Otto Dix, Schlittschuhläufer auf dem Bodensee, 1941. Dauerleihgabe der Otto Dix Stiftung Vaduz in der Kunstsammlung Gera. Foto: Kunstsammlung Gera. © 2025, ProLitteris Zurich.

Otto Dix – Adolf Dietrich. Zwei Maler am Bodensee

Museum zu Allerheiligen Schaffhausen, 5. April bis 17. August 2025

Mit Otto Dix (1891–1969) und Adolf Dietrich (1877–1957) vereint die Ausstellung im Museum zu Allerheiligen in Schaffhausen erstmals die Werke zweier bedeutender Künstler der Moderne, die trotz ihrer unterschiedlichen Lebenswelten überraschende Gemeinsamkeiten aufweisen. Beide Maler zählen zur Strömung der Neuen Sachlichkeit, die vor genau hundert Jahren durch die epochale Ausstellung in der Kunsthalle Mannheim zur prägendsten Kunstrichtung der 1920er Jahre wurde. Ihre Protagonisten widmeten sich der realistischen Darstellung der Welt: Otto Dix in radikal-brutalen Porträts des Menschen, Adolf Dietrich in einer weltabgewandten, idyllischen und zugleich kühlen Naturdarstellung.

Nachbarn am Bodensee

Otto Dix, ein Kind der Großstadt, fand sich nach seiner Entlassung als Professor der Kunstakademie Dresden durch die Nationalsozialisten 1933 in der ländlichen Idylle der Bodenseeregion wieder – zunächst in Randegg nahe der Schweizer Grenze und ab 1936 in Hemmenhofen am Untersee, wo er begann, Landschaften zu malen. Adolf Dietrich, ein Autodidakt, lebte nur dreieinhalb Kilometer Luftlinie entfernt auf der gegenüberliegenden Schweizer Seeseite in Berlingen im Kanton Thurgau. Tief mit der Natur verbunden, fand seine Inspiration in den schlichten Landschaften seiner Heimat. Während Dietrich in seinen Gemälden eine harmonische, ruhige Verbindung zur Natur ausdrückte, war Dix’ Blick auf die Landschaft oft kritisch und düster. Die ihn umgebende Idylle stellte er nicht als ungetrübte Schönheit dar, sondern als eine Natur, die mit einer gewissen Unnahbarkeit behaftet war. Die Ausstellung vereint die Perspektiven der beiden Künstler auf dasselbe Landschaftsgebiet am Bodensee und beleuchtet zentrale Aspekte ihres Werks.

Die Ausstellung in Schaffhausen

Auf rund 500 Quadratmetern zeigt die Schau etwa 100 Gemälde, Zeichnungen und Druckgrafiken. Im Mittelpunkt stehen die Landschaftsbilder von Otto Dix und Adolf Dietrich, die rund um den Untersee, den südwestlichen Arm des Bodensees, entstanden sind. Darüber hinaus werden Werke anderer Kunstgattungen im Kontext der dramatischen historischen Ereignisse zwischen den beiden Weltkriegen betrachtet: ihre Auseinandersetzung mit dem Grauen des Ersten Weltkriegs, Arbeiten aus den verstörenden Jahren des Dritten Reiches und des Zweiten Weltkriegs sowie ihr jeweils unterschiedlicher Blick auf den Menschen und die Natur. Acht thematisch strukturierte Werkgruppen vertiefen die Verbindungen und Unterschiede zwischen den beiden Künstlern. Ein sechzehn Meter langer Zeitstrahl stellt ihre Biografien und das Zeitgeschehen von 1877 bis 1969 anhand von Texten und Fotografien einander gegenüber.

Die Ausstellung lädt dazu ein, zwei Künstler zu entdecken, deren Werke von Kontrasten in Herkunft und Perspektive geprägt sind, die aber dennoch gemeinsame Themen und Herausforderungen ihrer Zeit teilen. Sie offenbart überraschende Wahlverwandtschaften zwischen zwei Malern, die auf ihre Weise die Moderne in der Kunst prägten und großen Erfolg erzielten. Nicht zuletzt deshalb wurden sie um 1930 mehrfach gemeinsam in Ausstellungen präsentiert – ein Grund mehr, ihre Werke nun in einer umfassenden Schau erneut zusammenzuführen.

Die Ausstellung im Museum zu Allerheiligen Schaffhausen wird durch zahlreiche Führungen, Vorträge sowie Tagesexkursionen ins Adolf Dietrich-Haus und ins Museum Haus Dix, Kunstwanderungen und mehr ergänzt.


Zur Ausstellung erscheint eine Begleitpublikation im Deutschen Kunstverlag mit 87 Werkabbildungen beider Künstler aus allen Schaffensjahren. Erhältlich im Buchhandel oder im Museumsshop (nur für die Schweiz und Liechtenstein).

5. April − 17. August 2025
Museum zu Allerheiligen Schaffhausen
Klosterstrasse 16
CH-8200 Schaffhausen
Öffnungszeiten Di bis So 11 bis 17 Uhr
Die Ausstellung ist an allen Feiertagen geöffnet.
http://www.allerheiligen.ch