{"id":2435,"date":"2025-10-27T12:17:36","date_gmt":"2025-10-27T11:17:36","guid":{"rendered":"https:\/\/on-art.news\/?p=10402"},"modified":"2026-08-14T22:00:05","modified_gmt":"2026-08-14T20:00:05","slug":"anne-kaminsky","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/on-art.news\/en\/2025\/10\/27\/anne-kaminsky\/","title":{"rendered":"Anne Kaminsky"},"content":{"rendered":"<h3 class=\"wp-block-heading\">Ein Besuch im K\u00f6lner Atelier der Malerin.<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Anne Kaminskys Atelier befindet sich in ihrem Wohnhaus am Stadtrand, wo K\u00f6ln schon gar nicht mehr nach einer Gro\u00dfstadt aussieht. Durch die Eingangst\u00fcr des umgebauten Backsteinhauses geht es in eine gem\u00fctliche Wohnk\u00fcche. Hier hat die K\u00fcnstlerin Kaffee und Fr\u00fchst\u00fcck vorbereitet. Sie erz\u00e4hlt, dass sie erst k\u00fcrzlich von einer Residency in China und von einem Besuch in der d\u00e4nischen Heimat zur\u00fcckgekehrt ist. Beim Gedanken an die so unterschiedlichen, aber in ihrer Weite vergleichbaren Landschaften beginnen ihre hellen Augen zu leuchten, als w\u00e4re etwas davon in ihnen konserviert. Sie berichtet von chinesischen Bergen, vom Haus ihrer Gro\u00dfeltern in D\u00e4nemark und von Per Kirkeby, sodass wir gleich mitten im Thema sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach dem herzlichen Empfang geht es weiter ins Atelier, das sich im gr\u00f6\u00dften Raum des Hauses befindet. Unter der hohen Decke mit den h\u00f6lzernen Streben l\u00e4sst eine lange Fensterfront den Blick in einen \u00fcppig begr\u00fcnten Garten zu. Stetig sich ver\u00e4nderndes Tageslicht f\u00e4llt durch die Fenster, taucht das Atelier und die darin befindlichen Werke in wechselnde Stimmungen. Das passt zu Kaminskys Arbeiten, welche dem Ausblick in ihrer naturnahen Farbigkeit zu antworten scheinen. Kurzerhand setzt sich die K\u00fcnstlerin auf die Arbeitsfl\u00e4che eines der gr\u00fcn gestrichenen Werktische, l\u00e4dt ein es ihr gleichzutun. Immer wieder unterbricht sie das Gespr\u00e4ch, um wie zur Bebilderung des Geschilderten gro\u00df- wie kleinformatige Arbeiten hervorzuholen, sodass sich das Atelier in schier endlose farbige R\u00e4ume aufzuf\u00e4chern scheint.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full w3\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"873\" height=\"1048\" data-id=\"1778\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/being-abstract-2018-155-x185.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1778\" title=\"w3\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/being-abstract-2018-155-x185.jpg 873w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/being-abstract-2018-155-x185-250x300.jpg 250w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/being-abstract-2018-155-x185-853x1024.jpg 853w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/being-abstract-2018-155-x185-768x922.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 873px) 100vw, 873px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\">Anne Kaminsky, Being abstract, 2018. Foto: Anne Kaminsky.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Wo der Himmel ins Meer flie\u00dft<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kaminsky hat eine ungew\u00f6hnliche Biografie. Geboren 1971 im d\u00e4nischen Nyk\u00f8bing als Kind einer d\u00e4nischen Mutter und eines deutschen Vaters wuchs sie im hohen Norden auf, ist gepr\u00e4gt von Feldern und Seen. Ihre Gro\u00dfeltern kauften ein Haus in der N\u00e4he von Gedser an der s\u00fcdlichsten Spitze der Insel Falster, sodass Kaminsky ihre Kindheit zur H\u00e4lfte in D\u00e4nemark und zur H\u00e4lfte in Hamburg und Bad Schwartau bei L\u00fcbeck verbrachte. Kaminsky erz\u00e4hlt von dem kurzen Weg zur steinigen Ostseek\u00fcste und dem dichten Nebel, der alles in sich aufnehmen konnte. Dazu durfte sie ihren Vater, Kapit\u00e4n auf hoher See, zuweilen auf seinen Reisen entlang der K\u00fcsten Finnlands und D\u00e4nemarks begleiten, fand mit Blick auf den dunstumwobenen Horizont eine weitere Heimat. Auch wenn die d\u00e4nische Landschaft laut der K\u00fcnstlerin eher unbewusst in ihre Malerei eindringt, sind die nordische Natur, Stimmung und Umgebung unverkennbar darin sichtbar und f\u00fchlbar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Deutschland aber entdeckte sie bei Besuchen der Overbeck-Gesellschaft in L\u00fcbeck und der documenta IX ihre Vorliebe f\u00fcr die gro\u00dfformatigen Gem\u00e4lde von Per Kirkeby. Entsprechend begann sie 1993 ihr Studium der Malerei bei Kirkeby an der Frankfurter St\u00e4delschule. Dem Professor im ersten Studienjahr nacheifernd, versuchte sie es ihm im Malen von Farbe und Raum gleichzutun, aber scheiterte zun\u00e4chst daran. Denn zu diesem Zeitpunkt fiel es ihr noch schwer, farbige Fl\u00e4chen jenseits von Beliebigkeit ins Bild zu setzen. Halt fand sie Ende der 1990er-Jahre in ihren M\u00e4dchenbildern, die Gruppen oder Einzelfiguren eigenwilliger M\u00e4dchen zeigen und eine Form des Selbstportr\u00e4ts darstellen. Im Jahr 1996 gruppierte sie die M\u00e4dchen beispielsweise zur Fu\u00dfballmannschaft, lie\u00df ihre unbekleideten K\u00f6rper aus dem Dunkel in den Vordergrund streben. Mit verschr\u00e4nkten Armen, l\u00e4ssig stehend oder in der Hocke sitzend posieren sie sodann hinter gleich mehreren Fu\u00dfb\u00e4llen. Mit Bildern wie diesen hatte der Auftrag von Fl\u00e4che und Farbe f\u00fcr Kaminsky erstmalig Legitimation erfahren.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">In Aufl\u00f6sung begriffen<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit dem langwierig entwickelten M\u00e4dchenmotiv sollte Kaminsky jedoch schon bald wieder brechen, indem sie sich von den Figuren zu l\u00f6sen begann \u2013 auch wenn die M\u00e4dchen wie alte Bekannte vor allem in den kleinformatigen Bildern stets wiederaufleben. Ein mutiger Schritt, das bisherige Wiedererkennungsmerkmal zu verbannen, sich g\u00e4nzlich neu zu erfinden. Kaminsky erz\u00e4hlt, dass man ihr davon abriet, ihr Markenzeichen abzulegen, es sich f\u00fcr sie aber richtig anf\u00fchlte. 1999 schloss sie ihr Studium als Meistersch\u00fclerin bei Per Kirkeby ab. Ein Aufenthalt in Finnland auf Suomenlinna, einer Insel vor Helsinki, tauchte ihre Bilder anschlie\u00dfend in graugr\u00fcnblaue Farbigkeit \u2013 das Meer war zur\u00fcck. In den folgenden sogenannten &#8222;Shower and Bed paintings&#8220; scheinen die Farben pl\u00f6tzlich zu flie\u00dfen wie Wasser flie\u00dfen, sich auszudehnen und neblig zu zerst\u00e4uben. Trotzdem greift Kaminsky zu diesem Zeitpunkt noch immer auf gegenst\u00e4ndliche Anhaltspunkte zur\u00fcck: Duschkabine, Badewanne, Waschbecken oder Bettdecke. &#8222;Ich brauchte den Gegenstand&#8220;, erl\u00e4utert sie. Insbesondere solche Gegenst\u00e4nde, die den K\u00f6rper mitdenken, ihn um- und einschlie\u00dfen, von einer ungesehenen Pr\u00e4senz zeugen. Der K\u00f6rper spielt unabh\u00e4ngig davon eine elementare Rolle in Kaminskys Arbeiten. Schon w\u00e4hrend des Studiums widmete sich die K\u00fcnstlerin gro\u00dfformatigen, gar monumentalen Formaten, sodass die k\u00f6rperliche Komponente ma\u00dfgeblicher Teil ihres Schaffensprozesses wurde. Das f\u00e4llt auch beim Atelierbesuch auf, wenn Kaminsky die gro\u00dfen Formate eigens aus dem Lager wuchtet, sie dreht und wendet, auf den Kopf und wieder zur\u00fcckstellt. Ausgesprochene und unausgesprochene Fragen stehen im Raum: Welche Bilder passen zusammen und welche streben gegeneinander? Wie verhalten wir uns den Bildern gegen\u00fcber und wie in Relation zum Raum? Speichert die Leinwand die K\u00f6rperlichkeit der Malerin?<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped w3 wp-block-gallery-2 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"546\" height=\"732\" data-id=\"1779\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/batman-200x150-2025.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1779\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/batman-200x150-2025.jpg 546w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/batman-200x150-2025-224x300.jpg 224w\" sizes=\"(max-width: 546px) 100vw, 546px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"989\" height=\"1024\" data-id=\"1780\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/the-blue-ones-2024-300x290-1-989x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1780\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/the-blue-ones-2024-300x290-1-989x1024.jpg 989w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/the-blue-ones-2024-300x290-1-290x300.jpg 290w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/the-blue-ones-2024-300x290-1-768x795.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/the-blue-ones-2024-300x290-1-1484x1536.jpg 1484w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/the-blue-ones-2024-300x290-1-1978x2048.jpg 1978w\" sizes=\"(max-width: 989px) 100vw, 989px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"896\" height=\"1024\" data-id=\"1781\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/schwarze-hand-40x35-2022-896x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1781\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/schwarze-hand-40x35-2022-896x1024.jpg 896w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/schwarze-hand-40x35-2022-263x300.jpg 263w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/schwarze-hand-40x35-2022-768x878.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/schwarze-hand-40x35-2022-1344x1536.jpg 1344w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/schwarze-hand-40x35-2022-1792x2048.jpg 1792w\" sizes=\"(max-width: 896px) 100vw, 896px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\"><strong>Links<\/strong>: Anne Kaminsky, Batman, 2025. <strong>Middle<\/strong>: Anne Kaminsky, The blue Ones, 2024. <strong>Right<\/strong>: Anne Kaminsky, Schwarze Hand, 2022. Alle Fotos: Anne Kaminsky.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Farbe ist Licht<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sukzessive sind nach den M\u00e4dchen auch die klar definierbaren Alltagsgegenst\u00e4nde aus den Bildern verschwunden. Stattdessen hat Farbe ihren Raum eingenommen. Diese ist gleicherma\u00dfen B\u00fchne wie Substanz von Akteuren und Requisiten. Aus betrachtender Position steht man zun\u00e4chst fast ein wenig verloren vor den expansiven Farbfl\u00e4chen, die im Verzicht auf Rahmen beinah grenzenlos anmuten, bis sie sich schlie\u00dflich auftun, immersiv in die Tiefe fluchten. Dann f\u00fchlt man sich in den Bildern genauso herzlich empfangen wie von der Malerin in ihrem Atelier. Der dreidimensionale Eindruck entsteht vornehmlich durch eine wie von diffuser Lichtquelle von hinten durch die Leinwand schimmernden Helligkeit. Sie erinnert an die sp\u00e4ten Werke des Malers Hans Kaiser, dessen Arbeiten k\u00fcrzlich innerhalb des sechsten Teils der &#8222;KAISERREIHE&#8220;, eine Kooperation zwischen dem Museum Wilhelm Morgner in Soest und dem Hans-Kaiser-Kreis e. V., in den Dialog mit Kaminskys Schaffen traten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Statt der Kirchenfenster bei Kaiser ist es bei Kaminsky jedoch die Farbe selbst, durch die ged\u00e4mpft das Licht sickert und die Oberfl\u00e4che wie die beschlagener Fenster leuchten l\u00e4sst. &#8222;Farbe ist Licht&#8220;, best\u00e4tigt Kaminsky im Gespr\u00e4ch mit Kurator Ludwig Seyfarth. Der entstandene farbige Raum l\u00e4sst sich imagin\u00e4r begehen, greift auf das Publikum aus, bildet einen Resonanzraum f\u00fcr die eigenen Emotionen. Es scheint, als habe Kaminsky die erz\u00e4hlerische Qualit\u00e4t ihrer figurativen Bilder nie wirklich aufgegeben. Nur statt der M\u00e4dchen ist es nun die Farbe, die wie in expressionistischen Gem\u00e4lden Gef\u00fchlswert erh\u00e4lt, Tr\u00e4ger von Emotionen wird, sich jedoch von sicher umrissener Form l\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Resonanzraum Farbe<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der lasierende Farbauftrag mutet wie rasch entstanden an, dabei kann es zuweilen Monate, gar Jahre dauern, bis die Bilder fertiggestellt sind. Zudem arbeitet Kaminsky g\u00e4nzlich ohne Vorlagen. Zwar k\u00f6nnte man die kleinformatigen Aquarelle auf selbst gesch\u00f6pftem Papier mit fransigen R\u00e4ndern zun\u00e4chst f\u00fcr solche halten, da in ihnen teils Bildideen f\u00fcr gro\u00dfe Formate kulminieren, aber behaupten sich diese als eigenst\u00e4ndige Werkgruppe. Sie zeigen F\u00e4uste, Gesichter, Gesten, Gegenst\u00e4nde \u2013 mit der Netzhaut aus dem Strom t\u00e4glicher Bilderflut gefischt. Ganz gleich aber ob kleines oder gro\u00dfes Format, Kaminskys Arbeiten weisen immerzu substanzielle Dichte auf. Seyfarth schreibt: &#8222;Bei Anne Kaminsky ist die Farbe gleichsam die Substanz, aus der die gemalte Welt besteht.&#8220; Ein gro\u00dfes gr\u00fcnes Etwas f\u00e4ngt auf, ein Stachel pikst ins Fleisch, ein Vorhang aus Blaut\u00f6nen umh\u00fcllt; rot blitzt es durch grauen Farbnebel. Die Farbe ber\u00fchrt, streichelt, umf\u00e4ngt, dringt ein, zweifelt und schmerzt. Kaminsky: &#8222;Ein Hauptanliegen in meiner Arbeit ist es, einen Resonanzraum zu schaffen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-3 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"788\" data-id=\"1782\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/untitled-woods-oiil-on-canvas-2024-24x17-1-1024x788.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1782\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/untitled-woods-oiil-on-canvas-2024-24x17-1-1024x788.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/untitled-woods-oiil-on-canvas-2024-24x17-1-300x231.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/untitled-woods-oiil-on-canvas-2024-24x17-1-768x591.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/untitled-woods-oiil-on-canvas-2024-24x17-1-1536x1182.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/untitled-woods-oiil-on-canvas-2024-24x17-1-2048x1576.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\">Anne Kaminsky, Untitled \/ Woods, 2015. Foto: Anne Kaminsky.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So erz\u00e4hlen ihre Arbeiten von diffus erinnerten Orten, sind biografisch verwurzelt und besitzen doch Allgemeing\u00fcltigkeit. Manchmal geben allein die Titel Hinweise auf gegenst\u00e4ndliche Anmutungen, die man zuvor vielleicht gar nicht erkannte und nun zu erkennen meint. Eine schwarze Hand auf hellem Grund, ein leuchtend gelbes Augenpaar auf einem Berg, ein Pferdekopf mit blauer M\u00e4hne, ein Auge lugt hervor unter gr\u00fcnem Schopf, rosa geht die Sonne hinter dem Horizont auf \u2013 ein Etwas l\u00f6st sich aus dem farbigen Undunkel und f\u00e4llt direkt wieder ins Nichts zur\u00fcck. So wie klare Gedanken manchmal im Hirn zur Form finden und sich dann wieder verlieren, noch bevor sie als Worte auf die Zunge fallen. Das Wort mit der Zunge zwar bef\u00fchlbar ist, aber keine klaren Konturen aufweist. Bei Kaminsky bilden Farben eine Sprache, die nicht \u00fcbers Sprechen oder Denken, sondern \u00fcbers Beobachten und Empfinden funktioniert. Denn die gegenst\u00e4ndlichen Verankerungen werden nie konkret, verbleiben vielmehr im Ungewissen, lassen sich mehr ahnen als wissen. Am liebsten m\u00f6chte man manchmal mit dem \u00c4rmel \u00fcber die Oberfl\u00e4che wischen, um f\u00fcr nur einen kurzen Moment klarer sehen zu k\u00f6nnen. Doch genau dort in dieser Unw\u00e4gbarkeit liegt die St\u00e4rke von Kaminskys Malerei.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Weite der amerikanischen Landschaft<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht nur die Weite der nordischen Landschaft findet Nachhall in Kaminskys Werken, sondern auch die der Vereinigten Staaten. Durch ihre in den USA beheimatete Tante sah sich Kaminsky schon fr\u00fch mit dem besonderen Licht, der gro\u00dfformatigen Malerei in den Museen, den Highways und der W\u00fcste konfrontiert. Mit 16 Jahren erschien ihr als Austauschsch\u00fclerin an einer kalifornischen Highschool alles gro\u00dfz\u00fcgiger als in Europa, selbst die Sprache. 2015 f\u00fchrte es sie im Rahmen einer Residenz am Centre of the Arts in Banff zur\u00fcck \u00fcber den Atlantik nach Kanada, wo sie in einem kleinen Atelier auf die rohe Leinwand malte. W\u00e4hrend dieses Aufenthalts und aufgrund von Verbindungen zu Kunstschaffenden in Kalifornien ver\u00e4nderte sich ihre Farbpalette. Ihre Bilder wurden erdiger, als ob sie die Rocky Mountains in sich aufgenommen h\u00e4tten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kaminskys Umgebung scheint somit direkten Einfluss auf ihren Schaffensprozess auszu\u00fcben. Das l\u00e4sst sich auch an den in diesem Jahr w\u00e4hrend einer Residency im Organhaus Chongqing in China entstandenen neuen Werken ablesen. Erneut bilden ihre Arbeiten eine Echokammer f\u00fcr die Weite der Landschaft mit den geschichteten Bergen, wenn auch anders als vermutet. Ihre Vorliebe f\u00fcr das Reisen, die Arbeit an verschiedenen Orten spiegelt sich nicht zuletzt in ihrem zweiten Wohnsitz in Berlin wider. Zum Arbeiten und anl\u00e4sslich der gemeinsam mit Ludwig Seyfarth seit 2019 realisierten Salonausstellungen residiert sie immer mal wieder in der Hauptstadt. Innerhalb der Salonausstellungen l\u00e4sst sie ihre Arbeiten unter dem Titel &#8222;around painting&#8220; mit anderen malerischen Positionen abwechselnd in Berlin und K\u00f6ln in den Dialog treten.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">In Farben sprechen<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kaminsky malt nicht nur, sie schreibt auch. Sie verfasst Tagebuch, verwebt erinnerte Erlebnisse aus ihrer Kindheit oder Geschehnisse aus dem famili\u00e4ren Alltag zu erz\u00e4hlerisch dichten Texten. F\u00fcr die K\u00fcnstlerin bedingen sich Sprache und Malerei gegenseitig. Es scheint, als finde Kaminsky mithilfe der Malerei einen Weg, dort anzusetzen, wo Worte nicht mehr ausreichen. Als k\u00f6nne sie malerisch die Zwischenr\u00e4ume \u00fcberbr\u00fccken, die sich in starren Begrifflichkeiten nicht abbilden lassen. So f\u00fchlt es sich beinah an, als k\u00f6nne man in Kaminskys Bildr\u00e4umen die Farbe ein- und ausatmen: atme ein, betrachte die farbigen Landschaften, sp\u00fcre die vibrierende Oberfl\u00e4chenspannung, erkenne wie aus der Wand ein Raum wird, atme aus. In Kaminsyks Arbeiten scheint die Weite des Meeres und des Himmels \u2013 besonders ihr Ineinanderflie\u00dfen \u2013 eingeschlossen. Solche Weite, die manchmal in den Augen von Reisenden oder von Seefahrern sitzt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was verbindet letztlich das Innen und das Au\u00dfen? Es sind Farben. Farbige Au\u00dfenwelt tritt durch permeable K\u00f6rpergrenzen ein, dringt als Licht durch die d\u00fcnne Haut, erzeugt bunte Gegenbilder hinter geschlossenen Augenlidern. Gedanken, Tr\u00e4ume, Gef\u00fchle erz\u00e4hlen in Gr\u00fcn und Blau und Grau. Dabei ist es, als schaffe Kaminsky die farbigen R\u00e4ume nicht aus der Draufsicht, nicht von au\u00dfen, sondern von innen heraus. Als sei sie zwischen den farbigen Pinselstrichen beheimatet, wohne im Bildraum. Sie erz\u00e4hlt, wie sie w\u00e4hrend der Residenz in China ihre Arbeit vorstellte und pl\u00f6tzlich etwas f\u00fcr sie selbst ganz untypisches sagte: &#8222;Ich bin Malerei&#8220;. Etwas, das sie sonst nie sagen w\u00fcrde, aber vor Ort genauso gef\u00fchlt hat. Losgel\u00f6st mag das seltsam klingen, fast pathetisch. Und doch stimmt es: Anne Kaminsky geht es um die Malerei als solche. Sie ist Malerei.<\/p>\n\n\n\n<hr style=\"--wb-separator-margin-top:0px;--wb-separator-margin-bottom:0px\" class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/www.annekaminsky.de\">https:\/\/www.annekaminsky.de<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Besuch im K\u00f6lner Atelier der Malerin. 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