Blinky Palermo, Serie von 5 Folienprägedrucken. In: Heinz Gappmayr visuelle Gedichte/Palermo fünf Miniaturen. 1972. Je Folienprägedruck auf festem Aquarellpapier. Je 7,5 x 3,5 cm (42 x 27 cm). Je signiert.

Farbrausch zum Saisonende

Die Auktion für Moderne und Zeitgenössische Kunst bei Jeschke Jádi Berlin

Am 5. Juli 2025 begeht das Berliner Auktionshaus Jeschke Jádi das Finale der Saison mit einer hochkarätig besetzten Auktion ausgewählter künstlerischer Positionen, die alle zentralen Bereiche von der Klassischen Moderne bis zur Gegenwartskunst umfasst. Das Auktionshaus mit seiner über 35-jährigen Erfahrung steht für Expertise im Bereich internationale Postwar, mit einem speziellen Fokus auf Arbeiten auf Papier und stets mit einem dynamischen Gespür für künstlerische Positionen und besondere Offerten. Die kommende Auktion, deren Werke ab dem 28. Juni in der Villa Puhlmann in Berlin-Zehlendorf besichtigt werden können, vereint zeitgenössische Highlights mit Klassikern der Moderne und überraschende Neuentdeckungen mit Ikonen der Kunstgeschichte.

Im Bereich der zeitgenössischen Kunst stehen einige vielbeachtete Positionen des internationalen Kunstmarkts zur Versteigerung: Mit Norbert Biskys früher Tuschezeichnung "Guten Tag Du neuer Morgen..." (Los 363, Schätzpreis 3.000 Euro) öffnet sich die Contemporary-Sektion mit einem Werk aus der Anfangsphase des Künstlers, der heute zu den führenden deutschen Malern seiner Generation gehört. Jugend, Euphorie und Unruhe mischen sich in Biskys charakteristischer Bildsprache zwischen Sozialismus-Ikonographie und Körperkult. Die poetische Zeichnung "Glas vom Tag" von Peter Dreher (Los 365, Schätzpreis 5.000 Euro) steht ganz im Kontext seiner zentralen Serie "Tag um Tag guter Tag", während das ebenfalls angebotene Blumenstillleben (Los 367, Schätzpreis 6.000 Euro) ein auf dem Markt ausgesprochen seltenes Motiv darstellt. Dreher gilt als einer der bedeutendsten Vertreter konzeptueller Malerei im deutschsprachigen Raum, dessen intensive Beschäftigung mit Wahrnehmung und Wiederholung ihn zu einem wichtigen Impulsgeber für nachfolgende Künstlergenerationen gemacht hat. Einen anderen rezeptionsästhetischen Zugang bietet Olafur Eliassons Farbserigraphie "Lifeworld" (Los 368, Schätzpreis 1.500 Euro), das in seinem graphischen Werk exemplarisch für seine interdisziplinäre Auseinandersetzung mit physikalischen Naturphänomenen steht. Arbeiten wie der "Licht-Raum" von Hans Peter Reuter (Los 391, Schätzpreis 1.200 Euro), Wolfgang Flads Reliefarbeit "Darkside of the Moon" (Los 370, Schätzpreis 3.800 Euro) und Fabienne Verdiers „Celestino“ (Los 412, Schätzpreis 900 Euro) aus dem atmosphärischen Zyklus "Le chant des étoiles", der im Pandemiejahr 2020 entstanden ist, formuliert wiederum eine Beschäftigung mit dem uns umgebenden Raum in seiner Verbindung mit Licht und Oberfläche. Während Reuter als bedeutender Vertreter einer illusionistischen Raumkonzeption gilt, verbindet Flad konzeptuelle Skulptur mit experimentellen Materialien. Fabienne Verdier wiederum gilt als Brückenfigur zwischen ostasiatischer Kalligraphie und westlicher gestischer Malerei. Ebenfalls vertreten ist Katharina Grosse mit ihrem Unikat "Wunderbild" (Los 377, Schätzpreis 1.500 Euro), einem von ihr mit der für ihr Werk charakteristischen Sprühfarbe bearbeiteten Ausstellungskatalog zur gleichnamigen Schau, welcher Malerei, Objekt und Dokumentation in sich vereint.

Die zur Auktion eingelieferten Werke im Bereich der Amerikanischen Moderne zeugen von einer spannungsreichen Beziehung zwischen Reduktion und Ausdruck. Sam Francis' großformatige Farbradierung mit Aquatinta "Pioggia d'Oro" (Los 460, Schätzpreis 12.000 Euro) etwa ist ein orchestrales Spiel aus in Bewegung gebrachter Farbe, ein euphorisches Spätwerk, das mit rhythmischem Gestus und vibrierender Palette komponiert ist und ein kapitales graphisches Meisterwerk des Künstlers darstellt. Dem gegenüber steht Fred Sandbacks minimalistische Serie "Lines" (Lose 481 - 484, Schätzpreis je 600 Euro): Mit wenigen Linien schafft Sandback imaginäre Räume, spielt mit Volumen und Leere, Sichtbarkeit und Vorstellung. Diese Dialektik von Fülle und Leere durchzieht auch Kiki Smiths "Esperanza" (Los 489, Schätzpreis 3.400 Euro), eine zweigeteilte Komposition mit schillernden tränenförmigen collagierten Elementen, welche auf feinfühlige und künstlerisch brillante Weise die Dualität des Lebens formuliert. Eine ähnliche Spannung findet sich in Cy Twomblys "o.T." (Los 427, Schätzpreis 5.000 Euro), ein Werk, das seine charakteristische Verbindung aus gestischer Zeichnung und poetischer Symbolik beispielhaft vorführt. Alex Katz' Farbserigraphie "Ada" (Los 450, Schätzpreis 10.000 Euro) zeigt die ikonische Muse des Künstlers in jener flächigen, eleganten Reduktion, die Katz zu einem der einflussreichsten Erneuerer der figurativen Malerei gemacht hat. Beide Künstler stehen exemplarisch für zwei völlig unterschiedliche, aber gleichermaßen prägende Wege amerikanischer Nachkriegskunst.

Auch die Lose im Bereich der Britischen Moderne wartet mit zentralen Positionen auf: Barbara Hepworths "Winter Solstice" (Los 419, Schätzpreis 2.400 Euro) ist eine typische Arbeit einer der wichtigsten britischen Bildhauerinnen des 20. Jahrhunderts, die mit sensibler Präzision die Harmonie von Naturformen und geometrischer Abstraktion zum Ausdruck bringt und so über die graphische Komposition ein neuer Zugang zu ihrem plastischen Werk eröffnet. Ergänzt wird dieses Feld durch Henry Moore, einem der bedeutendsten Vertreter der britischen Skulptur des 20. Jahrhunderts, mit der Lithographie "Woman Seated on Fireside Stool" (Los 420, Schätzpreis 1.000 Euro), die seine charakteristische Verbindung von archaischer Körperform und menschlicher Intimität in die Zweidimensionalität übersetzt.

Die Op Art ist mit prominenten Positionen wie Jesús Rafael Soto und Victor Vasarely stark vertreten – beide gelten als Wegbereiter kinetischer Wahrnehmung. Bei der Betrachtung von Jesús Rafael Sotos "Hannover" (Los 64, Schätzpreis 2.700 Euro) oder Victor Vasarelys "Constellation" (Los 69, Schätzpreis 1.600 Euro) flimmert die Wahrnehmung, die Fläche lebt. Carlos Cruz-Diez’ "Semana Martes" (Los 81, Schätzpreis 2.200 Euro) lässt Farben vibrieren, als wären sie in Bewegung begriffen. Josef Albers, dessen Farbtheorie und "Homage to the Square"-Serien kunsthistorisch kanonisiert sind, ist mit "GB 1" (Los 82, Schätzpreis 3.200 Euro), einer seiner seltensten Farbserigraphien vertreten, ein Werk, das die analytische Seite dieser Bewegung zeigt: Quadrat schichtet sich auf Quadrat, die Farbe transformiert und wird zur reinen Wahrnehmung. Und während Richard Schurs Farbfeldkomposition von 2007 (Los 95, Schätzpreis 700 Euro) diese Tradition in die Gegenwart überführt, überrascht besonders Max Coor mit seinem den Betrachter einnehmenden kinetischen Werk "Colored Stripes in Motion" (Los 84, Schätzpreis 1.000 Euro) – eine Entdeckung, die die Op Art als Inspirationsquelle in der Gegenwartskunst demonstriert.

Im Bereich der Deutschen Nachkriegsmoderne werden markante Arbeiten der Düsseldorfer Mataré-Schülerin Hede Bühl (Los 107, Schätzpreis 1800 Euro), Günther Förg (Los 108, Schätzpreis 1.600 Euro) und Bernd Berner (Los 103, Schätzpreis 900 Euro) angeboten. Bühl gehört zu den profiliertesten Bildhauerinnen ihrer Generation, während Förg mit seinem expressiven, großformatigen Holzschnitt ein typisches Werk aus seiner druckgraphischen Praxis zeigt. Besonders hervorzuheben ist Blinky Palermo mit einer Serie von fünf Folienprägedrucken (Los 134, Schätzpreis 10.000 Euro), die er für einen konzeptuellen Gedichtband kreierte. Diese Arbeiten entstanden in einer entscheidenden Phase seines Schaffens, in der er sich intensiv mit der Reduktion von Form und Farbe sowie mit seriellen und konzeptuellen Strategien auseinandersetzte und bilden ein seltenes Beispiel für Palermos interdisziplinäre Arbeitsweise.

Herausragende Positionen im Bereich der Klassischen Moderne sind unter anderem Emil Noldes sehr seltene Tonätzung „Schriftgelehrter“ (Los 344, Schätzpreis 7.000 Euro) und Otto Herbigs Gemälde "Mutter mit Kind im Garten" (Los 313, Schätzpreis 6.000 Euro). Auch diese beiden Werke stehen beispielhaft für die Vielfalt der künstlerischen Ausdrucksformen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Mit insgesamt über 1000 Losen – von den Wurzeln der Moderne bis zur Avantgarde der Gegenwart – bringt Jeschke Jádi ein sorgfältig kuratiertes Programm zentraler Positionen des internationalen Kunstgeschehens zur Versteigerung.


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