Legoschnitt und Glitzerzeug

Gernot Leibold, Goldschmied und Ebenist, im Schmuckmuseum Pforzheim. 24. November 2024 bis 23. Februar 2025.

Gernot Leibold (1955-2020, geboren in Karlsruhe) bezeichnete sich selbst als Goldschmied und mit einem Augenzwinkern als Ebenisten "mit ausgeprägtem Cardillacsyndrom und einer Leidenschaft für geschlossene Werkgruppen". In seiner Diplomarbeit 1986 schrieb er: "Nichts auf der Welt hat mich je mehr fasziniert als Schmuck. Bereits als Kind krallte ich mir den Strassschmuck meiner Mutter, dessen Glitzern mich fesselte. Ich konnte nie genug davon bekommen, und so zehrte diese frühe Leidenschaft mein gesamtes Taschengeld auf… Die Begeisterung für Glitzerzeug jeder Art ist mir bis heute geblieben, und jede Anhäufung von Brillanten, egal ob echt oder unecht, lässt diese Leidenschaft wieder aufflammen."
Nicht nur die Freude an Glitzerzeug, sondern auch seine Passion für das Aufstöbern und Sammeln von unterschiedlichsten, oft farbenfrohen Materialien und Gegenständen, wie Bauklötzchen, Legosteine, Garnrollen, Murmeln, Lüster oder bunte Kunststoffteile, begleiteten ihn ein Leben lang. Es war sein Fundus und die Basis für seine Schmuckgestaltung.

"Interessant an seinem Werk ist, dass es sich durch zwei Bereiche auszeichnet«, erläutert Museumsleiterin Cornelie Holzach. "Zum einen fertigte Leibold hochwertigen Juwelenschmuck mit eigener Handschrift; zum anderen entwickelte er künstlerische Arbeiten in hochpräziser Technik und inhaltlichen Überschneidungen zur bildenden Kunst."
Für seine quadratische Brosche "Schwarze Struktur Nr. 6" erhielt Gernot Leibold 2018 den Herbert-Hofmann-Preis. Sie überzeugte die Jury durch ihre Materialkombination und die Formgebung. Kunststoff, Ebenholz, Silber und Stahl sind wie zu einer halbgeöffneten Schachtel zusammengefügt, deren schwarzes Innenleben aufgrund seiner geheimnisvollen Struktur neugierig macht, es zu erkunden.
2016 wurde Leibold mit den "Bunten Blocks" in der Landesausstellung Kunsthandwerk Baden-Württemberg zum Staatspreis nominiert. Die fünf quadratischen Broschen konstruiert er virtuos-streng aus bunten Kunststoffschichten oder verwendet und zerlegt Readymades wie Legosteine und Ministeck.
Mit ihren seriellen Strukturen, Rastern und klaren geometrischen Anordnungen, beispielsweise von Linien und Mustern, knüpfen einige Werkgruppen des Schmuckkünstlers formal an die "konkrete Kunst" an.

Zwei weitere Serien von Broschen widmete Gernot Leibold der Künstlerin Louise Bourgeois mit ihren "Fabric Works" und dem Künstlerpaar Christo und Jeanne-Claude mit den Verhüllungen in Basel, Berlin und New York.
Die Serie "Dear Louise" entstand 2016. Ihre "Fabric Works" mit aus Streifenstoff zusammengesetzten spiralartigen Bilder übersetzte er in fünf rechteckige Broschen. Seine Flächen sind zentrisch aufgebaute Mosaike aus rot-weiß-gestreiften eckigen Kunststoffteilen, die er mit aufgesetzten Edelsteinen akzentuiert. "Dear Louise" wurde für "Schmuck 2017" in München auf der Internationalen Handwerksmesse ausgewählt.
Die drei Projekte von Christo und Jeanne-Claude 1995, 1998 und 2005 waren ihm nicht nur eine Reise wert, sondern auch Inspiration und Anlass für drei quadratische Broschen. Er besorgte sich die unterschiedlichen Materialien der Verhüllungen und setzte sie ausgeklügelt mit den typischen Merkmalen der jeweiligen Installation zu Schmuck um.

Gernot Leibold studierte von 1981 bis 1986 an der Fachhochschule für Gestaltung in Pforzheim bei Jens Rüdiger Lorenzen und Reinhold Reiling. 1983 legte er die Meisterprüfung an der Handelskammer Karlsruhe ab. In Karlsruhe gründete er 1985 die Galerie "Schmucklust" und eröffnete dort 1994 zusammen mit Elisabeth Mann 1994 die Galerie "Leibold und Mann". Er war seit 1986 als Goldschmied, Designer, Galerist und Ausstellungsmacher tätig und beteiligte sich an zahlreichen Wettbewerben.

Die Ausstellung im Schmuckmuseum Pforzheim vom 24. November 2024 bis zum 23. Februar 2025, in der Arbeiten aus Gernot Leibolds Nachlass gezeigt werden, richtet den Fokus auf seine künstlerischen Arbeiten sowie auf frühe Stücke, die während seines Studiums in Pforzheim entstanden sind. "Legoschnitt und Glitzerzeug" ist kuratiert von Elisabeth Heine und Cornelie Holzach.
Die Schau findet in Kooperation mit der "Galerie für Schmuck · Kunst · Design in den Schmuckwelten Pforzheim" statt. Dort können Stücke aus Gernot Leibolds Nachlass erworben werden. In der Galerie wird am selben Tag, Samstag, 23. November, um 16 Uhr eröffnet.


24. November 2024 bis 23. Februar 2025. Eröffnung Samstag, 23. November, 19 Uhr.
Eröffnung der Ausstellung im Dialog in der Galerie in den Schmuckwelten um 16 Uhr.

https://www.schmuckmuseum.de/ausstellungen/vorschau/legoschnitt-und-glitzerzeug.html