{"id":2476,"date":"2026-03-11T11:25:45","date_gmt":"2026-03-11T10:25:45","guid":{"rendered":"https:\/\/on-art.news\/?p=11805"},"modified":"2026-08-14T22:00:05","modified_gmt":"2026-08-14T20:00:05","slug":"wirklichkeitsebenen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/on-art.news\/en\/2026\/03\/11\/wirklichkeitsebenen\/","title":{"rendered":"Wirklichkeitsebenen"},"content":{"rendered":"<h3 class=\"wp-block-heading\">\u00dcber Margret Eicher und ihre Medientapisserien.<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine weibliche Figur nach dem Vorbild von Lady Gaga steht auf Plateausohlen im Zentrum von Margret Eichers Medientapisserie <em>It\u2019s A Digital World 2<\/em> (2018). Der zwei Meter breite und drei Meter hohe Bildteppich zeigt die Figur umschlossen von einer Architektur, die dem Innenraum eines Raumschiffs gleicht. Eine im vorderen Bildbereich sichtbare Spielkonsole deutet durch die auf dem Display angezeigte Schrift und Grafik darauf hin, dass die Figur teleportiert wird: Denn zwei in fingerlose Handschuhe geh\u00fcllte H\u00e4nde bedienen diese Konsole, w\u00e4hlen Befehle zur Bestimmung ihrer Lokalisation aus, konfigurieren, bem\u00e4chtigen sich ihrer De- und Rekonstruktion. Aus einer S\u00e4ule, die sich \u00fcber der Figur befindet, flie\u00dfen Energiestrahlen und h\u00fcllen ihren K\u00f6rper in einen Schleier aus Licht, der sich in dem schwarz-wei\u00dfen Jacquard-Gewebe als heller Linienverlauf darstellt. Ein Fries aus den Worten &#8222;It\u2019s A Digital World&#8220; legt sich wie bei einem Gobelin um die Kanten der Bildszene, rahmt sie.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist eine von Margret Eichers Medientapisserien, die sie seit nunmehr 25 Jahren anfertigt und die wir bei einem Treffen in der Berliner Galerie Michael Janssen gemeinsam betrachten. &#8222;Ich gehe nicht von einer pers\u00f6nlichen Faszination f\u00fcr das Thema eines Bildteppichs aus&#8220;, sagt Margret Eicher und f\u00e4hrt fort: &#8222;Wenn ich etwa Oberfl\u00e4chenmerkmale eines Computerspiels in meine Bilder \u00fcbernehme, thematisiere ich nicht das Gaming als solches, sondern die darin verwendeten Zeichen, Schriften oder Symbole \u2013 also Kommunikationsmerkmale, die dann im Motiv meiner Tapisserien erscheinen. Das Computerspiel steht somit f\u00fcr eine Parallelwelt und als Hinterfragung des Wirklichkeitsgrades dessen, womit wir uns als Gesellschaft besch\u00e4ftigen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full w3\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2560\" height=\"1911\" data-id=\"2018\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Interculturalists_have_arrived2-ohne-rand-scaled.jpg\" alt=\"Margret Eicher, Interculturalists have arrived 2, 2025. Digitale Montage\/Jacquard, 267 x 357 cm. Courtesy Galerie Michael Janssen.\" class=\"wp-image-2018\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Interculturalists_have_arrived2-ohne-rand-scaled.jpg 2560w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Interculturalists_have_arrived2-ohne-rand-300x224.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Interculturalists_have_arrived2-ohne-rand-1024x765.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Interculturalists_have_arrived2-ohne-rand-768x573.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Interculturalists_have_arrived2-ohne-rand-1536x1147.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Interculturalists_have_arrived2-ohne-rand-2048x1529.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 2560px) 100vw, 2560px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\">Margret Eicher, Interculturalists have arrived 2, 2025. Digitale Montage\/Jacquard, 267 x 357 cm. Courtesy Galerie Michael Janssen.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In ihrer aktuellen Bildreihe <em>Interculturalists have arrived <\/em>wird so etwa das Erzeugen von Bildwelten durch k\u00fcnstliche Intelligenz zum Gegenstand. Dabei zitiert Eicher sowohl typische als auch spezifische Bildvorlagen, die aus der Nutzung von KI-Bildprogrammen entstanden sind und im Internet kursieren. <em>Interculturalists have arrived 2 <\/em>(2025) zeigt neben Mattels <em>Black Barbie<\/em> und Beyonc\u00e9 ein Bildzitat der computergenerierten Influencerin Kenza Layli als Sch\u00f6nheitsk\u00f6nigin &#8222;Miss AI&#8220; aus dem Jahr 2024; M\u00e4use und Hamster in Astronautenanz\u00fcgen, die ebenfalls Resultat von KI-Experimenten sind, verzieren den Bildteppich wie Putten ein Barockgem\u00e4lde oder wie eine aus Fr\u00fcchten und Blumen rankende Girlande auf einer h\u00f6fischen Tapisserie des 16. Jahrhunderts. Der Transfer aktueller Medienbilder in das traditionelle Format des Bildteppichs macht ihre Medientapisserien, die gerade im vergangenen Jahr in zahlreichen thematischen Ausstellungen zu Utopie, Digitalit\u00e4t und Zukunft international gezeigt wurden, so interessant.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Von der Copy-Art zur digitalen Collage<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um mehr \u00fcber die Hintergr\u00fcnde ihrer Medientapisserien zu erfahren, verabrede ich mich mit Margret Eicher an einem Wintertag an ihrem K\u00fcchentisch in Berlin. Die K\u00fcnstlerin blickt auf eine gro\u00dfformatige Buntstiftzeichnung an der Wand, die einen Grillspie\u00df mit Garnele und Gem\u00fcse zeigt. &#8222;Diese Zeichnung ist eine der letzten, die ich noch habe. Sie bildete 2024 neben einer kleinen Zeichnung von einem Pferd den Auftakt in meiner Ausstellung <em>Digital Worlds<\/em> im <em>ZKM Zentrum f\u00fcr Kunst und Medien Karlsruhe<\/em>. Der Kurator Philipp Ziegler hatte sie dort meinen Medientapisserien vorangestellt&#8220;, erz\u00e4hlt Eicher. Hyperrealistische Kompositionen mit Tieren, die von Menschen gehalten oder gegessen werden, habe sie in den 1970er-Jahren im Studium an der D\u00fcsseldorfer Kunstakademie vielfach gezeichnet. Bereits in dieser Zeit bildeten Medienbilder f\u00fcr die 1955 in Viersen geborene K\u00fcnstlerin eine Referenz. Doch dann hatte sie den Eindruck, der Kunst als solcher nichts mehr hinzuf\u00fcgen zu k\u00f6nnen. &#8222;Mir ging es um Bildinhalte und nicht um das Talent, geschickt einen Stift f\u00fchren zu k\u00f6nnen. Aus einer Verweigerungshaltung habe ich dann mit der Fotokopie als Arbeitsmaterial, mit der Copy-Art begonnen, dem Gedanken folgend: Ich dr\u00fccke jetzt nur noch auf Kn\u00f6pfe.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So entstanden Margret Eichers <em>CopyCollagen<\/em>, mit denen das Medienbild unmittelbar zum Gegenstand ihrer Arbeit wurde. Aus analogen Printmedien schnitt sie Bilder aus, fotokopierte diese, wiederholte Fragmente und erzeugte im physischen Zusammenkleben der Bildteile Ornamente oder Bildnarrative. Bei der Arbeit <em>Ornament T&amp;S<\/em> (1998) etwa laufen die Comic-Figuren Tim und Struppi sowie Bibendum, das &#8222;Michelin-M\u00e4nnchen&#8220;, auf einem kreisrunden Bildgrund mit Labyrinth-Motiv aufeinander zu und voreinander weg.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Logos, die eine Firma oder eine Idee veranschaulichen, wie das aus Autoreifen gestaltete, urspr\u00fcnglich sehr dicke Bibendum, sollen kurz, schnell und eindringlich wirken&#8220;, bemerkt Eicher. &#8222;Diese starken Verst\u00e4ndigungswirksamkeiten finde ich wichtig, weil sie \u2013 auch wenn sie trivial wirken \u2013 Wahrnehmung durch Vorstellungswelten zutiefst pr\u00e4gen, in denen wir uns wie in einem Netz bewegen \u2013 man k\u00f6nnte vielleicht auch sagen: in dem wir festh\u00e4ngen wie eine Fliege im Spinnennetz.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ungef\u00e4hr f\u00fcnfzehn Jahre realisierte Eicher verschiedene Formen der <em>CopyCollage<\/em>, in denen sie fotografische Reproduktionen von antiken Figuren und Stars mit Mustern und Piktogrammen kombinierte. Dabei sch\u00f6pfte sie Formate vom kleinformatigen Tafelbild bis zur begehbaren Rauminstallation aus, die in Resonanz mit der sie umgebenden Ausstellungsarchitektur gingen. Eichers Geste des Collagierens, die sie bereits in ihren Zeichnungen durch das Zitieren verschiedener fotografischer Vorlagen zum Ausdruck brachte, fand nun in den <em>CopyCollagen<\/em> durch die analogen Kombinationen fotokopierter Medienbilder einen distanzierteren Ausdruck.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-1 is-cropped wp-block-gallery-2 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"603\" data-id=\"2021\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/CopyCollageHerrschende-Muster-TS-1024x603.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2021\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/CopyCollageHerrschende-Muster-TS-1024x603.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/CopyCollageHerrschende-Muster-TS-300x177.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/CopyCollageHerrschende-Muster-TS-768x452.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/CopyCollageHerrschende-Muster-TS-1536x904.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/CopyCollageHerrschende-Muster-TS.jpg 1906w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"696\" data-id=\"2022\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/E.L.Berlin_M.Eicher-1024x696.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2022\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/E.L.Berlin_M.Eicher-1024x696.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/E.L.Berlin_M.Eicher-300x204.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/E.L.Berlin_M.Eicher-768x522.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/E.L.Berlin_M.Eicher-1536x1044.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/E.L.Berlin_M.Eicher-2048x1392.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\"><strong>Oben<\/strong>: Margret Eicher, Herrschende Muster, 1998. Copy Collage, \u00f8 30 cm. Courtesy Galerie Michael Janssen. <strong>Unten<\/strong>: Portr\u00e4t Magret Eicher. Foto: Estefania Landesmann, Berlin.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1999 unternahm Margret Eicher eine Urlaubsreise an die Loire, besichtigte die dort zahlreich gelegenen Schl\u00f6sser \u2013 und die in ihnen ausgestellten h\u00f6fischen Tapisserien r\u00fcckten in ihren Blick. &#8222;Ich hatte mich in meinen <em>CopyCollagen<\/em> mit signifikanten Figuren wie mit Idolen oder Helden unserer Gegenwart besch\u00e4ftigt. Darunter mit dem gr\u00f6\u00dften Interesse mit solchen, bei denen ich den Eindruck hatte, dass diese auch einen R\u00fcckbezug zu mythologischen Figuren oder christlichen Heiligen haben. Denn diese Figuren tauchen in Filmen, in Comics und in allen m\u00f6glichen Trivialbildern immer wieder sehr gesch\u00e4rft auf. Im Betrachten der h\u00f6fischen Tapisserien wurde f\u00fcr mich deutlich, dass auch diese das Signifikante zeigen: etwas, das f\u00fcr ihre Auftraggeber von h\u00f6chster Bedeutung gewesen ist und das gleichzeitig generalisierend wirkt. Die Motive der Tapisserien repr\u00e4sentieren Macht; in ihrer sinnlichen Bildgewalt haftet ihnen etwas Unausweichliches und Faszinierendes an. So kam mir w\u00e4hrend dieser Reise die Idee, dass ich zeitgen\u00f6ssische Medienbilder mit der Form der h\u00f6fischen Tapisserie kombinierten wollte.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zur\u00fcck im Atelier fiel ihr das Buch <em>Tapisserien und Politik. Funktionen, Kontexte und Rezeption eines repr\u00e4sentativen Mediums <\/em>(1992) von Wolfgang Brassat in die H\u00e4nde: eine wissenschaftliche Betrachtung der gesellschaftlichen Bedeutung von Bildern und der h\u00f6fischen Tapisserie als Kommunikationsmedium. Durch die \u00dcberlegung, wie die Verbindung von Medienbildern und Bildteppich zu erreichen w\u00e4re, begann Eicher, sich mit der digitalen Bildproduktion auseinanderzusetzen. &#8222;Ein Herantasten von Null&#8220;, wie Eicher sagt, und sie erg\u00e4nzt: &#8222;Heute setze ich die digitalen Werkzeuge souver\u00e4n und unkonventionell ein \u2013 es ist wie der Prozess der Lasurmalerei, in dem man sich langsam einem Ergebnis n\u00e4hert. Die allerersten Exemplare meiner Medientapisserien habe ich vernichtet, die m\u00f6chte ich nicht gesehen wissen (lacht). Das Entwickeln der Medientapisserien war ein langer Prozess, der noch nicht abgeschlossen ist. Urspr\u00fcnglich hatte ich darin nur ein tempor\u00e4res Projekt innerhalb meiner Arbeit gesehen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Gewebtes und Verwobenes<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ihre Bildideen entwickelt Margret Eicher ausgehend von einem Fund: Ein Foto im Internet, das sie anspricht, ein Bericht, der sie zu einer weiterf\u00fchrenden Recherche bringt. In ihren Medientapisserien versammeln sich so etwa Menschen mit 3D-Brillen unter einer aufkeimenden, \u00fcberlebensgro\u00dfen Pilzlandschaft; ein Star-Wars-Stormtrooper steht zwischen Peter Sloterdijk und einem wandf\u00fcllenden B\u00fccherregal; oder Wonderwoman, Spiderman und Social-Media-Icons rahmen eine zeitgen\u00f6ssische kriegerische Szene vor einer verpixelten antiken St\u00e4tte. Eichers Motivwelten sind vielf\u00e4ltig, verzahnt \u2013 eine digitale Bilderz\u00e4hlung zu komponieren bedarf Zeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In <em>Posthuman Dance of Death<\/em> (2016) sind maskierte sowie t\u00e4towierte Frauengestalten mit Smartphone, MRT-Ger\u00e4t, Pok\u00e9mon-Figuren und Totenkopfmotiven zu sehen, wie sie beim mexikanischen Fest <em>Tag der Toten<\/em> visuell pr\u00e4sent sind. Die Verweise auf bildgebende Verfahren durch die R\u00f6hre zur tomografischen Diagnostik, auf die \u00dcberlagerung von Realit\u00e4t und Simulation, wie sie durch die Augmented Reality-App <em>Pok\u00e9mon Go<\/em> angesprochen wird, oder die Zitate von Manga- und Fetischmasken, die etwa Rollenspiele adressieren, thematisieren allesamt Ph\u00e4nomene von Bildbed\u00fcrfnis und Bildgl\u00e4ubigkeit. Eicher vereint unterschiedliche, doch gleicherma\u00dfen allgegenw\u00e4rtige Bilder, und \u2013 wie diese Arbeit zeigt \u2013 in welchem Grad Bilder das individuelle Leben sowie gesellschaftliches Handeln durchdringen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Wenn man aus verschiedenen Kontexten Fragmente kombiniert, ist es eine Frage der Balance, dass das Kombinierte nicht aufdringlich wird, aber auch nicht beliebig. Diesen schmalen Pfad zu finden, bedarf der Zeit. Ich versuche ein Bild zu erzeugen, in dem das Normative oder etwas, von dem man denkt, dass man es zu erwarten h\u00e4tte, nicht vorkommt&#8220;, erz\u00e4hlt Eicher.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In einem Jahr arbeitet die K\u00fcnstlerin an zwei bis vier Motiven, zuweilen parallel, wodurch zwischen den Werken oft Form-, Farb- oder Themenverwandtschaften entstehen. Wie historische Tapisserien sind auch Eichers Bildteppiche gro\u00dfformatig, doch richtet sich ihr Format nach der Laufweite des Jacquard-Webstuhls: Mit einer maximalen Laufbreite von drei Metern sei die Weberei in Belgien, wo Eicher ihre Arbeiten produzieren l\u00e4sst, eine der wenigen in Europa, die diese Breite anbieten kann. Nach der Anpassung der Farbr\u00e4ume zwischen Bilddatei und digitalem Webstuhl realisiert dieser einen gro\u00dfen Bildteppich innerhalb weniger Stunden. &#8222;Meine Tapisserien sind so gesehen ein High-Tech-Produkt, ein modernes Textil&#8220;, bemerkt Eicher.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-1 is-cropped w3 wp-block-gallery-3 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"520\" data-id=\"2016\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/FotoBattle-ReloadedAusschnitt-1024x520.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2016\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/FotoBattle-ReloadedAusschnitt-1024x520.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/FotoBattle-ReloadedAusschnitt-300x152.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/FotoBattle-ReloadedAusschnitt-768x390.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/FotoBattle-ReloadedAusschnitt-1536x780.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/FotoBattle-ReloadedAusschnitt-2048x1040.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"251\" data-id=\"2015\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Halle--1024x251.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2015\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Halle--1024x251.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Halle--300x74.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Halle--768x188.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Halle--1536x376.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Halle--2048x502.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\"><strong>Oben<\/strong>: Ausschnitt aus Margret Eicher, Battle:Reloaded, 2020\/21. Digitale Montage\/Jacquard, 1,20 x 30 m.<br>Courtesy Galerie Michael Janssen. <strong>Unten<\/strong>: Gesamtansicht &#8222;Battle Reloaded&#8220;.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Historische Vorbilder l\u00e4sst Margret Eicher immer wieder bewusst in ihre Arbeiten einflie\u00dfen, stellt Verkn\u00fcpfungen zu ihnen her. Ein herausragendes Beispiel ist <em>Battle Reloaded<\/em> (2022), ihr drei\u00dfig Meter langer Bildteppich, f\u00fcr den sie sich von dem bekannten Bildwerk des 11. Jahrhunderts, dem Teppich von Bayeux, inspirieren lie\u00df. Eichers Motivkompositionen bringen Divergenzen von Wirklichkeitserfahrung und Wirklichkeitsannahme zum Gegenstand, wie sie sich heute sowohl durch medial \u00fcbermittelte Kriege als auch in digitalen Simulationen und Gaming darstellen: So zeigt der Teppich Menschen mit Virtual Reality-Brillen, die mit ihren H\u00e4nden in den (leeren) Raum hineintasten; aufgereihte Lego-Figuren in Soldatenuniformen stehen mit Waffen in den H\u00e4nden in einer Landschaft, die an schmelzende Gletscher erinnert; Lara Croft schwebt als K\u00e4mpferin in der Luft; Schrift, Symbole und Logos bilden neben mit Lanzen k\u00e4mpfenden Reitern eine die Szene kommentierende Bord\u00fcre. Reales und Simuliertes durchdringen sich. Dabei zeigt Margret Eicher im Nebeneinander allt\u00e4glicher Szenen und extremer Grausamkeit einen direkten Spiegel unserer Welt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Obwohl ich die historische Tapisserie zitiere, die ja eindeutig ein Bild der Machtrepr\u00e4sentanz und der Manipulation ist, will ich selbst nicht manipulativ sein&#8220;, bemerkt Eicher zu ihren Medientapisserien und erg\u00e4nzt: &#8222;Meine Arbeiten sind Collagen, das hei\u00dft, sie sind aus ganz unterschiedlichen Bildebenen und Bildbereichen zusammengef\u00fcgt. Die Collage ist aus dem Dada stammend eine individualistische und auch demokratische Form des Bildes. Sie widerspricht der urspr\u00fcnglichen Idee des Bildteppichs, der ein einheitliches, nicht in Frage zu stellendes Weltbild verk\u00fcnden sollte. Mein Weltbild besteht aus Fragmenten, die sich im Aufeinandertreffen zuweilen als unwahrscheinlich denunzieren, aber gerade dadurch Raum zur individuellen Interpretation er\u00f6ffnen. Es war aus diesem Grund f\u00fcr mich schon immer wichtig zu h\u00f6ren, was Betrachter:innen in meinen Bildern sehen: Ich empfinde ihr Sehen als Erweiterung meines Denkens.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Rahmen einer Sonderausstellung ist derzeit im <em>Museum der bildenden K\u00fcnste<\/em> in Leipzig Margret Eichers Medientapisserie <em>Das Urteil des Paris 1<\/em> (2002) zu sehen, die dort in unmittelbarer N\u00e4he zu Max Klingers gleichnamigem Monumentalgem\u00e4lde aus den Jahren 1885-1887 pr\u00e4sentiert wird. Eichers Medientapisserien sind ferner vom 12. M\u00e4rz bis 16. Mai 2026 bei dem Satellitenprojekt <em><a href=\"https:\/\/ground99.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Ground 99<\/a><\/em> in Senglea im Rahmen der Malta Biennale 2026 zu sehen.<\/p>\n\n\n\n<hr style=\"--wb-separator-margin-top:0px;--wb-separator-margin-bottom:0px\" class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Weitere Informationen zu Margret Eicher: <a href=\"https:\/\/margreteicher.de\/\">https:\/\/margreteicher.de\/<\/a> und <a href=\"https:\/\/michaeljanssen.gallery\/pages\/margret-eicher\">https:\/\/michaeljanssen.gallery\/pages\/margret-eicher<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber Margret Eicher und ihre Medientapisserien. Eine weibliche Figur nach dem Vorbild von Lady Gaga steht auf Plateausohlen im Zentrum von Margret Eichers Medientapisserie It\u2019s A Digital World 2 (2018). 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