{"id":2431,"date":"2025-10-14T12:49:03","date_gmt":"2025-10-14T10:49:03","guid":{"rendered":"https:\/\/on-art.news\/?p=10297"},"modified":"2026-10-01T17:36:16","modified_gmt":"2026-10-01T15:36:16","slug":"braunsfelder","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/on-art.news\/en\/2025\/10\/14\/braunsfelder\/","title":{"rendered":"Portraits. Edel sei der Mensch"},"content":{"rendered":"<h3 class=\"wp-block-heading\">Braunsfelder, K\u00f6ln, 3. September \u2013 26. October 2025.<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der stilvoll sanierten ehemaligen Werkshalle im K\u00f6lner Stadtteil Ehrenfeld herrscht eine geradezu wohnliche Atmosph\u00e4re. Tageslicht f\u00e4llt durch die Glasfront, die Stra\u00dfenseite schirmen wei\u00dfe Vorh\u00e4nge ab und auf einer bunten Sitzlandschaft kann man sich mit einem der Kunstb\u00fccher aus der beeindruckenden Bibliothek niederlassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Urspr\u00fcnglich sollte hier die <em>Braunsfelder Family Collection<\/em> einziehen, die seit etwa drei\u00dfig Jahren vor allem durch zeitgen\u00f6ssische Arbeiten auf Leinwand und Papier sowie plastische Werke erweitert wird. Dazu geh\u00f6ren etablierte Positionen wie Andreas Schulze, Elizabeth Peyton, Thomas Scheibitz oder die Br\u00fcder Gert und Uwe Tobias, und Werke vieler weiterer Talente, beispielsweise von Behrang Karimi, David Ostrowski oder Kemang Wa Lehulere.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch schnell war klar, dass ein \u00f6ffentlicher Ausstellungsraum ein noch spannenderes und vor allem kommunikativeres Projekt werden k\u00f6nnte. Ende 2017 entstand <em>Braunsfelder<\/em>, wie auch diese Unternehmung sich in Anlehnung an die Familiengeschichte nennt. Seitdem hat Georg Jacobi mit den von ihm eingeladenen Kurator:innen in \u00fcber drei\u00dfig experimentellen Ausstellungen aktuelle Kunst aus dem Rheinland und der internationalen Kunstwelt vorgestellt. Mitunter wechselt daraus auch etwas in die private Sammlung, die im Programm aber nur selten eine Rolle spielt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" data-id=\"1751\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/2025.08.29_Braunsfelder-install-099-1024x683.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1751\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/2025.08.29_Braunsfelder-install-099-1024x683.jpeg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/2025.08.29_Braunsfelder-install-099-300x200.jpeg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/2025.08.29_Braunsfelder-install-099-768x512.jpeg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/2025.08.29_Braunsfelder-install-099-1536x1024.jpeg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/2025.08.29_Braunsfelder-install-099-2048x1365.jpeg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" data-id=\"1750\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/2025.08.29_Braunsfelder-install-002-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1750\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/2025.08.29_Braunsfelder-install-002-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/2025.08.29_Braunsfelder-install-002-300x200.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/2025.08.29_Braunsfelder-install-002-768x512.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/2025.08.29_Braunsfelder-install-002-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/2025.08.29_Braunsfelder-install-002-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\"><strong>Links<\/strong> und <strong>rechts<\/strong>: Raumansichten, Braunsfelder, K\u00f6ln. Bis zum 26. Oktober wird hier die Ausstellung &#8222;Portraits. Edel sei der Mensch,&#8220; gezeigt. Beide Fotos: Braunsfelder.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Kommunikationsplattform f\u00fcr die Kunst<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Braunsfelder<\/em> ist ein Ausstellungsraum, betont Jacobi, eine Plattform f\u00fcr die meist noch jungen K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler. Die sehen sich in Gruppenausstellungen auch schon mal Positionen gegen\u00fcbergestellt, die bereits zum Kanon der Kunstgeschichte geh\u00f6ren. Die Arbeiten, die ihm die Kunstschaffenden und Galerien f\u00fcr die Ausstellungen zur Verf\u00fcgung stellen, sind in der Regel verk\u00e4uflich. Der promovierte Volkswirt nennt das eine \u00f6konomische Mischkalkulation, die ihm unter anderem den Druck von Ausstellungskatalogen erm\u00f6glicht, den die K\u00fcnstler:innen sehr sch\u00e4tzen. Er selbst sch\u00e4tzt die intensive Auseinandersetzung mit der Kunst, die Gespr\u00e4che mit den Kreativen, den Kurator:innen und den anderen Fachleuten und Kunstliebhaber:innen. Wer den Ausstellungsraum besucht, wird von ihm pers\u00f6nlich empfangen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der aktuellen Gruppenausstellung &#8222;Portraits. Edel sei der Mensch,&#8220; kann das Publikum nicht nur den Werken, sondern, wenn man so will, auch den K\u00fcnstler:innen selbst begegnen. Denn es ist nicht zuletzt ihr Blick auf den Menschen, eine andere Person oder sich selbst, der in den Portr\u00e4ts sichtbar wird. Georg Jacobi, der ausnahmsweise selbst als Kurator agierte, hat zum Thema beinahe f\u00fcnfzig K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler ausgew\u00e4hlt, von Annabelle Agbo Godeau (*1995) \u00fcber Alberto Giacometti (1901-1966), Anne Imhof (*1978), Else Lasker-Sch\u00fcler (1869-1945), Mimmo Paladino (*1948) und Thomas Sch\u00fctte (*1954) bis zu dem Renaissancek\u00fcnstler Michael Wolgemut (1434-1519).<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">\u00dcberraschendes Angebot<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So erlebt man bei <em>Braunsfelder<\/em> diesmal eine ungewohnte F\u00fclle: In einer einzigen Reihe, in- und um alle Ecken herumgef\u00fchrt, h\u00e4ngen dicht an dicht weit \u00fcber hundert Kunstwerke an den W\u00e4nden. Hinzu kommen noch einige Plastiken und B\u00fccher, die im Raum platziert sind. Georg Jacobi vergleicht die lineare H\u00e4ngung mit einem Perlenband. Den Besucher:innen verlangt er damit etwas ab, sie m\u00fcssen sich Zeit nehmen. Diese Ausstellung ist nicht auf einen Blick zu konsumieren. Aber man kann an den W\u00e4nden entlangwandern und sich all diesen Figuren und Gesichtern n\u00e4hern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Beispielsweise jenen von Michele Cesaratto. Der hat sich f\u00fcr seine kleinen, mit Eitempera auf Kirschholz oder Walnussholz gemalten Portr\u00e4ts offensichtlich mit Bildnissen der italienischen Fr\u00fchrenaissance besch\u00e4ftigt und raffinierte Statements zur Gegenwart daraus entwickelt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zwischen die farbigen Leinwandarbeiten &#8222;Zwiebel-Look&#8220; von Max Mucha, &#8222;Milostki (Crashs)&#8220; von Agata Slowak und &#8222;An evening far II&#8220; von C\u00e9cile Lempert hat Georg Jacobi ein bekanntes Motiv aus Hugo Steiner-Prags (1880-1945) s-w Illustration des 1915 erschienenen Romans &#8222;Der Golem&#8220; von Gustav Meyrink und eines der 1986 von Anna Blume (1936-2020) mit wei\u00dfer Kreide auf schwarzem Papier gezeichneten &#8222;Traumbilder&#8220; geh\u00e4ngt. So unterschiedlich in Intention und Ausf\u00fchrung die Bilder der jungen Maler:innen auch sind, ist ihnen ein unterschwelliger Ausdruck von Unsicherheit und \u00dcberforderung gemeinsam, den die beiden \u00e4lteren Werke auf interessante Weise konkretisieren.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped w3 wp-block-gallery-2 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"848\" height=\"1024\" data-id=\"1753\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/2025.08.29_Braunsfelder_100-848x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1753\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/2025.08.29_Braunsfelder_100-848x1024.jpg 848w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/2025.08.29_Braunsfelder_100-248x300.jpg 248w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/2025.08.29_Braunsfelder_100-768x927.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/2025.08.29_Braunsfelder_100-1272x1536.jpg 1272w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/2025.08.29_Braunsfelder_100-1696x2048.jpg 1696w\" sizes=\"(max-width: 848px) 100vw, 848px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"816\" height=\"1024\" data-id=\"1754\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/2025.08.29_Braunsfelder_103-816x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1754\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/2025.08.29_Braunsfelder_103-816x1024.jpg 816w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/2025.08.29_Braunsfelder_103-239x300.jpg 239w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/2025.08.29_Braunsfelder_103-768x964.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/2025.08.29_Braunsfelder_103-1224x1536.jpg 1224w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/2025.08.29_Braunsfelder_103-1632x2048.jpg 1632w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/2025.08.29_Braunsfelder_103-scaled.jpg 2040w\" sizes=\"(max-width: 816px) 100vw, 816px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\"><strong>Links<\/strong>: Torsten Slama, Die Pr\u00e4sidentin der Instrumentalit\u00e4t\/The President of the Instrumentality, 2007. Bleistift auf Pergament, 100 x 70cm. <strong>Right<\/strong>: Rebekka K\u00fcmmerer, nacken (jul.), 2025. Gouache, Kreide und Pigment auf Leinwand, 180 x 140cm. Alle Fotos: Braunsfelder.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Historische Eckpfeiler<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zu den historischen, die Ausstellung als Eckpfeiler begleitenden Werken, geh\u00f6ren zwei B\u00e4nde des Theologen Johann Caspar Lavater, dem die gro\u00dfen Meister sozusagen zu einer konzeptuellen Verwertung dienten. Die Studien zu seiner Enzyklop\u00e4die &#8222;Physiognomische Fragmente, zur Bef\u00f6rderung der Menschenkenntni\u00df und Menschenliebe&#8220; (1775\u20131978), in denen er aus der Physiognomie eines Menschen dessen Charakter deutete, hatte er nicht an Lebewesen, sondern an Zeichnungen und grafischen Kopien von Kunstwerken durchgef\u00fchrt. Wer will, kann die ausliegenden Ergebnisse \u00fcberpr\u00fcfen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Lavaters seinerzeit h\u00f6chst popul\u00e4rem Werk hatte auch Johann Wolfgang von Goethe mit Textbeitr\u00e4gen zugearbeitet, bevor er zum Wissenschaftler und Weimarer Klassiker wurde. Wie dieser hatte er daran geglaubt, dass Gott sich in der Sch\u00f6nheit der Natur und im vern\u00fcnftigen Handeln der Menschen selbst zu erkennen gebe. Die erste Zeile aus seinem Gedicht &#8222;Das G\u00f6ttliche&#8220; verleiht der Ausstellung ihren klangvollen Titel. Vor Ort ist das nachzulesen in einer 1785 erschienenen Publikation des Philosophen Friedrich Heinrich Jacobi, in der es seine Erstver\u00f6ffentlichung fand. Jawohl, der ist ein Vorfahre des Hausherrn.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die &#8222;Stunde Null&#8220; des Selbstportr\u00e4ts, pr\u00e4sentiert sich den Besucher:innen gewisserma\u00dfen in der von Michael Wolgemut illustrierten sogenannten &#8222;Schedelschen Weltchronik&#8220; von 1493, die mit der biblischen Erz\u00e4hlung von der Erschaffung der Welt beginnt. Die aufgeschlagene Doppelseite beschreibt, wie Gott nach seiner eigenen Gestalt die ersten beiden Menschen formte \u2013 und sie nach ihrer Verfehlung ins Elend dieser Welt vertrieb. Da waren sie Dank der verbotenen Frucht vom Baum der Erkenntnis \u00fcbrigens schon in der Lage, zwischen Gut und B\u00f6se zu unterscheiden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Tradition und Gegenwart<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein zeitgen\u00f6ssisches &#8222;Autoportrait \u00e0 la chemni\u00e9e&#8220; von C\u00e9dric Rivrain wirkt dagegen seltsam widerspr\u00fcchlich. Der K\u00fcnstler begegnet uns auf dem schmalen Hochformat als Halbakt in einem \u00fcber einem Kamin h\u00e4ngenden gerahmten Spiegel. In der linken Hand h\u00e4lt er das Smartphone, mit dem er die Szene wohl festgehalten hat. Ausgef\u00fchrt ist sie allerdings in \u00d6l auf Leinwand. Rivrain scheint das Selfie als digital optimierte Variante des Repr\u00e4sentationsbildnisses in Frage zu stellen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man kann dar\u00fcber spekulieren, ob sich mit der Auswahl dieses Bildes wom\u00f6glich auch eine gewisse Skepsis Georg Jacobis gegen\u00fcber neueren k\u00fcnstlerischen Techniken offenbart. In den Ausstellungen bei <em>Braunsfelder<\/em> sind beinahe ausschlie\u00dflich Kunstwerke zu finden, die man \u2013 zumindest gedanklich \u2013 auch in ihrer haptischen Wirkung erleben kann. Die klassischen Bildk\u00fcnste, Malerei, Zeichnung und Grafik, sowie Plastiken und Objekte in jeder Form.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf diesem Feld beweist der Betreiber allerdings nicht nur ein gutes Auge, sondern auch ein Gesp\u00fcr f\u00fcr die Aktualit\u00e4t eines k\u00fcnstlerischen Werks und ein gutes Netzwerk. Den bislang nur in Frankreich bekannten C\u00e9dric Rivrain hat er in einer Pariser Ausstellung aufgesp\u00fcrt, Nika Kutateladze, mit seinen eigenartig surrealen kleinen Malereien, unter den Newcomern der Art Basel, und C\u00e9cile Lempert, die sich dem fragil wirkenden Personal auf ihren Gem\u00e4lden mit Zeichnungen ann\u00e4hert, hat ihm sein Sohn vorgestellt, der seit drei Jahren eine Galerie in Berlin betreibt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Bleibende Werte<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">An K\u00fcnstler:innen, die er wertsch\u00e4tzt, h\u00e4lt Georg Jacobi fest. Lukas Schmenger, der am Selbstportr\u00e4t existenzielle Fragestellungen erforscht, hat er schon fr\u00fch bei <em>Braunsfelder<\/em> gezeigt und einige seiner Werke fanden Eingang in die Familiensammlung. In der Ausstellung ist unter anderem ein silbrig gl\u00e4nzendes, plastisches &#8222;Portrait Of The Artist As The Moon Over Geldernstra\u00dfe&#8220; von ihm zu sehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht jedes der Bildnisse kann sich in der dichten Abfolge ideal behaupten, und das Werk der mehrfach vertretenen K\u00fcnstler:innen h\u00e4tte sich in benachbarter H\u00e4ngung m\u00f6glicherweise aufschlussreicher dargestellt. Aber es ist keine Museumsausstellung. So geht es bei der Konfrontation von Alt und Neu auch nicht darum, eine Entwicklungsgeschichte des Portr\u00e4ts zu illustrieren. Georg Jacobi versteht die Ausstellung als ein Angebot, all diese Kunstschaffenden und Arbeiten bei <em>Braunsfelder<\/em> kennenzulernen und von diesem oder jenem Bild vielleicht zu einer intensiveren Auseinandersetzung herausgefordert zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von Oliver Osborne waren bei <em>Braunsfelder<\/em> vor f\u00fcnf Jahren verschiedene Ansichten eines Gummibaums zu sehen. In dem \u00d6lbild &#8222;Untitled (Grund und Figur II)&#8220; inszenieren zwei seiner Blattspitzen ein Brustbild im Profil, das aus der roten Bildfl\u00e4che auszubrechen scheint. F\u00fcr diese Bildfigur diente sein Sohn als Modell, ein Werk von Paul Cezanne hat ihn darauf gebracht. Osbornes Radierung &#8222;Portrait of a Fat Man (after the Master of Fl\u00e9malle)&#8220; zeigt eine am\u00fcsante formale \u00dcbereinstimmung mit der Grafitzeichnung &#8222;Die Pr\u00e4sidentin der Instrumentalit\u00e4t&#8220; von Torsten Slama an ihrer Seite. Aus Slamas Nachlass ist eine ganze Anzahl von Werken in der Ausstellung verteilt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Den Geistern begegnen<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ob seines enormen Gewichts in einer Ecke platziert, ist ein recht wild blickender &#8222;Dante&#8220; von Jean-Marie Appriou. Ein Hauptwerk der franz\u00f6sischen Malerei des 19. Jahrhunderts, die &#8222;Dantebarke&#8220; von Eug\u00e8ne Delacroix (1822), fungiert dem Bildhauer daf\u00fcr als Referenz. Es sind einige K\u00fcnstler:innen in dieser Ausstellung, die in irgendeiner Weise Bezug auf die Kunst- und Kulturgeschichte nehmen. Rebekka K\u00fcmmerer hingegen wagt den Nahblick auf ein weibliches Modell. Ihre gro\u00dfformatige Leinwandarbeit &#8222;nacken (jul.)&#8220; ist Georg Jacobi beim letzten Rundgang der D\u00fcsseldorfer Kunstakademie aufgefallen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was den anfangs erw\u00e4hnten Blick der zeitgen\u00f6ssischen K\u00fcnstler:innen auf den Menschen angeht, f\u00e4llt auf, dass einem auf nur wenigen der Darstellungen ein Gesicht entgegensieht. Mitunter wirkt es so, als ob diese Wesen ihre Umgebung \u00fcberhaupt nicht wahrnehmen und vielmehr mit sich selbst besch\u00e4ftigt sind. Auf einer gro\u00dfformatigen Leinwand von Fatma G\u00fcd\u00fc identifiziert man zun\u00e4chst einen Kopf. Erst bei n\u00e4herem Betrachten wird in der diffus angelegten Malerei eine gewaltvolle Szene sichtbar, die jedoch letztlich uneindeutig bleibt. Es sind die &#8222;Geister der Gegenwart&#8220;, die unter den jungen Kunstschaffenden anscheinend nicht nur sie wahrnimmt. Schwierige Zeiten f\u00fcr Goethes vertrauensvollen Appell.<\/p>\n\n\n\n<hr style=\"--wb-separator-margin-top:0px;--wb-separator-margin-bottom:0px\" class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/www.braunsfelder.com\/\">Portraits. Edel sei der Mensch,<\/a> <br>Ausstellung bei <em>Braunsfelder<\/em>, K\u00f6ln, 3. September bis 26. Oktober 2025.<br>Nach den Vernissagen sind die Ausstellungen bei <em>Braunsfelder<\/em> auf Verabredung zu besichtigen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Braunsfelder, K\u00f6ln, 3. September \u2013 26. October 2025. In der stilvoll sanierten ehemaligen Werkshalle im K\u00f6lner Stadtteil Ehrenfeld herrscht eine geradezu wohnliche Atmosph\u00e4re. 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Edel sei der Mensch - on art Magazine<\/title>\n<meta name=\"description\" content=\"Die Ausstellung &quot;Portraits. Edel sei der Mensch,&quot; in der Sammlung Braunsfelder, K\u00f6ln, versammelt in einer Gruppenschau Werke von etwa 48 K\u00fcnstler:innen, vom Sp\u00e4tmittelalter bis heute, die das Genre des (Selbst-)Portr\u00e4ts in seinen vielen Auspr\u00e4gungen hinterfragen und neu interpretieren. Der Titel bezieht sich auf Goethes Gedicht &quot;Das G\u00f6ttliche&quot; und stellt damit die Frage, was den Menschen vom Tier unterscheidet \u2013 ein Thema, das durch Portr\u00e4tkunst, Darstellung von Identit\u00e4t und Maske sowie \u00f6ffentliche und private Selbstdarstellung visuell erfahrbar gemacht wird.\" \/>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/on-art.news\/en\/2025\/10\/14\/braunsfelder\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"en_GB\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Portraits. Edel sei der Mensch - on art Magazine\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Die Ausstellung &quot;Portraits. 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