The Kasper König Collection – His Private Choice
Van Ham, Auktion am 1. und 2. Oktober 2024
Den Höhepunkt der kommenden deutschen Herbstsaison bildet die Auktion der einzigartigen Kunstsammlung von Professor Kasper König. Am 9. August 2024 ist der renommierte und international einflussreiche Ausstellungsmacher in Berlin verstorben. Im Laufe von rund 60 Jahren trug er eine einzigartige Kunstsammlung zusammen, die am 1. und 2. Oktober 2024 versteigert wird. Im Evening Sale kommen die 60 Highlights zum Aufruf, im darauffolgenden Day Sale werden rund 190 Arbeiten angeboten. Die Vorbesichtigung sowie der Katalog sind eine
Hommage an das exzeptionelle Werk und Wirken des Autodidakten und Amateurs, der zugleich Direktor, Mentor und Legende im Kunstbetrieb war.


Die zahlreichen und zum Teil sehr persönlichen Nachrufe in allen großen Titeln demonstrieren die Bedeutung Kasper Königs (1943–2024) in der Kunstvermittlung des 20. und 21. Jahrhunderts und seine prägende Rolle im Kunstdiskurs der letzten fünf Jahrzehnte. König leitete zwölf Jahre das Kölner Museum Ludwig (2000–2012), zuvor war er Rektor der Städelschule in Frankfurt und ebenda Gründungsdirektor der Ausstellungshalle Portikus sowie Mitbegründer der „Skulptur Projekte Münster“. Die Sammlung König wuchs über Jahrzehnte eher unerwartet und entwickelte sich nicht zuletzt durch zahlreiche Künstlerfreundschaften und Begegnungen auf seinen beruflichen Stationen. So ist die Sammlung vielmehr als ein Bekenntnis zur Kunst zu verstehen.
„Die frühe Förderung von Künstlerinnen und Künstlern lag Professor Kasper König immer besonders am Herzen. Uns war es bei der Erstellung des Kataloges wichtig, die persönliche Verbundenheit mit jedem Werk deutlich zu machen. Die Recherche machte schnell klar: die Kunstgeschichte des 20. und 21. Jahrhunderts ist unzertrennbar mit dem Wirken Kasper Königs verbunden.“ (Dr. Renate Goldmann, Direktorin VAN HAM Art Estate).
1981 wird Thomas Schütte mit gerade einmal 23 Jahren von Kasper König und Laszlo Glotzer zur Teilnahme an der berühmten Ausstellung „Westkunst“ in Köln und drei Jahre später zu „Von hier aus“ in Düsseldorf eingeladen. Schütte ist vor allem für seine vielseitigen Skulpturen, Installationen und architektonischen Modelle bekannt. Seine Stoffgirlanden bilden eine Mischform aus Raumgestaltung und Kunst. Die angebotene rote Girlande zierte z. B. das Kuratorenbüro der Westkunst-Ausstellung (Taxe: € 50.000 – 70.000). Das Gegenstück in schwarz wird diesen Herbst im Museum of Modern Art in New York gezeigt.
Besonderes Augenmerk liegt auf den Werken von On Kawara, zu dem Kasper König nicht zuletzt durch die direkte Nachbarschaft im New York der 1960er-Jahre eine enge Freundschaft pflegte. Kawara begann auf Anregung und mit finanzieller Unterstützung von Kasper König ab 1968 jeden Tag zwei Postkarten mit demselben Motiv von seinem Aufenthaltsort an Freunde, Familie und Bekannte zu senden. Die ersten Karten gingen an König, der selbst für seine ikonischen Postkarten bekannt war. In seinen „Date Paintings“ dokumentiert On Kawara das Datum, an dem das Werk entstand – wurde es nicht am selben Tag fertig, zerstörte der Künstler das Bild. In der Sammlung König befinden sich zwei besondere Datumsgemälde mit Original-Karton und einer Zeitung des Entstehungstages. Zu den frühen Arbeiten aus der Reihe gehört „MAY 7, 1967“ – On Kawara begann 1966 mit den Date Paintings (Taxe: € 500.000 – 700.000). Noch persönlicher ist das Gemälde „21 NOV. 2003“, das König zu seinem 60. Geburtstag an eben jenem 21. November 2003 von On Kawara geschenkt bekommen hat (Taxe: € 200.000 – 300.000).



Auch zwischen William Nelson Copley und Kasper König bestand seit 1972 eine Freundschaft. Copley nimmt in dem Jahr an der documenta 5 teil, an der auch König mitwirkt. 1982 wählt Kasper König Copleys Werke für die wegweisende Ausstellung Westkunst aus. Kein Wunder, dass in der Sammlung gleich mehrere Werke des amerikanischen Autodidakten zu finden sind. Die Arbeit „Lady Be Good“ von 1953 kann eine eindrucksvolle Ausstellungshistorie aufweisen, u. a. im Centre Pompidou in Paris, im Museum Frieder Burda in Baden-Baden sowie in der Fondazione Prada in Mailand (Taxe: € 70.000 – 90.000).
Durch Zufall knüpfen John Wesley und Kasper König in New York eine Freundschaft: Während eines Atelierbesuchs Königs bei der Malerin Jo Baer bemerkt er die von ihr verwendeten zarten Pastellfarben in blau und rosa. Diese hat König ebenfalls bei einem Maler in der Robert Elkon Gallery entdeckt, kann sich aber nicht mehr an den Namen des Künstlers entsinnen. Baer klärt ihn auf, dass es sich um ihren Ehemann handle. König besucht John Wesley in seinem Atelier und ist fasziniert von den Arbeiten. Die unbetitelte Arbeit (Donald Duck) von 1969 vereint auf Wesleys typische, surreale Malweise Sexualität und Pop-Kultur (Taxe: € 60.000 – 80.000).
Die Zusammenarbeit an der Ausstellung „Skulpturer och teckningar, 1963-1966“ im Moderne Museet Stockholm im September 1966 ist der Beginn einer lebenslangen Freundschaft zwischen Claes Oldenburg und Kasper König, in deren Verlauf zahlreiche weitere Kooperationen entstehen. Oldenburgs Werk „Ghost Wardrobe for M. M.“ wurde im Dezember 1967 in der Sidney Jannis Gallery in New York präsentiert (Taxe: € 100.000 – 150.000). In dieser Ausstellung mit dem Titel „Hommage to Marilyn Monroe“ waren u.a. auch Robert Rauschenberg, Tom Wesselmann und Salvador Dalí mit Werken vertreten.
1967 lernt Kasper König in New York Dan Graham kennen und beide kooperieren fortan in zahlreichen Projekten. Seine ersten Videoarbeiten und Performances kann Graham ab 1969 als Gastdozent am kanadischen Novia Scotia College of Art and Design in Halifax realisieren, wo auch König später als Associate Professor for Art History lehren wird. Die fotografische Arbeit „Sunset to Sunrise“, bestehend aus 136 C-Prints, basiert auf einer in Halifax realisierten gleichnamigen Videoarbeit von 1969 (Taxe: € 40.000 – 60.000).
Kasper König lernt Richard Artschwager Ende der 1960er in New York kennen und eine enge Freundschaft etabliert sich zwischen den beiden. Er überlässt Artschwager seine Wohnung in New York als er 1971 seine Anstellung in Halifax antritt. Ihre Zusammenarbeit schlägt sich auch in zahlreichen Ausstellungen nieder. Artschwagers „Handle I“ von 1962 bildet den Beginn seiner ästhetischen Ambivalenz. Zusammengesetzt zu einem Rechteck aus Elementen eines geschliffenen Handlaufes aus Holz definiert sich das Werk als Skulptur. Zugleich wird das Kunstwerk wie ein Gemälde an der Wand hängend installiert, wobei die Materialität des Holzes in der speziellen Form an einen Rahmen erinnert, der den Blick auf die leere Wand freigibt und umschließt (Taxe: € 150.000 – 200.000).
Thomas Bayrle und Kasper König kennen sich aus der Frankfurter Zeit, in der sie an der Städelschule zusammenarbeiten. 1970 kauft Kasper König erstmals ein Werk von Thomas Bayrle und stellt dessen Kunst 1984 als Kurator auf der Ausstellung „Von hier aus“ neben Werken von Sigmar Polke und Gerhard Richter aus. Bayrles Arbeiten sind durch die Auseinandersetzung mit Massenproduktion und der Konsumkultur geprägt. Diese Pop Art Inspiration ist in dem Werk „Glückskleedosenturm“ von 1969 erkennbar, so ähneln die verwendeten Glückskleedosen sehr den Campbell-Dosen von Andy Warhol (Taxe: 20.000 – 30.000).
Kasper König traf den Galeristen Heiner Friedrich in New York, der eine Mappe mit Zeichnungen von Caspar David Friedrich dabeihatte. König war begeistert aufgrund konzeptioneller Assoziationen und Zahlenangaben auf dem Blatt „Waldstudie“, die tatsächlich aber lediglich für die farbliche Umsetzung des Lichteinfalls dienten (Taxe: € 40.000 – 60.000). Auch der Künstler Donald Judd kaufte eine Zeichnung Friedrichs gemeinsam mit Kasper König.
Katharina Fritsch ist u. a. neben Hanne Darboven, Eva Hesse, Marina Abramović und Rebecca Horn als weibliche Position in der 1984 von Kasper König kuratierten Ausstellung „Von hier aus“ vertreten. 1987 beteiligt sich die Künstlerin an den „Skulptur Projekte Münster“ mit einer Darstellung der Madonna von Lourdes. Fritschs Skulpturen bilden alltägliche Objekte nach, wobei die Figuren in ihren Dimensionen zwischen Miniatur und Überlebensgröße changieren. Indem sie die Größe und Farbe dieser Objekte manipuliert und sie in unerwarteten Kombinationen arrangiert, destabilisiert sie das Vertraute – so auch in der Darstellung der schwarzen Maus (Taxe: € 3.000 – 5.000).
2009 widmete das Museum Ludwig unter der Leitung von Kasper König der österreichischen Künstlerin Maria Lassnig eine Retrospektive mit 120 Zeichnungen und Aquarellen. Bekannt für ihre einzigartigen „Body Awareness-Bilder“ prägte Lassnig die Kunstgeschichte durch ihren innovativen Ansatz, innere Empfindungen visuell darzustellen, und gilt als Pionierin der feministischen Kunstbewegung. In der Kasper König gewidmeten Arbeit „ML als Invalide“ von 2002 untersucht Lassnig in ihrem einzigartigen Stil das Gefühl von Verletzlichkeit und Gebrechlichkeit (Taxe: € 7.000 – 9.000).
Als Sol LeWitt 1967 Hanne Darboven und Kasper König miteinander bekannt machte, war König begeistert von ihrer konzeptuellen Arbeit und empfahl sie dringend an den Düsseldorfer Galeristen Konrad Fischer. Die 54-teilige Arbeit „Konstruktionen“ von 1968 aus der Sammlung ist charakteristisch für Darbovens lebenslange Tätigkeit des Verwebens von Schreiben und Zählen (Taxe: € 50.000 – 60.000).
Kasper König lernt Nicole Eisenmans Werk durch seine damalige Frau und Eisenmans Galeristin Barbara Weiss kennen und schätzen. Aus ihrer ersten Zusammenarbeit an der Ausstellung „Das Achte Feld“ 2006 im Museum Ludwig bildet sich eine langjährige Freundschaft. Eisenman gilt als starke Vertreterin der Diversität und hinterfragt durch ihre Werke gesellschaftlich vorgegebene Rollen. Eisenmans Zeichnung aus der Sammlung hinterfragt und kritisiert auf provokante Art die Rolle der Vaterfigur in Bezug auf sein Umfeld (Taxe: 4.000 – 6.000). 2017 nimmt Eisenman mit einer Brunnenskulptur an „Skulptur Projekte Münster“ teil, die durch diskriminierenden und rechtsextremen Vandalismus in die Schlagzeilen geriet, mittlerweile aber als Zeichen gegen Hass und Ausgrenzung gilt.
Sigmar Polkes Arbeit „Meisterwerk als Ramsch versteigert“ nimmt in der Privatsammlung Kasper Königs eine Sonderrolle ein (Taxe: 30.000 – 50.000). Mehrfach betont König die Ironie der Arbeit und lobt, wie Polke die Erwartungen an „hohe Kunst“ und deren Präsentation dekonstruiert. Die bildgewordene Kritik an der Kunstwelt, kann gleichzeitig auch als humorvoller Kommentar zu gesellschaftlichen Werten gelesen werden. Die Geschichte um den Erwerb ist bekannt: Empört schnappte Kasper König einem Privatsammler die Arbeit auf der Art Cologne 2008 unter der Nase weg, während dieser noch dabei war den Galeristen Erhard Klein um einen Rabatt zu fragen.
Neben diesen Arbeiten fasziniert die Sammlung durch großartige Werke der Nachkriegskunst, Medien der Zeitgenössischen Kunst sowie durch zahlreiche konzeptuelle Werke. Zu den weiteren Highlights zählen u.a. die Arbeiten von Richard Artschwager, Thomas Bayrle, John Chamberlain, Hanne Darboven, Nicole Eisenman, Caspar David Friedrich, Katharina Fritsch, Bruno Goller, Dan Graham, Thomas Hirschhorn, Raoul de Keyser, Maria Lassnig, Bertrand Lavier, Niele Toroni und Franz West. Parallel werden zudem Arbeiten aus der Sammlung in einer Online-Auktion zum Aufruf kommen.
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