1szl\u00f3 Moholy-Nagy, Josef Albers, Paul Klee und Wassily Kandinsky studierte und bei Oskar Schlemmer in der B\u00fchnenwerkstatt mitarbeitete. F\u00fcnfzig Bietigheimer:innen schickten auf einen Aufruf der St\u00e4dtischen Galerie Fotos, die Reichles Werken in ihren Wohnungen zeigten: Ein gelungener Weg, Publikum an sich zu binden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zum 50-j\u00e4hrigen Bestehen der Doppelstadt hat die Stuttgarter K\u00fcnstlerin Doris Graf getan, was sie auch schon in S\u00e3o Paulo, Rio de Janeiro oder Istanbul gemacht hat. Auf Stadtfesten lud sie Menschen aller Alters- und Bev\u00f6lkerungsgruppen ein, einen Lieblingsort oder ein f\u00fcr ihre Stadt charakteristisches Bild zu zeichnen. Die Ergebnisse destilliert sie im Anschluss zu piktogrammartigen quadratischen Tafeln, die dann ab Oktober in der Galerie ausgestellt sein werden. Solche Ausstellungen mit Ortsbezug laufen in der Regel parallel zu anderen, die \u00fcber den regionalen Tellerrand hinausweisen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Linolschnitt heute<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Linolschnittwettbewerb stie\u00df von Anfang an auf gro\u00dfe Resonanz. \u00dcber 300 K\u00fcnstler:innen reichten schon beim ersten Mal ihre Arbeiten ein. Diesmal waren es rund 500 aus 33 L\u00e4ndern. Sie schicken zun\u00e4chst Fotos. Ungef\u00e4hr jede:r vierte wurde aufgefordert, die Originale einzusenden, die dann \u00fcberall in der Galerie ausgelegt und von einer Jury begutachtet werden. Ungef\u00e4hr jede:r Dritte davon kam zum Zug: Bis zu drei Werke von 45 K\u00fcnstler:innen sind nun in der Ausstellung zu sehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Linolschnitt gilt wie alle Druckgrafik als Medium der Vervielf\u00e4ltigung. Von den Arbeiten des Wettbewerbs sind jedoch h\u00e4ufig nur Kleinserien von zwei bis f\u00fcnf Exemplaren entstanden, obwohl es auch Auflagenwerke und K\u00fcnstlerb\u00fccher gibt. Ein Drittel sind Unikate, sei es, weil sie in der Technik der verlorenen Form nach jedem Druckvorgang weiter bearbeitet werden oder aus anderen Gr\u00fcnden. Ungef\u00e4hr die H\u00e4lfte der Arbeiten sind farbig, also in mehreren Schritten gedruckt, bei den Streifenmustern von Susann P\u00f6nisch und Timo Moors besteht der ganze Reiz in der komplexen Farbfolge. Nicht selten sind sehr gro\u00dfe Formate wie etwa die originalgro\u00dfe Darstellung von zw\u00f6lf mit Graffiti bespr\u00fchten Mietshaus-Briefk\u00e4sten von Franca Bartholom\u00e4i; Anja Klafkis Umwandlung von Rembrandts <em>Nachtwachen<\/em> in eine blaue Unterwasserwelt; oder der 7,20 Meter breite Fries <em>Mit Krieg spielt man nicht<\/em> von Florian Haas in der Art von Spielkonsolen der 1980er-Jahre, der den Ukraine-Krieg aufs Korn nimmt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-3 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large w3\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"665\" data-id=\"1668\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Dzhurayeva_Olesya_-Under-the-pressure.-Window-of-Hope-_2024-1024x665.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1668\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Dzhurayeva_Olesya_-Under-the-pressure.-Window-of-Hope-_2024-1024x665.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Dzhurayeva_Olesya_-Under-the-pressure.-Window-of-Hope-_2024-300x195.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Dzhurayeva_Olesya_-Under-the-pressure.-Window-of-Hope-_2024-768x499.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Dzhurayeva_Olesya_-Under-the-pressure.-Window-of-Hope-_2024-1536x997.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Dzhurayeva_Olesya_-Under-the-pressure.-Window-of-Hope-_2024-2048x1330.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\">Olesya Dzhurayeva, Under the pressure. Window of Hope, 2024. Linolschnitt, 25-teilig, 258,5 x 393,5 cm, je 50,5 x 77,2 cm, Unikat.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Arbeiten sind \u00fcberaus vielf\u00e4ltig. Beim letzten Mal, 2022, sei erstmals bei Vielen ein Thema, die Coronakrise, im Mittelpunkt gestanden, sagt Schenk-Weininger. Von der der Wettbewerb, davor zuletzt durchgef\u00fchrt 2019, nicht betroffen war. Diesmal besch\u00e4ftigen sich einige mit dem Krieg. So die Ukrainerin Olesya Dzhurayeva, die daf\u00fcr den zweiten Preis erh\u00e4lt: Eine 2,50 mal vier Meter gro\u00dfe Fl\u00e4che aus 25 Rechtecken, die sie fast schwarz eingef\u00e4rbt hat. Nur in der Mitte bleibt ein kleines <em>Fenster der Hoffnung<\/em> frei. Es gibt aber auch ganz leichte Arbeiten, abstrakte und realistische, manchmal von atemberaubender Virtuosit\u00e4t: In Schwarzwei\u00df etwa die Gr\u00e4ser von Michael Hennevogl; ein surreales, dorniges Geflecht von Wies\u0142aw Ha\u0142adaj; oder das wilde Gestr\u00fcpp von Georges Wenger. Nahezu fotorealistisch zeichnet die in Frankfurt lebende Koreanerin Eun-Joo Shin die Zwangst\u00e4towierung koreanischer &#8222;Trostfrauen&#8220; w\u00e4hrend der japanischen Besatzung im Zweiten Weltkrieg aber auch zwei KZ-\u00dcberlebende: Der 96-j\u00e4hrige Borys Romantschenko fiel 2022 russischen Bombenangriffen auf Charkiw zum Opfer. Im selben Jahr starb im Alter von 98 Jahren die Sintiza Zilly Schmidt. Mit ihren hoch komplexen linearen Strukturen erinnern Shins Arbeiten an Kupferstiche der Renaissance.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn es etwas gibt, was die Arbeiten \u00fcber alle Gegens\u00e4tze hinweg verbindet, so dass sie den Linolschnitt an die Grenzen des M\u00f6glichen treiben. Manchmal auch \u00fcber die Grenzen der Drucktechnik hinaus. Bei Julia Schulz etwa bewegen sich zwei Silhouetten in einem Video. Obwohl ein Tischkicker im Raum steht, braucht es ein Weilchen, bis der Groschen f\u00e4llt: Die vorgebeugten Figuren mit den ausgebreiteten, zupackenden H\u00e4nden sind Tischfu\u00dfballspieler. Der S\u00fcdafrikaner Jacques Wilhelm Kannemeyer wiederum hat mehrere Portr\u00e4ts mit KI erstellt. &#8222;In an ink style a depiction of a trendy man with big beard and glasses emerges&#8220;, so beginnt etwa eine Beschreibung, aus der die Software Midjourney eine &#8222;k\u00fcnstlerische&#8220; Darstellung eines \u00e4lteren Mannes gemacht hat, der ein wenig an George Bernhard Shaw erinnert. Wenn es in der Konzeptkunst einmal hie\u00df, vom K\u00fcnstler stamme nur die Idee, die Ausf\u00fchrung sei zweitrangig, so stellt Kannemeyer diese Aussage auf den Kopf: Den Entwurf liefert die KI, nur die handwerkliche Ausf\u00fchrung der K\u00fcnstler.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Etwa die H\u00e4lfte der Beteiligten sind zum ersten, andere bereits zum vierten oder sechsten Mal dabei. Die Er\u00f6ffnung, zu der viele anreisen, dient immer auch dem Austausch \u00fcber Neuigkeiten auf dem Gebiet der Technik. Manch eine:r hat sich nach einer ersten Teilnahme, angeregt von den Arbeiten der Ausstellung, verst\u00e4rkt dem Linolschnitt zugewandt. Die \u00e4ltesten K\u00fcnstler:innen sind um die 80 \u2013 es gibt keine Altersbeschr\u00e4nkung \u2013, die j\u00fcngsten knapp \u00fcber 20. Wenn sich, bei allen Differenzen, eine Entwicklung bemerken l\u00e4sst, so allenfalls, dass j\u00fcngere bisweilen bereits bestehende Bildwelten wie Manga, Werbung oder Graffiti verarbeiten. Der erste Preistr\u00e4ger, der 1976 in Moldawien geborene Sergei Moser, setzt seine &#8222;Linolgem\u00e4lde&#8220;, wie er sie nennt, aus vielen verschiedenfarbigen Druckplatten zusammen, doch zusammengesetzt ist seine preisgekr\u00f6nte Arbeit auch thematisch. Der K\u00fcnstler recherchierte Medienbilder aus seinem Geburtsjahr: Auf einer Plakatwand in seinem Werk erscheint die F\u00fchrungsriege des Milit\u00e4rputschs in Argentinien, gegen\u00fcber einem Denkmal f\u00fcr Erdbebenopfer in Tianjin, China, auf dem auch das Apple-Logo angebracht ist. Das Software-Unternehmen gr\u00fcndete sich in diesem Jahr.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Alle Arbeiten sind verk\u00e4uflich. Zur Ausstellung erscheint wie immer ein Katalog, der in einen Original-Linolschnitt nach der Arbeit des Wettbewerbsgewinners eingebunden ist. Zu den drei Preisen kommen drei Ank\u00e4ufe. Die Preisgelder stifteten fr\u00fcher die DLW. Seit der Insolvenz 2017 \u00fcbernimmt die Stadt den Betrag. Noch geht es Bietigheim-Bissingen wirtschaftlich gut, die Stadt war zuletzt schuldenfrei. Wenn gespart werden m\u00fcsse, meint Schenk-Weininger, werde auch die Galerie ihren Anteil beitragen. Aber die Stadt spare nicht auf Kosten der Kultur. Kunst sei den Gemeinder\u00e4ten wichtig.<\/p>\n\n\n\n<hr style=\"--wb-separator-margin-top:0px;--wb-separator-margin-bottom:0px\" class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Ausstellung &#8222;Linolschnitt heute III&#8220; l\u00e4uft bis 26. Oktober. Parallel sind bis 28. September die Arbeiten von Doris Graf zu sehen und dann wieder, erg\u00e4nzt um die Arbeiten zu Bietigheim-Bissingen, vom 22. November 2025 bis 1. M\u00e4rz 2026. Die Galerie ist dienstags bis freitags von 14 bis 18 Uhr ge\u00f6ffnet, donnerstags bis 20 Uhr und am Wochenende von 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei. <a href=\"https:\/\/galerie.bietigheim-bissingen.de\/\">https:\/\/galerie.bietigheim-bissingen.de<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Grafikpreis &#8222;Linolschnitt heute&#8220; der Stadt Bietigheim-Bissingen, 25. Juli 2025 bis 26. Oktober 2025. 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