Bernd und Hilla Becher auf der Grube Ensdorf, Saarland, 1979. © Estate Bernd & Hilla Becher, vertreten durch Max Becher; Courtesy Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur – Bernd und Hilla Becher Archiv, Köln.

Bernd & Hilla Becher, Geschichte einer Methode

5.9.2025—1.2.2026. Eine Ausstellung der Photographischen Sammlung / SK Stiftung Kultur in Kooperation mit dem Bernd & Hilla Becher Studio, Düsseldorf.

Das Künstlerpaar Bernd und Hilla Becher (1931–2007/1934–2015) hat mit seinem Schaffen Photographiegeschichte geschrieben. Mit ihrem gemeinsamen Werk, das sie seit 1959 bis in die 2000er-Jahre auf Basis einer fast ununterbrochenen Aufnahmetätigkeit in Deutschland, den Beneluxstaaten, Großbritannien, Frankreich, Italien, den USA und Kanada entwickelten, brachten sie einen neuen, künstlerisch motivierten dokumentarischen Stil hervor. Vor dem Hintergrund der Photographie der Neuen Sachlichkeit, aber auch im Anschluss an die deskriptive Photographie des 19. Jahrhunderts hatten sie eine neutrale, kontinuierlich beibehaltene Darstellungsmethode gewählt, die u. a. im Rahmen der Minimal Art und Konzeptkunst eine besondere Resonanz erfuhr. Bis heute nimmt das vielfach preisgekrönte Werk Einfluss auf das Schaffen jüngerer Generationen. Die Ausstellung wird in Europa erstmals in großer Ausführlichkeit mit über 300 originalen Schwarz-Weiß-Photographien und weiteren Exponaten des Künstlerpaars die methodische und thematische Bandbreite ihres Oeuvres erfahrbar machen. So wird eine Auswahl von noch nicht gezeigten Originalen zu sehen sein, die dem Konzept ihres bahnbrechenden Buchs "Anonyme Skulpturen. Formvergleiche industrieller Bauten" (1970) folgen und damit grundlegende sieben Objekttypen vorstellen. Dazu zählen Kalköfen, Kühltürme, Hochöfen, Förder- und Wassertürme, Gasbehälter und Silos, begleitet von Funktionsbeschreibungen, verfasst von Hilla Becher.

Diese als Einzelobjekte veranschaulichten Grundformen repräsentieren gewissermaßen das Fundament für zahlreich daran anschließende Bildkonzepte und Zusammenstellungen. Entsprechend umfasst die Ausstellung weitere großformatige Industrielandschaften; Dokumentationen gesamter Bergwerksanlagen; außerdem "Porträts" von Wohnhäusern; dann ein Fachwerkhaus als ein Motiv, an dem die Wirkungsweisen des gleichen Bildes in verschiedenen Präsentationsarten verdeutlicht werden. Es wird das Prinzip der sogenannten Abwicklung in mehreren Konstellationen zu sehen sein ebenso wie acht unterschiedlich umfangreiche Typologien, d. h. Bildzusammenstellungen, die durch das Neben- und Übereinander ausgewählter Photographien in einem Tableau zur Wirkung kommen und zu einem formvergleichenden Sehen herausfordern. Darüber hinaus wird auf einem Monitor ein Film von Max Becher zu sehen sein, der seine Eltern 1987 in Bluffton, Ohio, USA, begleitete, und mit diesem Film ein lebensechtes Zeugnis ihrer Arbeit geschaffen hat.

Das Werk der Bechers durchzieht während seiner gesamten Schaffenszeit eine starke Wertschätzung und Neugier gegenüber den industriellen, oft vom Abriss bedrohten Bauten. Für sie waren es Symbole weltverändernder, schöpferischer Leistungen, die sie via Photographie in aller Klarheit nächsten Generationen und Wissensfeldern überliefern wollten. Ziel der Ausstellung ist es, in Begegnung der verschiedenen Werkgruppen die von Bechers entwickelte Bildgrammatik und parallel die kontinuierlich reflektierte Systematik in verdichteter Weise zu vermitteln. Die Entwicklung ihrer Bildästhetik wird dabei auch durch die Betrachtung erstmals gezeigter Frühwerke nachvollziehbar ebenso wie durch persönliche Dokumente und Arbeitsmaterialien. Die Exponate stammen aus dem Bernd und Hilla Becher Archiv in der Photographischen Sammlung / SK Stiftung Kultur und dem Bernd & Hilla Becher Studio, Düsseldorf, in Zusammenarbeit mit Max Becher unter Betreuung des Estates Bernd & Hilla Becher. Hinzu kommen Leihgaben von Sprüth Magers ebenso wie vom LVR-Landesmuseum Bonn.


Das ausstellungsbegleitende Buch erscheint im Schirmer / Mosel Verlag, München, mit Texten von Max Becher, Gabriele Conrath-Scholl, Marianne Kapfer und Urs Stahel.

Das Ausstellungs- und Buchprojekt wird von der KUNSTSTIFTUNG NRW großzügig unterstützt.

Eröffnung der Ausstellung am Do., 4.9., 19 Uhr. Die Teilnahme an der Eröffnung ist nur mit Voranmeldung unter http://www.sk-kultur.de/opening möglich.