Marina Abramović, 7 Easy Pieces, Performing Joseph Beuys, How to Explain Pictures to a Dead Hare (1965). Solomon R. Guggenheim Museum, New York, 2005. Foto: Attilio Maranzano. © Courtesy of the Marina Abramović Archives

Marina Abramović & MAI im Dialog mit Joseph Beuys

Museum Schloss Moyland, Bedburg-Hau, 13.7. bis 26.10.2025.

Zum ersten Mal tritt die international renommierte Künstlerin Marina Abramović mit dem Marina Abramović Institute (MAI) in einen direkten künstlerischen Dialog mit dem Erbe von Joseph Beuys, einem der einflussreichsten Wegbereiter der Aktionskunst.

Zugleich ist es das erste Mal, dass sich das MAI und die beteiligten Künstler:innen in einem langfristigen Projekt mit den Beständen einer sammelnden Institution auseinandersetzen.

Bereits 2005 reinterpretierte Abramović Beuys‘ ikonische Performance "Wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt" im New Yorker Guggenheim Museum. Die Ausstellung im Museum Schloss Moyland bringt nun die Dokumentation der beiden Inszenierungen zusammen und präsentiert sie im Kontext historischer Plastiken und Zeichnungen von Beuys aus der Sammlung des Museums Schloss Moyland sowie Archivmaterialien aus dem Joseph Beuys Archiv.

Performance

Im März 2025 war im Rahmen eines interdisziplinären Residenzprogramms eine Gruppe von dreizehn internationalen Performance-Künstler:innen eingeladen, Beuys’ künstlerische Herangehensweisen zu erforschen und neue ortspezifische Performances für das Museum Schloss Moyland zu entwickeln. Während der Ausstellung sind die Performances im Schloss und im Park des Museums zu sehen.

Die Performances finden täglich während der Museumsöffnungszeiten statt – acht Stunden pro Tag. Mit ihren individuellen Perspektiven, kulturellen Erfahrungen und performativen Ansätzen setzen sich die Künstler:innen mit dem Denken von Joseph Beuys auseinander und übertragen seine Impulse in einen zeitgenössischen Kontext.

Dabei entstehen Performances, die nicht nur den Beuys-Bestand des Museums auf völlig neue Weise aktivieren, sondern auch eine unmittelbare, lebendige Interaktion zwischen Kunst, Ort, Raum und Besucher:innen schaffen.

Die Ausstellung erweitert somit den Rezeptionsrahmen der künstlerischen Arbeiten sowohl von Beuys als auch Abramović und bietet neue Perspektiven auf die Schnittstellen von Performance, Aktionskunst und Archivforschung.

Gegenüberstellung Abramović und Beuys

Ein zentraler Fokus der Ausstellung liegt auf der ikonischen Performance "Wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt" von Joseph Beuys aus dem Jahr 1965 und ihrer Re-Performance durch Marina Abramović. Beuys führte diese Aktion erstmals in Düsseldorf auf: Mit Honig und Blattgold bedeckt, schob und zog er das Tier mit seinen Händen und Zähnen durch den Raum der Galerie Schmela.

Vierzig Jahre später brachte Marina Abramović Beuys’ Werk in einen neuen Kontext: In ihrer legendären Performance-Serie "7 Easy Pieces" (2005) im New Yorker Guggenheim Museum rekonstruierte sie ikonische Arbeiten der Performancekunst – darunter auch von Beuys. Die Ausstellung stellt die beiden Inszenierungen erstmals direkt gegenüber. Während Beuys als Mann aus der deutschen Kriegsgeneration einst die Bilder dem Hasen "erklärte", wird diese Aufgabe nun von einer Frau und Künstlerin der Nachkriegsgeneration aus dem kommunistischen Jugoslawien aufgegriffen. So entsteht die einmalige Möglichkeit, die symbolische Bedeutung des toten Hasen in der neu eröffneten Ausstellungshalle des Museums aus zwei unterschiedlichen Perspektiven zu erleben.

Joseph Beuys hat seit den 1960er Jahren entscheidend zur Entwicklung der Performancekunst beigetragen. Indem er seine skulpturalen Arbeiten erweiterte und den eigenen Körper als Medium nutzte, ebnete er den Weg für nachfolgende Künstler:innengenerationen. Marina Abramović, Ulay und zahlreiche mehr stehen in dieser Linie und entwickeln sie weiter.

Museum Schloss Moyland

Das Museum Schloss Moyland ist ein national und international bedeutendes Museum mit einer umfangreichen Sammlung der Kunst vom 19. bis 21. Jahrhundert. Im Zentrum steht eine der weltweit größten Sammlungen von Werken des international bedeutenden, in Krefeld geborenen und in Kleve aufgewachsenen Künstlers Joseph Beuys. Ergänzt wird diese durch zahlreiche weitere wichtige künstlerische Positionen der Postmoderne und Gegenwart wie z.B. James Lee Byars, David Hockney, Katharina Sieverding, Charlotte Moorman oder Wolf Vostell.

Die Sammlung wurde von den kunstbegeisterten Brüdern Hans und Franz-Joseph van der Grinten aufgebaut und wird laufend erweitert. Mit Sonderausstellungen und Sammlungspräsentationen strebt das Haus heute eine Öffnung zu gesellschaftlichen Fragen sowie zu Medien und Themen der Gegenwart an. Dabei soll die Repräsentation gesellschaftlicher Vielfalt unter Berücksichtigung der Gleichberechtigung von Künstlerinnen und Künstlern und anderer möglicher Identitätsentwürfe besonders hervorgehoben werden. Die verstärkte Einbeziehung digitaler Medien ist Teil dieser Neuausrichtung.

Seit 2022 legt das Museum einen verstärkten Fokus auf performative künstlerische Herangehensweisen sowie den Dialog zwischen Positionen der Sammlung und der Kunst der Gegenwart. Standort des Museums und der Ausstellungen ist ein historisches neogotisches Wasserschloss inklusive eines Parks (mit Ausstellungshalle und Skulpturenpark), unweit der niederländischen Grenze. An das Museum angegliedert sind das Joseph Beuys Archiv und die Museumsbibliothek. Mit seinen Forschungs-, Ausstellungs- und Vermittlungsaktivitäten hat sich das Museum Schloss Moyland als Kunst-Zentrum für eine regionale, nationale sowie internationale Öffentlichkeit etabliert.

Marina Abramović Institute

Das Marina Abramović Institute (MAI) präsentiert und unterstützt Performance-Kunst auf globaler Ebene. Durch einen von Künstler:innen gesteuerten Prozess verfolgt das Institut sowohl einen multidisziplinären Ansatz für Performance als auch einen Schwerpunkt auf long durational performances. Durch die Förderung eines internationalen Netzwerks von Performance-Künstler:innen und öffentlichen Beteiligten, ist das MAI Teil des Vermächtnisses von Marina Abramović.

Das Institut schafft gemeinschaftliche partizipative Projekte, die sich kritisch mit Zeit, Ort und menschlichen Erfahrungen auseinandersetzen. Das MAI versucht, die Komplexität der Gegenwart zu thematisieren, um das Bewusstsein der Menschen durch Performance zu verändern.

Im Jahr 2023 eröffnete MAI seinen Raum in Karyes, Griechenland, um kreative Prozesse im Bereich der Performancekunst zu unterstützen und kollaboratives Denken zu fördern.


https://moyland.de/veranstaltungen/eroeffnung-marina-abramovic-und-mai-im-dialog-mit-joseph-beuys-11234