Schmuckmuseum Pforzheim, 25. Oktober 2025 bis 19. April 2026
Ob goldverzierte Prunkschalen, ein Schuh als Trinkgefäß oder ein "römisches Taschenmesser" – die Sonderausstellung "Aufgetischt – eine kulinarische Weltreise" im Schmuckmuseum Pforzheim vom 25. Oktober 2025 bis zum 19. April 2026 öffnet spannende Perspektiven auf Esskulturen aus aller Welt. Sie geht der Frage nach, wie vielfältig und wandelbar Nahrung ist, und untersucht ihre symbolische, praktische und soziale Bedeutung in unterschiedlichen Kulturen und Epochen. Im Zentrum stehen Besonderheiten der Tafelsitten, die durch historische und zeitgenössische Objekte in einen ebenso informativen wie genussreichen Kontext gestellt werden. "Essen ist weit mehr als Ernährung – es erzählt Geschichten von Handel, Wandel, Identität und Zusammenhalt. Genau das macht diese Ausstellung so aktuell und faszinierend", betont Museumsleiterin Friederike Zobel.

In einem kulturhistorischen Bogen vom römischen Gastmahl bis zum heutigen Superfood-Trend erzählen die nahezu 180 Leihgaben rund 30 namhafter internationaler Museen sowie zeitgenössischer Künstler, wie sich Tafelkultur, Geschmack und Ästhetik im Lauf der Jahrhunderte entwickelt haben. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Verbindung von Esskultur und Goldschmiedekunst, Design und Schmuck "zum Anbeißen": Edle Bestecke, kunstvoll verzierte Aufbewahrungsgefäße oder barocke Servicearrangements stehen dabei ebenso im Fokus wie ethnografische Kostbarkeiten oder zeitgenössisches Design. "So mancher Luxus vergangener Epochen ist heute Alltag, ob morgendlicher Kaffee oder der edle Tropfen zum festlichen Anlass", erläutert Kuratorin Katja Poljanac.
Vom fürstlichen Service zur industriellen Massenware
Mit aufwendigen Banketten und exquisitem Tafelschmuck zelebrierten die Fürstenhäuser Europas ihre Macht und vertrieben sich luxuriös die Zeit. Zur römischen Kaiserzeit lagen die Gäste noch zu Tische und aßen vornehm mit einer Hand. Bis ins 18. Jahrhundert hatte man durchaus sein persönliches Besteck dabei – nicht selten kuriose oder kostbare Unikate. Im Barock verschmolz das zeremonielle Tafelgeschehen mit der Architektur zum Gesamtkunstwerk. Es kamen einheitliche Tafelservice in Mode, die mit der Industrialisierung schließlich zur gehobenen Massenware wurden.
Über die Zeit verfeinerten sich nicht nur die Essgeräte und Manieren bei Adel und aufstrebendem Bürgertum. Wildbret, Geflügel und Fisch, raffinierte Pasteten und Konfekt waren Bestandteil üppiger Mahlzeiten, deren Rezepturen und Opulenz uns heute in Erstaunen versetzen. Handel, Eroberungszüge und Migrationsprozesse bereicherten die Speisezettel mit exotischen Früchten und Gewürzen und veränderten über die Jahrtausende Sitten und Gebräuche.
Auch das Berufskolleg für Design, Schmuck und Gerät der Goldschmiedeschule Pforzheim hat sich mit dem Thema "Aufgetischt" auseinandergesetzt. Die 25 Schülerinnen und Schüler des ersten Ausbildungsjahrs haben kunstvolle Objekte geschaffen, die das Thema auf individuelle Weise interpretieren.
Zur Migration von Nahrungsmitteln
Der Ethnologe Andreas Volz, Co-Kurator der ethnografischen Objekte der Schau und ausgewiesener Experte auf diesem Gebiet, beleuchtet die Geschichte der Nahrungsmittel selbst: Wie sind Kakao, Tee oder Kaffee nach Europa gelangt? Was wurde als Heilmittel angesehen, und wie beeinflusste Kolonialhandel unsere heutigen Vorlieben?
"Tischlein deck dich"
Die Besucher erwartet zudem ein virtuell "gedeckter Tisch", der Geschichte und Geschichten zu Geschmack und Gestaltung, Ritualen und sozialen Praktiken rund ums Essen eindrucksvoll veranschaulicht. Dieses "Tischlein deck dich" wurde ermöglicht durch die Werner Wild Stiftung Pforzheim.
Die Ausstellung unter der Gesamtleitung von Museumsleiterin Friederike Zobel wurde von Katja Poljanac konzipiert und kuratiert. Als Co-Kuratoren haben Isabel Schmidt-Mappes und Andreas Volz mitgewirkt.
Veranstaltungsprogramm
Begleitend zur Ausstellung lädt ein vielseitiges Veranstaltungsprogramm zum Mitmachen ein, ob bei einem Workshop übers Putzen von Tafelsilber, einer Multi-Kulti-Genusstour in Pforzheim oder wenn Denis Scheck erzählt und aus seinem Buch "Schecks kulinarischen Kompass" liest.
Publikation
Friederike Zobel, Katja Poljanac, Isabel Schmidt-Mappes (Hg.): Aufgetischt – eine kulinarische Weltreise. Zur Kultur des Essens und Trinkens. Arnoldsche Art Publishers, Stuttgart. 240 Seiten, 23 × 29 cm, ca. 200 Abb., Deutsch, ISBN 978-3-89790-746-1.
Mit Beiträgen von Isabell Immel, Schoole Mostafawy, Katja Poljanac, Paulus Rainer, Isabel Schmidt-Mappes, Harald Stahl, Daniel Suebsman, Sabine Tiedtke, Andreas Volz, Heike Zech, Friederike Zobel.
Ermöglicht durch die Werner Wild Stiftung Pforzheim.
Leihgeber
Archäologisches Landesmuseum Baden-Württemberg, Badisches Landesmuseum, Bröhan Museum, Bundesmobilienverwaltung/Silberkammer der Hofburg Wien, Deutsches Klingenmuseum Solingen, Ethnologisches Museum Berlin, The Fitzwilliam Museum/University of Cambridge, Galerie Meyer, Paris, Germanisches Nationalmuseum, GRASSI Museum für Angewandte Kunst, GRASSI Museum für Völkerkunde zu Leipzig, Historisches Museum der Pfalz, Jüdisches Museum Berlin, Kunsthistorisches Museum Wien/Kunstkammer, Linden-Museum Stuttgart, Museum Fünf Kontinente München, Museum für Asiatische Kunst Berlin, Museum für Ostasiatische Kunst Köln, Museum Natur und Mensch – Museen Freiburg, Museum der Universität Tübingen, Die Neue Sammlung – The Design Museum, München, Wereldmuseum.
Stadtarchiv Pforzheim, Landesforstverwaltung Baden-Württemberg/Forstdirektion Freiburg.
Berufskolleg der Goldschmiedeschule mit Uhrmacherschule Pforzheim, Schwarzmüllerglas, David Bielander/Galerie SO London, Elisabeth Heine, Yasutaka Okamura, Katja Sondermann, private Leihgeber.