{"id":2501,"date":"2026-05-12T15:51:31","date_gmt":"2026-05-12T13:51:31","guid":{"rendered":"https:\/\/on-art.news\/?p=12455"},"modified":"2026-08-14T22:00:06","modified_gmt":"2026-08-14T20:00:06","slug":"zu-einer-anderen-zeit-waere-ich-wohl-surferin-geworden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/on-art.news\/en\/2026\/05\/12\/zu-einer-anderen-zeit-waere-ich-wohl-surferin-geworden\/","title":{"rendered":"&#8222;Zu einer anderen Zeit w\u00e4re ich wohl Surferin geworden&#8220;"},"content":{"rendered":"<h3 class=\"wp-block-heading\">D\u00f6rte Ei\u00dffeldts experimentelle Fotografie und ihre Ausstellung <em>Archipelago<\/em> bei C\/O Berlin.<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br>M\u00f6biusb\u00e4nder \u2013 auf ihnen sichtbar ist das Meer. Zu Schaum aufgewirbeltes Wasser, ineinander brandende Wellen, Gischt am K\u00fcstensaum. In den fr\u00fchen 1990er-Jahren hat die K\u00fcnstlerin D\u00f6rte Ei\u00dffeldt die analogen Abz\u00fcge ihrer Schwarz-Wei\u00df-Fotografien vom Meer in Streifen geschnitten und in Schleifen gelegt. Fotostreifen, an den Enden einfach gedreht, so dass sie sich zu einer unendlichen Betrachtung der Wellen verdichten. Im Wechsel von Oben und Unten zeigen sie die Unm\u00f6glichkeit von nur einer Perspektive, aus der das fotografische Bild zu betrachten ist \u2013 der Prozess des Sehens ist flie\u00dfend.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ei\u00dffeldts <em>M\u00f6biusb\u00e4nder<\/em>, deren Motive entsprechend des gew\u00e4hlten Bildausschnitts variieren, liegen als plastische K\u00f6rper in einer von acht Vitrinen. Die frei im Raum arrangierten Schauk\u00e4sten mit Bildsammlungen, Objekten und Arbeitsheften aus dem Archiv der K\u00fcnstlerin bilden den Kern von D\u00f6rte Ei\u00dffeldts Ausstellung <em>Archipelago<\/em> bei C\/O Berlin. Sie wirken wie ein schwimmendes Inselmeer, um das herum sich Ei\u00dffeldts analoge Gro\u00dfformate, kleinere Bildgruppen und Sequenzen in der von Boaz Levin kuratierten Schau entfalten. Die Ausstellung <em>Archipelago<\/em><br>w\u00fcrdigt das vielschichtige Werk der Vertreterin der experimentellen Fotografie, die das Medium mit Verfahren wie Mehrfachbelichtung, Bildmontagen oder der Umkehrung von Positiv und Negativ von analoger zu digitaler Fotografie immer wieder aufs Neue befragt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Vom Fotobuch zur\u00fcck zum Ausstellen<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Ich wollte gar nicht mehr ausstellen&#8220;, erz\u00e4hlt die 1950 in Hamburg geborene D\u00f6rte Ei\u00dffeldt, als wir uns zum gemeinsamen Ausstellungsrundgang bei C\/O Berlin treffen. Denn nachdem die K\u00fcnstlerin 2016 ihre langj\u00e4hrige Lehrt\u00e4tigkeit als Professorin f\u00fcr Freie Kunst mit Schwerpunkt Fotografie an der Braunschweiger Hochschule f\u00fcr Bildende K\u00fcnste beendete, widmete sie sich ihrem Archiv. Mit viel Zeit begann sie die in Mappen und Schr\u00e4nken gelagerten Bilder und Skizzenhefte aus nahezu f\u00fcnf Jahrzehnten ihres k\u00fcnstlerischen Schaffens zu sichten, Bilder anzusehen. Manche von ihnen brachte sie an einer gro\u00dffl\u00e4chigen Arbeitswand in einen Dialog zueinander, um sie neu zu bewerteten, zu zerschneiden oder Konstellationen mit bestehenden Werken sowie im Atelier vorhandenen Materialien wie Papier, Glas oder Fundobjekten zu bilden. Der Plan der in Hamburg und im mecklenburgischen Neuenkirchen lebenden Ei\u00dffeldt war, fortan nur noch Fotob\u00fccher zu machen: ihrer experimentellen Fotografie im Format des Buches eine Echokammer zu geben. Das gelang ihr mit dem 2024 im Distanz-Verlag erschienenen Buch <em>Stehen Liegen H\u00e4ngen<\/em>, das einzig aus Aufnahmen besteht, die Ei\u00dffeldt mit ihrem Mobiltelefon von zuf\u00e4lligen und arrangierten Bildsituationen in ihrem Studio machte. Es zeigt, wie Ei\u00dffeldt ihr Archiv als ein lebendiges Archiv, und Fotografie nicht einzig als Bildtr\u00e4ger, sondern als stofflichen K\u00f6rper im Raum, als eine Kategorie des Denkens begreift. Die Publikation, die mittlerweile vergriffen ist, brachte einen Stein ins Rollen \u2013 und neue R\u00e4ume des Ausstellens.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large w3\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"657\" data-id=\"2109\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/02_Wellendoppel-Favorit-218a_c_Doerte_Eissfeldt_VG_Bild-Kunst_Bonn_2025-1024x657.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2109\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/02_Wellendoppel-Favorit-218a_c_Doerte_Eissfeldt_VG_Bild-Kunst_Bonn_2025-1024x657.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/02_Wellendoppel-Favorit-218a_c_Doerte_Eissfeldt_VG_Bild-Kunst_Bonn_2025-300x192.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/02_Wellendoppel-Favorit-218a_c_Doerte_Eissfeldt_VG_Bild-Kunst_Bonn_2025-768x493.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/02_Wellendoppel-Favorit-218a_c_Doerte_Eissfeldt_VG_Bild-Kunst_Bonn_2025-1536x985.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/02_Wellendoppel-Favorit-218a_c_Doerte_Eissfeldt_VG_Bild-Kunst_Bonn_2025-2048x1314.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\">D\u00f6rte Ei\u00dffeldt, Wellendoppel Favorit 218a, n.D. \u00a9 VG Bild-Kunst, Bonn, 2025.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gemeinsam mit der K\u00fcnstlerin Kar\u00f8 Goldt zeigte D\u00f6rte Ei\u00dffeldt Arbeiten im Hamburger K\u00fcnstlerhaus Frise, wo auch ihr Buch vorgestellt wurde. 2025, als Ei\u00dffeldt an ihrer ersten Schau f\u00fcr die Berliner Galerie Thomas Fischer arbeitete, erhielt sie einen Anruf aus Gr\u00f6nland: &#8222;Eisberge und Nordlichter&#8220;, sagt Ei\u00dffeldt, &#8222;ein alter Traum von mir. Den Wunsch, diese zu erleben, hatte ich gerade ad acta gelegt. Und dann kam das Angebot, meine Bilder im Illulissat Kunstmuseum auszustellen.&#8220; Beide Ausstellungen fanden gleichzeitig statt \u2013 und in Paris wurde ihr f\u00fcr ihr fotografisches Gesamtwerk der <em>Prix Viviane Esders<\/em> verliehen. Da war ihre Einzelschau bei C\/O Berlin bereits in Vorbereitung. &#8222;Der Kurator Boaz Levin stellte sich vor, dass das Studiomoment, wie es sich in meinem Buch vermittelt, als Ausstellung erfahrbar werden k\u00f6nnte.&#8220; Zugleich plante Thomas Fischer eine weitere Schau mit Ei\u00dffeldts Arbeiten in seiner Galerie, die er parallel zu jener bei C\/O Berlin ansetzte: <em>Conil<\/em>, benannt nach den Seest\u00fccken, die Ei\u00dffeldt vor einigen Jahren inmitten des Atlantiks aufnahm. &#8222;Ich hatte auf einmal so viele M\u00f6glichkeiten, meine Arbeiten je nach Kontext zu platzieren&#8220;. Sie erg\u00e4nzt mit einem L\u00e4cheln: &#8222;Ich konnte wirklich aus dem Vollen sch\u00f6pfen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Gold schimmerndes Drachenblut<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die bei C\/O Berlin im Obergeschoss pr\u00e4sentierte Ausstellung beginnt mit einem Selbstportr\u00e4t, das D\u00f6rte Ei\u00dffeldt 1988 von sich aufnahm: Ihr K\u00f6rper zeichnet sich schemenhaft ab, ihre H\u00e4nde rahmen einen Lichtfleck, Strukturen im Hintergrund lassen einen Innenraum erkennen. Ei\u00dffeldt fotografierte sich als Spiegelung in einer ihrer Fotografien in ihrem damaligen Atelier. Das Motiv, gegen\u00fcber dem sie sich positionierte und auf das sie durch die Gesten ihrer H\u00e4nde reagierte, rahmt auch diese Ausstellung. Denn es findet sich wiederkehrend in der sich \u00fcber drei Kabinette erstreckenden Schau sowie ganz an ihrem Ende als genau das gerahmte Bild, in dem sie sich spiegelte.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-2 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large w3\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"807\" data-id=\"2124\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Doerte-Eissfeldt-CO-Berlin-Archipelago-01-1024x807.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2124\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Doerte-Eissfeldt-CO-Berlin-Archipelago-01-1024x807.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Doerte-Eissfeldt-CO-Berlin-Archipelago-01-300x236.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Doerte-Eissfeldt-CO-Berlin-Archipelago-01-768x605.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Doerte-Eissfeldt-CO-Berlin-Archipelago-01-1536x1210.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Doerte-Eissfeldt-CO-Berlin-Archipelago-01-2048x1613.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\">D\u00f6rte Ei\u00dffeldt, Drachenblut II, 1989. \u00a9 D\u00f6rte Ei\u00dffeldt \/ VG Bild-Kunst.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ei\u00dffeldt war wichtig, bei C\/O Berlin das Bild <em>Drachenblut II<\/em> zu zeigen, das zuvorderst im ersten Ausstellungsraum als gro\u00dfformatiger Abzug ohne Rahmen h\u00e4ngt. Bereits 1989 hatte D\u00f6rte Ei\u00dffeldt dieses Bild mit zwei Schwarz-Wei\u00df-Negativen \u00fcbereinander ausbelichtet: Lichtschatten-Reflexionen von B\u00e4umen, die sich auf einem Weg abzeichnen, verschmelzen darin mit dem fleckigen Fell eines Tieres. Durch ihr spezielles Entwicklungsverfahren, bei dem der Silbergelatineabzug golden schimmert, verf\u00fcgt das Bild \u00fcber eine besondere Patina, auf der kleinste Lichtreflexionen zum Teil des Bildraumes werden. In dieser Zeit, als Ei\u00dffeldt das Bild in mehreren Abz\u00fcgen ausbelichtete, entschied sie sich f\u00fcr eine Serie, die sie <em>Drachenblut I<\/em> nannte. Als ihr bei ihrer Archivdurchsicht 2023 das jetzt bei C\/O Berlin und zuvor in der Hamburger Frise gezeigte Bild begegnete, entschied sie sich jedoch f\u00fcr diesen Abzug, der mittlerweile von Knicken und Ecken ges\u00e4umt wird \u2013 und zerst\u00f6rte die vorherige Variante.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Prozess der Interpretation und Aktualisierung von Fotografien, aus dem so auch die Arbeit <em>M\u00f6biusband<\/em> entstanden ist, findet sich in ihrem Werk best\u00e4ndig als Methode. D\u00f6rte Ei\u00dffeldt unterzieht das Abbildbare einer permanenten Revision. Zum Beispiel im vielfachen Ausbelichten von ein und demselben Negativ und Interpretieren der Bilder beim Abziehen in der Dunkelkammer, wie es die K\u00fcnstlerin 1988 mit ihrer Arbeit <em>Schneeball<\/em> vornahm, die in 32 Bildern ebenso viele unterschiedliche Bildvarianten des Motivs hervorbringt. Zu zeigen, dass die Fotografie einen K\u00f6rper hat, den sie ihrerseits \u2013 durch Licht, Wasser, chemische Reaktion oder Papier \u2013 zeigt, wie Ei\u00dffeldt 1992 in dem Text <em>Der K\u00f6rper der Fotografie<\/em> beschrieb, ist noch immer ein Anliegen in ihrem Werk. Und so ist der Text im ausstellungsbegleitenden C\/O-Berlin-Magazin erneut ver\u00f6ffentlicht worden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Verh\u00e4ltnis zwischen Bild und Raum denkt D\u00f6rte Ei\u00dffeldt beim Ausstellen stets mit. Es gibt Bilder, wie <em>Drachenblut II<\/em>, die nur mit Magneten an die Wand gebracht werden. Oder solche wie die Aufnahme eines Messers, bei der sich die Form des Bildes an die Gestalt der Glasscheibe anzugleichen scheint, die einzig mit N\u00e4geln an der Wand befestigt ist. Die Pr\u00e4sentationsweisen stehen in Beziehung zu den Motiven, (zugeschnittenen) Formaten und Texturen ihrer Bilder \u2013 und dadurch entfalten sich Ei\u00dffeldts Fotografien als K\u00f6rper. So h\u00e4ngen \u00e4u\u00dferst dunkel ausbelichtete, ja kaum mehr sichtbare Portr\u00e4ts von Frauen mit geschlossenen Augen, die Ei\u00dffeldt 1990 aufnahm und die in tiefen Stahlrahmen zu sehen sind, nahezu an der Oberkante einer der W\u00e4nde. Sie f\u00fchren den Blick der sie Betrachtenden in die H\u00f6he, wo die K\u00f6pfe der Abgelichteten still ruhen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-3 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"661\" data-id=\"2123\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/DOERTE_EISSFELDT_ARCHIPELAGO_COBerlin_2026_Installationsansichten_copyright_COBerlin_David_von_Becker_36-1024x661.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2123\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/DOERTE_EISSFELDT_ARCHIPELAGO_COBerlin_2026_Installationsansichten_copyright_COBerlin_David_von_Becker_36-1024x661.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/DOERTE_EISSFELDT_ARCHIPELAGO_COBerlin_2026_Installationsansichten_copyright_COBerlin_David_von_Becker_36-300x194.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/DOERTE_EISSFELDT_ARCHIPELAGO_COBerlin_2026_Installationsansichten_copyright_COBerlin_David_von_Becker_36-768x496.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/DOERTE_EISSFELDT_ARCHIPELAGO_COBerlin_2026_Installationsansichten_copyright_COBerlin_David_von_Becker_36-1536x992.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/DOERTE_EISSFELDT_ARCHIPELAGO_COBerlin_2026_Installationsansichten_copyright_COBerlin_David_von_Becker_36-2048x1323.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" data-id=\"2122\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/DOERTE_EISSFELDT_ARCHIPELAGO_COBerlin_2026_Installationsansichten_copyright_COBerlin_David_von_Becker_21-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2122\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/DOERTE_EISSFELDT_ARCHIPELAGO_COBerlin_2026_Installationsansichten_copyright_COBerlin_David_von_Becker_21-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/DOERTE_EISSFELDT_ARCHIPELAGO_COBerlin_2026_Installationsansichten_copyright_COBerlin_David_von_Becker_21-300x200.jpg 300w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/DOERTE_EISSFELDT_ARCHIPELAGO_COBerlin_2026_Installationsansichten_copyright_COBerlin_David_von_Becker_21-768x512.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/DOERTE_EISSFELDT_ARCHIPELAGO_COBerlin_2026_Installationsansichten_copyright_COBerlin_David_von_Becker_21-1536x1025.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/DOERTE_EISSFELDT_ARCHIPELAGO_COBerlin_2026_Installationsansichten_copyright_COBerlin_David_von_Becker_21-2048x1366.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\"><strong>Links<\/strong> und <strong>Right<\/strong>: Ausstellungsansichten &#8222;Archipelago&#8220;. Beide Fotos: David von Becker.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ihnen gegen\u00fcber differenziert sich eine Werkserie schwarmartig aus: Fotografien, die Ei\u00dffeldt 1988 aus einem Geb\u00e4ude nahe der Dessauer Stra\u00dfe in Berlin aufnahm. Der Blick auf die st\u00e4dtische Landschaft wird jedoch stets von ihrer Hand verdeckt, die sich als schwarzer, leicht unscharfer Schatten in den Bildausschnitt schiebt. Nur an den R\u00e4ndern der Fotos zeichnen sich H\u00e4user ab; der Gropiusbau l\u00e4sst sich erkennen, und die Berliner Mauer. Bei C\/O Berlin h\u00e4ngt die Serie gleich neben einem gro\u00dfen, get\u00f6nten Fenster mit Blick auf den Bahnhof Zoo und man ist selbst versucht, zum Stadtbild durch die eigene Hand einen visuellen Kontakt herzustellen. &#8222;Diese Bilder habe ich erst kurz nachdem Boaz Levin mich im Atelier besuchte wiederentdeckt. Es vergeht eigentlich kein Monat, in dem ich keine Entdeckung mache. Ich suche etwas, und pl\u00f6tzlich f\u00e4llt mir etwas anderes in die H\u00e4nde.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Ein Archipel aus Bildern<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Acht Vitrinen, die auf unterschiedlichen H\u00f6hen aneinander anschlie\u00dfen, sich teilweise \u00fcberlagern und gegen\u00fcberstehen, bilden das Zentrum in der Ausstellung und verweisen auf den Kern und die Breite von D\u00f6rte Ei\u00dffeldts Schaffen. Denn in ihnen versammelt sind Hefte, Skizzenb\u00fccher, Kontaktb\u00f6gen, Leporellos, Editionen, fotografische Objekte und aufgehobene Gegenst\u00e4nde aus der gesamten Zeitspanne ihres fotografischen Arbeitens, von Ende der 1970er-Jahre bis heute. Ei\u00dffeldt, die von 1970 bis 1976 an der Hochschule f\u00fcr bildende K\u00fcnste in Hamburg studierte und sich zun\u00e4chst mit Malerei und Film befasste, entwickelte ihre medienreflexive fotografische Praxis als Autodidaktin. Ideen f\u00fcr Bilder, die sich im Lebensalltag nicht immer sogleich umsetzen lie\u00dfen, hielt sie \u2013 von Tag zu Tag oder auf Reisen \u2013 in Heften fest, die sie als fortlaufende Serien anlegte. Eine Heftfolge zum Beispiel nannte sie <em>Fetzenhefte<\/em>, in der sie zerschnittene Fotografien assemblierte und eine Arbeitsweise entwickelte, die auf dem Fragment basiert. Das war in den fr\u00fchen 1980er-Jahren. Sie zeigte diese Hefte mit Montagen zuletzt 1985 im Kunstverein Pforzheim. &#8222;Die bei C\/O Berlin in den Vitrinen ausgestellten Dinge sind das Herz meiner Arbeit \u2013 und ihre Pr\u00e4sentationsweise entspricht meiner Arbeit&#8220;, sagt Ei\u00dffeldt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Denn ausgelegt hat die K\u00fcnstlerin die Vitrinen mit lichtempfindlichem Orwo-Papier, das an all jenen Stellen, auf denen keine Exponate arrangiert worden sind, von seinem urspr\u00fcnglichen Rosaton zu einem Violett-Grau-Braunton nachgedunkelt ist. Das wird an einer Stelle in den Vitrinen sichtbar, wo eines der Objekte leicht verr\u00fcckt ist. Urspr\u00fcnglich verf\u00fcgte Ei\u00dffeldt selbst \u00fcber eine umfangreiche Sammlung von Vintage-Fotopapieren, die sie im Zuge ihrer Auseinandersetzung mit dem Archiv aber zu verschenken begann. Die hier nun verwendete Fotorolle erhielt sie vom Berliner Lette Verein und sie geh\u00f6rte ehemals zu den Best\u00e4nden von Sibylle Bergemann und Arno Fischer.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped w3 wp-block-gallery-4 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"853\" height=\"1024\" data-id=\"2114\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/03_Haut_1989_c__c_Doerte_Eissfeldt_VG_Bild-Kunst_Bonn_2025-853x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2114\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/03_Haut_1989_c__c_Doerte_Eissfeldt_VG_Bild-Kunst_Bonn_2025-853x1024.jpg 853w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/03_Haut_1989_c__c_Doerte_Eissfeldt_VG_Bild-Kunst_Bonn_2025-250x300.jpg 250w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/03_Haut_1989_c__c_Doerte_Eissfeldt_VG_Bild-Kunst_Bonn_2025-768x922.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/03_Haut_1989_c__c_Doerte_Eissfeldt_VG_Bild-Kunst_Bonn_2025-1280x1536.jpg 1280w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/03_Haut_1989_c__c_Doerte_Eissfeldt_VG_Bild-Kunst_Bonn_2025-1707x2048.jpg 1707w\" sizes=\"(max-width: 853px) 100vw, 853px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" data-id=\"2112\" src=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/04_Agfa-Brovira_02_2011_c__c_Doerte_Eissfeldt_VG_Bild-Kunst_Bonn_2025-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2112\" srcset=\"https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/04_Agfa-Brovira_02_2011_c__c_Doerte_Eissfeldt_VG_Bild-Kunst_Bonn_2025-768x1024.jpg 768w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/04_Agfa-Brovira_02_2011_c__c_Doerte_Eissfeldt_VG_Bild-Kunst_Bonn_2025-225x300.jpg 225w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/04_Agfa-Brovira_02_2011_c__c_Doerte_Eissfeldt_VG_Bild-Kunst_Bonn_2025-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/04_Agfa-Brovira_02_2011_c__c_Doerte_Eissfeldt_VG_Bild-Kunst_Bonn_2025-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/on-art.news\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/04_Agfa-Brovira_02_2011_c__c_Doerte_Eissfeldt_VG_Bild-Kunst_Bonn_2025-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\"><strong>Links<\/strong>: D\u00f6rte Ei\u00dffeldt, Haut, 1989. <strong>Right<\/strong>: D\u00f6rte Ei\u00dffeldt, Agfa Brovira 02, 2011. Alle Bilder: \u00a9 VG Bild-Kunst, Bonn, 2025.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ei\u00dffeldts Auseinandersetzung mit Papier wird in weiteren, das Vitrinen-Archipel an den W\u00e4nden begleitenden Arbeiten zum Gegenstand. Die Bildreihe <em>Afga Brovira<\/em> (2009\/2015) zeigt mittlerweile rund 100 Jahre altes Fotopapier, das Ei\u00dffeldt als Haufen \u00fcbereinanderlegte und digital fotografierte. Die Papiere nutze sie nochmals in einer weiteren Reihe, <em>Vera Ikon<\/em> (2011), in welcher die K\u00fcnstlerin ein Fotogramm von jedem einzelnen Blatt anfertigte. Beide Reihen sind erstmals zusammen in <em>Archipelago<\/em> ausgestellt; sie werden erg\u00e4nzt um die Fotopapiere, die als Objekte in einer der Vitrinen zu sehen sind. &#8222;Diese Arbeiten bilden in meinem Werk ein Scharnier zwischen analoger und digitaler Fotografie&#8220;, erkl\u00e4rt Ei\u00dffeldt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das zeigt sich etwa auch in ihrer Bildfolge <em>Tageslicht <\/em>(2017\/2025). Hierf\u00fcr arrangierte sie Papierfetzen auf nicht entwickelten Fotopapieren bei Tageslicht und scannte die so entstandenen Fotogramme ein, welche sie anschlie\u00dfend mit Bildbearbeitungsprogrammen digital \u00fcberarbeitete. Diese Arbeiten finden sich gegen\u00fcber einer Reihe von vier gro\u00dfformatigen Analogfotografien von einem weiblichen R\u00fccken ganz am Ende der Ausstellung, die nicht als Parcours angelegt ist, &#8222;sondern durch die man wieder zur\u00fcckgeht, um dadurch nochmals eine andere Perspektive auf die Bilder einzunehmen&#8220;, wie D\u00f6rte Ei\u00dffeldt vorschl\u00e4gt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">&#8222;Kleine Favoriten&#8220;<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und ja: Beim Flanieren zur\u00fcck, gewinnen die frei zueinander an der Wand arrangierten mittel- und kleinformatigen Fotografien, welche das Vitrinen-Archipel begleiten, eine andere Gewichtung. Denn nach dem intensiven Betrachten von D\u00f6rte Ei\u00dffeldts Fotografien, in denen Werk und Fotogeschichte bis aufs Engste ineinander verzahnt sind, wirken die Einzelbilder und losen Bildfolgen, aus denen die meisten ihrem Konvolut &#8222;Kleine Favoriten&#8220; angeh\u00f6ren, wie ein freier Blick auf den Ozean. Fragmente von K\u00f6rpern tauchen in ihnen auf: ein gl\u00e4nzendes Auge, die Silhouette eines Kopfes, zwei sich bewegende Beine auf einer regennassen Stra\u00dfe. Eine Reihe zeigt die sich im Wasser spiegelnde Sonne, ein Bildpaar das aufsch\u00e4umende Meer, Ei\u00dffeldts Schneeball ruht auf einer Handfl\u00e4che. &#8222;Ich habe versucht, die Bilder in meiner Ausstellung so zu komponieren, dass ein Geflecht entsteht, in dem jedes Bild mit einem anderen oder mehreren spielt oder einen Dialog aufnimmt&#8220;, sagt sie. Dabei entstehen visuelle Begegnungen, die wie Ei\u00dffeldts M\u00f6biusband ihre fotografischen Bildmomente und selbst Erlebtes heimlich ineinanderflie\u00dfen lassen. &#8222;In meiner Arbeit reagiere ich immer auf etwas, das da ist&#8220;, sagt sie abschlie\u00dfend und bemerkt fast beil\u00e4ufig: &#8222;Zu einer anderen Zeit w\u00e4re ich wohl Surferin geworden.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<hr style=\"--wb-separator-margin-top:0px;--wb-separator-margin-bottom:0px\" class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/co-berlin.org\/de\/programm\/ausstellungen\/doerte-eissfeldt\">D\u00f6rte Ei\u00dffeldt, Archipelago<\/a>, 7. Februar \u2013 10. Juni 2026, C\/O Berlin<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>D\u00f6rte Ei\u00dffeldts experimentelle Fotografie und ihre Ausstellung Archipelago bei C\/O Berlin. M\u00f6biusb\u00e4nder \u2013 auf ihnen sichtbar ist das Meer. 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