Robert Delaunay, Cercles simultanés, 1934. Musée de Grenoble. Foto: Ville de Grenoble / Musée de Grenoble – J.L. Lacroix.

Netzwerk Paris. Abstraction-Création 1931–1937

Das Arp Museum Bahnhof Rolandseck in Remagen richtet die erste Werkschau zur Pariser Avantgarde-Künstlergruppe Abstraction-Création seit den 1970er Jahren aus.

Unter dem Titel Netzwerk Paris. Abstraction-Création 1931-1937 präsentiert das Arp Museum Bahnhof Rolandseck die Künstlergruppe Abstraction-Création. Die Aktivitäten der Gruppe, 1931 in Paris gegründet, beschränkten sich nicht auf ihren Gründungsort Paris, sondern wirkten bis zu ihrem Ende im Jahr 1937 weit über die Grenzen Frankreichs hinaus. Ihre Mitglieder werden auch heute noch als Vertreterinnen und Vertreter ungegenständlicher Kunst weltweit geschätzt.

Im Rahmen der Ausstellung zeigt das Arp Museum Werke von Künstlerinnen und Künstlern wie Hans Arp, Max Bill, Alexander Calder, Robert Delaunay, Theo van Doesburg, Barbara Hepworth, Mainie Jellet, František Kupka, László Moholy-Nagy, Piet Mondrian, Marlow Moss, Sophie Taeuber-Arp und Georges Vantongerloo. Die Ausstellung rückt die Bedeutung von autonomer, generationen-, geschlechter- und länderübergreifender Vernetzung zwischen Künstlerinnen und Künstlern in den Blick, wofür Abstraction-Création in einer Zeit erstarkender Ideologien eintrat. Umfassendes Ziel war es, eine Zeitenwende einzuleiten, in der die Kunst für eine freie Welt einstand: Abstraktion gegen Faschismus.

Netzwerk Paris. Abstraction-Création 1931-1937 wurde kuratiert von Astrid von Asten.

Künstlergruppen bildeten einen festen Bestandteil der Avantgarde. Doch infolge der Weltwirtschaftskrise 1929 rückten neben den künstlerischen Anliegen auch Strukturen unabhängiger Selbstorganisation und -vermarktung in den Fokus. Vor diesem Hintergrund entstand die in Meudon bei Paris auf Initiative von Hans Arp und Theo van Doesburg gegründete Abstraction-Création. Ihr Ziel war es, den noch kaum vorhandenen Markt für abstrakte Kunst durch eine unabhängige internationale Gemeinschaft zu entwickeln und zu fördern. Zeitweise umfasste die Gruppe mehr als neunzig Mitglieder aus nahezu zwanzig Ländern. Zusammen mit Schriftstellern, Sammlern, Verlegern sowie Kunstkritikern bildeten sie ein internationales Netzwerk, das als Beispiel künstlerischer Selbstorganisation bis in die Gegenwart ausstrahlt.

In ihrer inhaltlichen Ausrichtung vertrat die Gruppierung zwei Richtungen der ungegenständlichen Kunst (Art non-figuratif): die der Abstraktion von Formen, die der Natur entlehnt waren, und die der Kreation rein geometrischer Formen. Sie überbrückten so auch den teils erbittert ausgetragenen Richtungsstreit der in schneller zeitlicher Abfolge auch untereinander konkurrierenden Avantgarden. Gemeinsam verfolgten die Künstlerinnen und Künstler, die in den Bereichen Malerei, Bildhauerei und Architektur tätig waren, die Befreiung vom Illusionismus und die Hinwendung zur Abstraktion, verbunden mit dem Wunsch eines gesellschaftlichen Neubeginns. Im Kontext sich verbreitender faschistischer Bewegungen, die Rasse, Ideologie und Nationalismus in ganz Europa propagierten, stand Abstraction-Création explizit für die Verteidigung der Freiheit von Kunst und für die Vielfalt von Nationalitäten, Geschlechtern und künstlerischen Ausdrucksweisen. Durch jährlich publizierte Cahiers als Plattform für Kunst und Texte sowie durch eigenständig betriebene Ausstellungsräume in Paris etablierte sich Abstraction-Création bis 1937 zur letzten kosmopolitischen Vereinigung der Avantgarde vor Beginn des Zweiten Weltkriegs. Nach dem Krieg wurden viele der beteiligten Künstlerinnen und Künstler zu Botschaftern einer neuen Zeit und zählten zu den erfolgreichsten Namen eines sich dynamisierenden Kunstmarktes und einer sich internationalisierenden Kunstgeschichte, besonders in den USA. Global wurde die "Abstraktion als Weltsprache" ausgerufen und die frühen Bekenntnisse zur Gegenstandlosigkeit der Kunst als Freiheitsversprechen gewertet.

Die letzten großen Ausstellungen zum Künstlernetzwerk Abstraction-Création wurden 1977 im Museum of Modern Art in New York und 1978 im Westfälischen Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte in Münster sowie anschließend im Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris gezeigt. Das Arp Museum Bahnhof Rolandseck knüpft mit der Überblicksausstellung Netzwerk Paris. Abstraction-Création 1931-1937 erstmals wieder an diese Werkschauen an. Ergänzend zu den Werken und Druckerzeugnissen der Avantgarde-Künstlerinnen und -Künstler zeigt das Arp Museum sieben Gegenwartspositionen: Mit Rana Begum, Daniel Buren, Angela Bulloch, Imi Knoebel, Timo Nasseri, Kai Schiemenz und Beat Zoderer tritt das Netzwerk Abstraction-Création in einen künstlerischen Dialog mit zeitgenössischer ungegenständlicher Kunst.

Dass sich die Ausstellung besonders eng mit ihrem Haus verbindet, erklärt sich auch durch dessen Geschichte, erläutert Julia Wallner, die Direktorin des Arp Museums: "Erst in jüngerer Zeit wird die Vielfalt der Avantgarde wahrgenommen – am Arp Museum Bahnhof Rolandseck ist dies aufgrund der Widmung des Hauses an ein gleichberechtigt agierendes Künstlerpaar mit Sophie Taeuber-Arp und Hans Arp besonders von Bedeutung. Astrid von Asten hat als Kuratorin dieser umfassenden thematischen Ausstellung eine echte Forschungslücke geschlossen. Die Frage nach der Freiheit von Kunst und Gesellschaft ist erschreckend aktuell – die Beschäftigung mit den 1930er-Jahren und ihrer sich verhärtenden Polarisierung kann auch für das Verständnis unserer Zeit hilfreich sein."


Terminhinweise:
Netzwerk Paris. Abstraction-Création 1931-1937
Pressekonferenz: 3. Juli 2025 um 11 Uhr
Eröffnung: 4. Juli 2025 um 19 Uhr (ggf. schon 18 Uhr, in Klärung)
Ausstellungsdauer: 5. Juli 2025 – 11. Januar 2026