{"id":2497,"date":"2026-04-28T17:42:16","date_gmt":"2026-04-28T15:42:16","guid":{"rendered":"https:\/\/on-art.news\/?p=12340"},"modified":"2026-08-14T22:00:06","modified_gmt":"2026-08-14T20:00:06","slug":"puppenspieler-des-systemwandels","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/on-art.news\/en\/2026\/04\/28\/puppenspieler-des-systemwandels\/","title":{"rendered":"Puppenspieler des Systemwandels"},"content":{"rendered":"<h3 class=\"wp-block-heading\">Mit dem <em>Label Pop Art der DDR <\/em>ist nur ein Teil des Werks von Hans Ticha erfasst, wie zwei Ausstellungen in N\u00fcrnberg und Frankfurt zeigen.<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Es lebe&#8220; steht da in Wei\u00df auf rotem Grund, \u00fcberdeckt und gefolgt vom Schriftzug &#8222;Aldi&#8220; und einer Spr\u00fchflasche der Marke <em>biff<\/em>. Oben sch\u00fcttelt eine blaue Hand eine rote: zwischen zwei Bananen. \u00dcber drei Figuren im Stechschritt mit K\u00f6pfen wie Halma-Figuren, angef\u00fchrt von einem Donald Duck, steht &#8222;Wir sind das Volk&#8220; und auf ihren volumin\u00f6sen Leibern: &#8222;99,9%&#8220;. Darauf antwortet in der rechten unteren Ecke ein Preis: &#8222;9,99&#8220;, w\u00e4hrend gleich daneben eine wei\u00dfe Frauenfigur &#8222;Live Sex in 30 Sek.&#8220; verspricht. Bissig reagiert Hans Ticha auf die deutsche Wiedervereinigung. In seinem 1991 entstandenes Gem\u00e4lde <em>Es w\u00e4chst zusammen<\/em> zitiert er ein zehn Jahre \u00e4lteres, eigenes Werk, \u00fcber das sich nun Elemente der neuen, westlichen Realit\u00e4t schieben.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped w3 wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large w3\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"760\" data-id=\"2088\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Hans-Ticha-Es-waechst-zusammen-1991-Oel-auf-Leinwand-151-x-204-cm-Museum-Utopie-und-Alltag-Bestand-Beeskow-\u00a9-Hans-Ticha-VG-Bild-Kunst-Bonn-2025-1024x760.jpg\" alt=\"Hans Ticha, Es w\u00e4chst zusammen, 1991. \u00d6l auf Leinwand, 151 x 204 cm, Museum Utopie und Alltag (Bestand Beeskow). \u00a9 Hans Ticha, VG Bild-Kunst, Bonn 2025.\" class=\"wp-image-2088\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Hans-Ticha-Es-waechst-zusammen-1991-Oel-auf-Leinwand-151-x-204-cm-Museum-Utopie-und-Alltag-Bestand-Beeskow-\u00a9-Hans-Ticha-VG-Bild-Kunst-Bonn-2025-1024x760.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Hans-Ticha-Es-waechst-zusammen-1991-Oel-auf-Leinwand-151-x-204-cm-Museum-Utopie-und-Alltag-Bestand-Beeskow-\u00a9-Hans-Ticha-VG-Bild-Kunst-Bonn-2025-300x223.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Hans-Ticha-Es-waechst-zusammen-1991-Oel-auf-Leinwand-151-x-204-cm-Museum-Utopie-und-Alltag-Bestand-Beeskow-\u00a9-Hans-Ticha-VG-Bild-Kunst-Bonn-2025-768x570.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Hans-Ticha-Es-waechst-zusammen-1991-Oel-auf-Leinwand-151-x-204-cm-Museum-Utopie-und-Alltag-Bestand-Beeskow-\u00a9-Hans-Ticha-VG-Bild-Kunst-Bonn-2025.jpg 1348w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\">Hans Ticha, Es w\u00e4chst zusammen, 1991. \u00d6l auf Leinwand, 151 x 204 cm, Museum Utopie und Alltag (Bestand Beeskow). \u00a9 Hans Ticha, VG Bild-Kunst, Bonn 2025.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;99,9 %&#8220;, hei\u00dft dieses \u00e4ltere Bild, &#8222;Es lebe&#8220; ist auch hier links oben zu lesen: \u00fcber einer Schlange uniformer Figuren mit gesichtslosen Kugelk\u00f6pfen, die darauf warten, ihren Stimmzettel in eine Wahlurne zu stecken. Alle stimmen mit Ja. Gegenstimmen waren in der Demokratie der Deutschen Demokratischen Republik nicht vorgesehen. In der Ausstellung im Neuen Museum N\u00fcrnberg, der ersten musealen Retrospektive im Westen Deutschlands, sind die beiden Gem\u00e4lde so geh\u00e4ngt, dass der Bezug ins Auge f\u00e4llt. Das \u00e4ltere h\u00e4ngt in der zentralen Achse des Raums, in der die regimekritischen Werke Tichas aus den letzten zehn Jahren der DDR versammelt sind. Beifall klatschende H\u00e4ndepaare, winzige Kugelk\u00f6pfe ohne Gesichtsz\u00fcge, marschierende Stiefel, gereckte F\u00e4uste, NVA-Stahlhelme, rote Fahnen und Sterne, fragmentierte Parolen, das alles in einer plastisch-geometrischen, zeichenhaften Bildsprache zwischen Fernand Leger und Roy Lichtenstein. Die Bilder standen in seinem Wohnatelier im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg, wie er sagt, mit der Butterseite zur Wand. Er konnte sie niemand zeigen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Verschl\u00fcsselte Botschaften<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Pop Art in der DDR: So wird Ticha im Westen wahrgenommen. Ein K\u00fcnstler aus dem Land, in dem man f\u00fcr alles Schlange stehen musste, der ausgerechnet die westliche Kunstrichtung adaptiert, die der Konsumgesellschaft den Spiegel vorh\u00e4lt. Ein Dissident, der heimlich malen musste. Menschen, die in der DDR gelebt haben, nehmen Ticha ganz anders wahr. Viele Ausstellungsbesucher:innen seien sofort auf die Vitrine am Anfang des Rundgangs zugesteuert, in der die von ihm illustrierten Kinderb\u00fccher aufgestellt sind, erz\u00e4hlt Simone Schimpf, die Direktorin des Museums. Th\u00fcringen ist nicht weit, und auch in der Gegend um N\u00fcrnberg stammen viele Menschen aus dem Osten. Sie h\u00e4tten sich gefreut, Tichas humorvolle Buchcover wiederzusehen: von E.T.A. Hoffmanns <em>Klein Zaches, genannt Zinnober<\/em> oder Rainer Brauns <em>Vom R\u00e4uberchen, dem Rock un dem Ziegenbock<\/em>. Vieles ist hier schon vorgepr\u00e4gt: so etwa der Kugelkopf in einem Z\u00e4hneputzbuch oder im Bertolt-Brecht-Sammelband <em>Nordseekrabben<\/em>. Aber auch eine aufm\u00fcpfige Haltung, die im Kinderbuch durchging, etwa in Gerhard Branstners <em>Der Esel als Amtmann<\/em>. Deutet sich hier schon das Ende der DDR an, wenn 1988 ein Buch f\u00fcr die Kleinsten <em>Wie sp\u00e4t?<\/em> hei\u00dft?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kunst in Perioden eingeschr\u00e4nkter Freiheiten arbeitet mit verschl\u00fcsselten Botschaften. F\u00fcr Au\u00dfenstehende ist das nicht immer auf Anhieb zu erkennen, kann jedoch nachhaltige Wirkungen entfalten. Schon in der Schulzeit entdeckte Ticha in einer Zeitschrift den satirisch-fantastischen Roman <em>Der Krieg mit den Molchen<\/em> von Karel \u010capek. Es dauerte zwanzig Jahre, bis er dem Aufbau-Verlag eine illustrierte Neuausgabe abringen konnte, und weitere zehn, bis sein Meisterwerk, dessen Titelblatt gro\u00df an die Wand der N\u00fcrnberger Ausstellung tapeziert ist, 1987 endlich erschien \u2013 und als eines der &#8222;Sch\u00f6nsten B\u00fccher der DDR&#8220; ausgezeichnet wurde. \u010capeks Molche \u2013 der Roman erschien im Original 1936 \u2013 sind die unterdr\u00fcckten Kleinb\u00fcrger, die im Nationalsozialismus die Macht an sich rei\u00dfen. Gleichwohl l\u00e4sst sich die Fabel auch auf andere Orte und Zeiten \u00fcbertragen, bis hin zu einer prophetischen Vorwegnahme der Diktaturen, die nach dem Ende des Kolonialismus entstanden, zumal das Werk bei Sumatra spielt. Dass sich die DDR mit dem Buch schwer tat, lag wohl nicht zuletzt daran, dass man in den Molchen, die sich so lange unterdr\u00fccken lassen, bis sie ihre Macht erkennen, auch die eigene Realit\u00e4t wiedererkennen konnte.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Agit Pop<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Kulturpolitik der DDR wechselten doktrin\u00e4re Phasen mit Zeiten der Lockerung. Dies beschreibt die M\u00fcnchner Kunsthistorikerin Felice Fey, Autorin eines Buchs \u00fcber die DDR-Moderne unter dem Titel<em> Verschwiegene Kunst<\/em>, im zentralen, gut informierten Essay des Katalogs. Der Katalog ist in Zusammenarbeit mit der Kunsthalle Rostock entstanden, wo eine Ticha-Ausstellung schon stattgefunden hat, die aber, wie Simone Schimpf betont, mit der N\u00fcrnberger nicht identisch sei. Er zeigt viel mehr Werke, als in der Ausstellung zu sehen sind. Als Ticha anfing, hatte sich der Arbeiter- und Bauernstaat in seiner Kulturpolitik, in auff\u00e4lliger Abgrenzung zum sowjetischen Tauwetter, f\u00fcr den besonders rigiden &#8222;Bitterfelder Weg&#8220; entschieden. Der hochbegabte Jugendliche bewarb sich in Leipzig nicht an der Kunsthochschule, sondern studierte Kunstp\u00e4dagogik. Er arbeitete zwei Jahre als Kunstlehrer und wechselte sp\u00e4ter an der Kunsthochschule Berlin-Wei\u00dfensee von Malerei zu Druckgrafik, Illustration, Typografie und Buchgestaltung.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped w3 wp-block-gallery-2 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"736\" height=\"1024\" data-id=\"2091\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/H6FYR6R-736x1024.jpg\" alt=\"Hans Ticha, Republikgeburtstag, 1982. \u00d6l auf Hartfaser, 78 x 61 cm, Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik. \u00a9 Hans Ticha, VG Bild-Kunst, Bonn 2025.\" class=\"wp-image-2091\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/H6FYR6R-736x1024.jpg 736w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/H6FYR6R-216x300.jpg 216w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/H6FYR6R-768x1068.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/H6FYR6R-1104x1536.jpg 1104w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/H6FYR6R-1473x2048.jpg 1473w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/H6FYR6R-scaled.jpg 1841w\" sizes=\"(max-width: 736px) 100vw, 736px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"760\" height=\"1024\" data-id=\"2089\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Hans-Ticha-Der-Hochspringer-1987-Oel-auf-Leinwand-190-x-144-cm-Museum-Utopie-und-Alltag-Bestand-Beeskow-\u00a9-Hans-Ticha-VG-Bild-Kunst-Bonn-2025-760x1024.jpg\" alt=\"Hans Ticha, Der Hochspringer, 1987. \u00d6l auf Leinwand, 190 x 144 cm. 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Museum Utopie und Alltag (Bestand Beeskow). \u00a9 Hans Ticha, VG Bild-Kunst, Bonn 2025. <strong>Right<\/strong>: Hans Ticha, Klatscher, 1980. \u00d6l auf Leinwand, 120 x 90 cm. Foto: Christoph Petras, Privatbesitz. \u00a9 Hans Ticha, VG Bild-Kunst, Bonn 2025.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Gebrauchsgrafik hatte Ticha mehr Freiheiten als in der freien Kunst. Dennoch h\u00f6rte er nicht auf zu malen. In der Periode der deutsch-deutschen Ann\u00e4herung nach 1973 konnte er seine Werke auch \u00f6ffentlich zeigen. 1977 nahm er an der VIII. Kunstausstellung der DDR teil \u2013 im selben Jahr, als zum ersten Mal auch K\u00fcnstler aus der DDR auf der Documenta zu sehen waren. Es war eine Periode der \u00d6ffnung, in der manches m\u00f6glich wurde, was vorher auf keinen Fall ging. Die versteckte Kritik in seinen Sport-Bildern, in denen das Vokabular der politischen Bilder der 1980er-Jahre \u2013 die winzigen Kugelk\u00f6pfe, das Druckraster, die bunten Farben \u2013 schon angelegt war, erregte keinen Ansto\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die N\u00fcrnberger Ausstellung zeigt fr\u00fche Arbeiten aus seiner Umgebung am Prenzlauer Berg, mit wiederkehrenden Themen wie Schubboote, Fischer und Fischverk\u00e4uferinnen oder Menschen am Strand, die sich in Private zur\u00fcckgezogen haben. Der Friseursalon mit den vielen Spiegeln gegen\u00fcber seiner Wohnung bietet Anlass zu kubistischen Formspielen. Sp\u00e4ter wird neben dem Sport auch Musik zur Zielscheibe satirischen Spotts und kubistischer Formzerst\u00fcckelung. Eine Schlagers\u00e4ngerin erscheint kaum weniger hirnlos und eskapistisch als ihre Kolleginnen im Westen Deutschlands. Auf der anderen Seite der Mittelachse, im Anschluss an den &#8222;Agit Pop&#8220;, wie Ticha seine Polit-Karikaturen einmal selbstironisch genannt hat, folgen Arbeiten, die zeigen: Nach der Wiedervereinigung machte er genauso pointiert und witzig weiter wie zuvor. Nur ist anstelle von Erich Honecker und dem sozialistischen Bruderkuss jetzt Helmut Kohl neben Kaiser Wilhelm II. zu sehen: Der Kopf hat die von Hans Traxler gepr\u00e4gte Birnenform. Darunter steht, wie bei Joseph Kosuth, ein W\u00f6rterbuch-Eintrag zu Kohls Lieblingsvokabel &#8222;Geschichte&#8220;. Orangenkisten aus Sizilien collagiert Ticha mit Walt-Disney-Figuren. &#8222;Wir bieten Ihnen&#8220;, steht \u00fcber dem Bild eines grauen Eigenheims, &#8222;Pure Lust&#8220; neben einer blonden Puppe, gefolgt von der Aufforderung: &#8222;Tu es jetzt!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die dritte Dimension<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Galerie Hanna Bekker vom Rath in Frankfurt zeigt derzeit schon ihre dritte Hans-Ticha-Ausstellung: Nach Malerei 2019 und Arbeiten auf Papier 2023\/24 sind diesmal plastische Werke zu sehen. Seit Anfang der 1990er-Jahre lebt der K\u00fcnstler in der Mainregion, wo er seitdem auch am h\u00e4ufigsten ausgestellt hat. Kunst, die nicht gezeigt werden konnte, steckt schon in den Genen der Galerie Hanna Bekker vom Rath: Durch Privatverk\u00e4ufe half die Namensgeberin in der NS-Zeit K\u00fcnstlern wie Alexej Jawlensky und Karl Schmidt-Rottluff zu \u00fcberleben. Ihr Kunstkabinett war 1947 die erste Galerie, die nach dem Krieg ihre Pforten \u00f6ffnete. 1993, zehn Jahre nach dem Tod der Gr\u00fcnderin, zog sie an ihren heutigen Standort in der Braubachstra\u00dfe, rutschte aber 2015 in die Insolvenz. Anja D\u00f6britz-Berti, die seit 2002 auch das benachbarte, von ihrem Vater gegr\u00fcndete Auktionshaus D\u00f6britz f\u00fchrt, \u00fcbernahm.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped w3 wp-block-gallery-3 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"809\" height=\"1024\" data-id=\"2092\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/1989-01-809x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2092\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/1989-01-809x1024.jpg 809w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/1989-01-237x300.jpg 237w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/1989-01-768x972.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/1989-01-1214x1536.jpg 1214w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/1989-01-1619x2048.jpg 1619w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/1989-01-scaled.jpg 2024w\" sizes=\"(max-width: 809px) 100vw, 809px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"725\" height=\"1024\" data-id=\"2093\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Lederkopf-01-725x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2093\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Lederkopf-01-725x1024.jpg 725w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Lederkopf-01-212x300.jpg 212w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Lederkopf-01-768x1085.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Lederkopf-01-1087x1536.jpg 1087w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Lederkopf-01-1449x2048.jpg 1449w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Lederkopf-01-scaled.jpg 1812w\" sizes=\"(max-width: 725px) 100vw, 725px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\"><strong>Links<\/strong>: Hans Ticha, Ende der Geschichte, 1992. Assemblage, Holz, Eisen, Papier, 44 x 28 cm. Foto: Georg D\u00f6rr. <strong>Right<\/strong>: Hans Ticha, Lederkopf, 1985. Leder und Metall, H\u00f6he 37 cm. Foto: Georg D\u00f6rr.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ticha nimmt die Huldigung eines Verehrers, der angibt, bereits ein Werk zu besitzen, entgegen, ohne viel zu sagen. Sein Atelier in einem kleineren Ort bei Frankfurt bezeichnet er als sein Bilderlager. Es sei momentan ziemlich unaufger\u00e4umt, meint er. Zwei Ausstellungen gleichzeitig, in N\u00fcrnberg und jetzt hier: das sei doch ziemlich anstrengend gewesen. Die Galeristin Christina Veit d\u00e4mpft in ihrer Er\u00f6ffnungsrede die Erwartungen: \u00dcber Politik wolle Ticha lieber nicht sprechen. Er steht daneben, ohne selbst das Wort zu ergreifen, unterh\u00e4lt sich lieber sp\u00e4ter angeregt mit zwei allem Anschein nach guten Bekannten. So viel Publicity ist der 85-J\u00e4hrige nicht gewohnt, allenfalls als Kinderbuchillustrator. Das sei aber eine ganz andere Geschichte, erkl\u00e4rt er, die er von der Kunst trennen will.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von Tichas plastisch modellierten Figuren in der Malerei zu seinen Skulpturen, Reliefs und Assemblagen scheint der Weg nicht weit. Sie \u00e4hneln den Gem\u00e4lden, haben aber auch einige \u00dcberraschungen in petto. An einem Eishockey-Torwart h\u00e4ngt eine Schnur mit einem Griff, an dem man ziehen kann: ein Hampelmann. <em>Ende der Geschichte<\/em> nennt sich eine Montage, in der Ticha die Zuschreibung als &#8222;Warhol des Ostens&#8220; beim Wort nimmt: Sie besteht aus Hammer und Sichel, beide in rot, einer echten Campbells-Tomatendose und der Zahl 89. Sp\u00fclmittel-Flaschen und andere blassfarbige Kunststoffteile addieren sich zu einer Figur hinter einem Maler-Abstreif-Gitter. In Keramik oder Leder, mit Riemen und G\u00fcrtelschnallen, variiert der K\u00fcnstler das Thema Kopfskulptur. Eine davon tr\u00e4gt einen Stahlhelm aus dem Zweiten Weltkrieg. Sie erinnert an seinen im Krieg verschollenen Vater. Ticha stammt aus Bodendorf, heute D\u011b\u010d\u00edn, sein Nachname ist tschechisch, doch 1945, im Alter von vier Jahren, wurden er und seine Mutter als Deutsche klassifiziert und vertrieben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Assemblage aus einer Mausefalle, einem Thermometer und einer roten 3 erinnert ein wenig an Kurt Schwitters. Gliederpuppenartige Figuren lassen an Oskar Schlemmer oder Giogio de Chirico denken. Felice Fey verweist in ihrem lesenswerten Fazit auf Heinrich von Kleists Erz\u00e4hlung <em>\u00dcber das Marionettentheater<\/em>. Tichas Figuren, plastisch oder gemalt, seien &#8222;Stellvertreter, Puppen, Rollen, und sie spielen.&#8220; Sie erw\u00e4hnt Lissitzky, Malewitsch, L\u00e9ger, Schlemmer, Baumeister und Henry Moore: &#8222;Tichas Figuren kennen ihre Vorbilder, mitunter ahmen sie sie nach.&#8220; Schwerelos schwebend wie Ballspieler, seien sie jedoch nicht g\u00e4nzlich frei. &#8222;Sie alle bewegen sich in einem Versuch, im gro\u00dfen Experiment in menschlicher Kultur.&#8220; Ticha sei &#8222;der Arrangeur der Figuren, der Puppenspieler und Direktor des Theaters.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<hr style=\"--wb-separator-margin-top:0px;--wb-separator-margin-bottom:0px\" class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die <a href=\"https:\/\/www.nmn.de\/de\/programm\/ausstellungen\/ticha.htm\">Ausstellung im Neuen Museum in N\u00fcrnberg<\/a> l\u00e4uft bis 14. Juni und ist dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags bis 20 Uhr ge\u00f6ffnet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der <a href=\"https:\/\/www.galeriehannabekkervomrath.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Galerie Hanna Bekker vom Rath<\/a>, Braubachstra\u00dfe 12 in Frankfurt, sind Tichas Arbeiten bis zum 30. Mai zu sehen, die \u00d6ffnungeszeiten sind Dienstag bis Freitag 12 bis 18 Uhr, Samstag bis 15 Uhr.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit dem Label Pop Art der DDR ist nur ein Teil des Werks von Hans Ticha erfasst, wie zwei Ausstellungen in N\u00fcrnberg und Frankfurt zeigen. &#8222;Es lebe&#8220; steht da in Wei\u00df auf rotem Grund, \u00fcberdeckt und gefolgt vom Schriftzug &#8222;Aldi&#8220; und einer Spr\u00fchflasche der Marke biff. 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